Beiträge von odenwaldcollies

Leserunde mit Tobias O. Meißner ab 06.09.2019: Evil Miss Universe [Gesellschaftskritische Romantic Comedy]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Das war es dann wohl mit dem romantischen Happy End, jedenfalls was Semire und Brotan angeht. Ich gestehe, sein Tod hat mich jetzt doch etwas eiskalt erwischt, damit habe ich jetzt noch nicht gerechnet, da ich dachte, auf ihn wartet noch eine wichtige Aufgabe. Naja, vllt. als Imagolem, denn Brotans Seele ist Kyrin nach mit großer Wahrscheinlichkeit schon in den Steinmann gewandert. Und dieser neue Imagolem hat sogar eine Stimme, das könnte also doch noch spannend werden.

    Erschrocken habe ich mich darüber, in welchen Abgrund Brotans Tod Semire gestürzt hat und war umso froher, dass sie am Ende den drei Rüpeln gezeigt hat, wo der Hannes den Most holt.


    Ich muss auch gestehen, mit diesem Verrat von Elaimon habe ich nicht gerechnet, irgendwo hatte ich gehofft, dass sich zwischen den beiden wirkliche eine Art Kameradschaft entwickeln würde, aber Elaimon ist doch noch zu sehr ein Kind seiner Herkunft, fürchte ich oder Brotan hat die Gesetze der Arena einfach unterschätzt.


    Kyrin und Abuliar verlieren den Gravilioner, nachdem die Situation eskaliert. Hm, auch nicht sehr befriedigend, dass das jetzt so ausgegangen ist, auch hier hatte ich gehofft, dass sie zum Wohle aller an einem Strang ziehen würden. Kyrins Gedanken zu dem, was sie mit dem Steinkopf gemacht haben, fand ich gut. Spannend fand ich auch die Gründe, warum sich Kyrin den Revoluzzern angeschlossen hat, da hat sich einiges an Hass, Abscheu und Traurigkeit in ihrem Herzen angesammelt.


    Quilûn und Semire sind nun verheiratet ... was ich von den Steinplättchen unter den Herzen halten soll, weiß ich auch nicht. Kann man die auch wieder loswerden? Und dass die Unsterblichen Quilûn ausgerechnet ein Plättchen mit einer Rose einpflanzen, ist garantiert eine Art Warnung. Verheiratet ist Semire jetzt, als nächstes werden die Unsterblichen doch sicherlich Nachwuchs haben wollen, damit die Erbfolge bestehen bleibt, könnte ich mir vorstellen. Aber dazu wird Semire im Moment überhaupt keine Lust haben.


    Die Unsterblichen bleiben weiterhin sehr undurchschaubar, ich kann sie einfach nicht einschätzen.

    Ich gehe nach diesem Abschnitt davon aus, dass es nicht zu einer Eheschließung kommt.

    Daran habe ich jetzt auch meine Zweifel.


    Fast schon heimelig wirkt dagegen das Aufnahme-Ritual der Gladiatoren. Was so ein Kuss doch mit der Muskelanspannung im Bauch anstellt :)

    Stimmt, das war schon eher gewohntes Terrain ^^


    Tragisch finde ich, dass der Pfeil durch Kyrin geschaffen wurde.

    Ja, das fand ich ebenfalls ziemlich tragisch.


    Gibt es neben der Ehe und einer möglichen psychischen Abhängigkeit Alitas eventuell noch eine physische? Hält der Zauber an dem Band sie etwa am Leben?

    Das das Band sie womöglich am Leben hält, daran hatte ich noch gar nicht gedacht, das wäre noch perfider als meine Überlegungen.


    Frage in die Runde: Wer von Euch erwartet bei dieser Geschichte ein schönes nettes romantisches Happy End?

    Die Frage stellst du jetzt aber nicht im Ernst, oder? :D Definiere "schönes nettes romantisches Happy End" :D

    Die Verlobungszeremonie hat mir gut gefallen, dieser Flugzauber ist doch mal was ganz anderes. Gleichzeitig gehen die beiden Eheleute in Sachen Liebe ihre eigenen Wege. Für Brotan ist Semire sogar bereit, Fall und Flug gezielt zu verlieren ... ich habe immer noch nicht kapiert, wie das Spiel genau funktioniert :D Die beiden sind ja echt bis über beide Ohren verliebt, umso tragischer, dass ich bisher für die beiden keine Zukunft sehe. Mal sehen, ob Semire überhaupt in der Lage sein wird, ihr Versprechen an Brotan, nicht zuzulassen, dass seine Seele irgendwann in einem Imagolem steckt, zu halten.


    Und Quilûn wagt tatsächlich eine Vorstoß bei Alita, allerdings klappt seine Annäherung nicht so gut wie die seiner Frau bei Brotan. Dieses Band um den Hals mit dem Stein, mit dem stimmt doch irgendwas nicht - ich bin davon überzeugt, dass es ihr echte körperliche Schmerzen bereitet, wenn das Band abgenommen wird. Steckt da ihr Mann dahinter? Mich wundert es nämlich schon die ganze Zeit, dass er so überhaupt nicht eifersüchtig ist, wenn Alita und Quilûn ständig zusammenstecken. Vielleicht liegt das an dem Band mit dem Stein, dass er sie so irgendwie in der Hand hat.


    Brotan und Elaimon scheinen immer mehr zu einer Art Verbündete zu werden und ich könnte mir vorstellen, dass das eines Tages noch eine Rolle spielen könnte.


    Und Kyrin lässt Quilûn gegenüber endlich die Katze aus dem Sack, welches Ziel Graf Golar tatsächlich verfolgt hat: sein Traum von Freiheit und ohne Adel, der den Menschen vorschreibt, wie sie zu leben haben ... ja, das passt zu Golar, er hat ja nichts auf diese Standesdünkel gegeben. Überrascht hat mich, wie weit Golar seine Pläne bereits im Verborgenen vorangetrieben hatte und er eine Revolution von unten herbeiführen wollte. Nun verstehe ich auch, warum er Semire davon nichts erzählt hat, sie hat sich damit arrangiert, in dem höfischen Intrigenspiel gekonnt zu agieren. Jetzt aber mit ihrer Liebe zu Brotan könnte ihr eine Realisierung der Pläne ihres Vaters zugute kommen, denn dann könnte solche eine Beziehung deutlich realisierbarer sein wie unter den gegebenen Umständen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob sie irrational handelt. Ihr Ziel - Brotans Vernichtung - kann man gut oder schlecht finden. Aber wenn man dieses Ziel als gegeben annimmt, handelt sie recht rational, um es zu erreichen. Sie analysiert ihre Möglichkeiten und handelt innerhalb dieser, statt sich zum Beispiel bei der ersten Gelegenheit blindwütig auf ihn zu stürzen

    Du hast recht - irrational ist eigentlich das falsche Wort, eher, dass sie auf ihre Rache fixiert ist, dass absolut nicht mit ihr zu reden ist bzw. sie für keinerlei Argumente zugänglich ist. Und wenn ihr jemand diese Rache nehmen wird, wird sie vielleicht auch Dinge tun, die sie besser lassen sollte, um ihre Rache zu bekommen - das könnte ich mir vorstellen.


    Wobei ich die Überlegungen zu ihrer Verlassenheit und Rache als noch einzig existierenden Fixpunkte in ihrem Leben spannend finde, denn vielleicht hat sie unterbewust genau davor Angst, was ihr noch bleibt, wenn sich die Rache vollzogen hat. Vielleicht hofft sie, dass es ihr eine Art Befriedigung o.ä. verschafft, um dann hoffentlich mit dem Gefühl der Verlassenheit besser zurecht zu kommen.

    Auch die Einladung von Zulida und Muriol und der Dank für den Leutnant heben sie aus der Menge ab. Trotz des Aufwachsens als Adelsspross erkennt sie den Wert unabhängig der Herkunft.

    Ja, da hebt sie sich extrem von dem restlichen Adel ab. Und da ist sie ganz die Tochter ihres Vaters, finde ich.


    Der Tempel der Freude hingegen ist mir ein Mysterium. Eine Mischung aus Freudenhaus und Assasinengilde. Nicht nur Semire ist die Weberin suspekt.

    Stimmt, ein ganz suspekter Ort.


    Auch sein Umgang mit dem armen Elaimoin unterscheidet ihn deutlich. Sollte Semire ihn erwählen und Elaimon noch leben wäre das ein interessanter Ansatz die beiden tiefen Häuser zueinander zu führen.

    Elaimon, stimmt, den hatte ich vergessen zu erwähnen ... ich könnte mir ebenfalls vorstellen, dass diese Bekanntschaft noch eine Rolle spielen wird.


    Kann man eigentlich den Käfig um das Herz wieder entfernen?

    Das habe ich mich ebenfalls gefragt. Entfernen kann man ihn sicherlich, aber ob auch so, dass sein Träger es überlebt?


    Hach, das Buch gefällt mir...

    Mir auch!

    Ich finde es gut, dass Semire ihre Heimlichkeit, was ihre Kriegerkünste angeht, endlich ablegt ... wenn nicht jetzt, wann dann. Und der nächste konsequente Schritt ist die Ehe mit Quilûn, davon können politisch beide nur profitieren. Wobei Quilûn allmählich besser in seine Rolle als Graf reinkommt, wie mir scheint: der Vorschlag, aus Doryam einen Unsterblichen zu machen, damit er ihn nicht mehr zum Feind hat, ist gut überlegt. Ich sehe die beiden auch überhaupt nicht als Liebespaar und kann mir im Moment auch gar nicht vorstellen, dass sich das ändern wird, aber als gemeinsamer Kopf von Haus Schneegrund kann ich sie mir gut vorstellen.


    Oha, zwischen Brotan und Semire knistert es ja gewaltig - und das auf beiden Seiten. Könnte Semire die Chance für Brotan sein, Tarimas Fängen zu entkommen? Allerdings wird sie alles daransetzen, dass er nicht ihrem Zugriff bzw. ihrer Rache entwischen wird und wenn es den Bruch der Eichfrosts mit den Schneegrunds bedeuten würde; ich glaube, was Brotan angeht, kann Tarima gar nicht mehr rational handeln und denken. Außerdem hat Brotan noch diesen steinernen Käfig um sein Herz. Und er ist eigentlich immer noch der Feind und somit muss Semire vorsichtig mit ihren Gefühlen für ihn sein. In jedem Fall verspricht das noch eine spannende Entwicklung.


    Über Abuliar habe ich mich gehörig erschrocken, du meine Güte, diese Traumblüten haben ein ganz schönes Wrack aus ihm gemacht. Und trotzdem - oder gerade deswegen - setzt Kyrin alles auf eine Karte und lockt ihn aus seinem Selbstmitleid heraus. Ein kluger Schachzug und ich denke, auch das einzig praktikable Vorgehen, um sich Hilfe in der Sache mit dem Gravilioner zu holen. Als Kyrin Abuliars Verbundenheit zu Agohn erwähnt, habe ich die Luft angehalten, aber die beiden scheint nicht unbedingt die größte Zuneigung zu verbinden.


    Der Hammer war dann, wie der Alte den Schreiber Lastonn abkanzelt, so dass sich dieser ganz flott trollt und die beiden Magier in Ruhe lässt :D:D Wie die beiden die Karte ausfindig machen, fand ich faszinierend und sehr magisch, auch wenn ich bei der Backpfeife für die Leserin lachen musste. Was für ausgeklügelte Zauber, auf das muss man erstmal kommen. Nun bin ich gespannt, ob Abuliar tatsächlich etwas erkennen kann, das in Verbindung mit dem Kristallherz im Berg zu tun hat.


    Dass sich Quilûn unter die Lichtknechte mischt und sie bittet, ihm ebenfalls Arbeit zuzuweisen, hätte Golar sicherlich gefallen. Die Empfindungen von Quilûn während seines Aufenthalts im Berg und die Gedanken, dass seine Eltern noch immer hier unten sein könnte, weil die Unsterblichen es ihnen erlaubt haben und sie somit seine Bilder gesehen haben könnten, fand ich sehr schön und tröstlich.

    Dass er sich unter all dem Stein freier fühlt wie unter dem Adel kann ich sehr gut nachvollziehen.

    Wenn es im Kern um die Magie geht - wäre es dann klug, an Steinmeister Agohn als den mächtigsten Zauberer des Berges heranzutreten?

    Agohn .... ich weiß nicht, ich kann ihn sehr schlecht einschätzen, zumal er hat durchblicken lassen, dass er mit anderen Häusern in Verbindung steht.


    Das interessiert mich auch: Denkt Ihr, Quilûn und Alita würden zusammen passen?

    Was Alitas Wirkung nach außen anbetrifft, würde sie schon gut zu Quilûn passen, da könnte er sich einiges abschauen. Die Kunst würde die beiden auch verbinden. Wäre Alita ungebunden und nicht adlig und Quilûn nicht der Graf, würde ich sagen, ja, sie könnten gut zusammenpassen. Aber bei der momentanen Situation würden sie nicht glücklich werden.


    Ich habe eine Reportage über einen Rotlicht-Boss in Berlin gesehen. Von dem ist bekannt, dass er jeder Frau, die ein Kind von ihm bekommt, ein Haus schenkt. Das führt anscheinend dazu, dass einige Frauen gezielt mit ihm schlafen, um schwanger zu werden und das Haus zu bekommen. In der Reportage bekam man den Eindruck, dass alle mit diesem Arrangement zufrieden waren.

    Na denn ... ^^

    Was denkt Ihr: In welchem Alter hatte Semire vergleichbare Kenntnisse über das Leben des Adels, wie Quilûn sie gegenwärtig hat?

    Sicherlich hat/musste sie das ziemlich früh lernen.


    Wenn ein anderer sicher auf dem Grafenthron sitzt, fällt Semires "Marktwert" rapide. Mit 30 ist sie auch nicht mehr die Jüngste, vermutlich gilt sie als eher schwierig, man darf nicht erwarten, dass sie sich unkompliziert einfügt ... Gut möglich, dass der neue Herr von Haus Schneegrund sie an irgendeinen Provinz-Baron abschieben würde.

    Wurde nicht auch an einer Stelle im Buch erwähnt, dass Semire eigentlich schon als zu alt für eine Heirat gilt? Dadurch sinkt ihr "Wert" noch extremer.

    Sein Sohn ist das beste Mittel, ihn zu erpressen. Aber ich kann auch die andere Angst verstehen. Würde ich wollen, dass mein Kind mit dem Druck aufwächst, sich unter Adligen zu behaupten? Hätte ich nicht auch Angst, dass er sich anpasst und seine Liebenswürdigkeit und Lebensfreude verliert?

    Das ist so fies und so typisch für die Intrigen zwischen den Tiefen Häusern. Ich hoffe nur, dem Jungen passiert nicht wirklich noch was.


    Vielleicht wollte golan das ätsel um die gezeitenströme lösen, um die Macht in die Hände zu bekommen, alle zum Frieden zu zwingen.Quilun liebt die Natur und ist an deren Erhalt interessiert.

    Das würde zu Golar eher passen als irgendwelche Machtphantasien - und würde mir natürlich auch viel besser gefallen. Vielleicht wollte er auch lieber, wie von dem Gravilioner vorgeschlagen, dass alle zusammenhalten, weil man nur dadurch im Endeffekt gewinnen kann.


    Ich könnte verstehen, wenn sie sich ihres Mannes entledigt, nein, ich wünsche es ihr sogar.

    Ohja, ich mir auch, vor allem, weil Alita mir von den Adligen am sympathischten ist, sie ist nicht so eine eingebildete Schnepfe, die auf einem ganz hohen Ross sitzt.