Beiträge von Keshia

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Also zunächst mal: Ich lese grundsätzlich zu Weihnachten (zwischen Weihnachten und Neujahr) nur "Wohlfühlbücher", wobei das breit gefächert ist, "Das Seelenhaus" von Hannah Kent war auch mal dabei oder eine Mann-Biografie, aber keine Horrorstories oder so.



    Allerdings habe ich im Winter auch schon Romane gelesen, in denen eben auch der Sommer vorkam.

    Schön sind aber auch Bücher, in denen jemand gegen die Kälte ankämpfen muss, während man selbst gemütlich mit dem Buch im Warmen sitzt!:P


    LG von

    Keshia

    Na dann kann ich kniffel e auch als gehört abhaken

    Anne Hertz - Goldstück

    Zitat


    Stefan räumt die leeren Gläser und die Pizzakartons vom Tisch, mehr Geschirr gibt es nicht, denn ich habe die Pizza mit den Fingern direkt aus dem Karton gegessen!

    Wäre das nicht etwas für den Thread über komische Buchzitate? Er hat die Finger auch mitgegessen oder was? Oder isst er mit den Fingern statt mit dem Mund?

    Zank : ich bin beeindruckt, dass du als Grundschulkind Was-ist-Was-Bücher gelesen hast; wenn ich hier mal Bände dieser "alten" Ausgaben (die mit dem weißen Einband) in die Hände bekomme, muss ich feststellen, dass ich nicht mal einen Bruchteil von dem weiß, was darin steht. Die Kinder hier kommen anscheinend nach mir, sind beide nicht so die hellsten Birnen im Kronleuchter :) .., hier sind immer noch Bücher für Grundschulkinder voll beliebt.

    Das ist ein Missverständnis!

    Zwar ist das Wissen dort für Kinder verständlich aufbereitet, aber bei dem großen Themenkomplex (Titel), muss KEIN Erwachsener ALLE Fakten aus den Büchern kennen! Kommt halt auf die interessen, Schulbild, Erwachsenenbildung an. Nicht jedes interessante Wissen kam auch in der Schule dran!




    Ich finde diese "Holunderweg"-Bücher ganz nett, ein bisschen Wohlfühlen für Kinder mit Anregungen für jahreszeitliche Aktivitäten.


    LG von

    Keshia


    PS

    Vielleicht solltest du "jünger" mal genauer definieren, also Kindergartenalter, Grundschule, nur einfacher Text, aber anspruchsvolles Thema usw.

    Hal lo Kirsten,

    ja der Gesamt-SUB ist deutlich größer. Auf dem Reader hat der SUB-Order ganze 94 Titel und im Regal liegen in Papierform auch noch einige Bücher - ungezählt - die ich nicht oder nur ansatzweise gelesen habe. Entweder kam etwas dazwischen, manchmal auch ein interessanteres Buch ^^ oder sie waren mir dann doch zu langweilig, aber nicht uninteresant genug zum Weggeben. Na ja, man kennt das ja von Leuten, die so viele Bücher auf dem SUB haben, dass es für ein Jahr reicht. Und dann kommen immer wieder noch super interessante Neuerscheinungen/ Neuentdeckungen hinzu.:love:


    Wobei ich jetzt gerade beim Durchsehen gemerkt habe, dass ich einige Bücher in dem SUB-Ordner tatsächlich schon gelesen hatte wie Mastering the Art of French Eating, Margaret Atwood The Testaments, Girl with a Pearl Erring etc.

    Also ein paar kann ich sicher schon aus dem großen Ordner streichen!


    LG von

    Keshia

    Moin!


    Ich möchte hier auch mal einen SUB-Thread anfangen.


    Ich fange mal an mit meinem "Aktuellen SUB", meinem neuen Sammlungstitel auf dem Reader. Dort habe ich eine SUB-Sammlung, habe aber jetzt die Bücher zusammengesucht, die ich aktuell lesen möchte in den nächsten Monaten oder so. Ich denke, das ist für mich realistischer als eine Liste mit 100 oder mehr Titeln, die dann wieder nur frustrieren.


