Beiträge von Iris

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Liebe Literaturschock-Leseratten,


    ich danke euch für eure Buchvorstellungen und Meinungen! :winken:



    Ich bitte euch, die Kommentare und Unterstellungen des Herrn Möhn zumindest bezüglich meiner Bücher zu ignorieren. In einem anderen Forum hat mir dieser Herr nazistisches Gedankengut unterstellt. Er beschäftigt gerne Foren mit seiner Person, speziell wenn es ein andere Autor wagt, in "seinem" angestammten Revier zu wildern (also z.B. ich oder Frau Pauly und einige mehr), aber nicht nur dann. In anderen Foren (Histo-Couch, historische-romane.de) ist er tw. unter seinem echten Namen Andreas Möhn (vor seiner Sperrung), später z.B. als Restitutus oder (nach virtueller Geschlechtsumwandlung) Katziana. Dort könnt ihr mühelos die entsprechenden Diskussionsbeiträge nachlesen.


    Tut mir leid, wenn ich harsch bin, aber ich lasse nicht zu, dass dieser Herr die Arbeit einiger Kolleginnen und Kollegen sowie meine Arbeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu vermiesen sucht.


    Das ist alles, was ich zu diesem Herrn und seinen Umtrieben äußern werde. Das Thema wäre interessant zu diskutieren, aber sicherlich nicht in Gegenwart eines Schleppanglers! :zwinker:

    Liebe Grisel, danke für die guten Wünsche! :smile:



    Ich denke nicht, daß ich verabsolutiere, da ja hoffentlich klar ist, daß jede Rezension und jede Beurteilung etwas ganz individuelles ist.


    Darf ich nochmal einhaken? :zwinker:
    Du schriebst (mit Bezug auf das Gegenkönigtum vo Heinrich Raspe):


    Die politischen Hintergründe wurden komplett ausgeklammert, [...]


    Da mußt du eine Menge überlesen haben, denn genau diese Fragen tauchen ständig irgendwo auf: In den Gesprächen mit Wigo, in Ravenna, während des Einzugs in Mainz, in der Auseinandersetzung mit Siegfried ... Sie sind nicht vordergründig, sid Gesprächsbestandteile und werden nicht explizit aufgedröselt. Stimmt, da wird historisches Spezialwissen nur "gestreift", zumal es für Heinrichs Zeitgenossen als selbstverständlich vorausgesetzt werden muß (kaum etwas finde ich in einem historischen Roman so lächerlich wie erklärende Exkurse eines auktorialen Erzählers oder Dialoge, in denen Leute sich über Sachverhalte aufklären, die ihnen völlig selbstverständlich sein müßten).
    Wie gesagt: Die "harten Fakten" kann man sich im Grunde im Wikipedia-Artikel zu Heinrich Raspe besorgen, für die intensivere Beschäftigung empfehle ich die dort im Artikel angegebene Sekundärliteratur (der Aufsatz von Jürgen Petersohn dürfte dich besonders interessieren). :smile:



    Liebe Nimue, ich hab leider überhaupt kaum noch Zeit für Foren. Wenn nicht die Administration bei den 42erAutoren wäre, würde man mich vermutlich kaum noch im Netz antreffen. Und jetzt ist mir auch noch pünktlich zu Weihnachten der PC durchgebrannt. :rollen
    Aber angeblich soll es ja nächsten Monat besser werden ... auch wenn ich das schon seit fast einem Jahr hoffe ... :breitgrins:


    Habt noch eine gute Zeit! :winken:

    Eigentlich wollte ich mich ja gänzlich aus diesem Thread raushalten, aber da ich etwas zur Sache beizutragen habe, melde ich mich als Autor jetzt doch mal zu Wort:



