Beiträge von Aeria

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    "Vakuum" von Phillip P. Peterson



    Die Astrophysikerin Susan Boyle empfängt merkwürdige Signale von einem fernen Stern. Zur gleichen Zeit entdeckt die Crew des Astronauten Colin Curtis ein fremdes Objekt, das sich dem Sonnensystem nähert. Bei dem Objekt handelt es sich um ein außerirdisches Raumschiff, das offenbar auf der Flucht vor etwas ist.

    Susan findet heraus, dass diese beiden Ereignisse zusammenhängen - und das Ende der Welt bedeuten.


    Das ist mit Abstand des deprimierendste Buch von Peterson und eines der bedrückendsten Bücher überhaupt. Ich habe schon unzählige Herzschmerz-Geschichten, Geschichten über schlimme Zeiten und gar Weltuntergang etc. gelesen, aber so einen bitteren Nachgeschmack hat mir kein anderes Werk beschert.

    Es geht um nicht weniger als das Ende des gesamten Universums. Unser Universum ist instabil und früher oder später kann ein Vakuumzerfall einsetzen, der alles vernichtet. Aufhalten kann man diesen Prozess nicht.

    Peterson hat das Thema bereits in seinen "Paradox"-Büchern angesprochen, doch dort war es Theorie. In "Vakuum" geschieht es bereits. Die Zustände, die daraufhin auf der Erde losbrechen, kann man sich schlecht vorstellen. Oder zu gut, je nachdem, wie viele Weltuntergangs-Bücher und Filme man bereits kennt.

    Dieser Teil des Romans ist also sehr glaubwürdig.

    Nicht ganz abkaufen konnte ich Peterson dagegen die Idee, dass sich eine ausreichend große Gruppe von Menschen zusammenrauft und eine gigantische Arche baut. Menschen handeln einfach nicht so, sie schlagen sich eher die Köpfe ein, wenn es ums Überleben geht. Für einen Raumschiffbau hat man da einfach eine Hand mehr frei. Vielleicht denke ich auch einfach zu pessimistisch.


    Als ich beim dritten Kapitel ankam, hatte ich nur einen Gedanken in Form eines großen Fragezeichens. Hä? Wer ist Pala? Was sind das für Menschen? Worum geht's hier eigentlich? Erst nach und nach begreift man, was Sache ist, und hofft, dass die drei Reisenden ihr Ziel erreichen. Ich gebe zu, ganz am Ende des Abenteuers der Drei, bekam ich fast einen hysterischen Anfall. Wer das Buch gelesen hat, wird wissen, welche Zeilen dies auslösen haben.


    Alles in allem - sehr sehr bedrückend. Es gibt Hoffnungsschimmer, klar, aber wenn einem der Vakuumzerfall auf den Fersen ist, ist eine hoffnungsvolle Zukunft nur eine Illusion.


    4ratten


    ***

    Aeria

    Vor einiger Zeit sah ich mir einen Blogbeitrag an, in dem es um Bücher ging, die keine Handlung haben. Ich dachte noch "Was es nicht alles gibt!". Die Titel habe ich mir nicht gemerkt, weil ich eh keines der erwähnten Bücher kannte. Dieses Buch, "Eines Menschen Flügel", passt ganz gut in diese Kategorie.

    Die Handlung - geflügelte Menschen kämpfen gegen das Ende ihrer Welt - ist eigentlich nebensächlich, vernachlässigbar. Sie spielt sich vor einem so gewaltigen Hintergrundgemälde ab, dass sie wie ein kleines darauf krabbelndes Insekt (mit Flügeln) egal ist.


    Eschbach hat seinen Roman als große Studie des Lebens auf einem fernen Planeten geschrieben. Die Details, die hier erwähnt werden, sind so zahlreich und so glaubwürdig, dass man wirklich meint, den Planeten selbst besucht zu haben. Z. B.: Die Sprüche: "Der hat nicht alle Federn am Flügel", "das muss margorisch wehtun!" (nach dem Margor, einer Kraft, die alles tötet, was den Boden berührt, weshalb die Menschen Flügel haben), sowie Details aus dem Alltag, beispielsweise, Stühle mit schmalen Rückenlehnen, damit die Flügel nicht gequetscht werden.

    Wahnsinn!


    Nach dem Lesen fällt es schwer, auf den Boden der Realität zu landen.


    5ratten


    ***

    Aeria

    Das Buch wird aus der Sicht zweier Personen erzählt: Vater und Sohn. Sie berichten abwechselnd vom verrückten Leben ihrer Familie: Die Ehefrau und Mutter hat jeden Tag einen anderen Vornamen, ein großer tropischer Vogel lebt bei ihnen in der Wohnung, es gibt oft Partys bis in die Nacht, ein Senator geht bei ihnen ein und aus, Nina Simones Song Mr Bojangles wird jeden Tag gespielt. Der Sohn bekommt Heimunterricht, denn keine Schule kann sich mit dem bunten Treiben zu Hause messen, und kein Lehrer kann einem die wirklich wichtigen Dinge beibringen. Da er noch sehr jung ist, ist seine Sicht der Welt noch unschuldig und unverstellt. Für ihn ist alles ein großer Spaß, der niemals enden soll.


    Am Anfang wirkt diese Geschichte wie eine schillernde Diskokugel. Alles ist bunt, alles verrückt, fast surreal, und man fragt sich, was man denn da für ein Buch erwischt hat. Dann, nach und nach, beginnt man zu verstehen, dass das Leben, das die Drei führen, nicht aus Glitzer besteht, sondern aus Glassplittern.