    Auf meinem aktuellen SUB auf dem Reader sind jetzt:


    Muriel Barbery: Life of the elves

    Caroline Buchanan: The 15 minute rule

    Essie Burton: The miniaturist

    AS Byatt: The childrens Book

    AS Byatt: Ragnarök

    Tracey Chevalier: Remarkable creatures

    Tracey Chevalier: The virgin blue

    Julia Child, Simone Beck: Mastering the Art of French Cooking Volume II

    Emily Dickinson: The letters of Emily Dickinson

    Pia Edberg: The cozy life

    Nora Ephron: The most of Nora Ephron

    Judith Flanders: Christmas. A history

    Tony Fletcher: The story of REM

    Alfred Habegger: My wars are laid away in books. The life of Emily Dickinson

    Tony Hammersley: The complete book of home organization

    Francine Jay: 100 essentials

    Nicole Menche et al: Pflegen heute (Fachbuch, möchte ich aber trotzdem mal durchlesen)

    Sara Nelson: So many books, so little time

    Cara Nicoletti: Voracious. A hungry reader cooks her way through great books.

    Steven Pinker: The sense of style

    Laura Purcell: The silent companions

    Lucy Worsley: If awlls could talk

    Lucy Worsley: Jane Austen at home

    Andrea Wulf: Alexander von Humbold: Die Erfindung der Natur



    _____________

    Angefangen.

    Beendet.

    _____________




    LG von Keshia

    Im Oktober habe ich leider nur zwei Bücher geschafft, die ich auch schon vorher mal angefangen hatte, das war neben der Eismalerin "Mastering the Art of French Eating" von Anna Mah (und das Buch hat nur 288 Seiten!):


    Anna Mah: Mastering the Art of French Eating:



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    Kristín Maja Baldusdóttir: Die Eismalerin:


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    Ich bleibe aber dran...

    (Allerdings habe ich im Oktober noch recht viel Zeit mit einem Fachbuch verbracht...).


    LG von

    Keshia

    Ich habe jetzt etwa das erste Drittel hinter mir und bin einigermaßen irritiert. Das gilt zunächst einmal und vor allem für den Zeithorizont. Wenn ich die bislang aufgepickten Infos über Offreds Leben zusammennehme, dann müßte der Umschwung binnen weniger Jahre (ich sage mal: drei bis maximal fünf) stattgefunden haben und kann auch noch nicht so lange zurückliegen, weil das sonst mit ihrem vorigen Leben und dem Alter der Tochter alles nicht hinkommt. Und in dieser Zeit hat sie auch noch ihre „Ausbildung“ erhalten und mindestens die zweite „Stellung“, wobei sie dort mindestens zwei, eher mehr Vorgängerinnen hatte. Das paßt für mein Empfinden alles nicht recht zusammen.

    Die Zeiteinordnung fand ich auch sehr schwierig. Ich habe mir das so zusammengereimt, dass von der Regierungsbildung/ Umsturz zur Umerziehung eine nicht genannte Zeitspanne vergangen ist (in der, wie im zweiten Band erwähnt, wohl die Tanten ausgebildet werden mussten). Ab der Umerziehung würde ich es mir so erklären: Ein halbes bis ein Jahr Umerziehung/ Red Center, und dann ein bis drei Jahre bei Commander 1 und 2. Es wird soweit ich weiß angedeutet, dass nicht jede Magd, die keine Kinder bekommt, die gesamten drei Jahre bei einem Commander bleibt. Somit wäre Offred bei Beginn der Handlung ca. fünf bis 8 Jahre Magd und davor vielleicht ein halbes bis zwei Jahre "in Ausbildung" gewesen und davor mag es ein halbes bis ein Jahr eine Zeit vor der Ausbildung gegeben haben. Also zwischen 7 und 10 Jahre nach Gründung von Gilead und Offred müsste dann vielleicht Mitte bis Ende 30 sein?


    Ich kann mir schon vorstellen, dass man (viel) Wissen verliert, wenn man komplett indoktriniert wird und einem sämtliche Möglichkeiten zum Austausch sowie Texte jeder Art fehlen und man also auch keine Erinnerungen aufschreiben kann. Das Leben, das sie lebt, wird für sie zunehmend "normal", weil die äußeren Umstände sie da rein pressen.

    Dass eine durchschnittliche Frau nicht versucht zu fliehen, nachdem sie gesehen hat, wie anderen die Füße aufgeschnitten wurden oder Schlimmeres und nachdem man regelmäßig an der Exekution von "Verbrechern" teilnehmen muss und jeder, mit dem man heimlich spricht, ein Spion sein kann sowie genau festgelegt ist, was man sagen und dass man meist schweigen muss (und viele vorher übliche Wörter und Floskeln ersetzt wurden, so dass Erinnerungn vielleicht auch zunehmend schwieriger wird), erschließt sich mir schon.

    Selbst wenn man flieht - womit und wohin? Irgendwann erwähnt sie, dass sie gar keine Straßenkarte oder Vorstellung von der Umgebung hat. Und alles wird überwacht, wie soll man unentdeckt entkommen?

    Immer wieder wird im Buch ja erwähnt, dass sie keinem traut, weil jeder ein Spitzel sein könnte. Und selbst ihr Alltag außerhalb der "Zeremonien" wird akribisch überwacht.

    An Moiras Fluchtversuch wird mMn sehr gut dargestellt, wie sehr so eine Indoktrination einen beeinflussen kann - Moira fällt es schwer, ihre erlernten Verhaltensweisen wie auf den Boden schauen, unterwürfig zu sein zu unterdrücken, obwohl sie sich selbst für eher forsch und mutig hält.

    Aus meiner Sicht stellt das Buch sehr schön dar, dass alle in dem System gefangen sind, selbst die, die es erdacht haben - keiner kann jetzt mehr offen sprechen und erklären, dass es schlecht gelaufen ist. Die Ehefrauen und Kommandanten leiden unter Langeweile, die Ehefrauen unter Eifersucht, jeder hat Angst vor Veränderungen (Marthas: Was passiert, wenn sie zu alt für die Hausarbeit werden? Was passiert dann mit den Mägden? Die Sorge wird im Buch ja angesprochen, aber nie geklärt).


    LG von

    Keshia

    Also, ich muss mal gestehen, dass ich bestimmte Tendenzen der letzten Jahr für mindestens leicht gefährlich halte. Dazu gehört es, bestimmte Menschen als Nazis abzustempeln, um dann Verhaltensweisen zu legitimisieren, die man bei anderen nicht erlauben würde. Stichwort "punch Nazis". Ich kann also jeden einfach zum Nazi erklären und ihn dann schlagen und das damit legitimatisieren. Außerdem fällt damit tatsächlich oft die differenzierte Auseinandersetzung mit Meinungen und Ängsten unter den Tisch. Man "darf" also in bestimmten Kreisen, zunehmend online, nur noch bestimmte Ideen und Ängste äußern. Was passiert aber, wenn man Sorgen und Ängste bunkert? Irgendwann geht man damit zu denen, die einen damit akzeptieren. Und wenn einem eingredet wurde, dass das Nazis seien, dann haben wir doch ein Problem oder nicht?

    Die zunehmende Tendenz, vor allem online, einfach bestimmte Meinungen zu sperren auf seiner Seite - das betrifft beileibe NICHT nur politische Meinungen! - finde ich sehr, sehr bedenklich.

    Und viele Zuläufer zu echten Nazigruppen wurden doch früher aufgefangen, indem man ihnen bewusst machte, was sie da suchen (Akzeptanz etc.) und wie und wo sie das anderweitig bekommen.

    Heute werden dann solche Menschen eher einfach aufgegeben?


    Mich besorgen ehrlich gesagt auch Meinungen wie Kaltstellen von AFD-Anhängern im Umfeld, also Freundschaft oder Kontakt kündigen. Damit treibt man doch diese Menschen dann entweder zur AFD (in den USA das gleiche Spiel mit Trump) oder man bringt ihnen bei, ihre Meinung für sich zu behalten, wenn sie Freunde/ Kontakt zur Familie behalten wollen. Die Meinung muss einerseits nicht zwingend fremdenfeindlich etc. sein und schwelt andererseits dann leise vor sich hin wodurch man doch wieder leichter für entsprechende Gruppen empfänglich wird, die einen dann ernst nehmen.


