Beiträge von Aeria

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    (Achtung: Spoiler!)


    "Suleika öffnet die Augen" ist ein schwieriges Buch, ich weiß nicht so recht, wie ich es bewerten soll.


    Einerseits ist da natürlich die schöne Sprache (ich las es im Original). Stellenweise bestand die Sprache des Buches für mich nicht aus Wörtern, sondern aus Geigenmusik, durchdringend, berührend, schwermütig. Zum Eintauchen. Wenn die Handlung nicht wäre.

    Die Handlung des Buches ist ganz oft wie ein Schlag in die Magengrube. Man denkt die ganze Zeit "MeinGottmeinGott, wie konnte so etwas damals passieren?"

    Es ist aber passiert.

    Ich weiß es nicht nur aus dem Buch, sondern auch aus der eigenen Familiengeschichte, was es gleich noch viel eindringlicher macht. Zwar kommt meine Familie nicht aus Tatatstan, aber auch meine Großeltern wurden Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts nach Sibirien deportiert.

    Das ist einer der Gründe, warum ich beim Lesen buchstäblich mit den Zähnen geknirscht habe.


    Die Handlung mit Suleikas Augen zu sehen fand ich besonders schwer. Sie hat buchstäblich ein Höllenleben, aber sie klagt nicht, erfreut sich an kleinen Dingen, emanzipiert sich im Laufe der Geschichte, findet sich ganz zufrieden mit dem, was sie hat. Ihr Mann behandelt sie schlecht, schlägt sie, lässt sie bis zum Umfallen arbeiten, doch sie denkt oft dankbar darüber nach, was für einen guten Mann sie hat. Im Gefängnis und im Viehwaggon leidet sie schlimmsten Hunger, doch von Verzweiflung ist sie weit entfernt.

    Suleika ist ungebildet, sie kann weder lesen noch schreiben noch rechnen. In vielen Situationen ist sie wie ein Kind. Sie versteht nicht, was mit ihr passiert, warum es passiert. Daran ändert sich im Laufe der 16 Jahre, in denen die Geschichte spielt, nicht viel. Ja, sie legt viel von ihrem alten Leben, ihrer Einstellung und ihren Werten ab, weil sie sonst nicht überleben würde. Sie findet eine Aufgabe, in der sie besser ist als alle anderen, aber wirklich aus ihrer Haut kann sie nicht.

    Ich schwanke zwischen "Was ist sie naiv!" und "Was für eine starke Frau!" Vielleicht von beidem etwas.


    Mit Iwan Ignatow haben wir eine Figur, die nur für die Partei lebt. Er hält sich für einen Patrioten, ohne zu ahnen, dass sich Patriotismus nicht dadurch äußert, dass man unschuldige Menschen erschießt oder schickaniert. Er ist ein Rotarmist durch und durch, ein treues Rädchen im stalinistischen System. Für ihn sind die "Kulaken" keine Menschen, er bezeichnet sie als "ehemalige Menschen". Nur selten blitzt bei ihm etwas Menschlichkeit durch, meist ist er aber ein unbeugsamer Typ mit den kranken Ansichten jener Zeit.

    Befremdlich fand ich, dass Gusel Jachina ausgerechnet ihn, den Mörder von Suleikas Mann, zu Suleikas Liebhaber werden lässt. Andererseits ist nicht nur für Suleika alles, was vor Sibirien war, weit entfernt und nicht mehr von Belang. Das Leben in der Taiga ist einfach zu hart für die Sehnsucht nach früher.


    Der deutsche Arzt Leibe ist eine weitere Figur im Buch, die sehr interessant geraten ist. Nach einem traumatischen Erlebnis ist er verwirrt, kann nicht mehr arbeiten, weißt meist nicht, wo er sich befindet, und lebt im wahrsten Sinne des Wortes in einer Traumwelt. Ich fand ihn ungeheuer sympatisch.


    Aber auch die Nebenfiguren sind bei Jachina sehr lebendig. So lebendig, dass man ihnen die Pest an den Hals wünscht, mindestens. Z. B. ist da der ehemalige Sträfling Gorelow, der sich durch Speichelleckerei und Intrigen hervortut und letztendlich als Sieger hervorgeht.

    Von Suleikas Schwiegermutter, der Blutsaugerin, werde ich wohl noch lange schlecht träumen. Was für ein Weib!

    Die aus Leningrad deportierten Intellektuellen bereichern nicht nur Suleikas Leben, sondern auch die Handlung.


    Das Buch erzählt ein wirklich düsteres Kapitel der sowjetischen Geschichte. Es gab Enteignungen, Hinrichtungen und Verleumdungen wie am Fließband. Es ist sehr schwer, das zu lesen. Ich komme gut mit Horrorgeschichten klar, mit bluttriefenden Thrillern, mit Gemetzel in Fantasybüchern, aber das hier war schwer.


    So, das war jetzt etwas unstrukturiert, spontan, aber hoffentlich soweit verständlich.


    ***

    Aeria

    Eure Kommentare sind da ja etwas ernüchternd. :lachen:

    Bin auch erstaunt. Ich habe bisher nur immer von allen Seiten gehört, wie toll das Buch ist.

    Dann wird es wohl noch eine Weile in meinem Bücherregal stehen bleiben.


    Vor einem Jahr oder so habe ich mir das Hörbuch gekauft, aber ich kam mit der Stimme von Matthias Koeberlin nicht klar.


    ***

    Aeria

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    "Könige der Finsternis" von Nicholas Eames


    Handlung:


    Einst war sie die berühmteste Söldnertruppe von Grandual: die Saga. Ihre Mitglieder Clay "die Langsame Hand" Cooper, der Goldene Gabe, Matrick Schädeltrommler, Ganelon die Mordmaschine und Arcandius Moog waren Superstars. Jedes Kind kannte ihre Namen, jeder Söldner wollte so sein wie sie. Sie zogen durch das Land und das gefährliche Herzwyld und bekämpften Ungeheuer jeder Art.

    Doch das letzte Abenteuer der Truppe ist 20 Jahre her. Die Freunde haben sich in alle Winde verstreut, sind entweder sesshaft geworden, haben eine Familie gegründet oder verbringen ihre Jahre im Gefängnis.

    Clay Cooper ist mit seinem Leben sehr zufrieden. Er arbeitet bei der Stadtwache, hat eine Frau und eine kleine Tochter, träumt von einer eigenen Taverne. Dann taucht eines Tages sein alter Freund Gabriel auf. Gabes Tochter sitzt in der belagerten Stadt Castia fest, und er will die Truppe wieder zusammentrommeln, um Rose zu retten.


    Meine Meinung:


    Wow! Wirklich wow! Nachdem ich mir auf Booktube die Loblieder auf dieses Buch angehört habe, wurde ich neugierig und lud mir das Hörbuch herunter. Es ist ja auch eine interessante und nicht zu abgedroschene Idee, berühmte Helden viele Jahre nach ihrer Glanzzeit zu zeigen. Sie sind alt geworden. Sie haben Rückenschmerzen. Sie würden heute nie und nimmer mehr ein Abenteuer riskieren. Aber natürlich tun sie es doch.


    Der Roman ist eine äußerst unterhaltsame Reise durch eine gut ausgearbeitete Fantasywelt. Die Figuren sind keine bloßen Pappfiguren, sondern haben Ecken und Kanten, sie entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Die Handlung ist eigentlich ziemlich vorhersehbar, weshalb ich das Hörbuch manchmal für mehrere Tage weglegen konnte, ohne dass mir die Saga sonderlich fehlte. Aber es gibt auch so manche unerwartete Wendung, die wirklich begeistert.


    Am besten fand ich den trockenen Humor. Wer es also eher witzig mag, wird das Buch lieben.


    Das Hörbuch wird von Josef Vossenkuhl gelesen und meine bisherigen Favoriten Stefan Kaminski udn David Nathan haben ernsthafte Konkurrenz bekommen!


    Fazit: Die Saga lebt!


    5ratten


    ***

    Aeria

    sandhofer und Nomnivor

    Sorry, ich vergesse immer, dass der Messenger immer noch eine Terra incognita ist.


    Wer seinen Sondermüll auf Facebook ablädt, muss befürchten, wenn auch nicht sehr, dass die Beiträge entfernt werden und der Account selbst gesperrt. Gleiches gilt für Twitter etc. Jedoch nicht für Telegram. Wer sich dorthin zurückzieht, muss gar nichts befürchten. Keine Impressumpflicht, alles und jeder ist anonym. Schaltet man keinen Discuss Bot hinzu, würgt man damit auch Kommentare und eventuelle Shitstorms ab. Niemand kann einem was.

    Ein Schlaraffenland für Aluhutträger.

    So, nach dem zweiten Durchgang kann ich die meisten Punkte immer noch so unterschreiben. Durchhänger hatte ich diesmal nicht. Vielleicht, weil ich schon wusste, wo's lang geht. Selbst die Ausrufezeichen habe ich irgendwann einfach akzeptiert :sonne:.


    "Salkurning" ist eine faszinierende Trilogie, die ich sicher irgendwann noch einmal lesen werde. Ich wünsche mir auch Hörbücher zu den Romanen. Also, falls hier jemand mitliest, der das beeinflussen kann :winken:.

    Was ich mir noch wünsche, ist ein nettes kleines Buch mit den Theaterstücken der Peregrini. Das hatte ich in der Leserunde schon geschrieben und dabei bleibe ich. Auf diese Weise könnte man noch tiefer in die Geschichte und Kultur Salkurnings eintauchen. Noch einmal Cerf, der Kazimazi und Tristain zu begegnen wäre wie Weihnachten. Aber im Grunde ist es egal, was Loons Gerringer als nächstes schreibt, ich werde es kaufen.


    ***

    Aeria

    Ich habe nochmal zurückgeblättert, um die letzten Worte Firns zu lesen. Die sind vorher irgendwie untergegangen. Beim Lesen weiß man ja nicht, dass es die letzten sind... :traurig:


    Mein Eindruck von diesem Band: ganz große Klasse, wie hier alle Wege zusammenkommen bzw. enden. Ich mag übrigens auch den Klappentext von "Halkarna" sehr:

    Zitat


    Auswege. Umwege. Abwege. Nirgends verzeichnete Wege. Nie beschrittene Wege. Letzte Wege.


    Gesamteindruck der Reihe: :anbet:


    ***

    Aeria

    morgenfee

    Danke fürs Neugierigmachen.


    Eine Autobiographie ist es wohl eher nicht, aber trotzdem habe ich mich durch Amazonien geklickt, um mehr zu erfahren. Es gibt noch einen weiteren Band. Ich werde beide Bücher im Auge behalten. Wenn ich keine gute Biographie auf Russisch finde, werde ich in dieses Buch reinschnuppern. Könnte was für mich sein.


    Traurig und besorgniserregend finde ich, dass der Stalin-Kult in Russland gerade wieder Fahrt aufnimmt...


    ***

    Aeria

    Rhea

    Firn hat bei den Peregrini natürlich keine Harfe spielen dürfen. Und auch sonst nirgendwo. Harfen sind ausschließlich für Harfner. Harfner gehören einer Zunft von Musikern und Geheimniskrämern an, die durchs Land reisen und Geschichten singen.

    Außerdem ist so ein Gerät riesig und braucht einen Extra-Wagen. Der junge Harfner, der Kate gerettet hat, ist mit Karren und Diener unterwegs. Zudem ist das Instrument für einen Normalsterblichen nicht zu bezahlen. Firn konnte sich ja nicht einmal eine Laute wie die von Brogue leisten.


    Und dann treffen sich Firn und James: Kumatais Verfluchter und Larennis Gnade im Untergang.

    Ich sags nochmal: Genial.

    Eine wirklich epische Geschichte


    ***

    Aeria

    Ein sehr schönes Ende! Die Geschichte stellt sich mir wie ein Kreislauf dar. Der Tyggboren hat dafür gesorgt, dass der Baum wieder Nahrung bekam, also hat er ausgedient. Sein Körper kann sterben, um zu einer anderen Zeit wieder geboren zu werden. Und irgendwo wird der nächste Harfner Alpträume bekommen, wie ein Baum ihn „auffrisst“.

    Der Tyggboren hat tatsächlich ausgedient. Und ist weitergezogen. Diesmal wirklich. Es wird für Cerf und Aubrey keine Wiedergeburt mehr geben. So habe ich das verstanden.


    Der arme Firn, das erklärt alles. Er hat ja schon immer davon geträumt, wie der Baum ihn aufnimmt und hat vergeblich versucht, seinem Schicksal zu entkommen. Kein Wunder, dass er immer so abweisend anderen gegenüber war. Er hat für sich keine Zukunft gesehen und deswegen alle Bindungen und Freundschaften abgelehnt.

    Er hat von dem Baum geträumt, ja, aber wohl eher nicht gedacht, dass er, Firn, dabei sterben könnte. Ich glaube, Firn ist jemand, der sich für unsterblich gehalten hat.

    Dass der Baum ihn "fressen" würde, hat er vermutlich erst bei seinem Besuch im ultanaari begriffen. Und James nichts davon gesagt, weil er wusste, James würde versuchen, ihn aufzuhalten.


    ***
    Aeria

    Loons Gerringer


    Was ich anders in Erinnerung hatte:


    1. Ich war mir sicher, dass die Gruppe auf Gerringer trifft. Ich dachte, das wäre seine Gestalt gewesen, die Juniper und Carmino gesehen hatten. Dabei denkt Inglewing nur intensiv über Gerringer nach. Das hat sich in meinem Gehirn irgendwie verknotet.


    2. Ich war felsenfest (!) davon überzeugt, dass James in Frillort wieder zu sich kommt, und die anderen seine Wiederauferstehung noch mitbekommen. Stattdessen zieht Pix mit dem toten James durch die Pforte nach Frankreich.

    Im Übrigen denke ich auch, dass er tot war, nicht bloß bewusstlos.


    ***

    Aeria