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Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.


    Ich habe das Buch nun beendet und muss sagen, dass ich trotz anfänglicher "Schwierigkeiten" bzw. Skepsis nun doch neugierig geworden bin auf Band 2, da mich eben Band 1 doch noch überzeugen konnte. Gerade das Ende ist ja schon irgendwie "gemein"; da möchte man doch am liebsten sofort weiterlesen.


    Mich hat die Geschichte zum Ende hin auch immer mehr fesseln können.
    Vor allem bin ich neugierig, wie es mit den verschiedenen Figuren weitergehen wird und bin auch gespannt darauf, welche Rolle der historisch verbürgte Florian Geyer im nächsten Band spielen wird.


    Zitat

    Tja, und jetzt heißt es wohl abwarten. Ist denn eigentlich schon bekannt, wann Band 2 erscheinen soll?


    Das habe ich mich auch gefragt. :zwinker:
    Eigentlich kann es nicht mehr allzu lange dauern, da ja die gesamte Trilogie schon auf Englisch erschienen ist.



    Sie mag ja wohl Lud genauso wie auch Witter. Auch wenn sie weiß, dass er ein Jude ist. Ich denke, sie würde es nicht weiter stören, oder?


    Vielleicht versucht sie ihn nun auch zu ihrem Glauben zu bekehren und für ihre Täufergemeinschaft zu gewinnen ... :breitgrins:
    Ich hoffe nur, dass er und die anderen die Verletzungen bzw. die Pockenepidemie in Giebelstadt auch überleben werden. :zwinker:

    Der letzte Abschnitt hielt wirklich nochmal einige Überraschungen parat – dass Dietrich jetzt schon stirbt hätte ich nicht gedacht, schade ich hatte seinen Charakter sehr gemocht. :sauer:
    Aber mit seinem Tod wird wohl nun die Rückkehr seines Sohns eingeleitet, der sicher eine wichtige Rolle im nächsten Teil spielen wird. Dietrichs letzter Wille bringt ja einige Veränderungen für Lud und sein weiteres Leben mit sich, mal sehen wie er seine Aufgaben meistern wird.
    Mit Dietrichs Tod hat er immerhin einen sehr wichtigen Menschen verloren, einen Führer und väterlichen Freund, der ihm stets zur Seite stand.


    Das überraschende und in einiger Hinsicht offene Ende ist so angelegt, dass der Leser doch neugierig ist zu erfahren, wie es mit Lud in Giebelstadt aber auch mit den Täufern weiter gehen wird.
    Vor allem natürlich ob die Giebelstädter die Ketzer ausliefern werden und auch, was Witter nun weiter machen will, wo er nicht mehr an die Gemeinschaft gebunden ist und Kristina nun sein Geheimnis kennt.
    Immerhin haben sich Kristina und Lud sich nun wieder getroffen, mal sehen, ob sich daraus weiteres entwickeln wird. Ich hoffe nur, dass sich im nächsten Teil keine Dreiecksgeschichte zwischen ihnen ergeben wird.
    Heftig fand ich ja, dass das Dorf sowohl vom Vogt als auch vom Priester im Stich gelassen worden ist. Ich bin gespannt, ob Lud so schnell alles wieder in den Griff bekommt, dass sie überhaupt überleben können.


    Insgesamt hat mich der historische Roman trotz einiger Längen gut unterhalten können, auch wenn es jetzt nicht unbedingt ein Highlight für mich war, machte der erste Teil der Saga doch Lust auf mehr und ist sehr viel versprechend.
    Gestört habe ich mich allerdings etwas an der Figurenzeichnung, die mir manchmal besonders bei Berthold doch zu schablonenhaft wirkte.
    Ich bin gespannt, wann die Fortsetzung herauskommen wird! :zwinker:

    INHALT
    „Lerne…finde die Wahrheit…Deine eigene Wahrheit…“


    Böhmen, 1517. Kristina ist noch ein Kind, als ihre Eltern auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Sie seien Ketzer, so das Urteil, Feinde der katholischen Kirche. Weil sie daran glaubten, dass jeder Mensch das Recht hat, Lesen zu lernen. Jahre später will Kristina ihr Werk fortführen. Mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter macht sie sich auf die gefährliche Reise nach Deutschland, um Verbündete in Mainz zu unterstützen. Doch unterwegs lauern nicht nur Ketzerjäger, sondern auch der Krieg. Bald liegt Kristinas Schicksal in der Hand eines einzigen Mannes: des hitzköpfigen Bauernkriegers Lud.
    (Quelle Luebbe-Verlag)


