Beiträge von Ati

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Sie wollte schon immer Schauspielerin, Schriftstellerin oder Lehrerin werden. Wirft man einen Blick in ihren Lebenslauf, offenbart sich, dass die 1965 in Kroatien geborene Nataša Dragnić ihre Wünsche in die Tat umgesetzt hat. Sie hat ein Diplom in Germanistik und Romanistik, spricht fünf Sprachen, arbeitete als Reiseleiterin und absolvierte eine Diplomatenausbildung. Darüber hinaus war sie als Lehrerin tätig, schlüpfte in Theaterproduktionen u. a. in die Rollen der Klytämnestra, Nike oder Caesonia. Und als Autorin ist sie spätestens seit ihrem Debütroman Jeder Tag jede Stunde ein Begriff.


    Wer knisternde Spannung sucht, sollte die Finger ebenso wie diejenigen von Immer wieder das Meer lassen, die stets Lesequickies bevorzugen. Die Leichtigkeit, die das Covermotiv suggeriert, findet man im Buch nicht wieder. Mit ihrem zweiten Roman präsentiert die Autorin kein Buch für nebenbei. Dazu passiert in ihrem Roman zwar nichts absolut Spektakuläres; insgesamt jedoch zu viel über zu viele Jahre und das Ganze in einigen Zeitsprüngen, die etwas Konzentration erfordern.


    Dragnić rollt dabei die Geschichte quasi vom Ende her auf und stellt ihren LeserInnen eine Familie vor, in der sich drei sehr verschiedene Schwestern in ein und denselben Mann verlieben. Alle drei fangen etwas mit ihm an, eine von ihnen heiratet ihn. Der Roman ist gespickt mit Rückblenden auf das Leben der drei Schwestern. Teils auf das aller, teils getrennt. Neben den eifersuchtsbedingten Querelen bleiben zahlreiche familiäre Schicksalsschläge nicht aus. Krankheit und Alter spielen eine Rolle und machen deutlich, dass es um mehr als problematische partnerschaftliche Beziehungen geht. Die Familie schweißt alle zusammen, egal was geschieht.


    Das Buch hat eine sehr schwermütige Grundstimmung, geht es doch in weiten Teilen nicht nur um die Sehnsucht und Suche nach der großen Liebe und darum, dass bestehende Gefühle nicht gelebt werden dürfen oder sukzessive ersticken. Dragnić lässt ihren Figuren nicht nur herbe Enttäuschungen erleben, sondern auch einige Schicksalsschläge einstecken. Verluste sind omnipräsent. Das fällt besonders auf, weil bestimmte Figuren aufgrund der Zeitsprünge und Perspektivwechsel quasi zwei Mal gehen. Das kann bisweilen für Verwirrung sorgen.


    Liegt es daran, dass jedem für sich zu vieles widerfährt? Ich weiß es nicht und kann den Finger nicht wirklich darauf legen. Doch durchweg alle Charaktere wirkten in ihrer Darstellung nicht immer authentisch auf mich. Hinzu kommt, dass besonders Allesandro bei mir aufgrund seines Verhaltens nicht mit Sympathie punkten konnte. Sieht man von seiner Begeisterung für die Kunst und ihre Geschichte ab, wirkt er eher leidenschaftslos und zu passiv. Was ich jedoch sehr gelungen fand, war die innere Zerrissenheit der Schwestern. Diese wird durch den Schreibstil der Autorin, der in weiten Teilen von kurzen Sätzen geprägt ist, sehr deutlich. Doch obwohl die Autorin auf gelungene Art ein breites Spektrum an Gefühlen transportiert, birgt der Roman einige Längen, die durch aus Perspektivwechseln und Zeitsprüngen resultierenden Wiederholungen entstehen. Diese Längen wiederum werden teilweise aufgefangen durch die Zeitformen, die die Autorin für ihren Roman gewählt hat. Ein Teil wird in der Gegenwart von der Schwester erzählt, die Allesandro gleich eingangs heiratet, die Rückblenden in der Vergangenheit und aus verschiedenen Perspektiven.


    Fazit: 4ratten


    Obwohl einiges fast zu geballt wirkt, was den Charakteren in Dragnićs Roman widerfährt, wirkt die Geschichte insgesamt nicht völlig aus der Luft gegriffen. Ein Roman über Familie, Glück, Kompromisse und Liebe, aber auch über Egoismus, Verzweiflung, Wut und Trauer. Leise, unaufgeregt, bewegend, nachdenklich machend. Insgesamt möchte ich vier von fünf Punkten dafür vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Goldmann
    ISBN-13: 978-3442478767
    ISBN-10: 3442478766
    Fantasy
    Ausgabe 03/2013
    Serie: Elvancor (Band 01)
    Taschenbuch, 448 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite


    Hinter dem Pseudonym Aileen P. Roberts steckt die in Süddeutschland lebende Claudia Lössl. Die kam durch ihren Mann zum Schreiben. Teilweise erscheinen ihre Bücher im Selbstverlag. Goldmann veröffentlichte 2009 ihren Fantasy-Zyklus Thondras Kinder. Mit der Weltennebel-Trilogie legte die Autorin nach. Gerade liegt ihr Roman Elvancor vor mir, der ebenfalls von Goldmann auf den Buchmarkt gebracht wurde.


    In Elvancor - Das Land jenseits der Zeit geht es um die 18jährige Lena, deren Start ins Erwachsenenleben etwas anders verläuft als geplant. Eigentlich wollte sie ja reisen und raus aus der öden Provinz. Dank ihrer eigenen Dummheit und der ihres Exfreundes muss sie jedoch Sozialstunden in einem Altenheim ableisten und hat mehr oder weniger Hausarrest. Bei ihren Sozialstunden lernt sie eine alte Frau kennen. Eigentlich denkt Lena, dass die alte Frau etwas wirr im Kopf sein muss und die fantastischen, zu magisch anmuteten Bildern passenden mystischen Geschichten frei erfunden sind. Doch nach deren Tod ergeben sich Umstände, die Lenas Welt ins Wanken bringen. Zusammen mit Ragnar, dem Enkel der alten Frau Winter, macht sie sich auf eine Schatzsuche mit unbekanntem Ausgang.


    Abgeschlossen ist die Geschichte nach 448 Seiten nicht. Es gibt einen zweiten Teil, mit dem Titel Das Reich der Schatten. Dieser soll im August 2013 erscheinen. Wer frühere Bücher der Autorin kennt, weiß, dass mit Sicherheit einige Fragen aufgeworfen und im ersten Teil nicht erschöpfend beantwortet werden. Die Bücher sollten also in der Reihenfolge ihrer Erscheinung gelesen werden.


    Die Inhaltsangabe las sich sehr interessant für mich. Und da ich Geschichten mag, in denen Drachen, magische Portale oder die Suche nach mystischen Gegenständen vorkommen, stürzte ich mich so schnell als möglich nach Erhalt auf das Buch. Es geht (wie in vielen anderen Fantasyromanen auch) darum, dass die reale und eine mystische Welt aufeinandertreffen. Dass Wesen von der einen zur anderen Welt wechseln können, was nicht immer gut ist. Und grundsätzlich um das Thema Hoffnung.


    Gleich vorab: Obwohl sehr gut erklärt wird, was es mit Elvancor - Das Land jenseits der Zeit sich hat, führte mich dieser Titel völlig in die Irre. Ich ging davon aus, dass ich als LeserIn an der Seite von Ragnar und Lena einen Großteil des Buches in Elvancor verbringe. Doch dem war nicht so. Auch die Suche nach dem mystischen Schatz, auf die die verstorbene Frau Winter Lena und Ragnar gemeinsam ansetzt, gestaltet sich eher nebenbei und etwas langwierig. Erst gegen Ende des Buches nimmt der Roman deutlich an Fahrt auf, in dem, nebenbei erwähnt, die Pferdeliebe der Autorin deutlich zu spüren ist.


    Überhaupt kamen mir die fantastischen Elemente und damit im Grunde die Spannung etwas zu kurz. Ein paar Schattenwesen, die erst relativ spät klar auszumachen sind, ein paar Geister, ein magisches Amulett. Hinzu kommt, dass ich mich mit Lena nicht anfreunden konnte. Die kam mir das ganze Buch hindurch zickig und mürrisch vor, konnte wenig Sympathiepunkte sammeln. Ihr beständiges Wanken zwischen einem Arbeitskollegen und Ragnar, und überhaupt ihr ganzes Verhalten, erscheint sehr unreif und oberflächlich. Magische Momente, die sie ja durchaus erlebt, akzeptiert sie ohne Fragen. Dann jedoch stellt sie Dinge infrage, die bei mir für hochgezogene Augenbrauen sorgten. Wenn ich wie sie bewusst erleben würde, dass sich vor meinen Augen, in meinen Händen, Teile eines Amuletts fest zusammenfügen, würde ich zumindest nicht mehr infrage stellen, dass es grundsätzlich Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die eigentlich nicht sein können.


    Doch es gab auch sympathische Figuren. Allen voran Frau Winter. Auch deren geheimnisvollen Geliebten aus Elvancor oder Lenas Oma fand ich ganz nett. Und obwohl Ragnar mir in großen Teilen zu distanziert vorkam, gehört er doch eher zu denen, die mir positiv auffielen. Alle zusammen stehen jedoch eher im Hintergrund, obwohl sie im Grunde genommen Schlüsselfiguren zu sein scheinen. Und grundsätzlich ist es ja auch so, dass man nicht Romancharaktere nicht zwingend mögen muss. Tatsächlich sind Roberts Figuren sehr realitätsnah beschrieben. Teils zu oberflächlich skizziert wirken sie dennoch echt. Genau wie die Handlungsorte, die man sich gut vorstellen kann.


    Das Geschehen insgesamt spielt auf mehreren Handlungs- und Zeitebenen. Mal geht es in die Vergangenheit von Frau Winter oder die ihres Geliebten. Dann wieder erfährt man etwas über aktuell in der realen Welt agierende Schattenwesen. Dann wieder etwas über Lenas Vergangenheit und jetziges Erleben. Dabei verwebt Roberts in gewohnter Manier die Handlungsfäden zu einer dichten Atmosphäre, die mich wieder einmal dazu gebracht hat, das Buch nicht wegzulegen und später weiterzulesen.


    Fazit: 3ratten
    Obwohl sich die Geschichte rein vom Tempo her bis fast zum Schluss gänzlich unaufgeregt entwickelt und die eine oder andere Länge beinhaltet, wollte ich wissen, wie es weitergeht. Trotzdem ich nicht wirklich mit den Figuren mitlitt oder -fieberte, waren sie mir nicht völlig egal. Und obschon ich nicht wirklich tief in das Geschehen eintauchen konnte, steckte ich doch definitiv darin fest. Der Auftaktroman lässt mich offen gestanden mit einem sehr zwiespältigen Gefühl zurück. Doch da ich andere Romane der Autorin kenne und die Geschichte eindeutig Entwicklungspotenzial hat, werde ich mir auf alle Fälle auch den zweiten Band des Fantasyzweiteilers holen. Für Elvancor - Das Land jenseits der Zeit möchte ich drei von fünf Punkten vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    passt nicht wirklich hierher, aber ich wüsste auch nicht, wo es besser passt.


    Originaltitel: Beautiful Disaster
    übersetzt von: Henriette Zeltner
    Verlag: Piper
    ISBN-13: 9783492303347
    ISBN-10: 349230334X
    Genre: Belletristik
    Ausgabe: 1. Auflage 04/2013
    Taschenbuch , Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite (englisch)


    Für alle Fans von Stephenie Meyer und E. L. James hieß es in einer Mail, die ich vor einigen Wochen erhalten habe. Darin wurde Beautiful Disaster von Jamie McGuire beworben. Einer der Romane, der das bisherige Verlagswesen etwas durcheinanderwirbelt. Zunächst selbstständig von der in Oklahoma aufgewachsenen Autorin Jamie MacGuire als eBook veröffentlicht, schaffte er es in die Top10 der Bestsellerliste der New York Times. Die daraus resultierende Printausgabe toppte dieses Ergebnis dann noch.


    Offen gestanden war ich recht gespannt auf das Buch. Denn obwohl mir Meyers Roman Seelen gut gefallen hat, konnte ich mich mit ihrer Biss-Reihe überhaupt gar nicht anfreunden. Und auch bei James erotischer Trilogie verstand ich den Hype nicht im Geringsten. Inwiefern aber (thematisch) so gegensätzliche Reihen in einem Buch vereint worden sein sollten, machte mich neugierig. Sollte da ein erotisches Buch für Jugendliche oder junge Erwachsene herauskommen? Mhm …


    Wobei: Ein Buch ist es letztlich dann doch nicht. Es gibt bereits ein weiteres mit dem Titel Walking Disaster. Da flattert dann der Schmetterling auf dem Cover nicht mehr im Glas, sondern schmiegt sich an einen muskulösen, männlichen und tätowierten Oberkörper. Zumindest beim noch nicht übersetzten Anfang April 2013 erschienen Original. Darin kommt Travis zu Wort. Und da der Brüder hat, sollen auch sie eigene Bücher bekommen. Fans können angesichts dieser Aussichten jubeln, droht der McGuire-Lesestoff doch nicht so schnell auszugehen.


    Tja, und da saß ich nun mit dem Buch, schlug es auf und las. Las recht schnell, denn die Übersetzung büßte zwar, wie ich gelesen habe, einiges an Kraftausdrücken ein, ist jedoch in recht einfacher, jugendlich angepasster Sprache geschrieben, die LeserInnen grundsätzlich nicht allzu viel abverlangt. Der eigentliche Inhalt jedoch … Nun, der forderte mir dann doch Durchhaltevermögen ab.


    In Beautiful Disaster geht es um die Studentin Abby. Die hat ihr altes Leben hinter sich gelassen und gilt als brav und unauffällig. Recht harmlos gestaltet sich ihr Leben an der Uni bzw. im Wohnheim. Jedenfalls bis sie von ihrer besten Freundin zu einem Freestyle-Kampf mitgenommen wird. Sobald sie Travis (unersättlicher Womanizer, der einem unerlaubten aber gewinnträchtigen Hobby frönt und regelmäßig andere Kampfwillige vermöbelt) trifft, wird alles anders. Eine verlorene Wette zwingt sie mehr oder weniger dazu, bei Travis und seinem Wohnungsgenossen einzuziehen, der praktischerweise der Freund ihrer besten Freundin ist. Natürlich ist Travis mehr als ein gut aussehender, Fäuste schwingender Frauenheld. Klug und in gewisser Weise fürsorglich, versteckt er seine eher guten Seiten hinter seinem besitzergreifenden Bad Boy-Image. Und obwohl Abby eigentlich gleich von Anfang an ihre Krallen gegen ihn ausfährt, kommen sie sich zwangsläufig näher.


    Könnte spannend und unterhaltsam sein, war es aber für mich nicht sonderlich. Meine schnell keimende Hoffnung, dass da doch noch etwas kommen müsste, erfüllte sich nicht. Allzu viel Handlung bietet McGuires Roman nicht. Und das bisschen, das es gibt, entwickelt sich eher zäh, enthält Wiederholungen und ist überaus vorhersehbar.


    Abby und Travis zoffen und vertragen sich und zoffen und vertragen sich. Dazwischen eine kleine Trennung und Versöhnung. Hab ich noch etwas vergessen? Ach ja, sie zoffen und vertragen sich. Und das alles dank der Wette. Ein seltsames Konstrukt übrigens. Es sorgt zwar dafür, dass die beiden Hauptfiguren Zeit miteinander verbringen (hab ich schon erwähnt, dass sie die nutzen, um sich zu zoffen und zu vertragen?), bleibt jedoch trotzdem eben nur ein seltsames Konstrukt. Und das, wo Abby doch angeblich so tough ist.


    Hätte die Autorin sich darauf beschränkt, Bad Boy Travis von Abby bezähmen zu lassen, wäre das zwar nicht nervenaufreibend spannend aber vermutlich noch ganz okay gewesen. Doch dann brachte sie zunehmend Abbys Vergangenheit und kitschige Klischees ins Spiel. Spätestens damit lief MacGuires Roman ernsthaft Gefahr auf dem recht niedrigen Stapel abgebrochener Bücher zu landen (die kann ich auch nach vielen Jahren Lesewut noch an einer Hand abzählen, weil ich weiß, wie viel Arbeit in einem Buch steckt).


    Möglicherweise hätten komplexe Charaktere die Geschichte retten können? Wer weiß, allerdings habe ich keinen solchen gefunden. Teils sind sie zu schwach skizziert, teils zu eindimensional. Wirklich einfühlen konnte ich mich in niemanden. Sympathiepunkte gab es auch nicht.
    Außerdem habe ich vergeblich versucht, die Liebesgeschichte zu sehen. Sicher, die beiden kommen sich näher. Und auch wenn es nicht allzu häufig, eher lau als heiß hergeht, weiß man, was die beiden machen. Aber das ist ja nicht unbedingt Liebe, sondern kann allenfalls als Flattern im Bauch bezeichnet werden. Was genau den einen für den anderen liebenswert macht? Irgendwie ging das für mich in unbeherrschten Aktionen seitens Travis, Partys und viel, viel, viel Alkohol unter. Vermutlich war nach der Lektüre, und allein von dieser, mein Blutalkoholgehalt nicht mehr ganz bei null. Wehe, wenn sie losgelassen. Amerikanische Teenager sollen ja diesbezüglich gerne über die Stränge schlagen, wenn sie unbeaufsichtigt sind. Doch ein paar Promille weniger hätten McGuires Figuren hier eindeutig gut getan. Dann hätte Travis vielleicht auch nicht auf alles außer Abby eingedroschen, was seinen Unmut erregt hat.


    Ein gutes Ende hätte mich meine negative Meinung über den Roman vielleicht noch einmal revidieren lassen. Doch angesichts der zunehmend schnulzig-abgeschmackten Entwicklung endete der Roman für mich nicht gut. Vielmehr war ich froh, als ich endlich damit durch war.


    Fazit: 1ratten


    Recht schnell verlor das Umblättern an Reiz, obwohl der Schreibstil leicht lesbar ist. Da die Handlung weder überraschende Wendungen noch allzu viel Inhalt bot, vieles einfach überzogen wirkte und die Charaktere mich nicht überzeugen konnten, gibt es nur einen von fünf Punkten für McGuires Roman Beautiful Disaster. Lust auf Travis Sichtweise, sprich auf Walking Disaster, hat er nicht in mir geweckt.
    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


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    Originaltitel: Love always
    übersetzt von Tina Thesenfitz
    Verlag: Knaur Taschenbuch
    ISBN-13: 9783426511909
    ISBN-10: 3426511908
    Belletristik
    Ausgabe: 03/2013
    Taschenbuch, 592 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite (englisch)


    Die 1974 in London geborene Autorin sandte 2003 die ersten Seiten eines Manuskripts unter einem Pseudonym an einen Agenten. Damals arbeitete Sie hauptberuflich, z. B. als Lektorin, in der Buchbranche, unter anderem bis 2003 bei Penguin. Doch nachdem gleich fünf ihrer Romane bei Harper Collins verlegt wurden, kann sie sich spätestens seit 2008 ganz dem Schreiben widmen. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und Evans zählt mittlerweile zu den ganz Großen der Frauenunterhaltung. Mit entsprechend großen Erwartungen ging ich denn an Das Buch der verborgenen Wünsche heran, die deutsche Übersetzung von [i]Love always[i] und mein erstes Buch der Autorin.


    Darin geht es um Natasha. Deren Leben bricht gerade auseinander. Ihre Beziehung ist kaputt und die Schmuckdesignerin steht kurz vor dem Bankrott. Dann stirbt auch noch ihre Großmutter. Ausgerechnet die Frau, die so etwas wie ein Fels in der Brandung war. Ihr Vorbild. Ihr sicherer Halt, den sie bei ihrer unbeständigen, rastlosen und augenscheinlich lieblosen Mutter und ganz ohne Vater dringend benötigte.
    Als Auszüge eines Tagebuchs auftauchen, ergeben sich Fragen. Summercove, das bisher nicht nur Feriendomizil, sondern auch so etwas wie Heimat für sie war, wird verkauft und ihre eigenen Erinnerungen erscheinen vor dem, was sie erfährt, falsch zu sein. Obwohl Natasha es sich angesichts ihrer momentanen persönlichen Situation gar nicht leisten kann, geht sie auf Spurensuche und findet letztlich etwas, womit sie gar nicht gerechnet hat.


    Evans erzählt die Geschichte bildhaft detailliert, was für eine dichte Atmosphäre, allerdings auch für einzelne Längen sorgt. Das Haus der verborgenen Wünsche spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Die Autorin springt zwischen den 1960er-Jahren und der Gegenwart hin und her, lässt teilweise Natasha selbst und dann wieder einen Erzähler zu Wort kommen. Teils siedelt sie das Geschehen in Cornwall, dann wieder in London an. Und offenbart Stück für Stück die brüchige Fassade einer scheinbar respektablen Familie, Lügen und Mutmaßungen, Vorwürfe und Ausgrenzungen. Ein Jahrzehnte zurückliegender Todesfall, über den selten gesprochen wird, änderte alles. Sorgte für Gefühle, die lange unterdrückt, und Schuldgefühle, die nie überwunden wurden.


    Kann eine unaufgeregte Geschichte dramatisch sein? Evans Roman ist sowohl das eine wie das andere. Zusätzlich wartet sie auch noch mit einer dezent eingefügten Liebesgeschichte auf, die das Ganze abrundet. Sie passt sich genauso harmonisch dem übrigen Geschehen an, wie sie glaubwürdig wirkt. Vermutlich, weil sie von lebensecht wirkenden Charakteren erlebt wird. Insgesamt offenbaren sich Evans Figuren teils liebenswert oder unsympathisch und berechnend, teils hilflos oder wütend, aufmüpfig oder mutlos, kalt- oder warmherzig, facettenreich und immer authentisch. Ihre Handlungen wirken glaubwürdig.


    Während der Teil, der die Vergangenheit betrifft, zwar wie bereits erwähnt dramatisch aber doch eher distanziert auf mich wirkte, war ich begierig zu lesen, alles zu lesen, was die Gegenwart und Natasha betraf. Sie durchläuft eine Entwicklung, die mich mit ihr fühlen ließ, gleichzeitig ließ mich das Schicksal ihrer Mutter nicht kalt.


    Am Ende alles rosarot und wieder gut? Jein. Das Ende ist der Geschichte angepasst. Unaufgeregt erwachsen könnte man sagen. Nicht einfach schöngefärbt, nicht unwahrscheinlich, aus der Handlung heraus betrachtet das einzig mögliche konsequente Ende, das es für diesen Roman geben kann.


    Fazit: 4ratten
    Berührender Roman mit Tiefgang. Er lässt sich leicht lesen, ohne einfach nur seicht-leichte Unterhaltungslektüre zu sein. Das Buch der verborgenen Wünsche bekommt vier von fünf Punkten von mir.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Originaltitel: Crescendo
    übersetzt von Sigrun Zühlke
    Verlag: Page & Turner
    ISBN-13: 9783442204076
    ISBN-10: 3442204070
    Fantasy, Jugendbuch
    Ausgabe 03/2013
    Serie: The Hush Hush Saga/ Engel der Nacht (Band 03)
    Taschenbuch mit Klappenbroschur, 448 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite englisch


    Es ist 10 Jahre her, dass ihr Mann sie anlässlich ihres 24. Geburtstages zu einem Kurs für Literarisches Schreiben anmeldete. Doch die 1979 geborene und in Colorado lebende, amerikanische Autorin Becca Fitzpatrick konnte damit ihren seit Langem bestehenden Traum vom Schreiben näherkommen und nutze ihre Chance. Bereits damals begann sie mit der Arbeit an Hush Hush. Zusammen mit anderen AutorInnen war sie auch an einer Sammlung von Kurzgeschichten beteiligt, die unter dem Titel Kiss me deadly - 13 tales of paranormal love veröffentlicht wurde.


    Ihr Debütroman landete auf der Bestsellerliste der New York Times und erregte auch außerhalb der Staaten Aufmerksamkeit. Page & Turner veröffentlichte die deutschen Übersetzungen der Hush Hush Saga unter dem Reihentitel Engel der Nacht. Die Cover der amerikanischen und deutschen Ausgaben von Band 1 (Hush Hush/Engel der Nacht) und Band 3 (Silence/Rette mich) sind vom Motiv her gleich geblieben. Ob das Motiv von Band 4 (Finale) ebenso vom amerikanischen Original abweicht wie Band 2 (Crescendo/Bis das Feuer die Nacht erhellt) ist mir nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass LD Entertainment sich mittlerweile die Filmrechte an der Buchreihe sicherte. Noch ist allerdings nicht gewiss, ob tatsächlich ein Film daraus wird.


    Es empfiehlt sich, die Bücher in der Reihenfolge ihrer Erscheinung zu lesen, denn obwohl im dritten Band einiges wiederholt wird, würde sonst einfach zu viel fehlen. Wie zuvor gelingt es der Autorin auch im dritten Band, eine atmosphärische dichte Hintergrundatmosphäre zu schaffen. Reales wird mit Fantasy gemixt.


    Obwohl ich zugegebenermaßen mit Büchern, die (gefallene) Engel thematisieren, das eine oder andere Problem habe, versuche ich mich immer wieder daran. Und so habe ich mir vor etlichen Wochen in die beiden Vorgängerbücher vertieft.


    Im ersten Band begegnete Nora Patch zum ersten Mal. Der wirkt unheimlich und geheimnisvoll auf sie und ist ihr nicht ganz geheuer. Erschwerend kommt hinzu, dass sich Nora immer häufiger verfolgt fühlt. Obwohl sie nicht ausschließen kann, dass Patch dahinter steckt, fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Außerdem würde sie zu gerne wissen, was die seltsame Narbe auf seinem Rücken zu bedeuten hat. Den Reihenauftakt fand ich durchwachsen, doch machte er mich neugierig auf die Fortsetzung.


    Dass Nora wahrhaftig Kontakt mit einem Engel hat, wird bald klar. Noch dazu mit ihrem Schutzengel, der sein Leben für sie opfert. Doch statt im zweiten Band ihre Gefühle für Patch, die übrigens auf Gegenseitigkeit beruhen, ausleben zu können, muss sie feststellen, dass Patch sich zunehmend zurückzieht. Und auch noch Interesse für ihre Erzfeindin Marcie Millar entwickelt. Nur gut, dass Patch dennoch seine schützende Hand über sie zu halten scheint. Denn im Zusammenhang mit der Suche nach der Wahrheit bezüglich ihres vor Jahren verschwundenen Vaters gerät sie auf gefährliches Terrain. Allerdings, je näher sie dieser Wahrheit kommt, desto mehr muss sie Patchs Verhalten hinterfragen. Obwohl dieser Band mir etwas weniger gefiel als der Vorgänger, blieb meine Neugier auf die Fortsetzung erhalten.
    Der dritte Band Rette mich setzt mit dem Erwachen Noras auf einem Friedhof an. Nein, sie ist nicht gestorben und beerdigt worden. Allerdings fehlen ihr fünf Monate in ihrem Gedächtnis. Sie wurde offenbar entführt, kann sich jedoch an nichts erinnern. Nicht einmal an Patch. Ihre Mutter und ihre beste Freundin scheinen mehr zu wissen, geben dieses Wissen jedoch nicht wirklich preis. Der Vater ihrer Erzfeindin Marcie Millar hat sich zwischenzeitlich an Noras Mutter herangemacht, was in Nora alle Alarmglocken schrillen lässt. Und ein alter Bekannter meldet sich zurück, gerade als sie eine seltsame Warnung in ihrem Zimmer findet. Als sie und Patch sich ebenfalls wiedersehen, dringen immer mehr Erinnerungen an die Oberfläche und verwirren Nora zusehends. Wem kann sie trauen, wem nicht?


    Soweit so gut. Durch diesen Gedächtnisverlust wird die Geduld von Fitzpatricks LeserInnen auf die Probe gestellt. Wer die Vorgängerbücher gelesen hat, weiß, was Nora darin so alles widerfahren ist. Genau dadurch entwickeln sich bei ihrem Versuch sich zu erinnern Längen, die dem Spannungsbogen nicht gut tun. Man braucht also Durchhaltevermögen. Denn obwohl Nora dickschädelig geblieben ist und neuerdings sogar etwas biestig wirkt, muss man sich erst einmal durch langatmige Überlegungen, Streitgespräche mit Vee und ihrer Mutter und Ähnliches kämpfen. Etwas unglaubwürdig fand ich in diesem Zusammenhang ihren Versuch, ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Der Spagat zwischen dem fantastischen Engelelement und dem normalen Dasein eines amerikanischen Teenagers erscheint allerspätestens in Rette mich zu gewagt, um wirklich authentisch zu wirken.


    Da Nora sich nicht an Patch erinnert und der anfangs nur spärlich in Erscheinung tritt, hat sie keine Beziehungsprobleme (die in Band 2 fast zu viel waren). Da Patch allerdings eine, wenn nicht für viele LeserInnen gar die tragende Figur im Geschehen ist, fehlt hier eindeutig etwas. Vee, die mir in den Vorgängerbüchern nicht sehr sympathisch und eher nervig-aufdringlich vorkam, ist glücklicherweise im dritten Buch auch deutlich in den Hintergrund getreten. Oder doch nicht glücklicherweise? Denn bei den Längen hätten ein paar ihrer Kommentare hier womöglich durchaus gut getan.


