Beiträge von bookstars

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.


    Ich hoffe, daß er wirklich etwas für Mikas Mutter tun kann. Allerdings sehe ich für den Rest der Familie bzw. Mitbewohner eher schwarz. Ich hatte direkt ein ungutes Gefühl, als Mika das Waisenhaus besucht, was seine Familie angeht.


    Ich hatte da auch ein extrem mulmiges Gefühl, denn nach einer Trennung war es fast unmöglich, sich noch einmal zu sehen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Soldat wie Max die ganze Familie retten kann.
    Vom „Umschlagplatz“ kamen die verschleppten, zusammengetriebenen Juden sofort in die Viehwagons und wurden abtransportiert …



    Daß Mika aber erstmal Angst hat und überlegt, kann ich ebenfalls sehr gut verstehen. Ich weiß nicht, ob ich dafür die Nerven gehabt hätte. Stellt euch mal vor, das Kind wäre erwacht, als er mitten unter den deutschen Soldaten ist?


    Daran habe ich auch die ganze Zeit denken müssen und habe richtig mitgebangt!
    Den Kleinen hat man vorher ja nicht wirklich klar machen können, was auf dem Spiel steht und dass sie unbedingt ruhig bleiben müssen.



    Das stimmt, daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Mmm.



    Nein, ich bin nicht davon überzeugt, mir kann nur irgendwann spontan der Gedankte, dass es auch sein könnte. Wartens wir es einfach ab. :smile:


    Ich denke auch, dass Mika seinem Enkel in NY seine Lebensgeschichte und die Geschichte des Mantels erzählt.
    Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Mika im Blizzard wirklich das Plakat gesehen hat und ein Enkel von Max vielleicht tatsächlich das Stück "Der Puppenspieler von Warschau" aufführt und Mikas Geschichte zumindest teilweise nacherzählt.
    So würde sich der Kreis doch schließen ...

    Den Roman finde ich auch emotional sehr aufwühlend und bedrückend – gerade weil man weiß, dass die vielen erzählten Details wahr sind und sich vieles genauso zugetragen hat.
    Der Autorin gelingt es hervorragend, uns mit sehr eindringlich geschilderten Episoden das Grauen und Elend des Warschauer Ghettos vor Augen zu führen und die entsetzlichen Details der perfiden deutschen Vernichtungsstrategie zu verdeutlichen.
    Kaum in Worte zu fassen ist das unsägliche Leiden der vielen Kinder und doch schafft sie es mit vielen herzergreifenden Szenen zu zeigen, was Mika da mit seinen Puppen bei ihnen bewirkt und ihnen glückliche Momente schenken kann.
    Mit seinem Spiel wird Mika ein anderer Mensch und wächst über sich hinaus – man spürt förmlich welche Macht von den Puppen ausgeht und sie fast ein Eigenleben zu führen beginnen.
    Sehr faszinierend!


    Nun erfahren wir auch, warum der 31.10. für Mika ein so bedeutsamer Tag war – es war der Stichtag, ab dem er stückchenweise seine Seele verloren hat.
    Wie grauenvoll muss es für den Jungen gewesen sein, mit seinen geliebten Puppen für die deutschen Soldaten auftreten zu müssen und sie bei Laune zu halten.
    Damit sie am nächsten Tag umso besser ihrer „Arbeit“ im Ghetto nachgehen können und die Ratten drangsalieren und töten können.
    Es muss ihm wie ein Verrat seines Volkes vorgekommen sein, mit diesen „Teufeln“ zu kollaborieren und in gewisser Weise sogar davon zu profitieren!


    Eine wirklich grauenvolle Vorstellung und ich kann verstehen, dass Mika aus Scham seiner Mutter nichts darüber erzählen kann und es nur Elli beichtet. Wobei ich mir schon gut vorstellen kann, dass sie grob Bescheid wusste, was Mika da durchmachen musste und deshalb auch nie nachgefragt hat.
    Immerhin kann er schließlich ja auch einiges Gutes bewirken, da er die Möglichkeit hat, die kleinen Kinder aus dem Ghetto zu schmuggeln und Medikamente zu besorgen.
    In gewisser Weise hat er ja noch Glück, dass sie nicht von ihm verlangen, das Spiel speziell auf die Juden und Rassenthematik umzumünzen – das hatte ich nämlich zunächst befürchtet. Sie geben sich mit dem klassischen Kasperltheater und seinen typischen Figuren zufrieden.


    Zitat

    Mich hat es gewundert, daß sie so von dem Puppenspiel angetan sind, ich hatte schon befürchtet, sie würden ihn viel mehr schikanieren. Daß er „nur“ mit Bier abgefüllt wird, damit kommt er beinahe noch glimpflich davon, auch wenn es erniedrigend ist.


    Das hat mich auch sehr gewundert, dass sie so lange Spass an dem simplen Puppenspiel hatten und es nicht leid wurden. Vielleicht hat es ihnen auch ein wenig die Erinnerung an ihr Zuhause zurückgebracht und ein gewisses Heimatgefühl vermittelt.


    Hmm – ich weiß noch nicht so recht, was ich von Max halten soll.
    Mit Max lernen wir nun den typischen Mitläufer kennen. Leute die nach dem Krieg dann behaupten werden, dass sie nie etwas Böses tun wollten, nichts gegen Juden gehabt hätten und nur ihre Pflicht als deutscher Soldat erfüllt hätten.
    Man merkt auch sehr deutlich, dass er etwas anders als die übrigen Soldaten ist, eigentlich nicht hinter Ideologie der Nazis steht und den jungen Mika auch sehr mag.
    Vielleicht hängt es aber auch nur damit zusammen, weil er ihn an seinen Sohn Karl erinnert?
    Er setzt sich immerhin im Rahmen seiner Möglichkeiten für ihn ein und beschützt Mika – was ihn in gewisser Weise schon sympathisch macht.
    Doch wirklich was riskieren kann und will er für den Juden natürlich auch nicht, da er weiß, dass es ihn sein Leben kosten kann. Insofern ist es auch für Max eine schwierige Situation, sich für Mika einzusetzen.


    Nun wird es aber bald für alle Ghettobewohner sehr kritisch werden, denn die erste große Deportationswelle steht bevor…


    Was haltet ihr denn eigentlich von den drei Begleitern von Will Andrews?