    Das Hörbuch ist nur 3 Stunden lang, und man möchte meinen, das sei viel zu kurz für eine richtige Geschichte. Um so erstaunter ist man dann, wenn man begreift, wie viel Inhalt Bourdeaut in dieses kleine Buch gepackt hat. Die Figuren wirken lebendig, die Handlung ist erst schräg und witzig, dann zunehmend bedrückender, bis man einen Kloß im Hals hat, der nicht mehr verschwinden will.


    Ein Buch, das ich ganz sicher noch öfter hören werde. Sehr schön :herz:


    5ratten


    ***
    Aeria

    Kirsten Das mit dem Ablegen der rosaroten Brille steht mir noch bevor. Auch ich habe das Buch vor zig Jahren gelesen. Als damals "Outlander" im TV kam, sah ich mir tatsächlich zwei Folgen an, entschied dann, erst das Buch nochmal zu lesen oder zu hören. Seitdem schimmelt die Audiodatei hier herum. Ich bin wirklich nicht mehr sicher, ob ich in diese "Mutter aller Highlander-Romane" ernsthaft nochmal eintauchen möchte.


    ***

    Aeria

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    "Der Astronaut" von Andy Weir


    Handlung:


    Ein Mann erwacht aus dem Koma und weiß weder, wer er ist noch wo und wieso. Ganz langsam kommt die Erinnerung zurück: Ryland Grace befindet sich auf dem Raumschiff Hail Mary und dieses ist gerade im System Tau Ceti angekommen. Offenbar verliert die irdische Sonne immer weiter an Leuchtkraft, so dass das Leben auf der Erde seinem Ende entgegensieht. In Tau Ceti hoffen die Menschen eine Lösung zu finden.

    Ursprünglich gab es eine Crew aus drei Astronauten, die sich für diese Selbstmordmission ins All aufgemacht hatten. Jetzt ist Grace ganz allein. Oder genauer gesagt, er ist der einzige Mensch im fremden System. Etwas da draußen hat ihn bereits bemerkt.


    Meine Meinung:


    ICH KANN GAR NICHT SAGEN, WIE SEHR MIR DIESES BUCH GEFALLEN HAT!

    Das zählt aber nicht als Rezi, oder?

    :sonne:

    Ok, hier kommt die Begründung.


    Schon auf den ersten Seiten fing ich an vor Begeisterung zu quieken. Natürlich bin ich mit sehr hohen Erwartungen an "Der Astronaut" herangegangen. Immerhin hat Andy Weir eines meiner Lieblingsbücher ("Der Marsianer") geschrieben. In diesem Buch geht Weir noch einen Schritt weiter. Statt einen Menschen auf den Mars zu schicken, der zwar allein, aber doch im Laufe der Zeit Unterstützung von der Erde bekommt, ist in "Der Astronaut" jede Hilfe ausgeschlossen. Grace muss allein zurechtkommen, 11,9 Lichtjahre von zu Hause entfernt. Seine Crew ist tot, er steht unter Zeitdruck und ein Alien findet er auch noch. Oder es findet ihn.


    Die Grundatmosphäre ist gleich von Anfang an sehr düster: Die Erde stirbt. In geschätzt weniger als 20 Jahren wird die Hälfte der Menschen auf der Welt tot sein, verhungert. Die Regierungen der Welt tun sich zusammen und starten das gewaltigste Projekt der Geschichte. Ein Raumschiff, die Hail Mary, soll nach Tau Ceti fliegen, weil Tau Ceti im Vergleich zu allen anderen Sonnen der lokalen Gruppe nicht leuchtschwächer wird.

    Die Erfolge, die Schwierigkeiten und die Begegnungen, die sich bei dem Projekt ergeben, werden in Rückblenden erzählt, je mehr Erinnerungen bei Grace zurückkehren.

    Diese Erinnerungen sind zwar spannend, weil sie ein genaueres Bild des Ganzen liefern, aber natürlich will man in erster Linie wissen, wie es denn nun Grace ergeht. Hat das Alien ihn schon gefressen? Haben sie eine Kommunikation entwickelt? Wie unterscheidet sich das Alien von einem Menschen? Was steckt hinter der Immunität von Tau Ceti? Da dies genau der Grund ist, aus dem ich Science-Fiction lese, konnte ich die Rückblenden nicht schnell genug abhaken.


    Wie das so bei den Büchern von Weir ist, wirkt die Handlung sehr realistisch. Viel Ahnung von (Astro)Physik und Naturwissenschaften im Allgemeinen habe ich nicht, aber alles, was Weir schreibt, glaube ich ihm. Ich nehme an, dass die meisten technischen und wissenschaftlichen Details korrekt sind, wie sie es auch schon in den beiden ersten Büchern waren. Unter anderem sind das die Dinge, die seine Werke so faszinierend machen.

    Zu den anderen Dingen gehört der Humor. Grace ist keine Frohnatur, in der gegenwärtigen Situation schon gar nicht, aber er hat einen herrlichen trockenen Humor, der viele Szenen auflockert.


    Bei den Figuren hat Weir den Dreh nicht ganz so gut raus wie bei dem technischen Hintergrund. Wie auch schon Mark Watney ist auch Ryland Grace ein Mensch ohne Vergangenheit. Über ihn gibt es nur sehr wenige persönliche Infos. Das Bild der Figur ergibt sich aus den Handlungen, die sie durchführt, aus den Gedanken, die sie sich über ein Problem macht. Wenn wir schon bei den Vergleichen sind: Jazz Bashara aus "Artemis" hat wesentlich mehr Tiefgang.

    Hat mich diese mangelnde Dimension gestört? Nein. Das Buch ist eine Abenteuer- und Raumfahrergeschichte, die Figuren sind nur schmuckes Beiwerk.

    Aber das Alien, Rocky, ist ganz große Klasse. Die Überlegungen, die Weir zu diesem fremden Wesen angestellt hat, beeindrucken. Ich habe so meine Probleme mit zu menschlich handelnden Aliens, und an einigen - ganz wenigen! - Stellen hat mich auch bei Rocky in dieser Hinsicht etwas gepiekst. Trotzdem, Rocky ist toll. Ich will einen Rocky!


    Ich höre jetzt besser auf, sonst wird das eine unüberschaubare Lobhudelei. Nur soviel: Wow! Ganz viel wow!



    5ratten + :tipp:


    ***

    Aeria



    /edit:

    Nachtrag: Für einige Heiterkeit haben bei mir die Erwähnungen von Roskosmos gesorgt. Sicher war die russische Raumfahrtbehörde von Weir nicht als Witz gemeint, aber wenn man die gegenwärtige Situation bei Roskosmos kennt, ist das schon sehr schwarzer Humor.

    :sonne:

    Jetzt komme ich mir vor wie ein Alien. Ich fand das Buch sehr enttäuschend, um nicht zu sagen, mies. Die ganze Zeit hatte ich die Stimme von Lemony Snicket im Kopf: Ja, das ist schlimm, aber warte es mal ab, es wird noch viiiieeel schlimmer!

    In endlosen Monologen wird die Geschichte eines Autors erzählt, von dem Zafón behauptet, er sei ein genialer Schriftsteller. Ich will Beweise sehen, bekomme aber keine. Behaupten kann ja jeder.

    Ein Buch beschreibt normalerweise einen Konflikt, wo isser denn?

    Es geht in der Handlung um Liebe, heißt es oft, aber ich sehe nur Besessenheit. Alle leiden ständig herum, das ist nicht schön, das ist deprimierend.

    Poetische Sprache, ja, stimmt. Aber poetische Sprache allein reicht nicht aus, wenn es keine Handlung gibt. Oder eine Handlung, die in 100 Seiten gepasst hätte, die aber auf 570 Seiten aufgebläht wurde, weil Zafón nicht aufhören kann zu schwafeln und die Geschichte jeder (Neben)Figur im Detail erzählen muss.

    Und das alles, obwohl ich das Hörbuch gehört habe und ich bei Hörbüchern fast immer sehr viel milder urteile. Wenn ich das Buch gelesen hätte, hätte ich es nach 50 Seiten abgebrochen.


    So, das musste mal raus. Ihr könnt schon mal die Mistgabeln holen.


    ***

    Aeria

    Mit kleineren Abstrichen hat mir diese Geschichte ganz ausgezeichnet gefallen. Ich hatte mich für die Hörbuchfassung entschieden, was gut war, sonst hätte ich ständig vorgeblättert.

    Andere Bücher der Autorin habe ich schon gewunschlistet.


    ***

    Aeria

    Eine begeisterte Bloggerin auf YouTube empfahl ihren Zuschauern, sich für das Lesen dieses Buches Urlaub zu nehmen, weil man sonst nicht zum Arbeiten käme. Das weckte natürlich Erwartungen.

    Ich fand diesen Krimi sehr gut, aber nicht außergewöhnlich. Hat man alles schon mal gelesen. Aber die Art, wie die Geschichte erzählt wurde, bekommt von mir die Höchstwertung. Besonders interessant, sogar schön, fand ich die Beschreibungen des Lebens im Baskenland. Das erste Mal überhaupt habe ich nach dem Beenden eines Krimis die Örtlichkeiten gegoogelt. Ebenfalls wunderbar fand ich die zwischenmenschlichen Beziehungen. Den Opa des Inspectors würde ich am liebsten sofort adoptieren!


    Auf den Täter bin ich nicht gekommen, den hat die Autorin gut versteckt.


    Was mich gestört oder vielmehr ein wenig genervt hat, waren die Cliffhanger. Nichts gegen diesen Autorenkniff, aber hier haben sie mich jedesmal gepiekst. Fast ständig ist es so, dass, sobald Ayala mit einem Zeugen etc. spricht und sich einer relevanten Information nähert, er auf irgendeine Weise die Befragung ab- oder unterbrechen muss.


    Den zweiten Teil werde ich mir auch holen. Des Opas wegen.


    /edit:

    Ratten vergessen


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    ***

    Aeria

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    "Perry Rhodan. Das größte Abenteuer" von Andreas Eschbach


    Alle Rhodan-Fans bitte einmal woanders hinsehen.


    Ich mag die Bücher von Andreas Eschbach. In den letzten Jahren habe ich alle Neuveröffentlichungen von ihm gelesen. Beim Perry-Buch habe ich dann doch gezögert. Vor Jahren habe ich mal zwei Gratis-Hörbücher über Perry Rhodan auf Audible gehört und festgestellt, dass ich mich mit dieser Figur nicht anfreunden kann. Also gar nicht. Das eBook von Eschbach landete dann doch auf dem Kindle, auch wenn ich abgewartet und erst gekauft habe, als es eine Preisaktion gab. Letztendlich entschied ich mich dann für das Hörbuch, gelesen von Uve Teschner.


    Was soll ich sagen? Ja und nein.


    Ja: Der Werdegang von Perry Rhodan hat mir gut gefallen. Seine Kindheit, die Ausbildung zum Piloten, seine Karriere als Testpilot, seine politischen Ansichten. Alles an sich eine klasse Biografie, sehr spannend, nachvollziehbar. Übrigens, so gar nicht Eschbach-haft. Dass die Geschichte von Andreas Eschbach ist, der eher nicht für Biografien bekannt ist, musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen.

    Ein großer Pluspunkt dieses Romans ist die Geschichte der Raumfahrt. Die habe ich inhaliert.


    Perry Rhodan ist zunächst ein ganz normaler Junge mit Träumen, Ängsten und Vorstellungen von der Zukunft. Er ist ein guter Freund und Sohn, Soldat und Patriot. Schon früh will er zu den Sternen reisen, und wählt einen Beruf, der ihn dorthin bringen soll.

    Er erlebt allerlei Abenteuer, die teilweise (nicht alle) wirklich interessant zu lesen bzw. zu hören sind. Bis hierhin ist es eine Geschichte, die meinetwegen noch lange so hätte weiter gehen können.

    Doch dann kommt der unvermeidliche Flug zum Mond, der Punkt, an dem das eigentliche Perryversum beginnt.


    Nein: Perry als Mensch war mir sympathisch, wenn auch manchmal zu gut für diese Welt, zu erhaben. Als Übermensch langweilte er mich zu Tode.

    Der plötzliche Übergang zur reinen Science-Fiction mit Aliens, Zeitreisenden, Teleportern etc. blieb mir wie eine Fischgräte im Halse stecken. Perry-Fans dürften aber genau hier jubiliert haben, vermute ich. Die Handlung des Romans wird ab diesem Punkt sprunghaft, oberflächlich. Als Neuling im Rhodan-Universum kam ich hier nicht mehr mit. Wer macht was? Warum? Wie? Hä? Was macht der? Und die dort? Bitte, was können die?

    Sicherlich hat auch das Wissen um die lange Geschichte der Perry Rhodan-Reihe eine Rolle gespielt. Wenn eine (fiktive) Welt so umfangreich ist wie die von PR, dann ist es für einen "Quereinsteiger" um so schwieriger, sich einen Überblick zu verschaffen.


    Mich würde die Meinung eines echten Perry-Fans zu diesem Buch interessieren. Hat Eschbach mit dem Roman das Bild von Perry Rhodan verbessert oder verschlechtert?


    Keine Ahnung, wie ich die Geschichte bewerten soll. Vom größten Teil des Buches war ich angetan (außer, als es um die Spione ging, ööööde und an den Haaren herbeigezogen), mir hat nur der Teil über den "echten Perry Rhodan" nicht gefallen.


    ***

    Aeria

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    "Montecrypto" von Tom Hillenbrand


    Das war mein viertes Buch von Tom Hillenbrand. "Drohnenland" hat mir gefallen, die beiden "Hologrammatica"-Romane hauten mich aus den Schuhen. Deshalb kaufte ich mir "Montecrypto" sofort als es rauskam, ohne auch nur die Inhaltsangabe zu lesen.

    Wie der Titel schon andeutet, geht es um Kryptogeld. Um eine ganze Menge Kryptogeld.


    Der Privatdetektiv Ed Dante bekommt von der Schwester eines verunglückten Kryptomilliardärs den Auftrag, dessen verstecktes Vermögen zu finden. Dante weiß alles über Finanzen, speziell von Krypto hat er aber nicht viel Ahnung. Einst arbeitete er an der Börse und war am Zusammenbruch einer der größten Banken beteiligt, was eine weltweite Finanzkrise auslöste und ihn beinahe am Hungertuch nagen ließ. Er übernimmt den Auftrag in der Hoffnung, seine Kasse aufzubessern, auch wenn er nicht genau weiß, wo er ansetzen soll. Unterstützt wird er von Mercy Mondego, einer Reporterin und Hackerin.

    Die Jagd auf Hollisters Milliarden beflügelt natürlich nicht nur Dante und Mondego, sondern auch etliche Millionen Internetnutzer, allen voran Krypto-Freaks. Dante muss ihnen immer einen Schritt voraus sein, aber meist weiß er nicht, was er tun soll. Zufällig stolpert er (im wahrsten Sinne des Wortes) über den ersten Hinweis, und nun muss er nicht nur seinen Verfolgern entkommen, sondern auch seinen Fans.

    Seine Suche nach dem Schatz führt ihn nach Europa und Lateinamerika.


    Wer sich für Kryptowährung interessiert und nicht wikipedieren will, kann "Montecrypto" lesen und weiß Bescheid. Bitcoin, Blockchain, Kryptomining werden hier für jeden verständlich erklärt. Natürlich kann ich nicht sagen, wie nah an der Wahrheit das Ganze ist, aber ich denke mal, der Autor dürfte gut recherchiert haben.


    Was der Titel des Buches ebenfalls vermuten lässt, ist eine Verbindung zum berühmten Buch von Alexandre Dumas, "Der Graf von Monte Christo". Und tatsächlich spielt die Geschichte über einen zu unrecht verurteilten Seemann, der seinen Tod vortäuscht, einen Schatz findet und sich an seinen Feinden rächt, eine große Rolle. Selbst die Namen - Ed Dante und Mercy (Mercedes) Mondego - spielen auf den Dumas-Roman an.


    Das Buch ist eine einzige große Schnitzeljagd mit einigen vorhersehbaren Wendungen. Stellenweise erinnerte mich die Handlung stark an "Ready Player One", wo die Helden ebenfalls einen großen Schatz suchen mussten. Die Namen der Schatz-Schöpfer ähneln sich sogar ein wenig.

    Die Figuren haben mir gefallen, wobei ich gerne mehr über Mondego erfahren hätte, sie kommt viel zu kurz. Aber Ed Dante fand ich sehr gut gezeichnet. Er ist Brite, stellenweise schon fast klischeehaft britisch mit seiner Vorliebe für Tee und der leichten Verachtung für seine Wahlheimat USA. Er ist Alkoholiker, trinkt aber nicht jeden Mist, sondern ist beim Alkohol noch wählerischer als beim Tee.


    Alles in allem ist "Montecrypto" ein unterhaltsamer Roman, der aber nicht an "Hologrammatica" herankommt. Die beiden Bücher kann man auch schlecht miteinander vergleichen, es ist wie mit den Äpfeln und Birnen. Sie gehören verschiedenen Genres an, gemein haben sie nur die Elemente des Thrillers.


    "Montecrypto" ist ein solider moderner Thriller und eine Hommage an die Detektivromane der 30 Jahre des letzten Jahrhunderts.

    Ich hoffe, dass Hillenbrand noch weitere Bücher über Ed Dante schreibt.


    Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, das von Oliver Siebeck gelesen wird.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    ***

    Aeria

    Firiath

    Das freut mich.

    Ich scheine von dem Buch derzeit richtig besessen zu sein, weil ich es vorgestern noch einmal gehört habe. Das war der dritte Durchgang in 6 Wochen. Ist das normal?

    Aber das Buch ist ja nicht lang, als Hörvesion sind es knapp 7 Stunden, das schafft man locker an einem Tag.

    Ich will eine deutsche Audioversion, wann kommt die denn endlich?!


    ***

    Aeria, ein bisschen besessen

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    "No Way" von S. J. Morden

    Band 2


    Handlung:


    Frank Kittridge ist allein auf dem Mars zurückgeblieben. Er macht Xenosystems, seinem "Arbeitgeber" ein Angebot, auf das der Konzern eingeht: Frank übernimmt die Rolle und die Aufgaben von Brack, der auf das NASA-Team warten, sich um die Marsstation kümmern und am Ende mit den NASA-Astronatuen zurück zur Erde fliegen sollte. Die Wartezeit verbringt Frank damit, die Station herzurichten, damit niemand merkt, dass sie gar nicht von Robotern gebaut worden ist und dass hier eine Menge Blut geflossen ist. Er hält sich an die Vereinbarung mit Xenosystems, auch wenn er weiß, dass er den skrupellosen Drahtziehern dort kein Wort glauben darf.

    Auf einem seiner arbeitsbedingten Ausflüge trifft Frank auf einen weiteren Marsbewohner. Es hat offenbar eine weitere Konzernexpedition auf den Mars geschafft. Die NASA-Astronauten dürfen davon nichts wissen, und Frank verheddert sich schon bald in Lügen und Halbwahrheiten. Doch so viel Mühe er sich auch gibt, die Ereignisse lassen sich weder von ihm noch von seinem Arbeitgeber kontrollieren. Schon bald watet Frank wieder durch Ströme von Blut.


    Meine Meinung:


    Wow. Das war das spannendste Buch seit einer gefühlten Ewigkeit. Frank Kittridge hat mich bis in meine Träume verfolgt, die Handlung hat für eine Menge Herzklopfen gesorgt.

    Wenn ein Buch auf dem Mars spielt, erwarte ich wenigstens einen Hauch von "Marsfeeling". Im ersten Buch fehlte es mir. Gut, es wird immerzu erwähnt, dass im Raumanzug gerade wenig Luft ist und die Luftschleuse sich so und nicht anders öffnen lässt, aber es fehlte was. In diesem zweiten Band hat der Autor kräftig angezogen. Hier fühlt sich der Mars real an. Allein die Fahrt durch den Staubsturm - holla!

    Auch die im ersten Teil von mir bemängelte Vorhersehbarkeit ist verschwunden. In "No Way" weiß man nie, was hinter der nächsten Kurve liegt.

    Die Figur des Frank Kittridge hat mehr Dimensionen bekommen. Seine Ängste, Hoffnungen und Schuldgefühle sind toll beschrieben, man kann seine Beweggründe stets nachvollziehen. Er ist vielleicht stellenweise zu sehr Superman, aber was solls, das akzeptiert man gern, wenn der Rest passt.


    Gefragt habe ich mich seit dem ersten Buch, warum die NASA, wenn sie soviele Milliarden an einen Subunternehmer zahlen kann, damit dieser ihr eine Marsstaion baut, es nicht selbst macht. Wozu ist Xenosystems da? Vielleicht, um einen Bösewicht zu haben? Für die Geschichte bzw. die Entscheidungen, die Frank treffen muss, braucht es einen rücksichtslosen Gegenpart. Dies kann nicht die "gute alte NASA" sein.

    Dies war für mich das einzige Sandkörnchen im Getriebe dieses Buches.


    Ich wäre nicht böse drum, wenn es noch einen dritten Band gäbe, aber bisher betrachte ich die Reihe als Dilogie. Das Ende des zweiten Bandes ist relativ abgeschlossen.


    Fazit: Eine Mischung aus "Der Marsianer" und "Stirb langsam". Top!


    5ratten + :tipp:


    ***

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    "One Way" von S. J. Morden

    Reihe "Frank Kittridge", Band 1


    Leider gibt es (noch) keine deutsche Übersetzung. Frage an den Heyne-Verlag: Warum nicht? Das Buch wäre genau euer Ding.


    Handlung:


    Frank Kittridge sitzt nach dem Mord am Drogendealer seines Sohnes eine 120jährige Haftstrafe ab. Einen Antrag auf Bewährung kann er erst in 80 Jahren stellen. Dabei ist er bereits 51 Jahre alt. Er weiß also, dass er sein restliches Leben im Gefängnis verbringen wird, und hat sich damit abgefunden. Da macht ihm der Konzern Panopticon, dem das Gefängnis gehört, ein Angebot. Frank soll mit einigen anderen Knastbrüdern und -schwestern eine Basis auf dem Mars aufbauen. Der Tochterkonzern Xenosystems hat nämlich einen Vertrag mit der NASA geschlossen: Die NASA schickt Astronauten zum Mars, die dafür benötigten Wohnmodule stellt Xenosystems. Frank überlegt nicht lange, denn auf der Erde hält ihn nichts mehr.

    Das Team aus rekrutierten Zwangsarbeitern wird ein halbes Jahr lang auf die Mission vorbereitet und anschließene auf den Mars verfrachtet. Nur - schon während der ersten Mission stirbt eine Person. Kurz darauf eine weitere. Und es hört nicht auf.


    Der Autor:


    Simon J. Morden ist ein waschechter Wissenschaftler mit Schwerpunkt Raketentechnologie. Außerdem beschäftigt er sich mit Geologie und Xenogeophysik.


    Meine Meinung:


    Das ist eine gelungene Mischung aus Science-Fiction, Krimi, Thriller und Robinsonade.

    Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten, denn ich wollte ja auf den Mars und bekam stattdessen ein Trainingslager in der Wüste. Gut ein Drittel des Buches handelt von der Vorbereitung auf die Mission.

    Die Hauptfigur Frank ist ein sehr verschlossener Mensch, der eine falsche Entscheidung getroffen hat und dafür nun mehr oder weniger bereitwillig Buße tut. Er hat keine Angst vor harter Arbeit, als ehemaliger Bauunternehmer kennt er es nicht anders. Der allergrößte Denker ist er allerdings nicht. Sonst wäre er auf die Auflösung des Rätsels schon früher gestoßen. Und hier liegt auch mein anderes "Problem" mit dem Buch: Ein/e erfahrene/r Leser/in kommt dem Geheimnis von Xenosystems schon recht bald auf die Spur. Die Handlung ist also über weite Strecken vorhersehbarer als einem lieb sein kann.


    Trotzdem ist es eine solide Geschichte über Pioniere auf dem Roten Planeten. Ganz so "marsianisch" wie bei Andy Weir wird es nicht, aber man bekommt dennoch eine Ahnung von der lebensfeindlichen Umgebung und den ständigen Gefahren, in denen die Menschen schweben.

    Bücher über die Weltraum- und Planetenerschließung durch Strafgefangene gibt es natürlich schon einige, mir fallen spontan drei ein: "Proxima" von Stephen Baxter, "Transport" von Phillip P. Peterson und "Marsdämmerung" von Kevin J. Anderson. Morden hat einen mindestens genauso guten Roman geschrieben, der die anderen in einer Hinsicht um einiges übertrumpft, nämlich in Sachen Hinterhältigkeit. Mir haben sich beim Lesen so manchens Mal die Nackenhaare aufgestellt.


    Der zweite Band heißt "No Way". Ich lese ihn gerade und kann noch nicht sagen, ob die Kittridge-Geschichte hier endet und es bei einer Dilogie bleibt. Es liest sich wieder sehr leicht und ist spannend. Nicht so, dass man das Buch nicht weglegen möchte, aber doch so, dass man ständig daran denken muss, wenn man es doch getan hat.


    Fazit: Ein Marsbuch. Ich mag Marsbücher. Dieses auch.


    4ratten


    ***

    Aeria

    ich fand es schade, dass Susanna Clarke so lange nichts mehr geschrieben hat.

    Sie war offenbar viele Jahre schwer krank.

    Am nächsten Buch soll sie bereits arbeiten, es wird also hoffentlich nicht weitere 16 Jahre dauern, bis wir etwas Neues von ihr lesen dürfen.


    Ich habe es getan: Nur ein paar Wochen nach dem Lesen bin ich noch einmal in die Geschichte eingetaucht. Diesmal in die Audioversion. Leider gibt es, wie oben erwähnt, kein deutsches Hörbuch, deshalb habe ich zum russischen gegriffen und an einem Tag komplett gehört. Außerdem habe ich mir (fürs Regal 8)) die russische HC-Ausgabe besorgt. Das war ein Glücksgriff, denn in dieser Ausgabe gibt es einen 14seitigen Anhang.


    Auch beim zweiten Lesen/Hören ist das Buch immer noch phantastisch. Auch wenn man schon weiß, was kommt. Beim ersten Mal habe ich mich über die kindliche Naivität von Piranesi machmal ein wenig aufgeregt. Jetzt hatte ich Mitleid.


    Ich würde Das Haus wirklich gerne mal sehen, den "Ort, an den das Vergessen fließt", denn:


    Zitat

    Die Schönheit Des Hauses ist unermesslich, seine Güte grenzenlos.


    Das Buch würde sich übrigens prima für eine Leserunde eignen :).


    ***

    Aeria (hat ein neues Lieblingsbuch)

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    "Piranesi" von Susanna Clarke



    Wer "Jonathan Strange & Mr. Norrell" von Susanna Clarke gelesen hat, weiß, dass sie ungewöhnliche Geschichten kann. Dass sie diese ungewöhnlichen Geschichten auch phantastisch erzählen kann.

    Nun gibt es endlich ein neues Buch von ihr, "Piranesi".

    Ich hatte gar nicht vor, es zu lesen, die Beschreibung klang mir zu diffus. Aber zugleich erzählt einem der Klappentext auch was von einem magischen Haus - und das ist wiederum ein Thema, bei dem ich nur sehr schwer widerstehen kann. Den letzten Kauf-Ansporn gab mir meine Lieblingsbooktuberin, die "Piranesi" zu ihrem Lieblingsbuch erklärte und ein über 40 Minuten langes Video dazu drehte. Das Video wollte ich sehen! Also musste das Buch her. Mir wäre eine Audioversion lieber gewesen, aber auf Deutsch gibt es die (noch) nicht.


    Worum geht es in dem Buch?

    Ein junger Mann, Piranesi, lebt in einem großen Haus. Dieses Haus ist seine ganze Welt. In den oberen Stockwerken gibt es Wolken und leben die Vögel, in den unteren Etagen plätschern die Wellen eines Ozeans gegen die Treppen. Es gibt unzählige Statuen, von Menschen, Fantasiewesen, Tieren. Es gibt Knochen, Überreste einstiger Bewohner. Piranesi kümmert sich um diese Knochen, spricht mit ihnen, bringt ihnen schönen Muscheln und Essen. Er geht von 13 Personen aus, für ihn sind das alle Menschen, die je gelebt haben. Manchmal trifft er sich mit Dem Anderen, einem Mann, der, wie Piranesi, in dem Haus lebt, allerdings weit entfernt. Seinen Namen hat Piranesi vom Anderen, aber er ist sich sicher, dass dies nicht sein richtiger Name ist. Eines Tages erzählt ihm Der Andere von Person Nr. 16, die kommen wird, um Piranesi wahnsinnig zu machen.


    Meine Güte, wo fange ich an?

    Sprache: Zum Hinknien. Ehrlich. Es ist fast eine Offenbarung, dieses Buch zu lesen. Jeder Satz sitzt. Das Buch ist sehr dünn, kein Vergleich zum monstermäßig dicken "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Susanna Clarke hat aber nicht mehr Seiten gebraucht, um ihrer Geschichte Tiefgang und Vielschichtigkeit zu verpassen.

    Viele Schichten gibt es hier zuhauf. Ich gestehe, dass ich das Buch wie eine spannende Geschichte gelesen habe, ohne mich um tiefere Schichten zu kümmern. Erst die Booktuberin, der ich diesen Tipp verdanke, hat die Dimensionen von "Piranesi" offengelegt. Ich bin sicher, es sind längst nicht alle.

    Ganz vorne im Buch steht ein Zitat von C. S. Lewis. Das hat seinen Grund, denn Susanna Clarke hat sich bei den "Chroniken von Narnia", genauer bei "Der Neffe des Magiers", einiger Ideen bedient und diese ganz neu verpackt. Auch sind einige Anspielungen auf Jorge Luis Borges im Text, nämlich auf die Kurzgeschichte "Das Haus des Asterion" (enthalten in "Das Aleph"). Labyrinthe, Minotauren, ein Bewohner, der sich frei fühlt, doch ist er es wirklich? Sogar auf "Harry Potter und der Stein der Weisen" gibt es eine feine Anspielung: Wer geheimes Wissen sucht, um es zu benutzen, wird scheitern, Voldemort wird mir zustimmen.

    Die Autorin stellt die Frage, wie weit man gehen darf, um an neue Erkenntnisse zu gelangen. Wer man wird, wenn alle Erinnerungen fort sind. Wer man wird, wenn diese Erinnerungen zurückkehren. Und und und.


    Das Buch ist eine wunderbare Mischung aus schönen Bildern, wichtigen Fragen und toller Sprache.

    Ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen und diesmal nach den vielen offenen und versteckten Anspielungen Ausschau halten.


    Fazit: Magisch!


    5ratten + :tipp:


    ***

    Aeria

    "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad


    Dieses Buch war schwer zu lesen uns ist noch schwerer zu rezensieren. Es ist die Biografie des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, der 2011 auf der Insel Utøya fast 70 Menschen, überwiegend Jugendliche, erschoss.

    Neben Breiviks Leben wird auch das Leben von einigen jungen Menschen erzählt, z. B. Bano Rashid, deren Familie aus dem Irak geflohen war. Die kurdische Familie beantragte in Norwegen Asyl. Bereits als Kind begann sich Bano für die Politik zu interessieren und trat als Teenager in die Sozialdemokratische Partei ein.

    Man liest detailliert über Bano und ihre Parteifreunde und fragt sich die ganze Zeit, ob die drei unter den Opfern auf der Insel sein werden oder nicht. Das geht an die Nieren, denn bereits im Prolog stehen die ersten Morde an Jugendlichen. Waren Bano, Simon und Anders dabei? Man erfährt es erst am Ende.


    Das Hauptaugenmerk des Buches liegt aber eindeutig auf Anders Behring Breivik. Der Vater ließ sich von Anders' Mutter schon nach wenigen Monaten scheiden, so dass der Junge später nur wenig Kontakt zu ihm hatte. Die Mutter war mit zwei Kindern überfordert, so dass sich das Jugendamt einschalten musste.

    Anders wollte nach oben, der Beste und der Anführer sein. Aber was er auch anfasste, es hielt nicht. Das Versagen verfolgte ihn an allen Fronten. Erst gehörte er einer Gruppe von Sprayern an, später trat er der rechtspopulistischen Partei bei, gründete eine Firma, dann die nächste, wurde zu den Freimaurern eingeladen - und nichts davon klappte so recht. Die Sprayer mobbten ihn raus, weil er sich nicht an deren Regeln hielt, in der Partei bekam er nicht den gewünschten Posten, die Firmen musste er aus verschiedenen Gründen aufgeben, und die Freimaurer interessierten ihn schon bald nicht mehr. Dafür entdeckte er die Welt der Computerspiele, in die er für Jahre abtauchte. Als er daraus wieder auftauchte, war er zu dem geworden, den die Welt als Massenmörder von Oslo und Utøya kennenlernen sollte.


    Die Autorin Seierstad hat einen relativ trockenen Schreibstil, aber sie kann gut erklären, Zusammenhänge herstellen und die Hintergründe ans Licht ziehen. Für ihr Buch hat sie sich an allen ihr verfügbaren Quellen bedient. Mir hat ihre Art des Schreibens so gut gefallen, dass ich mir, als ich noch nicht einmal ein Drittel dieses Buches gelesen hatte, schon das nächste bestellte.


    Die Details, die einem hier geboten werden, können erschlagen. Seierstad seziert die Geschehnisse so, dass ich das Buch mal weglegen wollte und mal nicht schnell genug weiterlesen konnte. Sie schreibt über die Kindheit von Simon genauso detailliert wie über Breiviks Bombenbau (das ist fast schon eine Anleitung, also Vorsicht!). Jede Minute des Anschlags in Oslo wird genau beschrieben. Hier bekommt man als Leser fast den ersten Herzinfarkt, denn die Unfähigkeit der norwegischen Polizei an diesem Punkt ist haarstäubend. Die ist völlig hilflos, dabei hätte sie Breivik schon relativ früh schnappen können, wenn sich die Beamten in dem einen Streifenwagen an ihre Befehle gehalten hätten.

    Die Morde auf der Insel sind das zweite Herzinfarktrisiko. Ich lese nicht oft Thriller, aber wenn, dann machen mir blutrünstige Szenen nicht viel aus. Aber hier ist es echt. Es ist wirklich passiert. Diese Menschen sind nicht der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Seierstad beschreibt Breiviks methodisches mörderisches Vorgehen so plastisch, dass einem wirklich schlecht werden kann.


    Eines der schwersten und verstörendsten Bücher der letzten Jahre. Nicht für jeden.


    ***

    Aeria

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    "The Queen's Gambit" von Walter Tevis


    In den 60er Jahren:

    Die 8jährige Beth Harmon verliert bei einem Unfall ihre Mutter und muss ins Waisenhaus. Dort verabreicht man den Kindern Beruhigungsmittel, schickaniert sie und überhaupt, man lässt sie keine Kinder sein. Im Waisenhaus ist es außerdem schwer, Freundschaften zu schließen. Beth, auch früher nicht gerade das lebenslustigste Kind der Welt, zieht sich in sich zurück. Eines Tages beobachtet sie den Hausmeister beim Schachspiel - und ist sofort Feuer und Flamme.


    Eine deutsche Übersetzung gibt es leider nicht. Aber nachdem die Netflix-Serie Erfolge feiert, darf man vielleicht hoffen? Ich habe das Buch in der russischen Übersetzung gelesen, weil ich die Beschreibung so interessant fand und kein Netflix habe.

    Ich bin so durchgerauscht!


    Das Schachspiel ist eines der ältesten und interessantesten Brettspiele der Welt und längst nicht jedermanns Sache. Obwohl Schach in diesem Buch eine große Rolle spielt, kann man es auch lesen, wenn man sich nicht für das Spiel interessiert. Ich selbst weiß, wie es gespielt wird, aber da hört es auch schon auf. Ob die ganzen im Buch erwähnten Züge auf die beschriebene Art möglich sind, kann ich also nicht beurteilen. Es tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Turniere lesen sich oft wie Kampfszenen, Figuren werden hin und her geschoben und geopfert. Die Schachspieler sind wie Generäle, die ihre Truppen zum Sieg führen wollen, und alle Züge schon vorab im Kopf durchrechnen müssen.


    Die Hauptfigur Beth ist ein ungewöhnliches Mädchen, später eine junge Frau, die sich nur lebendig fühlt, wenn sie spielt. Die Siege sind ihr Aphrodisiakum.

    Ihr zu folgen, die Entwicklung zu beobachten, ist nicht nur spannend, sondern auch äußerst faszinierend. Ihre ärgsten Gegner sind nicht die Schachspielgegner, sondern die Tabletten und der Alkohol. Sie wurde bereits im Waisenhaus tablettenabhängig (gemacht) und als sie nicht mehr an Tabletten herankam, griff sie zum Alkohol. Als Leser fiebert man ständig mit, ob sie nun das nächste Spiel verliert, weil sie sich am Vortag wieder hat volllaufen lassen, oder gewinnt.

    Ihr Kampf gegen die Sucht ist ebenso zum Nägelkauen spannend beschrieben wie die Schachturniere.


    Gegen die Hauptfigur verblassen alle anderen Figuren. Sie ist halt die Königin, die Dame auf dem Feld. Die anderen, z. B. Beth' Freundin oder ihre Liebhaber, haben zwar wichtige Auftritte, aber im Grunde will man nur wissen, wie es mit Beth weitergeht.


    "The Queen's Gambit" geht in meine diesjährige Lesestatistik als eines der Jahreshighlights ein.


    Fazit: Definitiv nicht nur für Schachfans.


    5ratten


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    Aeria

    Firiath Das könnte durchaus passieren 8)

    Ich bin vorgestern mit einem Schrei(b)projekt fertig geworden, das ich (ein wenig größenwahnsinnig) als Roman bezeichne. Weiß nicht, was davon nach Überarbeitung und Lektorat noch bleibt :todmuede:, aber ich hoffe doch, etwas Lesbares. Verraten kann ich soviel, dass es sich um die Vorgeschichte einer Figur aus der "ARES"-Anthologie handelt.

    Einige neue Kurzgeschichten sind auch fertig und jetzt habe ich für die auch wieder mehr (Schreib)Zeit. Guckenwirmal.


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    Aeria