Beiträge von Alfa_Romea

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Zur Einleitung:

    Sorry für das lange Posting, ich versuchte mich kurz zu fassen und sehe, dass ich gescheitert bin. Wem es zu lang ist, hat mein volles Verständnis.

    Alle drei Bücher wurden als besonders positiv und Argument im Kampf für die Akzeptanz Behinderter gelobt.

    Und warum werden diese Bücher so positiv wahrgenommen?


    Ich glaube, da spielen sehr viele Faktoren hinein. Insbesondere auch der, dass das etwas grundsätzlich verwechselt wird. Ich kenne keines der Bücher (und lese auch keine anderen aus der Sparte), aber so wie du es beschreibst, scheint es nicht um die Akzeptanz behinderter Kinder zu gehen, sondern um die Akzeptanz des Frustes der Eltern. Es geht darum, dass die betroffenen Eltern (wohl vor allem Mütter) in aller Öffentlichkeit und Deutlichkeit sagen, was sie daran belastet, ein behindertes Kind zu haben. Dafür hätte man "früher" ganz schön auf den Deckel bekommen, weil Mutterliebe in jedem Fall und unter jedem Umstand als selbstverständlich, natürlich und unabänderlich vorausgesetzt wurde. Das hat sich geändert. Aber eben, mit der Akzeptanz Behinderter hat das nichts zu tun.


    Man stelle sich vor, die Tochter von Sandra Schulz wäre nicht behindert - und würde später mal lesen, wie ihre Mutter über 200 Seiten darüber nachdenkt, sie abzutreiben. Wäre das nicht grausam?


    Jein. Es kommt darauf an, wie die Mutter ihrer Tochter das erklären würde; insbesondere, weshalb diese Gedanken veröffentlicht wurden. Das ist aus meiner Sicht das einzige "Problem" hier.


    Ob und wann ein Kind zur Welt kommt ist in jedem Fall die Entscheidung der Eltern; sie sind es auch, die für ihre Entscheidung die volle Verantwortung tragen. Entsprechend ist es ihre Pflicht, darüber nachzudenken, ob sie die Verantwortung tragen möchten oder nicht. (Natürlich macht man das grundsätzlich vor der Zeugung.)


    Bei einem Wunschkind, das bei den Voruntersuchungen gesund scheint, ist das keine grosse Sache. Man nimmt es an und freut sich darauf (und fürchtet sich auch davor - gehört alles dazu).


    Bei einem Kind, das möglicherweise oder sicher behindert ist, tauchen neue Fragen auf, der Entscheid muss auf einer anderen Basis getroffen werden.

    Dabei gibt es zwei Probleme, für die es keine Lösung gibt: 1. Es ist unmöglich, die betroffene Person nach ihren Wünschen und ihrem Empfinden zu fragen. 2. Man hat keine Ahnung, was auf einen zukommt, aber nur einen relativ kurzen Zeitraum, eine lebensverändernde Entscheidung (so oder so) zu treffen.


    Es ist das erste Mal, dass einen die Verantwortung, die man als Eltern trägt, voll zum Tragen kommt und dann gleich mit einer Entscheidung, bei der es um alles oder nichts geht. Dass man darüber 200 oder mehr Seiten zu schreiben hat, finde ich nachvollziehbar.


    Bleibt die Frage, weshalb und ob diese Gedanken veröffentlicht werden sollen. Wenn es dazu gedacht ist, andere Eltern in derselben Situation zu unterstützen, finde ich das vertretbar. Andere Motivationen eher nicht.


    Findet ihr das Anspruchsdenken "mein Leben soll durch das Kind schöner werden" übertrieben? Widert es euch an, wenn Eltern sich schämen, dass ihr Kind nicht perfekt ist oder sein könnte? Könnt ihr die Gedanken solcher Eltern nachvollziehen?

    Wer ein Kind möchte, um sein Leben schöner zu machen, sollte keines haben. Das klingt jetzt gemein, aber wenn das die Hauptmotivation ist, ist man auf dem falschen Dampfer.


    Aber ich weiss, das wird gerne mal als Motivation angegeben, ohne wirklich so gemeint zu sein. Ich glaube, die meisten Leute, die sich Kinder wünschen, tun das aus einem Instinkt heraus, der schwer in Worte zu fassen ist und die Frage nach dem Warum mit "weil mir im Leben sonst etwas fehlt / weil ich etwas weitergeben möchte / weil mein Leben damit schöner wird" beantworten - und sei es nur für sich selber. Das ist ja ok, so lange man sich bewusst ist, dass das nur der (unbeholfene) Ausdruck für diese eben nicht in Worte zu fassende Motivation ist, ein Kind zu haben.


    Das Problem fängt da an, wo man seine eigene Botschaft glaubt und anfängt, Wünsche und Erwartungen auf das Kind zu projizieren.

    Das ist IMMER problematisch, egal, ob das Kind ein Fötus, im Kindergarten oder ein Teenager ist, gesund oder behindert. Es äussert sich unterschiedlich, aber der Kern ist immer derselbe: man sieht das Kind nicht als eigenständigen Menschen, sondern als Objekt oder als Besitztum, das gefälligst nach den eigenen Vorstellungen geformt werden kann. Bei einer geistigen Behinderung ist das offensichtlich aussichtslos, entsprechend ist dort das Frustpotenzial am höchsten. Andere Dinge ("falscher" Berufswunsch, "falsches" Verhalten, "falsche" Vorlieben) kann man hinzubiegen versuchen aber eine Krankheit/eine Behinderung setzt Grenzen, die schwarzer Pädadgogik oder anderen dreckigen Tricks nicht zu ändern sind.


