Beiträge von Aeria

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    "Perry Rhodan. Das größte Abenteuer" von Andreas Eschbach


    Alle Rhodan-Fans bitte einmal woanders hinsehen.


    Ich mag die Bücher von Andreas Eschbach. In den letzten Jahren habe ich alle Neuveröffentlichungen von ihm gelesen. Beim Perry-Buch habe ich dann doch gezögert. Vor Jahren habe ich mal zwei Gratis-Hörbücher über Perry Rhodan auf Audible gehört und festgestellt, dass ich mich mit dieser Figur nicht anfreunden kann. Also gar nicht. Das eBook von Eschbach landete dann doch auf dem Kindle, auch wenn ich abgewartet und erst gekauft habe, als es eine Preisaktion gab. Letztendlich entschied ich mich dann für das Hörbuch, gelesen von Uve Teschner.


    Was soll ich sagen? Ja und nein.


    Ja: Der Werdegang von Perry Rhodan hat mir gut gefallen. Seine Kindheit, die Ausbildung zum Piloten, seine Karriere als Testpilot, seine politischen Ansichten. Alles an sich eine klasse Biografie, sehr spannend, nachvollziehbar. Übrigens, so gar nicht Eschbach-haft. Dass die Geschichte von Andreas Eschbach ist, der eher nicht für Biografien bekannt ist, musste ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufen.

    Ein großer Pluspunkt dieses Romans ist die Geschichte der Raumfahrt. Die habe ich inhaliert.


    Perry Rhodan ist zunächst ein ganz normaler Junge mit Träumen, Ängsten und Vorstellungen von der Zukunft. Er ist ein guter Freund und Sohn, Soldat und Patriot. Schon früh will er zu den Sternen reisen, und wählt einen Beruf, der ihn dorthin bringen soll.

    Er erlebt allerlei Abenteuer, die teilweise (nicht alle) wirklich interessant zu lesen bzw. zu hören sind. Bis hierhin ist es eine Geschichte, die meinetwegen noch lange so hätte weiter gehen können.

    Doch dann kommt der unvermeidliche Flug zum Mond, der Punkt, an dem das eigentliche Perryversum beginnt.


    Nein: Perry als Mensch war mir sympathisch, wenn auch manchmal zu gut für diese Welt, zu erhaben. Als Übermensch langweilte er mich zu Tode.

    Der plötzliche Übergang zur reinen Science-Fiction mit Aliens, Zeitreisenden, Teleportern etc. blieb mir wie eine Fischgräte im Halse stecken. Perry-Fans dürften aber genau hier jubiliert haben, vermute ich. Die Handlung des Romans wird ab diesem Punkt sprunghaft, oberflächlich. Als Neuling im Rhodan-Universum kam ich hier nicht mehr mit. Wer macht was? Warum? Wie? Hä? Was macht der? Und die dort? Bitte, was können die?

    Sicherlich hat auch das Wissen um die lange Geschichte der Perry Rhodan-Reihe eine Rolle gespielt. Wenn eine (fiktive) Welt so umfangreich ist wie die von PR, dann ist es für einen "Quereinsteiger" um so schwieriger, sich einen Überblick zu verschaffen.


    Mich würde die Meinung eines echten Perry-Fans zu diesem Buch interessieren. Hat Eschbach mit dem Roman das Bild von Perry Rhodan verbessert oder verschlechtert?


    Keine Ahnung, wie ich die Geschichte bewerten soll. Vom größten Teil des Buches war ich angetan (außer, als es um die Spione ging, ööööde und an den Haaren herbeigezogen), mir hat nur der Teil über den "echten Perry Rhodan" nicht gefallen.


    ***

    Aeria

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    "Montecrypto" von Tom Hillenbrand


    Das war mein viertes Buch von Tom Hillenbrand. "Drohnenland" hat mir gefallen, die beiden "Hologrammatica"-Romane hauten mich aus den Schuhen. Deshalb kaufte ich mir "Montecrypto" sofort als es rauskam, ohne auch nur die Inhaltsangabe zu lesen.

    Wie der Titel schon andeutet, geht es um Kryptogeld. Um eine ganze Menge Kryptogeld.


    Der Privatdetektiv Ed Dante bekommt von der Schwester eines verunglückten Kryptomilliardärs den Auftrag, dessen verstecktes Vermögen zu finden. Dante weiß alles über Finanzen, speziell von Krypto hat er aber nicht viel Ahnung. Einst arbeitete er an der Börse und war am Zusammenbruch einer der größten Banken beteiligt, was eine weltweite Finanzkrise auslöste und ihn beinahe am Hungertuch nagen ließ. Er übernimmt den Auftrag in der Hoffnung, seine Kasse aufzubessern, auch wenn er nicht genau weiß, wo er ansetzen soll. Unterstützt wird er von Mercy Mondego, einer Reporterin und Hackerin.

    Die Jagd auf Hollisters Milliarden beflügelt natürlich nicht nur Dante und Mondego, sondern auch etliche Millionen Internetnutzer, allen voran Krypto-Freaks. Dante muss ihnen immer einen Schritt voraus sein, aber meist weiß er nicht, was er tun soll. Zufällig stolpert er (im wahrsten Sinne des Wortes) über den ersten Hinweis, und nun muss er nicht nur seinen Verfolgern entkommen, sondern auch seinen Fans.

    Seine Suche nach dem Schatz führt ihn nach Europa und Lateinamerika.


