Beiträge von MacOss

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ich bin der Meinung, dass man das Buch auch ohne entsprechende Kenntnisse verstehen kann. Aber da das Buch sich ja ausdrücklich mit dem Fuchs beschäftigt, sollte man schon wissen, dass der Fuchs in Japan eine ganz besondere Bedeutung hat und sowohl als Glücks-, aber auch als Unheilsbringer gesehen wird. In der japanischen Mythologie und in den überlieferten Geschichten tauchen häufig vielschwänzige Fuchsgötter auf oder Füchse, die Menschengestalt annehmen können. In Japan drückt sich die Fuchsverehrung auch heute noch dergestalt aus, dass an vielen Orten - insbesondere in oder bei shintoistischen Schreinen - Fuchsstatuen stehen (z.B. solche), die auch heute noch oft als Zeichen der Verehrung Tücher umgebunden bekommen, wie z.B. hier eine Statue der Fuchsgöttin Inari: klick.

    Im Zuge meiner neuen japanophilen Neigungen :zwinker: habe ich kürzlich auch diesen Roman gelesen. Eigentlich bin ich gar kein Krimileser und habe mit zeitgenössischen Werken, insbesondere aus dem Bereich der Blut- und Folterthriller, eher schlechte Erfahrungen gemacht. Aber dieses Buch hat mir gut gefallen, wahrscheinlich weil es sich, unblutig wie es ist, wohltuend abhebt von all den "Gewaltpornos", wie Denis Scheck sie gerne nennt.


    Obwohl das Buch relativ gewaltfrei ist und auch die Morde selbst beinahe schon beiläufig geschildert werden, ist es unheimlich spannend. Das Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden Protagonisten – der verliebte und hilfsbereite Mathematiklehrer Ishigami und sein alter Studienfreund, der Physikprofessor Yukawa – miteinander spielen, wie sie kühl und berechnend einander Herzlichkeit und Freundschaft vorgaukeln, immer wieder mal mit der einen oder anderen Information im Vorsprung sind, ohne dem anderen zu viel preiszugeben, und daneben die beinahe schon bemitleidenswerte tatsächliche (!) Mörderin und ihre Tochter, die ständig in der Angst leben, jeden Moment aufzufliegen – das alles fand ich sehr fesselnd. :daumen:


    Also, wenn ich künftig Krimis lesen möchte, dann solche.


    Ich gebe 4ratten

    Ich habe das Buch am Wochenende gelesen und komme zu einem etwas wohlwollenderen Ergebnis als Du, liebe Myriel.


    Mir gefällt die Geschichte um Dr. Shimamura, der im Japan des späten 19. Jahrhunderts unterwegs ist, um Frauen zu untersuchen, die angeblich "vom Fuchs" befallen sind und allerlei hysterisches Verhalten oder andere psychische und körperliche Auffälligkeiten an den Tag legen. Im Laufe seiner Untersuchungs- und Forschungsreisen, die ihn u.a. nach Europa führen, wird jedoch deutlich, dass auch er selbst empfänglich für gewisse psychische Ausfälle ist, und so war ich als Leser bei der Schilderung seiner Erinnerungen nie ganz sicher, was Realität ist, was Einbildung und was Fieberwahn. Insbesondere, da sich am Ende so manches Ereignis anders als gedacht herausstellt, aber das wird hier aus Spoilergründen nicht verraten. :zwinker:


    Schön und bisweilen ziemlich komisch fand ich die Schilderung der häuslichen Umgebung Dr. Shimamuras, insbesondere seiner Mutter und seiner Schwiegermutter, die rüstigen und rührigen alten Damen des Hauses, die um sein Wohl besorgt sind. Und zu der singenden Haushälterin, deren Namen er sich partout nicht merken kann, hegt er eine ganz eigene Zuneigung. :breitgrins:


    Interessant zu lesen war auch, wie einige der um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in Europa tätigen Geisteswissenschaftler wie Charcot, Tourette, Breuer und Freud in die Geschichte eingebaut wurden. Dem Klappentext auf der Rückseite des Buches ist übrigens ein Gemälde von André Brouillet von 1887 unterlegt, das Charcot und seinen Assistenten Babinski dabei zeigt, wie sie an der Salpêtrière, dem damals berühmten Pariser Nervenkrankenhaus, die hysterische Patientin Blanche Wittman in hypnotisiertem Zustand vorführen (Bild in der Wikipedia: -> klick).


    Die schöne Aufmachung dieses kleinen Büchleins hat mir überhaupt ganz gut gefallen, insbesondere die schönen Abbildungen von Holzschnitten mit Fuchsmotiven im Buch und auf dem Cover.


    Was mich jedoch beim Lesen immer wieder ins Stocken brachte, weil es relativ häufig vorkam, und was ich der Autorin oder einem etwas zu nachsichtigen Lektorat anlaste, ist die transitive Verwendung des Begriffs "erinnern" (also wie z.B. in der Wendung: "Er erinnerte den Geburtstag..."). Für mich klingt so etwas immer wie ein missglückter Anglizismus ("to remember sth."), habe mich aber auch schon belehren lassen müssen, dass diese Formulierung in einigen Regionen umgangssprachlich geläufig sein soll. Ich finde sie allerdings furchtbar und bin der Meinung, sie hätte für die Druckfassung korrigiert werden müssen. Auch der Zwiebelfisch ist kein Freund von ihr. :zwinker:



    Zauberhaft wird der Roman auch nicht dadurch, dass eine unerklärliche Krankheit die Bewohner entlegener japanischer Dörfer befällt, die gemeinhin "der Fuchs" genannt wird. Die Beschreibungen dieser Krankheit und des Verhaltens der Bewohner hätte einen guten Absprungpunkt für einen Ausflug in die japanische Mythologie und den Volksglauben bieten können, aber stattdessen durfte man als Leser nur miterleben, wie sich Shimamura vor seinen Landsleuten abwechselnd geekelt und angeödet gefühlt hat.


    Ja, da hast Du nicht ganz unrecht. Sagen wir mal so: Es wird einiges an Kenntnis der fernöstlichen bzw. der japanischen Mythologie und Kunstgeschichte vorausgesetzt, wie z.B. die Rolle des Fuchses oder der Fuchsgöttin Inari im Glauben der Bevölkerung, einiges wird aber auch erklärt oder kurz angerissen.



    Zu guter letzt habe ich auch nicht erkannt, was diesen Roman zu einem Gegenwartsroman macht - der Großteil der Handlung spielt in verschiedenen Vergangenheitsebenen und diese bestimmen maßgeblichen den äußerst handlungsarmen (und exzentrischen) Gegenwartsteil. Das ist nicht das, was ich unter "Roman über ein Thema aus der unmittelbaren Gegenwart" verstehe.


    An der Klassifizierung als "Gegenwartsroman" würde ich mich jetzt nicht zu sehr festbeißen. Diejenigen, die den Klappentext verfassen, müssen nicht unbedingt das Buch gelesen haben. :zwinker:


    Insgesamt hat mir die Geschichte um Dr. Shimamura recht gut gefallen, und ich vergebe:
    4ratten

    Nachdem ich vor ein paar Wochen die Verfilmung gesehen habe und sie sehr anrührend fand, habe ich heute die Romanvorlage gekauft:


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Buch24.de

    * Werbe/Affiliate-Links


    Kirschblüten und rote Bohnen von Durian Sukegawa (Übers. Ursula Gräfe).
    In einer wunderschönen Aufmachung mit bedrucktem Leineneinband und geprägtem Titel, Lesebändchen sowie Vorsatzpapier zum Ausklappen (!) mit Kirschblütenmotiv. :daumen:


    ... wenn man kein Prblem mit Amazon hat. :breitgrins:


    Naja, ich habe insofern kein Problem mit Amazon, als es mir als prima Informationslieferant dient, um meine Buchbestellung im Buchladen vorzubereiten. Oder um kostenlose Klassiker für den Kindle zu laden. :breitgrins:



    ePub lese ich übrigens auf dem iPad, das klappt ganz gut. Ist nur leider ein bisschen schwer, wie bereits festgestellt wurde.


    ePub kann man übrigens mit dem Programm Calibre in AZW oder MOBI umwandeln und auf den Kindle übertragen, um sie damit zu lesen.


    Die Tasten sind da wohl auch eher Sensoren. Aber "umblättern, ohne einen Finger zu heben" kommt deiner Anforderung ja recht nahe :breitgrins:


    Es lebe das anstrengungslose Lesen. :breitgrins:


    Ja, der Voyage sieht interessant aus. Kostet bloß leider so viel ... :sauer:
    ... und ist von Amazon. :Kreuz:

    Ist vielleicht auch nur so 'ne Macke von mir. Und betrifft auch nur das Weiterblättern. Das Navigieren in den Übersichten, das Markieren von Text usw. ist alleine mit Tasten schon umständlicher als auf einem Touchscreen. Schön wäre eine Kombination aus beidem, also ein Gerät mit Touchscreen, das an der Seite Tasten zum Umblättern hat. Gibt es sowas? :smile: