Beiträge von bookstars

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Ich mache mal den Anfang und hoffe, dass bald alle mit dem Buch versorgt sind ... :breitgrins:


    Die Idee, die Geschichte um das mysteriöse Verschwinden der elfjährigen Magda aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, gefällt mir gut.
    Das liefert wieder viel Stoff für Spekulationen, denn jeder präsentiert hier seine eigene Wahrheit.
    Ich bin gespannt, was sie so alles voreinander zu verbergen haben.


    Als erstes kommt Asa also zu Wort – sehr nachvollziehbar, dass sie von einer Entführung ihrer Tochter ausgeht und nicht glauben will, dass sie eventuell schon tot ist.
    Eine Erpressung scheint jedenfalls nicht erfolgt zu sein …aber was könnte sonst dahinter stecken?
    Es muss entsetzlich sein, dass nach den Tagen der verzweifelten Suche nach dem Kind das Interesse an dem Fall nachlässt und die Polizei immer inaktiver wird.
    Ihr Drang irgendetwas unternehmen zu müssen, da sie ihr Kind noch in Händen des Entführers sieht, kann ich verstehen!


    Sehr sympathisch ist sie mir allerdings nicht, und ihr Verhalten finde ich teilweise schon seltsam.
    Man sagt Psychologen ja nach, dass sie dieses Studienfach belegt haben, um sich vorrangig mit ihren eigenen psychischen Problemen auseinanderzusetzen und dieses Gefühl habe ich tatsächlich sehr stark bei ihr.
    Irgendwie scheint sie ja den Drang zu verspüren, in die Rolle des Täters schlüpfen zu wollen, um mehr über Tathergang an jenem verhängnisvollen Abend zu erfahren bzw zu erspüren oder eine mögliche Spur zu finden.
    Aber dafür nachts in dem Waldstück herumzuschleichen und ihr Haus zu beobachten ... seltsam, hofft sie eine Eingebung/Visionen oder ähnliches zu bekommen? :zwinker:


    Später ist sie dann geradezu besessen von der Vorstellung, einer ihrer ehemaligen Patienten könne der Täter sein und erschleicht sich dann äußerst clever die Patientendaten …
    Immerhin schon möglich, dass dies eine heiße Spur sein könnte.
    Viel erfahren wir ja auch über ihre Ehe und ihr Familienleben – sehr glücklich und harmonisch wirkt das Ganze nicht auf mich.
    Asa und Martin haben sich längst auseinandergelebt und ihre massiven Eheprobleme sind zumindest nach Magdas Verschwinden mehr als deutlich.
    Am meisten frage ich mich aber, welche Beziehung sie zu ihrer Tochter hatte – ich habe fast den Eindruck, dass diese in letzter Zeit nicht gerade liebevoll war und Magda sich einsam und vernachlässigt fühlte.
    Wäre sie älter, könnte sie am ehesten weggelaufen sein …


    Magda haben sie an jenem tragischen Abend einfach allein zuhause gelassen, um Essen zu gehen. Was sich aber wirklich abgespielt haben könnte, ist rätselhaft – vor allem nachdem wir von Tom erfahren haben, dass Martin nicht für den kompletten Tag ein Alibi hat und die Lücke am Nachmittag nicht erklären kann.
    Ob das alle Beweise sind , die der Polizei vorliegen?
    Ob Asa nicht auch Martin im Verdacht hat? So richtig kommt es bisher nicht raus …


    Toms Perspektive ist auch sehr interessant – sie ist zeitlich etwa zum Zeitpunkt von Magdas Verschwinden angesiedelt.
    Sein Verhalten als Martins Mitarbeiter ist extrem merkwürdig, so wie er Martin anhimmelt, könnte man fast meinen, er ist in ihn verliebt. :breitgrins:
    Alles an Martin scheint er zu idealisieren, ja ihn geradezu zu vergöttern und noch schlimmer, er beginnt ihn und sein ganzes Wesen zu imitieren, fast so als wolle er in seine Haut schlüpfen.


    Tom hat Martin sicher viel zu verdanken, denn er hat ihm erst zu seiner Position im Verlag verholfen.
    So richtig Chef-mäßig verhält sich Martin ihm gegenüber auch nicht – seltsam, dass er sich gerade Tom so öffnet, denn im Verlag scheint ihn keiner wirklich als Privat-Mensch zu kennen.
    Etwas gewundert habe ich mich über die abrupte Trennung seiner Freundin Katja von ihm genau zum Zeitpunkt von Magdas Verschwinden – Zufall oder steckt da mehr dahinter?


    Tom scheint es sich ja zur heimlichen Aufgabe zu machen, den von der Polizei verdächtigten Martin reinzuwaschen.
    Hmm - die Sache mit dem Labyrinth ist ja extrem seltsam.
    Habe ich das richtig verstanden, dass sich Martin schon Wochen vor Magdas Verschwinden bei der Autorin darüber erkundigt hat?


    Ich bin gespannt, wie es weiter geht - vor allem auf Martins Perspektive. :zwinker:

    INHALT
    „Komm mir näher, und du wirst es bereuen.“
    Ein Schuss hallt in Davids Kopf wider. Plötzlich ist die Erinnerung da und er weiß nicht, ob sie etwas mit Charlies Tod und den schrecklichen Ereignissen auf Martha’s Vineyard zu tun hat. Fünf Monate sind seitdem vergangen, aber nun zieht eine dunkle Ahnung David mit Macht auf die Insel zurück. Seine Freundin Juli folgt ihm voller Sorge. Doch entgegen aller Befürchtungen ist es nicht der Inselfluch, der den beiden das Leben schwer macht, sondern die arrogante Lizz. Sie tut alles, um Juli von Davids Seite zu verdrängen. Als dann plötzlich eine Mädchenleiche auftaucht, beginnt Juli zu zweifeln. Was geschah wirklich im Winter auf den Klippen? Und welche Rolle hat David dabei gespielt?
    (Quelle Arena-Verlag)


    MEINE MEINUNG
    Nach dem viel versprechenden Auftakt der Mystery Thriller -Trilogie "Herz aus Glas" hat die deutsche Autorin Kathrin Lange mit dem 2. Band „Herz in Scherben“ nun eine gelungene, äußerst mitreißende Fortsetzung vorgelegt, die meine hohen Erwartungen mehr als erfüllt hat und mich sehr begeistern konnte. Mit tollen Charakteren und genau der richtigen Mischung aus Spannung, herrlichen Gruseleffekten und obligatorischem Gefühlschaos wird die großartige Geschichte sicher nicht nur die jugendliche Zielgruppe ansprechen, sondern darüber hinaus auch erwachsenere Leser bestens unterhalten.
    Mit ihrem unheilvollen Prolog, der eine Szene aus der späteren Handlung wiedergibt, versteht die Autorin es hervorragend, viele Fragen aufzuwerfen, und den Leser schon ab der ersten Seite zu fesseln. Durch Langes tollen, lebendigen Schreibstil dauert es nicht lange, bis man den Einstieg gefunden hat und wieder völlig in die mitreißende, mysteriöse Handlung abtauchen kann.
    Obwohl die überaus sympathische Hauptfigur und Ich-Erzählerin Juli mittlerweile mit ihrem David zusammen ist, wird ihre noch junge Liebe in diesem Teil auf eine harte Probe gestellt. Im Verlauf der sich überstürzenden Ereignisse erleben wir eine wahrhaft aufreibende Achterbahnfahrt der Gefühle.
    Die einfühlsame, lebendige und vielschichtige Figurenzeichnung der unterschiedlichen Charaktere ist hervorragend gelungen. Faszinierend ist es, ihre Geheimnisse zu ergründen, und so darf man sich bei einigen Figuren auf so manche Überraschung gefasst machen. Neben vielen altbekannten Figuren führt die Autorin auch einige neue Charaktere wie den undurchsichtigen Carlos und die intrigante Lizz ein, die für ordentlich Wirbel sorgen.
    Die Handlung wird erneut aus Julis Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, wodurch wir einen spannenden, besonders intensiven Einblick in ihre Gedankenwelt, ihr sehr angespanntes Gefühlsleben und das Auf und Ab ihrer Emotionen erhalten. Sehr authentisch wirkt auch die verletzliche Seite der eigentlich so taffen, schlagfertigen Juli, ihre nervigen Eifersuchtsanfälle in Bezug auf die äußerst provokante Lizz und ihre Verunsicherung durch ihre Albträume. Ebenfalls sehr nachvollziehbar sind Julis verständnisvollen Bemühungen um den zunehmend instabil wirkenden David und ihre schließlich aufkommenden Zweifel an seiner Liebe zu ihr beschrieben.
    Insbesondere Davids beängstigenden Verhaltens- und Wesensveränderungen und unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen hat die Autorin äußerst eindringlich und stimmig geschildert. Hautnah spürt man die Anspannung und Verzweiflung des jungen Manns, der erneut mit den Dämonen seiner Vergangenheit und seiner Amnesie zu kämpfen hat. Zwei Seiten scheinen in seiner Seele zu schlummern, die zwischen stoischer Verschlossenheit, rücksichtsloser Abweisung und zärtlichen Liebesbekundungen schwanken, und Juli das Leben enorm schwer machen. Hervorragend kann man sich in die emotionale Verfassung der Figuren hineinversetzen, ihr Verhalten nachvollziehen und fiebert von Seite zu Seite mit ihnen mit. Die Autorin versteht es, uns mit unvorhersehbaren Wendungen, falschen Spuren und einigen actionreichen Geschehnissen in Atem zu halten. Zusätzlichen Nervenkitzel erhält die Geschichte durch die geschickt eingewobenen gruseligen Szenen, die stimmungsvolle Kulisse des Landhauses „Sorrow“ und den ominösen Prophezeiungen der mysteriösen Haushälterin Grace zum Fluch von Madeleine Bowers, die für eine unterschwellig unheimliche Atmosphäre sorgen. Mit einem unglaublich packenden Showdown, einer unfassbaren Enthüllung und einem sehr fiesen Cliffhanger lässt die Autorin ihren gelungenen 2. Teil enden. Zum Glück müssen wir auf den Abschlussband und die Aufklärung der vielen offenen Fragen nicht mehr allzu lange warten.


    FAZIT
    Eine gelungene und sehr fesselnde Fortsetzung der „Herz aus Glas“-Trilogie, mit tollen Charakteren und genau der richtigen Mischung aus Spannung, herrlichen Gruseleffekten und obligatorischem Gefühlschaos.
    Sehr lesenswert!


    5ratten

    INHALT
    Ein Jahr nachdem die sechsjährige Lydia durch einen tragischen Unfall ums Leben kam, sind ihre Eltern Sarah und Angus psychisch am Ende. Um neu anzufangen, ziehen sie zusammen mit Lydias Zwillingsschwester Kirstie auf eine atemberaubend schöne Privatinsel der schottischen Hebriden. Doch auch hier finden sie keine Ruhe. Kirstie behauptet steif und fest, sie sei in Wirklichkeit Lydia, die Eltern hätten den falschen Zwilling beerdigt.
    Bald hüllen Winternebel die Insel ein, Angus ist beruflich oft abwesend, und bei Sarah schleicht sich das unheimliche Gefühl ein, etwas stimme nicht. Zunehmend fragt sie sich, welches ihrer Mädchen lebt. Als ein heftiger Sturm aufzieht, sind Sarah und Kirstie komplett isoliert und den Geistern der Vergangenheit ausgeliefert.
    (Quelle Droemer-Knaur Verlag)