    Eine sehr faszinierende Persönlichkeit ist ja Miller, der Anführer der Gruppe, während die anderen ja ziemlich hinter ihm zurückgetreten sind.
    Große Zweifel hatte ich ja schon, ob sein Mythos von der riesigen Büffelherde in den Bergen von Colorado. überhaupt stimmt, oder ob er sich nach zehn Jahren immer mehr zusammen fantasiert hat.
    Scheinbar hatte er zuvor ja auch schon ein paar Mal versucht, Leute für sein „Lebensprojekt“ zu gewinnen.
    Mit William Andrews als gutgläubigen Geldgeber hat er es dann aber auch sehr leicht und da war es auch egal, ob er den Strapazen überhaupt physisch und psychisch gewachsen ist.
    Wortreich hat er ihn umworben und ich habe mich schon gewundert, dass ein Jäger dieses Kalibers so viel redet …
    Wortkarg, mit allen Sinnen bei der Sache, in den Gesten aber extrem reduziert habe ich ihn mir eher vorgestellt und so ist er später auch dann auch!
    Ein harter Mann voller Selbstbewusstsein und ein geborener Anführer – keiner in der Gruppe hätte je seine Autorität untergraben und sich gegen seinen Willen durchsetzen können. Und das hat sie ja auch in die absolute Katastrophe geführt.
    Ich habe mich auch gefragt, warum der so rationale Schneider nicht hartnäckiger zum Aufbruch gedrängt hat und sich dann so hat einschüchtern lassen.
    Er wusste doch genau was auf dem Spiel stand!


    Am erstaunlichsten fand ich aber Millers gespaltenes Verhältnis zur Natur.
    Er kann sich als Naturkenner extrem gut in ihr lesen, ist ein perfekter Scout und bewundert die Naturphänomene sicher auch, aber er will sie nicht bewundern und achten, sondern sich stets untertan machen und wird zum wahren Naturzerstörer.
    Von seiner Mentalität her ist er das genaue Gegenteil der Indianer, die so respektvoll mit der Mutter Erde und ihren Geschöpfen umgegangen sind und im Einklang mit ihr gelebt haben und nur so viele Büffel gejagt haben, wie sie verwerten konnten und das sogar in jeglicher Hinsicht – Fleisch, Knochen, Häute sogar ihr Dung.


    Sein Gemetzel an der Büffelherde und sein nicht enden wollender Blutrausch haben mich völlig entsetzt – er will nicht eher ruhen, bis das letzte Tier erschossen ist.
    Zu einer echten Tötungsmaschine ist er plötzlich mutiert, der im Akkord die Tiere erlegt ohne auch nur einen Gedanken an sein zerstörerisches Werk zu verschwenden.
    Mir kam es vor, als war bei ihm plötzlich ein Schalter umgelegt worden – ist es das Gefühl von Allmacht und absoluter Kontrolle das ihn so entgleisen lässt?
    Mich hat es wirklich vor diesem Menschen gegruselt!
    Auch später als er in seinem Frust über den zerplatzen Lebenstraum Feuer gelegt hat und nicht eher ruht, bis alle Felle in den Flammen landen.


    Sein Wahn ist so eindringlich beschrieben, dass es mir richtig unter die Haut gegangen ist.
    Die Vorstellung dieser vor sich hinrottenden Fleischmassen hat regelrechten Ekel in mir verursacht – welch eine Verschwendung diese Tiere nur wegen der Häute in solchen Massen abzuschlachten.
    Nun wundert es mich nicht mehr, wie Millionen von Büffeln in kurzer Zeit bis auf wenige 100 Exemplare quasi ausgerottet wurden.


    Die größte Ironie ist ja später nach ihrer Rückkehr zu erfahren, was für das Kilo Büffelfleisch gezahlt wird, das nun dringend für die Versorgung der Eisenbahn-Arbeiter benötigt wird.


    Andrews ist für mich das, was man heute einen Aussteiger nennen würde.


    Ja das habe ich mir beim Lesen auch gedacht. :breitgrins:


    Zitat

    Dass das Abenteuer, dann aber zu solch einer Katastrophe wird, damit hat er nicht gerechnet. Hier allerdings muss ich eben das Wort "verwöhntes Söhnchen" schon wieder ein wenig revidieren, denn er ist wirklich hart im nehmen. Er zieht es durch und verzieht sich nicht jammernd in eine Ecke. Das habe ich ihm die ganze Zeit hoch angerechnet. Ich hätte das nicht von ihm erwartet. ...Dennoch schaltet er dann einen Teil seiner Seele ab, denn anders wäre er wohl wahnsinnig geworden, Nur so konnte er mithalten und die Büffel enthäuten. Er verschanzte sich hinter einer selbstaufgebauten Distanz und verboz sich quasi selbst darüber nachzudenken, was er da eigentlich tat.


    Ja das habe ich auch genau so empfunden!
    Dass Menschen in derartigen Situationen zum Selbstschutz so werden, ist auch sehr glaubwürdig von Williams umgesetzt.
    Andrews findet in diesem unberührten Tal tatsächlich eine Art Paradies vor, doch erlebt er danach die absolute Hölle.
    Inmitten dieser Gräuel ist er derart überfordert, dass er sämtliche Emotionen ausschalten muss, um überhaupt noch irgendwie zu funktionieren zu können.
    Irgendwann ist wohl bei allen nur noch der Überlebensmodus eingeschaltet – mich hat es ehrlich gesagt auch sehr gewundert, dass er in den Extremsituationen nicht verrückt geworden und zerbrochen ist.
    Wie es ja bei dem armen Charlie der Fall ist, der nach dem Blizzard-Erlebnis scheinbar ganz den Verstand verloren hat.


    Zitat

    Ich bin froh, dass es keine Bücher gib, die den Geruch des Schauplatzes verströmen. :sauer:


    Darüber war ich auch echt froh und dennoch hatte ich plötzlich irgendwie diesen grauenvollen Verwesungsgeruch in der Nase. :zwinker:


    Ich finde ja, dass seine Suche nicht besonders erfolgreich war und er das Gute und die Lebenskraft nicht gefunden hat (eher im Gegenteil) und ebensowenig den Grund dafür, dass seine Welt sich von ihrer Quelle abwendet. Das alles bleibt in Andeutungen und obwohl das Buch mir im Ganzen sehr gut gefallen hat, bleibt es mir gerade hier zu sehr im Ungefähren stecken.


    Tja das ist bezogen auf Wills Suche wohl ein klassisches Beispiel für den eklatanten Widerspruch von Theorie und Wirklichkeit! :breitgrins:
    Du hast recht, das wird im weiteren Verlauf nicht weiter herausgearbeitet und muss vom Leser gedeutet werden.
    Anfangs hatte ich noch darauf gewartet, dass Will über seine Erlebnisse reflektiert und in irgendeiner Weise Resümee zieht, aber nicht dergleichen geschieht.


    Interessant ist ja, dass wir von keiner der Figuren etwas über ihre Gedanken und ihr Innenleben erfahren, sondern fast alles aus ihren reduzierten Dialogen und ihrem Handeln herauslesen müssen.
    Und dennoch erhält man über sie ein unglaublich vielschichtiges, aussagekräftiges Bild!

