Beiträge von earnshaw

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Hallo Cait,


    meine Ausgabe ist diese hier:
    The Conjurer's Bird - Martin Davies

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    Das ist ein relativ großformatiges (gebundenes) Buch und auch recht großzügig beschriftet. Mit kleinerer Schriftart und vermindertem Zeilenabstand ließen sich bestimmt noch viele Seiten einsparen. Dennoch erscheint mir die Differenz zur deutschen Ausgabe zu hoch. Vor allem, weil Übersetzungen ja meist länger sind, als der englische Originaltext.


    "Südwinde" habe ich mir auch schon mal angesehen, allerdings schreckt mich diese "Frau-an-Bord"-Geschichte doch ziemlich ab. Aber ich werd's auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten.

    An Büchern über James Cook oder damit verbundenen Themen kann ich einfach nicht vorbeigehen. Und speziell die Geschichte um Joseph Banks und dessen geheimnisvoller Geliebten hat mich immer schon interessiert. Dieses Buch hatte bei mir also von vornherein den "Steckenpferd"-Bonus und damit beste Startbedingungen. Und ich war nicht enttäuscht: Martin Davies verknüpft in seinem Roman verschiedene Zeitebenenen, Fakten und Fiktion sowie mehrdimensionale Charaktere gekonnt miteinander. Dass dabei die Handlung im "Gegenwarts-Strang" manchmal doch ein wenig stark konstruiert daherkam, hat meinen insgesamt positiven Gesamteindruck vielleicht etwas gemindert, aber nicht zerstört.


    Mit der historischen Einordnung hatte ich aufgrund meines Vorwissens natürlich keine Probleme. Inwieweit fehlende Hintergrundinformationen die Lesefreude mindern könnten, kann ich daher nicht beurteilen.
    Martin Davies hat allerdings auch ein mehrseitiges Nachwort verfasst, in dem er die historisch belegten Fakten sowie aktuelle Forschungsergebnisse erläutert (Banks/Burnett, Logbuch James Cook, Vogel von Ulieta). Offenbar scheint dieses Nachwort in der deutschen Übersetzung aber nicht enthalten zu sein.


    Stutzig macht mich übrigens, dass die deutsche Fassung fast 100 Seiten weniger umfasst, als meine englische Originalausgabe. Ob da wohl noch mehr als nur das Nachwort dem Rotstift zum Opfer gefallen ist?

    Im Mai konnte ich nicht viel Lesezeit abknapsen. Darum hat's nur für zwei Bücher gereicht:


    Cody McFadyen - Die Blutlinie o/+
    Ein sehr blutreicher und harter Krimi. Für meinen Geschmack waren die Hauptpersonen aber viel zu stark überzeichnet. Und das dauernde Psycho-Problem-Gewälze ging mir einigermaßen auf die Nerven. Zwischenzeitlich war's aber auch mal richtig schön spannend.

    Wolfram Fleischhauer - Das Buch in dem die Welt verschwand -/o
    Das ist offenbar wieder eines von den Bücher, das anscheinend jeder mag, nur ich wieder nicht. Ich fand's einfach nur richtig, richtig langweilig. Interessant waren höchstens die diversen Einblicke in die Medizin des 18. Jahrhunderts.

    Noch immer buchkauffrei :klatschen:


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    Der April war bei mir ein ziemlich lascher Lesemonat:


    Damsgaard, Shirley - Witch Way to Murder -/o
    Band 1 der "Ophelia & Abby"-Reihe. Ein Krimi mit einer hexenden Bibliothekarin als Hauptfigur. Das hätte interessant werden können, wurde es aber nicht. Für meinen Geschmack viel zu wenig Krimi und viel zu viel Esoterik.


    Steinfest, Heinrich - Tortengräber o/+
    Ein Wien-Krimi, sehr skurril, schräg und schwarzhumorig. Zum Ende hin hat Heinrich Steinfest die Geschichte aber dann doch irgendwie überdreht, sodass es ein bisschen nervig wurde. Insgesamt war's aber eine vergnügliche Lektüre.


    Thiesler, Sabine - Hexenkind -
    Langweilig, vorhersehbar und viel zu dick.