    Das Phänomen ist nicht neu (den Jungen, der einst 100% sicher die Bäckerei des Vaters übernehmen würde, gab es schon immer), aber die Verbissenheit mit der Eltern ihre Ziele verfolgen, hat zugenommen. Das rührt unter anderem daher, dass mehr und mit einem sehr viel weiteren Personenkreis verglichen wird/werden kann. Es betrifft auch nicht nur das "Projekt Kind", sondern unser ganzes Leben, das möglichst optimal und pannenfrei laufen soll. Die perfekte Figur, der perfekte Urlaub, die perfekte Tischdekoration. Auch dieses Phänomen ist nicht ganz neu - Diättipps in Zeitschriften gibt es seit ewig - aber wie, wo und wie oft wir damit konfrontiert werden, ist anders. Seit ein paar Jahren sind die Leute deshalb am Durchdrehen - an dieser Stelle ein Gruss ans Web 2.0, dem wir dieses Dauerfeuer in unserem Leben verdanken.


    In dem Kontext kann ein behindertes Kind als grössere Belastung empfunden werden, als das vor 20 Jahren der Fall gewesen wäre. Daran sind die Eltern aus meiner Sicht nur teilweise schuld - das Wettbewerbsdenken ist im Menschen tief verankert; dass es sich im Moment auf höchst diskutable "Leistungen" ausrichtet, kann dem Individuum nicht angelastet werden. Es braucht die Reflektion des eigenen Verhaltens, die Einsicht, dass man mehr von aussen gesteuert wird, als man sich eingestehen möchte und einen gewissen Willen zur Sozialunverträglichkeit (ein ganz ehrlich gemeintes "scheiss auf die Meinung der anderen"), um sich davon zu emanzipieren. Es ist schlicht unrealistisch, das von allen Leuten zu verlangen oder es vorauszusetzen. Egal, ob Eltern oder nicht, von gesunden oder behinderten Kindern.


    Diese Bücher sind nur die Spitze des Eisbergs von Enttäuschten, die nicht einsehen können, dass das Leben weit weg von perfekt ist; die für alles einen Verantwortlichen brauchen (der niemals sie selber sind).


    Ich will damit die Probleme von Eltern mit behinderten Kindern nicht kleinreden. Sie haben jedes Recht der Welt dazu, erschöpft, überfordert, am Ende ihrer Kräfte zu sein und sie sollen das 1. sagen dürfen und 2. Hilfe einfordern können. Sie sollen überall Verständnis für sich und ihre Kinder bekommen. Und Unterstützung; finanziell, moralisch, praktisch. Man soll sie fragen, ob und wie man sie unterstützen kann, statt sie und ihre Kinder zu stigmatisieren. Und wenn das nicht der Fall ist, soll es thematisiert und korrigiert werden.


    Trotzdem ist ein behindertes Kind kein Freipass, sich selber nicht zu reflektieren und sich nicht zu überlegen, wie man für sich, für den Partner/die Partnerin und nicht zuletzt für sein Kind einen Umgang mit der Problematik findet, die allen Beteiligen ein möglichst gutes, positiv geprägtes Leben ermöglicht. Ja, das ist sehr schwierig, wenn man weiss, dass man seinen Lebtag lang einen Menschen zu versorgen hat, der das nicht selber tun kann. Diese Herausforderung ist ungleich grösser als wenn man damit rechnen kann, dass das Kind eines Tages für sich selber sorgt. Man darf sich auch mal in eine Ecke setzen und heulen, weil man eben überfordert ist. Aber das kann keine Grundhaltung sein, weil man sonst seiner Verantwortung als Eltern nicht gerecht wird.


    Unter dem Aspekt würde es mich interessieren, ob die Autorinnen deiner Bücher das verstanden haben und im Nachhinein über die Phase berichten, in der sie eben den Umgang mit ihrem Leben mit einem behinderten Kind noch lernen mussten...


    Lieber Gruss


    Alfa

    Anders gesagt: Die Verlage verwechseln Medienpräsenz mit Auflagensteigerung.

    Das klingt plausibel.


    ...und man kann aus Zahlen nicht alles herauslesen, aber wenn es nur Medienpräsenz und keine Verkäufe wären, dann wäre es ja wirklich der totale Irrsinn.

    Naja, dort sind ja auch keine allwissenden Genies am Werk, sondern Menschen, die irgendwas mit Marketing gelernt/studiert haben und die auch nicht so recht wissen, welche Kennzahlen jetzt was genau bedeuten*. Da der Mensch höchst ungern zugibt, dass er keine Ahnung hat (und letztlich auch der Job der Marketingmenschen dran hängt), machen sie das, was sie gelernt haben: vermarkten. Und zwar ihre Zahlen gegenüber der Chefetage, die von der Materie noch viel weniger Ahnung hat und bei der Präsentation anerkennend nickt, während sie sich fragen, was zum Teufel der da vorne grad labert.


    *Das kommt daher, dass das wohl tatsächlich schwierig herauszufinden ist, da Social Media ein relativ neues Phänomen ist, das sich zudem sehr schnell verändert und weiterentwickelt. Im Gegensatz zu "klassischem" Marketing fehlen wohl noch die wissenschaftlichen Studien respektive Metastudien, die empirisch zeigen könnten, was eigentlich los ist. Dass Plattformen wie Facebook und Twitter ständig an der User Experience rumschrauben (zB die Änderung einer strikten Timeline zu einer Algorithmus-basierten Filteransicht) hilft auch nicht.


    Es ist also kein Irrsinn, sondern Hilflosigkeit. Daraus kann man niemandem einen Vorwurf machen, aber Aktionismus wäre jetzt nicht der Weg, den ich einschlagen würde. (Aber ich besitze auch keinen Verlag und bin dafür verantwortlich, dass x Personen übermorgen noch einen Job haben, also was weiss ich schon...)




    Ich glaube nicht, dass das Buch sterben wird. Aber es wird wohl weniger. Die Entwicklung betrifft ja nicht nur einzelne Medien wie eben Bücher vs. Netflixserien vs. Hörbücher vs. Konsolenspiele.