    MEINE MEINUNG
    „Die Täuferin“ ist der gelungene Auftakt einer opulenten Historiensaga aus der Feder des amerikanischen Autors Jeremiah Pearson und ist zugleich der Debütroman des erfolgreichen Drehbuchautors von Kino- und Fernsehproduktionen. Seine „Der Bund der Freiheit“-Trilogie ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts angesiedelt, einer sich im Umbruch befindlichen, äußerst unruhigen und historisch bedeutsamen Zeitepoche in Deutschland und Europa. Sie widmet sich den Anfängen der Reformationsbewegung und den sich daraus entwickelnden Bauernkriegen, bei denen die unter Fronarbeit und Leibeigenschaft leidende bäuerliche Bevölkerung sich von der jahrhundertealten Unterdrückung und Ausbeutung der hohen Adligen zu befreien versucht und um Bildung und Freiheit kämpft.
    Bereits in seinen Historischen Anmerkungen im Vorwort erläutert der Autor den Lesern die für den Roman zum Verständnis notwendigen und sorgsam recherchierten, geschichtlichen Hintergründe. Sehr hilfreich sind auch das ausführliche Personenregister zur besseren Orientierung und die beiden historischen Karten von Deutschland und Würzburg im Jahre 1517.
    Pearson gelingt es im Laufe der Handlung sehr gut, dem Leser die teilweise komplizierten politischen und religiösen Hintergründe jener Zeit in zahlreichen Episoden äußerst anschaulich, detailliert und authentisch näher zu bringen. So wird der Leser mit den unterschiedlichsten Problemen der damaligen Zeit konfrontiert und kann sich gut in die Lage der Figuren hineinversetzen und ihre Motivation verstehen. Sehr einfühlsam und plastisch schildert der Autor die Auswirkungen der Leibeigenschaft, die vielfältigen Schrecken der Kriegszüge und Pocken für die Bevölkerung, aber auch die gnadenlose Verfolgung Andersgläubiger durch die Kirche und ihre Handlanger. Darüber hinaus vermittelt er einige interessante Einblicke in das Gedankengut der sehr selbstherrlichen Mächtigen von Kirche und Staat in jener Zeit und den neuen Glaubensgrundsätzen der „Ketzer“ auf der anderen Seite. Pearson versteht es sehr gut, den Leser trotz einiger etwas langatmiger Passagen zunehmend ins fesselnde Geschehen hineinzuziehen und den Spannungsbogen zudem durch geschickt gewählte Wechsel von Erzählsträngen und verschiedenen Schauplätzen behutsam immer mehr zu steigern. Teilweise nutzt er zum Spannungsaufbau Cliffhanger an Kapitelenden und sich überschneidende Schilderungen des Handlungsfortgangs aus unterschiedlichen Sichtweisen. Insgesamt ist der Roman sehr flüssig und mitreißend geschrieben, die Sprache ist allerdings der damaligen Zeit nicht angepasst und wirkt recht modern.
    Die beiden sehr sympathischen Protagonisten Lud und Kristina sind sehr gut gelungen und mit ihren Eigenheiten vielschichtig und glaubwürdig charakterisiert, wodurch sie sehr authentisch wirken. Weniger gelungen waren allerdings einige Charaktere der Nebenfiguren, die teilweise eher stereotyp, blass und schwarz-weiß gezeichnet waren. Insbesondere Berthold, Kristinas Ehemann, erscheint mir viel zu unsympathisch, negativ und schablonenhaft gezeichnet, so dass ich ihm seine Rolle als Anführer der Täufergemeinschaft nicht abnehmen konnte und sein späteres Schicksal leider als vorhersehbar empfand.
    Sehr schön herausgearbeitet ist hingegen die undurchschaubare, schillernde Persönlichkeit des Buchdruckers Witter mit seiner mysteriösen Vergangenheit, den die Gruppe um Berthold in Würzburg kennen lernt, und dessen Schicksal bald mit ihnen untrennbar verflochten ist. Geschickt wurden auch Verwicklungen um einige historisch verbürgte Persönlichkeiten wie beispielsweise Ritter Dietrich Geyer von Giebelstadt oder Konrad Prinz von Thüngen mit der fiktiven Handlung rund um die Protagonisten Lud und Kristina verwoben.
    Schade nur, dass dem Roman keinerlei Hinweise auf die benutzten historischen Quellen beigefügt wurden und für geschichtlich interessierte Leser zusätzliche Hintergrundinformationen über historische Fakten in einem ausführlicheren Anhang fehlen.
    Sehr aufwühlend und offen endet der erste Band der Trilogie, so dass man sehr neugierig ist, was das Schicksal für die beiden sympathischen Protagonisten Lud und Kristina in der Fortsetzung bereithalten wird.


    FAZIT
    Insgesamt ist der Auftaktband „Die Täuferin“ ein thematisch sehr interessanter, spannend erzählter historischer Roman mit einer glaubwürdigen Handlung, der mich trotz einiger Längen gut unterhalten hat.
    Eine lehrreiche und unterhaltsame Geschichtsstunde!


    4ratten

    Von Witter alias Samuel bin ich sehr fasziniert - ein sehr interessanter Charakter, sehr gebildet und künstlerisch begabt!
    Offenbar ist er ein spanischer Converso, der bei der Inquisition seinen Familie verloren hat und seitdem ständig auf der Flucht ist, obwohl die Juden zu jener Zeit in Deutschland ja nicht von der Kirche verfolgt wurden.
    Den Täufern hat er sich jedenfalls nicht aus Überzeugung angeschlossen, sondern als geschickte Tarnung um mit seinem Talent Geld zu verdienen.
    Was für ein trauriges Leben er führen muss, die vergangenen Erlebnisse in Spanien, die Verfolgung und Grausamkeiten gegen die Juden stecken tief in ihm! :sauer:


    Äußerst spannend wird es nun in diesem Abschnitt – die Fluchtszenen sind sehr packend beschrieben.
    Über die Täufergemeinschaft und ihre Missionierungsversuche kann ich mittlerweile nur noch den Kopf schütteln und sie leider nicht mehr so ganz ernst nehmen.
    Dass sie bei ihrer ersten planlosen Flugzettelaktion auffallen und sie als Ketzer enttarnt werden, war von vornherein klar – ausgerechnet Kristina erwischt es als erste und sie gerät in die Fänge eines Mönchs, nur gut, dass Witter so geistesgegenwärtig einspringt und sich als Magistrat ausgibt.
    Aber viel hat es nicht gebracht, denn nun muss die gesamte Gruppe vor den Magistraten aus Würzburg fliehen. Zum Glück hilft Witter ihnen, denn unter Bertholds unfähiger Führung wären sie wahrscheinlich nie aus der Stadt entkommen.
    Allein seine blödsinnige Entscheidung angesichts der drohenden Gefangennahme trotzdem auf die Mitnahme der schweren Druckerpresse zu bestehen, die sie bei der Flucht behindert und kostbare Zeit kostet!!!
    Selbst wenn es um Leben und Tod geht, gelingt es der Truppe nicht, sich gegen Berthold durchsetzen – echt schade eigentlich, dass sein Charakter derart eindimensional und unglaubwürdig dargestellt ist.
    In Vielem erscheint er mir einfach zu schablonenhaft, so dass ich seine Figur gar nicht ernst nehmen konnte und auf sie nun auch gut verzichten kann.
    Selbst sein Tod war so schon lange absehbar! :zwinker:
    Trotz Witters großem Einsatz steht ihre Flucht unter keinem guten Stern … den Karren mit der Presse hätte er schon sehr viel eher entsorgen sollen! :breitgrins:
    Die Gefangennahme und Folterung von Heck hat mich anfangs sehr überrascht, aber es war sicher nicht schwer herauszufinden bei welchem Drucker die Flugblätter hergestellt wurden und wer die Ketzer gedeckt hat.
    Die Szenen von Hecks Folter wurden zum Glück nicht allzu detailreich beschrieben, sein Schicksal geht einem aber dennoch nahe… vor allem wenn man sieht, dass Konrad die Sache ausnutzt um quasi kostenlos an seine Druckerei zu kommen.


