Beiträge von Lilli33

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Gebundene Ausgabe: 368 Seiten

    Verlag: Diogenes (27. Oktober 2021)

    ISBN-13: 978-3257071818

    Preis: 25,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Berührende Begegnung


    Inhalt:

    Kaspar verhilft seiner ostdeutschen Freundin Birgit zur Flucht. Alles könnte so schön sein, doch Birgit trägt schwer an einer Last. Erst nach ihrem Tod erfährt Kaspar davon und macht sich auf, um Birgits unvollendeten Weg weiterzugehen. In einer völkischen Gemeinschaft findet er eine Enkelin, die ihm schnell ans Herz wächst, die er aber nicht aus ihrer Umgebung herauslösen darf. Ganz sachte entspinnt sich eine wunderbare Freundschaft.


    Meine Meinung:

    Anfangs konnte Bernhard Schlink mich nicht gleich abholen. Die Geschichte der Flucht und der entstehenden Liebe zwischen Kaspar und Birgit fesselten mich nur wenig. Die Erzählung erschien mir zu verzettelt.


    Die titelgebende Enkelin erscheint praktisch erst in der zweiten Hälfte des Buches. Ab hier war ich nun endlich ganz dabei. Mir gefiel die sanfte Annäherung zwischen zwei Menschen, die sich gerade erst kennenlernten und doch relativ offen füreinander sind, obwohl sie aus ganz unterschiedlichen Welten kommen. Kaspars Bemühungen um die vierzehnjährige Sigrun berührten mich sehr. Gespannt verfolgte ich, wie sich die beiden einander annähern und hoffte mit ihnen auf ein gutes Ende.


    Bernhard Schlinks Schreibstil ist dabei leicht zu lesen und trotzdem etwas Besonderes.


    ★★★★☆

    Gebundene Ausgabe: 528 Seiten

    Verlag: Ullstein Hardcover (18. November 2021)

    ISBN-13: 978-3550081040

    Preis: 24,99 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Eigentlich alles richtig gemacht


    Inhalt:

    Zwei Mitarbeiter des Frankfurter Winterscheid-Verlags wurden ermordet. Zuvor hatten sie von einem Unbekannten Auszüge aus einem alten Tagebuch erhalten. Was hat es mit diesen Tagebuchseiten auf sich und wem waren die beiden Toten im Weg? Pia Sander und Oliver von Bodenstein ermitteln mit ihrem Team im Verlagsmilieu.


    Meine Meinung:

    Nele Neuhaus weiß, wie man schreibt. Die Geschichte wirkt wie von leichter Hand entwickelt - mit vielen falschen Fährten, lebendigen, authentischen Figuren und etlichen unvorhersehbaren Wendungen. Es ist ein Konstrukt von freundschaftlichen und weniger freundschaftlichen Beziehungen, von Eifersucht, Neid und Gier, auf dem die Ereignisse aufbauen. Dabei sind die Handlungsweisen der jeweiligen Personen jederzeit nachvollziehbar. Die Charakterzeichnung ist gut gelungen. Trotz der Vielzahl an verschiedenen Figuren kann man sie gut auseinanderhalten und einordnen.


    Über die Einblicke in das Verlagswesen werden sich sicher viele interessierte Leser*innen freuen.


    Eigentlich hat Nele Neuhaus also alles richtig gemacht - und trotzdem konnte mich „In ewiger Freundschaft“ nicht hundertprozentig begeistern. Es waren wohl Kleinigkeiten, die mich gestört haben wie Bodensteins Stieftochter Greta oder Dr. Engels infantile Bewunderung für einen Autor. Ein bisschen mehr Tempo hätte sicher auch nicht geschadet.


    Trotzdem habe ich auch den 10. Band dieser Krimi-Reihe sehr gerne gelesen und werde die Reihe auf jeden Fall auch weiter verfolgen. Man kann den neuen Band übrigens auch gut ohne Vorkenntnisse lesen. Der Kriminalfall ist abgeschlossen und das bisherige Privatleben der Ermittler spielt über das hier Gesagte hinaus keine große Rolle.