    Wie hier bereits angedeutet, wird das Freizeitangebot seit Jahren generell grösser und - vor allem bei digitalen Angeboten - teilweise bequemer verfügbar. Das spüren etwa auch die in der Schweiz hochtraditionellen Turn- oder Schützenvereine, die Musikgesellschaften, die Mühe haben, Mitglieder zu finden da "neue" Angebote wie Skateparks, Paintball-Arenen oder die Möglichkeit, mit wenig Geld selber Musik zu produzieren für jüngere Menschen interessanter scheinen als die traditionellen Beschäftigungen.


    Am Ende wird nicht mehr jedes Dorf einen gemischten Chor haben, aber es wird auch nicht gar keine mehr geben. Und so sehe ich das auch bei den Büchern.


    Die spannendere Frage ist, welche Bücher wird es denn noch geben? Wofür wird man den ganzen Aufwand noch betreiben? Groschenromane oder Hochliteratur? (Auch da: ich glaube für beides. Die Frage ist, in welchem Verhältnis.)


    Und zum Schluss noch dies:

    Meine Töchter sind versierte Tablet-Nutzerinnen und Fernsehjunkies wie praktisch jedes Kind in der westlichen Zivilisation. (OK, ich sage ihnen, wie viel Bildschirmzeit es gibt. Aber es ist mehr als Medienpädagogen empfehlen.) Trotzdem schauen sich beide auch sehr gerne und häufig Bücher an, sitzen versunken da und tauchen richtig ab in die Welt bedruckten Papiers und reissen sich davon teilweise genauso schwer los wie vom Tablet. (Sie können beide noch nicht lesen.) Deshalb glaube ich, dass es auch morgen noch Leser*innen geben wird, die Bücher schätzen, kaufen, lesen und lieben.

    Ja, Philosophie muss in sich logisch sein.


    Aber du kannst einen (kleinen) Logikfehler im Storytelling1 machen, ohne dass die Fragen, die auf einer abstrakten Ebene behandelt werden2, davon berührt sind.


    1 Luba Luft ist weltberühmt, obwohl sie keine glaubwürdige Biografie hat.

    2 Was unterscheidet den Menschen vom hochentwickelten Androiden?

    Es gibt ja auch keinen haltbaren Grund für Rassismuss und Hass gegenüber Menschen anderer Hautfarben, das Anderssein alleine reicht schon aus.

    Schon richtig. Von Rassisten erwarte ich auch keine Rechtfertigung für ihren Hass. Aber von einem hochgelobten (?) SciFi-Autoren hätte ich einen Hinweis darauf erwartet, woher der Hass seiner Protagonisten rührt...


    Dicks Romane leben meiner Meinung nach von der Stimmung, die sie evozieren.

    Guter Punkt. Die Stimmung dieser postapokalpytischen Welt und wie die Protagonisten damit umgehen war beim Lesen tatsächlich zu spüren.


    Mir schienen alle recht resigniert, auch wenn sie das unterschiedlich zeigten. Deckard mit Sarkamus und einer der Hemdsärmeligkeit, derjenigen, die nichts mehr zu verlieren haben. Deckards Frau mit der Flucht in spirituelle Welten (wenn man die Übernutzung der Einswerdungsbox mal so interpretieren möchte). Der "Spezialfall" Isidore mit der Zufriedenheit, die er sich fast wie ein Mantra einredet, um seine Ängste im Zaum zu halten.

    Die Androiden dagegen waren weniger gut zu "spüren", obwohl sie unterschiedliche Charakterzüge aufwiesen.


    In diesem Aspekt ist Dick tatsächlich ein sehr guter Roman gelungen.


    Schade, wurde der Rest so vernachlässigt. Die Logiklöcher stören mich nicht mal am meisten, sondern - wie angesprochen - die grossen, nur angeritzten philosophischen Fragen. Da hätte ich vertieftere Antworten oder besser gesagt Denkanstösse erwartet.

    Danke für die Information, Valentine . In dem Fall werde ich vorerst keine weiteren Bücher von Dick mehr lesen. Die Lektüre war schon ein wenig enttäuschend.

    Aber das liegt vielleicht auch daran, dass ein Teil der im Buch aufgeworfenen Fragen ("Was unterscheidet den Menschen von der Maschine und wie testet man das?") heute nicht mehr so theoretisch sind wie damals, sondern in gewissen Kreisen schon recht breit diskutiert werden und es schon Alltagsbezüge dazu gibt (zB Bots auf Twitter, die auf Tweets antworten).


    Was da noch Zukunftsvision war, ist heute bereits ein reales Problem. Wenn auch noch nicht in physischer Form wie im Roman.


    Davon abgesehen, was haben die Menschen auf der Erde eigentlich konkret gegen Androiden? So weit ich mich erinnere, wird nirgends erwähnt, dass die Andys den Menschen irgendwelche Ressourcen streitig machen. Das lässt die Menschen respektive die Kopfgeldjäger doch ein bisschen - mangels eines besseren Wortes - rassistisch wirken. Sie werden getötet, weil sie keine Menschen sind. Bisschen dünn.

    Ich habe das Buch vor ein paar Monaten gelesen. Es war interessant, aber:

    Beim Roman selbst ging es mir ein wenig so wie Wendy, der Autor wirft sehr viele Ideen und Konzepte in den Raum, von denen die meisten leider sehr oberflächlich bleiben.

    Genau das hat mich auch gestört. Ich wartete immer darauf, dass noch "etwas passiert" im Sinne von mehr Tiefe. Natürlich, hätte man alles, was in dem Roman angerissen wird, vertieft, würde der Roman dreimal so dick.

    Meiner Meinung hätte es dem Buch gut getan, wenn weniger angedeutet und zumindest eins der aufgeworfenen Themen vom Autoren vertieft behandelt worden wäre.

    So wirkt es ein wenig wie ein Kellner, der einem all die leckeren Speisen zeigt und am Ende "Danke für den Besuch" sagt, ohne dass man nur ein Stück hätte probieren dürfen.