    Jens, Inge und Walter - Frau Thomas Mann o
    Bei dieser Biographie über Katia Pringsheim wird meiner Meinung nach sehr viel an Hintergrundwissen vorausgesetzt. Mir zumindest ging es beim Lesen zeitweilig so, dass ich überhaupt nicht mehr verstanden habe, worauf sich das Geschilderte gerade bezieht. Auch der sehr umfängliche Anhang gab keine erhellenden Auskünfte. Insgesamt aber durchaus interessante Lektüre.


    Thompson, Victoria- Murder on Astor Place +
    Band 1 der "Gaslight-Mysteries". Hauptperson ist eine Hebamme im New York des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eigentlich mag ich historische Krimis nicht allzusehr. Dieser hat mich aber durchaus begeistert. Personen und Atmosphäre sind gut geschildert, ohne allzu klischeehaft daherzukommen. Das Ende war zwar etwas überdramatisch, das tat dem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch. Band 2 liegt zum Glück schon mal im SUB bereit.


    Gehört habe ich außerdem:


    Klönne, Gisa - Der Wald ist Schweigen (Buch: o/+ - Sprecherin: ++)
    Spannender Krimi (wenngleich offenbar für die Lesung stark gekürzt), toll gelesen von Edda Fischer.


    Orwell, George - Animal Farm (Buch: ++ - Sprecher: o/+)
    Immer wieder gut. Egal ob als Buch oder Hörbuch. Ungekürzte Fassung. Gelesen von Ralph Cosham.


    Hamid, Mohsin - Der Fundamentalist, der keiner sein wollte (Buch: + - Sprecher: +/++)
    Interessantes Thema, sehr gut interpretiert von Stephan Benson. Ungekürzte Fassung.

    Meine Mitte Dezember ins Leben gerufene Aktion "100 Tage Buchkauffrei" habe ich tatsächlich erfolgreich hinter mich gebracht. Jetzt hoffe ich auf das Ausbleiben des Jo-Jo-Effekts :breitgrins:

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    Schmid, Susy - Himmelskönigin -/0
    Leidlich spannender, teilweise aber ganz witziger Krimi aus der Schweiz.

    Suter, Martin - Small World +
    Roman-Krimi um einen Alzheimer-Patienten. Interessanter Plot, gerade zum Ende hin aber doch ein bisschen arg konstruiert.


    Akunin, Boris - Pelagia und der schwarze Mönch +/++
    Band 2 der Schwester-Pelagia-Reihe. Kritiker behaupten, Boris Akunin schwafelt. Das tut er. Aber ich mag's.


    Dürrenmatt, Friedrich - Das Versprechen 0
    Mit Friedrich Dürrenmatt werde ich einfach nicht warm. Daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern.

    Gerritsen, Tess - Schwesternmord +
    Band 4 der Rizzoli-Reihe. Solider, spannender Krimi.

    Belli, Gioconda - Das Manuskript der Verführung 0
    Ein Roman um Königin Johanna von Kastilien ("Die Wahnsinnige"). Recht interessant zu lesen, aber letztendlich sprang der Funke nicht über.

    Winter, Leon de - SuperTex 0/+
    "Was macht ein Jude am Schabbesmorgen in einem Porsche?" Dieser Frage geht der jüdische Industrielle Max Breslauer nach. Interessante Einblicke in das Judentum, die Probleme eines desillusionierten, übergewichtigen End-30er interessierten mich aber dann doch nicht allzusehr.


    Schaub, Urs - Tanner -/0
    Noch ein Krimi aus der Schweiz. Witzige Sprache und skurriles Personal. Dennoch eher langatmig und teilweise absolut realitätsfern.


    Leon, Donna - Das Gesetz der Lagune 0
    Die Brunetti-Reihe lese ich immer wieder mal gern. Allerdings war dies für mich ein eher schwacher Band.


    (und vielleicht wäre der Beitrag wirklich besser im BEreich Fantasy angesiedelt? :zwinker: )


    Ja, die Zuordnung ist eben nicht eindeutig. Den Anteil Fantasy/Historisch würde ich z.B. mit Diana Gabaldon vergleichen, die ja hier auch als "Historisch" gelistest wird. Aber natürlich kann die Rezi gern auch in den Fantasy-Bereich verschoben werden, wenn's hier nicht so passend erscheint.

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    Autor: Rainer Eder
    Titel: Der Bildergeher


    Die Zuordnung dieses Buch fiel mir ein bisschen schwer. Einerseits spielt sich die Handlung zu einem überwiegenden Teil in historischem Kontext ab, andererseits gibt es aber auch einige Elemente, die vielleicht eher in die Fantasy/ScFi-Ecke passen würden (z.B. Zeitreise, übersinnliche Kräfte). Ich habe mich aber dennoch jetzt mal für die Kategorie "Historisch" entschieden.


    Inhalt:


    François Barry ist Nachtwächter in einer Gemäldesammlung. Seit 15 Jahren verbringt er seine Nächte in einem Kellerraum, betrachtet die Überwachungsbildschirme und unterhält sich mit Ludwig van Beethoven, der ihm in Form einer Keramikbüste Gesellschaft leistet. François' Nachtwächter-Dasein verläuft absolut ereignislos, bis er eines Tages bei einem Kontrollrundgang von einem Einbrecher überrascht wird. Bei dem Versuch, den Alarm auszulösen, verschwindet François in einem der ausgestellten Gemälde und befindet sich plötzlich in dem sächsischen Dorf Pirna des Jahres 1751.
    Doch alle Dorfbewohner sind erstarrt, stecken fest in der Zeit, die der Maler auf der Kirchturmuhr festgehalten hat. Es gibt nur einen Weg, die Menschen aus ihrem Zeitgefängnis zu befreien: Bernardo Bellotto – der Maler – muss die Kirchturmuhr aus dem Bild entfernen. Zusammen mit einem mysteriösen Geiger macht sich François auf die Suche nach Bellotto. Ihre Suche führt sie nach Sanssouci, an den Hof Friedrich des Großen.


    Meinung:


    Der Plot ist vielversprechend. Und zunächst fängt das Buch auch wirklich stark an. Der Ich-Erzähler François schildert eindrucksvoll sein tristes und einsames Nachtwächter-Leben. Er stellt Überlegungen über Zeit, Malerei und den Sinn des Lebens an, ohne dabei kitschig oder pathetisch zu werden. Das dunkle Museum oder das "zeitlose" Gemälde-Pirna wurden dank der schlichten, dennoch facettenreichen Sprache vor meinen Augen geradezu lebendig.


    Leider konnte das Buch aber nicht halten, was die ersten Seiten versprachen. Spätestens bei der Ankunft in Sanssouci driftet die Geschichte irgendwie ab, wird unlogisch, holprig, löchrig. Die zuvor so vielschichtig gezeichneten Personen verlieren an Farbe und Ausdruck. Die Suche nach dem Maler scheint plötzlich überhaupt nicht mehr wichtig zu sein, merkwürdige Morde sind aufzuklären und pseudo-philosophische Betrachtungen über Gott und die Welt sorgen zusätzlich für Verwirrung der ohnehin schon konfusen Handlungsstränge.


    Aus den Zutaten dieses Buches hätte ein rundum gelungener Roman werden können. Leider hat der Autor das Potential seiner Geschichte und seiner Figuren aber bei weitem nicht ausgeschöpft. Schade, denn dass Rainer Eder schreiben kann, hat er zu Beginn dieses Buches eindrucksvoll bewiesen.


    Nicht unerwähnt lassen möchte ich die vielen Tipp-, Trenn- und Schreibfehler, die selbst ein einfaches Rechtschreibprogramm problemlos hätte aufstöbern können. Wahrlich kein Aushängeschild für den Schneekluth-Verlag.

    Für die Idee und den gelungenen Anfang vergebe ich


    2rattenplus :marypipeshalbeprivatmaus:


    Wenn ich Stufen von Grau möchte, lese ich zeitgenössische Literatur. :zwinker:


    Graustufen erwarte ich mir eigentlich genreübergreifend (na gut, vielleicht nicht bei Nackenbeißern :zwinker:).


    Aber wie ich ja schon schrieb, kann ich die Begeisterung für die "Elster" ja auch irgendwie nachvollziehen. Mich haben eben die genannten Dinge gestört. Das sollte ja niemanden davon abhalten, das Buch zu lesen und zu mögen.


    Wenn ich mich hier durch die einzelnen Threads klicke, komme ich ohnehin zu dem Schluss, dass mein Buchgeschmack nicht besonders ... hm ... "forumskompatibel" ist.