    Patch hat sich zurückgezogen, um Nora zu schützen. Allzu gesprächig ist er ja sowieso grundsätzlich nicht. Allerdings strebt er seinem Ziel so eigenmächtig entgegen, dass man auch als LeserIn nicht so wirklich versteht, was hier gerade Sache ist. Das liegt auch daran, dass genau wie in den Vorgängerbüchern der eine oder andere Handlungsfaden (nicht nur Patch betreffend) rot aufleuchtet und sich dann stillschweigend im Nichts verliert. Wie zuvor scheint nicht alles schlüssig verwoben und logisch, und da dies mittlerweile der dritte Band ist, sollte die Autorin für mein Dafürhalten langsam in die Gänge kommen, was Antworten betrifft. Andererseits liefert sie diese zumindest teilweise. Doch so wie sich Noras Erinnerungen wieder einstellen, ergeben sich einige Verwicklungen bezüglich ihres leiblichen Vaters, die etwas absonderlich und recht konstruiert wirken.


    Fazit: 2ratten


    Vielleicht bin ich einfach zu alt, doch nachdem mir Bis das Feuer die Nacht erhellt schon nicht mehr so gut wie der Auftaktroman gefallen hat, fand ich Rette mich weniger unterhaltsam als den zweiten Band der Reihe. Manches wird zu konstruiert, anderes zu oberflächlich, das eine oder andere zu langatmig und mehrere Dinge zu unglaubwürdig, als das mich das Buch wirklich fesseln konnte. Und wieder war es Patch, der mir bei aller Kürze seiner Auftritte am ehesten zugesagt hat. RRette mich bekommt trotzdem allenfalls zwei von fünf Punkten. Spätestens jetzt bin ich wirklich am Überlegen, ob ich den vierten Band der Reihe nach seinem Erscheinen denn überhaupt noch lesen soll.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine

    Ich kann mich der positiven vorherigen Wertung nur anschließen:


    Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich Märchen liebe? Die lese ich allerdings meist in Form von Märchensammlungen. Deshalb wäre ich auch beinahe an dem ursprünglich bereits im Jahr 2000 und auch unter dem Titel Die Braut des Spielmanns erschienenen und 2009 neu von DRYAS aufgelegten Debütroman von Ingrid Ganß vorbeigelaufen. Zu unscheinbar und trist erschien mir ehrlich gesagt dessen Aufmachung. Weder die Covergestaltung noch die Dicke des Buches deutete auf das hin, was ich letztlich darin fand. Die 1959 geborene Autorin, Fremdsprachenkorrespondentin und Industriekauffrau schreibt seit frühester Kindheit Geschichten und Märchen. Ihr Debütroman erzählt das Märchen von König Drosselbart der Brüder Grimm auf tiefgründige und nicht durchgehend märchenhafte Weise nach.


    Während bei den bekannten Märchenerzählern die Prinzessin anfangs nur wankelmütig, stolz und hämisch-übermütig dargestellt wird, erfährt man durch Ganß, was hinter deren Verhalten steckt. Ihre weibliche Hauptfigur Elisabeth von Messelstein, die behütet und verwöhnt aufgewachsen ist, offenbart sich als gebildete und moderne Fürstentochter. Das geht so weit, dass sie sich weigert, den Heiratsplänen zuzustimmen, die ihr Vater für sie schmiedet. Sie schüttet genau wie ihre Grimm-Vorgängerin Spott und Häme über mögliche Kandidaten aus, um diese abzuschrecken. Und genau wie diese muss sie mit den Folgen leben. Denn ihr Vater schwört angesichts ihrer Aufmüpfigkeit, sie mit dem erstbesten Mann zu verbinden, der um ihre Hand anhält. Bei einer Verfilmung von König Drosselbart mit Ken Duken trug der einen unansehnlichen Zottelbart im Gesicht und lebte augenscheinlich mehr schlecht als recht von seinen Tonwaren. Ganß lässt ihren Spielmann Jakob, besagter Erstbester, gleich von Anfang an gut aussehen. Ein Bruch zu Elisabeths bisherigen Leben ist das an der Seite ihres Mannes auf staubigen Landstraßen, in einer schäbigen Hütte und einer Welt voller Gaukler, Zigeuner und einfachem Volk jedoch allemal. Bald schon droht sie am Kampf ums Überleben zu verzweifeln. Doch als sie erkennt, dass sie die wahren Schönheiten des Lebens in ihrem goldenen Käfig bislang nicht erkannt hat, versucht sie, an Jakobs Seite eine Existenz aufzubauen.


    Während die Brüder Grimm sich auf einige Aspekte beschränkten (immerhin haben ihre Märchen selten allzu viele Seiten), kann Ganß wesentlich tiefer gehen und tut dies auch. Sie siedelt ihre Geschichte im von Armut und Not gebeutelten Deutschland Mitte des 17. Jahrhunderts kurz nach dem 30jährigen Krieg an. Die von ihr heraufbeschworenen Orte sind erdacht, wirken jedoch real. Bauern versuchen sich gegen die nach wie vor im Luxus lebenden Adligen bzw. deren stete Forderungen in Form von Steuern und Abgaben aufzulehnen, was tödliche Folgen für sie haben kann. Elisabeth zeigt sich bezüglich ihrer Rolle als Frau emanzipiert. Die gleichermaßen nachdenkliche wie zunehmend sympathische weibliche Hauptfigur steht einem männlichen Part gegenüber, der an der Welt zu verzweifeln droht. Seine Gedanken werden selten explizit ausgesprochen. Doch obwohl die Geschichte größtenteils aus Elisabeths Sicht erzählt wird, kann man als LeserIn Jakobs Überlegungen, seine Zweifel und Hoffnungen allzeit klar nachvollziehen. Er scheint ein recht bewegtes, aufrührerisches Leben geführt zu haben. Während er Elisabeth mehrfach auflaufen und sie ihre Vorurteile und ihr Unwissen auf die harte Tour erkennen lässt, muss er feststellen, dass er selbst nicht von Voreingenommenheit, Intoleranz und Engstirnigkeit frei ist. Wer oder was er wirklich ist, beschäftigt LeserInnen den ganzen Roman hindurch, das Geheimnis wird erst gegen Ende etwas gelüftet.


    Empathisch und sorgfältig beschreibt die Autorin die Wandlung, die Elisabeth durchmacht. Das Gefühl der inneren Zerrissenheit, dass das neue Leben (welches durchaus Platz für eigene Wünsche und Träume bietet), im Zusammenhang mit dem damaligen Sinn für Sitte und Anstand und ihrer Erziehung auslöst. Und so modern die junge Frau in gewisser Weise denken mag, so unsicher ist sie bei allem, was die körperliche Seite ihrer Ehe mit Jakob angeht. Wobei man hier eindeutig sagen kann: Ein Glück, dass es Jakob ist und niemand, der sie einfach derb an ihre ehelichen Pflichten erinnert und sich über ihre Bedürfnisse hinwegsetzt. Doch einfach ist das Leben an seiner Seite wie gesagt nicht.


    Schlüssig und stringent verwebt Ganß einen bildhaft-detaillierten Erzählfaden mit dem anderen. So entsteht sukzessive eine dichte und stimmige Hintergrundatmosphäre, vor der die komplex herausgearbeiteten Figuren agieren. Doch birgt das Schaffen einer dichten Hintergrundatmosphäre die Gefahr von Längen; Ganß konnte sich ihr denn auch prompt nicht völlig entziehen.


    Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass die Autorin in dem Versuch, ihre Figuren so authentisch wie möglich darzustellen, eingangs Dialoge durch Verwendung einzelner Begriffe so hochtrabend-gekünstelt und salbungsvoll-gespreizt gestaltet, dass manche vielleicht das Buch verfrüht aus der Hand legen. Doch ist das wirklich ein Schwachpunkt? Die Dialoge mögen aus heutiger Sicht betrachtet zu gestellt wirken. Gleichzeitig zeigt sich durch diese gekünstelte Hofsprache jedoch sehr gut die vermeintliche Überlegenheit des Adels über das einfache Volk. Zumal diejenigen, die sich daran stören, bald feststellen werden, dass die Dialoge lebendiger werden, sobald Elisabeth an Jakobs Seite Messelstein verlässt. Spätestens ab da liest sich der Roman sehr flüssig.


    Doch während die Brüder Grimm ihre Figuren glücklich bis an ihr Ende leben ließen, steuert die Geschichte von Jakob und Elisabeth auf ein offenes Ende zu. Es vereint Hoffnung und die harte, reale Existenz auf subtile Weise miteinander. Es passt auch auf die beiden Hauptfiguren und überhaupt sehr gut, weil es aus der Geschichte heraus und in sich die einzig konsequente Lösung ist. Doch spätestens hier unterscheidet sich der Roman von der Märchenvorlage.


    Fazit: 4ratten


    Ein trotz kleinerer Längen lebendig erzählter, mitreißender Mix aus Märchen, Liebesgeschichte und historischem Roman, der sich irgendwie allen Genrezuordnungen zu entziehen scheint. Ein Roman von Schuld und Sühne, Stolz und Vorurteil, Liebe und Vergebung; der zeigt, wie sehr ein erster Eindruck täuschen kann. Und einer, der glücklicherweise eine Fortsetzung gefunden hat. 2010 erschien Der König, den ich nach Der Spielmann mit Sicherheit ebenfalls lesen werde. Für das Debüt von Ingrid Ganß möchte ich sehr starke vier von fünf Punkten vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Originaltitel: Wake - A Watersong Novel
    übersetzt von Violeta Topalova und Anja Hansen-Schmidt
    Verlag: cbt
    ISBN-13: 9783570161593
    ISBN-10: 3570161595
    Fantasy, Jugendbuch (ab 13 Jahren)
    1. Auflage 03/2013
    Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 320 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenblog


    1984 in Austin, Minnesota, geboren wurde die Erfolgsautorin Amanda Hocking. Alle Achtung kann man da nur sagen, respektive schreiben. Denn die Verfasserin von Fantasyromanen gilt derzeit als erfolgreichste Selbstverlegerin der Welt. Ihre E-Books wurden weit über 1 Million mal verkauft, was die ehemalige Altenpflegerin zur Dollar-Millionärin machte. Ebenfalls zu diesem Reichtum beigetragen hat der Verkauf der Filmrechte der Trilogie Die Tochter der Tryll. Aus Hockings Feder stammt auch die Buchreihe Unter dem Vampirmond, die dystopische Grafiknovelle The Hollows, der märchenhafte Roman Virtue und die Watersong-Quadrologie. Während in den Staaten nach Wake, Lullaby und Tidal bereits der vierte, abschließende Roman Elegy für August 2013 angekündigt ist, erschien im März die deutsche Übersetzung des Auftaktromans der Reihe unter dem Titel Sternenlied.


    Das englische Cover wurde motivmäßig für den Schutzumschlag der deutschen Ausgabe übernommen. Das im Wasser befindliche Mädchen stellt, laut Autorenblog, die Hauptfigur Gemma dar. Was ich übrigens an diesem Umschlag besonders schön finde, ist der irisierende bzw. holografische Streifeneffekt, der an Lichtstrahlen unter Wasser erinnert. Außerdem ist besagter Schutzumschlag relativ stabil gearbeitet und wer ihn entfernt und umdreht, hält quasi ein Poster in der Hand.


    Doch zurück zum Inhalt des Auftaktromans der Watersong-Quadrologie. Darin werden (nicht zum ersten Mal) Sirenen thematisiert. Die Faszination, aber auch die Gefahr, die von diesen mystischen Meerwesen ausgeht. Letzteres offenbart sich im Grunde bereits im Prolog. Gleichzeitig wird dabei aber auch deutlich, dass die Sirenen nicht unbedingt glücklich mit ihrem Schicksal sind.


    Eine zwar nicht ganz unbekannte, aber nach wie vor spannende Grundidee, die Hocking da modifiziert hat. Dabei setzt die Autorin zwar auf differente aber nicht allzu komplexe Figuren. Sie bedient sich diverser Klischees und auch die Handlung ist nicht sonderlich tiefgründig oder durch eine rasche Entwicklung geprägt. Unterhaltsam ist ihr Roman aber allemal. Und trotz einer gewissen Eindimensionalität gelingt es Hocking, eine dichte Hintergrundatmosphäre zu schaffen.


    Der Fokus in Sternenlied liegt auf Gemma und ihrer Schwester Harper. Nach dem einleitenden Prolog, der auf ein blutiges Ereignis verweist, ohne zunächst die Hintergründe zu offenbaren, lernt man die beiden näher kennen. Hocking lässt ihre LeserInnen an deren Gefühls- und Gedankenwelt teilnehmen und bietet einen Einblick in das ‚noch‘ normale Leben, das sie führen. Während Harper ruhiger, besonnener und verantwortungsbewusster wirkt, offenbart sich Gemma relativ aufgeweckt und sportlich ehrgeizig. Das Wasser ist eindeutig ihr Element. Sie liebt das Meer und kann sich ein Leben ohne nicht vorstellen. Dass ausgerechnet dort Gefahr lauert, ist deshalb natürlich umso fataler. Außerdem ist sie zum ersten Mal verliebt, in Alex. Da Harper sich um sie und ihren Vater kümmert, kann Gemma sich eigentlich ganz auf diese Dinge konzentrieren. Dann jedoch tauchen drei Mädchen auf, die genauso geheimnisvoll wie faszinierend wirken. Obwohl Harper sie vor Thea, Lexi und Penn warnt und Gemma auch spürt, dass etwas mit ihnen nicht stimmt, fühlt sie sich unaufhaltsam in deren Bann gezogen. Und bevor sie erkennen kann, was damit eigentlich auf sie zukommt, ist es bereits zu spät.


    Insgesamt kommt die Autorin mit relativ wenig Figuren aus. Neben Harper und Gemma, Thea, Lexi und Penn gibt es Alex und Daniel (der ein Auge auf Harper geworfen hat). Typische Jungs von neben an, nicht sehr tiefgründig aber ganz nett. Die Liebesgeschichten, die zu einem an und für sich perfekten Sommer gehören, entwickeln sich sehr dezent und drängen zu keiner Zeit in den Vordergrund. Was in meinem Augen wiederum gut auf das anvisierte Zielpublikum passt. Es gilt dabei das eine oder andere Hindernis zu umschiffen und die Beteiligten gehen zaghaft und unsicher, aber glaubwürdig miteinander um. Insgesamt fügt sich dieser Erzählstrang sehr harmonisch und gut in die etwas spannendere Hintergrundgeschichte ein.