    MEINE MEINUNG

    Mit seinem Debütroman „Eisige Schwestern“ hat der britische Autor S. K. Tremayne einen äußerst packenden Psychothriller mit gruseligen Mysteryelementen vorgelegt, der mich über weite Teile mit den geheimnisvollen Hintergründen einer Familientragödie und einer herrlich düsteren, schaurigen Atmosphäre hervorragend unterhalten konnte, zum Ende hin aber leider einige deutliche Schwächen entwickelt.
    Im Mittelpunkt der Geschichte steht die 7-jährige Kirstie mit ihren Eltern Sarah und Angus Moorcroft, die auch ein Jahr nach dem tragischen Unfalltod der Zwillingsschwester Lydia darum ringen, ihr Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen und zur Ruhe zu kommen. Daher beschließen sie, ihr altes Leben in London zu hinter sich zu lassen und auf die einsame schottische Hebrideninsel Torran zu ziehen, auf der Angus ein renovierungsbedürftiges Häuschen geerbt hat. Doch ihr Neubeginn entwickelt sich bald völlig anders als erhofft, denn ihre Ehe kriselt gewaltig, ihre Tochter Kirstie scheint in eine Identitätskrise zu durchleben, behauptet plötzlich, dass sie Lydia sei, und beginnt sich immer seltsamer zu verhalten.
    Die Geschichte wird neben einigen Kapiteln aus Angus Sicht in dritter Person vorrangig aus Sarahs Perspektive in der Ich-Form erzählt, wodurch man Sarahs Gefühlsleben, ihre Trauer und inneren Konflikte anfangs sehr gut miterleben und nachvollziehen kann. Viele ihrer Verhaltensweisen werden im Laufe der Handlung allerdings immer befremdlicher und weniger nachvollziehbar.
    Sehr fesselnd, düster und geheimnisvoll entfaltet sich die Geschichte, die immer wieder um den verhängnisvollen und sehr rätselhaften Unfall der Zwillingstochter und die näheren Umstände ihres Todes kreisen. Merkwürdige Andeutungen über mysteriöse Ereignisse in der Vergangenheit und wohl gehütete Geheimnisse werfen viele Fragen auf und lassen ungute Verdachtsmomente aufkommen. Fast bis zum Ende betreibt Tremayne für den Leser ein cleveres Verwirrspiel um die wahre Identität der überlebenden, traumatisierten Zwillingstochter, die sich seit dem Umzug immer merkwürdiger und unheimlicher verhält. Dem Autor gelingt es hervorragend, seinen Spannungsbogen immer mehr zu spannen, indem er uns beim Miträtseln zu verwirren und kurzzeitig auf falsche Fährten zu locken weiß. Geschickt eingestreute Gruseleffekte, unheimliche Geschehnisse und eine immer düster werdende, beklemmende Gesamtstimmung auf der einsamen Insel sorgen zudem für wundervolle Gänsehautmomente. Zum Ende hin erhält die Geschichte leider einen zunehmend mystischen, paranormalen Charakter, die dramatischen Ereignisse überschlagen sich regelrecht und gipfeln in einem mitreißenden, aber etwas vorhersehbar Showdown im düsteren Haus auf der finsteren Insel während eines tosenden Sturms. Die Auflösung des Familiendramas und die enthüllten Geheimnisse wirkten fast schon etwas zu trivial und konnten mich nicht völlig überzeugen, während die Hintergründe der mysteriösen Ereignisse leider ungeklärt bleiben.


    FAZIT
    Ein sehr vielversprechend beginnender Psychothriller mit einer tollen düsteren und schaurigen Atmosphäre, der mich anfangs sehr gefesselt und in Atem gehalten hat, im Verlauf der Handlung aber leider zunehmend schwächer wird.


    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


    ... und Angus "das Spiel" zum teil mitgespielt hat, eben weil er wusste, dass sie krank war. Er tut mir hier sehr leid. Zumal man oft im Buch davon ausgegangen ist, dass "ER" der "Bösewicht" ist.
    Jetzt ist wenigstens klar, dass nicht Lydia noch am Leben ist, sondern Kirstie und damit das "Lieblingskind" von Angus. Hätte man sich die Trauerfeier im Ort doch sparen können.


    Tremayne hat uns mit Angus ominösen "Geheimnis" wirklich ganz schön auf die falsche Fährte gelockt, dabei war Angus eigentlich die ganze Zeit über bemüht, seiner Tochter eine heile Welt vorzuspielen, in dem er geglaubt hat, er müsse Sarah einfach in Ruhe lassen und die Vergangenheit vergessen.
    Unglaublich eigentlich, dass er der Trauerfeier für Kirstie zugestimmt hat, obwohl er genau wusste, dass sie die Überlebende war! :zwinker:


    Die ganze Zeit verfolgt man als Leser gespannt, wie die Geschehnisse sich auf die Katastrophe zubewegen, mit einem unguten Gefühl, aber bis zum Schluss mit der Hoffnung, es möge noch eine Wendung zum Guten geben. Jemand möge sich Johnseys annehmen und ihm die richtigen Ratschläge geben. Doch leider geschieht das nicht, und das Ende ist ein Schock, obwohl man es kommen sah... :sauer:


    Darauf hatte ich auch lange Zeit gehofft - doch letztlich scheinen die Freunde und Verwandtschaft doch alle eher vom raffgierigen Schlag zu sein ...

    Zitat

    Eigentlich sehe ich hier die alten Freunde seiner Eltern (das Ehepaar Unthank) in der Pflicht, aber die denken wohl nur an sich selbst?


    Schon bevor deutlich wird, was Johnsey da geerbt hat, habe ich mich über die plötzliche Freundlichkeit einiger Leute gewundert – schleimige Nettigkeiten, die nicht dem Vollwaisen und alten Familienbanden galten, sondern schon konkret auf das Ziel ausgerichtet waren. Oder haben sie sich alle von der Aufbruchstimmung mitreißen lassen?
    Aber immerhin schämen sie sich, als sie sich verplappert haben und ihre Falschheit aufgedeckt wird.


    Zitat

    Von Anfang an stellte sich mir als Leser die Frage, ob die irische Gesellschaft wirklich so eiskalt ist?


