Beiträge von Aeria

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    "Piranesi" von Susanna Clarke



    Wer "Jonathan Strange & Mr. Norrell" von Susanna Clarke gelesen hat, weiß, dass sie ungewöhnliche Geschichten kann. Dass sie diese ungewöhnlichen Geschichten auch phantastisch erzählen kann.

    Nun gibt es endlich ein neues Buch von ihr, "Piranesi".

    Ich hatte gar nicht vor, es zu lesen, die Beschreibung klang mir zu diffus. Aber zugleich erzählt einem der Klappentext auch was von einem magischen Haus - und das ist wiederum ein Thema, bei dem ich nur sehr schwer widerstehen kann. Den letzten Kauf-Ansporn gab mir meine Lieblingsbooktuberin, die "Piranesi" zu ihrem Lieblingsbuch erklärte und ein über 40 Minuten langes Video dazu drehte. Das Video wollte ich sehen! Also musste das Buch her. Mir wäre eine Audioversion lieber gewesen, aber auf Deutsch gibt es die (noch) nicht.


    Worum geht es in dem Buch?

    Ein junger Mann, Piranesi, lebt in einem großen Haus. Dieses Haus ist seine ganze Welt. In den oberen Stockwerken gibt es Wolken und leben die Vögel, in den unteren Etagen plätschern die Wellen eines Ozeans gegen die Treppen. Es gibt unzählige Statuen, von Menschen, Fantasiewesen, Tieren. Es gibt Knochen, Überreste einstiger Bewohner. Piranesi kümmert sich um diese Knochen, spricht mit ihnen, bringt ihnen schönen Muscheln und Essen. Er geht von 13 Personen aus, für ihn sind das alle Menschen, die je gelebt haben. Manchmal trifft er sich mit Dem Anderen, einem Mann, der, wie Piranesi, in dem Haus lebt, allerdings weit entfernt. Seinen Namen hat Piranesi vom Anderen, aber er ist sich sicher, dass dies nicht sein richtiger Name ist. Eines Tages erzählt ihm Der Andere von Person Nr. 16, die kommen wird, um Piranesi wahnsinnig zu machen.


    Meine Güte, wo fange ich an?

    Sprache: Zum Hinknien. Ehrlich. Es ist fast eine Offenbarung, dieses Buch zu lesen. Jeder Satz sitzt. Das Buch ist sehr dünn, kein Vergleich zum monstermäßig dicken "Jonathan Strange & Mr. Norrell". Susanna Clarke hat aber nicht mehr Seiten gebraucht, um ihrer Geschichte Tiefgang und Vielschichtigkeit zu verpassen.

    Viele Schichten gibt es hier zuhauf. Ich gestehe, dass ich das Buch wie eine spannende Geschichte gelesen habe, ohne mich um tiefere Schichten zu kümmern. Erst die Booktuberin, der ich diesen Tipp verdanke, hat die Dimensionen von "Piranesi" offengelegt. Ich bin sicher, es sind längst nicht alle.

    Ganz vorne im Buch steht ein Zitat von C. S. Lewis. Das hat seinen Grund, denn Susanna Clarke hat sich bei den "Chroniken von Narnia", genauer bei "Der Neffe des Magiers", einiger Ideen bedient und diese ganz neu verpackt. Auch sind einige Anspielungen auf Jorge Luis Borges im Text, nämlich auf die Kurzgeschichte "Das Haus des Asterion" (enthalten in "Das Aleph"). Labyrinthe, Minotauren, ein Bewohner, der sich frei fühlt, doch ist er es wirklich? Sogar auf "Harry Potter und der Stein der Weisen" gibt es eine feine Anspielung: Wer geheimes Wissen sucht, um es zu benutzen, wird scheitern, Voldemort wird mir zustimmen.

    Die Autorin stellt die Frage, wie weit man gehen darf, um an neue Erkenntnisse zu gelangen. Wer man wird, wenn alle Erinnerungen fort sind. Wer man wird, wenn diese Erinnerungen zurückkehren. Und und und.


    Das Buch ist eine wunderbare Mischung aus schönen Bildern, wichtigen Fragen und toller Sprache.

    Ich werde es auf jeden Fall noch einmal lesen und diesmal nach den vielen offenen und versteckten Anspielungen Ausschau halten.


    Fazit: Magisch!