    Die Reihe:

    1. Eine unbeliebte Frau

    2. Mordsfreunde

    3. Tiefe Wunden

    4. Schneewittchen muss sterben

    5. Wer Wind sät

    6. Böser Wolf

    7. Die Lebenden und die Toten Im Wald

    8. Im Wald

    9. Muttertag

    10. In ewiger Freundschaft


    ★★★★☆

    Nguyễn Phan Quế Mai - Der Gesang der Berge


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    Gebundene Ausgabe: 429 Seiten

    Verlag: Insel Verlag (10. Oktober 2021)

    ISBN-13: 978-3458179405

    Originaltitel: The mountains sing

    Übersetzung: Claudia Feldmann

    Preis: 23,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Interessante und berührende Familiengeschichte


    Nguyễn Phan Quế Mai erzählt in ihrem preisgekrönten Roman (u.a. Dayton Literary Peace Prize 2021) die Geschichte ihrer eigenen sowie auch anderer vietnamesischer Familien. Sie gibt uns damit Einblick in die Vergangenheit eines gebeutelten Landes, das viele Jahre Krieg aushalten musste. Krieg, Landreform, Kommunismus, Familie und Liebe - das sind die Eckpunkte dieses Romans, der trotz aller beschriebenen Gräuel und Ungerechtigkeiten Mut und Hoffnung gibt.


    Ausgehend von einer Großmutter und ihrer Enkelin springt die Autorin in der Zeit hin und her und malt so nach und nach ein ergreifendes Bild des vietnamesischen Volkes. Die Zeitsprünge sorgen dabei für Spannungsaufbau, aber auch für unterbrochenen Lesefluss.


    Auch sonst ist das Buch nicht ganz leicht zu lesen. Für mich, die ich vom geschichtlichen Hintergrund keine große Ahnung habe, war es schwer, mich in die Handlung hineinzudenken. Eine Zeittafel im Anhang wie auch ein Glossar der verwendeten vietnamesischen Begriffe hätten mir helfen können. Für den Stammbaum der Familie war ich wirklich dankbar, zumal die Namen für mich nicht einfach waren.


    Fazit:

    Keine leichte Lektüre, aber überaus lesenswert und informativ.


    ★★★★☆

    Nicolas Barreau - Die Zeit der Kirschen


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    Gebundene Ausgabe: 416 Seiten

    Verlag: Kindler Verlag (17. August 2021)

    ISBN-13: 978-3463000169

    Preis: 22,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Verpasste Gelegenheiten


    Inhalt:

    Lektor und Autor André will seiner Freundin, der Köchin Aurélie, schon lange einen Heiratsantrag machen. Doch ständig kommt etwas dazwischen - schließlich sogar ein anderer Mann …


    Meine Meinung:

    „Die Zeit der Kirschen“ schließt an Nicolas Barreaus Bestseller „Das Lächeln der Frauen“ an, kann aber an den Vorgänger bei Weitem nicht heranreichen. Man muss das erste Buch auch nicht unbedingt gelesen haben. Das Wichtige wird hier noch einmal gesagt, sodass man den Beziehungen und der Handlung gut folgen kann.


    Ich empfand zwar den Schreibstil als sehr angenehm zu lesen, aber die Handlung war einfach nur lau. Ständig verpasst André die Gelegenheit, Aurélie endlich einen Antrag zu machen. Die beiden werfen mit Missverständnissen hin und her wie mit einem Pingpongball. Das ist anfangs noch amüsant, später nur noch öde.


    Ich fand Protagonist und Protagonistin beide nicht sonderlich sympathisch und so war es mir schließlich relativ egal, ob es endlich was wird mit den beiden oder nicht. Besonders Andrés Eifersucht, die sich durch das ganze Buch zieht, ging mir extrem auf den Wecker.


    Fazit:

    Herzschmerz, Eifersucht, gutes Essen, Klischees und ein wenig Kitsch. Wer das alles mag, ist hier gut aufgehoben.


    ★★★☆☆

    Gebundene Ausgabe: 496 Seiten

    Verlag: Rowohlt Berlin (19. Oktober 2021)

    ISBN-13: 978-3737100465

    empfohlenes Alter: ab ca. 14 Jahren

    Preis: 22,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Weniger wäre mehr gewesen


    Inhalt:

    Ihre Freundin Bea steckt anscheinend in Marokko in Schwierigkeiten. Deshalb reisen die sechzehnjährigen Charlotte, Antonia, Yvette und Freigunda kurzentschlossen auf einem Containerschiff dorthin. Dass Antonia als blinder Passagier dabei ist, macht die Sache kompliziert. Und die Mitglieder der Mannschaft sind auch nicht alle ganz koscher …


    Meine Meinung:

    „Mädchenmeuterei“ ist der Folgeband von „Mädchenmeute“. Diese Info hatte ich vor dem Lesen leider nirgends gefunden. Es ist zwar nicht unbedingt notwendig, den Vorgänger zu kennen, aber bestimmt besser. Denn es wird hier immer wieder auf die vergangenen Ereignisse verwiesen, ohne sie konkret zu erzählen. Vieles ist mir bis jetzt noch unklar, vor allem wie fünf so unterschiedliche Mädchen in kurzer Zeit zu so loyalen Freundinnen werden konnten.


    Dass die Mädchen so unterschiedlich sind, fand ich dabei eigentlich gut, wenn mich auch viele Eigenschaften genervt haben. Jede hat so ihre guten und ihre schlechten Seiten, die eine mehr, die andere weniger. Was ich ganz blöd fand, ist, dass Bea auf Fragen immer nur mit einem Video antwortet, ohne etwas Konkretes zu sagen.


    Der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig, teilweise im Telegrammstil. Das ist aber nicht schlecht, weil es einfach in die Situation passt. Aber die Handlung fand ich leider nicht so spannend. Zum Teil zieht sie sich wie Kaugummi, auch wenn einige wichtige Botschaften der Autorin zwischen den Zeilen durchsickern. Mir hätte es besser gefallen, wenn sie die Erzählung mehr fokussiert hätte, so wirkt es etwas verzettelt und nichts wird richtig ausgearbeitet.


    Trotz allem ganz nett zu lesen.


    ★★★☆☆

    Taschenbuch: 224 Seiten

    Verlag: Diogenes (25. August 2021)

    ISBN-13: 978-3257071665

    Preis: 22,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Gut und Böse


    Inhalt:

    Der elfjährige Martin lebt allein im Dorf, seit seine ganze Familie getötet wurde. Halt - nicht ganz allein! Ein schwarzer Hahn ist sein bester Freund und treuer Begleiter. Mit seiner Hilfe macht Martin sich auf den Weg, um dem Bösen in der Welt die Stirn zu bieten.


    Meine Meinung:

    Der Debütroman von Stefanie vor Schulte konnte mich leider nicht vollkommen überzeugen. Einerseits lässt er sich schnell und flüssig lesen, bietet auch eine gewisse Spannung, sodass es leicht ist, dran zu bleiben. Andererseits blieb für mich bis zum Schluss so vieles unverständlich. Sämtliche Figuren, auch der Protagonist Martin, erschienen mir relativ unnahbar. Diese ganze dargestellte Welt war mir fremd und ich hatte Schwierigkeiten, mich in die Orte und Zeiten hineinzudenken.


    Zudem war mir Gut und Böse zu strikt getrennt. Martin in seiner Güte erstrahlt wie ein heller Stern in dieser düsteren Welt. Doch warum ausgerechnet er so gut ist, kommt nicht wirklich zur Sprache.


    Ich denke, ein paar Seiten mehr hätten dem Buch ganz gut getan. Dann hätte man vieles vertiefen können und einige Dinge wären klarer zum Vorschein gekommen.