    Ich bin mir eigentlich sicher, dass dies nicht nur ein typisches Phänomen für Irland ist, sondern sich auch in jedem deutschen Dorf abspielen könnte.

    Zitat

    Johnsey wird schwer verletzt und die Polizei ermittelt nicht, lässt die Täter ungestraft, angeblich gibt es keine Beweise? Das kann ja wohl auch nicht sein.


    Dies hat mich auch sehr empört, aber passt doch gut ins Bild dieser verlogenen Dorfgemeinschaft.
    Man will die Polizei sicher dort nicht rumschnüffeln haben und peinliche Fragen stellen lassen.
    Schließlich hat keiner all die Jahre etwas unternommen und offiziell auch nie etwas mitbekommen... das Ganze könnte schließlich noch ihr ganzes schönes Bauvorhaben beschmutzen.
    Gut denkbar, dass von oberer Stelle hier jemand eingeschritten ist und alles schnell unter den Teppich gekehrt hat.


    Zitat

    Völlig unverständlich ist mir auch, warum Johnseys Eltern nicht vorgesorgt haben. Sein Vater bedenkt, wo er die Wiesen mähen kann, ohne brütende Tiere zu stören, aber er trifft angesichts seines nahenden Todes keine Vorsorge, wer sich nach seinem Ableben um seinen unselbständigen Sohn kümmern soll? Bzw. auch die Mutter tut nichts dergleichen?


    Zitat

    Und der Vater war doch sonst sehr vorausschauend und die Mutter auch ziemlich auf Draht, wie ihre genialen spitzen Bemerkungen in den ersten Kapiteln, als sie noch lebte, zeigen.


    Dieser Aspekt hat mich auch sehr gewundert und ist in meinen Augen etwas unglaubwürdig.
    Die Eltern haben ihren Sohn doch geliebt, wollten nur sein Bestes und dann denken sie nicht an seine Zukunft?
    Außerdem haben sie ihn doch für recht lebensuntüchtig gehalten und ihm nie etwas zugetraut - wie konnten sie dann keine Vorsorge treffen? Das verstehe ich wirklich nicht.
    Zumal der Vater ja keinen plötzlichen Herzinfarkt erlitten hat, sondern noch Zeit hatte, sich um alles zu kümmern.
    Scheinbar ist Johnsey ja einiges in Sachen Finanzen erklärt worden, aber es muss doch für sie klar gewesen sein, dass dies nicht ausreichen würde.
    Noch unverständlicher ist für mich übrigens, dass der Vater ja scheinbar maßgeblich in die Pläne und der Ausweisung dieses Erweiterungsgebiets involviert war und hätte ahnen können, dass sein Sohn später einen kompetenten Berater brauchen würde.


    Gut gefallen haben wir auch die irischen oder gälischen Wort-Einsprengsel, die viel zur Atmosphäre des Buches beitragen, wie mar dhea, peata, Bangharda. Allerdings musste ich die immer erst nachschlagen. Hier wäre eine Erklärung am Ende des Buches hilfreich gewesen.


    Ja das hat mir auch gut gefallen und ich kann mir denken, dass im Original noch viel stärker der irische Einschlag in der Wortwahl zum tragen kommt.
    Schade fand ich auch, dass der Übersetzer nicht ein kleines Glossar für diese Begriffe beigefügt hat, um uns ein bisschen Arbeit zu ersparen - naja, es lässt sich ja alles googlen. :zwinker:



    Ich denke, das hat Johnsey schon richtig verstanden, das ist ein Sparschwein für die Brautschuhe. Ich kenne es, dass man seine Brautschuhe mit Pfennigen (als es sie noch gab) bezahlt, die man natürlich vorher (in einem Sparschwein) gesammelt hat - ich vermute mal, in Irland ist es ähnlich.


    Ich habe mich auch ein wenig darüber gewundert, dass ausgerechnet Johnsey diesen Begriff kannte.


    Scheinbar gibt es diese altmodische Tradition auch noch in Irland...
    Am Wert der Brautschuhe soll der Bräutigam ja angeblich erkennen können, wie fleißig und sparsam seine Zukünftige ist. :breitgrins:

    Ein tolles Buch, das mich bestens unterhalten, aber auch sehr bewegt hat – das an vielen Stellen auch sehr philosophisch ist und zum Nachdenken anregt.


    Ryan hat als Rahmenhandlung für seinen Roman ein sehr interessanten Phänomen der irischen Wirtschaft (die gigantische Investitionswelle inklusive Bauboom an aberwitzigen Standorten) noch deutlich vor Platzen der irischen Immobilienblase im Jahr 2008 ausgewählt.
    Mit den beschriebenen, beängstigenden Entwicklungen in diesem vermeintlich so idyllischen irischen Dorf gibt er schockierende Einblicke in die sich zunehmend hochschaukelnden Befindlichkeiten in dieser zuvor eher unbefleckten intakten Dorfgemeinschaft. Hinterlist, Lügen, pure Geld-Gier ja sogar Gewalt regieren auf einmal die Stimmung im Dorf und aller Hass focussiert sich plötzlich auf diesen jungen „geistig behinderten“ Mann, dessen Land für die versprochene Erschließung benötigt wird.
    Die beschriebene Goldgräberstimmung und der Wandel der Stimmung im Dorf sind wirklich grandios eingefangen und wirken sehr authentisch!
    Für Geld und Reichtum vergessen sie alle gerne mal Moral, Glauben und ihre Ideale - sicherlich kein typisch irisches Problem. :zwinker:
    Welch eine Ironie, dass der vermeintliche Geldsegen später für die meisten in einer finanziellen Katastrophe geendet ist und die meisten sich gehörig verspekuliert haben.


    Welch ein herrliches Konstrukt, dass ausgerechnet der Dorftrottel mit seinen Grundstücken die Fäden in der Hand hält und noch gar nicht ahnt, welche Macht er über alle hat. :breitgrins:
    Kurzzeitig habe ich mich wahnsinnig für ihn, den Underdog, gefreut – aber leider nimmt die Geschichte ja dann doch eine sehr unerfreuliche und traurige Wendung.


    Johney als Charakter hat mir sehr gut gefallen, er wirkt so authentisch und bodenständig.
    Ryan versteht es hervorragend, uns anhand eines Jahres im seinem Leben quasi im Wandel der Jahreszeiten immer mehr an diesen so eigenwilligen Menschen heranzuführen.
    Grandios erzählt sind die Rückblicke auf sein so unspektakuläres Leben und seine haarscharfen Analysen zu den sich im Hintergrund abspielenden, zunehmend eskalierenden Ereignissen in diesem Dorf. Die Einblicke in seine Gedankenwelt, seine Beobachtungen und Rückschlüsse auf das Leben, die Menschen und die traditionelle, ländlich geprägte Lebensweise in diesem irischen Ort sind hervorragend und äußerst treffend geschildert, so dass ich mich immer besser in Johnsey hineinversetzen konnte und das Gefühl hatte ihn wirklich kennen zu lernen.


    Auch ich habe mich allerdings immer häufiger gefragt, wie „beschränkt“ John wirklich ist, denn seine Gedanken, Empfindungen sind zwar bisweilen naiv, herzzerreißend unschuldig und manchmal auch ungeordnet (wie ja mehrfach betont wird), aber so wie sie geschildert werden eben doch unglaublich treffend, messerscharf und geradezu brillant auf den Punkt gebracht.
    In dem Zusammenhang fand ich etwas zu platt ihn von „Hahnleiter“, „Backterrier“, Puh-Pillen etc. reden zu lassen, wenn er ohne Probleme Begriffe wie Konsortium, Retina … versteht und verwendet. :zwinker:


    Fest steht, dass er eine sehr instabile Persönlichkeit hat, ungebildet und wenig geübt im sozialen Umgang ist und er sich extrem von anderen herumschubsen lässt. Wobei dies sicherlich schon durch den Umgang durch seine Eltern geprägt ist, die ihn als kleines Papa-Söhnchen ja schon regelrecht in die Außenseiter-Rolle „der arme Junge ist nicht für diese böse Welt geschaffen“ und muss behütet werden, gedrängt haben.
    Ich habe mich manchmal schon gefragt, ob er sich einfach dümmer gestellt hat als er ist?
    Er hat sich hinter der so dominanten Vaterfigur einfach nicht entwickeln können, hat es nicht gelernt zu reden und sich auszudrücken, was ja nicht unbedingt heißt, dass er geistig minderbemittelt ist.


    Schrecklich zu lesen, wie er permanent gemobbt, später tyranisiert, in diesem Coop ausgebeutet und sogar krankenhausreif geprügelt wurde und das ganze Dorf irgendwie zugesehen hat und nie etwas dagegen unternommen hat.
    Mir hat er so unendlich leid getan, dass er stets alles über sich hat ergehen lassen, fast so als hätte er es nicht anders verdient!


    Sein Krankenhausaufenthalt bringt für ihn eine unglaubliche Wende in sein Leben, in dem er zwei Menschen kennenlernt, die für ihn plötzlich der einzige Halt in seinem trostlosen Leben werden und die er als Freunde ansieht.
    Ehrlich gesagt, habe ich ja die ganze Zeit schon darauf gewartet, dass auch die beiden sich mit einer Bemerkung outen und nur an seinem Geld interessiert sind.
    Doch erstaunlicherweise kommt bis zum Ende hin nichts in der Art.
    So bleibt die Frage offen, was wieso sie wirklich die Nähe zu ihm gesucht haben und sich derart sein Leben gedrängt haben.
    Aber die Beziehung/Freundschaft zu ihnen lässt, Johnsey unglaublich reifen und es ist so wohltuend wie er diese ganzen Hinterwäldler durchschaut, nicht nachgibt und ihnen die Stirn bietet.


    Gefragt habe ich mich allerdings auch, ob er eigentlich eine bewusste Entscheidung getroffen hat, jegliche Angebote zu verkaufen auszuschlagen? War es aus Hinterlist, aus Nostalgiegründen oder ganz einfach aus seinem Mangel an Antrieb und Unterstützung?
    Wie habt ihr das empfunden?


    Ich habe grade noch mal nachgelesen und muss sagen: Du hast Recht. Der Klappentext klingt komplett anders, als das Buch (auch bezüglich der "atemberaubend schöne(n), einsame(n) Privatinsel" - das klingt irgendwie viel luxuriöser als "heruntergekommene Hütte auf einer einsamen Insel").


    Den Klappentext finde ich auch ziemlich irreführend.
    Außerdem finde ich den Hinweis "Kirstie oder Lydia? Gut oder böse?" hinten auf dem Buch auch schon sehr manipulativ.
    Für mich war es von Anfang an klar, dass eines der Mädchen seine Schwester vom Balkon geschubst hatte.


    Zitat


    Und wenn die Kinder die Balkon-Kletterei unbeschadet überstanden hätten, hätten sie evtl. Mama und den fremden Mann beim Sex gesehen. Auch das wäre ziemlich traumatisch gewesen.


    Wenn ich es richtig verstanden habe, war dieser Typ aber schon längst wieder weg und die angetrunkene Sarah war im Schlafzimmer eingeschlafen, als sich der Unfall ereignete.
    Von den Schilderungen her ist mir der Auflauf des verhängnisvollen Tags leider etwas vage geblieben.
    Wieso ist sie nach dem Schrei nach oben gerannt??? Ich dachte, sie wäre im 1. Stock gewesen?



    Hat der Autor zu viel gewollt oder ist ihm so recht nichts eingefallen? Das Abdriften ins Mysteriöse kam für mich etwas unglaubhaft und erwartet hatte ich so etwas auch nicht.


    Ja - genau das habe ich mir auch gedacht. Es war einfach etwas zu viel von allem ... :zwinker:

    Nachdem ich das Ende nun ein paar Tage habe sacken lassen, hier meine Kommentare zum Ende.