    Zitat


    Ein anderer Aspekt, der der Natur entgegensteht, ist die Mühe, Arbeit, und menschliche Zähigkeit bei der Erreichung eines Ziels, aber auch die Vergeblichkeit menschlichen Strebens. In einem Augenblick (wie bei der Überquerung des Flusses) kann alles verloren und umsonst sein und das Leben ist vorbei. Der Mensch ist klein und schwach angesichts der Übermacht der Natur. Insofern hat Will Andrews dann doch Bekanntschaft mit den Kräften der Natur gemacht.


    Ja, das kann man auch als Ironie des Schicksals oder einen Fingerzeig Gottes sehen - alles an was die Männer geglaubt und für das sie gekämpft haben, wird in einem winzigen Moment zerstört.
    Es wäre ja spannend zu erfahren wie Emerson diese zerstörerische Naturgewalt gedeutet hätte - aber auch hierdurch kann der Mensch zu sich selber finden, demütig werden und das Falsche in seinem Tun erkennen.


    Zitat

    Das Bild ganz am Ende des Buches hat mir gefallen: Will Andrews verlässt Butcher's Crossing in einer Art Umkehrung des klischeehaften Endes der Westernfilme, wo manchmal in den Sonnenuntergang geritten wird. Er reitet am Morgen Richtung Westen in die Dunkelheit und hat die aufgehende Sonne hinter sich. Das ist ein Bild dafür, dass der Westen weiter erobert wird, und auch dafür, dass er zwar die Dunkelheit vor sich hat, aber auch noch den ganzen langen Tag, und mit der Sonne im Rücken bekommt er hoffentlich einen besseren Blick auf die Dinge.


    Das Ende des Romans hat mir auch sehr gut gefallen - eine spannende Interpretation von dir, das gefällt mir echt gut!


    Es erstaunt insgesamt schon, dass Will am Ende zwar planlos aber doch irgendwie gefestigt den Ort und das Erlebte hinter sich lassen kann – er hat ein wahrhaftiges Abenteuer erlebt, dem Tod mehrfach ins Auge geschaut und vor allem überlebt!
    Ob er die Erinnerungen an diese Zeit wohl jemals hinter sich lassen kann?

    Hallo ihr Lieben, :winken:
    heute abend bin ich nun auch endlich so weit hier einzusteigen - gestern hat ein übles Gewitter bei uns einen Stromausfall verursacht und danach war mal wieder unsere DSL Leitung tot.
    Ich versuche mal meine Eindrücke so weit es geht zu euren Kommentaren hinzuzufügen - einiges wird sich aber leider auch überschneiden!


    Was für eine wundervolle Buch-Wiederentdeckung - mir hat die beeindruckende Geschichte wahnsinnig gut gefallen!
    Mir war anfangs gar nicht bewusst, dass John Williams seinen Roman »Butcher’s Crossing« schon 1960 also noch vor seinem viel gerühmten „Stoner“ veröffentlicht hat. :zwinker:


    Die Geschichte des jungen, so unbedarften Harvard-Studenten William Andrews, der der Zivilisation den Rücken zukehrt, um quasi „im Wilden Westen“ im totalen Nirgendwo zu sich selbst zu finden, hat mich schon mit dem grandiosen Einstieg gefesselt.
    Williams bildreicher, sprachgewaltiger Schreibstil hat mich gleich in seinen Bann gezogen.
    Es passiert ja eigentlich nichts Weltbewegendes, aber die Schilderungen wie er in dieses marode, öde Nest Butcher’s Crossing voller verkrachter Existenzen eintrifft, sind einfach gut gelungen, wirken authentisch.
    Eine ganz besondere unheilvolle Stimmung, eine Mischung aus Dekadenz, Verzweiflung und hoffnungsvollem Warten scheint über allem zu liegen.
    Ich habe sofort sehr lebendige Bilder vor Augen gehabt und mich hervorragend in das Ambiente hineinversetzen können.
    So zB ihr Ritt durch die Prärie kurz vor Verdursten ist einfach so glaubwürdig beschrieben!
    Da leidet man Zeile für Zeile mit und sieht das Ende schon vor sich. :breitgrins:


    Ekel pur, dann als Andrews das Büffelkalb unsachgemäß ausnimmt, er im Blut steht, die Innereien ihm entgegen kommen und er verzweifelt die Gedärme abhackt …*würg*


    Mir war Anfangs auch nicht ganz klar, was Andrews Motive sind, sein so gut situiertes, wohl behütetes Leben aufzugeben und sich ausgerechnet dort auf die Suche nach einem ganz besonderen Erlebnis zu machen, denn ein Abenteurer ist er nun wirklich nicht.
    Sein Schlüsselerlebnis ist im Roman auch ganz gut versteckt und erst mal von mir unbemerkt geblieben – es muss wohl der Vortrag des damals bekannten Ralph Waldo Emerson gewesen sein.
    Bei dtv hat in seinem Special unter
    http://www.dtv.de/special/john…ing/ralph_w_emerson/2148/
    einen kurzen Artikel über ihn eingestellt, über den ich per Zufall gestolpert bin.


    Wenn man das so liest, wird klar, dass Andrews auf einem Selbstfindungstrip war und eine sehr romantisierte, verklärte Vorstellung von Naturerlebnissen zu einem erweiterten Horizont, der müßigen Selbstbetrachtung und späteren Selbsterkenntnissen führen sollte.
    Haha … soweit also die wundervolle Theorie, die man vielleicht noch auf den Deutschen Wald anwenden konnte, aber sicher nicht auf den Horrortrip und Wahnsinn, dem Andrew im Laufe der Handlung begegnen wird.


    Wird eigentlich irgendwo erwähnt, was er in Harward studiert hat?


    Aber das hätte zu dieser Art von Buch nicht gepasst. Insgesamt hat es einem beim Lesen schon recht runtergezogen fand ich. Oder wie ist es Euch dabei ergangen?


    Ich habe das Buch phasenweise auch schon als deprimierend empfunden und war immer wieder über die vielen kaputten Charaktere erstaunt, die mir auch ziemlich fremd geblieben sind.
    Einzig für Magda habe ich mitfühlen können - schade, dass wir nie ihre Sicht der Dinge erfahren haben, ich glaube das wäre echt schockierend gewesen, wie glasklar sie ihre Eltern charakterisiert hätte.



    Ich hatte Schwierigkeiten, herauszufinden in welchem Zeitrahmen ich mich jeweils befand. Ich glaube, dieser Vorsatz Martins fand in einem begrenzten Zeitrahmen statt. Das war recht schlecht gemacht, denn ich hätte mir schon eine Liste schreiben müssen, um mir merken zu können welche Person wir zu welcher Zeit beobachten. Innerhalb der Abschnitte gab es ja praktisch keine Hinweise, lediglich einmal in den Überschriften.