    Wer sich für Kryptowährung interessiert und nicht wikipedieren will, kann "Montecrypto" lesen und weiß Bescheid. Bitcoin, Blockchain, Kryptomining werden hier für jeden verständlich erklärt. Natürlich kann ich nicht sagen, wie nah an der Wahrheit das Ganze ist, aber ich denke mal, der Autor dürfte gut recherchiert haben.


    Was der Titel des Buches ebenfalls vermuten lässt, ist eine Verbindung zum berühmten Buch von Alexandre Dumas, "Der Graf von Monte Christo". Und tatsächlich spielt die Geschichte über einen zu unrecht verurteilten Seemann, der seinen Tod vortäuscht, einen Schatz findet und sich an seinen Feinden rächt, eine große Rolle. Selbst die Namen - Ed Dante und Mercy (Mercedes) Mondego - spielen auf den Dumas-Roman an.


    Das Buch ist eine einzige große Schnitzeljagd mit einigen vorhersehbaren Wendungen. Stellenweise erinnerte mich die Handlung stark an "Ready Player One", wo die Helden ebenfalls einen großen Schatz suchen mussten. Die Namen der Schatz-Schöpfer ähneln sich sogar ein wenig.

    Die Figuren haben mir gefallen, wobei ich gerne mehr über Mondego erfahren hätte, sie kommt viel zu kurz. Aber Ed Dante fand ich sehr gut gezeichnet. Er ist Brite, stellenweise schon fast klischeehaft britisch mit seiner Vorliebe für Tee und der leichten Verachtung für seine Wahlheimat USA. Er ist Alkoholiker, trinkt aber nicht jeden Mist, sondern ist beim Alkohol noch wählerischer als beim Tee.


    Alles in allem ist "Montecrypto" ein unterhaltsamer Roman, der aber nicht an "Hologrammatica" herankommt. Die beiden Bücher kann man auch schlecht miteinander vergleichen, es ist wie mit den Äpfeln und Birnen. Sie gehören verschiedenen Genres an, gemein haben sie nur die Elemente des Thrillers.


    "Montecrypto" ist ein solider moderner Thriller und eine Hommage an die Detektivromane der 30 Jahre des letzten Jahrhunderts.

    Ich hoffe, dass Hillenbrand noch weitere Bücher über Ed Dante schreibt.


    Ich habe den Roman als Hörbuch gehört, das von Oliver Siebeck gelesen wird.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:


    ***

    Aeria

    Firiath

    Das freut mich.

    Ich scheine von dem Buch derzeit richtig besessen zu sein, weil ich es vorgestern noch einmal gehört habe. Das war der dritte Durchgang in 6 Wochen. Ist das normal?

    Aber das Buch ist ja nicht lang, als Hörvesion sind es knapp 7 Stunden, das schafft man locker an einem Tag.

    Ich will eine deutsche Audioversion, wann kommt die denn endlich?!


    ***

    Aeria, ein bisschen besessen

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    "No Way" von S. J. Morden

    Band 2


    Handlung:


    Frank Kittridge ist allein auf dem Mars zurückgeblieben. Er macht Xenosystems, seinem "Arbeitgeber" ein Angebot, auf das der Konzern eingeht: Frank übernimmt die Rolle und die Aufgaben von Brack, der auf das NASA-Team warten, sich um die Marsstation kümmern und am Ende mit den NASA-Astronatuen zurück zur Erde fliegen sollte. Die Wartezeit verbringt Frank damit, die Station herzurichten, damit niemand merkt, dass sie gar nicht von Robotern gebaut worden ist und dass hier eine Menge Blut geflossen ist. Er hält sich an die Vereinbarung mit Xenosystems, auch wenn er weiß, dass er den skrupellosen Drahtziehern dort kein Wort glauben darf.

    Auf einem seiner arbeitsbedingten Ausflüge trifft Frank auf einen weiteren Marsbewohner. Es hat offenbar eine weitere Konzernexpedition auf den Mars geschafft. Die NASA-Astronauten dürfen davon nichts wissen, und Frank verheddert sich schon bald in Lügen und Halbwahrheiten. Doch so viel Mühe er sich auch gibt, die Ereignisse lassen sich weder von ihm noch von seinem Arbeitgeber kontrollieren. Schon bald watet Frank wieder durch Ströme von Blut.


    Meine Meinung:


    Wow. Das war das spannendste Buch seit einer gefühlten Ewigkeit. Frank Kittridge hat mich bis in meine Träume verfolgt, die Handlung hat für eine Menge Herzklopfen gesorgt.

    Wenn ein Buch auf dem Mars spielt, erwarte ich wenigstens einen Hauch von "Marsfeeling". Im ersten Buch fehlte es mir. Gut, es wird immerzu erwähnt, dass im Raumanzug gerade wenig Luft ist und die Luftschleuse sich so und nicht anders öffnen lässt, aber es fehlte was. In diesem zweiten Band hat der Autor kräftig angezogen. Hier fühlt sich der Mars real an. Allein die Fahrt durch den Staubsturm - holla!

    Auch die im ersten Teil von mir bemängelte Vorhersehbarkeit ist verschwunden. In "No Way" weiß man nie, was hinter der nächsten Kurve liegt.

    Die Figur des Frank Kittridge hat mehr Dimensionen bekommen. Seine Ängste, Hoffnungen und Schuldgefühle sind toll beschrieben, man kann seine Beweggründe stets nachvollziehen. Er ist vielleicht stellenweise zu sehr Superman, aber was solls, das akzeptiert man gern, wenn der Rest passt.


    Gefragt habe ich mich seit dem ersten Buch, warum die NASA, wenn sie soviele Milliarden an einen Subunternehmer zahlen kann, damit dieser ihr eine Marsstaion baut, es nicht selbst macht. Wozu ist Xenosystems da? Vielleicht, um einen Bösewicht zu haben? Für die Geschichte bzw. die Entscheidungen, die Frank treffen muss, braucht es einen rücksichtslosen Gegenpart. Dies kann nicht die "gute alte NASA" sein.

    Dies war für mich das einzige Sandkörnchen im Getriebe dieses Buches.


    Ich wäre nicht böse drum, wenn es noch einen dritten Band gäbe, aber bisher betrachte ich die Reihe als Dilogie. Das Ende des zweiten Bandes ist relativ abgeschlossen.


    Fazit: Eine Mischung aus "Der Marsianer" und "Stirb langsam". Top!


    5ratten + :tipp:


    ***

    Aeria

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    "One Way" von S. J. Morden

    Reihe "Frank Kittridge", Band 1


    Leider gibt es (noch) keine deutsche Übersetzung. Frage an den Heyne-Verlag: Warum nicht? Das Buch wäre genau euer Ding.


    Handlung:


    Frank Kittridge sitzt nach dem Mord am Drogendealer seines Sohnes eine 120jährige Haftstrafe ab. Einen Antrag auf Bewährung kann er erst in 80 Jahren stellen. Dabei ist er bereits 51 Jahre alt. Er weiß also, dass er sein restliches Leben im Gefängnis verbringen wird, und hat sich damit abgefunden. Da macht ihm der Konzern Panopticon, dem das Gefängnis gehört, ein Angebot. Frank soll mit einigen anderen Knastbrüdern und -schwestern eine Basis auf dem Mars aufbauen. Der Tochterkonzern Xenosystems hat nämlich einen Vertrag mit der NASA geschlossen: Die NASA schickt Astronauten zum Mars, die dafür benötigten Wohnmodule stellt Xenosystems. Frank überlegt nicht lange, denn auf der Erde hält ihn nichts mehr.

    Das Team aus rekrutierten Zwangsarbeitern wird ein halbes Jahr lang auf die Mission vorbereitet und anschließene auf den Mars verfrachtet. Nur - schon während der ersten Mission stirbt eine Person. Kurz darauf eine weitere. Und es hört nicht auf.


    Der Autor:


    Simon J. Morden ist ein waschechter Wissenschaftler mit Schwerpunkt Raketentechnologie. Außerdem beschäftigt er sich mit Geologie und Xenogeophysik.


    Meine Meinung:


    Das ist eine gelungene Mischung aus Science-Fiction, Krimi, Thriller und Robinsonade.

    Ich hatte ein paar Startschwierigkeiten, denn ich wollte ja auf den Mars und bekam stattdessen ein Trainingslager in der Wüste. Gut ein Drittel des Buches handelt von der Vorbereitung auf die Mission.

    Die Hauptfigur Frank ist ein sehr verschlossener Mensch, der eine falsche Entscheidung getroffen hat und dafür nun mehr oder weniger bereitwillig Buße tut. Er hat keine Angst vor harter Arbeit, als ehemaliger Bauunternehmer kennt er es nicht anders. Der allergrößte Denker ist er allerdings nicht. Sonst wäre er auf die Auflösung des Rätsels schon früher gestoßen. Und hier liegt auch mein anderes "Problem" mit dem Buch: Ein/e erfahrene/r Leser/in kommt dem Geheimnis von Xenosystems schon recht bald auf die Spur. Die Handlung ist also über weite Strecken vorhersehbarer als einem lieb sein kann.


    Trotzdem ist es eine solide Geschichte über Pioniere auf dem Roten Planeten. Ganz so "marsianisch" wie bei Andy Weir wird es nicht, aber man bekommt dennoch eine Ahnung von der lebensfeindlichen Umgebung und den ständigen Gefahren, in denen die Menschen schweben.

    Bücher über die Weltraum- und Planetenerschließung durch Strafgefangene gibt es natürlich schon einige, mir fallen spontan drei ein: "Proxima" von Stephen Baxter, "Transport" von Phillip P. Peterson und "Marsdämmerung" von Kevin J. Anderson. Morden hat einen mindestens genauso guten Roman geschrieben, der die anderen in einer Hinsicht um einiges übertrumpft, nämlich in Sachen Hinterhältigkeit. Mir haben sich beim Lesen so manchens Mal die Nackenhaare aufgestellt.


    Der zweite Band heißt "No Way". Ich lese ihn gerade und kann noch nicht sagen, ob die Kittridge-Geschichte hier endet und es bei einer Dilogie bleibt. Es liest sich wieder sehr leicht und ist spannend. Nicht so, dass man das Buch nicht weglegen möchte, aber doch so, dass man ständig daran denken muss, wenn man es doch getan hat.


    Fazit: Ein Marsbuch. Ich mag Marsbücher. Dieses auch.


    4ratten


    ***

    Aeria

    ich fand es schade, dass Susanna Clarke so lange nichts mehr geschrieben hat.

    Sie war offenbar viele Jahre schwer krank.