    Ich könnte es Leuten nicht mal übel nehmen, wenn sie da Probleme bei dem Buch gehabt hätten, da der Grundkonflikt, in den Heinrichs "Pfaffenkönigtum" fällt im Roman selbst nicht erklärt wird, nur vage, daß der Kaiser im Dauerstreit mit dem Papst ist. Die politischen Hintergründe wurden komplett ausgeklammert, weshalb ich das Buch auch als sehr gutes über den Landgrafen Heinrich betrachte, aber nicht über den Pfaffen-, bzw. Gegenkönig, da mir dieser Teil seines Lebens gefehlt hat. Ich kenne die Hintergründe, aber die meisten Leser wahrscheinlich nicht. Das hat nichts mit Anspruch zu tun, sondern einfach damit, daß das ein historisches Spezialwissen ist, das nicht jeder hat.


    Liebe Grisel, vom ersten Mal an, als ich erwähnte, daß ich an einem Roman über Heinrich Raspe arbeite, hast du dich in deinen Rückmeldungen darauf festgelegt, daß du -- gerade als Stauferfreundin, die angab, König Konrad als einen ihrer Lieblinge anzusehen -- eine ausführliche Apologetik des Gegenkönigtums dieser historischen Person erwarten würdest. Da ich keine Inhalte des Buches vorwegnehmen wollte, habe ich mich dazu nicht geäußert, aber eine solche Detailarbeit, die in den Händen des Jenaer Historikers Matthias Werner bestens aufgehoben ist, lag nie in meiner Absicht. Ich schreibe nun mal keine hisotrisch-politischen Doku-Dramen à la BBC. Und wenn ich eine solche Apologetik vorgehabt hätte, dann hätte ich als Titelvorschläge sicherlich anderes gewählt, z.B. "Der Gegenkönig" o.ä.
    Historisch gesehen hat Heinrich Raspe in seinem wenige Monate währenden nominellen Königtum (er wurde ja nie gekrönt) ohnehin nur sehr wenige Spuren hinterlassen -- wenn wir mal von ein paar Schenkungen und von einer ikonographisch bemerkenswerten Goldenen Bulle absehen. Da war seine Zeit als Reichsverweser für den unmündigen Staufer Konrad gemeinsam mit König Wenzel I. von Böhmen sicherlich maßgeblicher. Aber wer in diesen Jahren die Einflüsse auseinandernehmen will, bewegt sich im Bereich wilder Spekulation. So gut wie sicher ist, daß Kaiser Friedrich dieses Gespann mehr oder weniger als seine Marionetten betrachtet hat, und diese beiden das offenbar anders sahen.


    Als Schriftstellerin interessieren mich solche Detailspekulationen nicht. Das überlasse ich der Geschichtswissenschaft. Oder der BBC. :breitgrins:
    In historischer Hinsicht ist für mich die interessanteste Beziehung in diesem komplexen Geflecht das widersprüchlich beschriebene Verhältnis Heinrich Raspes zu seinem Widersacher und zeitweiligen Verbündeten Erzbischof Siegfried II. von Mainz, also die Frage, wie der Landgraf, der übrigens die bemerkenswerteste Karriere aller Ludowinger machte und faktisch Vater und Bruder um Längen übertraf, schließlich durch das massive Betreiben des Mainzers zum "Pfaffenkönig" wurde. Die (tatsächlichen und möglichen) Verflechtungen, die zu der Entscheidung von Veitshöchheim führten.
    Dazu gehören ganz zentral menschliche Fragen wie Heinrich Raspes Religiosität, sein Verhältnis zu seiner berühmten, kanonisierten Schwägerin und deren Beichtiger etc. Nicht der König in seiner Herrscherfunktion interessiert mich, sondern der Mensch, der diesen Lebensweg ging.


    Grundsätzlich halte ich es für keine gute Idee, wenn Autoren ihre eigenen Werke interpretieren, aber wenn ich sehe, daß mir ein sachbezogener Vorwurf daraus gemacht wird, daß eine erwartungsfrohe Leserin ihre persönliche Erwartungshaltung verabsolutiert, anstatt sich auf das tatsächliche Thema des Buches einzulassen, und sich das inzwischen über mehrere Foren ausbreitet, dann sehe ich mich irgendwann doch veranlaßt, die Angelegenheit richtigzustellen, soweit sie mich betrifft.