    Ja das ist mir auch so gegangen - es hat allein Ewigkeiten gedauert, bis ich mir das Datum von Magdas Verschwinden merken konnte und somit die Vorher-Nachher-Sicht grob zuordnen konnte. :breitgrins:


    Aber hattest Du nicht im Buch den Eindruck, daß er diesen Vorsatz immer und immer wieder hatte und ihn dann doch nicht durchgeführt hat.


    Ganz genau das Gefühl hatte ich auch.
    Erst als er sich so richtig gut drauf gefühlt hat, wollte er plötzlich sein ganzes Leben umkrempeln und endlich der tolle Vater für Magda sein. Kurz danach stürzt er doch schon wieder in ein tiefes Loch und hat sicher schon wieder keine Kraft dafür.
    11 Jahre lang war er keine Bezugsperson für seine Tochter und kurz vor der Pubertät will er ihr alles Versäumte dann geben - ziemlich abgedreht und weltfremd!



    Das war für mich keine Familie. Sie haben doch null gemeinsam und interessieren sich auch scheinbar nicht für einander. Noch nicht einmal für ihr Kind.


    Asas Charakter fand ich eigentlich in der Geschichte mit Abstand am übelsten.
    Ich hatte schon ganz am Anfang den Verdacht, dass ihr jegliche Empathie und Menschenkenntnis fehlt - wie soll sie da Menschen in Krisen helfen, wenn sie ihr eigenes Leben völlig entgleiten lässt.
    Leider hat sich in ihr auch mein Vorurteil über Psychologen bestätigt - diese verkorkste Persönlichkeit hätte am besten gar kein Kind großziehen sollen.

    INHALT
    Saint-Malo 1944: Marie-Laure, ein junges, blindes Mädchen, ist mit ihrem Vater, der am „Muséum National d’Histoire Naturelle“ arbeitet, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer geflohen. Einst hatte er ihr ein Modell der Pariser Nachbarschaft gebastelt, damit sie sich besser zurechtfinden kann. Nun ist in einem Modell Saint-Malos, der vielleicht kostbarste Schatz aus dem Museum versteckt, den auch die Nazis jagen.
    Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert, auf eine Napola geschickt und dann in eine Wehrmachtseinheit gesteckt, die mit Peilgeräten Feindsender aufspürt, über die sich der Widerstand organisiert. Während Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, über den Etienne, Marie-Laures Onkel, die Résistance mit Daten versorgt …
    Kunstvoll und spannend, mit einer wunderschönen Sprache und einem detaillierten Wissen um die Kriegsereignisse, den Einsatz des Radios, Widerstandscodes, Jules Verne und vieles andere erzählt Anthony Doerr mit einer Reihe unvergesslicher Figuren eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, und vor allem die Geschichte von Marie-Laure und Werner, zwei Jugendlichen, deren Lebenswege sich für einen folgenreichen Augenblick kreuzen.
    (Quelle C.H. Beck Verlag)


    MEINE MEINUNG
    Mit „Alles Licht, das wir nicht sehen“ ist dem amerikanischen Autor Anthony Doerr ein hervorragend erzählter, vielschichtig angelegter historischer Roman gelungen, für den er 2015 zu Recht den Pulitzer-Preis für Belletristik erhielt.
    Sehr beeindruckend sind Doerrs anspruchsvoller, sprachgewaltiger Erzählstil und seine eindringlichen, oft poetischen Formulierungen. Trotz sehr kurzer Kapitel von bisweilen nur wenigen Seiten gelingt es Doerr unglaublich gut, eine dichte Atmosphäre und die Emotionen seiner Figuren zu vermitteln. Sehr passend ist die Erzählzeit im Präsens gewählt, die den Leser hervorragend in die Ereignisse jener Zeit eintauchen und vieles hautnah miterleben lässt.
    Über eine Zeitspanne von etwa 10 Jahren erstreckt sich diese ergreifende, während des zweiten Weltkriegs angesiedelte Geschichte, die in Nazideutschland und im von den Deutschen besetzten Frankreich spielt.
    Im Mittelpunkt der komplexen Geschichte, die unchronologisch, aus unterschiedlichen Perspektiven und mit vielen Zeitsprüngen erzählt wird, stehen die Einzelschicksale der beiden jugendlichen Protagonisten, des Deutschen Werner und der Französin Marie-Laure, in jener grauenvollen Zeit. In zwei unterschiedlichen Handlungssträngen lässt uns der Autor in vielen berührenden Episoden an ihrem Leben Anteil nehmen und miterleben, wie sich ihre Lebenswege auf unheilvolle Weise aufeinander zu bewegen und an einem tragischen Tag im August 1944 für einen kurzen bedeutsamen Moment kreuzen – dem Tag, an dem das von Deutschen besetzte Saint-Malo von den Amerikanern fast völlig in Schutt und Asche gelegt wird.
    Durch die ständigen Perspektiv- und Schauplatzwechsel und die Intensität der geschilderten Ereignisse baut sich eine unglaubliche Spannung auf, die den Leser gebannt und fast atemlos immer weiter lesen lässt.
    Der dritte Handlungsstrang dreht sich um einen geheimnisvollen Diamanten, das legendäre „Meer der Flammen“, seinen ominösen Fluch und die Jagd des fanatischen deutschen Stabsfeldwebels Reinhold von Rumpel nach im Krieg verschollen Kunstgegenständen. Diese Rahmenhandlung, die eine Verbindung zu den geschickt miteinander verflochtenen Geschichten der beiden Protagonisten herstellt, bringt zusätzlich Spannung und eine sehr mystische Komponente in die Geschichte.
    In einer lebendigen, abwechslungsreichen Folge von beeindruckenden Szenen beleuchtet Doerr sehr geschickt viele wichtige historische, aber auch für die Protagonisten bedeutsame Geschehnisse, die sich in Deutschland und Frankreich vor dem Krieg und während des Kriegsgeschehens abgespielt haben.
    Der Autor zeichnet ein sehr vielschichtiges, authentisches Bild jener Zeit und der Auswirkungen des Kriegs auf die Menschen. So erleben wir die Flucht der Pariser Bevölkerung vor den einmarschierenden Deutschen mit, Werners Ausbildungszeit in der Napola, seine Erlebnisse bei der Jagd auf Partisanensendern an der Ostfront, die Aktivitäten der Resistance und schließlich die Bombardierung St. Malos.
    Die einfühlsame, detaillierte Figurenzeichnung der vielen so unterschiedlichen Charaktere mit ihren Stärken und Schwächen ist Doerr hervorragend gelungen. Geschickt lässt er uns in den unterschiedlichen Kapiteln anhand vieler kleiner, liebevoll ausgearbeiteter Details an den Sorgen und Nöten, Träumen und Wünschen der beiden sympathischen Hauptfiguren teilhaben und vermittelt ein sehr lebendiges, tiefgründiges Bild ihrer Persönlichkeit. Sehr glaubwürdig und anschaulich hat er das Gefühlsleben und die charakterliche Weiterentwicklung der beiden während der sich zunehmend eskalierenden Geschehnisse herausgearbeitet.
    Auf der einen Seite lernen wird den jungen Deutschen Werner kennen, der mit seiner jüngeren Schwester Jutta in einem Waisenhaus im Kohlenpott groß wird und der durch seine herausragende technische Begabung von den Nazis die Chance erhält, in einer speziellen nationalsozialistischen Erziehungsanstalt, einer sogenannten Napola, zu einem Ingenieur für Radio- und Funktechnik ausgebildet zu werden. So wird ihm die Nazi-Ideologie eingetrichtert, er wird wie selbstverständlich Teil des nationalsozialistischen Systems und beginnt als Spezialist in besetzten Gebieten Partisanensender aufspüren und liquidieren. Sehr eindringlich und berührend wird dargestellt, wie sich bei Werner erst allmählich neben blindem Gehorsam ein Gewissen zu regen beginnt, ihm die Augen geöffnet werden und er die menschenverachtenden Machenschaften der Nazis und Zeuge vielen grauenvollen Taten zu hinterfragen beginnt.
    Auf der anderen Seite erleben wir die blinde Marie-Laure aus großbürgerlichem Hause, die mit ihrem Vater zu Fuß vor den einmarschierenden Deutschen aus Paris zu ihren Verwandten ins bretonischen Küstenstädtchen Saint-Malo fliehen muss. Ein Geheimauftrag des Vaters bringt beide in große Gefahr, denn im Gepäck führen sie einen bedeutsamen Gegenstand mit sich, der nicht in die Hände des Feindes gelangen darf. Sehr berührend ist ihre enge, fürsorgliche Beziehung beschrieben. Bewundernswert ist Marie-Laures Fähigkeit, sich ihre Welt wegen ihrer Sehbehinderung zu erfühlen und sich den täglichen Herausforderungen trotz aller Widrigkeiten mutig und voller Zuversicht zu stellen. Vor allem die Darstellung ihrer Empfindungen und „sinnlichen“ Wahrnehmungen ist sehr faszinierend und plastisch ausgearbeitet.
    Zum gelungenen Abschluss des Romans streift die Geschichte dann nach Kriegsende zwei weitere Zeitepochen, in denen die Schicksale einiger Figuren nochmals aufgegriffen werden und ihr Bild perfekt abrundet wird.


    FAZIT
    Ein hervorragend erzählter, vielschichtiger und fesselnder historischer Roman, der vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs spielt und mich sehr überzeugen konnte.
    Sehr lesenswert!


    5ratten

    Erstaunlich wie sich im letzten Abschnitt nun langsam die vielen kleinen Puzzlestückchen zu einem Gesamtbild zusammenfügen – zum Ende hin ist es noch einmal sehr fesselnd geworden, da sich die Auflösung doch immer mehr heraus gezögert hat und man erst spät die ganzen Zusammenhänge durchschaut.


    Wie schon befürchtet, bleiben einige Details offen vor allem in Bezug auf Magdas Verschwinden!
    So lässt der Autor noch Spielraum für weitere Spekulationen zu, aber insgesamt finde ich das Ende sehr gelungen und stimmig.


    Niemand trägt allein die Schuld an Magdas tragischen Tod, sondern jeder hat mit seinem Fehlverhalten in unterschiedlichem Umfang daran Anteil. Es war tatsächlich eine fatale Verkettung von sehr unglücklichen Umständen, Fehleinschätzungen, Verleugnungen der Realität und alles in allem ein grauenvolles Versagen der Erwachsenen.
    Jeder der Protagonisten war in seinem eigenen Labyrinth gefangen, in unterschiedlichsten Problemen verstrickt und hat einen anderen Menschen mit in den Abgrund gerissen oder sogar ein Leben zerstört.
    Ein jeder hat hier Schuld auf sich geladen!


    Die eigentliche Auflösung bringt dann erst Katjas traurige Lebens-Geschichte.
    Mit der noch fehlenden Verbindung, dass Asa damals die unerfahrene junge Schulpsychologin war, die Katja von ihren Adoptiveltern entfremdet hat und sie in die Einsamkeit getrieben hat, schließt sich dann der Kreis.
    Bei der Erwähnung des Bunkers beim alten Labyrinth war mir irgendwie schon klar, was mit Magda passiert geschehen ist …
    Ein wirklich beklemmendes Ende!


    Wie tragisch, dass ausgerechnet Katja, die ihr doch nur helfen wollte, diejenige ist, das Schicksal von Magda besiegelt hat.
    Hoffentlich zieht Tom mit Katjas Romanentwurf wenigstens die richtigen Schlüsse …


    Noch besser hätte mir allerdings die Variante gefallen, dass es für dieses arme Mädchen eine Rettung gegeben und Katja sie einfach mitgenommen hätte.
    Magda tut mir einfach richtig leid – ihr Schicksal geht mir schon nahe, denn sie in diesem kaputten Umfeld hat sie nie die Chance gehabt, glücklich zu werden.

    Zitat

    …ich habe den heutigen Nachmittag genutzt und mit dem Buch begonnen - und die Handlung hat mich direkt gefangen genommen. Der Schreibstil gefällt mir sehr gut, einfach nur schön, wenn man das von einem Buch mit diesem Inhalt überhaupt sagen kann.


    Mich hat die Geschichte und auch die Rahmenhandlung gleich in ihren Bann gezogen, dies wird sicher ein sehr berührendes und trauriges Leseerlebnis.
    Der Schreibstil ist wirklich toll - anspruchsvoll unglaublich eindringlich und auch sehr bildhaft.
    Interessant finde ich, dass hinter dem Autorennamen Eva Weaver eine Deutsche steckt, die ihr Buch auf Englisch publiziert hat – irgendwie finde ich, merkt man das ihrer Schreibweise schon an.


    Zitat

    Mir hat es schon im Prolog so gut gefallen, als der Mantel wie ein eigenständiges Wesen eingeführt wird. Er ist nicht nur ein Kleidungsstück, sondern voller Geheimnisse, Geschichten und Leben, die er erzählen kann.


    Der Prolog ist wirklich sehr mysteriös geschrieben.
    Er hat mich anfangs etwas verwirrt, so dass ich ihn gleich noch einmal lesen musste, um ihn richtig zu verstehen. :zwinker:


    Dieser geniale „Taschenmantel“ von Jakob hat mich schon von Anfang an total fasziniert.
    Hat er schon geahnt, was noch alles auf ihn und seine Familie zukommen wird?
    Als dann aber erzählt wird, was er alles für Gegenstände beherbergt, kam er mir eher wie eine sehr mysteriöse, magische Schatztruhe vor.
    So viele Dinge kann man doch eigentlich gar nicht unauffällig darin verstecken und ihn darüber hinaus auch noch tragen.


    Bedrückend liest sich für mich immer wieder, wie grauenvoll die Zustände im Warschauer Ghetto waren und wie die Nazis die Juden dort systematisch unterdrückt, erniedrigt und ermordet haben. J
    Jeder Tag wird zum gnadenlosen Überlebenskampf und es tut gut, dennoch über so viel Solidarität und Menschlichkeit zu lesen.


    Trotz all der menschenverachtenden Gesetze und Verordnungen, mit denen die Juden konfrontiert wurden, versucht Mikas Mutter verzweifelt, ihre kleine Familie über Wasser zu halten.
    Für sie alle verschlimmern sich die Zustände im Ghetto jedoch zusehends und nach der Erschießung von Mikas Großvater bleibt dem Jungen nur noch der erstaunliche Mantel Jakobs und das tolle Geheimnis in der Vorratskammer als Trost.
    Ob er vorhatte, für die Kinder im Ghetto ein Puppentheater zu etablieren – ich kann mir nicht vorstellen, dass er die vielen Puppen nur für seinen Enkel hergestellt hat.
    Ich kann mir ja gut vorstellen, dass er genau dies im Sinn hatte und Mika nun mit seinen Puppentheatervorstellungen sein Vorhaben in die Tat umsetzt, und den armen Kindern im Ghetto für kurze Zeit zu glücklichen, unbeschwerten Momente verhilft und sie dem grauenvollen Alltag im Ghetto und ihren Ängsten und Nöten entfliehen lässt.
    Denn auch diese Momente lassen die Menschen wieder Kraft schöpfen und sind ebenso wichtig, wie der Widerstand, den es ja später auch gegeben hat.
    Sehr berührt hat mich Mikas Gespräch hierüber mit dem berühmten Waisenhausleiter Janusz Korczak, der Mika in seinem Tun bestärkt und ihm die Wichtigkeit seines Puppentheaters vor Augen führt.
    Ohne diese Lichtblicke ist ihr Leben doch gar nichts mehr wert …


    Überhaupt finde ich Mikas Kraft und seinen Überlebenswillen trotz aller Widrigkeiten sehr bewundernswert.
    Sehr gefreut habe ich mich, dass es ihm doch noch gelungen ist, seine Cousine Elli aus ihrer Lethargie zu reißen und sie für das Spiel wieder zu begeistern.
    Der Tod ihres geliebten Bruders muss sie so sehr getroffen haben, dass sie sich ganz in sich und ihre Märchentraumwelt zurückgezogen hat.

    Zitat

    Das Ende dieses Abschnitts läßt nichts Gutes hoffen.


    Sein Kommentar am Ende hat mich auch schlucken lassen – das Datum 14.10.1941 hat mir allerdings nichts gesagt.
    Die großen Deportationen der Juden im Ghetto und die Räumung begannen erst im Sommer 1942, darauf kann Mika also nicht anspielen.
    Ich hoffe ja nur, dass er nicht noch mehr Familienmitglieder verlieren wird.

    Und weiter geht's ... :breitgrins:
    Immer neue verwirrende Hinweise auf Magdas Verschwinden und mögliche Täter ergeben sich … so langsam weiß ich gar nicht mehr, was ich von all den Verstrickung halten soll.


    Asa erscheint weiterhin mit ihrem ganzen Verhalten und ihren Gedanken extrem seltsam auf mich. :rollen:
    Etwas erstaunt hat mich dann aber doch die Erwähnung einer Christina in den alten Patientenakten.
    Ist das Zufall oder ist es wirklich die kurzzeitige Geliebte ihres Mannes, die sie behandelt hat?
    Fraglich ist aber, ob diese ehemalige Patientin etwas mit dem Verschwinden von Magda zu tun hat?
    Denkbar wäre ja, dass sie ich über die Behandlung Kontakt zu Asa aufnehmen wollte.


    Sehr seltsam finde ich auch, dass seine Affäre mit ihrem Nachfolger und früheren Studienfreund beginnt, obwohl sie sich so sehr von ihm angegriffen und nicht akzeptiert fühlt.
    Ich verstehe diese Frau einfach nicht.
    Wie kann sie sagen, dass sie ihrem Mann alles verzeihen würde – sogar das Verschwinden ihrer Tochter, wo sie ihn doch gar nicht liebt?
    "Wir haben unser Verbrechen gesühnt. Wir sind eins, und alles, was du getan hast, habe ich auch getan." S. 245
    Was meint sie nur hiermit?


    Nach 9 Monaten hat die Polizei also die Vorwürfe gegen Martin wegen Mangel an Beweisen fallen gelassen – ich war erstaunt, dass er in der Zwischenzeit gar nicht mehr bei seinem Verlag gearbeitet hatte, sondern Tom sein Arbeitsgebiet übernommen hat.
    Toms unbändige Wut konnte ich schon verstehen.
    Wie er von Bengt abserviert wurde, nachdem Martin nun von allen Vorwürfen reingewaschen ist und wieder arbeiten wird, war echt unmöglich.


    Tja und Martins Selbstmord war also ein tragischer Unfall – mir kam es vorher schon seltsam vor, wieso er sich in einem Treppenhaus umbringen wollte. :zwinker:
    Sehr spannend ist ja Toms Entdeckung.
    Die Wohnung von Rolf Miller und sein Manuskript mit dem Titel „Das Labyrinth“ lassen ja den Verdacht aufkommen, dass Martin das von seinem Bruder Eric angefangene Buch heimlich fertig schreiben wollte.
    Also doch nicht sein heimliches Liebesnest, wobei ich mich schon frage, was mit Katja gelaufen ist und wieso sie in New York abgetaucht ist???


    Gewundert habe ich mich darüber, dass die Kollegin behauptet hat, das Manuskript wäre ihm zugesendet worden und er hätte sich sehr darüber erschreckt.
    Wer könnte es ihm geschickt haben? Könnte es Katja vielleicht über ihren Vater erhalten haben, der vielleicht Eric im Schreibprozess damals beraten haben könnte?


    Sehr merkwürdig ist auch Toms Fund des kleinen Teddybären von Magda in der Wohnung – sicherlich eines der wichtigsten Beweismittel für die Polizei. Aber ist es auch der Beweis dafür, dass Martin Magda getötet hat?
    Martin muss auf jeden Fall in Panik geraten sein, als er realisiert, wie gefährlich Toms Wissen für ihn werden kann, gerade in dem Moment, wo er endlich wieder frei von allen Anschuldigungen ist …
    Was hat nur Martin Asa so dringend kurz vor seinem Unfall gestehen wollen?


    Puh - nun bin ich aber echt gespannt, wie sich das Ganze noch auflösen wird! :breitgrins:


    Moment, was habe ich da verpasst? Mein Gedächtnis lässt nach, ist Katja mit Tom zusammen und verlässt ihn? Wo steht das?