    Hmm – auch ich bin mit dem Ausgang und der Auflösung der Geschichte nicht zu richtig glücklich.
    Der Showdown auf der Insel mit dem gigantischen Sturm zusammen mit Sarahs zunehmenden Wahnvorstellungen waren zwar von der Atmosphäre toll beschrieben, doch einige Entwicklungen waren mir dann doch etwas zu vage, unglaubwürdig und teilweise zu verworren.
    Irgendwie kann ich mir ja nicht vorstellen, dass Sarah eine völlige Amnesie hatte und sich an gar keine zurückliegenden Ereignisse mehr erinnern kann, bzw. dass diese dann ganz plötzlich alles wieder da sind. Schon ziemlich unrealistisch!
    Dass sie zum Ende hin durchdreht, sich immer mehr in eine Scheinwelt rein steigert und schließlich auf ihrer Flucht von der Insel zu Tode kommt, hat mich nicht sehr überrascht – fast hatte ich schon damit gerechnet, dass auch Angus nicht überlebt. :breitgrins:
    Zum Schluss waren mir die paranormalen Elemente übrigens dann doch etwas zu dick aufgetragen und was nun in der verhängnisvollen Nacht geschehen ist, bleibt bewusst im Unklaren.


    Was es nun mit Kirsties Visionen und ihrem seltsamen Geistersehen auf sich hatte, womit sie die anderen Kinder so in Angst und Schrecken versetzt hat, wird leider auch nicht deutlich.
    Auch Angus verhält sich ja auf seinem Weg zur Insel auf höchst seltsam – sieht schemenhafte Gestalten, hört Kirsties Rufe und rennt trotzdem auf schnellstem Weg zum Haus?
    Vielleicht weil er so betrunken war und nicht mehr klar denken konnte? :zwinker:


    Schuld an der ganzen Familien-Tragödie tragen ja eigentlich alle in gewissem Umfang oder eben auch nicht, wenn man einfach von unglücklichen Umständen bei Lydias Tod ausgeht.
    Traurig, dass beide gemeint haben, an dieser verfahrenen Ehe noch festhalten zu müssen, denn ihr Zusammenbleiben und vor allem der Umzug hat ihre desolate Situation vor allem für Kirstie nur noch mehr verschlimmert. Angus hat sich offenbar wirklich sehr bemüht, seine Familie zusammenzuhalten, doch mit der negativen Einstellung seiner Frau gegenüber, war es doch von vornherein hoffnungslos. Schön fand ich den vielversprechenden Ausklang der Geschichte – ein Hoffnungsschimmer zumindest, dass Kirstie mit ihrem Vater doch noch glücklich werden und zu sich finden kann.


    Schade, zum Schluss hat der Autor seinen Plot doch ein wenig zu sehr überdreht und beim Showdown zu vieles auf einmal eingebracht.
    Mein Fazit:
    Ein sehr vielversprechend beginnender Psychothriller mit einer tollen düsteren und schaurigen Atmosphäre, der mich anfangs sehr gefesselt und in Atem gehalten hat, im Verlauf der Handlung aber leider zunehmend schwächer wird.

    INHALT
    Ihre Freundschaft ist so tief wie ihre Seele – ihre Liebe so abgründig wie das Jenseits.


    Sie und Aurora … das ist für immer! So unterschiedlich die Mädchen auch sind – Aurora zart und flüchtig wie das Sonnenlicht, sie, die namenlose Erzählerin, so düster wie die Mitternacht –, ihr Leben ist ein einziger gemeinsamer, magischer Rausch aus Partys, Musik und Kunst. Doch als Jack in ihr Leben tritt, ist es wie ein schmerzhaft schöner Riss in ihrem Traum. Dieser begnadete Junge, der die Menschen mit seinen Liedern betört, hat nicht Aurora gewählt, sondern die Freundin in ihrem Schatten. Dennoch die Zweifel in dem Herzen der Erzählerin bleiben. Doch dann taucht Minos auf, ein zwielichtiger Clubbesitzer, der Jack und Aurora einen teuflischen Pakt anbietet. Als die zwei gemeinsam nach L.A. verschwinden, kann nur sie die beiden vor ihrem Verderben bewahren …
    (Quelle cbt-Verlag)