    Obwohl diese sich zunächst nicht sehr temporeich entwickelt, fliegt man dank Hockings Schreibstil durch die kurz gehaltenen Kapitel. Leicht lesbar entwickelt sich sukzessive und gut nachvollziehbar die Bedrohungssituation. Und das, obwohl die Geschichte insgesamt wenig überraschende Wendungen und einiges an Vorhersehbarkeit bietet. Das wird allerdings etwas durch die nachvollziehbaren Handlungen der Figuren ausgeglichen. Sobald die drei fremden Mädchen auftauchen, zieht das Erzähltempo an. Dass man es hier nicht mit kleinen Meerjungfrauen im niedlich-netten Barbiestyle zu tun hat, macht ja bereits die Inhaltsangabe deutlich. Stattdessen lernt man Wesen kennen, die grausam sind und auch vor Mord nicht zurückschrecken. Prompt hält Hocking dann auch nicht mit blutigen und düsteren Passagen hinter den Berg, sodass ich persönlich (wie so oft bei Jugendbüchern) ein Problem mit der Altersfreigabe (ab 13 Jahren) habe.
    Wie so oft in den Einzelbänden einer Buchreihe werden nicht alle Fragen beantwortet, die die Autorin in Sternenlied aufwirft. Doch da es eine Fortsetzung gibt, bleibt die Hoffnung, dass darin schlüssige Antworten gefunden werden.


    Fazit: 4ratten


    Ein etwas zögerlicher und durchwachsener Auftaktroman. Hocking nimmt mystische Überlieferungen, würzt sie mit Fantasy und rundet das Ganze mit etwas Realität ab. Die spielerische Leichtigkeit einer aufkeimenden Teenagerliebe stellt sie der tödlichen Gefahr gegenüber. Die Erzählstränge sind dicht und harmonisch miteinander verwoben. Dennoch punktet Sternenlied nicht zwingend mit einem gleichmäßig hohen Spannungsbogen - trotz einiger härterer (und in meinen Augen für 13jährige grenzwertiger) Szenen. Doch das ist bei vielen Auftaktromanen so und deshalb nicht grundsätzlich schlecht zu bewerten. Tatsächlich zieht die Geschichte trotz der erwähnten Schwachpunkte ihre LeserInnen ganz unaufgeregt in ihren Bann. Sie hat Potenzial, und da sie weitergeht, bin ich bereits auf den zweiten Teil gespannt. Für den Auftakt der Watersong-Quadrologie möchte ich schwache vier von fünf Punkten vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Originaltitel: Eternal Kiss of Darkness
    übersetzt von Sandra Müller
    Blanvalet
    ISBN-13: 9783442269235
    ISBN-10: 3442269237
    Fantasy
    04/2013
    Serie: Night Huntress World (Band 02)
    Taschenbuch, 400 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite


    Sie trägt gern schwarz und geht spät zu Bett. Sie hasst es zu kochen und liebt es über Friedhöfe zu gehen. Nein, ich beschreibe gerade keinen Vampir. Vielmehr geht es um die Autorin von Vampirromanen. Jeaniene Frost lebt mit Mann und Hund in Florida und arbeitet bereits an einem neuen Roman.


    2011 kam bei Penhaglion Rubinroter Schatten heraus. Wem das Buch mit € 14,99 zu teuer war, kann jetzt über Blanvalet die Neuauflage des Romans für € 8,99 erwerben. Ich bin damals wie heute auf das Buch aufmerksam geworden, weil die Geschichte sich um Figuren dreht, die ich aus der Cat & Bones-Reihe kannte. Da es mir vor allem Mencheres angetan hat, bin ich froh, dass ihm die Autorin ein separates Buch zugestanden hat.


    In Rubinroter Schatten geht es nämlich um ihn. Zwar durfte ich in diesem Roman keinen wirklichen Zeitsprung in seinem Leben mitmachen - immerhin stammt er noch aus de Zeit der Pharaonen und war dazumal ein mächtiger Herrscher - doch gut unterhalten habe ich mich allemal gefühlt.


    In der Gegenwart offenbart er sich als alter und lebensmüder Vampir. Seine Gabe, die ihn all die Jahre zu dem gemacht hat, was er ist, hat sich verabschiedet. Doch er ahnt, dass ihm bald die Stunde schlägt. Das findet er grundsätzlich nicht weiter schlimm, denn in Bones hat er einen würdigen Nachfolger.


    Doch so einfach lässt Frost ihn natürlich (und glücklicherweise) nicht vom Haken. Als er von Ghulen angegriffen wird, will Mencheres sich eigentlich gar nicht wehren. Allerdings kommt die Privatdetektivin Kira Graceling zufällig vorbei, die Zivilcourage besitzt und ihn prompt zu retten versucht. Ihr respektloses Mundwerk, ihre Mut zur Tat und natürlich ihr Körperbau lassen Empfindungen in dem seit Jahrhunderten enthaltsam lebenden Vampir erwachen. Gegen seine Gefühle für eine toughe, aufgeweckte und ehrliche Frau könnte Mencheres ja noch ankämpfen. Doch als sein Gegenspieler Radjadef, ein Vampirhüter, ausgerechnet Kira für seine Zwecke zu missbrauchen droht, erwacht sein Beschützerinstinkt schlagartig und mit seinem lebensmüden Dasein ist es vorbei.


    Zugegeben: Insgesamt keine ganz neue Grundidee, die zudem wenig Überraschungen bietet, sondern eher auf Altbewährtes setzt. Dennoch empfinde ich sie als gut und packend umgesetzt. Mir gefällt, dass Frosts Vampire nicht immer nett und handzahm sind, sobald sie sich verlieben. Sie haben ihre Ecken und Kanten, können auch mal zugeknöpft und kalt sein. Ebenso gefällt mir, dass Frost diesen Roman eng mit dem Geschehen der Cat & Bones-Reihe verknüpft. Dramatisch entwickelt sich das Geschehen rund um die sich zwischen Mencheres und Kira anbahnende Liebesgeschichte allemal. Die beiden müssen etliche Gefahren überstehen, sich Kämpfen stellen und auch sonstige Schwierigkeiten meistern. Rubinroter Schatten bietet also genug Potenzial, Eigenständigkeit und Handlung, dass die Bücher der Cat & Bones-Reihe zuvor nicht gelesen werden müssen. Doch kleiner Tipp: Wer das bis jetzt noch nicht getan hat, sollte es nachholen. Es lohnt sich.


    Erotische Szenen kommen vor, überfrachten die Geschichte jedoch nicht. Viel zu spannend geht es vordergründig um Mencheres Auseinandersetzung mit seinem Gegenspieler. Und obwohl in diesem Buch, wie in der Cat & Bones -Reihe, alles etwas brutaler abläuft als in den zahlreichen ebenfalls auf den Markt befindlichen Vampir-Romanen mit Chick-Lit-Charakter, kommen bei Frost Passagen nicht zu kurz, die für hochgezogene Mundwinkel sorgen.


    Fazit: 4ratten


    Unterhaltsam, spannend, lesenswert. Leider zu kurz, denn Mencheres & Kira könnten es durchaus mit Cat & Bones aufnehmen. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden. Für das Spinn-Off Rubinroter Schatten gibt es jedenfalls vier von fünf Punkten von mir.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Spinn-Offs der Cat & Bones-Reihe
    Nachtjägerin
    Rubinroter Schatten


    [b]Reihenfolge der Cat & Bones-Reihe[b]
    Blutrote Küsse
    Kuss der Nacht
    Gefährtin der Dämmerung
    Der sanfte Hauch der Finsternis
    Dunkle Sehnsucht


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine

    Seit 1994 sind 21 Bücher der 1953 geborenen, promovierten Historikerin, einstigen Museumspädagogin und ehemaligen Verlagslektorin veröffentlicht worden. Allesamt historisch wenden sie sich teils an ein jugendliches Publikum, größtenteils jedoch an erwachsene Leser. Als freie Autorin begann Riebe allerdings bereits vier Jahre vorher. Und im Grunde sind die eben erwähnten Romane, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, auch nur ein Teil ihrer Arbeit. Denn unter den Pseudonymen Lara Stern und Felicitas Gruber (hier in Zusammenarbeit mit Gesine Hirsch) verfasste sie zudem bislang mindestens 9 veröffentlichte Krimis.


    Gerade liegt der aktuelle Roman der Autorin vor mir. Bei dem ist mir etwas passiert, was äußerst selten vorkommt. Das in Pink gehaltene Hintergrundmotiv des Covers löste seltsamerweise mehrmals den Reflex aus, das Buch auf meinem SuB nach unten zu packen, kaum dass es oben lag. Wie auch immer, es dauerte etwas, bis ich mich an die Lektüre machte. Und obwohl ich mit der Farbe besagten Covers noch immer meine Probleme habe, hat mir der Inhalt wie gewohnt (ent-)spannend-unterhaltsame Lesestunden beschert. Schön fand ich übrigens die Gestaltung der Kapitelanfänge, die verschiedene Kräuter zeigen und beschreiben. Dies geschieht nicht willkürlich. Jede der so vorgestellten Pflanzen spielt im anschließenden Kapitel eine Rolle und stellt somit einen Bezug zur Geschichte her.


    In der geht es um eine ertrotzte Liebe mit einem Habsburger. Falsch liegt allerdings, wer dabei sofort an Elisabeth Amalie Eugenie, auch Sisi, Sissi oder Lisi genannt, denkt. Die mag zwar auch nicht für Franz Josef vorgesehen gewesen sein, lebte aber erstens wesentlich später und zweitens verrät ja schon der Titel, dass es um jemand anderen geht.


    Der Roman beschreibt vielmehr das Leben der Patriziertochter Philippine (kurz Pippa) Welser, die von der Öffentlichkeit nur als Geliebte eines kaiserlichen Thronfolgers betrachtet wurde, obwohl sie tatsächlich, wenn auch heimlich, mit ihm verheiratet war und mehrere gemeinsame Kinder zur Welt brachte. Der sich aus dieser Ehe ergebende Status rief neben Bewunderern etliche Neider und Widersacher auf den Plan. Das Leben Philippines war geprägt von dieser unerlaubten Liebe, Glück und Trauer (nicht alle ihre Kinder erreichten das Erwachsenenalter) und beständiger Angst. Sie wusste nicht, wem sie trauen konnte, fürchtete sich vor Giftanschlägen. Herauszufinden, wer Freund oder Feind war, beeinflusste ihren Alltag. Bevor man allerdings etwas darüber erfährt, beginnt der Roman zunächst mit Philippines Ende, im Zuge dessen sie sich an ihr Leben erinnert.


    Das Buch wird im Genre historischer Kriminalroman angeboten. Obwohl tatsächlich mehrere Personen sterben und Giftanschläge eine Rolle spielen, würde ich es dennoch persönlich eher von einer historischen Liebes- bzw. Lebensgeschichte sprechen, deren dominierendes Kernstück Philippine ist. Tatsächliche Aufklärung, wie ich sie in einem Krimi erwarte, findet nicht statt. Es bleibt offen, ob die Anschläge auf Pippa und ihre Kinder politisch motiviert oder eher durch Eifersucht begründet waren. Nebenbei erwähnt, Philippine Welserin ist nicht frei erfunden. Das Covermotiv zeigt ein Gemälde der echten Philippine Welserin. Auch die übrigen Charaktere sind nicht rein fiktiv. Vielleicht wirken sie deshalb alle so echt und facettiert? Obwohl das Buch keine Biografie der historischen Persönlichkeit ist, hat die Autorin zahlreiche Rechercheergebnisse in die Geschichte eingeflochten. Sie fügt in einem Nachwort ergänzende Daten und Tatsachen an und lässt sich darin auch über Fiktion und Wirklichkeit aus.


    Die reale Philippine fiel bereits früh durch ihre Schönheit ebenso auf, wie durch ihr Interesse an naturwissenschaftlichen Dingen und kaufmännischen Angelegenheiten. Und auch Riebe stellt Pippa klug und gebildet, und das nicht nur auf die Pflanzenheilkunde bezogen, dar. Als eine Frau, die angesichts der heimlich gehaltenen Beziehung und dem Wunsch eine gute Frau und Mutter zu sein, zu zerbrechen drohte. Die, wie bereits erwähnt und durchaus berechtigt, Angst hatte, beiseitegeschafft zu werden und dennoch die glücklichen Momente im Kreise ihrer Familie genießen konnte. Die mit Intrigen und Schicksalschlägen kämpfen musste, ohne sich wirklich unterkriegen zu lassen. Angesichts aller Erlebnisse wirkt der Roman in weiten Teilen recht schwermütig.


    Riebes Erzählstil lässt einen leicht in die Geschichte eintauchen. Einerseits hat sie Dialoge der damaligen Zeit (16. Jahrhundert) angepasst, andererseits eine einfache Sprache gewählt. Dass sich auch mit einer solchen eine dichte, aber nicht zu üppige, und authentische Hintergrundatmosphäre weben lässt, beweist die Autorin nicht zum ersten Mal. Andererseits nehmen LeserInnen aus verschiedenen Perspektiven am Geschehen teil. Es gibt Tagebuchpassagen, in denen Pippa direkt zu Wort kommt, und Kapitel, in denen alles von einem Erzähler aus Pippas Sicht vermittelt wird. Das sorgt dafür, dass der Roman lebendig wirkt. Man kann mitfiebern und -fühlen.


    Bei vielen historischen Romanen, die sich über mehrere Jahrzehnte ziehen und dabei auf eine Person fokussiert sind, habe ich für gewöhnlich das Gefühl, dass etwas fehlt bzw. einfach übersprungen wird, während andere Dinge zu ausführlich dargestellt werden. Nicht so in Riebes Roman Die schöne Philippine Welserin. Ausgewogen rollte sich das Leben Pippas vor meinem Augen auf und ließ nicht zu, dass ich das Buch aus der Hand legte.


    Fazit:4ratten



    Eine geschickte Auswahl an fiktiven und historischen Begebenheiten, die harmonisch und schlüssig, auf unterhaltsame und spannende Art miteinander verknüpft wurden. Das Porträt einer klugen Frau, die allen Intrigen und Widrigkeiten zum Trotz ihre Liebe zu einem der österreichischen Thronfolger auslebte. Dafür möchte ich vier von fünf Punkten vergeben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Originaltitel: The Probability of Miracles
    übersetzt von Karin Diemerling
    Goldmann Verlag
    ISBN-13: 9783442313235
    ISBN-10: 3442313236
    Belletristik
    Ausgabe 03/2013
    gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 352 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite (englisch)


    Es kommt selten vor, dass ich zwei Bücher nacheinander lese, die mich in etwa gleich berühren. Noch dazu zwei Debütromane. Doch nach Wo Milch und Honig fließen von Grace McCleen ließ mich auch Wendy Wunders Debütroman Flamingos im Schnee erst los, als ich die letzte Seite gelesen hatte. Und auch hier muss ich sagen, sie kam viel zu schnell. Wobei loslassen übertrieben ist. Dieser Roman ist eins der Bücher, die ich nicht so schnell vergesse.