    Am nächsten Buch soll sie bereits arbeiten, es wird also hoffentlich nicht weitere 16 Jahre dauern, bis wir etwas Neues von ihr lesen dürfen.


    Ich habe es getan: Nur ein paar Wochen nach dem Lesen bin ich noch einmal in die Geschichte eingetaucht. Diesmal in die Audioversion. Leider gibt es, wie oben erwähnt, kein deutsches Hörbuch, deshalb habe ich zum russischen gegriffen und an einem Tag komplett gehört. Außerdem habe ich mir (fürs Regal 8)) die russische HC-Ausgabe besorgt. Das war ein Glücksgriff, denn in dieser Ausgabe gibt es einen 14seitigen Anhang.


    Auch beim zweiten Lesen/Hören ist das Buch immer noch phantastisch. Auch wenn man schon weiß, was kommt. Beim ersten Mal habe ich mich über die kindliche Naivität von Piranesi machmal ein wenig aufgeregt. Jetzt hatte ich Mitleid.


    Ich würde Das Haus wirklich gerne mal sehen, den "Ort, an den das Vergessen fließt", denn:


    Zitat

    Die Schönheit Des Hauses ist unermesslich, seine Güte grenzenlos.


    Das Buch würde sich übrigens prima für eine Leserunde eignen :).


    ***

    Aeria (hat ein neues Lieblingsbuch)

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    "Piranesi" von Susanna Clarke



    Wer "Jonathan Strange & Mr. Norrell" von Susanna Clarke gelesen hat, weiß, dass sie ungewöhnliche Geschichten kann. Dass sie diese ungewöhnlichen Geschichten auch phantastisch erzählen kann.

    Nun gibt es endlich ein neues Buch von ihr, "Piranesi".

    Ich hatte gar nicht vor, es zu lesen, die Beschreibung klang mir zu diffus. Aber zugleich erzählt einem der Klappentext auch was von einem magischen Haus - und das ist wiederum ein Thema, bei dem ich nur sehr schwer widerstehen kann. Den letzten Kauf-Ansporn gab mir meine Lieblingsbooktuberin, die "Piranesi" zu ihrem Lieblingsbuch erklärte und ein über 40 Minuten langes Video dazu drehte. Das Video wollte ich sehen! Also musste das Buch her. Mir wäre eine Audioversion lieber gewesen, aber auf Deutsch gibt es die (noch) nicht.


    Worum geht es in dem Buch?

    Ein junger Mann, Piranesi, lebt in einem großen Haus. Dieses Haus ist seine ganze Welt. In den oberen Stockwerken gibt es Wolken und leben die Vögel, in den unteren Etagen plätschern die Wellen eines Ozeans gegen die Treppen. Es gibt unzählige Statuen, von Menschen, Fantasiewesen, Tieren. Es gibt Knochen, Überreste einstiger Bewohner. Piranesi kümmert sich um diese Knochen, spricht mit ihnen, bringt ihnen schönen Muscheln und Essen. Er geht von 13 Personen aus, für ihn sind das alle Menschen, die je gelebt haben. Manchmal trifft er sich mit Dem Anderen, einem Mann, der, wie Piranesi, in dem Haus lebt, allerdings weit entfernt. Seinen Namen hat Piranesi vom Anderen, aber er ist sich sicher, dass dies nicht sein richtiger Name ist. Eines Tages erzählt ihm Der Andere von Person Nr. 16, die kommen wird, um Piranesi wahnsinnig zu machen.


    Meine Güte, wo fange ich an?

    Sprache: Zum Hinknien. Ehrlich. Es ist fast eine Offenbarung, dieses Buch zu lesen. Jeder Satz sitzt. Das Buch ist sehr dünn, kein Vergleich zum monstermäßig dicken "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Susanna Clarke hat aber nicht mehr Seiten gebraucht, um ihrer Geschichte Tiefgang und Vielschichtigkeit zu verpassen.

    Viele Schichten gibt es hier zuhauf. Ich gestehe, dass ich das Buch wie eine spannende Geschichte gelesen habe, ohne mich um tiefere Schichten zu kümmern. Erst die Booktuberin, der ich diesen Tipp verdanke, hat die Dimensionen von "Piranesi" offengelegt. Ich bin sicher, es sind längst nicht alle.

    Ganz vorne im Buch steht ein Zitat von C. S. Lewis. Das hat seinen Grund, denn Susanna Clarke hat sich bei den "Chroniken von Narnia", genauer bei "Der Neffe des Magiers", einiger Ideen bedient und diese ganz neu verpackt. Auch sind einige Anspielungen auf Jorge Luis Borges im Text, nämlich auf die Kurzgeschichte "Das Haus des Asterion" (enthalten in "Das Aleph"). Labyrinthe, Minotauren, ein Bewohner, der sich frei fühlt, doch ist er es wirklich? Sogar auf "Harry Potter und der Stein der Weisen" gibt es eine feine Anspielung: Wer geheimes Wissen sucht, um es zu benutzen, wird scheitern, Voldemort wird mir zustimmen.

    Die Autorin stellt die Frage, wie weit man gehen darf, um an neue Erkenntnisse zu gelangen. Wer man wird, wenn alle Erinnerungen fort sind. Wer man wird, wenn diese Erinnerungen zurückkehren. Und und und.


    Das Buch ist eine wunderbare Mischung aus schönen Bildern, wichtigen Fragen und toller Sprache.

    Ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen und diesmal nach den vielen offenen und versteckten Anspielungen Ausschau halten.


    Fazit: Magisch!


    5ratten + :tipp:


    ***

    Aeria

    "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad


    Dieses Buch war schwer zu lesen uns ist noch schwerer zu rezensieren. Es ist die Biografie des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, der 2011 auf der Insel Utøya fast 70 Menschen, überwiegend Jugendliche, erschoss.

    Neben Breiviks Leben wird auch das Leben von einigen jungen Menschen erzählt, z. B. Bano Rashid, deren Familie aus dem Irak geflohen war. Die kurdische Familie beantragte in Norwegen Asyl. Bereits als Kind begann sich Bano für die Politik zu interessieren und trat als Teenager in die Sozialdemokratische Partei ein.

    Man liest detailliert über Bano und ihre Parteifreunde und fragt sich die ganze Zeit, ob die drei unter den Opfern auf der Insel sein werden oder nicht. Das geht an die Nieren, denn bereits im Prolog stehen die ersten Morde an Jugendlichen. Waren Bano, Simon und Anders dabei? Man erfährt es erst am Ende.


    Das Hauptaugenmerk des Buches liegt aber eindeutig auf Anders Behring Breivik. Der Vater ließ sich von Anders' Mutter schon nach wenigen Monaten scheiden, so dass der Junge später nur wenig Kontakt zu ihm hatte. Die Mutter war mit zwei Kindern überfordert, so dass sich das Jugendamt einschalten musste.

    Anders wollte nach oben, der Beste und der Anführer sein. Aber was er auch anfasste, es hielt nicht. Das Versagen verfolgte ihn an allen Fronten. Erst gehörte er einer Gruppe von Sprayern an, später trat er der rechtspopulistischen Partei bei, gründete eine Firma, dann die nächste, wurde zu den Freimaurern eingeladen - und nichts davon klappte so recht. Die Sprayer mobbten ihn raus, weil er sich nicht an deren Regeln hielt, in der Partei bekam er nicht den gewünschten Posten, die Firmen musste er aus verschiedenen Gründen aufgeben, und die Freimaurer interessierten ihn schon bald nicht mehr. Dafür entdeckte er die Welt der Computerspiele, in die er für Jahre abtauchte. Als er daraus wieder auftauchte, war er zu dem geworden, den die Welt als Massenmörder von Oslo und Utøya kennenlernen sollte.


    Die Autorin Seierstad hat einen relativ trockenen Schreibstil, aber sie kann gut erklären, Zusammenhänge herstellen und die Hintergründe ans Licht ziehen. Für ihr Buch hat sie sich an allen ihr verfügbaren Quellen bedient. Mir hat ihre Art des Schreibens so gut gefallen, dass ich mir, als ich noch nicht einmal ein Drittel dieses Buches gelesen hatte, schon das nächste bestellte.


    Die Details, die einem hier geboten werden, können erschlagen. Seierstad seziert die Geschehnisse so, dass ich das Buch mal weglegen wollte und mal nicht schnell genug weiterlesen konnte. Sie schreibt über die Kindheit von Simon genauso detailliert wie über Breiviks Bombenbau (das ist fast schon eine Anleitung, also Vorsicht!). Jede Minute des Anschlags in Oslo wird genau beschrieben. Hier bekommt man als Leser fast den ersten Herzinfarkt, denn die Unfähigkeit der norwegischen Polizei an diesem Punkt ist haarstäubend. Die ist völlig hilflos, dabei hätte sie Breivik schon relativ früh schnappen können, wenn sich die Beamten in dem einen Streifenwagen an ihre Befehle gehalten hätten.

    Die Morde auf der Insel sind das zweite Herzinfarktrisiko. Ich lese nicht oft Thriller, aber wenn, dann machen mir blutrünstige Szenen nicht viel aus. Aber hier ist es echt. Es ist wirklich passiert. Diese Menschen sind nicht der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Seierstad beschreibt Breiviks methodisches mörderisches Vorgehen so plastisch, dass einem wirklich schlecht werden kann.


    Eines der schwersten und verstörendsten Bücher der letzten Jahre. Nicht für jeden.


    ***

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    "The Queen's Gambit" von Walter Tevis


    In den 60er Jahren:

    Die 8jährige Beth Harmon verliert bei einem Unfall ihre Mutter und muss ins Waisenhaus. Dort verabreicht man den Kindern Beruhigungsmittel, schickaniert sie und überhaupt, man lässt sie keine Kinder sein. Im Waisenhaus ist es außerdem schwer, Freundschaften zu schließen. Beth, auch früher nicht gerade das lebenslustigste Kind der Welt, zieht sich in sich zurück. Eines Tages beobachtet sie den Hausmeister beim Schachspiel - und ist sofort Feuer und Flamme.


    Eine deutsche Übersetzung gibt es leider nicht. Aber nachdem die Netflix-Serie Erfolge feiert, darf man vielleicht hoffen? Ich habe das Buch in der russischen Übersetzung gelesen, weil ich die Beschreibung so interessant fand und kein Netflix habe.

    Ich bin so durchgerauscht!