    Natürlich könnte man den Roman als Inspiration dazu sehen, sich über Androiden und künstliche Intelligenzen selber Gedanken zu machen. Die Thematik wird mit der Weiterentwicklung in den Bereichen Robotik und künstliche Intelligenz sowieso auf uns zukommen. (Ob Philip K. Dick das vorausgesehen hat oder nicht, weiss ich nicht.) Trotzdem wäre es nett gewesen, ein paar vertiefte Denkanstösse mit auf den Weg zu bekommen.


    (Geradezu meisterhaft schafften das übrigens die Autoren der Star-Trek-Folge "Wem gehört Data?", die der Frage nachgeht, ab wann ein Android nicht mehr als Werkzeug, sondern als Wesen mit Rechten angesehen wird.)


    Ich hatte vor der Lektüre von "Blade Runner" über das Buch gelesen, um herauszufinden, wie es zu verstehen ist - aber letztlich konnte es mich trotz dieser Vorrecherche nicht begeistern.

    aber ich hoffe mal, dass es bei den anderen nicht ganz so krass mit den ganzen Zufällen ist :zwinker:


    Es kommt ein wenig aufs Buch an :zwinker:


    Ich habe mal in meinem Archiv gestöbert und würde dir "Herr aller Dinge" empfehlen. Da geht es ohne allzu an den Haaren herbeigezogenen Zufällen.
    "Der Nobelpreis" ist zwar auch ein sehr unterhaltsames Buch, aber darin wendet Eschbach einen ziemlich dreisten Erzähltrick an, von daher könnte das in einem Tobsuchtsanfall münden.
    "Ausgebrannt" ist ein Spitzenbuch, krankt aber auch ein wenig an Zufällen. Die "schlimmste" Szene war für mich dort allerdings eine andere.


    Es scheint eine generelle Schwäche des Thrillergenres zu sein, dass Zufälle sich zufällig dann ereignen, wenn es zufälligerweise gerade keinen anderen eleganten Ausweg zu geben scheint. Das kann kein Zufall sein :breitgrins:


    Vielleicht hätte ich alfas Rezi lesen sollen bevor ich mit der Lektüre begann. :breitgrins: Dann wäre mir klar gewesen dass es kein guter Einstieg in Stephensons Schreibe ist.


    Nein, als Einstieg würde ich eher Error (Originaltitel "Reamde") empfehlen...
    Mit Anathem hast du dir ganz schön was vorgenommen. Bei mir steht der Reread noch aus, das Ding werde ich mir nochmal vorknöpfen - ich weiss nur noch nicht recht, ob im Original oder in der Übersetzung. (Habe beides hier rumstehen.)


    Ich wünsche dir auf jeden Fall gute Nerven und Durchhaltevermögen, allenfalls auch in einem zweiten Anlauf (den habe ich seinerzeit für meine Erstlinge "Cryptonomicon" und "Quicksilver" gebraucht) :smile:

    Hi!


    Ich habe das Buch schon länger gelesen, komme aber erst jetzt dazu, die Rezi zu posten. Ich hätte das Buch auch in einer anderen Kategorie (SciFi, Abenteuerliteratur, Sonstiges) einordnen können.


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    Richard Forthrast hat in jungen Jahren Drogen von Kanada in die USA geschmuggelt und mit dem gesparten Geld in späteren Jahren ein WOW-ähnliches Game lanciert, das unter anderem deshalb ein globaler Erfolg wurde, weil es den reichen Usern erlaubt, ärmere User für im Game erbrachte Dienstleistungen in realem Geld zu bezahlen, und das weltweit. Entsprechend machen chinesische Kiddies gern die Drecksarbeit für Europäer und Amerikaner, das Geschäft floriert auf allen Seiten und Richards grösste Sorge ist, dass die allgemeine Storyline der Welt nicht vom Mob übernommen, sondern halbwegs aus der Firmenzentrale gesteuert werden kann.


    Da Richard seine Nichte Zula sehr gerne mag, verschafft er ihr einen Job in seiner Firma und alles könnte wunderbar sein. Nur leider hat Zulas Freund Peter mehr Ehrgeiz und Habgier als Verstand und als er (einmalig) gestohlene Kreditkartendaten verkaufen will, endet das mit seiner und Zulas Entführung durch russische Mafiosi, da sich die Daten als nicht brauchbar herausstellen. Peter versucht den Russen zu erklären, dass er am Unglück keineswegs schuld ist, sondern irgendein chinesischer Hacker, der durch einen Virus in Richards Game verschiedene Spieler ausnimmt. Dem Russenboss gefällt das so wenig, dass er sich persönlich an dem Chinesen rächen will, den Zula und Peter für ihn in Xiamen ausfindig machen sollen.


    Von da an wird es kompliziert, da das Grüppchen während seinem Rachefeldzug eine Bande islamistischer Terroristen aufschreckt, die sich in China versteckt hatten. Diese wiederum werden von einer britischen Agentin beobachtet, die den Zugriff des Geheimdienstes auf die Gruppe vorbereiten soll. Und plötzlich ist sie auch sie mitten in der Action.


    Meine Meinung:
    Was man anhand der Inhaltsbeschreibung vielleicht schon erahnt, trifft tatsächlich zu: um diese Geschichte aufgehen zu lassen, muss Neal Stephenson sehr häufig den Zufall bemühen. Wobei er das auf der einen Seite sehr geschickt macht, da alle Handlungen seiner Protagonisten ziemlich plausibel (wenn auch nicht immer unausweichlich) sind. Das erklärt, dass immer alle am rechten Ort sind. Dass sie es auch noch grade zur rechten Zeit sind, ist schon sehr dick aufgetragen. Genau diese sehr bemühte Konstruktion hat das Vergnügen beim Lesen getrübt, da der Roman so sehr voraussehbar wird und das bin ich mich von einem Stephenson in der Form nicht gewohnt (wenigstens nicht in seinen letzten Büchern, bei den ersten eher noch).


    Jedenfalls beschlich mich irgendwann das Gefühl, dass er da nicht mit dem ganzen Herzen bei der Sache war oder dass er einfach einen Roman abliefern musste. Was jetzt nicht heissen soll, dass REAMDE ein schlechtes Buch ist. Im Gegenteil, für jemanden, der noch nie etwas von Stephenson gelesen hat, würde ich es sogar empfehlen, da es im Vergleich zu anderen Werken sehr zugänglich ist.


    Jedenfalls ist das vorliegende Werk die perfekte Mischung aus Räuberpistole und Elementen der klassischen Verwechslungskomödie (so präzise getimte Auftritte gibts sonst nur dort). Ein Thema, das sich von vorne bis hinten durchzieht, ist die Schwierigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden. Dazu gibt es handfeste Diskussionen, die zwischen Richard und seinen Spieleentwicklern geführt werden und ausserdem habe ich mich als Leserin dabei erwischt, wie ich plötzlich mit dem «Sicherheitsberater» des Russenbosses sympathisierte, obwohl er ein skrupelloser, gut ausgebildeter Killer ist. Indem Stephenson hinter dieser Figur einen an sich normalen Menschen zeigt, der eigentlich nur seinen Job macht (in den er als Afghanistan- und Tschetschenien-Veteran reingerutscht ist), macht er einmal mehr deutlich, dass die Trennung zwischen Gut und Böse einzig im Auge des Betrachters liegt. Denn auch die Sympathieträger des Buches haben keine reine Weste, wie sich gerade an Richard zeigt, der durch Kriminalität reich wurde und sein seriöses Leben als Geschäftsmann auf Drogengeldern aufbaute. Sogar bei hinterwälderischen, konservativen Waffennarren, die ich auch an einem guten Tag als irrsinnige Weichbirnen bezeichnen würde, schafft er es, eine positive Seite zu zeigen.


    Überhaupt, Schusswaffen. Sie sind das andere grosse Thema des Buches. Man mache sich auf ausführliche Beschreibungen von Schiesseisen aus aller Welt und wofür man sie am besten verwendet gefasst. Im Detail interessiert mich das zwar nicht gross, als Gesamtschau fand ich es aber interessant, zumal man am Ende des Buches weiss, dass es eigentlich für jede Situation in einer Schiesserei perfekte und eben auch nutzlose Waffen gibt. Und dass eine Schiesserei unter Profis eben auch viel mit Taktik und nicht nur mit gutem Zielen zu tun hat. Das sind zwei Punkte, die bei Hollywoodfilmen sträflich vernachlässigt werden.


    Ich habe weiter oben erwähnt, dass das Werk sehr zugänglich ist. Das liegt sicher auch daran, dass Stephenson zwar wie gehabt sehr viele Themen anschneidet, aber nicht in der Weise vertieft, wie er das sonst macht (mit Ausnahme der Waffensache). Er konzentriert sich mehr auf die Handlung und die Charaktere, was aber leider beides nicht seine Stärke ist. Die Handlung ist zu konstruiert, um zu überraschen und bei den Charakteren ist es wie immer, bei den Männern schafft er ein paar unvergessliche, der Rest ist austauschbar und die Frauen, nun ja, die kann er einfach nicht. Das sind immer Männer in Frauenkörpern. Das stört mich nicht, man könnte auch sagen, dass seine Frauen einfach knallharte Weiber sind, die wissen, was sie wollen. Aber da ich bei ihm noch nie eine andee erlebt habe, ist mein Urteil wohl richtig.


    Fazit:
    Wer mit oben erwähnten Abstrichen leben kann und einfach wieder mal ein langes, spannendes und sprachlich hochstehendes Buch lesen möchte, kann hier getrost zugreifen. Für Stephenson-Einsteiger halte ich dieses für das geeignetste Werk.


    5ratten - trotz Abstrichen. Aber es ist ein Stephenson und da ich seine Ausschweifungen und seine Sprache sehr schätze, kann ich nicht anders. :breitgrins:

    Hi zusammen


    Ich staune, dass es zu diesem Buch noch keinen Thread gibt, es ist ja schliesslich schon über ein halbes Jahr draussen und hier gibt es doch einige fleissige Eschbach-Leser... Aber ich mache gerne den Anfang mit meiner Besprechung ;)


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    Der Rentner Erich Sassbeck ist auf dem Heimweg, als er in einer U-Bahn-Station zwei Jugendliche sieht, die eine Sitzbank demolieren. Da sonst weit und breit niemand zu sehen ist, fordert er sie auf, das zu lassen. Die Jugendlichen lassen die Bank darauf tatsächlich in Ruhe, um sich stattdessen an Sassbeck auszulassen. Als er zusammengeschlagen am Boden liegt und nur darauf wartet, dass ihm die beiden den Rest geben, taucht aus dem Nichts ein weisser Engel auf, der die Täter mit gezielten Kopfschüssen hinrichtet. Es ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass der Racheengel Menschen in akuter Not hilft und bald entbrennt eine Debatte darüber, ob eine solche Form von Selbstjustiz (an einen wahren Engel mag niemand wirklich glauben) in Ordnung oder ein Verbrechen ist.