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    Autor: John Vermeulen
    Titel: Die Elster auf dem Galgen
    Originaltitel: De Ekster op de galk
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Susanne George


    Kurzbeschreibung (lt. Amazon):


    Ein Roman, der fundiert und ungemein anschaulich mitten hineinführt in das Leben und Werk des Pieter Bruegel - und in die turbulenteste und grausamste Epoche der niederländischen Geschichte. Ein Knabe ist heimlicher Zuschauer bei einer grausigen Szene: Menschen werden von den Schergen der spanischen Inquisition an den Galgen geknüpft, eine Meute Schaulustiger feiert die Hinrichtung. Der Junge hält den Eindruck in einer Skizze fest, und Jahre später wird ein weltberühmtes Bild daraus hervorgehen: Die Elster auf dem Galgen.


    Meinung:


    Dieser Roman beschreibt das Leben Pieter Bruegels (des Älteren), einem flämischen Maler des 16. Jahrhunderts. Über sein Leben ist nicht allzu viel bekannt. Erhalten geblieben sind aber viele seiner Bilder, wie beispielweise das titelgebende Gemälde "Die Elster auf dem Galgen".

    Flandern (heute Teil Belgiens, damals den Niederlanden zugehörig) stand zur Zeit Pieter Bruegels unter spanischer Herrschaft. Der spanische König Philipp II. setzte seine Halbschwester Margarete von Parma als Statthalterin ein, die das Land im Sinne der aus Madrid kommenden Anweisungen verwaltete. Die spanische Politik beschnitt althergebrachte Rechte und Privilegien, was zu heftigem Unmut in der niederländischen Bevölkerung führte. Neben den politischen Konflikt trat auch eine religiöse Auseinandersetzung, da der spanische König den aufkommenden Calvinismus vehement zu unterdrücken versuchte.


    Pieter Bruegel wächst also in unsicheren Zeiten auf und muss bald erleben, dass schon ein gering erscheinender Verstoß gegen die Maßgaben der neuen Machthaber schwerwiegende Folgen haben kann. Protegiert wird er von dem einflussreichen Kardinal Granvelle, der dem talentierten Pieter eine fundierte Ausbildung in einer Antwerpener Künstlerwerkstatt ermöglicht. Schon bald wird er zu einem der angesehensten Maler seiner Zeit.

    Um es ganz direkt zu sagen: mir hat dieses Buch nicht wirklich gefallen. Das bedeutet nicht, dass ich die durchweg positiven Meinungen, die es dazu überall zu lesen gibt, nicht auch nachvollziehen könnte. Ich bin mir sogar sicher, dass dieses Buch noch vor einigen Jahren ebensolche Begeisterung bei mir ausgelöst hätte. Historische Romane zählten schon immer zu meinen favorisierten Genres, ich liebe es einfach, in fremde Zeiten abzutauchen. Mit der Zeit stellt sich dabei aber offensichtlich doch so etwas wie ein "Sättigungseffekt" ein. Immer häufiger habe ich das Gefühl, dieses oder jenes schon x-mal irgendwo gelesen zu haben. Und speziell auf die beliebten Gut-/Böse-Konstellationen reagiere ich inzwischen ziemlich allergisch.


    Und genau das ist es, was ich hier im Übermaß präsentiert bekam: vorhersehbare Handlungsstränge und Figuren, die auf mich teilweise so überzeichnet wirkten, dass sie mir schon fast als Karikatur erschienen. Da gibt es zum Beispiel den schon genannten Kardinal Granvelle, der in sich all die Eigenschaften vereint, die ein richtiger Fiesling so mit sich bringt: machthungrig, grausam, gierig, kaltherzig. Oder den Fischer Jobbe, den perfekten Gutmenschen, der Ratschläge für jede Lebenslage parat hält.

    Abgesehen davon wird in diesem Buch für meinen Geschmack viel zu wenig differenziert und viel zu oft klassifiziert. Immer wieder ist da die Rede von "den Spaniern"/"der Kirche"/"dem Klerus"/"den Bauern"/"den Calvinisten"/"den Italienern". Solche Verallgemeinerungen stören mich grundsätzlich, und wenn ich dann gleich noch eine Einordnung in Gut/Böse/Richtig/Falsch mitgeliefert bekomme, dann fühle ich mich gedanklich gegängelt. Und das ärgert mich. Denn ganz sicher waren auch zur damaligen Zeit nicht alle Spanier üble Gesellen und nicht alle Kleriker fanatische Kleingeister.