    Ein gutes neues Jahr und liebe Grüße!

    Hallo, Sandhofer!


    Zitat von "sandhofer"

    Eben unter dem Gesichtspunkt der kommunikativen historischen Genauigkeit. Quasi verschiedene Schulen der historischen Genauigkeit.


    Das entspricht ja auch weitgehend meiner Vorgehensweise. Heute sind Fingerbreiten sicherlich größer als zur Römerzeit (weil heute Hände größer sind!), und trotzdem transportiert die Verwendung dieses Begriffs weitaus mehr über die damalige Welt als ein Zentimeter.
    Ich schätze, wir sind uns in den Ansichten näher als du denkst. ;-)
    Fröhliche Grüße, :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Nimue!


    Zitat von "nimue"

    Ich meine damit den doch recht energischen Eifer, mit dem Du Deine Ansicht unterstreichst. Du redest von Abscheu, Stümpern, Diktatur des "Massenmarktes", einem rassistischen Trend und Deiner Weigerung vor dem herbeimanipulierten "Mehrheitsentscheid" zu kapitulieren :breitgrins:


    Stimmt. Wer gegen einen Strom schwimmt, den packt manchmal auch die Wut, wenn er einfach nicht vorwärtskommt. Es wäre aber dennoch gut, solche Äußerungen in dem Kontext zu belassen, in dem sie geäußert werden und nicht eine Kompilation aus dem Zusammenhang gerissener Äußerungen zum Beleg für einen grundsätzlichen Hang zum Fanatismus zu erklären.
    Fröhliche Grüße, :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Sandhofer!


    Zitat von "sandhofer"

    Irgendwas an historischer Genauigkeit opfere ich doch immer, oder?


    Das ist unvermeidlich. Ein Autor historischer Sujets kann nicht mehr leisten als ein Übersetzer, und wie du weißt, fällt auch bei jeder Übersetzung etwas hinten runter. Denn keine Sprache ist 1:1 auf eine andere applizierbar, und die dahinterstehenden Denkweisen sind ebenfalls unterschiedlich.
    (Zumindest ich dachte immer, genau das sei das Interessante an fremdländischer Literatur ... :-))


    Dasselbe gilt für die Klassiker: Wir sind heute -- bei aller Bildung, die sich ein interessierter Leser anzueigenen vermag -- schlichtweg nicht mehr imstande, diese Werke so zu rezipieren, wie sie damals verstanden wurden; wir lesen alles durch die Brillen von Tradition und Interpretation sowie unserer eigenen von vielen Faktoren geprägten Persönlichkeitsbildung. Das verfälscht diese Werke -- besser gesagt: die Rezeption dieser Werke ebenso.


    Die Abgründe zwischen den Intentionen eines Autors, dem Inhalt eines Textes und dem Verständnis des Lesers bleibt immer bestehen, die Frage ist, wie breit und tief sie ist. Das hängt von sehr vielen, höchst individuellen Faktoren ab.
    Das ist für mich allerdings noch lange kein Grund, vor diesen Schwierigkeiten zu kapitulieren und jeden Anspruch an mich selbst fallenzulassen, weil 's eh wurst sei. :breitgrins:
    Fröhliche Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Sandhofer!


    Zitat von "sandhofer"

    Aber dann darf ich als Autor doch auch nicht einfach "Meilen" benützen? Denn das wird der kilometergeeichte, standardisierte Mitteleuropäer des 21. Jahrhunderts doch mehr oder weniger mechanisch und absolut umrechnen - wenn ich Pech habe mit Faktor 1609,344 sogar aus den amerikanischen Meilen in Meter, mit etwas mehr Glück lässt er von Wikipedias "ca. 1482 m" nur das "ca." weg und rechnet so um. Es bleibt aber so oder so für ihn ein absolutes Mass.