    5ratten + :tipp:


    ***

    Aeria

    "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad


    Dieses Buch war schwer zu lesen uns ist noch schwerer zu rezensieren. Es ist die Biografie des norwegischen Massenmörders Anders Breivik, der 2011 auf der Insel Utøya fast 70 Menschen, überwiegend Jugendliche, erschoss.

    Neben Breiviks Leben wird auch das Leben von einigen jungen Menschen erzählt, z. B. Bano Rashid, deren Familie aus dem Irak geflohen war. Die kurdische Familie beantragte in Norwegen Asyl. Bereits als Kind begann sich Bano für die Politik zu interessieren und trat als Teenager in die Sozialdemokratische Partei ein.

    Man liest detailliert über Bano und ihre Parteifreunde und fragt sich die ganze Zeit, ob die drei unter den Opfern auf der Insel sein werden oder nicht. Das geht an die Nieren, denn bereits im Prolog stehen die ersten Morde an Jugendlichen. Waren Bano, Simon und Anders dabei? Man erfährt es erst am Ende.


    Das Hauptaugenmerk des Buches liegt aber eindeutig auf Anders Behring Breivik. Der Vater ließ sich von Anders' Mutter schon nach wenigen Monaten scheiden, so dass der Junge später nur wenig Kontakt zu ihm hatte. Die Mutter war mit zwei Kindern überfordert, so dass sich das Jugendamt einschalten musste.

    Anders wollte nach oben, der Beste und der Anführer sein. Aber was er auch anfasste, es hielt nicht. Das Versagen verfolgte ihn an allen Fronten. Erst gehörte er einer Gruppe von Sprayern an, später trat er der rechtspopulistischen Partei bei, gründete eine Firma, dann die nächste, wurde zu den Freimaurern eingeladen - und nichts davon klappte so recht. Die Sprayer mobbten ihn raus, weil er sich nicht an deren Regeln hielt, in der Partei bekam er nicht den gewünschten Posten, die Firmen musste er aus verschiedenen Gründen aufgeben, und die Freimaurer interessierten ihn schon bald nicht mehr. Dafür entdeckte er die Welt der Computerspiele, in die er für Jahre abtauchte. Als er daraus wieder auftauchte, war er zu dem geworden, den die Welt als Massenmörder von Oslo und Utøya kennenlernen sollte.


    Die Autorin Seierstad hat einen relativ trockenen Schreibstil, aber sie kann gut erklären, Zusammenhänge herstellen und die Hintergründe ans Licht ziehen. Für ihr Buch hat sie sich an allen ihr verfügbaren Quellen bedient. Mir hat ihre Art des Schreibens so gut gefallen, dass ich mir, als ich noch nicht einmal ein Drittel dieses Buches gelesen hatte, schon das nächste bestellte.


    Die Details, die einem hier geboten werden, können erschlagen. Seierstad seziert die Geschehnisse so, dass ich das Buch mal weglegen wollte und mal nicht schnell genug weiterlesen konnte. Sie schreibt über die Kindheit von Simon genauso detailliert wie über Breiviks Bombenbau (das ist fast schon eine Anleitung, also Vorsicht!). Jede Minute des Anschlags in Oslo wird genau beschrieben. Hier bekommt man als Leser fast den ersten Herzinfarkt, denn die Unfähigkeit der norwegischen Polizei an diesem Punkt ist haarstäubend. Die ist völlig hilflos, dabei hätte sie Breivik schon relativ früh schnappen können, wenn sich die Beamten in dem einen Streifenwagen an ihre Befehle gehalten hätten.

    Die Morde auf der Insel sind das zweite Herzinfarktrisiko. Ich lese nicht oft Thriller, aber wenn, dann machen mir blutrünstige Szenen nicht viel aus. Aber hier ist es echt. Es ist wirklich passiert. Diese Menschen sind nicht der Phantasie eines Schriftstellers entsprungen. Seierstad beschreibt Breiviks methodisches mörderisches Vorgehen so plastisch, dass einem wirklich schlecht werden kann.


    Eines der schwersten und verstörendsten Bücher der letzten Jahre. Nicht für jeden.