    Mein Hauptkritikpunkt ist letztendlich dann aber doch ein anderer: für mich kommt die Malerei eindeutig zu kurz. Bei Wikipedia habe ich mehr über die Werke und künstlerische Entwicklung Pieter Bruegels erfahren, als aus den knapp 500 Seiten dieses Romans. Sicherlich kann man keine ausgefeilten Beschreibungen und Deutungen der einzelnen Bilder erwarten. Aber bis auf "Die Elster auf dem Galgen" und "Triumph des Todes" wird kaum ein Bild überhaupt näher erwähnt. Schade, denn gerade das hatte ich mir von diesem Buch erhofft: einen kleinen Ein- und Überblick über das, was das Werk Pieter Bruegels ausmacht.

    2ratten

    Da ich im Januar zwei Wochen Urlaub hatte, ist meine Leseliste diesmal recht umfangreich:


    Ryan, P. B. - Murder on Black Friday o
    Band 4 der "Gilded Age Mysteries". Diese Serie ist bestimmt kein (krimi-)literarisches Highlight, aber ich mag die Figuren und die Atmosphäre. Für mich einfach eine "Wohlfühlserie".


    Meyer, Kai - Die Alchimistin o
    Wie der Titel schon sagt, geht es um Alchimie. Außerdem: Geheimbünde, die Templer, Verschwörungen, Verwünschungen, Verwirrungen, Feindschaften, Freundschaften, haufenweise merkwürdige Gestalten. Für meinen Geschmack einfach zuviel des Guten.


    Feyl, Renate - Das sanfte Joch der Vortrefflichkeit +/o
    Eine Romanbiographie über Caroline von Wolzogen (Schriftstellerin und Schwägerin Schillers). "Nett" zu lesen, mit interessanten Einblicken in das (literarische) Leben im Weimar des 18./19. Jahrhunderts.


    Kurkow, Andrej - Picknick auf dem Eis +/o
    Eine kuriose Geschichte, die trotz der vielen Morde mehr melancholisch als spannend daherkommt.


    Noort, Saskia - Das dunkel Haus o
    Ein Psychothriller mit durchaus spannenden Wendungen und viel Atmosphäre, insgesamt aber dann doch ziemlich vorhersehbar. Ein Buch, das sich gut als "Zwischendurch"-Lektüre eignet.


    Vermeulen, John - Die Elster auf dem Galgen -
    Ein historischer Roman über den flämischen Maler Pieter Bruegel (den Älteren). Um es kurz zu sagen: mir hat's überhaupt nicht gefallen. Zuviele Klischees, zuwenig Malerei. Wenn das Buch nicht Teil des SUB-Wettbewerbs gewesen wäre, hätte ich es sicher nicht beendet.

    Purschke, Ulrike - Hendrikje, vorübergehend erschossen +
    Auf dem Cover prangt ein Zitat der Nordwest-Zeitung "Dieses Buch macht glücklich". Das halte ich jetzt zwar für übertrieben, dennoch habe ich mich ausgesprochen gut unterhalten gefühlt. Eine witzig-schräge (manchmal auch sehr makabere) Geschichte.


    Roth, Joseph - Hiob +/++
    Erzählt wird die Geschichte des Juden Mendel Singer, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Galizien lebt. Angelehnt an das Buch Hiob aus dem Alten Testament. Mein Monatshighlight - vor allem wegen der großartigen Sprache.

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    Autor: Andrej Kurkow
    Titel: Picknick auf dem Eis
    Originaltitel: Smert’ postoronnego
    Aus dem Russischen übersetzt von Christa Vogel


    Inhalt (Klappentext):


    Als Tagträumer hat es Viktor schwer im Kiew der Neureichen und der Mafia: Ohne Geld und ohne Freundin lebt er mit dem Pinguin Mischa und schreibt unvollendete Romane für die Schublade. Doch eines Tage bietet ihm der Chefredakteur einer großen Zeitung eine gutbezahlte Stelle an: Viktor soll Nekrologe über berühmte Leute verfassen, die allerdings noch gar nicht gestorben sind. Wie jeder Autor möchte Viktor seine Texte auch veröffentlich sehen, doch erweisen sich die VIPs als äußerst zählebig. Bei einem Glas Wodka erzählt er dem Freund seines Chefs davon. Als Viktor ein paar Tage später die Zeitung aufschlägt, sieht er, dass sein Wunsch beängstigend schnell in Erfüllung gegangen ist.


    Meinung:


    "Picknick auf dem Eis" spielt im Kiew der 1990er Jahre. Nach dem Zerfall der Sowjetunion befindet sich die Ukraine politisch und wirtschaftlich in einem turbulenten Umbruchprozess. Die Bevölkerung leidet unter den Folgen einer galoppierenden Inflation, selbst die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten kann nicht mehr sichergestellt werden kann. Gewalt, Korruption und organisierte Kriminalität gehören zum Alltag.


    Unter diesen Umständen ist ein Menschenleben ist nicht viel wert. Und so kommt es, dass in diesem Buch haufenweise bestochen, betrogen und gemordet wird, ohne dass sich so recht jemand dafür zu interessieren scheint. Wenn auf der Straße Pflastersteine fliegen oder Schüsse knallen, geht man eben nichts ans Fenster. Wenn ein Mensch von einer Tretmine zerfetzt wird, ist das kein Grund zur Beunruhigung. 118 ermordete VIPs sind bestenfalls einer flüchtigen Erwähnung wert. Denn schließlich: wer in der Ukraine zu Macht und Reichtum gekommen ist, kann das nur durch unlautere Methoden erreicht haben. Da wird’s dann schon nicht den Falschen getroffen haben. Und hat nicht jeder einzelne schon mehr als genug damit zu tun, sein eigenes Überleben zu sichern?


    Und so kümmert sich auch der Schriftsteller Viktor nicht allzusehr um die Machenschaften seiner Auftraggeber. Er verfasst die nachgefragten Nekrologe und sichert damit seinen Lebensunterhalt. Auch nachdem die in seinen Nachrufen genannten Personen nach und nach auf oft mysteriöse Art und Weise das Zeitliche segnen, bleibt er passiv. Die "Planwirtschaft des Todes", deren Handlanger er geworden ist, blendet er aus.


    Die ganze Geschichte mutet surreal und vollkommen überzogen an. Schwarzhumorig und skurril. Allerdings bin ich mir nicht sicher, wo hier die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zu ziehen sind. Leider fürchte ich, dass sich viel mehr Wahrheit in diesem Buch widerspiegelt, als man vielleicht zunächst annimmt. Und darum kann ich mich den oftmals zu lesenden Bewertungen wie "hinreißend leicht" (Die Welt) nicht anschließen. Die Geschichte ist ungewöhnlich und schräg, "leicht" oder witzig fand ich sie nicht wirklich. Eher ernüchternd und deprimierend.


    Und daran ändert dann auch der Pinguin Mischa nichts. Eher im Gegenteil. Denn Mischa ist ständig traurig und herzkrank obendrein. Und damit fast schon so etwas wie ein alter ego Viktors. Beide sind einsam, jeder auf seine Weise. Und an einer Stelle sagt Viktor dann auch: "Der Pinguin bin ich."


    Bewertung:


    3ratten plus :marypipeshalbeprivatmaus:

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    Autorin: Saskia Noort
    Titel: Das dunkle Haus
    Originaltitel: Terug naar de kust
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Annette Wunschel


    Die Niederlande sind auf meiner persönlichen Leselandkarte eher selten zu finden. Niederländische Krimis noch viel seltener. Schade eigentlich, denn oft erlauben ja gerade Kriminalromane ganz "nebenbei" vielerlei Einblicke in das Alltagsleben eines Landes. Unter anderem auch aus diesem Grund ist "Das dunkle Haus" auf meiner Liste für den diesjährigen SUB-Wettbewerb gelandet. Und das war gar keine so schlechte Entscheidung.

    Inhalt/Meinung:


    "Maria! Du bist eine Natter. Eine Schlampe, die ihr Kind ermordet hat. Du bist es nicht wert, Kinder zu haben. Du bist es nicht wert zu leben. Seit Jahren verfolge ich dich. Du musst bestraft werden, Hure!"