    ★★★☆☆

    Wolf Haas - Brennerova


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    Taschenbuch: 240 Seiten

    Verlag: Heyne Verlag (8. Februar 2016)

    ISBN-13: 978-3453438392

    Preis: 9,99 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Herrlich unterhaltsam


    Inhalt:

    Simon Brenner, Kriminalpolizist i.R., schaut sich im Internet nach einer Frau um, obwohl, das weiß man ja, man da in eine Falle tappen kann. Aber wenn eine so ausschaut wie die Nadeshda und so liebe Briefe schreibt …


    Und dann trifft er ganz plötzlich im richtigen Leben die Herta, und plötzlich hat er zwei Freundinnen. Und dann auch noch einen Auftrag, denn eine weitere Frau ist verschwunden.


    Meine Meinung:

    Wolf Haas schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Da darf man sich nicht an wenig perfekter Grammatik stören. Das gehört zum Lesespaß einfach dazu. Mit viel Witz und schrägem Humor erzählt Haas eine einigermaßen spannende Geschichte. Ich habe mich wirklich gut dabei amüsiert und freue mich schon auf den nächsten Roman des Autors.


    ★★★★☆

    Richard Ford - Abendländer


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    Taschenbuch: 144 Seiten

    Verlag: Berlin Verlag Taschenbuch (26. Januar 2008)

    ISBN-13: 978-3833305153

    Originaltitel: Occidentals

    Übersetzung: Fredeke Arnim


    Leider nicht mein Fall


    Mit dieser Novelle bin ich leider nicht ganz glücklich geworden. Zwar gefällt mir der Schreibstil von Richard Ford recht gut und die Figuren haben ausreichend Tiefe. Allerdings fand ich die Story recht langweilig und die Protagonist*innen nicht besonders sympathisch. Der Autor machte mir einfach keine Lust, mich genauer mit ihnen und ihren Befindlichkeiten zu beschäftigen.


    ★★★☆☆

    Dave Eggers - Every


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    Verlag: Kiepenheuer&Witsch (7. Oktober 2021)

    Gebundene Ausgabe: 592 Seiten

    ISBN-13: 978-3462001129

    Originaltitel: The Every

    Übersetzung: Klaus Timmermann und Ulrike Wasel

    Preis: 25,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Faszinierende Weiterführung von "Der Circle“


    Inhalt:

    Das weltweit beliebteste Unternehmen, der Circle, wurde mit dem größten Onlineshop, dem dschungel, zusammengeführt und nimmt als „Every“ eine überragende Vormachtstellung ein. Every mischt praktisch in allen Belangen des täglichen Lebens mit und überwacht und beeinflusst alles.


    Delaney Wells will sich gegen Every wehren und versucht, das Unternehmen von innen heraus zu zerschlagen. Doch je abstrusere Ideen sie vorbringt und Every unterjubelt, umso mehr wird deutlich, dass die Menschen anscheinend ganz zufrieden damit sind, wenn ihr Leben transparent gemacht wird und ihnen alle Freiheiten genommen werden.


    Meine Meinung:

    Wie schon „Der Circle“ konnte mich auch „Every“ unheimlich fesseln. Das Szenario erscheint so realistisch, dass einem bange wird. Es wirkt zwar alles sehr übertrieben, aber trotz allem nicht unbedingt weit von unserer Wirklichkeit entfernt. Der gläserne Mensch steht vor der Tür; von totaler Überwachung und Entmündigung sind wir nur noch einen Schritt entfernt.


    Dabei bietet dieser Roman nur wenig Überraschung. Die Ähnlichkeit zu „Der Circle“ ist unübersehbar, nur eben auf einer anderen Stufe, umfassender, dafür nicht so tiefgründig. Vorkenntnisse braucht man übrigens nicht unbedingt. Man kann dieses Buch auch ohne gut nachvollziehen.