    Mag ja sein, dass ich alt werde, aber ich bin immer wieder entsetzt, wie viele Menschen/ Webseiten Diskussionskultur (allen wird zugehört, man überzeugt mit Argumenten, schreit nicht, nimmt jeden ernst, es gewinnt, wer die besseren Argumente hat, man kann auch zur Akzeptanz gegenseitiger Meinungen kommen) zunehmend ablehnen oder sogar als gefährlich erachten, also Meinungsvielfalt ablehnen und damit die Idee verbreiten, man müsse erst die "rcihtige" Meinung heraushören, um nicht gesperrt zu werden oder besser sich zu kritischen Themen gar nicht äußern.


    Zunehmd finde ich in den zugegeben oft nicht, aber auch offiziellen Medien die Meinung, dass Menschen mit der falschen politischen Einstellung weder Freunde verdienen, noch gehört zu werden, eine Meinung haben zu dürfen - auch abseits des politischen Themas.

    Und ich frage mich: Wenn sich das durchsetzt, kann man uns dann nicht alle leicht manipulieren, indem man im Vorfeld zur Wahl durchblicken lässt, wen man (nicht) wählen sollte/ darf, wenn man sozial nicht "sterben" möchte? Und was machen wir, wenn sich das wahllos auf diverse jetzt etablierte Parteien oder einzelne Politiker auswirkt? Sind wird dann nicht politisch leicht steuerbar?

    Sind meine Gedanken dazu so verquer?


    LG von

    Keshia

    Ich hatte jetzt so viel Zeit im Bus und beim Warten im Pflegeheim, dass ich mit der "Eismalerin", an der ich seit April lese :lesen:, bei 80% (Reader) bin. Der Text ist seltsam, es passiert zwar etwas, aber das wird oft relativ gleichmütig erzählt, so als ob jemand atemlos etwas herunterleiert und dann stößt man über Inhalte, die einen aufhorchen lassen, an denen man aber aufgrund der Erzählweise vorher vorbei gelesen hatte.


    In etwa so als ob es in einem Krimi hieße "er ermordete sie dann und zerstückelte die Leiche und wurde 5 Jahre später aufgrund seiner Tagebucheinträge von der Polizei geschnappt." - man denkt sich, ist das nicht ein paar Absätze wert, einer emotionaleren, detaillierteren Beschreibung?


    Als Haarfreak freute ich mich allerdings über eine Stelle, im gleichen Stil geschrieben, an der die Haarfülle und der Haarglanz einer Person beschrieben wird, der daher rührte, dass sie ihre Haare mit Seife wusch und dann mit Urin rinste... Darauf wird nicht weiter eingegangen. Haarseife erfordert meist eine saure Rinse, die bekannteste ist Apfelessig. Mag sein, dass der auf Island nicht zur Verfügung stand (die Handliung spielt glaube ich Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts?). Aber man horcht erst mal auf und denkt, was bitte - und dann kommt keine weitere Erklärung.


    Ich warte mal das Ende ab, bis jetzt weiß ich nicht genau, was ich von dem Buch halten soll. Anfangs dachte ich, ich wäre jetzt gefühlt kurz vor Ende, da waren es 15%. Jetzt bin ich kurz vor Ende und es ist zwar einiges passiert, aber nichts, das irgendwie in eine bestimmte Richtung weist. Es ist mehr so, als ob man das Tagebuch einer verstorbenen Urgropßmutter liest (Text ist aber in der dritten Person geschrieben).


    LG von

    Keshia

    Auch dieses Buch macht mich wieder wütend, denn ich finde die Geschichte auch weiterhin sehr bedrückend.


    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Vergibst du drei Ratten, weil du wütend wurdest, also der Text Gefühle in dir hervorgerufen hat, oder weil etwas am Text mangelhaft war?

    Wenn es nur die Wut ist, hätte die Autorin doch ihr Ziel erreicht und der Text dich berührt?


    LG von

    Keshia

    Hm, die Buchidee klingt interessant, meiner Meinung nach in unserer Zeit aber verfehlt. Romane und auch Thriller weisen einen doch immer wieder auf reale Möglichkeiten hin. Wenn dieses Buch nun zu noch mehr Ängsten führt, das Handy mal zu Hause und den Computer aus zu lassen, ist das heutzutage eher kontraproduktiv. Wir sind mit Digital Detox noch nicht durch, viele haben das noch gar nicht ausprobiert, könnten es sich selbst in der Freizeit, an einem Familientag, überhaupt nicht vorstellen. Wenn nun das Buch diese Haltung bestärkt, ist das doch eher traurig, oder?