    Das kommt gleich am Anfang von Toms Kapital S. 60 -61!



    Hatte Katja nicht einen Vorstoß wegen der Verletzungen gewagt - sich zumindest mal erkundigt, was Magda für ein Mädchen ist und ob es Probleme im Elternhaus gab? Da hat doch die Schuldirektorin von einem Elterngespäch erzählt, bei dem Martin so ausgeflippt ist ... ich denke, Katja hat da schon einen Plan. Ist Katja nicht zeitgleich mit Magda verschwunden? Zumindest hat sie doch Tom zu diesem Zeitpunkt verlassen. Hat sie Magda "gerettet" ?


    Eine interessante Idee!
    Vielleicht hat sie wirklich so großes Mitleid mit diesem Mädchen gehabt - vielleicht weil sie sich an ihre eigene unglückliche Kindheit erinnert fühlt? - dass sie Magda entführt hat.
    Ansonsten würde ich nicht so ganz verstehen, warum sie ihrem Anfangsverdacht auf Kindesmisshandlung nicht weiter verfolgt hat, nachdem sie sich ja so weit vorgewagt hat. :smile:


    Zitat

    Ich hatte von Beginn an ein wenig den Verdacht, dass es hier in der Geschichte gar nicht so sehr Thema ist, WAS eigentlich mit Magda passiert ist, sondern eher ein Psychogramm gezeichnet wird, von den vier Personen, deren Beziehung auf verhängnisvolle Weise miteinander verstrickt sind. Das ist alles so eng verwoben - dazu noch Erlebtem in der Vergangenheit, da hat Magda gar keinen Platz mehr. Alle sind so dermaßen mit sich selbst beschäftigt ... am Ende hat Magdas Verschwinden gar nichts direkt mit den Vieren zu tun.


    Ja du hast recht, der Roman entwickelt sich immer mehr in diese Richtung.
    Ich habe auch nochmal nachgesehen - nirgendwo auf dem Buch steht, dass wir einen Thriller lesen, was ich anfangs irrtümlich angenommen habe.
    Ich habe aber dennoch, dass wir am Ende noch erfahren werden, was mit dem armen Mädchen geschehen ist.
    Toll wäre es ja wirklich, wenn sie noch leben würde!
    Aber nach allem, was wir bisher wissen, ist es doch eher unwahrscheinlich! :sauer:


    Sie ist eine interessante Figur, die in Verbindung zu zwei Playern - Martin und Tom - hat und durch ihre Arbeit als Schulschwester auch zu Magda und Asa. Sie könnte in dem ganzen Geschehen eine Schlüsselfunktion einnehmen, finde ich, die jetzt aber noch nicht greifbar ist.


    Witzig genau das habe ich beim Lesen auch gleich gedacht.
    Immerhin hat sie ja auch die Möglichkeit, viel intime Details über die Beteiligten Martin und Magda in Erfahrung zu bringen und ich bin mir ganz sicher, dass sie auch zu einer Art Racheakt fähig wäre und später auch ihren Freund Tom benutzt haben könnte, um ihre Pläne umzusetzen.
    Wobei ich bei ihr mir aber eher eine Erpressung vorstellen könnte ...


    Zitat

    Über Christine und ihren Sohn erfährt man nur so am Rande was - so richtig mit Leben gefüllt sind diese Figuren aus meiner Sicht nicht, ich könnte also nicht sagen, ob der Verdacht, dass die Frau, das Kind oder beide mit dem Fall zu tun haben, begründet ist.


    Die beiden kommen mir auch etwas verdächtig vor, auch wenn wir über sie leider noch viel zu wenig wissen, sie ganz harmlos sein könnten und eine vom Autor bewusst gelegte falsche Spur.



    Übrigens könnte ich mir schon auch vorstellen, dass Magda sich selbst umgebracht hat oder durch einen Unfall umgekommen ist - aber wo ist dann ihre Leiche.


    So wie Magda hier geschildert wird scheint sie ein extrem einsames, sehr in sich zurückgezogenes Mädchen gewesen zu sein.
    An einen Selbstmord hatte ich auch schon gedacht, aber wie du schon schreibst - ohne ihre Leiche doch sehr unwahrscheinlich.
    Es sei denn jemand (Martin?) hätte die Leiche seiner Tochter verschwinden lassen, um von seiner Schuld/Gewissensbissen abzulenken?
    Kann ich mir bei seinem Charakter aber auch nicht wirklich vorstellen ...


    Magda tut mir auf jeden Fall auch sehr leid!!!
    Misshandelt - von wem auch immer, ohne wirkliche Freunde und auch die Eltern scheinen ihr keine Wärme und Geborgenheit gegeben zu haben - ein echt bedrückendes Bild!

    Total gut gemacht finde ich wie sich die Geschichte durch die verschiedenen Sichtweisen immer mehr verdichtet und wie sehr die Lebenswege der beiden Paare miteinander verflochten sind.
    Sehr faszinierend finde ich die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Figuren.
    Die Wahrheit von Magdas Schicksal ist bisher gut verborgen zwischen all den Kommentaren. :zwinker:


    Auch mich hat das Kapitel von Martin erstaunt, denn nach den ersten beiden Kapiteln hatte ich eine gewisse Vorstellung von ihm, die sich nun gar nicht bestätigt.
    Ich finde ihn viel netter und sympathischer als erwartet und im Vergleich zu Asa und Tom fast normal.
    Aber vielleicht täusche ich mich da auch ein wenig, hinter der Normalität lauern noch schreckliche Abgründe – seine Gewaltausbrüche müssen ja einen Hintergrund haben.
    Inwieweit der tragische Selbstmord seines Bruders Eric da reinspielt ist noch nicht absehbar – ich denke aber, es könnte schon bedeutsam für die Geschichte und sein Verhalten sein.
    Sein Ehe/Familien-Leben scheint ihn jedenfalls zu frustrieren und er sucht in Affairen Abwechslung und Bestätigung.
    Sehr verdächtig finde ich ja auch diese Stalkerin Christina mit ihrem Sohn, der Magda so Angst gemacht hat … hat er sie eingeschüchtert und belästigt?


    Katja finde ich als Figur bisher am spannendsten.
    Mich würde es ja nicht wundern, wenn sie eine Art Schlüsselfigur in der Geschichte ist so vielschichtig und gebrochen erscheint sie mir. Sie weiß jedenfalls über Martin und Magda bereits einige sehr unangenehme Dinge, hätte ein sehr gutes Motiv, sich an Martin rächen zu wollen (Die Absage hat sie tief verletzt!) und ist zudem zum Zeitpunkt von Magdas Verschwinden aus Toms Leben verschwunden.


    Sehr gut denkbar, dass sie mit Martin eine Affaire begonnen hat, um mehr über seine dunklen Geheimnisse zu erfahren.
    Denn wie wir am Ende erfahren, hat Martin offenbar „etwas Dummes“ in Bezug auf Magda getan, was ihn sehr belastet.


    Ich bin gespannt, ob wir bald was Konkreteres erfahren werden. :zwinker:

    Bei mir ist leider immer noch nichts angekommen, ich habe allerdings auch diese Woche keinerlei Post erhalten.


    Da ja auch absolut nicht absehbar ist, wann die Post mit den Zustellungen wieder beginnt, habe ich mir das Buch heute besorgt.
    Ich werde dann morgen in die Leserunde einsteigen. :winken:


    Das hatte ich für eine Lüge des Nachbarn gehalten, um Johnsey zum Verkauf zu überreden. Johnseys Vater hat seine Arbeit und sein Land wohl sehr geliebt, deswegen glaube ich nicht, dass er wirklich zugestimmt hätte, dort ein Kino und Geschäfte zu errichten.


    Haha - lustig, da hat mich Ryan ja auch perfekt getäuscht und ich bin auf die Lüge reingefallen. :breitgrins:
    Genial gemacht!
    Seltsam ist aber trotzdem, dass ausgerechnet so viele Grundstücke von Johnseys Vater für die Umwidmung genommen wurden, ich hätte ja eher gedacht, dass die Entscheidungsträger in der Gemeinde darauf achten, dass sie um ihre eigenen Flurstücke herum planen.



    Hm, gerade in Dörfern kenne ich das eigentlich nicht so. Da halten die Alteingesessenen zusammen. Insbesondere, und das war auch bei uns in der Stadt früher so, gibt es einen starken Familienzusammenhalt, der Leute wie Johnsey auffangen könnte, ebenso möglicherweise einen Freundeskreis der Familie. Das fehlt hier. [/quote]
    Ich finde, Ryan hat das in seinem Roman eigentlich gut dargestellt:
    Dieses idyllische Dorf mit den vielen Alteingessenen und dem tollen Zusammenhalt gibt es einfach nicht mehr - die alten Strukturen sind kaputt.
    Seit die Wirtschaftskrisen die Menschen in die Arbeitslosigkeit getrieben haben und selbst Jugendliche auf der Straße rumlungern, hat sich eben alles verändert, jeder kämpft ums Überleben und die anderen lassen unbehelligt ihren Frust raus und besaufen sich.


    Beim ersten Lesen hatte ich nicht gedacht, dass Johnsey erschossen wird. Eher, dass er von der Polizei überwältigt und wahrscheinlich angeklagt und eingesperrt wird oder in die Psychiatrie. Sterben wollte ich ihn aber nicht lassen... :sauer:
    Jetzt habe ich den letzten Absatz nochmal gelesen und da der Satz mittendrin endet, sehe ich es für mich leider doch so, dass wohl das Feuer auf Johnsey eröffnet wird. Die Polizei wird wohl kaum warten, bis er einen von ihnen umlegt, auch wenn Johnsey das wahrscheinlich nie vorhatte.


    Über das Ende musste ich auch nachdenken, denn es endet wirklich mitten im letzten Gedanken von Johnsey .
    Eigentlich bin ich beim Lesen davon ausgegangen, dass die irische Polizei ähnlich wie die britische unbewaffnet ist, und nur Polizisten eines Sondereinsatzkommandos Waffen tragen. Für mich war es daher klar, dass Johnsey also nicht erschossen wird, sondern wie schon ausgemalt habt, eher enteignet und in die Psychiatrie abgeschoben wird, da er ja auch keine Fürsprecher hat.
    Trotzdem ein sehr trauriges und tragisches Ende! :sauer:
    Bei uns oder vor allem in Amerika wäre diese kritische Situation sicher deutlich dramatisch/finaler abgelaufen...


    Im Grunde bin ich mir noch nicht im Klaren über die genauen Abläufe: es sieht so aus, als ob die Mutter direkt von der Arbeit aus ins Restaurant gegangen ist?


    Ja so habe ich das auch verstanden. Es könnte also durchaus möglich sein, dass Martin gar nicht mehr gemeinsam mit seiner Tochter nach Hause gekommen ist.

    Zitat

    Ich weiß nicht, ob Asa das eventuell selbst war, sie scheint ja Aussetzer zu haben.


    Puh das wäre aber echt heftig. Aber auszuschließen ist es tatsächlich nicht, dass sie sich ihre eigene Wahrheit zusammengebastelt hat.
    Bisher habe ich sie zwar für gestört aber unschuldig gehalten.


    Zitat

    [quote author=bookstars]Am meisten frage ich mich aber, welche Beziehung sie zu ihrer Tochter hatte – ich habe fast den Eindruck, dass diese in letzter Zeit nicht gerade liebevoll war und Magda sich einsam und vernachlässigt fühlte.
    Wäre sie älter, könnte sie am ehesten weggelaufen sein …


    Viele Kinder in dem Alter laufen weg, und ich halte das auch nicht für ausgeschlossen -- aber warum sollte sie mitten in der Nacht (na ja, im Dunkeln) weglaufen, noch dazu im Winter? Und ohne Sachen mitzunehmen?[/quote]
    Nur wird es jüngeren Jugendlichen wohl nicht gelingen für so lange Zeit unterzutauchen.


    Zitat

    Diese Lücken vom Nachmittag scheinen ja täglich gewesen zu sein, das wissen wir von Tom.


    Ich habe ja bei Martin den Verdacht, dass er in der Zeit fremdgegangen ist.
    Nur an dem Tag, an dem Magda verschwindet, war es ja den ganzen Tag unterwegs und wird sie also nicht zu seiner Geliebten mitgenommen haben - oder vielleicht doch, weil sie eine gemeinsam Bekannte ist?



    Ja, es ist eigenartig, dass Magda weg ist und es keine Nachricht o.ä. gab. Leider deutet das aus meiner Sicht sehr stark darauf hin, dass sie nicht mehr lebt.


    Das befürchte ich leider auch.

    Zitat

    Von den Ehepartnern scheint Martin der Hysterische zu sein, der Tobsuchtsanfälle etc. bekommt, auch wenn er nach außen ganz anders wirkt.


    Bei Martin habe ich ein sehr ungutes Gefühl ... an einer Stelle wird auch mal angedeutet, dass er etwas "noch Schlimmeres" getan hat (ich finde die Stelle leider nicht mehr).
    Daher könnte ich mir auch vorstellen, dass er Asa und seine Tochter bei seinen Ausrastern schon geschlagen hat.

    Zitat

    Und was ist mit Katja, sie war doch auch Schulschwester an Magdas Schule. Irgendwie hängt das alles miteinander zusammen!


    Ich bin auch schon sehr neugierig zu erfahren, wie Katja hier ins Spiel kommt.