    Meine Meinung:
    In Andreas Eschbachs Büchern geht es oft um die ganz grossen Fragen von westlichen Gesellschaften. Diesmal geht es um ein kleineres, aber in den letzten Jahren immer wieder höchst kontrovers diskutiertes Thema: Welche Strafe ist für Gewalttäter angemessen? Reichen die Mittel unserer Justiz aus oder wäre es nicht angebrachter, nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" vorzugehen. Aus dem Stand würden die meisten zivilisierten Menschen wohl Ersteres wählen, aber es wird schon schwieriger, wenn die Justiz Opfer zu Tätern macht, wie in "Todesengel" an ein paar eindrücklichen Beispielen illustriert. Da ist der Lehrer für Selbstverteidigung, der von vier bewaffneten Jugendlichen grundlos angegriffen wird, zunächst versucht, zu deeskalieren und dann am Ende alle zusammenschlagen muss, um seine Haut zu retten. Darauf bekommt er eine Anzeige wegen Körperverletzung, weil seine Notwehrmassnahmen möglicherweise das zulässige Mass überschritten haben. Solche Fälle sind ebenso Realität wie rückfällige Täter, die von Normalbürgern gerne als tickende Zeitbomben wahrgenommen werden und die man teilweise am liebsten für immer hinter Gittern sähe. Das dabei ewig vorgebrachte Argument, dass die Opfer ja auch eine lebenslange Strafe zu erdulden hätten (sofern sie überhaupt noch leben), fehlt dabei natürlich auch nicht.


    Mit dem Racheengel, der irgendwie immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein scheint, rührte Eschbach auch bei mir erfolgreich an die Instinkte, die finden, das sei jetzt aber schon richtig, dass die bösen Buben die Strafe erhalten, die sie für ihre Opfer in Kauf nehmen würden. Dabei weiss ich ganz genau, dass unser Rechtssystem der Sanktion von Straftaten dient und kein Racheinstrument ist. Mir ist klar, dass wenn man einen Vergewaltiger 30 Jahre (oder länger) ins Gefängnis schicken wollte, man bei Mördern vermutlich die Todesstrafe mit vorangehender Folter einführen musste. Und das befürworte ich nicht. Eschbach schafft es, diese rationale, eigentlich feste Meinung gelegentlich ins Wanken zu bringen. Er spielt sehr geschickt mit den Emotionen des Lesers, ich habe mich viel eher in die Opfer einfühlen können, weil ich mich als friedfertigen Menschen sehe, der sehr viel wahrscheinlicher zusammengeschlagen wird als mal selber jemanden zu verprügeln.


    Es kommt noch dazu, dass die Symphatieträger in dem Buch klar machen, dass aus ihrer Sicht von Behörden und Psychologen zu schnell Erklärungen oder Entschuldigungen für das Handeln der Täter ("Er hatte eine schwere Jugend, er wurde systematisch vernachlässigt, er hatte keine Perspektive im Leben...") gesucht werden, während sich niemand um die Leiden der Opfer zu kümmern scheint. Und auch das Zelebrieren der Täter in den Medien (Lebensläufe, Hintergründe, Expertenmeinungen) - das ich persönlich übrigens zum Kotzen finde - wird in dem Buch kritisiert. Opfer verkaufen keine Zeitungen, bringen keine Einschaltquote, sind nicht sexy. Täter schon. Leider nur allzu wahr.


    In diesem Sinne war die Lektüre trotz des gewohnt sauberen, schnörkellosen Schreibstils, anstrengend. Für mich war es eine Gelegenheit, meine Meinung zu Selbstjustiz und gerechter Strafe für Gewalttäter auf den Prüfstand zu stellen. Das Ende der Geschichte war genauso brutal wie manche der vorangegangenen Taten, es hat aber vieles ins - wie ich finde - letztlich richtige Licht gerückt. Ende gut, alles gut kann man bei diesem Buch wahrlich nicht sagen, aber es ist bestes Lehrmaterial für ein emotional sehr stark besetztes Thema.


    Fazit:
    Leseempfehlung für alle, die sich für das Thema Jugendgewalt und den Umgang unserer Gesellschaft damit interessieren und dazu mal etwas anderes lesen möchten, als Experteninterviews.


    8 von 10 Punkten gebe ich dafür.

    Dass kleinere Verlage auf Adobe-DRM verzichten, dürfte auch damit zu tun haben, dass sie ansonsten (sicher nicht günstige) Lizenzgebühren an Adobe zahlen müssten. Und ob man jetzt von illegalen Downloadern oder dem Hersteller des Kopierschutzes ausgeraubt wird, spielt letztlich keine Rolle, aber das Handling ohne den DRM-Krempel wird auch für den Verlag einfacher...


    Zum Thema Adobe sei noch gesagt, dass die vor ein paar Monaten einem Hackerangriff zum Opfer fielen, bei dem Millionen Userdaten von Adobe-IDs (inkl E-Mail-Adressen) gestohlen wurden. Unter anderem meine und die meines Mannes, deshalb weiss ich, dass Adobe die betroffenen Kunden in keiner Form darüber informiert hat, das Thema wird ignoriert. Die Folgen des Adressklaus sind übrigens direkt spürbar, die Adresse meines Mannes (er hat dort eine Adresse angegeben, die er exklusiv für die Adobe-ID verwendet) wird von Spam regelrecht überflutet...


    Für mich steht fest, dass ich keine neue ID erstellen werde, ich habe keine Lust, meinen neuen Rechner mit irgendwelchem Müll (der mit der neuen DRM-Version garantiert mitausgeliefert wird) zu installieren.


    Es ist sehr schade, die Auswahl meiner Bücher wird dadurch eingeschränkt (eine Rückkehr zum Papierbuch kommt für mich nicht in Frage), aber ich sitze es jetzt mal aus. Das aktuelle Geschäftsmodell wird nicht ewig vorhalten. Siehe Musikindustrie.

    Ich möchte auf etwas hinweisen und werde dazu kurz verallgemeinern (vorab eine Entschuldigung an die Franzosen, die ihre Kinder anständig behandeln).


    Franzosen erziehen ihre Kinder nicht, sie dressieren sie. Da werden die Bedürfnisse der Erwachsenen in den Vordergrund gestellt und nach denen der Kinder wird nicht mal gefragt, was besonders in den ersten Lebensjahren fatale Auswirkungen haben kann. Es ist das falsche Konzept, ein gut erzogenes Kind (kein dressiertes!) bekommt man über Liebe, Geduld und Konsequenz. In der Reihenfolge.