    Wunders Roman ist eigentlich todtraurig. Wer nah am Wasser gebaut hat, sollte sich vorsichtshalber Taschentücher bereitlegen, obwohl die Autorin gänzlich auf Melodramatik verzichtet und ihre Figuren darüber hinaus trotz der ernsten Thematik nicht in völliger Verzweiflung versinken lässt. Ein Hauch Fantasy verhindert dies ebenfalls, ohne der Geschichte die Glaubwürdigkeit zu nehmen. Eine Geschichte, die im Grunde, abgesehen von dem einen oder anderen Detail, jedem von uns geschehen könnte.


    Im Fokus steht die im glitzernden Schaustellermillieu eines Vergnügungsparks aufgewachsene Campbell. Ihr Vater verstarb früh. Mit dem neuen Partner der Mutter kann sie nicht wirklich etwas anfangen. Aber das ist auch nebensächlich, denn tatsächlich deutet gleich zu Beginn des Romans alles darauf hin, dass das Mädchen den Kampf gegen den seit Jahren in ihrem Körper tobenden Krebs verloren hat. Mit dieser Diagnose will sich ihre Mutter nach wie vor nicht abfinden. Es gelingt ihr Cam zu überreden, an einen Ort zu fahren, der angeblich wahre Wunder und womöglich sogar eine Chance auf Heilung bringen kann. Obwohl Cam eigentlich längst aufgegeben hat, fahren sie und ihre jüngere Schwester gemeinsam mit der Mutter los.


    Einfühlsam und nachvollziehbar, unpathetisch und bildhaft beschreibt die Autorin die Gefühle, die sowohl die Krankheit als auch dieser letzte Versuch, sich der tückischen Krankheit entgegenzustellen, mit sich bringen.


    Die jahrelange Krankheit hat dafür gesorgt, dass Campbell keine wirkliche Jugend hatte. Sie wirkt gleichermaßen erwachsen wie pubertär. Das wird schnell klar, denn Wunder stößt ihre LeserInnen gleich mitten ins Geschehen. Bringt gleich anfangs eine Liste mit Dingen ins Spiel, die Cam und eine ebenfalls todkranke Freundin noch erleben wollen. Die Art und Weise, wie Wunder Cam und ihre Freundin beschreibt, gibt sehr treffend wieder, was ich bei betroffenen Patienten und auch selbst erlebt habe. Selbstironie und verzweifelter Sarkasmus, eine gewisse Kaltblütigkeit und der stete Versuch, sich selbst Hoffnung zu verbieten. Dies wird - im Buch, wie im realen Leben - von verzweifelten Angehörigen und Freunden unterlaufen, die genau diese Hoffnung immer wieder aufs Neue anregen wollen. Ebenfalls sehr stimmig ist die Stärke, die Cam ausstrahlt. Der Versuch andere vor der grausamen Wahrheit zu schützen. Oder das Bedürfnis schreien zu müssen, weil man in Watte gepackt wird. Und dann das blindwütige Um-sich-schlagen im übertragenen Sinn, weil Cam genau weiß, wie sie andere verbal oder durch bestimmte Handlungen verletzen kann. Weil niemand außer ihr das Offensichtliche sehen will. Der Versuch, keine Ängste und Schwächen zuzulassen, weil das den Schutzwall zu sprengen droht, den sie um sich aufgebaut hat und der sie aufrecht hält.


    Einerseits ist Cams Darstellung dadurch etwas distanziert, doch im Bezug auf die Krankheit so in sich stimmig, dass LeserInnen einfach mit ihr fühlen müssen. Genau wie mit ihrer Mutter, die versucht, den Spagat zwischen dem drohenden Verlust ihrer Tochter und dem Alltag zu bewältigen. Oder Cams kleiner Schwester, die stets zu kurz kommt, weil Cams Krankheit im Vordergrund steht.


    Doch dies sieht Cam genau genommen erst einige Zeit nach der Ankunft in Promise. Dort durchlebt nicht nur sie eine Wandlung. Plötzlich dreht sich nicht mehr alles nur um sie und ihre Krankheit. Andere Dinge rücken in den Vordergrund. Cam kann sogar den anfangs unmöglichsten Punkt auf ihrer Liste (ihre Entjungferung) abhaken und zwischen ihr und Asher, der in Promise lebt, bahnt sich eine zarte Beziehung an, obwohl Cam ihren teils verletzenden Sarkasmus nicht wirklich ablegt. Sie erlebt Dinge, die es sich zu erleben lohnt. Und während bei ihr ein Umdenken in Richtung Hoffnung einsetzt, vollzieht sich ein unmerklicher Umbruch im Fühlen ihrer Schwester und Mutter. Es werden Dinge ausgesprochen, die sie sich eingangs des Romans vermutlich nie gesagt hätten.


    Unerwarteterweise musste ich an mehreren Stellen laut lachen. Etwa als Cam ihrer Schwester ein Einhorn präsentieren will. Cams Sarkasmus hatte teilweise ebenfalls diesen Effekt, andererseits hätte ich das Mädchen stellenweise am liebsten geschüttelt.


    Fazit: 5ratten


    Wunder hat Realität mit märchenhaften Fantasy-Elementen gemischt. Das könnte kitschig und melodramatisch wirken, tut es aber nicht. Vielmehr geht es um eine Heilung der besonderen Art. Um Akzeptanz und Loslassen. Um inneren Frieden. Um Zusammenhalt und Perspektivwechsel. Um Hoffnung und Ehrlichkeit. Flamingos im Schnee ist ein berührendes Debüt, welches wie Wo Milch und Honig fließen die volle Punktzahl verdient. Ein lesens- und empfehlenswerter Roman für jüngere und ältere LeserInnen.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


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    Originaltitel The Land of Decoration
    übersetzt von Barbara Heller
    Deutsche Verlags-Anstalt
    ISBN-13: 9783421045461
    ISBN-10: 3421045461
    Belletristik
    Ausgabe 03/2013
    Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 384 Seiten


    Verlagsseite
    Autorenseite englisch


    Gestern Abend begann ich ein Buch und konnte es nicht mehr aus der Hand legen, bis ich (viel zu schnell) auf der letzten Seite ankam. Viel Schlaf bekam ich in der vergangenen Nacht also nicht. Zu verdanken habe ich dies dem Debütroman von Grace McCleen, in dem sie eine ebenso wundervolle wie erschreckende Geschichte erzählt.


    Die in Wales geborene Autorin lebt heute in London. Ihr Roman Wo Milch und Honig fließen erscheint in über 20 Ländern und wurde mit dem Desmond Eliot Prize ausgezeichnet. Mir hat er so gut gefallen, dass ich hoffe, dass der zweite in Arbeit befindliche Roman bald auf den Markt kommt. McCleen studierte Englische Literatur und bereits ein flüchtiger Blick auf ihre Homepage verrät ihre Vielseitigkeit. Neben dem Schreiben betätigt sie sich auch als Sängerin, Songwriterin und Malerin. Und wie Judith, ihre 10jährige Hauptfigur in Wo Milch und Honig fließen, fertigt sie kleine Figuren an.


    Die von Judith leben in einer Welt, die das Mädchen aus Dingen gefertigt hat, die für andere allenfalls Müll sind. Häuser aus Keksschachteln, Wolken aus Watte, das Meer besteht aus einem alten Spiegel. Das Mädchen hat viel Fantasie. Doch trotz dieser Fantasie ist Judiths Welt wenig freudvoll. Durch den Tod ihrer Mutter muss sie nicht nur auf diese verzichten, sondern lebt von klein auf mit dem Schuldgefühl, für eben diesen Tod verantwortlich zu sein. Ihr Vater, in seinem Schmerz gefangen, scheint sie nicht lieben zu können. Viel zu sehr ist er auch mit seinem Dienst für den Glauben verwachsen. Der drohende Weltuntergang lässt ihn zusammen mit Judith und anderen Glaubensgenossen von Haustür zu Haustür ziehen, in der Hoffnung so viele Menschen wie möglich zu retten.


    Bereits dabei hatte ich schwer zu schlucken, denn Judith lebt quasi von Geburt an in dem Glauben an das baldige Ende. Erschwerend hinzu kommt, dass ihre Lebensweise sie zur Außenseiterin (nicht nur) in der Schule macht. Permanent drangsaliert und zu häufig sich selbst überlassen, zieht sie sich so oft sie kann in das Land der Zierde zurück. Jene Welt, von ihr selbst erschaffen, in der sie die Kontrolle über alles hat und etwas bewirken kann. Doch bald scheint sie direkt mit Gott kommunizieren zu können und das, was sie in ihrem Land der Zierde erreicht, scheint überaus reale Auswirkungen zu haben.


    Gleichermaßen faszinierend wie beklemmend offenbart sich Stück für Stück die Welt, in der Judith und ihr Vater leben. Faszinierend im Bezug auf Judiths Gedankenwelt und ihre Kreativität. Beklemmend, weil nicht nur ihr Alltag erschreckend reale Vorkommnisse beinhaltet, die überall und allzeit gleich in unserer unmittelbaren Umgebung geschehen (können). Emotionen und Schutzmechanismen treten zutage, die nicht immer hilfreich, aber absolut nachvollziehbar sind. Beklemmend auch, weil von allen Erwachsenen, die Judith umgeben, einzig eine Lehrerin willens scheint genauer hinzusehen und zu helfen. Weil Judith aufgrund ihrer Geschichte gar nicht in der Lage ist, einfach auf kindliche Weise Hilfe anzunehmen.


    Judith offenbart sich als sehr tiefgründig, stellenweise auch humorvoll, dann wieder leicht ironisch, hilfsbereit und bescheiden, altklug und manchmal philosophisch. Ihre Gedanken sind einerseits sehr erwachsen, da ihr Tagesablauf ihr wenig Zeit lässt, Kind zu sein. Von einem fröhlichen Kind ganz zu schweigen. Andererseits hat McCleen einen sehr gelungenen Übergang zu Judiths naivem, kindlichen Blick geschaffen. Beispielsweise als sie beim Predigen an einer Tür klingeln und eine junge drogensüchtige Frau öffnet. Judith selbst bemerkt die Drogensucht an sich nicht. Aber durch ihre Augen bemerken sie McCleens LeserInnen sehr wohl. Etwa durch die Erwähnung von Blutspuren und Stichstellen zwischen den Zehen. Genauso gekonnt formuliert die Autorin die Repressalien, die Judith und ihr Vater bald tagtäglich erleben. Sie spricht sie an, ohne sie konkret zu erwähnen und doch kann man sich als LeserIn genau vorstellen, was in diesem Moment passiert. Ängste und Nöte spürt man ebenso deutlich wie Hilflosigkeit und Wut. Man leidet (nicht nur) mit Judith mit. Doch bei allem was sie erleben, hebt das junge Mädchen seinen Blick auch auf einfühlsame Weise. Bemerkt die eventuellen Hintergründe für bestimmte Verhaltensweisen anderer. Versucht Verständnis zu empfinden und Wutgedanken zu kontrollieren. In Wo Milch und Honig fließen ist Judiths Welt also nicht einfach nur schematisch schwarz-weiß gezeichnet, nicht willkürlich in gut und böse geteilt. Vielmehr wird sehr deutlich, dass eine Medaille immer zwei Seiten hat.


    Der Glauben spielt in diesem Buch eine große Rolle. Wer bis jetzt noch nicht viel über Jehovas Zeugen weiß, wird nach der Lektüre von McCleens Roman mit Sicherheit schlauer sein. Die Autorin baut Bibelzitate ein, die Argumentations-, Sicht- und Lebensweise dieser Glaubensgemeinschaft. Was anfangs fast zu viel wirkt, bildet jedoch eine wichtige und stimmige Grundlage für die eigentliche Geschichte.


    Die handelt von Mobbing und Psychoterror. Von Einsamkeit, Duldsamkeit und Hilflosigkeit. Von einem tiefgläubigen Menschen, der seinen Glauben zu verlieren droht. Von täglicher Gewalt und den Verlierern moderner Gesellschaften. Gleichzeitig hält man jedoch auch einen Roman in Händen, der leisen Humor, Ironie, Fantasie und Hoffnung enthält. Der eloquent aber niemals belehrend Dinge anspricht, die wie bereits erwähnt direkt um uns herum geschehen (können). Der von Mut handelt und davon, bestimmte Vorgänge nicht einfach so hinzunehmen. Von eigenständigem Denken und was die Kraft der Gedanken bewirken kann.


    Vollbringt tatsächlich Gott Wunder durch Judith? Oder kommen hier nur einige Zufälle zusammen und ihre Gespräche mit Gott entspringen einer Psyche, die unter dem Druck des Erlebten zusammenbricht? Die Interpretation bleibt McCleens LeserInnen letztlich selbst überlassen, denn das Ende der Geschichte hat sie genauso überraschend wie passend gestaltet.


    Fazit: 5ratten


    Wo Milch und Honig fließen - ungewöhnlich, aber empfehlenswert. Ein leicht lesbares, aber keineswegs einfaches Buch. Eine Geschichte, die berührt und überzeugt. Mit authentisch wirkenden Charakteren in einer vielleicht fremd wirkenden aber durchaus echt anmutenden Welt. Eine, die LeserInnen mitfiebern und -fühlen lässt. Eine, die nachdenklich macht. Von einer Autorin, die es versteht, vieles anzusprechen, ohne es explizit zu erwähnen. Ein sehr gelungenes Debüt, das die volle Punktezahl verdient.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Originaltitel: Beyond Fear
    übersetzt von Christiane Winkler
    blanvalet Taschenbuch Verlag
    ISBN-13: 9783442378661
    ISBN-10: 3442378664
    Thriller
    1. Auflage 04/2013
    Taschenbuch, 448 Seiten


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    Autorenseite englisch


    Die ehemalige Journalistin und Werbeberaterin Jaye Ford begann erst spät zu schreiben. Ihr Romandebüt - der Thriller Beyond Fear - avancierte 2011 zum meistverkauften Krimi-Debüt in Australien. 2012 wurde die Autorin dafür mit dem Davitt Award in den Kategorien Debut Novel und Readers Choice ausgezeichnet. Ford lebt mit Mann und zwei Kindern in Australien und widmet sich mittlerweile ganz dem Schreiben. Beyond Fear wurde zwischenzeitlich in mehreren Sprachen veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung liegt gerade vor mir. Und hat mir so gut gefallen, dass ich mich frage, wann die Übersetzung von Fords zweitem Roman Scared Yet?auf den Markt kommt.


    Die Beute spielt größtenteils in einem einsam gelegenen Ferienhaus. Angemietet für ein Wochenende von vier Freundinnen, die einmal jährlich gemeinsam ausspannen möchten. Doch bereits angesichts der Überschrift der Inhaltsangabe wird klar, dass das nicht so einfach gelingen kann. Immerhin heißt es da: Vier Frauen. Zwei Fremde. Kein Entkommen.


    Nach einem Beinaheunfall landen Jodie und ihre Freundinnen Hannah, Louise und Corinne später als erwartet an ihrem Zielort. Unfrieden und eine miese Stimmung drohen die Wochenendplanung zu zerstören. Corinne kann kaum laufen, da sie sich in den Knöchel verstaucht. Hannah nimmt Jodie übel, dass sie auf paranoide Art versucht, allen das Wochenende zu verderben. Denn Jodie fühlt sich nahezu von der ersten Minute an permanent beobachtet. Sie warnt immerzu, wird jedoch nicht ernst genommen. Letzteres liegt auch daran, dass Louise prompt ausplaudert, was sie ihr anvertraut. Dabei wollte sie es keinesfalls allen erzählen, was sie vor Jahren erleben musste. Die seelischen und körperlichen Narben davon zeichnen Jodie bis in die Gegenwart. Eigentlich glaubte sie Flashbacks und Panikattacken mit Therapie, Selbstverteidigungskursen und einer gesunden Portion Misstrauen im Griff zu haben. Doch so, wie ihre Freundinnen nach Louises Indiskretion an ihren momentanen Wahrnehmungen zweifeln, muss sich auch Jodie selbst fragen, ob sie nicht einfach hysterisch überreagiert.


    Parallel zum aktuellen Geschehen im Bezug auf die Frauen und den Erinnerungen an Jodies dramatische Vergangenheit lernen Fords LeserInnen gleich eingangs den Expolizisten Matt kennen, der den Wagen der Frauen abschleppt und schnell Interesse an Jodie bekundet. Auch seine Vergangenheit ist nicht perfekt und er leckt in seinem Heimatort seine psychischen Wunden, die auch durch die Erinnerung an einen ungelösten Fall wieder aufgerissen werden.


    Denn: Der Thriller von Jaye Ford wäre natürlich kein Thriller, wenn da nicht mehr hinter den Vorkommnissen stecken würde. Paranoia ist keine Paranoia mehr, wenn eine reale Gefahr besteht. Und Jodie, Louise, Corine und Hannah geraten in Lebensgefahr, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Die Inhaltsangabe verrät ja schon die beiden Fremden, die ihre eigenen Ziele verfolgen und neben anderen Dingen auch vor Mord nicht zurückschrecken.


    Ford lässt ihre LeserInnen recht schnell an der unheilvollen Entwicklung teilnehmen. Bereits auf der zweiten Seite geschieht der Beinaheunfall und danach geht alles Schlag auf Schlag, sodass die Charaktere nahezu nebenbei vorgestellt werden. Nachdem sowohl Jodie als auch Matt von Erinnerungen an ihre Vergangenheit eingeholt bzw. zusammen mit den anderen von den aktuellen Ereignissen überrollt werden, erfährt man in kleinen Atempausen auch Näheres über Jodies Freundinnen, über ihre verlorenen Träume, ihre Launen und Schwächen, aber auch über ihre Stärken und Wünsche. Auch Matts Angehörige oder die beiden Fremden werden kurzzeitig beleuchtet. Wobei Atempausen jetzt vielleicht etwas andeutet, was so nicht gegeben ist. Die Geschichte ist nicht wirklich atemberaubend. Sanft, aber konsequent gestrafft würde ich den Spannungsbogen eher bezeichnen. Dadurch wirkt auch die sich nebenbei allen anfänglich negativen Tendenzen zum Trotz zwischen Jodie und Matt überaus dezent anbahnende Romanze nicht unpassend.


    Die Autorin hat die Handlungsstränge um das an sich harmlose Vergnügungswochenende, die dramatischen Erinnerungen und die Verbrechen gut proportioniert. Überhaupt setzt sie nicht auf blutige Gewaltexzesse, wie man sie häufig in Romanen oder Filmen findet. Dennoch wirkt gerade dadurch bedrohlich, was bedrohlich wirken soll, und man fragt sich unwillkürlich, wie die Sache ausgehen wird.


    Die Charaktere - egal ob gut oder böse - handeln größtenteils nachvollziehbar und wirken echt. Sie sind keine Übermenschen, sondern kämpfen skrupellos oder verzweifelt ums Überleben oder sind dem Geschehen hilfslos ausgeliefert.


    Die eine oder andere Passage lässt einen als LeserIn den Kopf schütteln, angesichts der Begriffstutzigkeit der Frauen. Es gibt auch gewisse Vorhersehbarkeiten, die das Lesevergnügen aber nicht sonderlich schmälern. Das Ende ist allerdings etwas schön zu gezeichnet, was vermutlich eingefleischte Hardcore-Thriller-Fans wirklich stört. Ford bewahrt ihren handelnden Opfern Menschlichkeit und lässt sie Schuldgefühle angesichts der Auswirkungen ihres Tuns empfinden. Aber auch Verständnis und bereitwilliges Verzeihen für offenkundiges Versagen.


    Fazit: 4ratten


    Nach meinem Dafürhalten eher ein Roman für Frauen. Und auch nur für solche, die nicht ständig von einem neuen Verbrechen lesen wollen, das den Atem raubt und ängstlich die Fenster überprüfen lässt. Wer das aber nicht braucht, wird mit Die Beute kurzweilig und durchaus spannend unterhalten. Ein gelungenes Debüt, das Lust darauf macht, mehr von Jaye Ford zu lesen.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG
    ISBN-13: 9783799507431
    ISBN-10: 3799507434
    Sachbuch, Wellness
    02/2012
    Hardcover, 120 Seiten


    Verlagsseite


    Naturkosmetik kann man kaufen oder selbermachen. Anregungen und Bücher zu diesem Thema gibt es einige. Nicht alle darin vorgestellten Rezepte enthalten allerdings gänzlich natürliche Zutaten. Letzteres ist etwa in Cosima Bellersen-Quirinis Naturkosmetik einfach selbst gemacht so, wobei das nicht zwangsläufig heißt, dass das Buch oder die darin enthaltenen Rezeptvorschläge rundweg schlecht sind. Doch wer sich mit gänzlich natürlichen Produkten reinigen und pflegen möchte, ist mit Katharina Bodensteins Naturkosmetik aus meinem Garten besser bedient.


    Bodenstein verwendet Obst und Gemüse, Blüten, Blätter, Kräuter und Früchte aus Natur und Garten nicht nur dafür, ihren Gaumen zu verwöhnen. Sie zaubert daraus Kosmetik (fast) zum Nulltarif, wie sie eingangs in ihrem Vorwort ausführt. Wohlfühlkosmetik, aus allem, was essbar und gut verträglich ist,, bietet nicht nur Spaß beim Zusammenrühren, sondern auch beim Verwenden. Immerhin kann nicht nur die Maske aus Erdbeerpüree nebenbei auch gegessen werden.


    Bevor es an die teils leckeren, bunten und natürlichen Rezeptideen geht, geht die Autorin jeweils auf Hauttypen und Inhaltsstoffe der Pflanzen ein. Ebenso spricht sie Anwendungsmöglichkeiten wie etwa Masken und Körperöle an, erwähnt Basisrezepte und lässt auch Informationen zum Sammeln und Konservieren von Kräutern und Co. nicht außen vor. Alles Wesentliche wird kurz und knapp auf anschauliche Art erläutert.


    Bereits ab Seite 19 geht es dann ans Eingemachte oder viel mehr Frischgemachte. Bodenstein startet mit ihren 123 Rezeptideen für Haare, Haut, Gesicht und Körper. Haushaltsübliche Utensilien reichen beim Nachmachen vollkommen. Sieht man von Avocados ab, die hierzulande zwar überall gut erhältlich sind aber allenfalls unter besonderen Bedingungen wachsen, konzentriert sich Bodenstein auf Ingredienzen, die man regional problemlos je nach Jahreszeit frisch aus Natur und Garten ernten oder kaufen kann. Vieles erhält man auch in getrockneter Form.


    Die daraus resultierenden Rezepte sind nach den vier Jahreszeiten geordnet. Praktisch finde ich in diesem Zusammenhang die Farbbalken an der Bindungsseite des Buches. Diese sind der Schriftfarbe im Inhaltsverzeichnis (ein Grünton für den Frühling, Rot für den Sommer, Orange für den Herbst und ein Lilaton für den Winter) angepasst und erleichtern das Nachschlagen. Neben den Rezepten selbst finden sich in diesem Buchteil auch Kurzbeschreibungen der verwendeten Pflanzen. Zahlreiche Farbfotos von Jutta Schneider lockern alles auf.


    Ebenfalls sehr praktisch finde ich das ab Seite 115 folgende Verzeichnis der Anwendungen und Wirkungen. Auch hier ist der Grundbestandteil des Rezepts in der Farbe gedruckt, die die jahreszeitliche Zuordnung und das Nachschlagen im Buch erleichtert. Ein paar Bezugsquellen runden das Ganze ab.


    Wer jetzt denkt, dass mit der Eigenproduktion ein immenser Zeitaufwand verbunden ist, wird schnell eines besseren belehrt. Deshalb macht es auch nichts aus, dass die fertig angerührten Mischungen schnell aufgebraucht werden sollten. Die Rezepte sind samt und sonders leicht und vor allem sehr schnell nachzuarbeiten und bieten Inspirationen für eigene Variationen.


    Pflegen, Verschönern und Verwöhnen - keine Erfindungen der Neuzeit, auch wenn in den letzten Jahrzehnten eine unüberschaubare Masse an kosmetischen Produkten auf den Markt geworfen wurde. Zutatenlisten lesen sich allerdings oft wie ein Chemiebaukasten und nicht von ungefähr reagieren viele empfindlich bis allergisch auf eine zunehmende Anzahl an diesen Erzeugnissen.


    Zugegeben: Auch auf Naturkosmetik kann man reagieren. Schließlich plagen immer mehr Menschen Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu ausgewachsenen Lebensmittelallergien. Da jedoch Bodensteins Zutatenlisten in den wenigsten Fällen drei Zutaten übersteigen, kann man eventuelle Auslöser in Rezepten sehr schnell ausfindig machen, sofern man sie nicht sowieso bereits kennt und dementsprechend sowieso die Finger davon lassen sollte. Letzteres fällt aber sehr leicht, da sie sich nicht hinter unverständlichen chemischen Bezeichnungen verstecken.


    An dieser Stelle möchte ich der Autorin noch gleich ein Danke schicken. Ihre Lorbeerblatt-Spülung sorgt seit einigen Tagen für einen zarten roten Schimmer auf meinem Haar, der nicht nur bei mir ausnehmend gut ankommt. Und auch Bodensteins Anleitungen der Apfel-Sahne- und Hefemaske hat meiner kürzlich zu extremer Trockenheit neigenden Haut auf die Sprünge geholfen.

    Fazit: 5eulen


    Für alle, die Wert auf das Wissen legen, womit sie sich reinigen und pflegen. Bodensteins Naturkosmetik aus meinem Garten belebt altes Wissen neu und bietet so eine wunderbare Möglichkeit auch bei Kosmetik und Wellness nicht auf Nachhaltigkeit zu verzichten. Denn allein schon das Einsparen von unnötigen Verpackungen spricht unabhängig vom völligen Verzicht auf chemische Zusätze und künstliche Konservierungsmittel für sich. Ein Buch, das die volle Punktzahl verdient und auch von mir bekommt.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Threadtitel-Icon entfernt und Titel angepasst. LG, Valentine

    Der Roman ist nicht ganz so lustig-leicht, wie ich angesichts des Titels, der Covergestaltung oder der Inhaltsangabe vermutete. Er handelt von einer Frau, die ausbricht, um sich selbst zu finden. Die Wahrheiten ins Auge blickt, die sie bisher tunlichst übersehen hat. Aderhold erzählt die Geschichte von Valerie, deren festgefahren scheinendes Leben nach einer Typberatung eine ungeahnte Wendung nimmt. Obwohl sie danach à la Julia Roberts ihr Umfeld verzaubert, nimmt zuhause niemand angemessen Notiz von ihrem veränderten Äußeren. Aus einer Laune heraus fährt Valerie am nächsten Morgen nicht wie gewohnt zur Arbeit. Stattdessen überrascht sie sich selbst damit, in den Zug nach Toulouse zu steigen. Der ist der Haupthandlungsort des Romangeschehens.


    Ihre Mitreisenden bestehen aus zwei Paaren und einer älteren Frau. Der Autor wechselt immer wieder die Perspektive und lässt seine LeserInnen mal aus der Sicht der einen oder des anderen einen Blick auf das Geschehen werfen. Valerie fühlt sich begehrenswert, zumal sie nach einem Artikel, der anlässlich ihrer Typberatung in einer Frauenzeitschrift erscheint, von Wildfremden angesprochen wird. Nicht nur die beiden Männer im Abteil flirten mit ihr. Deren Frauen sind davon weniger begeistert. Die alte Frau wiederum ist auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, während ein Kontrolleur in seinem Beruf aufgeht und gleichzeitig ein verhinderter Revoluzzer ist. Es gibt noch weitere Figuren, die mehr oder weniger große Rollen spielen.


    Während Aderhold von Liebe und Lebenskrisen schreibt, bedient er sich diverser Klischees, die er teils zu sehr aufplustert. Dabei lässt er Männer und Frauen (gedanklich und verbal) aufeinander losgehen. An und für sich normal wirkende Lebensfassaden beginnen zu bröckeln. Zarte neue (Liebes-)Hoffnungen keimen, Fragen und Zweifel machen deutlich, dass (nicht nur) Valerie am jahrelangen Ausharren bisheriger Situationen und Beziehungen zu ersticken droht. Die Reisenden lachen zusammen, weinen, betrügen und belügen sich und andere, träumen und erwachen, sammeln spontan für einen Schwarzfahrer, feiern miteinander. Die Charaktere sind leicht neurotisch, teils extravagant, bizarr. Mehr oder weniger liebenswert wirken sie nicht konsequent real, aber auch nicht vollkommen unecht. Was ich sehr schön finde, ist die Zugreise als Symbol für Veränderungen, die im Leben aller in einem steten Fluss stattfinden. Für Begegnungen mit Neuem und Abschied von Altem.


    Trotz der an sich guten Grundidee konnte mich das Buch nicht richtig fesseln. In typisch französischer Manier beschreibt der Autor viele Details und schafft es dennoch, recht oberflächlich zu bleiben. Er springt bei seinem Geschehen zwischen den Charakteren hin und her, und erschwerte es mir so, mich mit diesen anzufreunden. Was mich persönlich jedoch am meisten störte, war, dass Aderholds Figuren zwar genau beobachten und alles zu ergründen suchen, trotz einiger Aktionen aber nicht so richtig handeln. Dass lebendige Dialoge fehlen und die wenigen Gesprächsansätze durch indirekte Reden förmlich erschlagen werden, tut ein Übriges. Obwohl Aderhold einen typischen französischen Schreibstil pflegt, fehlt seiner Schreibe in diesem Roman die lebendige Leichtigkeit, die ich mit anderen französischen Autoren in Verbindung bringe. Der Roman plätschert unaufgeregt vor sich hin und zieht sich trotz der kurz gehaltenen Kapitel stellenweise.


    Fazit: 2ratten :marypipeshalbeprivatmaus:


    Keine ganz alltägliche Geschichte. Dafür eine, die LeserInnen Durchhaltevermögen abverlangt, weder vollkommen oberflächlich noch hochgeistig ist. Kein Buch, das man nebenbei lesen sollte, da dadurch eventuell Passagen entgehen, die daran erinnern, dass man selbst allzu häufig über bestimmte Dinge hinwegsieht.


    2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Renate Götz Verlag
    ISBN-13: 9783902625137
    ISBN-10: 3902625139
    Erfahrungen
    Ausgabe 05/2010
    Taschenbuch, 228 Seiten


    Verlagsseite


    Die alleinerziehende Lehrerin Brissa Wudy ist nach einem Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen. In ihrem Buch Schiffbruch erzählt sie von diesem lebensumwälzenden Geschehen.


    Was mich gleich eingangs sehr berührt hat, ist eine Form der Demut, die man eher selten erlebt. Wudy bedankt sich für all das Gute, das ihr seither widerfahren ist. Für Dinge, von denen sie weiß, dass sie nicht selbstverständlich sind. Dies und der Untertitel … und das Leben ist doch vollkommen deuten bereits das an, was sich im Buch noch genauer herauskristallisiert: Brissa Wudy hat sich von den Folgen ihres Unfalles nicht unterkriegen lassen. Das heißt nicht, dass sie nicht mental zu Boden gegangen ist. Auch wenn sie es nicht explizit schreibt, spürt man es mehrfach zwischen den Zeilen. Doch sie hat sich jedes Mal wieder aufgerichtet.


    Da sie in ihrem Buch überwiegend auf die Zeit nach dem Unfall eingeht, kann man sich nur ausmalen, wie stark ihre Persönlichkeit, wie groß ihre Lebenslust oder wie ausgeprägt ihr soziales Engagement zuvor gewesen sein muss. Und in diesem Bereich hat sie keine Lähmung erfahren. Allerdings musste sie ihre Grenzen neu kennenlernen und definieren.


    Schiffbruch … und das Leben ist doch vollkommen liest sich sehr flüssig, obwohl das Geschriebene nicht immer leicht und auch nicht konsequent linear aufgebaut ist. Die Autorin erzählt zum einen die fiktive Geschichte einer Gruppe Gestrandeter. Die pflegt auf einer einsamen Insel nicht nur ihre Wunden, sondern hält ebenso nach dem Leben außerhalb der Insel Ausschau, wie sie versucht, Gegebenes zu akzeptieren. Dabei wechselt Wudy die Perspektiven, lässt ihre LeserInnen immer wieder aus der Sicht eines anderen Schiffbrüchigen an den Ereignissen dort teilnehmen. Das Bild der einsamen Insel, die Machtlosigkeit der Gestrandeten nach dem Schiffbruch, ihre Sorgen, Nöte und Ängste aber auch ihre zarten Hoffnungen korrespondieren synonym mit dem, was Wudy zum anderen über sich selbst schreibt.


    Wer eine autobiografische Erzählung über die erlittenen Verletzungen und die daraus resultierenden Behandlungen und expliziten Spätfolgen, erwartet, wird sehr schnell mit etwas anderem überrascht. Mit Wudys deutlich spürbarer spiritueller Einstellung etwa oder ihren philosophischen Betrachtungen verschiedener Dinge. Genauere Schilderungen über die Folgen ihrer Lähmung im täglichen Leben gehen darüber fast unter. Eher beiläufig erfährt man, wie sie nach einem Umzug in eine eigentlich barrierefreie Wohnung vom zuständigen Architekten hören muss, dass sie doch bloß aufstehen und wenige Schritte gehen muss, um in die überhaupt nicht barrierefreie Dusche zu gelangen. Nur ganz zaghaft blitzen solche Erlebnisse auf und werden sofort von etwas anderem übertüncht.


    Verdrängung? Dieser Verdacht drängt sich durchaus auf. Manches im Buch kam mir zu distanziert vor. Fast, als ob Wudy sich selbst keinen genaueren Blick auf bestimmte Gedanken gestatten würde. Doch wesentlich öfter offenbart sich die Stärke einer Frau, die gelernt hat, sich in Krisenzeiten einem Schilfrohr im Sturm gleich bis zum Boden zu neigen und dann wieder aufzurichten. Allenfalls geknickt, aber nicht gebrochen. Die ihre Lebensfreude trotz allem nicht verliert, weil neben ihr auch ihre Freunde und Verwandten sie weiterhin als Frau und Mutter und nicht nur als Behinderte sehen. Genauso bezeichnend wie berührend fand ich in diesem Zusammenhang, dass sie dank und mit einer Freundin zu einer Bauchtanzgruppe stieß und ihre Freude am Tanzen wiederfand.


    Wudy beschränkt sich in ihrem Buch aber nicht nur auf das Schildern ihrer Erlebnisse bzw. ihrer Reaktionen und Gefühle darauf. Sie macht sich auch Gedanken um andere. Versucht sich in diese im Bezug auf ihre eigene körperliche Einschränkung hineinzufühlen. Erklärungen für bestimmte Verhaltensweisen zu finden, ohne diese zu verurteilen. Gleichzeitig sieht sie immer noch andere Männer und Frauen, denen es offensichtlich deutlich schlechter geht als ihr selbst. Auch an den sich daraus ergebenden Gedanken lässt die Autorin ihre LeserInnen teilhaben.


    Fazit:


    Man merkt dem Buch an, dass es geschrieben werden musste. Zur Bewältigung des Erlebten. Dennoch entstand auch ein Buch über den Wert einer positiven Lebenseinstellung. Eines, das den eigenen Blick auf das persönliche Umfeld verändern kann. Ein Buch, das zeigt, dass ein Schiffbruch im Leben nicht das Ende sein muss. Und dass neue (Lebens-)Wege, so unbekannt und erschreckend sie auch erscheinen mögen, immer noch Wege sind, die es sich zu beschreiten lohnt. Ein Buch, das sich nicht wirklich werten lässt, von einer Autorin, der ich an dieser Stelle und von ganzem Herzen weiterhin so viel Kraft und Lebensfreude wünsche.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)

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    Eugen Ulmer Verlag
    ISBN-13: 9783800176809
    ISBN-10: 3800176807
    Sachbuch
    Ausgabe 06/2011
    Hardcover, 224 Seiten


    Verlagsseite


    Es liegt schon Jahrzehnte zurück, doch ich kann mich noch genau an meine ungläubige Überraschung erinnern, als ich zum ersten Mal bei einer Schulfreundin übernachten durfte und am nächsten Morgen mit ihr zum Frühstücken in die Küche ging. Auf einem Regal drängelten sich zahlreiche Gewürzmischungen aus den Häusern Maggi und Knorr und dazu gesellten sich in einem Plastikbehälter fast noch mehr Beutel mit Hackbratenfix und Konsorten. Ich war platt, denn so etwas war ich von daheim nicht gewohnt. Wir würzten auch, allerdings mit Sologewürzen bzw. selbst zusammengestellten Mischungen und vor allem mit frischen, getrockneten oder gefrosteten Kräutern - je nach Jahreszeit. Das ist bis heute so geblieben. Doch während vor ein paar Jahren lediglich der Geschmack besagter Kräuter und Gewürze für mich wichtig war, hat sich schon seit geraumer Zeit das Interesse entwickelt, zu wissen, welche Inhaltsstoffe ich damit zu mir nehme, womit ich sie am besten kombinieren kann, und Ähnliches. Obwohl ich mittlerweile einige Seminare dazu besuchte und auch einige Bücher über dieses Thema habe, konnte ich nicht widerstehen, als ich beim Eugen Ulmer Verlag Leben und Genießen mit Kräutern und Gewürzen entdeckte. Der Titel las sich einfach überaus vielversprechend für mich.


    Als ich es kurze Zeit später in Händen hielt, stellte sich sehr schnell heraus, dass es eins der Bücher ist, die mich zwiespältig zurücklassen. Die 222 Seiten enthalten Rezepte, die zum Nachmachen anregen, warten mit Kräuter-, Gewürz- und Teekunde auf und enthalten nebenbei noch Erzählungen. Zahlreiche Fotos runden das Ganze ab. Eigentlich etwas, das mir grundsätzlich zusagt.


    Johannes Gutmann ist der Gründer und Betreiber der österreichischen Sonnentor GmbH. Die Firma ist mir nicht ganz unbekannt, da eine Bekannte regelmäßig dort bestellt und von der Qualität der Produkte begeistert ist und ich selbst auch schon in Naturkostläden darauf gestoßen bin. Sonnentor hat sich auf Bio-Kräuter- und Gewürzhandel spezialisiert. Damit weiß Gutmann natürlich rein thematisch betrachtet, wovon er erzählt (geschrieben wurde das Buch von Christine Haiden und Nina Roth).


    Doch beim ersten Durchblättern fiel mir bereits die in meinen Augen unvorteilhafte Gewichtung der einzelnen Inhalte auf. So lässt sich Gutmann allein schon bis Seite 65 über seine eigene Vergangenheit und seinen beruflichen Werdegang einschließlich der Sonnentor-Geschichte aus. Das ist gar nicht mal langweilig, sondern liest sich sehr flüssig und dank der gewählten Schriftgröße auch recht schnell.


    Dennoch war ich froh, als ich den Buchbereich erreichte, der sich zunächst kurz der Kräuter- und Gewürzkunde widmet - hier ist die Schriftgröße schon deutlich kleiner, bleibt aber gut lesbar. Neben allgemeinen Informationen werden Teekräuter, Würzkräuter und Gewürze einzeln vorgestellt. Dieser Teil gefiel mir am besten. Die Vorstellungen enthalten etwas über Herkunft, Geschmack und Geruch, womit das Kraut oder Gewürz harmoniert und wie es wirkt. Im Aufbau ähnelt diese Vorstellung dann durchaus anderen Kräuter- und Gewürzbüchern. Doch wer sich als Neuling an die Thematik herantasten oder Nachschlagen möchte, ist damit gut bedient, obwohl das an sich fundierte Basiswissen durchaus Ausbaupotenzial besitzt.


    Die Vorstellungen von Teemischungen, Gewürz- und Gewürzblütenmischungen mindern den gerade erworbenen Pluspunkt jedoch schon wieder etwas. Das die Firma hier keine Betriebsinterna preisgibt ist verständlich. Allerdings bringt es mir als Leser wenig, nur zu lesen, was im Groben in den Mischungen enthalten ist. So etwas könnte ich grundsätzlich für weniger Geld im Internet oder einem Produktkatalog erfahren.


    Zwei Seiten mit Volksmundtipps zu Kräutern findet man auch. In der werden verschiedene Kräuter von Apfelminze bis Zitronenverbene angesprochen. Gleich eingangs fiel mir hier etwas auf, das ich nicht unerwähnt lassen möchte. Bei Apfelminze etwa findet man explizit den Hinweis, dass man sie während einer homöopathischen Behandlung einsetzen kann, da sie u. a. kein Menthol enthält. Doch Menthol ist sehr wohl Bestandteil der Apfelminze; nicht so ausgeprägt wie bei der Pfefferminze, doch eben grundsätzlich vorhanden. Die auf den beiden Seiten aufgeführten Kräuter wurden darüber hinaus bereits bei den ausführlicheren Einzelporträts vorgestellt, sodass ich nicht ganz nachvollziehen kann, warum an dieser Stelle nochmals darauf eingegangen wird.


    Auch die ab Seite 190 folgenden Rezepte sind grundsätzlich interessant. Doch: Man benötigt dafür Produkte der Firma Sonnentor. Und das nicht nur zum Würzen, wenn ich mir das Rezept der Waldviertler Steinpilzsuppe so ansehe. Wenn ich nach einem Rezept koche, möchte ich nicht eine bereits fertige Steinpilz-Dinkelcremesuppe verfeinern. Ebenso geht es bei der Schaumsuppe mit Muskatkürbis. Auch hier ist die Bio-Bengelchen Bunte Dinkelcremesuppe als Zutat genannt. So ein Rezept mag auf einer Tütensuppe hinten aufgedruckt ganz nett sein, in einem Rezeptbuch finde ich das weniger ansprechend. Zwar halten sich solche Rezeptideen in engen Grenzen, doch sind sie grundsätzlich vorhanden. Alternativen hierzu oder zu den ebenfalls aufgeführten Gewürzmischungen werden hierbei nicht genannt. Wen das nicht stört, der findet Sonnentorprodukte auch außerhalb von Österreich (in Schleswig-Holstein bekomme ich sie problemlos) oder auch via Internet. Und wer nicht so wie ich eine reine Rezeptköchin ist, kann natürlich grundsätzlich auch mit seinen eigenen Gewürz(mischung)en alles ausprobieren.


    Nach Anregungen für Getränke geht es über Suppen und kleinen Vorspeisen bzw. Salaten weiter zu den Hauptgerichten bis hin zu süßen Verführungen. Sowohl Fleisch- und Fischesser als auch Vegetarier finden darin Rezeptideen zum Nachmachen. Exotisches findet neben bodenständigem Platz. Positiv dabei ist, dass diese Rezepte sich leicht nachkochen lassen. Auch Anfänger dürften dank der guten Beschreibung keine Probleme damit haben. Irgendwo habe ich gelesen, dass Übersetzungen für österreichische Zutaten praktisch wären. Die sind allerdings tatsächlich teilweise vorhanden und bei den ein, zwei anderen Gelegenheiten kann man sich gut denken, worum es geht.


    Fazit: 2ratten


    Insgesamt betrachtet finde ich das Buch nicht schlecht. Allerdings konzentriert es sich sehr auf die Sonnentorgeschichte und Sonnentorprodukte. Letzteres finde ich sehr schade, da das Buch so eher als Werbung für Gutmanns Firma zu sehen und damit preislich eindeutig zu hoch angesetzt ist. Sonnentorprodukte sind gut, ein bisschen weniger Sonnentor hätte dem Buch jedoch eindeutig gut getan.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine

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    Eugen Ulmer Verlag
    ISBN-13: 9783800175772
    ISBN-10: 3800175770
    Sachbuch
    2. Auflage 01/2012
    Broschiert, 64 Seiten


    Verlagsseite http://www.ulmer.de
    Autorenseite http://www.ursel-buehring.de


    Als Kind habe ich mit Begeisterung die Blüten von Klee und Taubnesseln ausgesaugt und mit meinen Geschwistern Hollerküchlein um die Wetter verschlungen. Allerdings wäre ich damals noch nicht auf Gedanken gekommen, Gänseblümchen zu essen. Das mache ich heute zugegebenermaßen auch noch nicht und auch Gundermannkonfekt kann ich beim besten Willen nichts abgewinnen. Doch die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und Natur und Garten bieten ja eine überraschende Vielfalt an blühenden Leckerbissen, die es auszuprobieren und in der Küche zu nutzen lohnt.


    Bis ich draußen wieder regelmäßig ernten kann, dauert es allerdings noch eine Weile, weshalb ich mir die natürlichen Köstlichkeiten erst mal in Form eines Buches vor Augen führe. Vor mir liegt gerade Blütenküche - farbenfroh, dekorativ, lecker von Ursel Bühring. Die Heilpraktikerin, Krankenschwester und Naturpädagogin verfasst u. a. Artikel über Heilpflanzen für Fachzeitschriften und Fachbücher. Sie weiß aus langjähriger Erfahrung, worüber sie schreibt, wenn sie u. a. altes Wissen neu belebt und erhält.


    Farbenfroh ist das Buch der Smart-Reihe des Ulmer-Verlags gestaltet. Dafür sorgen bereits die 54 ansprechenden Fotos. Die Smart-Reihe befasst sich mit Themen wie Haustieren, Küchenrezepten oder Garten. Die Bücher sind genauso kompakt wie informativ gehalten. Und trotz der geringen Seitenzahl prall gefüllt, da es bereits auf der Innenseite des Covers losgeht und auch die hintere Innenseite des Bucheinbandes genutzt wird. Blütenküche - farbenfroh, dekorativ, lecker eignet sich sowohl als kleines Mitbringsel als auch für den Eigenbedarf und richtet sich - so die Autorin - an Naturfreunde, Hobbygärtner und Genießer.


    Nachdem Bühring zunächst allgemein auf die Blütenküche eingeht, informiert sie im Anschluss daran über das Sammeln, Haltbarmachen und Zubereiten der Pflanzen. Über 60 Rezepte finden sich in ihrem Buch. Diese befassen sich mit kultivierten Pflanzen wie Rosmarin oder Ringelblume, um nur zwei zu nennen. Doch auch Wildpflanzen bleiben nicht unerwähnt. Hinzu kommen 14 Pflanzenporträts. Auf je einer Seite geht die Autorin auf die Herkunft des Namens, den Standort, das Aussehen, Sammeltipps (oder Sammelverbote etwa wegen Naturschutz) und die Wirkung ein. Auch historische und/oder Volksmund-Überlieferungen sind im Buch nachzulesen.


    Die Rezepte sind gut und einfach aufgebaut, weshalb sie leicht nachgearbeitet werden können. Die Beschaffung der Zutaten wird, je nachdem wo man wohnt, zugegebenermaßen schon etwas schwieriger. So gedeihen in unserem Garten bedauerlicherweise keine Schlüsselblumen. Doch grundsätzlich wird, wer Zugriff auf einen Garten, Balkonpflanzen oder auch die freie Natur hat, mit Sicherheit mit mehreren Pflanzen schnell fündig. Und dann kann man loslegen mit Leckereien wie Safranrosenbutter (in die aber weder eine Rose noch Safran kommt) oder Huflattich-Zabaione, Blumenquark oder Veilchencreme und Co. Oder einfach seinen Salat mit Blüten sowohl geschmacklich als auch dekorativ bereichern.


    Fazit: 5ratten


    Schade, dass ich nicht zaubern kann. Sonst würde ich mir jetzt den Schnee weg- und Blütenpracht herzaubern. Die Fotos im Buch haben genauso Appetit gemacht, wie die Rezepte an sich. Das Buch ist eine gelungene Mischung aus Information und Inspiration. Ein Buch, das Neulinge neugierig macht und denjenigen, die schon Erfahrungen mit der Verwendung von Blüten und Wildkräutern haben, sicherlich noch die eine oder andere Anregung bietet. Die Gestaltung des Büchleins tut ein übrigens, weshalb ich Blütenküche - farbenfroh, dekorativ, lecker die volle Punktzahl geben möchte.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine

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    Eugen Ulmer Verlag
    ISBN-13: 9783800177455
    ISBN-10: 3800177455
    Sachbuch Haus und Garten
    Ausgabe 08/2012
    Hardcover mit Schutzumschlag, 160 Seiten


    Verlagsseite http://www.ulmer.de


    Gerade heult der Wind kalt ums Haus und nicht zum ersten Mal vertiefe ich mich in Natürlich Heike - So lebe ich mein Gartenjahr, das seit einigen Tagen mir gehört. Fotos und Texte sind perfekt geeignet, mich von den Schneeflocken vor dem Fenster abzulenken. Allerdings verstärken sie die ohnehin schon vorhandene Sehnsucht nach dem Frühling enorm. Ganz so leidenschaftlich wie Heike Boomgaarden beschäftige ich mich zugegebenermaßen nicht mit dem Garten, obwohl ich ganz gerne in der Erde wühle und mich über jeglichen Ertrag daraus freue. Fast genauso viel Zeit widme ich der Bepflanzung meines Balkons und am meisten genieße ich es, wenn ich zwischen den duftenden Kräutern sitzen und die Sonne genießen kann.


    Doch zurück zum vor mir liegenden Buch, das von Heike Oftring herausgegeben und vom Eugen Ulmer Verlag verlegt wurde. Man lernt bekanntlich nie aus. Bereits bei ersten Durchblättern entdeckte ich einiges, was ich so noch nicht wusste. Außerdem stellte ich fest, dass das Buch anders ist, als ich ursprünglich dachte. Es geht nicht nur ums (natürliche) gärtnern (draußen). Es ist kein Sach-/Fach im herkömmlichen Sinn. Vielmehr halte ich eine gelungene Mischung aus Ratgeber und Nachschlagewerk in Händen, die mit Anregungen nicht hinter den Berg hält und auch Rezeptideen nicht außen vor lässt. Diese gibt es sowohl für die Schönheit wie auch für die Küche. Auch Zimmerpflanzen und Dekorationen werden angesprochen, was ich so zunächst ebenfalls nicht grundsätzlich erwartete.


    Obwohl die Tipps natürlich nicht geschlechtsspezifisch sind, glaube ich grundsätzlich, dass es eher ein Buch für Frauen ist, hat es doch gleichzeitig zu allem vorher genannten auch einen Lesebuchcharakter. Boomgaarden, die etlichen Lesern aus dem Fernsehen bekannt sein dürfte (was sie über ihr Lachen schreibt, stimmt), zeigt, dass Fachwissen nicht zwingend trocken sein muss. Die Gartenbau-Ingenieurin schöpft auf unterhaltsam-amüsante und leicht nachvollziehbare Art aus einem über Jahre gesammelten Erfahrungsschatz und vermittelt diesen nahezu spielerisch.


    Auch bezüglich der Buchgestaltung wurde ich von Natürlich Heike - So lebe ich mein Gartenjahr nicht enttäuscht. Zahlreiche Fotos, die sehr natürlich und in keinem Fall gestellt wirken, farbige Überschriften, die je nach Quartal wechseln, Tipps, die die regulären Texte auflockern, kleine handschriftlich wirkende Vermerke, kleinere Fotos glänzend und leicht erhaben auf dem an sich matt gestalteten Umschlag gedruckt. Alles liebevolle Details, die das Geschriebene zusätzlich optisch aufwerten.
    Ein Garten fordert das ganze Jahr Aufmerksamkeit. Mal ist es mehr, mal weniger, doch es gibt immer was zu tun. Was das ist, erläutert die Autorin auf leichte Art. Sie folgt dabei den Jahreszeiten bzw. teilt das Jahr in Quartale. Natürlich lässt ein Blick auf die Seitenzahl und die im Inhaltsverzeichnis gelisteten Punkte den Verdacht aufkommen, dass manches genauer hätte beschrieben werden können. Doch richtiggehend oberflächlich gestalten sich Boomgaardens Ausführungen nicht. Es gibt viel Wissenswertes, das gut vermittelt wird.


    Dazwischen erfährt man immer wieder Dinge aus Heikes Welt. Etwa etwas, das sie auf ihren Spaziergängen mit ihrem Hund erlebt. Sehr schnell wird deutlich, dass der Untertitel So lebe ich mein Gartenjahr stimmt. Denn Boomgaarden bezieht die Erlebnisse und Erträge aus ihrem Garten und der Natur in ihr Leben mit ein, sei es in Blumendekorationen oder in selbst gemachte Kosmetik, in die Vorratshaltung von Lebensmitteln oder im Hinblick auf Entspannung. Es ist ein sehr lebendiges und persönlich wirkendes Buch, in dem sich die Autorin genau wie in ihrer Tätigkeit als Radio- und TV-Garten-Expertin offen und kreativ präsentiert.


    Fazit: 5ratten


    Kein ganz typisches Gartenbuch also, mit dem die Autorin bereits sowohl Lob als auch Tadel einsteckte. Dem einen ist es zu oberflächlich, dem anderen zu persönlich und wieder anderen - wie mir - gerade recht. Die darin gefundenen Tipps und Tricks werde ich jedenfalls sukzessive umzusetzen und mir Monat für Monat Inspirationen daraus holen. Bis es so weit ist (noch bremst mich der Schnee aus), genieße ich das Buch. Immer wieder, mit einem kleinen Blick hinein. Für viele vielleicht kein perfektes Gartenbuch, aber für mich eindeutig eines, das auf gelungene Art vermittelt, wie man seinem Garten und sich selbst Gutes tun und es genießen kann. Dafür möchte ich fünf von fünf Punkten vergeben.

    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine

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    Originaltitel: Moelleux et Coeurs coulants
    übersetzt von Christina Frauendorf-Mössel
    Jan Thorbecke Verlag der Schwabenverlag AG
    ISBN-13: 9783799502313
    ISBN-10: 3799502319
    Sachbuch, Backen
    1. Auflage 02/2013
    Hardcover, 64 Seiten


    Verlagsseite http://www.thorbeck.de


    Mancher schmolz und schmilzt bei Hello darkness, my old friend oder Sounds of silence dahin. Immerhin war Paul Simon laut eines Artikel der Süddeutschen Zeitung anlässlich seines 70. einer der erfolgreichsten Liedermacher der 1960er und ein Meister frisch-optimistischer Melodien, mit denen der der Weltmusik zu einer völlig neuen Popularität verhalf. Doch STOP. Mit dem Musiker hat der Verfasser von Moelleux et Coeurs coulants soweit ich weiß gar nichts zu tun, außer eben, dass er einen mit den Ergebnissen der darin enthaltenen Rezepte dahinschmelzen lassen kann. Dieser Paul Simon leitete jahrelang ein Restaurant und verfasst heute Koch- und Backbücher. Die im Februar 2013 vom Jan Thorbecke Verlag herausgegebene Übersetzung von Moelleux et Coeurs coulants liegt gerade vor mir. Dank der gebundenen Ausführung merkt man ihr den exzessiven Gebrauch der letzten Tage nicht an.


    Seit einiger Zeit erfreuen sich die süßen Versuchungen aus Frankreich, die man dort unter verschiedenen Namen kennt (Moelleux, Coullants, Fondants, Mi-Cuits) auch hierzulande immer größerer Beliebtheit - ich sage nur warmen Schokoküchlein oder auch Schoko-Malheurs. Doch es gibt noch viel mehr Variationen. Ich selbst bin über einen Bekannten aus den Staaten auf den Lavakuchen gekommen und war sofort hin und weg.


    Doch zurück zum Buch Zum dahinschmelzen - Kleine Kuchen mit flüssigem Kern. Die mit einem Ausrufezeichen versehene Warnung (Vorsicht, schwierig zu berechnende Backzeiten) gleich eingangs des Buches ist zwar eindeutig richtig und wichtig, wirkt aber eventuell auf Küchenneulinge etwas abschreckend. Doch wenn man den ebenfalls dort platzierten Hinweis beachtet, die Backzeit genau zu überwachen, steht dem Genuss eigentlich nichts mehr im Wege.


    Die Anleitungen sind jedenfalls einfach nachvollziehbar gestaltet, Zutaten leicht zu besorgen (sofern man sie denn nicht sogar schon im Haus hat), der Zeitaufwand ist allein schon wegen der kurzen Backzeit gering. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Egal ob man die ganz einfache Variante, durch Verwendung von Schokoladenstückchen oder ähnlichem im Teig, oder die etwas ausgefallenere mit vorheriger (ebenfalls sehr gut erklärter) Herstellung einer Ganachefüllung wählt.


    Das Buch enthält zwar entgegen des Untertitels Kleine Kuchen mit flüssigem Kern auch Rezepte, die sich der Zubereitung von Englischen Cremes, Schlagsahnecremes und Fruchtpürees als Ergänzung widmen oder solchen Küchlein, deren Kern allenfalls feucht und weich, aber keinesfalls flüssig ist. Doch der Großteil der Rezepte widmet sich tatsächlich Leckereien, die einem entgegenfließen, sobald man mit Gabel oder Löffel die äußere Hülle durchbricht. Bereits beim Durchblättern und Betrachten der Fotos läuft einem das Wasser im Mund zusammen, weshalb ich hier auch ein kleines Danke in Richtung der Stylistin Stéphanie Huré und der Fotografin Akiko Ida richten möchte.


    Praktischerweise finden sich hinten im Buch Bezugsquellen, die auf Läden verweisen, in denen man Materialien (Förmchen, etc.) erwerben kann. Die sind aber grundsätzlich praktisch überall sowohl in Haushaltswarengeschäften wie auch gut sortierten Supermärkten zu erhalten, womit allerspätestens jetzt klar wird, dass auch jemand mit kleinem Geldbeutel sich an den Rezepten versuchen kann.


    Zum absoluten dahinschmelzen finde ich persönlich bislang die Bitterschokoladenküchlein mit Pistazien-, Himbeer- oder Kaffeefüllung. Auch das Himbeerpüree und die Englische Creme Café haben es mir angetan. Wobei, das sind nur meine Favoriten. Das schlimme ist ja, wenn man die Qual der Wahl hat. Und die habe ich dank Paul Simon und seinen Rezepten jetzt wirklich …


    Fazit: 5ratten


    Man muss kein Patisseur sein, um mit relativ einfachen Mitteln in sehr kurzer Zeit ein wunderbares Dessert und kleine Köstlichkeiten zu schaffen. Man braucht nur die richtige Anleitung. Deshalb: Einfach den Hinweis vorne im Buch beachten, sich an die Rezepte wagen und genießen. Es lohnt sich! Der Satz hat definitiv ein Ausrufezeichen verdient. Aber Vorsicht: Die Ergebnisse können süchtig machen. Für die Zusammenstellung der Rezepte, deren guter Aufbau und die leichte Umsetzbarkeit sowie die Fotos kann es trotzdem nur fünf von fünf Punkten geben.


    Copyright ©, 2013 Antje Jürgens (AJ)


    Emoticon aus Threadtitel entfernt. LG, Valentine