    Einen Nachmittag komplett ohne Geräte und plötzlich merkt man, wie viel Zeit man hat, wie viel Spaß man haben kann, ohne ständig zu googeln oder zu antworten, teilweise - je nach Nutzerverhalten - erlebt man seine Mitmenschen viel intensiver, da ohne Unterbrechung. Weil aber so wenige Menshen dieses Erlebnis heutzutage schon hatten, würde ich an dem zarten Pflänzchen nicht rühren und hätte mir einen anderen Hintergrund ausgedacht (z.B. Gepäack gestohlen, Unfall und Handys etc. im abgestürzten Bus oder so).





    _____________

    Ich habe z.B. ein Internetvolumen am Handy nur über Netzclub und verlängere das auch nicht. Daher habe ich in einigen Monaten schon nach kurzer Zeit kein internetvolumen mehr am Handy und muss drei Wochen warten. In letzter Zeit verbrachte ich viel Zeit als Besucher im Krankenhaus, oft wartend, während der Patient schlief. Vieles hätte ich sonst mal kurz gegoogelt. Ohne Internetvolumen aber habe ich in der Zeit recht viel auf dem Reader gelesen (bekannte Bücher neu gelesen, aber immerhin). Anfangs wird man etwas kribbelig, wenn man nicht mal kurz etwas nachschlagen kann etc., aber mit der Zeit merkt man, dass man gelassener wird.

    Davor sollten nicht noch Ängste geschürrt werden.



    LG von

    Keshia

    Margaret Atwood: Die Zeuginnen (The Testaments)


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    Gibt es dazu noch keinen Thread oder habe ich ihn übersehen?


    Der Nachfolger der "Handmaid's Tale" ist da!


    Diesmal sind wir ein paar Jahre weiter (je nach Handlung ca. 16 bis 28, glaube ich) als im letzten Buch. Wir bekommen drei Dokumente zu lesen von Frauen, die entweder in Gilead aufwuchsen oder eine Weile dort lebten.


    Pro:

    Das Buch wurde geschrieben und wir erfahren etwas, aber nicht alles, von Protagonisten des ersten Bandes. Nicht unbedingt DEN Protagonisten, von denen wir uns das ggf. gewünscht hätten. Eine Protagonistin wird in diesem Band GANZ anders dargestellt als im ersten, sie hat sich komplett um 180° gedreht und es wird nicht ganz klar, warum. Man liest ihren Bericht trotzdem mit Spannung, allerdings wartete ich die ganze Zeit auf eine Erklärung für die Veränderung, ich wollte wissen


    Das wurde leider nicht aufgeklärt.


    Eine Protaginistin wächst in Gilead auf, und man erfährt, was Aunt Lydia im ersten Band sagt: Für die nachfolgenden Generationen wird es einfacher. Man erfährt, womit sie sich arrangiert und was für sie normal ist, aber auch, womit sie sich schwer arrangieren kann. Hier wurde mMn nicht ganz deutlich, ob das, was ihr so schwer fällt, normal oder in ihrer Familie eine Ausnahme ist ("Paula").

    Schön war, dass man hier nebenbei erfährt, wie jemand unter ganz anderen Umständen als üblich aufwächst, was ähnlich wie bei uns verläuft (Freundschaften, Cliquen, Neid, Elternliebe), was komplett anders verläuft, wo Indoktrination stattfindet. Überrascht war ich davon, dass Kinder tatsächlich zur Schule gehen und wie das abläuft.


    Eine weitere Protagonistin wuchs ursprünglich nicht in Gilead auf. Sie hat einen Blick von außen, bestimmte Vorurteile, bestimmtes Unverständnis und bringt uns gewisse andere Protagonisten mit dem Blick von außen näher. Sie ist anfangs ein "typischer Teenager".


    Interessant (und sehr überraschend) fand ich in diesem Buch die beiläufige Erkärung für die "Tanten". Bisher hatte ich "Tanten" immer als Verwandtschaftsbeziehung verstanden, ironisch wie "das sind Verwandte, denen ihr vertrauen sollt (die euch aber foltern und indoktrinieren)". Hier wird eine komplett andere Erklärung im zweiten Teil des Buches gegeben und die "Tanten" verhalten sich plötzlich relativ normal für ihre Lage, relativ menschlich im Vergleich zum ersten Band. Ihr Selbstverständnis wird erklärt.


    Kontra:

    GROßES Kontra:

    Dieses Buch ist NICHT der Nachfolger des ersten Bandes, sondern der Nachfolger des ersten Bandes UND der ersten Hulu-Staffeln!!! Teilweise wird auf Ereignisse Bezug genommen, die NICHT im ersten Band, sondern NUR in der Serie stattfanden!

    Hier hätte ich eine Einleitung mit Erklärungen und einer kurzen Zusammenfassung der Serie bisher (der Teile, die für das Buch relevant sind) fair gefunden. Nicht jeder schaut Hulu. Viele Käufer haben vielleicht auch nur den ersten Band im Regal.

    Sie können das Buch zwar verstehen, aber ein bisschen fehlt ihnen Hintergrundwissen, der Ahaeffekt wird nicht so sehr kommen.

    Leider auch wenn man die Serie kennt ist eine Entwicklung relativ schnell klar (jemand ist in Wahrheit jemand anderer und das kann man schon seitenweise vorher wissen/ ahnen, weil seitenweise NUR auf diesem Thema herumgehackt wird und es dann als große Überraschung präsentiert wird).


    Interessant, aber für mich relativ nebensächlich: Das Buch schließt ähnlich wie das erste Buch ab. Die meisten dort gegebenen Infos sind mMn irrelevant, aber auf der letzten Seite erfahren wir dann doch noch mal etwas Interessantes.


    Also unbedingte Kaufempfehlung. Wer nur den ersten Band kennt, sollte vorher mal eine Zusammenfassung der Hulu-Serie gelesen haben; davon gibt es einige online.


    Sehr schade ist allerdings, dass eine Protagonistin, von der man sich ggf. mehr gewünscht hätte, nur am Ende in einem kurzen Absatz auftaucht.


    4ratten


    LG von

    Keshia

    Ich habe dieses Buch zufällig in der Buchhandlung gefunden.

    Ich hatte dieses Jahr extremen Stress, ein Familienmitglied starb, ein anderes war seit Juli im Krankenhaus, konnte nicht gehen, am Ende lief es auf eine Beinamputation hinaus (und dann kam Delir, Essensverweigerung usw.). Daher hatte ich seit Feburar nur Kinderbücher in Deutsch und Englisch gelesen (passiert nichts Gravierendes, schöne heile Welt, kein Anspruch beim Lesen).


    Und dann habe ich dieses Buch im September entdeckt und an einem Nachmittag komplett gelesen.

    Während die Rezis bei amazon gemischt waren - einige fanden es vorhersehbar und das Ende sinnlos/ öde - hat mich das Buch doch sehr eintauchen (sogar wegtauchen) lassen. Einzig die Perspektive von Matthias habe ich beim ersten Lesen meist überflogen, weil ich damit wenig anfangen konnte (das änderte sich später).

    Schön fand ich gerade am Anfang die immer neuen Informationen, die oft eine ganz neue Perspektive vermittelten.



    Möglicherweise bin ich nicht mehr ganz die Zielgruppe, da ich solche Bücher vor einigen Jahren ständig gelesen habe, aber in letzter Zeit gar nicht mehr, so dass etwas, das für Stammleser vorhersehbar ist, es für mich eventuell nicht ist.


    Ein bisschen unglaubwürdig fand ich lediglich



    Während ich die Idee an sich gut fand und auch das Ende interessant, war es für mich aber dann doch nicht ganz nachvollziehbar,



    Ansonsten würde ich das Buch auf jeden Fall für lange Wartezeiten beim Arzt oder eine lange Zugfahrt etc. empfehlen.


    LG von

    Keshia

    Ich habe gehadert hier was zu schreiben weil das ein emotional aufgeladenes Thema ist - und wir wollen ja einerseits auch alle gemeinsam Leben und andere Kulturen kennenlernen, ihnen vielleicht auch Nahe sein. Aber andererseits wollen wir ja auch respektvoll sein und uns weiterentwickeln, denke ich.

    EDIT: Ich habe dann doch einen Beitrag verfasst weil ich daran gedacht habe wie hart es für die meisten Native Americans ist: was die Generationen vor der jetzigen erlebt haben und wie die meisten von ihnen jetzt leben ist ernüchternd. Ihre Kultur ist minimiert und sie werden belächelt wenn Traditionen ausgelebt werden - oder es wird eben geduldet. Ihre Kultur stand kurz vor der Auslöschung, so viele sind gestorben. Und jetzt hüpfen kleine weiße Kinder (nochmal: Ihnen gebe ich keine Schuld) mit dem Kopfschmuck herum, den nur der Älteste eines Stammes tragen darf weil ihm am meisten Ehre gebührt und er am meisten vollbracht hat - und der getötet wurde weil er Teil dieser Kultur war.

    Das fühlt sich falsch an.

    Hm, das Thema ist aufgeladen und wird von beiden Seiten sehr oft übertrieben, aber nur mal zwei kleine Gedanken dazu:

    Erstens: Federn finden sich in der Natur. Offiziell darf man sie gar nicht aufheben (Federsammelverbot; wusste ich als Kind auch nicht, gilt auch für Muscheln und Steine am Strand), aber wenn man es nun macht oder selbst Federn durch Vogelhaltung hat (von der Mauser natürlich ... ;)), dann könnte man auf die Idee kommen, gerade als Kind, diese Federn irgendwie als Modeaccessoire zu verwenden oder z.B. zu tragen, wenn ein Vogel, den man gehalten hat, gestorben ist, als Erinnerung. Hier zu sagen: "Aber NA trugen Federn als rituellen Schmuck, jetzt darf das nie wieder ein anderer machen!"ist zumindest in meinen Augen fragwürdig.


    Der andere Punkt ist: Kinder haben sich auch schon zumindest das ganze 20. Jahrhundert als Prinzessin und König verkleidet und damit ebenfalls Kostüme getragen, die etwas darstellten, dass früher nur bestimmte, verdiente Menschen mit entsprechendem Erbgut oder entsprechenden Ehepartnern tragen durften. Im Prinzip ist das nicht anders und wer "Prinzessin spielt" oder "König" ist auch meist sehr weit entfernt von mittelalterlichen Herrschern und ihrem wahren Leben oder gar heute lebenden Thronfolgern. Sicherlich sind beide Diskussionen auf einer ganz anderen Ebene, weil es halt besonders in den USA offenbar vor allem Jugendliche gibt, die sich als Karikatur eines NA verkleiden und das bewusst tun. Auf der anderen Seite sind aber deutsche Kinder, die Prinzessin spielen nicht besonders weit entfernt von deutschen Kindern, die Häuptling spiel/ten.

    Ein interessanter Aspekt ist hier für mich die inzwischen aufgeladene Frage, was Kultur ist und wer sie "hat". Man könnte ja auch argumentieren, dass so eine Verkleidung Teil der deutschen Kultur oder Kultur deutscher Kinder/ Kindheit ist, also eine gewachsene Tradition. Im Falle der Prinzessin/ Könige wohl etwas älter als im Falle des "Indianderkostüms", aber eben in beiden Fällen eher bewundernd als niedrträchtig getragen.

    Und dass Bilder verzerrt werden, ist ja auch mehr als üblich, keiner der Cowboy spielenden Kinder hatte die Idee, Kuhherrden zu treiben, sondern mehr die Idee, Stärke mit Spielzeugwaffen zu demonstrieren und sich dabei gut zu fühlen. Kein Kind, das mit Puppen spielt, übt dabei die echten Aufgaben einer Mutter aus und fühlt die echten Gefühle einer Mutter inklusive Sorgen um kranke Kinder usw. Das wirft einem ja auch keiner vor. Es ist halt in allen Fällen - so könnte man zumindest argumentieren - ein Spiel, eine Abwandlung, eine Nachahmung, die nur wenige, oft stereotype Elemente der Realität beinhaltet, aber normalerweise nie niederträchtig gemeint ist. Sonst müssten Feministen auch das Puppenspiel, Mutter-Kind-Spiel im Kindergarten usw. "verbieten" oder zumindest kritisch darüber schreiben.



    LG von

    Keshia

    Sehr gespannt bin ich im September auf die Fortsetzung von "The handmaid's tale" von

    Margaret Atwood: The testaments.


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    Viel verraten wurde noch nicht, außer, dass das Buch 15 Jahre nach Ende des Vorgängers spielt und drei weibliche Stimmen zu Wort kommen. Es wird spekuliert, ob eine davon eine Tante, ggf. sogar Tante Lydia, ist. (Wie alt war die eigentlich? Knapp über die Menopause hinaus oder älter?)

    Ich spekuliere mal, es gibt daneben noch den Bericht einer "Ehefrau" und "Tochter", die in Gilead aufgewachsen ist.

    Ich hoffe sehr, dass das Buch an den Stil des Vorgängers anschließt, denn für mich waren Atwoods Bücher immer unvorhersehbar - einige fand ich klasse, spannend, detailreich, nuanciert, andere dagegen ("Cat's eye" und "The heart goes last" z.B.) eher uninspiriert, langatmig, nicht wirklich spannend.



    LG von

    Keshia

    @ Gesine,

    ich hatte das Buch wirklich mit Interesse gelesen, mit der Einstellung, so schlimm wie in den Artikeln kann es ja nicht sein. Was ich las war ständiges Reglementieren und das in dem Mittelpunt Rücken von Verzicht, das die Tochter am Ende völlig verinnerlicht zu haben schien. Das meinte ich mit kaputt. Essen muss für sie so eine Art Religion sein, bei der es darum geht, sich durch Verzicht hervorzutun. Kaputt im Sinne von "ein normales Verhältnis zum Essen, zu essen, worauf man Appetit hat, zu spüren, wann man satt ist, scheint für längere Zeit nicht mehr möglich" (jedenfalls, wenn ich das letzte Kapitel zugrunde lege).

    Online wurde an einigen Stellen erwähnt, die ursprüngliche Bewertung der Ärztin könnte aufgrund eines Missverständnisses falsch gewesen sein, das Übergewicht war evtl. nicht so hoch. Ebenso wurde sehr oft betont (amerikanische Rezis), dass die Mutter das Ampelsystem, das mMn eher dem Kind Kontrolle über sein Essverhalten geben sollte, völlig falsch verstanden hat - sie hat genau das Gegenteil gemacht, dem Kind Kontrolle über sein Essverhalten so lange genommen, bis es ihre Vorgaben verinnerlicht hatte.

    Mit "kaputt" meine ich auch die Auswirkung aufs Selbstbild, die dieses fortwährende "ich bin zu dick, ich muss mich zurückhalten, alle anderen dürfen genießen, ich muss verzichten" langfristig auf einen Menschen haben könnte.

    Ich habe zugegebenermaßen nicht recherchiert, ob es Berichte von der weiteren Entwicklung Beas gab. Ich wäre dabei eher an ihrem Selbstbild als an ihrem Gewicht interessiert.

    Es gab in dem Buch diverse Szenen, bei denen ICH als Kind zu weinen angefangen hätten, unter anderem, einen Kakao als Belohnung versprochen zu bekommen, sich den ganzen Tag darauf zu freuen und dann den Kakao schon in der Hand zu halten, aus der Hand gezogen zu bekommen, weil da Sahne drauf ist...:( So etwas hätte ich tagelang sehr, sehr negativ mit meiner Mutter verbunden, wäre frustriert gewesen und hätte entweder gegen die Mutter gekämpft oder schlimmstenfalls verinnerlicht "ich darf mich halt auf nichts freuen, das mit Essen zu tun hat".



    LG von

    Keshia

    Marypipe


    Komisch, mir ging es genau umgekehrt: Obwohl das Thema eigentlich kein schönes ist, habe ich es stellenweise sogar als Wohlfühlbuch wahrgenommen. Bei der letzten Szene musste ich allerdings weinen; der Autorin soll es beim Schreiben ähnlich gegangen sein. Da hat sie in sehr einfachen Worten etwas beschrieben, über das wohl viele mal nachgedacht haben, aber vermutlich nicht wirklich in der Tiefe.

    LG von

    Keshia