    Übrigens sind 85 Prozent aller Franzosen der Meinung, dass Ohrfeigen ein probates Erziehungsmittel sind und entsprechend werden sie auch angewendet. (Im Land von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit ist es nicht verboten, Kinder zu schlagen. Im Rest des zivilisierten Europa schon.) Von denen würde ich mir keine Tipps zur Erziehung eines Kindes geben lassen.


    Hier noch ein kurzer, lesenswerter Erfahrungsbericht einer Schweizer Mutter, die die französische "Erziehung" im Urlaub beobachtete.


    Zum nächtlichen Schreienlassen wurde von nimue, Jaqui und kaluma schon alles gesagt. Aber etwas möchte ich an dieser Stelle zum Thema Essen noch loswerden:
    Kinder unter 6 Monaten nachts nicht zu füttern ist Folter. Es gibt kein anderes Wort dafür. Babys können frühestens nach einem halben Jahr ohne Nahrung auskommen und durchschlafen - wobei "durchschlafen" 6 bis 7 Stunden Schlaf am Stück bedeutet und nicht 8 bis 12!


    Bessere Bücher zum Thema Baby und Kleinkind sind zB Babyjahre von Remo Largo oder auch Kinder verstehen von Herbert Renz-Polster. Dort gibts zwar keine Erziehungstipps (was sowieso schwachsinnig ist, da jedes Kind anders funktioniert), aber es wird einem erklärt, wieso Babys und Kleinkinder sind, wie sie sind und was man daran ändern kann (und wie) und was nicht.


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    :winken:


    Alfa Romea

    Danke, Loretta Cosgrove! Du hast grad eins der Mysterien geklärt, die mich im Leben beschäftigen :smile:
    Ich war auch schon auf der deutschen Seite und wunderte mich darüber, dass ich dort bezahlen sollte...



    Die dürfen mich höchstens mal ganz gepflegt berlichingen, mehr aber auch nicht.


    Schön gesagt :daumen:

    Meine Tochter ist jetzt 16 Monate alt und die Hits bisher waren


    Spiel mit Bello (Stoffbuch) - von Anfang an bis etwa 8 Monate. Die knalligen Farben der Seite fand sie wohl klasse.


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    Die kleine Raupe Nimmersatt (im Thread bereits erwähnt) so um 1 Jahr alt


    und seit ein paar Monaten ist


    Reim dich nett ins Bett von Daniela Kulot der Renner. Wir brauchens zwar nicht fürs Schlafengehen, aber die Kleine schaut sich das tagsüber immer wieder an.


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    Danke, Kirsten, fürs Erinnern an die Wurzelkinder - das hatte ich als Kind selber und ich liebte es. Ich hatte nur vergessen, wie es geheissen hat. Dank dir habe ich es wieder gefunden :smile:


    Tatsächlich? Ich dachte immer, das liegt daran, dass die Moderatoren und -innen versuchen, einen hochdeutschen Text simultan ins Schweizerdeutsche zu übersetzen.


    Das passiert auch, vor allem im Nachrichtensektor, wo die Leute entweder zu gestresst, zu faul oder zu unfähig sind, eine saubere Transkription zu machen. Mittlerweile ist diese unerträgliche Mischung aber auch in Beiträgen zu hören, die nicht unter Zeitdruck entstanden.


    Am schlimmsten finde ich es allerdings dort, wo sowieso keiner zuhört (ausser mir?): in der Werbung. Und ich spiele jetzt nicht mal auf das Grillen-Desaster von Coop an (lustiges Detail am Rande: nachdem es letzten Sommer noch hiess, man das sei jetzt nicht so tragisch, wurde es auf diese Saison hin konsequent geändert und es wird endlich wieder grilliert...). Ich meine eher die 1:1-Übersetzungen von Texten à la "Denn Kalk kann ihre Waschmaschine zerstören" --> "Dänn Chalch chan ihri Wöschmaschine zerstöre" --> Seid ihr noch zu retten? Und das sogar bei Off-Texten, wo sich die Macher nicht mal mit Problemen bei der Lippensynchronität rausreden könnten...


    Wenn man sich überlegt, was die Sendezeit für einen Werbespot kostet, frage ich mich, ob die das absichtlich machen. Ich meine, die nehme sich sogar die Mühe, einen Synchronsprecher aufzutreiben, der ihnen den Mist vertont. Kann ja nicht sein, dass da keiner zwei Minuten Zeit hat, sich zu überlegen, wie man das sauber formulieren könnte... oder der sich zumindest dafür einsetzt, dass das unmögliche "Dänn" gestrichen oder allerwenigstens durch ein "Well" ersetzt wird.


    Aber eben, ich wollte ja auf die Problematik gar nicht näher eingehen - das ist nun wirklich ein Thema für sich.


    klassikfreund : Gern geschehen - ich bin auch ganz begeistert von Seibts Texten (formal und inhaltlich).


    Also ganz ernsthaft gefragt:
    Wie würdest Du dieses Dilemma ohne Stereotypie kreativ lösen?


    Ganz ernsthaft: Gar nicht.


    Ich kenne die wahnhaften Vorstellungen von Chefredaktoren bei elektronischen und Print-Medien, die besagen, dass man den Hörer/Zuschauer/Leser am Anfang des Beitrags oder in der Anmoderation packen muss, weil er sonst weg ist. Ich weiss auch, dass das in den meisten Lehrbüchern so steht. Ich halte es dennoch für falsch, besonders im Bereich der elektronischen Medien. (Dazu komme ich gleich.) Im Gegensatz dazu kann man einen Zeitungs-/Magazin-Leser mit einem guten Titel und einem spannenden Lead schon dazu verführen, einen Artikel zu beachten, den er sonst überblättert hätte - mit dem Resultat, dass die Enttäuschung dann umso grösser ist, wenn der Artikel dann nicht hält, was der Einstieg versprach. Deshalb bin ich der Meinung, dass man sich dort nur besonders kreativ werden soll, wenn der Artikel inhaltlich oder formal mindestens so aufregend ist. Sonst verkauft man eine Mogelpackung - das kann man ein paar Mal machen, aber irgendwann lässt sich der Leser auch nicht mehr in die Falle locken. Deshalb sollte man den Lead und den Titel auch immer erst am Ende des Artikels formulieren. Dann weiss man nämlich, ob ein sauberer Einstieg mit trockenen Fakten oder etwas Kreativeres angebracht ist.