    MEINE MEINUNG
    Der Roman „Ein Lied, so süß und dunkel“ der amerikanischen Autorin Sarah McCarry ist der fesselnde, aber recht düstere Auftakt einer paranormalen Trilogie für junge Erwachsene. Im Amerikanischen trägt die Trilogie den Titel „Metamorphoses“ und ist offenbar eine Anspielung auf das klassische Werk „Verwandlungen“ des römischen Dichters Ovid, in denen er vielfältige Sagen aus der römischen und griechischen Mythologie zusammengestellt hat. Geschickt greift die Autorin in ihrem Roman die bekannte Orpheus-Sage und seinen spektakulären Gang in die Unterwelt zur Rettung von Eurydike auf, verfremdet sie und verwebt die verschiedenen Elemente gekonnt zu einer mitreißenden, zunehmend mysteriöser werdenden Geschichte rund um die beiden unzertrennlichen Teenager-Freundinnen Aurora und die namenlose Ich-Erzählerin.
    Angesiedelt ist die Handlung im Seattle der 1990ger Jahre mit seinem faszinierenden, bizarr morbiden Flair der unkonventionellen Grunge-Musikszene und ihren ungezügelten Drogenexzessen – das perfekte Setting für die düstere, mystische und sehr geheimnisvolle Geschichte.
    Die Autorin versteht es hervorragend, den Leser mit ihrem leicht, unglaublich bildhaften Schreibstil und wundervoll poetischen Formulierungen gefangen zu nehmen.
    Sehr viel versprechend und fesselnd ist bereits der Einstieg in die Geschichte, bei dem wir in die befremdliche Welt der beiden jugendlichen Hauptfiguren und ihren ungewöhnlichen Alltag und den ihrer sehr unkonventionellen, alleinerziehenden Mütter eintauchen. Sehr eindringlich zeichnet die Autorin ein Bild einer unerschütterlichen Freundschaft und tiefen Zuneigung der so völlig unterschiedlichen Charaktere und nimmt uns mit auf ihre gemeinsamen, nächtlichen Abenteuer bei exzessiven, rauschhaften Partys und Konzerten ganz nach dem Motto „SEX, DRUGS AND ROCK 'N' ROLL“.
    Hervorragend ist der Autorin die einfühlsame, vielschichtige Charakterzeichnung gelungen, die sie passend zum Handlungsverlauf bei einigen Figuren bewusst etwas rätselhaft und undurchsichtig hält. Sehr fesselnd sind die beiden Hauptfiguren Aurora und die Ich-Erzählerin angelegt: zwei unzertrennliche Freundinnen, die wie Schwestern aufgewachsen sind und dennoch kaum unterschiedlicher vom Charakter her sein könnten. Die wunderschöne, charismatische und unbesonnene Aurora auf der einen Seite, die allseits beliebt ist und als Tochter eines berühmten, früh verstorbenen Rockstars als strahlender Star stets im Rampenlicht steht.
    Als faszinierend dunkler Kontrast zur ätherischen wirkenden Aurora ist die eher bodenständige, unscheinbare Erzählerin mit ihrer sensiblen, verschlossenen Persönlichkeit angelegt. Als die Besonnenere der beiden fühlt sie sich stets für Aurora und ihr Wohlergehen verantwortlich und versucht sie zu beschützen. So lernen wir ihren Charakter im Laufe der Handlung immer besser kennen, ihre Leidenschaft zur Kunst, innere Stärke und bedingungslose Verbundenheit zu den Menschen, die sie liebt. Diese innige Beziehung der Freundinnen wird auf eine harte Probe gestellt, als der mysteriöse, attraktive und hoch talentierte Musiker Jack in ihr Leben tritt. Beklommen verfolgt man, wie sich die Stimmung allmählich immer mehr verändert und verdüstert und seltsame, mystische Figuren wie der ominöse Clubbesitzer Minos die Szene betreten. Hautnah bekommt man die unguten Veränderungen in der Freundschaft der Mädchen zu spüren, ihre schleichende Entfremdung und die sich daraus ergebenden tragischen Verwicklungen. Jacks herausragendes musikalisches Talent scheint finstere Mächte zum Leben erweckt zu haben und bringt langsam ihre Welt völlig aus den Fugen. Viel zu spät muss die Erzählerin erkennen, was hier wirklich auf dem Spiel steht und welche Rolle sie darin spielen soll.
    Geschickt verwebt McCarry in die realen Ereignisse immer häufiger bizarre, paranormale Elemente, die manchmal ins Surreale abzudriften scheinen, und lässt den Leser bisweilen im Unklaren, wie die beunruhigenden Geschehnisse einzuordnen sind. Dadurch schafft sie eine verwirrende, düstere und unglaublich spannungsgeladene Atmosphäre, der man sich einfach nicht entziehen kann, und die sich bis zum mitreißenden, sehr mystischen und völlig unvorhersehbaren Finale immer weiter steigert.
    Passend zur Gesamtstimmung des Romans ist das mit verschiedenen Deutungsmöglichkeiten etwas vage gehaltene, aber dennoch in sich abgeschlossene Ende dieses ersten Teils. Man darf gespannt sein, welche Aspekte aus diesem Teil in der Fortsetzung aufgegriffen und vertieft werden. Ich bin schon sehr neugierig, in welche Richtung sich der zweite Teil der viel versprechenden METAMORPHOSES -Trilogie entwickeln wird, in dessen Mittelpunkt die bewegte Vergangenheit der beiden Mütter steht.


    FAZIT
    Ein fesselnder, sehr außergewöhnlicher Auftakt einer paranormalen Trilogie für junge Erwachsene mit mythologischen Elementen, der uns in eine düstere, mystische und sehr geheimnisvolle Welt entführt!
    Empfehlenswert für alle, die eine interessante Lektüre jenseits der Mainstream-Unterhaltung suchen!


    5ratten

    INHALT
    „Eine Stadt, geteilt in ein Oben und Unten, geteilt in Tag und Nacht.
    Wer oben lebt, kennt das Licht und den Reichtum. Wer unterlebt, kämpft gegen die Dunkelheit und Armut an.“


    Es ist NOX, die dichte Wolke aus Schmutz, die die Stadt in ein Oben und Unten teilt. Wer oben geboren wird, ist auf der Seite der Sieger. Hier wächst man mit Licht und Sonne in Reichtum auf.
    Der 17-jährige Lucen hat es weniger gut getroffen. In Dunkelheit und Gestank lebt er unter widrigsten Umständen in der Unterstadt, wo Polizei und Miliz die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Sein Freund Gerges aus Kindertagen tritt der Miliz bei. Bald schon wird er Lucen misstrauen und ihn hintergehen. Denn der sympathisiert mit den Aufständischen, die eine Zusammenführung von Unter- und Oberstadt unter Einsatz ihres Lebens erkämpfen wollen. Hinter ihm steht Firmie, seine Freundin, und auch Ludmilla, ein Mädchen aus der Oberstadt. Aber werden sie gegen die Miliz siegen?
    Lucen ist in größter Gefahr. Und ausgerechnet sein ehemaliger Freund wünscht ihm den Tod.
    (Quelle dtv-Verlag)