    Mit seiner Satire brachte Dave Eggers mich vor allem in der ersten Hälfte des Buches immer wieder zum Schmunzeln, dann wird das Ganze immer ernster und tragischer, kann jedoch aufgrund des einfachen, aber nicht trivialen Schreibstils und der absurd erscheinenden Handlung und witzigen Dialoge bis zum Schluss gut unterhalten.


    ★★★★☆

    Kent Haruf - Ein Sohn der Stadt


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    Gebundene Ausgabe: 256 Seiten

    Verlag: Diogenes (27. Oktober 2021)

    ISBN-13: 978-3257071726

    Originaltitel: Where You Once Belonged

    Übersetzung: pociao

    Preis: 24,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Kent Haruf eben


    Inhalt:

    In seiner Jugend wurde Jack Burdette von allen bewundert und geliebt. Doch nach seinem unrühmlichen Verschwinden vor acht Jahren denken die Einwohner der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado nur noch an Vergeltung. Kein Wunder, dass nicht alles glatt läuft, als Jack nun plötzlich wieder auftaucht.


    Meine Meinung:

    „Ein Sohn der Stadt“ ist Kent Harufs erster Roman, der wie die anderen in Holt spielt. Nun wurde er auch auf Deutsch übersetzt - im Original erschien er bereits vor vielen Jahren.


    Der Schreibstil ist eher nüchtern und einfach. Dies passt aber sehr gut, denn erzählt wird die Story von Pat Arbuckle, dem Herausgeber der örtlichen Zeitung „Holt Mercury“, der stark in die Geschichte verwickelt ist, denn in seiner Jugend waren er und Jack beste Freunde.


    In Rückblicken wird die Jugend von Jack und Pat aufgerollt. So kann man gut mit verfolgen, warum sich Jack so entwickelte und ein Stück weit Verständnis aufbringen. Überhaupt sind die verschiedenen Figuren gut gezeichnet. Sie wirken authentisch und wirklichkeitsnah. Die Atmosphäre in dem Städtchen Holt ist gut greif- und vorstellbar.


    Mit dem Schluss, der recht offen gehalten ist, bin ich nicht ganz glücklich, wenngleich gerade dieser Ausgang sehr realistisch wirkt.


    Ich mochte diesen Roman von Kent Haruf sehr gerne, auch wenn er nicht so tiefgründig und gefühlvoll wie „Die Seelen der Nacht“ ist.


    ★★★★☆

    Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt - Die Früchte, die man erntet


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    Gebundene Ausgabe: 512 Seiten

    Verlag: Wunderlich (12. Oktober 2021)

    ISBN-13: 978-3805250894

    Originaltitel: Som Man Sår

    Übersetzung: Ursel Allenstein

    Preis: 24,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Wieder sehr spannend


    Inhalt:

    Die Reichsmordkommission wird nach Karlshamn gerufen. Hier scheint ein Heckenschütze sein Unwesen zu treiben.


    Um Sebastian Bergman ist es ruhig geworden, seit er Großvater ist. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Psychotherapeut, seine Beziehung zu Ursula gibt ihm Halt.


    Billy kämpft immer noch mit dem Bösen. Seit er einmal getötet hat, ist er süchtig danach. Kann das auf Dauer gutgehen?


    Meine Meinung:

    Dies ist bereits der 7. Band dieser Reihe. Bei den ersten sechs Teilen würde ich sagen, dass man sie auch gut einzeln lesen kann, für den neuesten halte ich Vorkenntnisse jedoch für besser, wenn auch nicht für zwingend notwendig. Die bisherigen Ereignisse und das Beziehungsgeflecht der Rahmenhandlung spielen einfach eine sehr große Rolle.


    Die Story besteht grob gesagt aus drei verschiedenen Handlungssträngen, die aber nur marginal ineinandergreifen. Sie sind eher in Reihe angeordnet, was ich ein bisschen seltsam fand. Sebastian Bergman spielt im ersten Teil, den Ermittlungen zum Heckenschützen, praktisch keine Rolle, ebenso wenig wie Billys Problem. Beide kommen erst dann richtig ins Spiel, als die Morde aufgeklärt sind. Dabei ist Sebastian kaum wieder zu erkennen. Das egozentrische Ekel, das er immer war, ist in der Schublade verschwunden. Stattdessen ist er zum treu sorgenden Großvater mutiert. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber nicht wirklich schlecht.


    Torkel ist pensioniert, Vanja hat die Leitung der Reichsmordkommission übernommen und schwer an ihrem ersten Fall zu knabbern. Carlos, der Neue im Team, macht sich sehr gut. Gekonnt lässt das Autorenduo uns in die Köpfe der Protagonist*innen blicken und dabei ihre Gedanken und Handlungsweisen nachvollziehen. Alles erscheint plausibel und logisch.


    Ich empfand das Buch über die ganze Länge als recht spannend und wurde wirklich gut unterhalten. Immer mehr der in der Vergangenheit begonnen Handlungsfäden werden aufgelöst. Fast hatte ich schon den Eindruck, dass die Autoren auf das Ende der Reihe hin arbeiten, aber nein, am Schluss gibt es noch zwei kleine Cliffhanger, die darauf hinweisen, dass es weitergeht. Ich freu mich auf jeden Fall darauf.


    Die Reihe:

    1. Der Mann, der kein Mörder war

    2. Die Frauen, die er kannte

    3. Die Toten, die niemand vermisst

    4. Das Mädchen, das verstummte

    5. Die Menschen, die es nicht verdienen

    6. Die Opfer, die man bringt

    7. Die Früchte, die man erntet


    ★★★★☆

    Peer Martin - Blut und Schokolade


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    Gebundene Ausgabe: 448 Seiten

    Verlag: Dressler (9. September 2021)

    ISBN-13: 978-3751300230

    empfohlenes Alter: ab 14 Jahren

    Preis: 20,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Ein großartiges Buch, das einen vieles mit anderen Augen sehen lässt


    Inhalt:

    Manals Mutter stammt aus Côte d’Ivoire, ihr Vater aus Deutschland. Nach dem Abitur reist die junge Frau nach Afrika, um einen Teil ihrer Wurzeln zu entdecken. Was sie aber zunächst findet, ist eine Kakaoplantage, auf der unmenschliche Zustände herrschen, verschleppte Kinder, die sich vor der Freiheit fürchten, und Issa, einen jungen Mann, der sich freiwillig in die Höhle des Löwen begeben hat, um seinen kleinen Bruder Yaya zu befreien. Manal beschließt zu helfen und gerät dabei in höchste Gefahr …


    Meine Meinung:

    Peer Martin fasziniert mich immer wieder mit seinem eindringlichen, blumigen Schreibstil mit vielen fantasievollen Vergleichen, die mir oft ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Doch er weiß nicht nur, wie man Geschichten grandios erzählt, sondern auch, welche sich zu lesen lohnen. Geschichten mit Mehrwert. Geschichten, die einen zum Nachdenken und zum Umdenken bringen. Geschichten, die einem unliebsame Wahrheiten zeigen. Geschichten, die zwar nicht wahr sind, es aber sein könnten.


    „Blut und Schokolade“ ist eine Geschichte, die vielleicht, hoffentlich, deine Einstellung zu billiger Schokolade ändern wird.


    Gut verpackt in eine super spannende und absolut emotionale Story bringt der Autor grausame Details der Kakaogewinnung ans Licht. Er erzählt von der Ausbeutung der Kinder, ihren fürchterlichen Lebensbedingungen, von den Auswirkungen auf die Umwelt, von der Preisbildung bei Schokolade und dem Wettbewerb auf dem Weltmarkt. Man muss sich einfach überlegen, was man als Einzelne/r tun kann, um diese Missstände zu stoppen.


    Es wird abwechselnd aus Issas und Manals Perspektive erzählt. Dadurch kann man in das Leben der beiden tief eintauchen und die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten und nachvollziehen. Das Lesen fällt einem leicht, denn diese beiden (und auch die anderen) Figuren sind wirklich klasse. Sie wirken so lebendig und realistisch. Beide sind sehr starke Persönlichkeiten mit einem unbändigen Willen, den sie durchzusetzen verstehen. Beide wollen helfen, beide wollen Gerechtigkeit. Beide verlieben sich …


    Die detailliert beschriebenen Grausamkeiten ließen mich beim Lesen zusammenzucken, rasante Verfolgungsjagden den Atem anhalten. Es ist wahrlich keine leichte Kost, auch wenn einen zwischendurch wunderbar gefühlvolle Szenen wieder durchatmen lassen. Doch vor allem macht dieses Buch Mut für eine Veränderung, denn die Protagonisten lassen sich nicht unterkriegen. Genau wie sie sollten wir alle uns an die Seite der ausgebeuteten Kinder auf der ganzen Welt stellen.


    ★★★★★ :tipp:

    Wolfgang Burger - Am Ende des Zorns


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    Broschiert: 400 Seiten

    Verlag: Piper (30. September 2021)

    ISBN-13: 978-3492062312

    Preis: 16,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Spannend, aber mit kleinen Längen


    Inhalt:

    Es ist kurz vor Weihnachten, als der Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach die kleine Taschendiebin Marie kennenlernt. Da das Mädchen nicht sagen will, wo es wohnt, nimmt Gerlach es kurzerhand zu sich nach Hause. Bald muss er feststellen, dass der unbekannte Tote vom Heddesheimer Baggersee Maries Vater ist.


    Meine Meinung:

    Auch der 18. Band dieser Reihe hat mir gut gefallen. Ich habe bisher alle Bände gelesen, möchte aber behaupten, dass man dieses Buch auch einzeln lesen kann, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Was man zu den in den einzelnen Bänden wiederkehrenden Personen und Umständen wissen muss, wird hier noch einmal kurz erwähnt, sodass auch Quereinsteiger keine Probleme haben sollten.


    Als jemand, die die Heidelberger Gegend kennt, sind die Krimis von Wolfgang Burger für mich natürlich besonders schön zu lesen, weil sich vor meinem inneren Auge sofort ein Bild der Gegebenheiten einstellt. Aber auch alle anderen dürften mit den Ortsangaben und Beschreibungen gut zurechtkommen. Alles Notwendige wird vom Autor gesagt.


    Die Geschichte entwickelt sich recht spannend und komplex. Es wird ein Netz von echten und falschen Fährten aufgebaut. Als Leser*in kann man gut miträtseln und kombinieren. Dabei ist die Handlung kaum vorhersehbar.


    Ziemlich unrealistisch empfand ich die Tatsache, dass Gerlach seine achtzehnjährige Tochter Sarah in die Ermittlungen einbezieht. Das geht einfach nicht. Und auf einige Wiederholungen hätte ich auch gut verzichten können. Zum Beispiel wird immer wieder Maries immer gleiches Verhalten und Gerlachs schlechtes Gewissen Theresa gegenüber erwähnt. Da hätten es ein paar Wiederholungen weniger auch getan. ;-)


    Fazit:

    Wieder ein gelungener Band der Alexander-Gerlach-Reihe, nicht ganz so rasant wie der letzte, aber es ist ja schließlich auch besinnliche Weihnachtszeit.


    Die Reihe:

    1. Heidelberger Requiem

    2. Heidelberger Lügen

    3. Heidelberger Wut

    4. Schwarzes Fieber

    5. Echo einer Nacht

    6. Eiskaltes Schweigen

    7. Der fünfte Mörder

    8. Die falsche Frau

    9. Das vergessene Mädchen

    10. Die dunkle Villa

    11. Tödliche Geliebte

    12. Drei Tage im Mai

    13. Schlaf, Engelchen, schlaf

    14. Die linke Hand des Bösen

    15. Wen der Tod betrügt

    16. Wenn Rache nicht genügt

    17. Der sanfte Hauch des Todes

    18. Am Ende des Zorns


    ★★★★☆