    Dann zur anlockenden Anmoderation in Radio/TV: Es funktioniert schlicht nicht. Auch wenn die Chefredaktoren gerne eine andere Meinung vertreten. Du kannst mit einer interessanten Einleitung zwar Aufmerksamkeit wecken, sobald der Hörer/Zuschauer dann aber merkt, dass es doch wieder nur um Katzen geht, entscheidet einzig seine Vorliebe darüber, ob er dem Beitrag selber noch seine Aufmerksamkeit schenkt. Im besten Fall schaffst du dasselbe wie beim Print: du lockst ihn noch ein Stück weit in den Beitrag hinein, aber dann ist Sense.


    Ob ein Mensch sich einen Beitrag anhört/ansieht hängt zuletzt an einer guten Anmoderation. Vorher spielen noch ganz andere, von aussen nicht zu beeinflussende Faktoren eine Rolle, wie persönliche Vorlieben, Konsumsituation (höre ich den Beitrag während ich eigentlich konzentriert arbeite oder beim Stricken, wo ich den Kopf frei habe? Habe ich neben dem TV noch grad das Tablet in den Fingern und checke Twitter?) und Tagesform. So hart es klingt: du hast mit einer Anmoderation so gut wie gar keinen Einfluss darauf, wie aufmerksam der Hörer/Zuschauer das Folgende aufnimmt...


    Wenn du allerdings einen Beitrag hast, von dem du unbedingt möchtest, dass jeder den Einstieg hört, musst du radikal werden. Beispiel fürs Radio: Das letzte Musikstück klingt aus, dann kommst du (als Moderatorin) und sagst nur: "So. Und jetzt Katzen." Und dann spielst du den Beitrag ein. Diese Überrumpelungstaktik funktioniert, sie muss allerdings sparsam eingesetzt werden, weil das einerseits so ziemlich jedes ungeschriebene Gesetz der Anmoderation verletzt und zum anderen gewöhnt sich der Hörer mit der Zeit auch daran.


    Das Problem mit dem Stilmittel "Die Rede ist von..." ist nicht, dass es an sich schlecht wäre. Man kann das wirklich ab und zu bringen. Aber es wird für meinen Geschmack zu oft eingesetzt, weil es halt so praktisch ist. (Klammerbemerkung, weil das nicht zum Thema gehört: Das Tragische daran ist, dass der anschliessende Beitrag dann meist die elementarsten Dinge wie einfache Sätze und die korrekte Verwendung der Sprache vermissen lässt. Wobei Letzteres ein Phänomen ist, das vermutlich nur die Deutschschweiz betrifft. Ein sauberes Schweizerdeutsch bekommen die meisten Angstellten von Radio und TV nicht mehr hin. Es kommt gerne vor, dass Agenturtexte 1:1 vom Deutschen ins Schweizerdeutsche übersetzt werden und das hat dann etwa das Niveau einer Google-Translate-Übersetzung = nicht zu gebrauchen. Das Schlimmste daran ist, dass niemand interveniert und die Deppen mal fragt, ob sie im Alltag auch so reden würden. Aber das ist ein Phänomen, dass sich Leuten, die kein Schweizerdeutsch können, gar nicht vernünftig erklären lässt.)


    So viel dazu.


    Falls du dich übrigens dafür interessieren solltest, wie man gute Zeitungs- oder Magazintexte verfasst, lege ich dir den Deadline-Blog des Zürcher Journalisten Constantin Seibt ans Herz. Der verbreitet so nebenbei und für den Leser völlig kostenlos das wohl genialste Seminar für Schreiberlinge. Wenn man beherzigt, was der Mann schreibt, kann man sich jeden Schreibkurs für Journalisten sparen.


    :winken:


    Alfa Romea

    Haha, ich liess die Forensoftware meine "eigentlich" zählen und die Suche spuckte 30 Beiträge aus. Dabei fiel mir besonders der zu Sofi Oksanens Fegefeuer auf, da habe ich mich richtig ausgetobt und das Wort viermal verwendet...


    Mir ist die "eigentlich"-Häufung nicht aufgefallen, aber es ist halt so mit Formulierungen, die man nicht mag: Sie fallen einem auf (die Nerven).


    Mir geht es beispielsweise so mit Anmoderationstexten in Radio und TV, in denen diese Wendung vorkommt:


    "Sie sind klein, flauschig und bei Nicht-Allergikern höchst beliebt. Die Rede ist von Katzen."
    Ich nehme an, dass so etwas den meisten Leuten nicht auffällt, aber ich reagiere darauf ähnlich wie sandhofer auf "eigentlich", weil ich mittlerweile fest davon überzeugt bin, dass etwa jeder dritte Beitrag in privatrechtlich geführten Sendern (in der Schweiz) so anfängt.



    Dummerweise ist mittlerweile die Abweichung zum Normalen geworden. Ein Krimi, in dem der Alltag einfach weitergeht - das gibt es heute nicht mehr ...


    Das gibts ja beispielsweise auch bei massentauglichen Filmen nicht (mehr). Wenn da nicht mindestens drei Häuser in die Luft fliegen oder der Protagonist sich nicht alle fünf Minuten so blamiert wie normale Menschen vielleicht zweimal im Leben (je nachdem, ob man einen Actionstreifen oder eine romantische Komödie schaut), ists kein Film. Jedenfalls nicht in der Meinung des Durchschnittszuschauers, der halt ziemlich genau das vorgesetzt bekommt, was er sich wünscht.