    Aber auch Dietrich, Lud und seinen Jungs bleibt wirklich nichts erspart, statt glücklicher Heimkehr haben die Pocken sie nun doch noch eingeholt. Wer in Giebelstadt überhaupt noch überlebt hat?
    Dass Dietrichs Ländereien brach liegen und nicht von den Villani bestellt wurden, ist jedenfalls kein gutes Zeichen …


    Ich bin sehr gespannt, wer im letzten Teil alles überleben wird – man hat das Gefühl, dass nun die Weichen für die Fortsetzung völlig neu gestellt werden. :zwinker:

    Mahmeds Abschiedsgeschenk an Kristina hat also wirklich funktioniert und sie ist nun gegen die Pocken gefeit.
    In diesen Zeiten sicher ein großer Glücksfall diese grauenvolle Krankheit nicht fürchten zu müssen!


    Berthold wird mir immer unsympathischer und ist eine große Enttäuschung. Er ist wirklich kein würdiger Anführer für seine Gruppe sondern wird immer mehr zum Fanatiker und autoritären Einzelgänger, der nur seinen Willen und seine Überzeugungen durchsetzen will statt mit den anderen zusammen zu arbeiten.
    Ich habe das Gefühl, dass er weder hinter seiner Frau noch seinen Glaubensbrüdern steht.
    Die idealistische Gruppe rund um Berthold kommt mir aber weiterhin sehr dilettantisch und naiv vor.
    Wenn sie weiter so blauäugig und unbesonnen handeln, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie in Würzburg geschnappt werden.
    Ich dachte ja schon, dass sie auf ihre heikle Missionierungsaufgabe besser vorbereitet wären. :zwinker:


    Kristina hingegen wird mir in ihrer ganzen besonnenen Art immer sympathischer. Wie sie es nur mit diesem grauenvoll verbohrten Prinzipienreiter an ihrer Seite aushält!


    Mit Witter kommt nun eine weitere interessante Figur hinzu.
    Ich bin sehr gespannt, welche Rolle er noch spielen wird und auf welcher Seite er als Jude nun tatsächlich steht. Neben Lud ein weiterer, der sich offenbar in Kristina verliebt hat. :breitgrins:


    Das Gespräch zwischen Konrad und dem Fürstbischof war ja wirklich sehr aufschlussreich, aber insgesamt etwas zu ausschweifend und ermüdend.
    Sehr deutlich wird aber, dass Konrad ganz gerissener Intrigant ist und ein gefährlicher Akteur in der Geschichte werden könnte.
    Die Verfolgung der Ketzer ist ihm eigentlich nur eine Herzensangelegenheit um an noch mehr Macht zu gelangen, wie beispielsweise seine Idee mit der Druckerei.
    Das Geschäft mit den Flugblättern scheint ja wirklich eine Goldgrube zu sein, wie man an der Druckerei von Heck sieht.
    Sehr gerissen wie Konrad versucht den sehr besonnenen, geradezu fortschrittlichen Bischof zu manipulieren.
    Für die Würzburger Bürger kann man nur hoffen, dass der Bischof nicht so bald stirbt.
    Ich hatte ja schon den Eindruck, dass Lorenz Konrad in vielerlei Hinsicht durchschaut hat und testen wollte. :zwinker:
    Erstaunt hat mich, dass offenbar doch schon sehr viele auch einfachere Bürger lesen konnten, diese Flugblätter mit den Illustrationen so populär waren und sogar von der Kirche toleriert wurden.

    Puh, der Kampf zwischen Lud und diesem arroganten Landsknecht ist wirklich mitreißend und sehr detailliert beschrieben. #Wir hatten es ja schon geahnt, dass unsere Hauptfigur Lud als Sieger aus diesem ungleichen Kampf hervorgehen musste … :zwinker:


    Ich konnte mir die Kampfszenen sehr gut vorstellen und war von Lud als cleverer Taktiker ganz fasziniert, sich trotz der verbalen Beleidigungen nicht aus der Ruhe hat bringen lassen, sogar Verletzungen hingenommen hat, um den Gegner unvorsichtig werden zu lassen.
    Toll ist natürlich, dass Lud seinen unterlegenen Gegner nicht tötet, sondern ihm „nur“ beide Ohren abschneidet und sich mit diesem Sieg zufrieden gibt.
    Hmm, ich kann mir allerdings vorstellen dass der derart gedemütigte Verlierer sich noch an Lud übelst rächen wird, falls er jemals Gelegenheit dazu haben wird. Vielleicht ist in dem Zusammenhang dann eher mutig ihn überleben zu lassen.