    Mach 's doch nicht so kompliziert! :winken:
    Für solche Fälle gibt es ein Glossar, in dem sogar kurz auf die Relativität der Maßeinheiten hingewiesen werden kann.
    Ich arbeite mit Ausdrücken wie "Fingerbreit" (digitus), "Spanne" (palmus), "Fuß" (pes), "Schritt" (passus), "Meile" (milia [passuum]). Nur ein Depp kommt in diesem Fall automatisch auf die US-Längeneinheit "mile", zumal es endlos viele verschiedene Meilen gibt (Seemeile, statute mile, preußische Landmeile, nautische Meile, geographische Meile, Meridianminute, div. Postmeilen und Landmeilen ...). ;)
    Fröhliche Grüße, :blume:
    Iris aka zusammen :sonne:

    Zitat von "sandhofer"

    Das könnte doch Folgendes heissen: Der alte Römer hätte ohne weiter nachzudenken in seiner Alltagssprache eine Distanz zwischen zwei Städten in "Meilen" angegeben, der alte Grieche (iirc) in Stadien. Um nun zu charakterisieren, dass er Alltagssprache benutzt, könnte doch ein Autor in einem Roman den Römer "Kilometer" benutzen lassen?


    Never! :breitgrins:


    Hinter den alten Einheiten steht eine ganz andere Vorstellung von relativen Größenverhältnissen, hinter den neuen eine Mentalität der Verabsolutierung durch Standardisierung. Wer derartige Denkunterschiede, anstatt sie durch Konfrontation mit ihrer Andersartigkeit nachvollziehbar zu machen, nivelliert, ist in meinen Augen schlichtweg ein Stümper, der seinen Griechen und Römern ebensogut Bratenröcke anziehen kann. ;)
    Fröhliche Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Zitat von "Bettina"

    Zum anderen definieren wir eine Person ja auch über die Sprache. Die, die wir heute sprechen, ist die, die wir einordnen und werten können. Damit erleichtert ein Autor dem Leser doch die Aufnahme seiner Geschichte?


    Ein Autor historischer Romane ist im Idealfall ein Übersetzer, der es schafft, das Denken, Fühlen und Erleben der damaligen Menschen in eine für uns nachvollziehbare Sprache zu übertragen, die zugleich die Seele der damaligen Sprache atmet.


    Offen gestanden verabscheue ich den grassierenden Relativismus in diesen Dingen, der nur dazu führt, daß dem Niveauverzicht auch noch eine passende Begründung geliefert wird und denen, die es anders, engagierter und ambitionierter machen wollen, Knüppel zwischen die Beine wirft.


    Sorry, wenn ich da streng bin. Wer nicht fähig ist oder nicht willens, den Spagat zwischen damals und heute, zwischen zwei Kulturen zu machen und eine Brücke zu schaffen, der sollte es doch bitte dabei belassen, daß sein Tun trivial ist, und nicht hergehen, dieses Triviale zum allgemeingültigen Maßstab zu verabsolutieren, bloß weil er selbst halt nicht fähig oder nicht willens ist.
    (Womit ich dich nicht gemeint habe, Bettina!)
    Unverdrossene Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Zitat von "Papyrus"

    Ich denke in dieser Aussage ist viel Wahres zu finden.
    Egal ob historischer oder fantastischer Roman.
    Die meisten Leser möchten sich unterhalten.


    Das ist natürlich richtig, aber ich weigere mich, vor diesem herbeimanipulierten "Mehrheitsentscheid" zu kapitulieren. Lieber lasse ich mir beide Hände abhacken und die Zunge rausschneiden -- und das meine ich ernst! :grmpf:


    Die Diktatur des "Massenmarktes" kotzt mich restlos an, zumal man Kundenverachtung nicht deutlicher zum Ausdruck bringen kann, als wenn man seine Kunden -- wie Thomas Miehlke am Beispiel der Kinderschokolade verriet -- mit ihren eigenen Vorurteilen vollstopft und verdummt.