    Das Schachspiel ist eines der ältesten und interessantesten Brettspiele der Welt und längst nicht jedermanns Sache. Obwohl Schach in diesem Buch eine große Rolle spielt, kann man es auch lesen, wenn man sich nicht für das Spiel interessiert. Ich selbst weiß, wie es gespielt wird, aber da hört es auch schon auf. Ob die ganzen im Buch erwähnten Züge auf die beschriebene Art möglich sind, kann ich also nicht beurteilen. Es tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Turniere lesen sich oft wie Kampfszenen, Figuren werden hin und her geschoben und geopfert. Die Schachspieler sind wie Generäle, die ihre Truppen zum Sieg führen wollen, und alle Züge schon vorab im Kopf durchrechnen müssen.


    Die Hauptfigur Beth ist ein ungewöhnliches Mädchen, später eine junge Frau, die sich nur lebendig fühlt, wenn sie spielt. Die Siege sind ihr Aphrodisiakum.

    Ihr zu folgen, die Entwicklung zu beobachten, ist nicht nur spannend, sondern auch äußerst faszinierend. Ihre ärgsten Gegner sind nicht die Schachspielgegner, sondern die Tabletten und der Alkohol. Sie wurde bereits im Waisenhaus tablettenabhängig (gemacht) und als sie nicht mehr an Tabletten herankam, griff sie zum Alkohol. Als Leser fiebert man ständig mit, ob sie nun das nächste Spiel verliert, weil sie sich am Vortag wieder hat volllaufen lassen, oder gewinnt.

    Ihr Kampf gegen die Sucht ist ebenso zum Nägelkauen spannend beschrieben wie die Schachturniere.


    Gegen die Hauptfigur verblassen alle anderen Figuren. Sie ist halt die Königin, die Dame auf dem Feld. Die anderen, z. B. Beth' Freundin oder ihre Liebhaber, haben zwar wichtige Auftritte, aber im Grunde will man nur wissen, wie es mit Beth weitergeht.


    "The Queen's Gambit" geht in meine diesjährige Lesestatistik als eines der Jahreshighlights ein.


    Fazit: Definitiv nicht nur für Schachfans.


    5ratten


    ***
    Aeria

    Firiath Das könnte durchaus passieren 8)

    Ich bin vorgestern mit einem Schrei(b)projekt fertig geworden, das ich (ein wenig größenwahnsinnig) als Roman bezeichne. Weiß nicht, was davon nach Überarbeitung und Lektorat noch bleibt :todmuede:, aber ich hoffe doch, etwas Lesbares. Verraten kann ich soviel, dass es sich um die Vorgeschichte einer Figur aus der "ARES"-Anthologie handelt.

    Einige neue Kurzgeschichten sind auch fertig und jetzt habe ich für die auch wieder mehr (Schreib)Zeit. Guckenwirmal.


    ***

    Aeria

    Meine Güte, ist das lange her! 8|

    Ich habe das Buch vor ca. 20 Jahren gelesen, und das, soweit ich mich erinnere, sogar sehr gern. Das war während meiner WH-Phase, wo ich alles von Hohlbein las, das ich in die Finger bekam. Die Heftromane merkt man tatsächlich deutlich, aber gestört hat mich das nicht.


    Hoffentlich habe ich es noch irgendwo im Regal. Ich kenne da einen Jungen, der gerne liest, das Buch wäre perfekt für ihn.


    ***

    Aeria

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    "Das Seidenraupenzimmer" von Sayaka Murata


    Beschreibung lt. Amazon.de:


    Der neue Roman nach dem Bestseller »Die Ladenhüterin«

    Der neue Roman von Japans Erfolgsautorin Sayaka Murata erzählt die Geschichte von Natsuki und ihrem Cousin Yu, die sich jung verlieben und gemeinsam gegen eine Welt verbünden, die ihnen beileibe nicht nur Gutes will. Im alten Farmhaus der Familie, in dem früher die Seidenraupen ihren Dienst verrichteten, sind sie glücklich, denn sie sind beieinander. 20 Jahre später geht Natsuki an diesen Ort zurück ... Die Magie dieses abgründigen Romans spinnt uns ein in einen irisierenden Kokon der Fremdheit und entlässt uns schließlich in eine Realität, in der alles möglich ist.

    Sayaka Muratas Roman »Die Ladenhüterin« war eine literarische Sensation aus Japan, die auch die deutschen Leserinnen und Leser im Sturm erobert hat: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarkts ihre wahre Bestimmung.

    »Das Seidenraupenzimmer« erzählt die Geschichte von Außenseitern, die darum kämpfen, ihren Platz in der Welt zu finden, noch konsequenter: Wie Murata das Psychogramm eines Missbrauchsopfers überführt in eine gänzlich eigenständige Erzählung, die die Grenzen der Realität einreißt und neu bestimmt, ist beeindruckend – und die so überraschenden Wege der Freundschaft und Liebe, in der die Versehrten Zuflucht finden, sind umso tröstlicher und berührender.


    Meine Meinung:


    Natsuki und Yu, Cousine und Cousin, verstehen sich gut. Auf den jährlichen Familientreffen verbringen sie viel Zeit zusammen, und schwören sich sogar eines Tages ewige Liebe und Treue. Beide kommen aus Familien mit einer hübschen Fassade, doch dahinter sieht es schon nicht mehr so harmonisch aus. Yu ist seit dem Tod seines Vaters eine Stütze für seine Mutter, man munkelt sogar, dass es mehr ist als eine bloße Mutter-Sohn-Beziehung. Natsuki ist ein ungeliebtes und unbeachtetes Mädchen, welches das Interesse eines pädophilen Lehrers auf sich zieht. Außerdem haben beide Kinder ein Geheimnis: Yu hält sich für einen Außerirdischen, Natsuki hat Kontakt zu einem Außerirdischen, den nur sie hören kann und der sich als Plüschmaus tarnt.