    MEINE MEINUNG
    Nach seiner erfolgreichen Romantrilogie „Méto“ hat der französische Autor Yves Grevet erneut eine äußerst spannende Dystopie für jugendliche Leser herausgebracht. Der gelungene Auftakt seiner neuesten Romanreihe „Nox - Unten“ kann vor allem mit seiner außergewöhnlich differenziert und stimmig ausgearbeiteten dystopischen Welt überzeugen, die den Leser sehr rasch mit der extrem bedrückenden Darstellung eines totalitären Regimes in seinen Bann zieht.
    Geschickt greift er in seiner packenden Geschichte sehr aktuelle Themen wie Umweltverschmutzung, soziale Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Unterdrückung der Armen auf und regt seine Leser darüber hinaus zum Nachdenken an über die unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen vor allem der Terrorregime in unserer Welt, Ausbeutung der 3. Weltländer und die Bedeutsamkeit von Freiheit und Selbstbestimmung jedes Einzelnen.
    Der Einstieg in die Geschichte rund um die jugendlichen Hauptfiguren aus Unter- und privilegierter Oberstadt geschieht zunächst sehr unmittelbar. Erzählt werden die Geschehnisse in sich abwechselnden Kapiteln aus der Perspektive der drei 17-jährigen Ich-Erzähler Lucen, seinem besten Freund Gerges und der reichen, sehr behütet aufwachsenden Oberschichttochter Ludmilla. Sehr geschickt lässt der Autor nach und nach viele aufschlussreiche Hintergrundinformationen zu den Hauptfiguren, ihren Familien und ihren so völlig unterschiedlichen Lebensbedingungen in die clever konstruierte Handlung einfließen. Dank Grevets knappen, gut lesbaren Schreibstils dauert es aber nicht lange, bis man vollkommen in die düstere und im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Erzählung abtauchen kann. Das von ihm entworfene, unglaublich ideenreiche Szenario der Stadt ist sehr detailreich und stimmig angelegt und setzt sehr schnell ein beklemmendes Kopfkino in Gang. Wir erleben eine an einem Hang liegende Stadt, die aufgrund der aus extrem ungesunden Abgasen bestehenden NOX-Wolke in zwei Welten geteilt ist: Die Oberstadt, in der die Reichen und Mächtigen im Überfluss leben, und die im Dunkeln liegende Unterstadt, in der die „minderwertige“ Bevölkerung durch ein ausbeuterisches, ungerechtes Terrorregime in einer Art Kastensystem leben und sich gemäß ihrer Herkunft in ein kurzes Leben ohne natürliches Licht und voller Hunger, Elend und Arbeit fügen muss. Sehr eindringlich zeigt Grevet auf, dass dieses bestehende politische Machtgefüge nur künstlich und durch massive Einschüchterungen der brutalen Milizeinheiten aufrechterhalten wird. Für den Leser ist der Wunsch der unterdrückten Unterschicht nach gesellschaftlichem Aufstieg und eine radikalen Veränderung nachvollziehbar dargestellt. Geschickt werden zudem Hinweise eingestreut, dass sich Widerstand gegen das verhasste Terrorregime längst heimlich formiert hat und auch in der Oberschicht einige auf eine gerechtere Gesellschaft hinarbeiten.
    Die einfühlsame, differenzierte Figurenzeichnung der sehr unterschiedlichen Protagonisten gibt sehr spannende Einblicke in den Alltag der Menschen in dieser Stadt voller Unterdrückung, Missgunst und Intrigen, ihrer Sorgen und Nöte und den Herausforderungen, denen sie sich tagtäglich im Überlebenskampf stellen müssen. Je weiter die Geschehnisse eskalieren, desto greifbarer werden die aufgeladene Atmosphäre und Anzeichen eines radikalen Umbruchs. Eine sehr heikle Phase ist angebrochen, in die auch unsere jugendlichen Protagonisten Lucen, Gerges und Ludmilla mit ihren Freunden und Familien auf ganz unterschiedliche Weise hineingezogen werden, und plötzlich jeder einzelne Stellung zu beziehen und verhängnisvolle Entscheidungen zu treffen hat.
    Die charakterliche Weiterentwicklung und das Verhalten der Hauptfiguren sind authentisch und überzeugend dargestellt. Auch wenn der Autor leider trotz der verwendeten Ich-Perspektive wenig Einblicke in das Gefühlsleben seiner Figuren gibt, kann man sich recht gut in die angespannte Lebenssituation und Gewissenskonflikte der einzelnen Figuren hineinversetzen. Immer häufiger stellt sich für alle die Frage, wem sie noch vertrauen können und auf welcher Seite sie wirklich stehen wollen.
    Als ungewöhnliches und etwas gewöhnungsbedürftiges Stilmittel nutzt der Autor zur Schilderung der Ereignisse zeitversetzte und sich oft überlappende Sequenzen aus anderem Blickwinkel, um die Handlung spannender und abwechslungsreicher zu gestalten. Dem Autor ist es hervorragend gelungen, uns bis zum Ende hin immer wieder mit unvorhersehbaren Verwicklungen und ungeahnten Intrigen in Atem zu halten. Etwas schade finde ich allerdings, dass der Autor selbst bei mitreißenden Geschehnissen auf eine packende und actionreiche Umsetzung verzichtet hat und diese eher beiläufig in wenigen Sätzen abhandelt.
    Sehr aufwühlend und packend ist das offene, sehr abrupte Ende des ersten Teils gestaltet, bei dem der Autor uns mit einer überraschenden und sehr schockierenden Enthüllung in der Luft hängen und um das Schicksal unserer Helden bangen lässt. Voller Ungeduld müssen wir nun auf den Fortsetzungsband seiner genialen Dystopie warten.


    FAZIT
    Ein gelungener, fesselnder Auftakt einer neuen beklemmenden Dystopie für Jugendliche, die vor allem mit seiner außergewöhnlich differenziert und stimmig ausgearbeiteten dystopischen Welt überzeugen kann und zum Nachdenken anregt.
    Für alle Dystopie-Fans sehr lesenswert!


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    So, ich habe jetzt auch mal in die Leseprobe reingelesen und finde die Geschichte ziemlich interessant.
    Ich würde gerne mitlesen, hoffe mal auf noch ein paar kurzentschlossene Mitleser und bewerbe mich hiermit auch auf ein Freiexemplar. :smile: