Beiträge von bibliomonster

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Banned Books Week: Celebrating the Freedom to Read


    Die "Banned Wooks Week" (BBW) findet jedes Jahr in den USA statt, um die Freiheit zu lesen zu feiern und die Wichtigkeit des 1. Zusatzartikels der amerikanischen Verfassung, welcher die Rede- und Pressefreiheit garantiert, zu betonen.


    Ein Blick in die Statistik zeigt, dass es meist "wohlmeinende" Eltern sind, die bestimmte Bücher für den Schulunterricht oder die Schulbibliothek als unpassend erachten und durch Proteste und Elterninitiativen ein Verbot durchsetzen wollen.


    Die häufigsten Gründe für ein Verbot/einen Versuch, es zu verbieten sind:
    1) der Inhalt ist zu freizügig ("sexually explicit"), wie z.B. Stephenie Meyers Twilight und der "stormy love affair between a teenage girl and a vampire" :breitgrins:
    2) die Sprache ist zu anstößig ("offensive language"), wie z.B. das Wort "nigger" in Margaret Mitchells Gone with the Wind
    3) der Inhalt ist für jede Altersgruppe unpassend ("unsuited to any age group")


    Auf die Liste mit den zensierten Büchern ("zensiert" schließt für die BBW auch den Versuch ein) haben es auch John Steinbeck, William Faulkner, J.D. Salinger oder Anne Frank geschafft.


    Ausführlichere Informationen findet ihr HIER: Banned Books Week. Celebrating the Freedom to Read


    :leser: bimo

    Die sind wirklich schön! Kennst du auch die Geschichten von Wolkow? Der hat ja auch mehrere Bände geschrieben, aber nur der erste soll als sehr freie Übersetzung gelten und die restlichen hat er (glaube ich) selbst erdichtet. Oder lehnen sie sich auch an Baums Fortsetzungen an?


    Ja, ich habe von den Wolkow-Geschichten gehört, aber noch nicht gelesen. Ich werde aber bestimmt seinen Zauberer der Smaragdenstadt lesen, welche eine Nachdichtung des Wizard of Oz ist. Laut wiki hat Wolkow mit den nachfolgenden Bänden (s)eine eigene Märchenwelt kreiert, aber auch immer wieder Oz-Elemente verwendet.


    Hört man noch was von euch zum Buch, bimo und Stefanie?


    Hallo finsbury,


    ich habe Berlin Alexanderplatz erst gestern beendet und weiß nicht, was ich dazu noch schreiben könnte. Ich mache es mir daher einfach und "arbeite" deinen Beitrag ab. Auch für mich war das Buch anstrengend zu lesen - anfänglich wegen der beeindruckenden Fülle von Informationen, die wie eine Flut über mich hereinbrach und mit sich riss, zunehmend jedoch wegen Franzekens unverständlicher Schafsköpfigkeit, bei der ich schließlich sogar resignierte. Das Ende, besonders die Sterbeszene, hat mich dann wieder überrascht. Dass Biberkopf sich nie seine Schuld eingestanden hat oder niemals Reue zeigte, habe ich gar nicht bemerkt. Sein Schuldeingeständnis hat ihn mir dann aber sympathischer (sogar menschlicher) erscheinen lassen, als jemals zuvor.


    Merkwürdigerweise empfinde ich das Ende noch immer als zu abrupt. Biberkopfs Geschichte ist erzählt, seine Läuterung hat stattgefunden und wir konnten die ersten Schritte in seinem neuen Leben beobachten. Und trotzdem finde ich es merkwürdig, ihn nach dieser langen und erlebnisreichen Zeit - die ich ihm gefolgt bin, in der ich mit ihm gelitten, bei der ich mich maßlos über ihn geärgert habe - ihn nun also zu verlassen.


    Wie du bereits sagtest, ein eindrucksvolles und einprägsames Buch, das ich mit Sicherheit wieder lesen werde.


    Danke für die schöne Leserunde und sonnige Ostern,
    bimo

    Bei einer Fontane-Leserunde bin ich natürlich auch dabei! Ich habe Effi vor über zehn Jahren gelesen - eine Wieholek ist also längst überfällig.


    Terminlich schließe ich mich meinen Vorgängerinnen an, (ab) Juli klingt sehr gut. :winken:

    Gerade gelesen, zum Thema "Rundfunk in der Weimarer Republik":


    "Experimente gab es in diesem neuen Medium auch, besonders gegen Ende der 1920er Jahre. 1930 sollte eine vom Autor bearbeitete, im vorauseilenden Gehorsam geglättete Fassung von Döblins Berlin Alexanderplatz unter dem Titel Die Geschichte vom Franz Biberkopf gesendet werden. Nach dem Wahltriumph der Nationalsozialisten bei den Septemberwahlen wurde das Stück aber abgesetzt." (Peter Hoeres, Die Kultur von Weimar, S. 97)

    Hallo zusammen,


    nach einer kleinen Lesepause habe ich inzwischen dass 6. Buch beendet. Franz hat sich wieder einmal aufgerappelt, hat eine Freundin und ist auch noch deren Lude. Er scheint mit sich und der Welt zufrieden. Und doch rennt er am Ende wieder zu Reinhold und wird im 7. Buch sogar festes Mitglied der Pums-Bande. Franzeken hat es endgültig aufgegeben, anständig sein zu wollen.



    Aber ich habe meine Schwierigkeiten mit dem Helden.


    Ich habe es momentan aufgegeben, Biberkopf verstehen zu wollen. Ich kann es nicht begreifen, wieso er gerade zu Reinhold rennt. Ist er wirklich so naiv? Er akzeptiert einfach sein Schicksal als Zeichen dafür, dass er kein anständiges Leben führen kann? Ohne dabei den dafür Verantwortlichen (d.h. Reinhold) einen Vorwurf zu machen?


    Während Franz also das Sinnbild für ein dummes Schaf ist, wissen wir bereits am Endes des 6. Buches, dass Reinhold ein gefährlicher Wolf ist, dem seine Beute freiwillig zugelaufen ist. Hier zeigt sich auch wieder die Verbindung zur Schlachthof-Szene: es ist tatsächlich Biberkopf, der wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt wird. Der Leser weiß, dass etwas Schreckliches passieren wird und wird gleichzeitig im Ungewissen über das Wann, Wo und Wie gelassen. Es fällt mir auch ziemlich schwer weiterzulesen und zu wissen, dass Franzeken blindlings in sein Verderben rennt.


    Ich habe mir heute auch zum ersten Mal Gedanken über Franzekens Nachnamen gemacht. Der Biber hat einen plumpen Körperbau, ist sehr anpassungsfähig und zu seinen natürlichen Feinden zählte der Wolf. (Quelle: wikipedia) Passt!


    Schönes Wochenende,
    bimo

    Hallo Tina,


    Steinbeck klingt gut. Das passende Buch könnte jedoch etwas schwierig werden. Früchte des Zorns habe ich erst im letzten Jahr gelesen. Jenseits von Eden scheint für einen Steinbeck-Neuling (der ich im Grunde auch noch bin) nicht empfehlenswert. Ich würde gern Of Mice and Men (dt. Von Mäusen und Menschen) lesen wollen, möchte dich aber nicht zu einer SuB-Erhöhung nötigen. :zwinker:


    Lieben Gruß,
    bimo

    @stefanie
    Freut mich, dass du noch dabei bist. :smile:



    [...], aber einen richtigen Zusammenhang habe ich auch nicht gesehen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass du mit deiner Einschätzung recht hast und Döblin auch einfach ein Bild dieser Zeit zeichnen will.


    Es ist schwer zu beschreiben, aber es gibt schon einen Zusammenhang zwischen Biberkopfs Geschichte und den extra Einschüben. Manche davon sind eindeutig auf Franzeken anwendbar (z.B. das amtliche Schreiben am Ende des 1. Buches, die Bibelzitate). Manche werden erst im Laufe der Geschichte erkennbar (siehe Buch 5). Und die anderen, scheinbar zusammenhanglosen Einsprengsel zeigen einfach die Welt, in der Biberkopf lebt. Am Anfang mag das zwar etwas chaotisch wirken, doch irgendwann habe ich gemerkt, dass es dann doch irgendwie zusammenpasst...

    Ich bin jetzt im 6. Buch angelangt und Franz ist wieder einmal dabei sich nach einem Schicksalsschlag aufzurappeln.



    Aber schon zu Beginn des sechsten Buches hat er sich mit Hilfe seines Kumpels Wischow (den ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte) und dessen Freundin Eva wieder einigermaßen berappelt.


    An die beiden konnte ich mich auch nicht mehr (richtig) erinnern. Zum Glück gibt Döblin dem vergesslichen Leser einige Erinnerungshilfen. Was mich jedoch sehr verwundert ist das Entsetzen, das Eva & Herbert bei Franzens Geschichte zeigen. Wieso sind die beiden so schockiert? Weil die Pumsbande die Gaunerehre verletzt und damit "einen der ihren" verraten hat? Was meinst du und deine Lektürehilfe dazu, finsbury?


    Ich war auch ziemlich ratlos bei der Erwähnung von Franzens (kurzzeitiger) Erkenntnis (und es dauerte etwas bis ich dann meine hatte :breitgrins:). Vielleicht ist damit einfach gemeint, dass Biberkopf nach dem Vorfall seine alten Freunde aufsucht und ihm dadurch (unbewusst) klar geworden ist, dass er nicht alleine 'überleben' kann (in jeder Hinsicht). Das würde auch erklären, warum Franzeken in Döblins Einleitung als hochmütig und ahnungslos charakterisiert wird: Er glaubt, dass er alles alleine und ohne fremde Hilfe schaffen und sich gegen die Welt (/die Stadt) stemmen kann. Nach Lüders Verrat ist er davongelaufen, hat sich in einer Kammer verkrochen und es mit sich alleine ausgemacht. Und obwohl er sich wieder aufrappelt schreibt Döblin, dass Franz nichts dabei gelernt hat. Nach Reinholds Verrat hatte er die o.g. "Erkenntnis", die ihm im Endeffekt das Leben gerettet hat. Doch nun versucht es Biberkopf wieder alleine zu schaffen - und das Scheitern scheint vorhersehbar...


    Abendliche Grüße,
    bimo

    Hallo,


    ich habe nun auch das 5. Buch beendet, das nach einem gemächlichen Start zum Ende hin immer aufreibender wurde. Bis zum letzten Kapitel dachte ich wirklich, Reinhold hätte etwas mit dem Mädchenhandel zu schaffen. Doch da hat Döblin eine überzeugende falsche Fährte ausgelegt, auf die ich natürlich - gutgläubig wie ich bin :zwinker: - hereingefallen bin.



    Immer wieder ist das fünfte Buch mit Bibelstellen und einer Naturmetapher- dunkler Teich und absterbende Bäume - durchsetzt, ebenso wird auch wieder die Schlachthof-Symbolik aufgenommen: [...]


    An die Schlachthof-Szene habe ich dabei gar nicht mehr gedacht, danke für den Hinweis. Neben dem Bibelzitat und der Naturmetapher, kommt auch das Schnitterlied immer wieder vor. Am Anfang konnte ich diese drei Zitate inhaltlich nicht zuordnen. Am Ende zeigt sich dann, dass Biberkopf der gutgläubige Mensch ist und bei Reinhold der Schein trügt. Der Schnitter könnte dann Reinhold oder mehr noch die "eiserne Welt" sein (auch ein Anklang an die unaufhaltsame Technisierung der Welt).


    Tja, Biberkopf hat es schon wieder erwischt. Kaum zu glauben, dass jemand der wegen Totschlag im Gefängnis saß so naiv sein kann.


    finsbury
    Welche Sekundärliteratur liest du eigentlich?


    Bis bald,
    bimo

    Hallo tina,


    einen beachtlichen SuB hast du dir da zusammengebastelt. Die meisten Bücher kenne ich zwar nicht, aber ebenfalls auf meinem Sübchen befindlich und soeben für leserundentauglich befunden wurden: Balzac, Dickens, Eco (mit einem c :zwinker:) und Steinbeck. Ich will schon länger wieder mal etwas von diesen Autoren lesen und in Begleitung macht soetwas meist mehr Spaß.


    Lieben Gruß,
    bimo :winken:


    P.S. Und bis auf Dickens sind auch alle Ausgaben brav gebunden und mit Schutzumschlag. :zwinker:

    Nachtrag:



    Nun, am Ende des Buches rafft sich Biberkopf zunächst wieder auf und begibt sich unter die Leute. Vorher erfahren wir noch von dem Hausverwalter, einem Zimmerer, der zusammen mit seiner Frau auf die schiefe Bahn kommt und von der Polizei abgeführt wird. Wohl eine Vorausdeutung auf das, was mit Franz passieren wird.


    Die Szene kann ich noch nicht richtig einschätzen. Vielleicht hat Franz sich plötzlich aufgerafft, weil es einen anderen erwischt hat (das Ehepaar) und nicht ihn. Er sieht, er hat noch einmal Glück gehabt, jemand anderes wurde zur Schlachtbank geführt und er kann "weiterleben".