    Nach einem Vorfall bei der Beerdigung des Großvaters werden Natsuki und Yu getrennt und sehen sich über 20 Jahre lang nicht mehr.


    Inzwischen ist Natsuki verheiratet. Ihr Mann ist ein Außenseiter wie sie, und eines Tages äußert er den Wunsch, den Ort kennen zu lernen, von dem Natsuki ihm erzählt hat. Den Ort, an dem sie mit Yu zusammen war. Yu wohnt jetzt dort, im Haus der verstorbenen Großeltern. Im Gegensatz zu Natsuki und ihrem Mann, die sich ihre Andersartigkeit bewahrt haben, hat Yu sich der Gesellschaft angepasst und will von seiner "außerirdischen" Vergangenheit nichts mehr hören.


    Wieder ein wunderbarer Roman von Sayaka Murata. Ganz anders als "Die Ladenhüterin", und doch jenem Buch ähnlich. Es geht wieder um Figuren, die nicht in die auf Perfektion und Nützlichkeit getrimmte japanische Gesellschaft passen. Doch während die Ladenhüterin Keiko weiter ihren Weg geht, zerbrechen Natsuki, Tomoobi und Yu an den Erwartungen und dem Druck der Gesellschaft.


    Mir hat das Buch trotz des surrealen Endes ausgesprochen gut gefallen. Der Schreibstil ist eine Wucht, anders kann ich es nicht beschreiben. Die für Europäer fremdartige japanische Welt entsteht ohne Probleme vor dem inneren Auge, man freut, leidet und fürchtet sich zusammen mit den Figuren.

    Die in "Das Seidenraupenzimmer" angesprochenen Themen sind nichts für Zartbesaitete, es geht um Ablehnung, Missbrauch, zerstörte Leben, aber auch um das verzweifelte Festhaltenwollen an der eigenen Identität, die in der realen Welt keine Chance aufs Überleben hat.


    Ich habe das Hörbuch gehört. Gelesen wird es von Vera Teltz, deren Stimme ich einfach phantastisch finde.

    Das HC habe ich mir, genau wie "Die Ladenhüterin", fürs Regal gekauft.


    Fazit: Magisch und süchtigmachend.


    5ratten


    ***

    Aeria

    HoldenCaulfield Eine angehende Historikerin aus Russland. Sie stellt immer Bücher vor, die ich freiwillig nicht gekauft hätte, die ich mir nach dem Video aber fast immer näher ansehe.

    Ich überlege, ob ich das andere Murata-Buch sofort lese oder damit warte, bis die "lesende Katarina" es auf Youtube vorstellt.

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    Vor einigen Tagen sah ich ein neues Video meiner Lieblingsbooktuberin, die voller Begeisterung von "Die Ladenhüterin" erzählte. Es ist ein Roman aus Japan, und japanische Literatur lässt mich eigentlich kalt. Aber die Begeisterung war ansteckend, ich besorgte mir das Hörbuch.


    Im Buch geht es um die 36jährige Keiko Furukura, die in einem Convience Store, dem Konbini, arbeitet.

    Keiko ist ein wenig seltsam, um es mal vorsichtig zu sagen. Es fehlt ihr an Empathie, ihre Handlungen sorgen mindestens für Kopfschütteln, wenn nicht für Befremden. Als Studentin findet sie sich als Aushilfe im Konbini wieder und dort, wo es Regeln und Vorschriften für alles gibt, kann sie als Normale durchgehen. Sie ordnet ihr Leben komplett dem Supermarkt unter, sie lebt für ihre Arbeit. Aber in der japanischen Gesellschaft eckt sie damit an. Ein Mensch muss Karriere machen, heiraten, eine Familie gründen, und nicht seit 18 Jahren als Aushilfe jobben. Schließlich bringen die Kommentare der anderen sie dazu, einem ehemaligen Kollegen ein Angebot zu machen.


    Es ist ein dünnes Büchlein, 145 Seiten nur, das Hörbuch ist 190 min lang. Es passiert darin nicht viel.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht als Satire gedacht war, weil einige Situationen so überspitzt wirken.

    Man beobachtet Keiko beim Einräumen der Regale, beim Essen mit Freunden, in Gesprächen mit Kollegen, und hört dabei den Gedanken der Ich-Erzählerin zu, die versucht, sich in der Welt der Normalen zu behaupten. Stellenweise erinnerte sie mich an Eleanor Oliphant, die war allerdings noch schräger.

    Beim Lesen/Hören muss man sich auf einen anderen Kulturkreis einlassen, der mit dem europäischen nur wenig gemein hat. Das fällt allerdings nicht schwer, und schon nach wenigen Minuten ist man im Land der aufgehenden Sonne.

    Keikos Versuche, ihre Tarnung als Normale aufrechtzuerhalten, sind manchmal traurig, manchmal witzig, manchmal zum Fremdschämen, aber immer faszinierend. Der Schluss des Buches ist logisch und im Grunde unvermeidlich.


    Das Buch hat mich ebenso begeistert zurückgelassen wie die Booktuberin. Ich habe mir von Murata bereits das zweite Buch bestellt.


    Gelesen wird das Hörbuch von Bettina Storm, die Keiko eine sehr schöne Stimme verleiht. Die Sprecherin werde ich mir auf jeden Fall merken.


    5ratten


    ***

    Aeria

    Mein Buch langweilt mich furchtbar. Ich beneide euch, die ihr viel mehr Spaß an eurer Lektüre habt!

    Zum Glück ist es nur noch ein kleiner Rest.

    Dracula ist soeben von den Toten auferstanden und ein Vikar schießt auf den Hund.

    Ich vermute, in "Clan der Magier" sind soviele Eastereggs versteckt, dass man sie kaum zählen kann. Wie ist der Erfolg dieses Buches sonst zu erklären? Aber ich finde keine und langweile mich.

    Schönen Nachmittag :winken:


    Ich klinke mich mal hier ein, obwohl von meinem Halloween-Buch nur noch ca. 40 Seiten zu lesen sind. Da es mir nicht besonders gut gefällt, ist Lesen in digitaler Gesellschaft vielleicht ganz hilfreich.


    Das Buch:

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    "Der Clan der Magier" von Roger Zelazny, im Original "A Night in the Lonesome October"


    Der deutsche Titel sowie das Cover sind total bekloppt und wecken falsche Erwartungen. Ich wusste aber, worauf ich mich einlasse, und habe sogar einen Live-Lesethread zu diesem Buch in meinem TG-Blog laufen. Praktischerweise enthält das Buch 31 Kapitel, eines für jeden Oktobertag.

    Aus der Sicht eines Hundes namens Snuff erzählt Zelazny, wie sich mehrere seltsame Gestalten auf ein magisches Ritual an Halloween vorbereiten. Mit dabei sind u. a. Jack the Ripper, Frankenstein, Sherlock Holmes und einige, die ich noch nicht identifiziert habe, weil meine Kenntnisse der modernen Mythenwelt offenbar ganz mies sind. Ach ja, und die Großen Alten spielen eine Rolle.


    ***

    Aeria

    Ich hatte mich schon auf ein Dezember-Kino-Erlebnis eingestellt, nun wird es doch nichts, weil der Kinostart um ganze 10 Monate verschoben wurde.

    Aber die Neuverfilmung hat mich ins Grübeln gebracht: Nochmal lesen oder lieber nicht? Nach dem ersten Lesen hatte ich im Laufe der Jahre noch zwei Hörbuchdurchgänge. Das Buch ist immer noch fantastisch, die Hörbuchversion dagegen nur für Hartgesottene (wegen Sprecher).


    Neulich habe ich auf Youtube einen russischen Blogbeitrag mit dem Titel "Warum ich Dune nicht mag" gefunden. Ich, natürlich gleich in Angriffsmodus ("Da wagt es einer, dieses großartige Buch zu kritisieren!"), hab draufgeklickt - und dem Blogger in allen Punkten zugestimmt. Es gibt reichlich Ungereimtheiten im Roman. Die können natürlich den Lesegenuss trüben.


    Wenn ich es mir recht überlege, ja, ich werde es wohl noch einmal lesen.


    ***

    Aeria

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    "Erntenacht: Dunkle Folklore" von Bruno E. Thyke, Nora Bendzko, Stefanie Fahlteich, Katrin Ils, Ben Lesser u. a.


    Diese Anthologie ist die perfeke Herbstlektüre. Die verschiedenen Autor*innen haben sich durch die deutsche Sagenwelt geschrieben und die Legenden neu interpretiert.

    Es geht um Korndämonen, Wichtelmännchen, Nachtalbe etc. Von einigen dieser Gestalten hatte ich persönlich noch nie etwas gehört und deshalb war das Eintauchen in diese Anthologie ein sehr feines und gruseliges Erlebnis.


    Die einzelnen Geschichten, es sind 19 an der Zahl, sind alle unterschiedlich spannend, unterschiedlich lang und unterschiedlich ernst. Die Geschichte über die Wichtelmännchen ("Nichts wie raus aus Märchenstadt" von Thomas Williams) ist z. B. eher skurill und witzig, "Die Blutlese" von Bruno E. Thyke dagegen haarsträubend, in Karin Jacobs "Eine Handvoll Ähren" sprechen die Figuren in einem regionalen Dialekt, in "Nachtalb" von Andreas Hagemann scheint alles hoffnungs- und lichtlos. Nach den meisten Kurzgeschichten möchte man mindestens mit Licht schlafen (und vorher unter dem Bett nach Monstern suchen).


    Mir hat die Kurzgeschichtensammlung sehr gut gefallen, auch wenn ich sie nicht im Herbst, sondern im Frühjahr gelesen habe. Es ist schwer, eine Lieblingsgeschichte zu nennen, aber wenn ich zwei wählen müsste, wären es der erwähnte "Nachtalb" und Benjamin Spangs "Die Drei".


    Ich finde die Idee der Anthologie toll und werde mich auf jeden Fall nach ähnlicher Lektüre umsehen. Das Buch habe ich mir gleich in doppelter Ausführung gekauft, einmal als eBook für mich und das Taschenbuch zum Verschenken.


    Eine klare Empfehlung für alle, die sich gerne gruseln.


    5ratten


    P. S.

    Noch etwas Wichtiges.

    Der Klappentext sagt folgendes:

    Der gesamte Erlös dieses Buches geht in Projekte des Bundes für Umwelt und Naturschutz zum Erhalt der Wildbienen.