    Zwischen Steuerbescheiden, Kontoauszügen und einer Aufforderung zur zahnärztlichen Routineuntersuchung findet die Sängerin Maria Vos diesen Text. Fein säuberlich mit Schreibmaschine auf die Rückseite einer Ansichtskarte geschrieben. Maria ist fassungslos. "Welcher Idiot kann so was schreiben?" fragt sie sich. Und meint, die Antwort zu kennen. Denn wer außer ihrem Ex-Freund Geert sollte da in Frage kommen? Geert, der Vater des Kindes, das sie gerade abgetrieben hat? Geert, von dem sie sich erst vor wenigen Tagen getrennt hat?


    Aber Geert bestreitet vehement, die Karte geschrieben zu haben. Und Maria beginnt zu zweifeln. Gedanklich spielt sie alle Möglichkeiten durch. Ex-Liebhaber? Verwandte, Freunde, Nachbarn, Kollegen? Nichts scheint ihr plausibel. Maria wendet sich an die Polizei, findet dort aber keine echte Hilfe.


    Die Drohungen gehen weiter. Briefe, Päckchen mit unerquicklichem Inhalt und immer mysteriösere Ereignisse bringen Maria schließlich dazu, mitsamt ihrer beiden Kinder in ihr Elternhaus an der niederländischen Nordseeküste zu fliehen. Nach dem Tod der Eltern wohnt dort nun Marias einzige Schwester Ans mit ihrem Mann. Die Schwestern verstehen sich mehr schlecht als recht, aber als Maria vor der Tür steht, nimmt Ans sie sofort auf.


    Doch auch hier - in vertrauter Umgebung, direkt "am Rand der Niederlande" - findet Maria keine Ruhe. Sie hat merkwürdige Aussetzer, fühlt sich müde und verwirrt. An ihren Verfolger scheint inzwischen auch niemand mehr so recht glauben zu wollen. Weder die Polizei, noch die Schwester. Maria ist verzweifelt. Die Bedrohung ist doch real? Oder etwa nicht?


    Marias Familiengeschichte, die in Gesprächen und Rückblenden langsam Stück für Stück zusammengesetzt wird, gibt den Zweifeln nur noch mehr Nahrung. Denn schon Marias Mutter litt unter schweren Verfolgungsängsten, unternahm Mord- und Selbstmordversuche, befand sich in psychiatrischer Behandlung.

    Stand zu Beginn des Buches noch die Frage nach dem Verfasser der Drohbriefe im Vordergrund, beginnt Maria immer häufiger sich selbst und ihre Wahrnehmungen in Frage zu stellen: "Wie merkt man denn, ob man nicht richtig tickt? ... Man merkt es eben nicht. Das ist ja das Unheimliche."


    Die Geschichte wird nahezu vollständig aus der Sicht der Ich-Erzählerin Maria geschildert. Eine Erzählform, die mir zugegebenermaßen nicht besonders liegt, zwingt sie mich doch dazu, mich (zumindest in gewissem Umfang) mit dem jeweiligen Ich-Erzähler zu identifizieren und dessen subjektiven Blickwinkel zu teilen.
    Aber gerade diese Beschränkung macht letztlich den besonderen Reiz dieses Buches aus. Denn so erlebt man als Leser Marias Hin- und Hergerissensein zwischen Angst, Zuversicht, Mut und Verzweiflung sozusagen "hautnah" mit. Eine distanziertere Erzählperspektive wäre hier ganz eindeutig die schlechtere Wahl gewesen.


    Auch wenn ich schon recht frühzeitig vermutet habe, wie sich das Ganze letztendlich auflösen wird, war das Buch dennoch spannend zu lesen. Mit relativ schlichter Sprache gelingt es der Autorin, eine beklemmende Atmosphäre und glaubwürdige Personen zu schaffen. An manchen Stellen greift Saskia Noort für meinen Geschmack zwar etwas arg tief in die Klischee-Kiste und auch das Ende kommt mir ein bisschen zu konstruiert daher. Insgesamt aber ein solider Psychothriller, der auch Krimi-Viellesern noch den einen oder anderen Überraschungsmoment bescheren wird. Ein Buch, das man nicht unbedingt lesen muss, mit dem man aber durchaus einige unterhaltsame Lesestunden verbringen kann.


    Bewertung:


    3ratten