    Den aktuellen Trend finde ich übel, weil er auf seine Weise rassistisch ist, indem er unser eigenes Denken und Fühlen und vor allem unsere meist total falschen Vorurteile unter dem Vorwand, unsere Herkunft zu zeigen, 1:1 auf uns selbst zurückwirft.


    Ich bin egoistisch. Mich interessiert es, inwiefern Menschen in Antike und Mittelalter uns ähnlich waren und inwiefern anders, wie sie dachten, fühlten, die Welt sahen und erlebten. Ich will es verstehen und nachempfinden können. Und da ich ein unstillbares Mitteilungsbedürfnis habe, gebe ich meine Erkenntnisse weiter -- in fiktiver Form, wie Platon das in seinem 7.Brief rät.
    Unverdrossene Grüße, :blume:
    Iris :sonne:

    Zitat von "Jona77"

    Wenn die Sachbücher auch nicht korrekt sind, woher weiß man dann so genau wie es war ? Wie bekommt man herraus, welche Literatur gut recherchiert ist und welche nicht ??


    Indem man Quellen untersucht, vergleicht, die Tendenzen und Interessen der Verfasser sowie die Entstehungssituation der Quelle mit heranzieht, frühere Ergebnisse betrachtet, seinen eigenen Standpunkt hinterfragt ...
    Irgendwann während dieses unendlichen Verfahrens kristallisiert sich dann etwas heraus, das einem als die wahrscheinlichste Variante vorkommt, und die behandelt man dann -- zusammen mit allen annähernd wahrscheinlichen Varianten und dem, was andere vor einem für die wahrscheinlichste hielten. Das ist Wissenschaft.
    Eine absolute Wahrheit gibt es nicht. :)


    Edit: Ob ein historischer Roman trivial ist, entscheidet sich auch nicht allein an der historischen Genauigkeit, sondern auch an der literarischen Qualität, also am Stil, an der Erzählweise, an der Relevanz der Erzählung für unser eigenes Dasein ... Das bedeutet keineswegs, daß ein Text "schwierig" sein muß, er muß seine "Message" auch nicht wie auf einem Transparent vorantragen. Es ist ein stimmiges Gesamtbild, das aus einem Roman einen guten Roman macht, nicht die Anzahl der Käufer -- obwohl sich das nicht ausschließen muß. :)


    Sachbuchautoren pflücken sich meist nur daraus, was ihnen am besten in die eigene Theorie paßt, Romanautoren gehen letztendlich nach der Handlung, die sie sich ausgedacht haben. In beiden Fällen wird meist zurechtgebogen, was sich nicht von alleine ins Schema fügt.
    Das ist einfach normal.
    Es dürfte sogar füre inen gewissenhaften Autor schwierig sein, genau zwischen einer historischen Realität und der selbst geschaffenen, fiktiven Welt zu unterscheiden.


    Zitat

    Aber ich denke z.B. Merkle Rileys Bücher werden nicht von Leuten gelesen die anspruchsvolle historische Literatur suchen. Mir ist eben der Unterhaltungswert wichtiger, anderen die historische Genauigkeit ! Hab ich kein Problem mit.


    Ich habe auch nichts dagegen, daß Leser für solche Bücher schwärmen, schiele auch nicht neidisch auf den Erfolg (die wenigsten Autoren haben wirklich etwas davon). Was mich stört -- und diese Diskussion hatten wir schon einige Male -- ist, daß man es nicht beim Namen nennen darf, weil sonst die Fans beleidigt sind.
    Ich habe ein Faible für Comics und aus alter Treue auch für "all things Star Trek". Das ist trivial, das weiß ich, und es stört mich überhaupt nicht, daß ich eine triviale Ader habe. M.A.n. hat die jeder Mensch. Wohlfühlliteratur, -filme, -kleidung, -nahrung sind Dinge, die ein Mensch einfach braucht. Aber man soll bitte verdammichnocheins! nicht so tun, als sei das in irgendeiner Weise wirklich hochwertig als Literatur, Film, Kleidung oder Nahrung! ;)


    Zitat

    Iris@, Du kennst Dich ja aus, heißt -nach einer wahren Begebenheit- eigentlich "genau so war es" oder "so ähnlich war es", hab ich mich schon öfter gefragt...


    Bestenfalls "so ähnlich könnte es gewesen sein". ;)
    Dabei werden meist nur einzelne Daten oder Motive aufgegriffen und drumherum eine Geschichte konstruiert. Stell dir vor, du liest eine Notiz in der Zeitung, in deinem Heimatort sei ein Mord passiert, und du erzählst eine Geschichte, wie du denkst, daß es gewesen sein könnte.
    Liebe Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Zitat von "Jona77"

    Jedenfalls ist es doch eigentlich wurscht ob dass alles historisch richtig ist, hauptsache tolle Unterhaltung ! Wer Fakten will, soll Fachbücher lesen :zwinker:


    Das ist Quatsch, weil in zumindest in Sachbüchern ebensoviel Unsinn verbreitet wird wie in Romanen. Da besteht leider absolut kein Unterschied.


    Nix gegen Spannung und Unterhaltung, aber man sollte das Produkt dann auch so nennen dürfen wie es ist: trivial.
    Liebe Grüße, :blume:
    Iris :sonne:

    Zitat von "Steffi"

    Leider ist es schwer, die "guten" von den "schlechten" Büchern zu unterscheiden. Ich habe aber das Gefühl, dass es in letzter Zeit eher wieder besser geworden ist in dieser Hinsicht, oder ich habe einfach nur bei der Buchauswahl Glück gehabt.


    Dann wohl eher letzteres, gepaart mit leidgeschulten Augen. ;)
    Wenn ich mir die Verlagsvorschauen ansehe, hat die Flut anachronistischen Geschichtskitsches noch längst nicht ihren höchsten Stand erreicht.


    Naja, es ist halt wie in allen anderen Branchen: Jeder Trend wird solange gesurft, bis die Hersteller auf Bergen ihrer Ware sitzenbleiben. Da hilft es, wenn die Käufer immer kritischer werden.
    Liebe Grüße, :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, ihr Lieben!


    Als betroffene Autorin muß ich mich jetzt doch mal einmischen. ;)


    Zitat von "Sabine"

    Doch von einem Roman erwarte ich auch etwas Unterhaltung; es muss auch nicht immer hundertprozentig jede kleinste Kleinigkeit historisch korrekt sein - es genügt mir, mir vorstellen zu können "so könnte es vielleicht gewesen sein, warum nicht?".


    Das wäre der Idealfall -- die Realität sieht speziell für Autorinnen eher sehr, sehr bitter aus, wenn frau nicht ausschließlich das Schema "arme, schöne, superkluge und superstarke, geradezu unfehlbare Frauen setzt sich in grausamer, häßlicher, notgeiler Männerwelt mit weiblicher List und Charme durch, haut die Bösewichter übers Ohr und kriegt den verständnisvollen Softie" bedienen will.


    Es geht nicht um "Kleinigkeiten", sondern darum, daß das Gros der "historischen Romane" dem Etikett "historisch" in keinster Weise gerecht werden, sondern nur triviale Klischees und Vorurteile bedienen. Und zwar ganz grundsätzlich!


    Es ist richtig, daß Frauen im Mittelalter wesentlich mehr Möglichkeiten hatten als in der hochgelobten Neuzeit -- die Tiefpunkte findet ihr während Hexenwahn/30jährigem Krieg und im 19. Jh. Doch nicht nur deshalb sind die allermeisten Frauenromane historisch gesehen völliger Quark. Sie transportieren moderne Vorstellungen und Fragen in ein tatsächlich erfundenes "Mittelalter", das sich aus den Vorstellungen der Zigarrensammelbildchen des frühen 20. Jhs. speist.
    Die Päpstin ist ein besonders schlimmes Beispiel, dieses Buch hat bei vielen Leserinnen einen Nerv getroffen, aber mit historischer Realität hat das soviel zu tun wie leider die meisten "historischen" Romane aus der Feder US-amerikanischer Autorinnen, nämlich gar nichts.


    Problematisch für Autoren ist, daß viele Leser für wahr halten, was ihnen am besten schmeckt. Ob das nun Dan Browns Verschwörungstheorien sind oder Donna Cross "Mittelalter"-Phantasien, Jean Auels Pseudo-Steinzeit oder Marion Zimmer Bradleys Wicca-Bibeln: Die Popularität eines Autors bestimmt sowohl seine Glaubwürdigkeit als auch die Bewertung der sprachlisch-erzählerischen Wertigkeit seiner Romane.


    Die Trivialität der üerwältigenden Mehrheit der Publikation in diesem Genre hat inzwischen zu einer verheerenden Abwertung des Genre geführt. Als ich vor Erscheinen meines ersten Buches bei dem Versuch, Lesungen zu organisieren, einer hiesigen Buchhändlerin die Frage nach dem Genre stolz mit "historischer Roman" beantwortete, sah sich mit ein wenig mitleidig von oben nach unten an und erwiderte mit gespitzten Lippen: "Ach soooo ..." Das Thema Lesung war komplett erledigt, als rauskam, wann und wo die Handlung spielt und worum es geht: "Das verkauft sich nicht, da müssen sie schon eine neue Päpstin schreiben. So was, was die Leute für Mittelalter halten. Sie wissen schon."


    Nicht daß ich gegen diese Art Bücher einen Kreuzzug führen möchte -- das hat schon seine Berechtigung --, aber die Ausschließlichkeit, mit der dieser Kurs verfolgt wird, ist für Leser und Autoren, die etwas anderes in einem historischen Roman suchen, extrem frustrierend.
    Liebe Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Weratundrina!


    Zitat von "Weratundrina"


    wie sieht es denn mit der Fortsetzung aus? :breitgrins:


    Ist in der Mache g020.gif und kommt im Herbst in die Buchläden.
    Dann geht 's auch schnell bis zum nächsten, das im Winter herauskommen soll. :winken:


    Zoltar, ich weiß leider nichts, das ist offenbar ein Gebiet, an das man sich verlagsseitig noch nicht so herantraut.
    Liebe Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Weratundrina!


    Zitat von "Weratundrina"

    Ja, stimmt, die Bücher von Iris Kammerer sind auch gut, aber nicht so ganz meine Zeit.


    Hmm ... den Satz lese ich öfters und über den zweiten Teil wundere mich immer wieder. ;-)


    Liegt es evtl. daran, daß man Römer mit Latein und Latein mit Langeweile identifiziert?
    Fröhliche Grüße :blume:
    Iris :sonne:

    Hallo, Torsten!


    Uups, das hatte ich ganz übersehen:

    Zitat von "Torsten"

    Übrigens wertet Stefan Cramme Iris' Romane als durchaus den aktuellen Forschungen entsprechend (ich glaube bis auf die Lure stimmt das meiste;-)


    Lustigerweise kommen bei mir keine Luren vor, zwar bronzene Blasinstrumente, aber das sind keine Luren, sonst hätte ich die Dinger schon so benannt, sondern eher Hörner. Da hat er glatt überinterpretiert.
    Ich hatte eher stillschweigend mit der Möglichkeite gespielt, daß hier die bei der Meuterei erbeuteten römischen Militärblasinstrumente eine weitere Verwendung finden. :zwinker:
    Liebe Grüße, :blume:
    Iris :sonne: