Beiträge von Lilli33

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Taschenbuch: 446 Seiten

    Verlag: btb Verlag (12. August 2019)

    ISBN-13: 978-3442718658

    Originaltitel: The Diary of a Bookseller

    Übersetzung: Mechthild Barth

    Preis: 11,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Interessante Einblicke, locker aufbereitet


    Shaun Bythell ist der Besitzer des größten Buchladens in Schottland, wo er an die 100.000 Gebrauchtbücher führt. In seinem (fiktiven?) Tagebuch erzählt er von seinen alltäglichen Sorgen, Ärger mit Angestellten und Kunden, aber auch von den schönen Seiten seines Berufs.


    Tag für Tag (außer Sonntag) begleiten wir den antiquarischen Buchhändler Shaun Bythell ein ganzes Jahr lang und erleben dabei Höhen und Tiefen dieses Berufs. Die Eintragungen für jeden Tag beginnen mit der Anzahl der Online-Bestellungen und der dafür gefundenen Bücher. Oft bleiben die Bücher unauffindbar, da sie falsch einsortiert wurden - die Angestellte Nicky hat dafür immer eine ausgefallene Begründung parat - oder vielleicht gestohlen wurden.


    Nach einigen herausragenden Ereignissen des jeweiligen Tages, ein besonderes Kundengespräch, Ankauf einer Büchersammlung, Schwierigkeiten mit dem Online-Bestell-System oder Ähnliches, endet der Tageseintrag mit den Tageseinnahmen und der Anzahl der Kunden, was in der Regel leider recht deprimierend ist.


    Jedem Monat ist ein Zitat aus George Orwells „Erinnerungen an eine Buchhandlung“ aus dem Jahr 1936 vorangestellt, das von Bythell kurz kommentiert wird, indem er es mit seiner gegenwärtigen Situation vergleicht.


    Bei allen Schwierigkeiten mit dem Konkurrenten Amazon und geizigen Kunden lässt Shaun Bythell aber auch immer wieder eine Begeisterung für den Beruf des Buchhändlers und für Bücher an sich durchblicken. Dies alles ist sehr interessant und gibt Einblicke in die Branche. Dabei lässt sich das Buch aber sehr locker lesen. Shaun Bythell schreibt oft sehr sarkastisch, manchmal geradezu böse, aber man muss auch immer wieder schmunzeln.


    Ein bisschen öde fand ich die ständigen Wiederholungen. Andererseits macht gerade dies die Tagebucheinträge auch authentisch.


    ★★★★☆

    Yanis Kostas - Tod am Aphroditefelsen


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    Broschiert: 336 Seiten

    Verlag: Atlantik (7. Januar 2019)

    ISBN-13: 978-3455004298

    Preis: 16,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Unterhaltsamer Auftakt einer neuen Krimi-Reihe


    Inhalt:

    Die junge Sofia Perikles kehrt aus London in ihre Heimat Zypern zurück. Hier kommt sie zu einem Job bei der Polizei wie die Jungfrau zum Kind. In dem heruntergekommenen Dorf Kato Koutrafas muss sie sich mit einem versoffenen Chief Inspector, ihren eigenen wirren Gefühlen und einem Todesfall herumschlagen.


    Meine Meinung:

    Yanis Kostas ist das Pseudonym des Autors Alexander Oetker, das er für diese Krimi-Reihe, die auf Zypern spielt, benutzt. Da sein Vater griechischer Zypriot ist und Oetker die Insel bereist hat, kennt er sich dort aus, was man meiner Meinung nach seiner Erzählung auch anmerkt.


    Mich konnte dieser nette Krimi gut unterhalten, schon allein deshalb, weil die Protagonisten alle etwas skurril sind. So wurde ich immer wieder davon überrascht, was ihnen nun wieder einfiel. Dabei bedient der Autor auch sämtliche Klischees und Vorurteile, die man als Deutscher von Zyprioten hat, was aber nicht weiter stört, denn so ganz ernst sollte man diesen Roman wohl sowieso nicht nehmen. Dafür gibt es etliche Szenen, die zum Schmunzeln einladen.


    Die Geschichte entwickelt sich langsam. Land und Leute werden den Lesenden nahe gebracht. Hierzu passt auch immer gut die Beschreibung verschiedener Gerichte oder Getränke bzw. Sitten.


    Der Kriminalfall wirkt zunächst unspektakulär. Doch nach und nach kommt Spannung in die Handlung, und der Schluss gefiel mir richtig gut.


    Fazit:

    Für eingefleischte Hardcore-Krimileser ist diese Krimi-Reihe sicher nicht das Nonplusultra. Wer cosy Krimis mag, ist hier aber ganz gut aufgehoben.


    ★★★★☆

    Gebundene Ausgabe: 480 Seiten

    Verlag: HarperCollins (16. September 2019)

    ISBN-13: 978-3959673402

    Originaltitel: The Rules of Seeing

    Übersetzung: Wibke Kuhn

    Preis: 20,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Zu viel gewollt


    Inhalt:

    Nova ist von Geburt an blind. Durch eine OP kann sie sehen. Doch muss sie es erst mühsam lernen. Und manchmal wäre sie lieber wieder blind.


    Kate landet nach einem Streit mit ihrem Mann im Krankenhaus. Hier lernt sie Nova kennen. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an und helfen sich gegenseitig.


    Meine Meinung:

    Aus persönlichen Gründen interessieren mich Romane, in denen Blinde eine Rolle spielen, sehr. Deshalb habe ich auch zu diesem gegriffen. Was mit Novas Blindheit bzw. dem Prozess des Sehenlernens zu tun hat, hat mir auch recht gut gefallen. Man kann sich hier schön in die Protagonistin hineinversetzen und ihre Empfindungen, ihre Verwirrtheit ob der vielen neuen Eindrücke gut nachvollziehen.


    Mehr Schwierigkeiten hatte ich mit Kate. Ihr Verhalten habe ich in den seltensten Momenten verstanden. Es wird auch nicht wirklich erklärt, warum sie so handelt, warum sie sich alles Mögliche gefallen lässt. Denn eigentlich wirkt sie anfangs gar nicht so verhuscht. Mir war es auch etwas zu viel an Problematik, was Joe Heap in diese Geschichte gepackt hat. Die Story artet gegen Ende sogar in einen Thriller aus. Der Autor hätte sich besser auf ein Thema konzentrieren und dies noch intensiver und emotionaler ausarbeiten sollen. Meiner Meinung nach hat er mehr gewollt, als dem Roman guttut.


    Auch der Schreibstil war nicht ganz nach meinem Geschmack. Die Sätze sind meist kurz und emotionslos, obwohl die Geschichte eigentlich vor Emotionen nur so überlaufen müsste. Wenn die Protagonistinnen dann noch als „die Dolmetscherin“ oder „die Architektin“ oder gar „die andere Frau“ bezeichnet werden anstatt mit ihrem Namen, dann hält mich das total auf Distanz und verwehrt mir ein tiefes Eintauchen in die Handlung.


    Fazit:

    Der Roman hat gute Seiten, aber auch noch viel Verbesserungspotenzial.


    ★★★☆☆

    Ah, danke. Ich lese es auch gerade und bin bisher nur mäßig begeistert. Wenn das nicht wirklich besser ist, breche ich jetzt ab.

    Schade... meiner Meinung nach macht gerade der Schluss den Reiz dieses Buches aus. Und man versteht bei Beendigung so einiges, das zuvor noch nervend war.

    Mich hat vor allem auch der Schluss enttäuscht. Ich fand das ziemlich vorhersehbar.

    Simone Lappert


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    Gebundene Ausgabe: 334 Seiten

    Verlag: Diogenes (28. August 2019)

    ISBN-13: 978-3257070743

    Preis: 22,00 €

    auch als E-Book erhältlich


    Ein wunderbares Kleinod


    Schon mit ihrem Debütroman „Wurfschatten“ konnte mich die Schweizer Autorin Simone Lappert überzeugen. Mit „Der Sprung“ hat sie sich noch um Etliches gesteigert. Lappert erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit von einem Viertel in einer Kleinstadt, wo sich die Wege der Bewohner kreuzen, manchmal nicht direkt, sondern über Eck, aber irgendwie hängt doch alles zusammen. Nach und nach wird ein Netz der Beziehungen aufgebaut. Dabei bringt die Autorin die verschiedensten Themen auf den Punkt und lässt immer wieder auch philosophische Ansätze einfließen. Mit der Zeit entsteht ein vielschichtiges Bild einer Stadtgemeinschaft, wobei aber der einzelne Mensch sichtbar bleibt. Simone Lappert besticht durch eine feinsinnige Beobachtungsgabe, anhand derer sie uns die Protagonisten nahe bringt. Die einzelnen Episoden sind fesselnd und berührend. Sie machen traurig und wütend. Manche Sätze bringen einen aber auch zum Schmunzeln.


    Aus der Perspektive von verschiedenen Personen erleben wir drei schicksalsträchtige Tage. Da wäre zum einen der Polizist Felix, der mit seiner schwangeren Freundin eigentlich glücklich sein sollte, es aber nicht kann. Oder Finn, der eigentlich eine Weltreise machen wollte, nun aber wegen Manu, in die er sich verliebt hat, zögert. In Marens Ehe steht es nicht mehr zum Besten, seit ihr Mann auf dem Gesundheitstrip ist. Auch die Geschichte des Obdachlosen Henry ist sehr berührend, ebenso wie die von Winnie, die von ihren Schulkameraden übel gemobbt wird. Diese Figuren und noch einige mehr spielen eine große Rolle in diesem tiefgründigen Roman. Sie alle werden beeinflusst von dieser Frau auf dem Dach, die in den Tod zu stürzen droht, warum auch immer.


    Am Ende wissen wir mehr, aber nicht alles. Nur eins ist sicher:

    „Nichts war wie vorher. Absolut gar nichts.“ (S. 317)


    Fazit:

    „Der Sprung“ ist eins meiner Jahres-Highlights. Mit viel Empathie und Gespür für Sprache lässt Simone Lappert die Leser*innen drei schicksalhafte Tage erleben, die so manches Leben umkrempeln.


    ★★★★★

    Jennifer Benkau - One True Queen 01. Von Sternen gekrönt


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    Gebundene Ausgabe: 512 Seiten

    Verlag: Ravensburger Buchverlag (31. August 2019)

    ISBN-13: 978-3473401796

    empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren

    Preis: 18,99 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Romantisches Parallelwelt-Abenteuer


    Inhalt:

    Die siebzehnjährige Mailin lebt mit ihrer Mutter in Irland. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Vicky liegt seit sieben Jahren im Wachkoma. Mailin fühlt sich ihr sehr verbunden. Als Mailin nach dem Karatetraining in der Umkleide einfach umkippt, findet sie sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Lyaskye ist voll von gefährlichen Tieren und Pflanzen und … Menschen. Eher widerwillig rettet ein junger Mann Mailin und hilft ihr weiter zu kommen. Bald muss Mailin erkennen, dass sie nicht zufällig in Lyaskye gelandet ist und dass ihr ein mieses Schicksal bevorsteht. Doch Mailin ist eine Kämpferin …


    Meine Meinung:

    Jennifer Benkau konnte mich mit dieser Geschichte von der ersten Seite an packen. Durch den geschmeidigen und dynamischen Schreibstil fliegen die Seiten nur so dahin. Und Mailin ist eine toughe Protagonistin, an deren Seite ich gerne durch dieses Abenteuer gewandelt bin. Man muss sie einfach mögen, obwohl sie natürlich auch ihre Ecken und Kanten hat und Fehler macht. Aber niemand ist perfekt, oder?


    Die Handlung ist sehr abwechslungsreich. Mal lernt Mailin (und die Leser*innen mit ihr) etwas über Lyaskye, mal wird gekämpft, dann wiederum wird es auch mal magisch oder hoch romantisch. Eine tolle Mischung! Und immer wieder wird man durch Wendungen überrascht, die man nicht vorhersehen konnte.


    Dabei machten die Charaktere auf mich einen recht authentischen Eindruck. Man kann ihre Handlungsweisen gut nachvollziehen. Sie machen im Verlauf der Handlung eine schöne Entwicklung durch und wachsen teilweise über sich selbst hinaus.


    Der 2. Band „Aus Schatten geschmiedet“ ist für Frühjahr 2020 geplant. Ich freue mich schon jetzt darauf, mit Mailin wieder in Lyaskye gegen das Böse zu kämpfen.


    Fazit:

    Ein toller All Age Fantasy-Roman um Familie, Freundschaft, Liebe, Intrigen, Vertrauen und Mut.


    ★★★★★

    Jo Nescø - Messer


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    Gebundene Ausgabe: 576 Seiten

    Verlag: Ullstein Hardcover (27. August 2019)

    ISBN-13: 978-3550081736

    Originaltitel: Kniv

    Übersetzung: Günther Frauenlob

    Preis: 24,00 €

    auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


    Voll unerwarteter Wendungen


    Inhalt:

    Harry Hole arbeitet wieder als Ermittler bei der Osloer Polizei. Privat läuft es nicht gut, und sein Alkoholproblem macht ihm schwer zu schaffen. Da wird Harry auch noch zum Verdächtigen in einem Mordfall. Besonders fatal: Er kann sich an nichts erinnern.


    Meine Meinung:

    Dies ist bereits der 12. Band der Reihe um den brillanten Polizisten Harry Hole. Ich habe von den Vorgängern nicht alle gelesen, finde das aber nicht schlimm. Hin und wieder wird ein vergangener Fall, Aufenthaltsort oder Kollege erwähnt. Das reichte mir dann vollkommen, um das aktuelle Geschehen richtig einordnen zu können.


    Jo Nesbø versteht es immer wieder, sich haarsträubende Kriminalfälle auszudenken und den Leser durch immer weitere überraschende Wendungen zu erstaunen. Mehr als einmal war ich mir sicher, nun den richtigen Zusammenhang erkannt zu haben, nur um im nächsten Kapitel wieder eines Besseren belehrt zu werden.


    Auch der Schreibstil ist einfach klasse. Das Buch lässt sich flott lesen, ist aber nicht trivial geschrieben. Die Charaktere wirken zumeist sehr authentisch und werden sehr plastisch beschrieben.


    Fazit:

    Ein aufreibender 12. Band der Reihe, klasse geschrieben, wendungsreich und spannend.


    Die Reihe:

    1. Der Fledermausmann

    2. Kakerlaken

    3. Rotkehlchen

    4. Die Fährte

    5. Das fünfte Zeichen

    6. Der Erlöser

    7. Schneemann

    8. Der Leopard

    9. Die Larve

    10.Koma

    11. Durst

    12. Messer


    ★★★★★