    Interessant, dass wir die Szene auch noch einmal aus Kristinas Perspektive erleben.
    Äußerst unvorsichtig fand ich allerdings Kristina, die eilig den schützenden Wagen aus übergroßer Sorge um Lud verlässt.
    Auch die anderen haben scheinbar keine große Angst verraten zu werden.
    Und schon wieder frage ich mich, wo ist Berthold um sie zurückzuhalten und zu belehren???


    Sehr interessant fand ich Rudolfs Ausruf, als Lud seinen Gegner am Ende des Kampfes nicht tötet. Da ist wohl doch seine Vergangenheit durchgeschlagen, denn mit der von ihnen gepredigten christlichen Nächstenliebe ist das wohl kaum zu vereinbaren!


    Die Trennung der Gruppe von Lud und seinen Jungs erfolgte ja dann irgendwie recht schnell.
    Eigentlich hat Kristina den schwerverletzen Lud doch gepflegt …
    Spannend war ja auch das sicher noch wichtige Abschiedsgeschenk des adligen Türken – eine lebensrettende Pockenimpfung.
    Mahmed scheint ja wirklich Angst um sein Leben als Geisel in Würzburg zu haben …
    Ich habe interessehalber mal recherchiert zur Immunisierung gegen Krankheitserreger. Die Türken waren dahingehend wirklich sehr innovativ, aber ein Anritzen der Haut zur Impfung ist da doch 200 Jahre zu früh angesiedelt!
    In dem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, dass das Lied, was Kristina da gesummt hat, erst um 1700 komponiert wurde…


    Sehr amüsant und entlarvend ist ja der heldenhafte Einzug mit auf Hochglanz polierten Soldaten in Würzburg - einer Farce um bloß nicht das Gesicht zu verlieren und den Misserfolg einzugestehen. :breitgrins:
    Sehr seltsam fand ich übrigens wieder das Verhältnis zwischen Berthold und Kristina beschrieben, als sie auf der Suche nach dem Drucker waren.
    Mal meint sie, ihren Mann zu lieben und dann kommen ihr wieder Zweifel an ihm und sie fragt sich zu Recht "Wen habe ich bloß geheiratet?"
    Wir haben es ja schon vorher gewusst, mit diesem Mann wird Kristina nie glücklich! :breitgrins:


    Berthold zeigt hier aber auch extrem negative Züge in seinem fanatischen Gehabe und mit dem dünkelhaften und herablassenden Auftreten ist er einfach unerträglich und unmöglich.
    Wie wollen diese Hinterwäldler in einer Stadt wie Mainz die Menschen von ihrer Lehre überzeugen, wenn sie sich so verbohrt verhalten. Und der Drucker hat ganz recht, ihnen sieht man ja schon an der Nasenspitze an, wer sie sind und Tarnung ist in jenen Zeiten einfach das wichtigste.
    Nur gut, dass er sie erst mal fit machen wird, um ihre Aufgaben zu erfüllen, ehe sie nach Mainz weiterziehen.
    Tja nun muss aber Kristina erst einmal gesund werden, denn sie ist wirklich an den Pocken erkrankt.


    Ehrlich gesagt finde ich es nicht so schlimm wie ihr, dass die Frauen zu kurz kamen in diesem Buch.


    Das ging mir auch so, immerhin hat Nina doch zum Ende hin deutlich Profil entwickelt und hat mit Klemet ganz toll zusammengearbeitet.
    Ich vermute auch stark, dass ihre familiären Hintergründe und auch ihre Erlebnisse in Paris im nächsten Teil mehr herausgearbeitet werden und Truc Nina hier bewusst etwas blass lässt. :zwinker:



    Wie ich bereits sehr früh spekuliert hatte, geht es nicht um Gold - es geht tatsächlich um Uran! Was ich aber überhaupt erst am Ende kapiert habe, ist, dass der "Fluch" und das radioaktive Sterben der beim Uranabbau beteiligten Samen tatsächlich zu der Zeit des Prologs stattfand und der Aslak aus dem Prolog den verschlüsselten Joik und die besagte Trommel geschaffen hat.


    Ja witzig, auch bei mir hat es echt lang gedauert bis bei mir der Groschen gefallen ist und ich den Bezug zum Prolog hergestellt habe.
    Vielleicht auch, weil ich erwartet habe, dass der Trommelexperte komplett ausrasten würde, wenn er feststellt, wie alt die Trommel ist - aber vielleicht war das für ihn an sich gar nichts besonderes, weil er schon so viele uralte Trommeln kannte. :breitgrins:

    Was für ein fesselndes und dramatisches Ende!
    Truc hat wirklich am Schluss noch die Kurve gekriegt, viele offene Handlungsfäden wieder aufgegriffen und seine Geschichte sehr stimmig zuende geführt.

    Zitat


    Die unerfreuliche Geschichte zwischen dem Franzosen und Aslaks Frau ist wirklich dramatisch.

    So etwas in der Richtung hatte ich schon befürchtet, nachdem Aila Aslak das Zeichen auf den Boden gemalt hat.
    Nun erhalten wir endlich die Erklärung für ihr Trauma, das tatsächlich mit dem widerlichen Franzosen zusammenhängt!
    Echt tragisch ihr Schicksal – vor allem, dass sie am Ende auch noch erfriert. :sauer:


    Aslak bekommt nun endlich die Gelegenheit sich an dem Mann zu rächen, der das Leben seiner Frau und auch sein Glück zerstört hat. Das war wahnsinnig spannend beschrieben wie Aslak der Wolf seine Beute belauert und genau im richtigen Moment handelt!
    Eine wahnsinnig tolle, faszinierende Figur – schade, dass er sich entschieden hat, diese Welt gemäß alter Traditionen zu verlassen, aber letztlich sehr konsequent.
    Ich hoffe nur, dass man den Geologen nicht mehr rechtzeitig in der uralten Uranerz-Mine gefunden hat … :zwinker:


    Das war also der Fluch für die Samen, der auf der alten Trommel dargestellt war und aus den Joik-Überlieferungen bekannt war.
    Und es hatte wirklich mit der Radioaktivität durch den Erzabbau zu tun – so bleibt nur zu hoffen, dass die Schürfrechte nie erteilt werden.
    Unvorstellbar, wenn diese Region durch Spekulation großer Konzerne verstrahlt werden würde! Truc greift hier ja ein sehr aktuelles Thema auf!


    Es hat bei mir eine Weile gedauert, bis ich kapiert habe, dass diese Trommel sooo alt war und sich mit ihr der Kreis zum Prolog schließt. Ich hatte sie vorher immer in Verbindung mit Mattis Großvater gesehen und auf 1939 datiert.
    Fast schon vermutet hatte ich, dass der junge Geologe auf der Expedition wahrscheinlich von Olsens Vater getötet worden ist – ob man allerdings nach so langer Zeit noch nachweisen kann?
    Auf jeden Fall muss er sich die Karte geschnappt haben, ohne aber jemals den wahren „Schatz“ gefunden zu haben.
    Ich frage mich aber, warum der gierige Olsen so lange gewartet hat, die Suche fortzusetzen?


    Eigentlich seltsam, dass Racagnal nach seinem sensationellen Fund zum Schluss geradezu ausrastet und so unüberlegt handelt.
    Hat er wirklich damit gerechnet, dass der Mord an dem eigens herbeigerufenen Experten von seiner Firma und dann der Tod seines Führers nicht bemerkt werden würde?
    Auch der Mord an Mattis konnte nun aufgeklärt werden – ich hätte mir schon gedacht, dass Olsen sich da Handlanger angeheuert hatte, die sich für ihn die Finger schmutzig gemacht haben und der ungehobelte schwedische LKW-Fahrer würde ja auch zuvor einige Male erwähnt.
    Nicht ganz klar ist mir allerdings, was Aslak mit Mattis Ohren und den doch sehr unverständlichen Kerben MOSO bezwecken wollte – den Hinweis konnte doch keiner wirklich verstehen. :rollen:

    Zitat


    Klemet und Aslak waren also als Kinder Freunde. Das erklärt nun auch Klemets Verhalten etwas, als er Nina allein zur Vernehmung geschickt hat und selbst umgekehrt ist.


    Ja selbst dies ist nun geklärt. Sie waren damals in diesem Sami-„Umerziehungsheim“ beste Freunde und wollten scheinbar gemeinsam fliehen. Nur dass Klemet dann wohl wegen des Wetters doch gekniffen hat, schämt er sich bis heute dafür oder ist da noch etwas vorgefallen?


    Insgesamt hat mir Trucs Debut doch recht gut gefallen – der außergewöhnliche Fall war sehr komplex und spannend angelegt, vor allem die Atmosphäre toll und die Hintergründe zu den Sami äußerst faszinierend. Schade, dass die Geschichte so schleppend in Gang gekommen ist und die Figuren erst so spät Profil gewonnen haben. Gerne würde ich in einem zweiten Teil so einige Figuren noch besser kennenlernen und die Rentierstreife bei einem weiteren Fall begleiten.


    Der Roman ist bisher nicht schlecht, aber so wirklich überzeugt mich der Inhalt noch nicht. Ich könnte das Buch jederzeit weglegen und habe gar nicht den Drang dazu, direkt weiterlesen zu müssen.


    So geht es mir leider auch - es ist zieht sich alles etwas und ist noch nicht so richtig packend, so dass man unbedingt wissen will wie es weitergeht! :zwinker:

    Zitat


    Was sie jedoch zu Berthold hinzieht, ist mir doch sehr schleierhaft. ...
    Und während er zuvor als gütiger Lehrer beschrieben wird, wird aus ihm plötzlich ein Trotzkopf, der seine Fehler selbst dann nicht zugeben mag, als diese zu einer Gefahr für seine Gruppe werden.
    Den gütigen Lehrer kann ich mir kaum vorstellen, weil ich ihn so nicht kennen gelernt habe, er wurde nur als solcher beschrieben.


    Sein Charakter ist mir auch viel zu vage angelegt - als Lehrmeister und Anführer hätte ich doch eher eine offene, charismatische und sehr großherzig Persönlichkeit erwartet. Leider kann ich in seinem Verhalten bisher fast nur Negatives entdecken ...
    Irgendwie hätte ich ihn mir schon etwas vielschichtiger ausgearbeitet gewünscht - allein um Kristinas Gefühle für ihn nachvollziehen zu können.


    Aber nun treffen ja beide Handlungsstränge aufeinander und Kristina und Lud lernen sich kennen - vielleicht tut sich ja nun etwas "mehr".


    Das wäre fast schon zu offensichtlich und vorhersehbar, aber ich glaube auch, dass es darauf hinauslaufen könnte.


    Ich glaube ja nicht, dass die beiden noch glücklich miteinander werden können. Irgendwie scheinen sie Welten zu trennen.


    Das habe ich mir auch gleich gedacht und vermute daher, dass er wahrscheinlich nicht mehr lange lebt, so dass der Autor sich den Aufwand sparen wollte, Berthold und ihre Beziehung zueinander noch großartig auszuarbeiten.
    So würde sein Tod für Kristina ja auch recht leicht zu verschmerzen sein. :zwinker:


    Zitat

    Die Szene in der Moschee fand ich auch sehr merkwürdig. Ich gehe auch davon aus, dass der Profos Lud einfach eins auswischen wollte, denn nötig wäre die Arbeit kaum gewesen.


    Ja im Nachhinein denke ich auch, dass er Lud und seine Jungs einfach nur schikanieren wollte.


    Zitat

    Und die Kirchenmänner werden weiterhin als Menschen dargestellt, die ihre Arbeit nur des Geldes wegen machen, nicht aber aus Gründen der Menschlichkeit, was man an der Szene vor der Schlacht erkennt. Ob wir wohl noch auf einen gütigen, selbstlosen Kirchenangehörigen treffen werden, der weder abtrünnig ist (wie Berthold und die Nonne Hanna) noch seine Barmherzigkeit verleugnet (wie die Mönche, von denen Berthold berichtet)? Irgendwie bezweifle ich das doch ein wenig...


    Stimmt schon, das ist für meinen Geschmack auch ein bisschen zu sehr überzogen und Schwarz-Weiß gemalt. :zwinker:

    In diesem Abschnitt ereignet sich nicht allzu viel Spektakuläres.
    Es wird ja nun noch einmal aus Kristinas Sicht erzählt, wie sie auf einmal auf das Schlachtfeld geraten ist – irgendwie kann ich mich nur wundern über ihren Mut, Opferbereitschaft oder ihre grenzenlose Naivität.
    Fest steht jedenfalls, dass diese Brüderschaft ganz außergewöhnliche, unerschrockene Menschen in ihrer Nächstenliebe waren. :breitgrins:
    Durch ihre mutige, selbstlose Tat hat Kristina das Kampfgeschehen aber maßgeblich beeinflusst – der verletzte Türke war offenbar Anführer der Osmanischen Streitkraft und ist jetzt natürlich eine äußerst wertvolle Geisel.
    Dieser Adlige Osmane entpuppt sich im Gespräch mit Kristina ja als sehr gebildeter Mann, ich bin gespannt wie es mit ihm noch weitergehen wird.
    Letztlich hat sie aber auch Lud und seine Jungs vor dem sicheren Tod bewahrt, auch wenn er leider 3 Jungs verloren hat. Hach ja und der gute Lud hat sich scheinbar trotz anfänglicher Verachtung in die gebildete Kristina verguckt.
    Das wird ja sicher noch spannend werden! :zwinker:


    Heftig, dass auch unsere Glaubensgemeinschaft ihren ersten Toten zu beklagen hat, wobei ich mich schon in bisschen darüber gewundert habe, wie gleichmütig dieser Verlust und ihre "Quasigefangennahme" von allen hingenommen wurde.
    Seltsam fand ich, dass die ganze Zeit über von Berthold nichts zu lesen war – hatte er sich etwa versteckt dieser Feigling?
    Als Anführer habe ich ihn mir schon etwas aktiver und charismatischer vorgestellt!
    Auch die Beziehung zwischen Berthold und Kristina wird hier merkwürdigerweise fast völlig ausgeblendet.


    Als Ketzer sind sie nach dem Fund der im Karren versteckten Bücher nun auch enttarnt, so dass ihnen eigentlich gar nichts anderes übrig bleibt als im Wagen verborgen mit dem Tross zu reisen.
    Und dabei haben sie echt noch Glück, dass ihre heilerischen Kenntnisse gebraucht werden.
    Zu unserer Gutmenschen-Truppe habe ich leider immer noch nicht so recht Zugang gefunden, außer Grit bleiben sie alle ziemlich blass.
    Ich hoffe ja nur, dass sich das noch ändern wird.


    Wer den Wagen mit den Ketzern bzw mitreisenden Frauen wohl verraten hat? Einer von Luds Jungs?
    Irgendwie war es jedenfalls klar, dass sich das im Lager rumspricht und von Blauer mit seinen Gesellen dies zu einer erneuten Provokation nutzt.
    Die Herausforderung zum Duell ist aber schon heftig, denn schließlich befolgt Lud ja nur die Order seines Herrn!
    Hoffentlich kann er die anderen damit vor einer Auslieferung bewahren …


    Nun lernen wir auch eine neue interessante Figur kennen, die sicher noch eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen wird - Konrad Prinz von Thüngen, Cousin von Dietrich von Geyer.
    Ich muss allerdings gestehen, dass er mir mit seiner intriganten Art sehr suspekt ist.
    Da ich Dietrich Geyer, der damals mit seinen ungewöhnlichen Ansichten sicher eine Ausnahme darstellte, und seinen umsichtigen, aufrichtigen Charakter sehr schätze, hoffe ich doch sehr, dass er Konrads Spielchen bald durchschauen wird und ihm nicht vertraut.
    Konrad scheint ein typischer, selbstgefälliger und verzogener Adliger jener Zeit zu sein, der auf seinen Vorteil bedacht ist und abfällig auf die nicht standesgemäßen Menschen herabsieht. Nicht auszudenken, dass so einer dann bald Fürstbischof von Würzburg wird und verschärft gegen die Ketzer vorgeht.
    Wie er da die Wette über Luds Tod einfädelt – einfach widerwärtig. :sauer:
    Nicht auszudenken, wenn Lud bei dem von vornherein unfairen Kampf getötet würde.
    Ich hatte ja gehofft, dass Dietrich das Duell irgendwie noch abbiegen kann, aber scheinbar geht es da auch um die Ehre…


    Bei der Erwähnung von Florian Geyer als Dietrichs Sohn hat es übrigens bei mir geklingelt – hatte der nicht was mit den späteren Bauernkriegen zu tun?
    Ich bin gespannt, wie der Kampf auf Leben und Tod ablaufen wird – eigentlich darf ja Lud als absoluter Sympathieträger nicht sterben. :zwinker:


    Ja, es gibt ein zweites Buch in welchem Klemet und Nina vorkommen. In der Originalsprache lagen zwei Jahre! zwischen den beiden Büchern. Ist ein bisschen viel verlangt vom Leser, so lange zu warten, um vielleicht etwas mehr über die Charaktere zu erfahren.
    Edit: Ich habe mir gerade mal auf Amazon ein paar Rezensionen durchgelesen: wer hofft, mehr über Nina zu erfahren, wird demnach wohl enttäuscht werden. Insgesamt soll der Roman schwächer sein als der erste Band, mit Längen, etc.


    Ich war nun auch neugierig und habe mir die Rezensionen zum 2. Teil durchgelesen ...
    Hmm - sehr überzeugend liest sich das leider wirklich nicht, scheinbar kommt ein bisschen was zu Ninas Vater, aber insgesamt ist die Fortsetzung sogar noch langatmiger als der 1. Band.
    Eigentlich schade, weil ich einige Figuren schon in mein Herz geschlossen habe, die Sami-Problematik sehr interessant dargestellt ist und ich es zum Ende hin auch richtig spannend finde.

    Ein sehr fesselnder Leseabschnitt – die vielen Infos überschlagen sich ja nun geradezu.
    Schade eigentlich, dass die Ermittlungen zum Fall anfangs so schleppend verliefen.


    Toll fand ich ja, dass Nina Klemet mal zur Brust nimmt und ihm die Meinung sagt.
    Wahrscheinlich ist es wirklich das Beste diesen arroganten Brattsen mit Chefallüren nach seiner blöden Ansage einfach zu umgehen und auf eigene Faust zu ermitteln.
    Endlich haben sie doch mehrere konkrete Spuren … die Einsatzzentrale in Klemets Zelt fand ich ja klasse!
    Der rassistische Brattsen will ja ohnehin nur die Sami inhaftieren und den Fall nicht wirklich aufklären, den er hängt in der Sache ja viel zu tief mit drin. Hoffentlich geht diese üble Mauschelei mit Olsen noch richtig nach hinten los und ich bin mir sicher, dass Racagnal sie sicher auch noch linken wird.
    Gefreut habe ich mich darüber, dass der Sheriff schon wieder auftaucht - so leicht hat er sich scheinbar doch nicht absägen lassen! :zwinker:


    Berit hätten sie schon längst mal eingehender vernehmen sollen, ich hatte es ja schon geahnt, dass sie zu Mattis ein besonderes Verhältnis hatte.
    Dass sie allerdings die ganze Zeit die von ihm geklaute Trommel zu Hause aufbewahrt hat, hätte ich nun doch nicht gedacht.
    Dieses Geheimnis muss sie wirklich sehr belastet haben.
    Warum nur schweigt sie sich über Aslak aus – hat er etwa doch etwas mit dem Diebstahl oder Mattis Tod zu tun?


    Interessant ist, dass der bisher unbekannte Exkursionsteilnehmer Olsens Vater zu sein scheint – der hätte ja dann wirklich die alte Karte die ganze Zeit gehabt - ohne aber ihre wahre Bedeutung zu erfassen, weil die Kladde und der Hinweis auf der Ortshinweis Trommel fehlte?


    Nun können sie endlich die darauf abgebildeten Symbole enträtseln und der geheimen Botschaft auf den Grund gehen.
    Klar, dass sie dafür einen echten Experten brauchen, der die Echtheit der Trommel erst einmal bestätigen muss.
    Das Enträtseln der Symbolik fand ich ja echt witzig – so eindeutig ist das mit den Motiven scheinbar gar nicht, aber ihre Vermutung, dass es mit einer Erzmine zusammenhängt, die über die Sami Unheil gebracht hat verdichtet sich immer mehr.
    Zwischendrin habe ich mich schon gefragt, ob nicht nachträglich noch einige Zeichen als versteckte Hinweise von Flüger auf die Trommel aufgebracht wurden und deshalb die Botschaft so verwirrend ist?


    Ob Mattis wusste, wer die Trommel hergestellt hat und sie deshalb unbedingt besitzen wollte?
    Wenn die Machart so individuell ist, hat er sie sicher zuordnen können.


    Eigentlich steht ja nun Olsen im Verdacht, Mattis ermordet zu haben bzw. haben zu lassen, um an die legendäre Trommel zu kommen.
    War Olsen auch derjenige anonyme Interessent, der dem Franzosen die Trommel über den Vermittler abkaufen wollte?
    Wie es aussieht, braucht ja der französische Geologe die Hinweise von der Trommel gar nicht, um den großen verhängnisvollen Schatz zu finden ...


    Auf die Auflösung bin ich nun echt gespannt! :zwinker:

    Rissa
    Lieben Dank für deine Infos! :smile:


    Zitat

    Kunwald habe ich immerhin entdecken können leider aber nicht Giebelstadt.


    Gestern Abend habe ich dann doch noch das kleine Giebelstadt auf der Karte entdeckt - es liegt unterhalb von Würzburg!
    Ich hatte es ganz woanders an der Donau gesucht ...

    So langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf und auch Kristina bekommt etwas mehr Profil.


    Ich hätte gar nicht gedacht, dass sich die 2 Handlungsstränge so rasch treffen würden…und wir so schnell schon mitten im brutalen Kriegsgemetzel stecken werden.
    Kristina kann einem ja schon leid tun nach dieser katastrophalen Hochzeitsnacht – warum musste sie ihren Lehrmeister Berthold denn auch so rasch heiraten? :sauer:
    Seine Bedenken in Bezug auf eine Schwangerschaft hätte er Kristina ja auch vor der Heirat mitteilen können.
    Mir ist eigentlich auch gar nicht so recht klar, wieso er Kristina überhaupt heiraten wollte, wenn er sie nun so herablassend behandelt. Sehr sympathisch ist er mir jedenfalls nicht und ein guter Anführer der Reisegruppe ist er auch nicht, denn dann hätte er wenigstens seinen Irrtum eingestanden und nicht alle mit seiner Verbohrtheit und Arroganz in Gefahr gebracht.