    ***

    Aeria

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    "The Queen's Gambit" von Walter Tevis


    In den 60er Jahren:

    Die 8jährige Beth Harmon verliert bei einem Unfall ihre Mutter und muss ins Waisenhaus. Dort verabreicht man den Kindern Beruhigungsmittel, schickaniert sie und überhaupt, man lässt sie keine Kinder sein. Im Waisenhaus ist es außerdem schwer, Freundschaften zu schließen. Beth, auch früher nicht gerade das lebenslustigste Kind der Welt, zieht sich in sich zurück. Eines Tages beobachtet sie den Hausmeister beim Schachspiel - und ist sofort Feuer und Flamme.


    Eine deutsche Übersetzung gibt es leider nicht. Aber nachdem die Netflix-Serie Erfolge feiert, darf man vielleicht hoffen? Ich habe das Buch in der russischen Übersetzung gelesen, weil ich die Beschreibung so interessant fand und kein Netflix habe.

    Ich bin so durchgerauscht!


    Das Schachspiel ist eines der ältesten und interessantesten Brettspiele der Welt und längst nicht jedermanns Sache. Obwohl Schach in diesem Buch eine große Rolle spielt, kann man es auch lesen, wenn man sich nicht für das Spiel interessiert. Ich selbst weiß, wie es gespielt wird, aber da hört es auch schon auf. Ob die ganzen im Buch erwähnten Züge auf die beschriebene Art möglich sind, kann ich also nicht beurteilen. Es tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Die Turniere lesen sich oft wie Kampfszenen, Figuren werden hin und her geschoben und geopfert. Die Schachspieler sind wie Generäle, die ihre Truppen zum Sieg führen wollen, und alle Züge schon vorab im Kopf durchrechnen müssen.


    Die Hauptfigur Beth ist ein ungewöhnliches Mädchen, später eine junge Frau, die sich nur lebendig fühlt, wenn sie spielt. Die Siege sind ihr Aphrodisiakum.

    Ihr zu folgen, die Entwicklung zu beobachten, ist nicht nur spannend, sondern auch äußerst faszinierend. Ihre ärgsten Gegner sind nicht die Schachspielgegner, sondern die Tabletten und der Alkohol. Sie wurde bereits im Waisenhaus tablettenabhängig (gemacht) und als sie nicht mehr an Tabletten herankam, griff sie zum Alkohol. Als Leser fiebert man ständig mit, ob sie nun das nächste Spiel verliert, weil sie sich am Vortag wieder hat volllaufen lassen, oder gewinnt.

    Ihr Kampf gegen die Sucht ist ebenso zum Nägelkauen spannend beschrieben wie die Schachturniere.


    Gegen die Hauptfigur verblassen alle anderen Figuren. Sie ist halt die Königin, die Dame auf dem Feld. Die anderen, z. B. Beth' Freundin oder ihre Liebhaber, haben zwar wichtige Auftritte, aber im Grunde will man nur wissen, wie es mit Beth weitergeht.


    "The Queen's Gambit" geht in meine diesjährige Lesestatistik als eines der Jahreshighlights ein.


    Fazit: Definitiv nicht nur für Schachfans.


    5ratten


    ***
    Aeria

    Firiath Das könnte durchaus passieren 8)

    Ich bin vorgestern mit einem Schrei(b)projekt fertig geworden, das ich (ein wenig größenwahnsinnig) als Roman bezeichne. Weiß nicht, was davon nach Überarbeitung und Lektorat noch bleibt :todmuede:, aber ich hoffe doch, etwas Lesbares. Verraten kann ich soviel, dass es sich um die Vorgeschichte einer Figur aus der "ARES"-Anthologie handelt.

    Einige neue Kurzgeschichten sind auch fertig und jetzt habe ich für die auch wieder mehr (Schreib)Zeit. Guckenwirmal.


    ***

    Aeria

    Meine Güte, ist das lange her! 8|

    Ich habe das Buch vor ca. 20 Jahren gelesen, und das, soweit ich mich erinnere, sogar sehr gern. Das war während meiner WH-Phase, wo ich alles von Hohlbein las, das ich in die Finger bekam. Die Heftromane merkt man tatsächlich deutlich, aber gestört hat mich das nicht.


    Hoffentlich habe ich es noch irgendwo im Regal. Ich kenne da einen Jungen, der gerne liest, das Buch wäre perfekt für ihn.


    ***

    Aeria

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    "Das Seidenraupenzimmer" von Sayaka Murata


    Beschreibung lt. Amazon.de:


    Der neue Roman nach dem Bestseller »Die Ladenhüterin«

    Der neue Roman von Japans Erfolgsautorin Sayaka Murata erzählt die Geschichte von Natsuki und ihrem Cousin Yu, die sich jung verlieben und gemeinsam gegen eine Welt verbünden, die ihnen beileibe nicht nur Gutes will. Im alten Farmhaus der Familie, in dem früher die Seidenraupen ihren Dienst verrichteten, sind sie glücklich, denn sie sind beieinander. 20 Jahre später geht Natsuki an diesen Ort zurück ... Die Magie dieses abgründigen Romans spinnt uns ein in einen irisierenden Kokon der Fremdheit und entlässt uns schließlich in eine Realität, in der alles möglich ist.

    Sayaka Muratas Roman »Die Ladenhüterin« war eine literarische Sensation aus Japan, die auch die deutschen Leserinnen und Leser im Sturm erobert hat: Eine Außenseiterin findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarkts ihre wahre Bestimmung.

    »Das Seidenraupenzimmer« erzählt die Geschichte von Außenseitern, die darum kämpfen, ihren Platz in der Welt zu finden, noch konsequenter: Wie Murata das Psychogramm eines Missbrauchsopfers überführt in eine gänzlich eigenständige Erzählung, die die Grenzen der Realität einreißt und neu bestimmt, ist beeindruckend – und die so überraschenden Wege der Freundschaft und Liebe, in der die Versehrten Zuflucht finden, sind umso tröstlicher und berührender.


    Meine Meinung:


    Natsuki und Yu, Cousine und Cousin, verstehen sich gut. Auf den jährlichen Familientreffen verbringen sie viel Zeit zusammen, und schwören sich sogar eines Tages ewige Liebe und Treue. Beide kommen aus Familien mit einer hübschen Fassade, doch dahinter sieht es schon nicht mehr so harmonisch aus. Yu ist seit dem Tod seines Vaters eine Stütze für seine Mutter, man munkelt sogar, dass es mehr ist als eine bloße Mutter-Sohn-Beziehung. Natsuki ist ein ungeliebtes und unbeachtetes Mädchen, welches das Interesse eines pädophilen Lehrers auf sich zieht. Außerdem haben beide Kinder ein Geheimnis: Yu hält sich für einen Außerirdischen, Natsuki hat Kontakt zu einem Außerirdischen, den nur sie hören kann und der sich als Plüschmaus tarnt.

    Nach einem Vorfall bei der Beerdigung des Großvaters werden Natsuki und Yu getrennt und sehen sich über 20 Jahre lang nicht mehr.


    Inzwischen ist Natsuki verheiratet. Ihr Mann ist ein Außenseiter wie sie, und eines Tages äußert er den Wunsch, den Ort kennen zu lernen, von dem Natsuki ihm erzählt hat. Den Ort, an dem sie mit Yu zusammen war. Yu wohnt jetzt dort, im Haus der verstorbenen Großeltern. Im Gegensatz zu Natsuki und ihrem Mann, die sich ihre Andersartigkeit bewahrt haben, hat Yu sich der Gesellschaft angepasst und will von seiner "außerirdischen" Vergangenheit nichts mehr hören.


    Wieder ein wunderbarer Roman von Sayaka Murata. Ganz anders als "Die Ladenhüterin", und doch jenem Buch ähnlich. Es geht wieder um Figuren, die nicht in die auf Perfektion und Nützlichkeit getrimmte japanische Gesellschaft passen. Doch während die Ladenhüterin Keiko weiter ihren Weg geht, zerbrechen Natsuki, Tomoobi und Yu an den Erwartungen und dem Druck der Gesellschaft.


    Mir hat das Buch trotz des surrealen Endes ausgesprochen gut gefallen. Der Schreibstil ist eine Wucht, anders kann ich es nicht beschreiben. Die für Europäer fremdartige japanische Welt entsteht ohne Probleme vor dem inneren Auge, man freut, leidet und fürchtet sich zusammen mit den Figuren.

    Die in "Das Seidenraupenzimmer" angesprochenen Themen sind nichts für Zartbesaitete, es geht um Ablehnung, Missbrauch, zerstörte Leben, aber auch um das verzweifelte Festhaltenwollen an der eigenen Identität, die in der realen Welt keine Chance aufs Überleben hat.


    Ich habe das Hörbuch gehört. Gelesen wird es von Vera Teltz, deren Stimme ich einfach phantastisch finde.

    Das HC habe ich mir, genau wie "Die Ladenhüterin", fürs Regal gekauft.


    Fazit: Magisch und süchtigmachend.


    5ratten


    ***

    Aeria

    HoldenCaulfield Eine angehende Historikerin aus Russland. Sie stellt immer Bücher vor, die ich freiwillig nicht gekauft hätte, die ich mir nach dem Video aber fast immer näher ansehe.

    Ich überlege, ob ich das andere Murata-Buch sofort lese oder damit warte, bis die "lesende Katarina" es auf Youtube vorstellt.

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    Vor einigen Tagen sah ich ein neues Video meiner Lieblingsbooktuberin, die voller Begeisterung von "Die Ladenhüterin" erzählte. Es ist ein Roman aus Japan, und japanische Literatur lässt mich eigentlich kalt. Aber die Begeisterung war ansteckend, ich besorgte mir das Hörbuch.


    Im Buch geht es um die 36jährige Keiko Furukura, die in einem Convience Store, dem Konbini, arbeitet.

    Keiko ist ein wenig seltsam, um es mal vorsichtig zu sagen. Es fehlt ihr an Empathie, ihre Handlungen sorgen mindestens für Kopfschütteln, wenn nicht für Befremden. Als Studentin findet sie sich als Aushilfe im Konbini wieder und dort, wo es Regeln und Vorschriften für alles gibt, kann sie als Normale durchgehen. Sie ordnet ihr Leben komplett dem Supermarkt unter, sie lebt für ihre Arbeit. Aber in der japanischen Gesellschaft eckt sie damit an. Ein Mensch muss Karriere machen, heiraten, eine Familie gründen, und nicht seit 18 Jahren als Aushilfe jobben. Schließlich bringen die Kommentare der anderen sie dazu, einem ehemaligen Kollegen ein Angebot zu machen.


    Es ist ein dünnes Büchlein, 145 Seiten nur, das Hörbuch ist 190 min lang. Es passiert darin nicht viel.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht als Satire gedacht war, weil einige Situationen so überspitzt wirken.

    Man beobachtet Keiko beim Einräumen der Regale, beim Essen mit Freunden, in Gesprächen mit Kollegen, und hört dabei den Gedanken der Ich-Erzählerin zu, die versucht, sich in der Welt der Normalen zu behaupten. Stellenweise erinnerte sie mich an Eleanor Oliphant, die war allerdings noch schräger.

    Beim Lesen/Hören muss man sich auf einen anderen Kulturkreis einlassen, der mit dem europäischen nur wenig gemein hat. Das fällt allerdings nicht schwer, und schon nach wenigen Minuten ist man im Land der aufgehenden Sonne.

    Keikos Versuche, ihre Tarnung als Normale aufrechtzuerhalten, sind manchmal traurig, manchmal witzig, manchmal zum Fremdschämen, aber immer faszinierend. Der Schluss des Buches ist logisch und im Grunde unvermeidlich.


    Das Buch hat mich ebenso begeistert zurückgelassen wie die Booktuberin. Ich habe mir von Murata bereits das zweite Buch bestellt.


    Gelesen wird das Hörbuch von Bettina Storm, die Keiko eine sehr schöne Stimme verleiht. Die Sprecherin werde ich mir auf jeden Fall merken.


    5ratten


    ***

    Aeria

    Mein Buch langweilt mich furchtbar. Ich beneide euch, die ihr viel mehr Spaß an eurer Lektüre habt!

    Zum Glück ist es nur noch ein kleiner Rest.

    Dracula ist soeben von den Toten auferstanden und ein Vikar schießt auf den Hund.

    Ich vermute, in "Clan der Magier" sind soviele Eastereggs versteckt, dass man sie kaum zählen kann. Wie ist der Erfolg dieses Buches sonst zu erklären? Aber ich finde keine und langweile mich.

    Schönen Nachmittag :winken:


    Ich klinke mich mal hier ein, obwohl von meinem Halloween-Buch nur noch ca. 40 Seiten zu lesen sind. Da es mir nicht besonders gut gefällt, ist Lesen in digitaler Gesellschaft vielleicht ganz hilfreich.


    Das Buch:

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    "Der Clan der Magier" von Roger Zelazny, im Original "A Night in the Lonesome October"


    Der deutsche Titel sowie das Cover sind total bekloppt und wecken falsche Erwartungen. Ich wusste aber, worauf ich mich einlasse, und habe sogar einen Live-Lesethread zu diesem Buch in meinem TG-Blog laufen. Praktischerweise enthält das Buch 31 Kapitel, eines für jeden Oktobertag.

    Aus der Sicht eines Hundes namens Snuff erzählt Zelazny, wie sich mehrere seltsame Gestalten auf ein magisches Ritual an Halloween vorbereiten. Mit dabei sind u. a. Jack the Ripper, Frankenstein, Sherlock Holmes und einige, die ich noch nicht identifiziert habe, weil meine Kenntnisse der modernen Mythenwelt offenbar ganz mies sind. Ach ja, und die Großen Alten spielen eine Rolle.


    ***

    Aeria

    Ich hatte mich schon auf ein Dezember-Kino-Erlebnis eingestellt, nun wird es doch nichts, weil der Kinostart um ganze 10 Monate verschoben wurde.

    Aber die Neuverfilmung hat mich ins Grübeln gebracht: Nochmal lesen oder lieber nicht? Nach dem ersten Lesen hatte ich im Laufe der Jahre noch zwei Hörbuchdurchgänge. Das Buch ist immer noch fantastisch, die Hörbuchversion dagegen nur für Hartgesottene (wegen Sprecher).


    Neulich habe ich auf Youtube einen russischen Blogbeitrag mit dem Titel "Warum ich Dune nicht mag" gefunden. Ich, natürlich gleich in Angriffsmodus ("Da wagt es einer, dieses großartige Buch zu kritisieren!"), hab draufgeklickt - und dem Blogger in allen Punkten zugestimmt. Es gibt reichlich Ungereimtheiten im Roman. Die können natürlich den Lesegenuss trüben.


    Wenn ich es mir recht überlege, ja, ich werde es wohl noch einmal lesen.


    ***

    Aeria

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    "Erntenacht: Dunkle Folklore" von Bruno E. Thyke, Nora Bendzko, Stefanie Fahlteich, Katrin Ils, Ben Lesser u. a.


    Diese Anthologie ist die perfeke Herbstlektüre. Die verschiedenen Autor*innen haben sich durch die deutsche Sagenwelt geschrieben und die Legenden neu interpretiert.

    Es geht um Korndämonen, Wichtelmännchen, Nachtalbe etc. Von einigen dieser Gestalten hatte ich persönlich noch nie etwas gehört und deshalb war das Eintauchen in diese Anthologie ein sehr feines und gruseliges Erlebnis.


    Die einzelnen Geschichten, es sind 19 an der Zahl, sind alle unterschiedlich spannend, unterschiedlich lang und unterschiedlich ernst. Die Geschichte über die Wichtelmännchen ("Nichts wie raus aus Märchenstadt" von Thomas Williams) ist z. B. eher skurill und witzig, "Die Blutlese" von Bruno E. Thyke dagegen haarsträubend, in Karin Jacobs "Eine Handvoll Ähren" sprechen die Figuren in einem regionalen Dialekt, in "Nachtalb" von Andreas Hagemann scheint alles hoffnungs- und lichtlos. Nach den meisten Kurzgeschichten möchte man mindestens mit Licht schlafen (und vorher unter dem Bett nach Monstern suchen).


    Mir hat die Kurzgeschichtensammlung sehr gut gefallen, auch wenn ich sie nicht im Herbst, sondern im Frühjahr gelesen habe. Es ist schwer, eine Lieblingsgeschichte zu nennen, aber wenn ich zwei wählen müsste, wären es der erwähnte "Nachtalb" und Benjamin Spangs "Die Drei".


    Ich finde die Idee der Anthologie toll und werde mich auf jeden Fall nach ähnlicher Lektüre umsehen. Das Buch habe ich mir gleich in doppelter Ausführung gekauft, einmal als eBook für mich und das Taschenbuch zum Verschenken.


    Eine klare Empfehlung für alle, die sich gerne gruseln.


    5ratten


    P. S.

    Noch etwas Wichtiges.

    Der Klappentext sagt folgendes:

    Der gesamte Erlös dieses Buches geht in Projekte des Bundes für Umwelt und Naturschutz zum Erhalt der Wildbienen.

    Mir ploppte heute auf dem Kindle eine Meldung auf, die ich so noch nicht kannte. Das eBook sei mit dem Gerät nicht kompatibel.

    Gekauft auf Amazon direkt über den Shop-Button auf dem Kindle Paperwhite, also eigentlich wie immer. Es wird unter den gekauften Dateien auch angezeigt, aber wenn man drauflickt zum Herunterladen, kommt diese Meldung.

    Die Software des Kindle ist aktuell, daran liegt es also nicht.

    Hat das jemand von euch schon einmal gehabt?


    Bin etwas ratlos.


    P. S.

    Es ist ein anderes Format, azw4. Ist das neu? Ich kenne nur azw3.

    Hm.


    ***

    Aeria

    So eine schöne Rezi wie die Vandam ist es bei mir im Telegram-Kanal nicht geworden, aber ich bin von dem Buch mindestens genauso angetan.


    Einleitung:

    "Das Bild vom Mann als Prototyp des Menschen ist grundlegend für die Struktur unserer Gesellschaft"


    Ich habe einige Wochen für dieses Sachbuch gebraucht, weil es in mehr als einer Hinsicht schwer zu lesen war.

    Zum einen sind da die vielen Zahlen. Das Buch platzt vor Zahlen. Es gibt eine Unmenge von Prozentangaben, Jahreszahlen, Endnoten. Von den letzteren sind es 1331 Stück. Beeindruckend, oder?

    Zum anderen ist es der Text selbst. Der ist wirklich nicht leicht zu verdauen, vor allem für eine Frau. Zwar weiß frau schon vieles von dem, was die Autorin schreibt, aber es Schwarz auf Weiß zu sehen, ist schon sehr niederschmetternd.


    Worum geht es denn eigentlich?

    Der Titelzusatz des Buches verrät es:

    "Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert".

    Der Klappentext ist noch deutlicher:

    "Unsere Welt ist von Männern für Männer gemacht und tendiert dazu, die Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren.Die Warteschlange vor der Toilette, die zu niedrige Durchschnittstemperatur im Büro oder die falsche Dosierung von Medikamenten: Unsere Welt ist nicht für Frauen gemacht, ja, sie kann sogar tödliche Folgen für sie haben. In ihrem bahnbrechenden und international gefeierten Buch zeigt Caroline Criado-Perez, wie Frauen systematisch diskriminiert werden, weil unsere von Big Data beherrschte Welt fast ausschließlich auf männerbezogenen Daten basiert."


    Bahnbrechend, ja, vielleicht. Wie erwähnt, vieles hat frau bereits gewusst oder geahnt, doch die Ausmaße sind dann doch deprimierend.

    Ich würde also gerne noch "brechreizerregend" hinzufügen.


    Die Beispiele, über die die Autorin schreibt, hat sie durch jahrelange Recherche und eine unglaubliche Anzahl verschiedener Studien gesammelt. Die systematische Diskriminierung von Frauen zieht sich durch alle Zeiten, Länder und Kulturkreise. Dass wir uns mittlerweile im 21. Jahrhundert eingefunden haben, hat überhaupt nichts geändert.

    Die Probleme, mit denen es eine Frau in einer für Männer entworfenen Welt zu tun bekommt, sind zahlreich. Wenn die Probleme erkannt werden, wird nicht etwa die Struktur geändert, sondern von den Frauen erwartet, dass sie sich anpassen. Aber, ehrlich, warum sollten wir?!

    Warum müssen wir uns mit z. B. Sicherheitsgurten im Auto herumschlagen, die, egal wie frau die hin und her schiebt, immer die Brüste zu quetschen scheinen? Warum müssen wir immer eine Handtasche für unsere Geldbörse und Handy dabei haben, nur weil die Frauenkleidung keine entsprechenden Taschen hat? Warum müssen wir Medikamente einnehmen, die meist ausschließlich an Männern getestet worden sind, weil bei uns Frauen der Hormonspiegel die Testergebnisse versauen würde?


    Caroline Cridao-Perez bringt natürlich noch andere Beispiele. Einige haben mich sprachlos dasitzen lassen. Andere haben mich das Buch für eine Weile zur Seite legen lassen, weil ich mich erst ein wenig beruhigen musste.


    Die Autorin unterteilt das Buch in die Abschnitte "Alltagsleben", "Am Arbeitsplatz", "Design", "Der Arztbesuch", "Öffentliches Leben" und "Wenn etwas schiefgeht" (über den Wiederaufbau nach Katastrophen etc.)


    Eines der ersten Beispiele ist eines über Schneeräumen. Ja, wo, fragt frau sich, kann hier denn eine Frau diskriminiert werden? Beim Schneeräumen geht es um Straßen, die alle nutzen. Also natürlich auch Frauen. Aber: Frauen und Männer bewegen sich nicht auf die gleiche Weise fort. Männer nutzen mehr das Auto, Frauen mehr die öffentlichen Verkehrsmittel und das Fahrrad. Als in einer schwedischen Stadt die Schneeräumarbeiten zuerst bei den Fahrrad- und Gehwegen stattfanden, und die normalen Straßen erst anschließend dran waren, gingen die Unfallzahlen zurück, in einem erheblichen Ausmaß gerade Unfälle der Frauen. Warum? Laut Criado-Perez bewegen sich Männer meist kurze und einfache Strecken fort. D. h. Wohnung - Arbeitsstelle. Frauen dagegen, die 75 Prozent der weltweiten unbezahlten Care-Arbeit erledigen, sind oft mit Kindern unterwegs, die sie in die Kindergärten oder in die Schule bringen, mit älteren Angehörigen, die sie zu Terminen begleiten, Apotheken, Bäckereien etc. aufsuchen, zu Fuß oder mit den Öffis.

    Spannend? Fand ich auch. Das Ganze ist mit einer Fülle an Statistiken belegt und der Text mit Endnoten übersät.


    Die Autorin belegt auch, dass sich die Situation für Frauen verbessert, wenn man(n) Frauen mitplanen lässt. Hier führt sie ein Beispiel an, dass mit Elektronik zu tun hat. Sie schreibt, dass z. B. die VR-Technik bei Frauen nicht so funktioniert wie bei Männern. Die Geräte müssen öfter nachjustiert werden, und sind trotzdem für Frauen problematischer zu handhaben. Das erwähnte Beispiel erzählt von einer Nutzerin, deren Virtual-Reality-Headset nicht funktionierte. Der Angestellte vom Kundenservice fragte sie, ob sie Wimperntusche trage. "Als ich das Gerät ein paar Minuten später neu kalibriert zurückbekam, war ich überrascht - nicht, weil es funktionierte, sondern weil jemand an das Problem mit dem Make-up gedacht hatte. Zufällig war das eines der wenigen VR-Start-ups, das von einer Frau gegründet worden war."


    Noch ein Beispiel gefällig? Eines, das die "andere Seite" zeigt? Bittegerne: Nach einer Naturkatastrophe in Südostasien wurden neue Häuser für die Betroffenen gebaut. Frauen wurden nicht mit in die Planung einbezogen. In den Häusern fehlten dann auch die Küchenräume.


    Noch eines? Ein IT-Unternehmen entwickelte eine App für das Gesundheitswesen, mit der das Pflegepersonal die Patienten besser betreuen konnte. Die App fiel durch. Weil: Die meisten Angestellten im Gesundheitswesen sind weiblich. Wenn die Pflegerinnen Hausbesuche machen, müssen sie oft in sozial schwache Gegenden. Sie tragen daher ihre Wertsachen in der Unterwäsche. Ein Handy, ob nun mit einer App oder ohne, passt nicht in einen BH.


    Criado-Perez beklagt vor allem, dass zu wenige nach Geschlecht und Gender getrennte Daten erhoben werden. Denn nur so kann man die Probleme lokalisieren, sichtbar machen und bekämpfen.

    Ich habe selten in einem Buch so viele Textstellen markiert, wie in diesem. Es jagt einer den Blutdruck hoch, oh ja... Aber es ist eines der wichtigsten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ein Augenöffner.


    Fazit: Pflichtlektüre für alle.


    ***

    Aeria

    Also beim Kindle weiß ich es nicht, aber beim Kobo kann man einstellen, wie oft der Bildschirm aktualisiert werden soll. D. h. die Seite wird geprüft, die Schrift, sofern nötig, schärfer eingestellt. Das dauert natürlich nur kurz, merkt man aber trotzdem. Ich habe da beispielsweise eine Aktualisierung nach 3 Seiten aktiviert. Die erste Seite ist dann gestochen scharf, danach wird die Schrift kontinuierlich blasser.

    Man gewöhnt sich schnell an die jeweiligen Einstellungen.


    Vielleicht ist das auch beim Kindle so. Wenn der Kontrast für jede einzelne Seite neu eingestellt werden muss, dann kommt es natürlich zu Verzögerungen.


    ***

    Aeria