    Gewundert habe ich mich ein wenig über die spontane Entscheidung nun Mainz aufzubrechen um dort zu missionieren, denn irgendwie erscheint mir das unter den gegebenen Umständen eher wie ein Selbstmordkommando.
    Vor allem, wenn sie sich mit ihren Denkweise und Einstellung in allem als Ketzer zu erkennen geben, ist ihr Schicksal doch schnell besiegelt. Nicht gerade einfach zu missionieren, wen man beständig mit Folter und dem Tode rechnen muss.
    Ehrlich gesagt kommt mir die Gemeinschaft etwas sehr weltfremd und naiv vor, wie sie nun ihre Insel der Glückseligkeit verlassen.
    Hihi und wie sollte es anders sein – sie stolpern dank Berthold geradewegs in eine Schlacht!


    Die Lebensbeichten am Lagerfeuer waren übrigens auch etwas seltsam … :zwinker:


    Lud ist ein wirklich toller Charakter, wie viel Verantwortung er für seine Jungs übernimmt sie vor den Kriegstraumata zu schützen versucht und sie wieder alle heil nach Hause bringen möchte.
    Hmm, diese ständig gleichen Gedanken erschienen mir dann beim Lesen aber fast schon wie in einer Endlosspirale.


    Vergeblich wird sein Hoffen allerdings dennoch sein, denn spätestens nach der Schlacht gegen die Osmanen werden die Überlebenden kapiert haben, wie grausam das Soldatenleben ist.


    Die Foltermethoden sind ja auch vom feinsten – interessant fand ich dazu die sehr realistische Einstellung Geyers!
    Darf er das überhaupt so unverblümt aussprechen?
    Wenn es doch ohnehin bekannt ist, dass einfach alles gestanden wird, was gehört werden will, was sollen dann noch die extrem grausamen Taten der Magistraten im Namen der Kirche?
    Irgendwie war es ja schon klar, dass der Blaue als Unsympath Nummer 1 Lud mit seinen Jungs auf dem Kieker hat und ihn ständig schikanieren muss.
    Die verstümmelten Leichen der Gefolterten zu entsorgen war da sicher erst ein Vorgeschmack auf das kommende Gemetzel bei den Kämpfen.
    Allerdings habe ich nicht kapiert, warum die Toten überhaupt noch in den Brunnen geworfen werden sollten, wenn man doch ohnehin die Moschee angezündet hat?
    Sehr amüsiert habe ich mich noch über die Szene mit dem Ablassverkauf kurz vor der Schlacht – mit diesem perversen System hat es die katholische Kirche wirklich auf die Spitze getrieben. :breitgrins:

    Ich habe etwas Probleme damit, meine vielen Kommentare, die ich während des Lesens aufgeschrieben habe, thematisch unter einen Hut zu bekommen und zusammenzufassen, damit nicht alles so unsortiert ist. Gar nicht so einfach - ich mache mal den Anfang mit dem
    Erzählstil:
    Sehr gelungen finde ich es, dass die die Einzelschicksale der beiden jungen Protagonisten wechselweise erzählt werden und schon zu Anfang angedeutet wird, dass sich die beiden Handlungsstränge zumindest kurzzeitig überschneiden werden.
    So hat man auch bei den vielen Zeitsprüngen stets im Hinterkopf, dass sich die beiden Geschichten fast schon auf unheilvolle Weise aufeinander zu bewegen, auch wenn man die Hintergründe noch nicht ganz erfassen kann.
    Das Ganze bringt eine unglaubliche Spannung in die Geschichte, die einen fast atemlos immer weiter lesen lässt und einen unheimlichen Sog auf mich ausgeübt hat.
    Die vielen Perspektiv-Wechsel haben mich zum Glück nicht irritiert, wobei ich schon bewusst darauf achten musste, zu welcher Zeit das Gelesene gerade angesiedelt ist.


    Etwas gestört haben mich anfangs die extrem kurzen Kapitel – aber Doerr gelingt es unglaublich gut auch in diesen kurzen Episoden so viel Emotionen und Atmosphäre zu vermitteln, dass auch noch Raum für die besonderen magischen Momente und vielen poetischen Bilder bleibt.
    So hält man trotzdem oft nach den Abschnitten inne und denkt über das aufrüttelnde Gelesene und tolle eindringliche Formulierungen nach.
    Sehr gut passt auch die gewählte Erzählzeit im Präsens die mich sehr gut in die Ereignisse jener Zeit eintauchen und mich vieles irgendwie hautnah miterleben ließen. Gerade den Empfindungen der blinden Marie-Laure fühlte ich mich oft sehr nahe und konnte ihre „sinnlichen“ Wahrnehmungen hervorragend nachvollziehen.


    Sehr erstaunt, war ich, dass die Geschichte dann noch nach Kriegsende zwei weitere Zeitepochen streift und damit die Schicksale einiger Figuren noch zusätzlich abrundet. Für mich hat es gepasst und den Figuren (v. a. Volkheimer und Jutta) noch mehr Tiefe gegeben.


    Der dritte Handlungsstrang rund um den geheimnisvollen Diamanten dem „Meer der Flammen“ und seinem legendären Fluch und der Jagd des fanatischen Stabsfeldwebels Reinhold von Rumpel nach dem Original bringt zusätzlich Spannung in die Geschichte, die ich für meinen Geschmack gar nicht noch zusätzlich gebraucht hätte.


    Die Schicksale von Werner und Marie-Laure sind zudem durch die Rundfunkübertragungen der Wissenssendungen von Etienne sehr mystisch miteinander verknüpft, was ja erst zum Ende hin durch das Stück Claire de Lune aufgelöst wird.
    Ich fand es so wahnsinnig berührend, dass diese Hör-Erlebnisse des kleinen Werner und seiner Schwester im Waisenhaus im Ruhrpott erst richtig den Funken haben überspringen lassen, ihm eine ganz neue Welt eröffnet haben und sein Interesse an den Naturwissenschaften geweckt haben.
    Im Nachhinein habe ich mich allerdings schon gefragt, wie sie als Kinder solch komplizierte Dinge auf Französisch verstehen konnten. :zwinker: