Beiträge von Rhea

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    Elvancor 1 - warten auf das Wunderland


    Dieser erste Band stellt uns die Protagonisten vor und macht durch mehr oder weniger geheimnisvolle Szenen neugierig auf Elvancor. Das Erbe einer besonderen Frau führt zur Schatzsuche, deren Ziel die Möglichkeit sein wird nach Elvancor zu kommen.Die Autorin führt uns zunächst in ein Dorf in der Fränkischen Schweitz und damit in den totalen Kontrast zu dem erwarteten Wunderland.
    Die weibliche Hauptperson - Lena - ist mir von Anfang an sympathisch gewesen.
    Sie ist emotional, konsequent und warmherzig, auch wenn ihr das zu Beginn des Buches noch nicht bewußt ist. selbstbewußt erträgt sie die Strafe für die Schuld ihres Freundes, den sie aus Liebe gedeckt hat, obwohl sie nun weiß, dass er es nicht wert ist. Bei den Sozialstunden, die sie deshalb im Seniorenheim ableistet rifft sie Frau Winter, eine nette alte Dame, die Geschichten aus ihrer Vergangenheit erzählt. Geschichten, die unglaubwürdig klingen, wie aus der Verwirrtheit des Alters. Während Lena zu Beginn nur zuhört, um der alten Frau eine Freude zu machen, werden die Geschichten immer interessanter für sie. Im Seniorenheim trifft Lena auch auf Ragnar, den Enkelsohn der Frau Winter. Dieser ist in Island aufgewachsen und so ganz anders als die Menschen in Lenas Umfeld. Durch ihn vermittelt bekommt Lena eine neue Sicht auf die Natur ihrer Gegend und beginnt sich mit dem Sagen und Mythenschatz der Fränkischen Schweiz zu beschäftigen.


    Auf mich machte das Buch von Beginn an den Eindruck eines Jugendbuches. Lena wirkt auf mich wie ein Teenager und die handelnden Personen des Buches sind ziemlich eindimensional dargestellt. Dies mag es in der Realität duchaus geben, führt aber dazu, dass die Handlungen sehr vorhersehbar sind. Wer eine klare Trennung von Gut und Böse mag und möchte, dass die Geschichte den erwarteten Verlauf nimmt, also keine Überraschungen mag, für den ist dieses Buch genau richtig. Es liest sich flüsig und enthält trotz der genannten Klarheit, wenig Klischees. Es ist lebendig und die in die Handlung integrierte Beschreibung der Fränkischen Schweiz weckt duraus Lust, sich die Schauplätze der Handlung selbst anzusehen und sich mit den dazugehörigen Legenden zu beschäftigen.Die Vielfalt der Personen und Schauplätze malt auf angenehme Weise Bilder der verschiedenen Lebensbereiche in denen Lena agiert. Es gibt spießige Eltern und eine jung gebliebene Hippie-Oma, böse und gute Jungs, eine anstrengende Chefin und nette Kolleginnen, liebenswürdige Senioren und lustige Eisoden. Die Autoin verteilt durchaus auch Seitenhiebe an den Personalmangel und den teilweise daraus resultierenden lieblosen Umgang mit den Senioren, sowie an die Techinkabhängigkeit unserer Gesellschaft, die uns an Stellen hilflos macht,die eigentlich kein Problem sind (So ist man nicht wirklich ans Haus gekettet,wenn man kein Auto hat. (Man kann wirklich laufen, auch durch den Wald!)
    Ohne Zeigefinger und überkonstruierte Situationen läßt die Autorin den Leser miterleben, wie sich Lena durch die Übernahme von Verantwotung und das Einlassen auf die Natur von ihrer eigenen Oberflächlichkeit und der ihrer Altersgenossen zu sich selbst entwickelt. Ganz einfühlsam und unaufdringlich wächst eine Liebesbeziehung, die auch wieder mit ganz wenig Klischee auskommt und für mich fast wie ein Symbol für die Liebe zur Natur selbst wirkt. Genutzt werden dazu Reitszenen, die mich echt neidisch gemacht haben, weil ich leider nicht reiten kann.
    In diesem ersten Band scheint es genau darum zu gehen, Lena von der Existenz Elvancors zu überzeugen und aus der naturfernen, technischen Gesellschaft abzuholen, sie vorzubereiten auf das, was sie und den Leser dort erwartet.
    Am Ende des Buches erhascht der Leser einen kurzen Blick auf Elvancor. Ein Land, das paradiesisch anmutet mit einer sonderbaren Form von Naturwesen und real agierenden Naturgewalten.
    Ich freue mich genauso wie Lena auf die Erkundung dieses Landes und seiner Geheimnisse, auch wenn das Mädchen (oder die junge Frau) noch einen anderen Grund dafür hat.

    Wer hat Angst vorm zweiten Mann



    eigentlich bin ich Büchern dieser Art gegenüber sehr skeptisch, da viele wenig Tiefgang haben, aber der Klappentext lockte mich dann doch.
    Die Protagonistin Phyllis war mir sofort sympathisch. Ihre Situation konnte ich gut nachzuvollziehen.Besonders hat mir gefallen, wie die Reaktionen der verschiedensten Typen von Menschen aus teilweise gegensätzlichen Lebensbereichen auf die Scheidung und Phyllis' neuen Lebensalltag aufgezeigt werden. Sehr lebendig wird gezeigt, wie sich verschieden Schichten von einander abgrenzen und wie schwer es ist, wenn man keine entsprechendes Verhalten zeigt. Ein nettes Bonbon war die fiktive Internet-Partnerbörse. So lustig diese dort gestellten Fragen auch rüber kommen, sie beinhalten eine sehr an der Realität orientierte Komik. Zur Auflockerung fand ich das schön. Für mich erfreulicher Weise, war dies aber nicht der Ton des gesamten Buches. Die Suche nach einem neuen Patner, der sowohl Vertrauter und Liebhaber als auch ein Vater für die Kinder sein kann, ist für Betroffene nicht lustig. Auf dem Weg gibt es immer Enttäuschungen und der Alltag ist stressig. Das zeigt die Autorin deutlich. Sicher könnte man aus den Situationen mit den Kindern ein sehr humorvolles Buch schreiben, denn von außen gesehen und rückblickend kann man lachen. Die Autorin stellt hier aber bewußt die Situation der betroffnen Frau und Mutter in den Mittelpunkt. Deren verschiedene Freundinnen charakterisieren jeweils die verschiedenen Frauenypen und die Ratschläge sind dann entsprechend widersprüchlich. Dabei ist für mich sehr angenehm, dass die Hauptperson dieses Buches in keiner Hinsicht extrem ist und in der Lage mit diesen Verschiedenen Typen gut auszukommen und deren Lebenssituation Verständnis entgegen zu bringen. Was natürlich leichter fällt, wenn man deren Probleme auch kennt. Am allerbesten aber gefällt mir, dass es in diesem Buch ein Pläd...auch für die Väter gibt, die auch wieder mit unterschiedlichen Verhältnissen und Vorstellungen von Familie gezeigt werden. Scheidungskinder können auch Vorteile haben, im besten Fall zwei Elternpaare. Voraussetzung dafür ist, dass Frauen sich nicht über die Kinder an ihren Expartnern rächen oder in ständigem Streit mit ihnen bleiben. eine Trennung sollte dazu führen, wieder normal miteinander umgehen zu können und den Streit auch aus dem Leben der Kinder zu tilgen. Bei diesem, doch ein sehr bunes Bild des Lebens vor dem zweiten Mann malenden Buches ist für mich nur am Schluss leider der Stil verlassen worden. Ich fand es unpassend die Protagonistin, die Notwendigkeit dieses Buches wörtlich darzulegen. Das hat das Buch nicht nötig, obwohl es sehr wohl sein kann, dass gerade diese Denkweise wirklich der Anlass war dieses Buch zu schreiben. Leider bekommt die Geschichte dann auch noch einen rosa Zuckerguss, der mener Meinung nach nicht zu dem Buch passt. Aber das snd nur ein paar Zeilen. Insgesamt fand ich das Buch gut und es bringt vielleicht ein wenig mehr Verstehen zu den Lesern.

    Treffen sich zwei Neurosen


    Männer und Frauen kommen nicht von verschiedenen Planeten, sie werden dorthin geschickt.


    Und zwar nicht in einem Sience- Fiction-Setting, sondern das ist für mich die Aussage eines Sachbuches über die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Noch ein Buch zu diesem Thema? Ist das nicht langsam mal abgegessen? Ich mag das Klischeedenken nicht, welches davon ausgeht, dass Männer und Frauen grundsätzlich in ihren Rollen als Jäger und Sammler behaftet sind. Was bei Caveman noch ganz lustig ist, nervt irgendwann. Also warum habe ich dieses Buch gelesen?


    Weil es hier eben nicht darum geht, dass wir uns damit abfinden müssen in diesen Rollen zu existieren. Die Autorin hat sich mit den Ursachen der Rollenverteilung in der modernen, aufgeklärten Gesellschaft beschäftigt und ihr Gesichtspunkt macht das Buch absolut lesenswert. Eigentlich hatte ich nun lediglich erwartet, meine eigenen Gedanken dazu bestätigt zu finden. Ich denke schon immer, dass die Machos schließlich von ihren Müttern dazu erzogen werden. Aber das ist nur ein Teil gewesen, sozusagen der Einstieg.
    Wer ist nun verantwortlich für die Entsendung der Frauen auf die Venus und der Männer auf den Mars? Zunächst und vor allem die Eltern, ob vorhanden oder nicht, liebevoll oder streng, vor allem aber selbst unbewusst dem Denken verfallen, man müsse die Raumschiffe unbedingt streng getrennt bemannen (oder befrauen ;) ) Natürlich denkt die aufgeklärte Frau: na, ich mache doch keine Unterschiede, und dann ertappe ich mich dabei, wie ich die gekauften Osterkörbchen einem Tagesvater gebe, weil sie so zierlich aussehen und er Mädchen hat, ich aber Jungs. Ha, da sind sie schon die Auswahlkriterien. Aber, vielleicht ein hoffentlich länger anhaltender Effekt des Buches, es wurde mir bewusst.
    Auch die Eltern leben in einer Umwelt, die fleißig an der Festigung der Rollenteilung arbeitet. Sie sind aufihren Planeten geschult worden und der Stellenwert des Geschlechtes ist tief in ihnen verwurzelt, damit ja auch sie ihre Kinder dorthin schicken wo sie seit Jahrhunderten hingehören. Sehr interessant und bezeichnend fand ich, dass bei der Geburt eines Kindes noch vor der Frage nach der Gesundheit die Frage nach dem Geschlecht, gestellt wird.
    Wie sehr sind wir in diesen Denkfallen gefangen!
    Dankbar war ich für die vielen Anmerkungen zu abwesenden Vätern. Ja, wir wissen inzwischen, dass die Väter in der Erziehung gebraucht werden und es ist gut, dass mehr und mehr Männer das einsehen und sogar Freude daran entwickeln ihren Part bei der Entwicklung der Kinder zu übernehmen. In diesem Buch erfahren wir mehr über die Frage der Indentifikation der Jungs mit Vätern die nicht da sind. (Ich hoffe, das Buch muss in dieser Beziehung bald überarbeitet werden, denn mittlerweile gibt es ja auch Väter, die ihre Kinder erziehen, während die Frau ihren Job macht)
    Die Werbung ist natürlich auch ein Wesentlicher Treibstoff für die Raketen zu den Planeten Mars und Venus. Ja, zu beiden, denn die Männer werden genauso verheizt wie die Frauen, ob als Sexobjekt oder als Haushaltsdummy, als Arbeitstier oder Alkoholkonsument. Interessant ist dabei aber, wenn die Werbung sich selbst ein Bein stellt und die Cola plötzlich ein Frauengetränk wird.
    Für mich am spannendsten wurde es dann, als es um das Aufeinandertreffen der Geschlechter ging. In diesen Kapiteln habe ich einiges erfahren, was mir völlig neu war und was ich gleichzeitig als sehr wichtig ansah. Das geht über das reine Betrachten von Rollenverhalten hinaus. Hier werden einige Mißverständnisse und falsche Klischees hinterfragt. Interessante Fragen aufgeworfen, wie zum Beispiel, warum es eigentlich den Begriff der Hausfrau gibt, wo wir doch alle unseren Haushalt machen müssen, ob nun nach der Arbeit oder anstatt einer bezahlten Arbeit oder auch: Sind wir wirklich so aufgeklärt, wie immer behauptet wird?
    Ich gehöre zu denen, die nach der Lektüre dieses Buches wissen, dass sie nicht Teil einer Minderheit sind und vieles völlig normal ist. Auch streiten in Beziehungen.
    Wer erwartet irgendwelche Geschichtchen erzählt zu bekommen, wird enttäuscht sein. Die Beispiele aus der Praxis der Autorin sind auf die wichtigsten Fakten reduziert und nur an wenigen Stellen zu Veranschaulichung herbeigezogen.
    Der Stil des Buches ist locker und humorvoll und es liest sich daher sehr gut .


    Fazit
    Während des Lesens gab es einige „Aha-Effekte, manches berührte, weil es doch um ein Thema geht, das sehr persönlich werden kann. Auf alle Fälle ist es, meiner Meinung, nach ein Buch für Männer und Frauen (auch wenn es Männer vielleicht nur heimlich lesen, allerdings könnte lautes Lachen sie verraten)



    5ratten

    Feuerprobe
    Das Cover des Buches hat mir sehr gut gefallen. Es ist schlicht und ansprechend und die Farbgestaltung lässt das Feuer spüren so wie die aufblühende Tulpe ein neues Erwachen symbolisiert. Wenn, wie der Klappentext besagt, nichts bleibt wie es war, dann ist Vergehen und Werden in der Gestaltung sehr schön nachempfunden.
    Ich habe den Roman als Spannungsroman gelesen und vermutete von Anfang an einen Aspekt einer Krimihandlung. Die Protagonistin war mir sofort sympathisch. Eine Frau , die mit beiden Beinen fest im Leben steht, gern mit den Händen arbeitet, ihr kleines Häuschen liebt und einen Beruf ausübt, der noch immer eine Männerdomäne darstellt. Im Buch weiß die Protagonistin das auch, aber ihre Arbeit und ihr Verhalten Autos gegenüber wird mit großer Selbstverständlichkeit geschildert. Das hat mir gefallen. Deshalb konnte ich auch nachvollziehen, dass sie gern ihr Leben allein bestimmen möchte. Ganz besonders diesen Part kann ich nachvollziehen. Wenn man alleinerziehende Mutter ist, hat man eine Verantwortung gegenüber den Kindern und sobald man sich abhängig macht ist die Gefahr groß, dass man plötzlich auf der Straße steht und nichts mehr hat.
    Dann trifft sie auf einen Mann, der sich nicht so leicht abschrecken lässt. Sicher hätte sie einige Zeit gebraucht, bis die Beziehung eventuell zu einer festen geworden wäre, denn er ist reicht und würde sicher nicht in ihren 70m² wohnen wollen.
    Dann brennt ihr Haus völlig ab. Dieser Schock muss sehr groß sein und all die Dinge, die man nicht kaufen kann. Das wird im Roman sehr gut herausgearbeitet. Ein fast körperlicher Schmerz, der weit über den Verlust der materiellen Werte hinaus geht.
    Sie ist Technikerin, hat sie wirklich schuldhaft den Brand verursacht? Will sie ihr Boss loswerden? Gibt es vielleicht noch jemanden, der ein Interesse hätte, sie über die Vernichtung ihrer Vergangenheit und die Entziehung der Grundlage ihrer Selbständigkeit zu treffen? Oder ist es einfach Pech?
    Die Spannung ist also eigentlich da. Für mich war es ein wenig zu viel Liebesgeschiche zwischen arm und reich und es war alles etwas zu einfach, obwohl auch zu diesem Thema einige interessante Gedankengänge im Buch zu lesen sind. Normalerweise wäre so ein Brand eine Katastrophe. Die bürokratischen Hürden, die zu überwinden sind, um eine neue Existenz aufzubauen sind ziemlich groß. Das alles wirkt im Buch relativ einfach, weil sie ja sofort eine Lösung hat. Vielleicht ist es auch einfach nur ein Milieu, in dem ich mich nicht auskenne.
    Schön fand ich alte Bekannte im Buch wieder zu treffen.


    Fazit:
    Für mich war dieses Buch doch eher ein Liebesroman mit netten Protagonisten und auch nett zu lesen.

    Wind vom Westen – Familiengeschichte spannend erzählt


    Die Autorin hat in diesem Buch den Ursprüngen ihrer Familie nachgespürt und anhand einer relativ kleinen, aber sehr ereignisreichen Zeitspanne aus deren Leben erzählt. Balthasar Broicher ist der Sohn eines Halfen, aber nicht der Erbe des Hofes. Er hat eine Ausbildung als Pfarrer abgeschlossen, möchte aber lieber als Halfe arbeiten. Außerdem hat er schon lange ein Auge auf Agnes geworfen, die junge Witwe, Besitzerin eines kleinen hoch verschuldeten Hofes. Da zu dieser Zeit eine Liebesheirat nicht das Normale ist, fühlt sich Agnes wie eine Ware, die an den Meistbietenden verkauft wird. Ihr Mann wird nicht viel zu sagen haben, denn auf dem Hof herrscht der Vater mit harter Hand. Von der Hochzeit ab begleiten wir die kleine Familie ein paar Jahre, Jahre, die für die Familie, für das Dorf und für die gesamte Gegend schwierig sind, denn die Franzosen kommen.
    Dieses Buch zu lesen ist eine Freude. Als Leser taucht man ein in einen Alltag des Lebens auf dem Dorf während des Deutsch-Französischen Krieges. Der Halfe ist nicht arm, gehört aber auch nicht zu den reichsten Bauern. Es ist also eine ganz einfache Geschichte und gerade das fasziniert. Die sich entwickelnden Gefühle zwischen den Eheleuten, die mit wenigen Worten eine ruhige sanfte Beziehung nacherleben lässt, hat mir sehr gut gefallen. Die Normalität des Lebens und gleichzeitig für den heutigen Leser so weit entfernte Probleme ergeben eine tolle Mischung. Wie muss das sein, wenn man bei jeder Geburt Angst haben muss, ob ein gesundes Kind geboren wird, ob es die ersten Wochen überlebt? Wie hart der Arbeitsalltag ist, der nur kurze Pausen gönnt, wie schwierig es ist, mit anderen zu teilen, wenn es bis auf die eigenen Lebensgrundlagen geht?
    Trotz des schweren Lebens, der ständigen Ungewissheit, was die Zukunft bringt, geht das Leben weiter, muss es weiter gehen, denn es gibt immer Vieh zu versorgen, Acker zu bestellen, Menschen zu verköstigen. Kinder sind etwas Besonderes, aber gleichzeitig haben sie auch Aufgaben zu erfüllen. Sie übernehmen sehr zeitig schon Verantwortung und fühlen sich gut dabei, auch wenn manchmal die Arbeit keinen Spaß macht. Agnes‘ Schwester Tilli huscht immer wieder wie ein kleiner Wirbelwind durch die Geschichte und zeigt, wie gern Kinder lernen und stolz sind auf das Gelernte, auf die Erfüllung ihrer Aufgaben. Vielleicht sollten wir heute in der Pädagogik öfter mal an diese Zeiten denken.
    So erzählt macht Geschichte wirklich Spaß. Vielleicht hätte ich von der Zeit auch mehr behalten, wenn wir es in meiner Schulzeit so interessant erzählt bekommen hätten.
    Einmal so in die Zeit eingeführt ist es dann auch noch spannend, die Bemerkungen am Ende zu lesen.
    Ahnenforschung ist spannend, denn man erfährt durch viele Bemerkungen und Hinweise etwas über Alltagsgeschichte, aber bei den meisten Ahnenforschern bleibt das in ihren Unterlagen. Vielen Dank an die Autorin, dass sie ihre Forschungen in so interessanter Form an uns als Leser weiter gegeben hat.


    Fazit:
    Eine gut erzählte Familiengeschichte, in der es die Autorin schafft, den Alltag spannend zu zeigen.

    Manchmal haben starke Frauen schwache Männer


    In ihrem Roman „Die Zeit danach“ thematisiert die Autorin das Problem der Wirkung eines Selbstmordes auf die Hinterbliebenen. Anna Kaspers ist eine sehr selbständige Frau. Sie hat eine gut gehende eigene Kinderarztpraxis, ein schönes Haus, starke Freundinnen, einen treuen Hund, zwei Töchter und den Schatten eines toten Ehemannes. Ihrer Ehe trauert Anna nach, weil sie so harmonisch und freundschaftlich war und so ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen ihr und ihrem Ehemann bestand.
    Der Ehemann hat vor 10 Monaten Selbstmord begangen. Anna hatte ihre eigene Praxis endlich aufgebaut, nachdem sie geholfen hatte, seine Arztpraxis zum Laufen zu bringen. Allerdings konnte er sie allein nicht führen und fühlte sich überlastet. Sein Ersuchen, ihm noch einen oder zwei weitere Genehmigungen zur Praktizierung zu erteilen, wurde von einer Kommission abgelehnt, da der Bezirk mit Ärzten bereits versorgt war.
    Ist das der Grund gewesen für seinen Selbstmord? War Anna zu egoistisch und hätte sich mehr um ihren Mann kümmern müssen? In Annas Kopf kreisen diese Fragen und sie konnte sich in der ganzen Zeit noch nicht dazu durchringen, sich umfassend mit dem Tod ihres Ehemannes auseinanderzusetzen. Sein Zimmer ist noch unberührt.
    Das ist die Situation in die der Leser mit dem Roman eintritt. Anna ist sofort sympathisch. Ihr Hobby, das „Quilten“, war mir in seiner Kunstform völlig unbekannt, aber alles, was dazu im Roman gesagt wird, ist sehr spannend.
    Mir ist besonders angenehm aufgefallen, dass es in diesem Roman keine Klischees gibt. Sicher macht sich Anna Gedanken, was andere Menschen denken, aber nur solange sie selbst unsicher ist. Sobald sie eine Entscheidung getroffen hat, geht sie auch ihren Weg.
    Die Freundinnen, die sie hat, sind ebenfalls starke, selbständige Frauen, die sehr unterschiedlich sind, aber zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen. Wenn man danach geht, zu schauen, welche Freunde jemand hat, um auf den Charakter zu schließen, dann zeigt sich, dass Annas beruflicher Erfolg sicher ihrer Persönlichkeit zu zuschreiben ist.
    Schon die Probleme innerhalb der Familie, die Frage nach den Ursachen des Selbstmordes und der Beurteilung von Schuld, ist spannend. Aber es gibt noch eine zweite Spannungsebene in dem Roman, denn es sterben plötzlich die Ärzte, die bei der Beschlussfassung, die Annas Mann eine Unterstützung für die Praxis verweigerten. Sind sie die wahren Schuldigen am dem Freitod? Müssen sie nun dafür büssen? Und wer ist der „Rächer“? Wir lernen die Mörderin in Zwischentexten kennen und erfahren so ihre Motive.
    Aber wer ist diese ominöse Unbekannte? Als vor Annas Tür die Polizei steht, beginnt sie, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und wir sehen mit ihr neu auf ihre Ehe.
    Ist sie der Mörder oder wird sie sein Opfer?
    Fazit:
    Ein Roman, der neben spannender Unterhaltung auch zeigt, welche Probleme ein Selbstmord aufwirft und welche Schwierigkeiten bei seiner Verarbeitung auftreten. Vor allem wird sehr glaubwürdig gezeigt, dass jeder Charakter anders mit seinen Schuldgefühlen, seiner Trauer fertig wird und Kommunikation, Verarbeitung notwendig sind, um in ein normales Leben zurück zu kommen.

    Wie sieht es mit den etwas weniger bekannten Sachen aus? Wie beispielsweise Bannsänger (Foster), Deryni (Kurtz) und was euch sonst noch so einfällt? Und zwar ohne Einbezug nostalgischer Gefühle, wie Kiala so treffend gesagt hat?


    Ich frage mich z. B. wie "Die Welt der tausend Ebenen" heute auf mich wirken würde. So richtig rangetraut habe ich mich noch nicht wieder.


    Die Welt der tausend Ebenen hat mich begeistert wegen der Phantasy die darin steckt und sie gefällt mir immernoch.
    Die "Doppelwelt" von Pierce Anthony (die letzten Teile sind auf deutsch nicht erschienen)
    Der Zyklus um den Zauberlehrling Skeeve von Asprin (leider bekommt seine Tochter die neuen Büche nicht so toll hin)
    Die Drachenritter von Gordon Dickson

    Was ist Wahr – was ist Schein
    Wer ist Freund - wer ist Feind


    „Imperium der Drachen“ musste ich lesen, denn ich liebe Drachen. Aber geht es hier um Drachen?
    Zum Auftakt des Buches wird der Leser in eine blutige Schlacht geworfen, in der ein machtgieriger König, der den Beinamen „schwarzer Löwe“ trägt, den Widerstand eines Volkes bricht, in dem er alle und jeden umbringt, der für dieses Volk kämpft. So auch deren Priesterinnen. Die Priesterinnen des Ariocrast, eines Gottes, der als goldener Drache verehrt wird. Die Priesterinnen können dem Tod nicht entfliehen, sie nutzen die verbleibende Zeit, um ihre Rache zu finden, einen Fluch vorzubereiten, den der Drachengott auf den Eroberer werfen wird.
    Schon diese Szene ist mit ihrem Detailreichtum, den agierenden Personen und deren Umgebung, bis hin zu den Tricks, mit denen Priester ihre Tempel gestalten, um bei den Gläubigen Ehrfurcht zu erzeugen, von eindrucksvoller Spannung und rasantem Tempo. Dabei wird man auch dann nicht abgeschreckt, wenn man eigentlich keine Schlachtszenen mag, denn der Autor verwendet nur so viel Schilderung der Grausamkeiten, wie die Geschichte benötigt.
    Dieser erste Band wird dem Leser zeigen, wie sich der Fluch auswirkt. Vielleicht sollte man nicht vergessen, wer ihn ausgesprochen hat.
    Zunächst wird dem König ein Sohn geboren, der äußerlich ein Monster ist. Der König will ihm ein Leben mit diesem Äußeren nicht zumuten und gibt schweren Herzens den Befehl, ihn zu töten.
    Aber das Kind wird zum Spielball machthungriger Gegner des Königs. Zunächst gerettet und durch Magie eine normale Erscheinung wächst der Königssohn in einer Fischerfamilie auf und ist mit seinen Adoptiveltern und –geschwistern eng verbunden.
    Bis er gebraucht wird und plötzlich alles anders ist.
    Die Geschichte ist spannend und in großen Teilen undurchsichtig. Das Setting ist nicht wirklich Mittelalter, es erinnert vielmehr an die Hochzeit des alten Griechenlands oder Roms. Das gibt der Geschichte eine sehr angenehm herausstechende Atmosphäre. Ich mag Mittelaltergeschichten nicht besonders, weil die Spannung meist durch Intrigen hervorgerufen wird, die der Leser kennt und der Protagonist durch sie immer wieder in Gefahr kommt. Auch in dieser Geschichte gibt es Intrigen, aber auch der Leser erkennt nicht alle und wird ebenso überrascht wie die Helden selbst.
    Die Helden sind wenig erfahren, aber mit einem sehr gesunden Menschenverstand ausgerüstet. Iolan, der Königssohn merkt immer mehr, warum er lebt und von wem er eingespannt wird.
    Ein zweiter Erzählstrang entsteht durch die zufällige Trennung der Geschwister und führt zu einer Art Reisequest, denn die Suche gestaltet sich zu jener Zeit schwierig. Seeräuber beherrschen die Meere und der Sklavenhandel blüht.
    Somit erlebt der Lehser die verschiedensten Abenteuer und lernt eine ganze Welt bereits im ersten Teil dieser Saga kennen. Drachen erlebt man in diesem ersten Teil nicht viele, aber zumindest weiß man am Ende, warum dieser Titel gewählt wurde.


    Fazit:
    Eine spannende Geschichte mit Zuckerstückchen für jeden, vom Abenteurer bis zum Schlachtenliebhaber, vom Philosophen bis zum Romantiker und die mit Spannung auf den zweiten Teil warten läßt.

    Clockwork Cologne3
    Magnus 1: Der blaue Tod
    Ein neuer Roman aus der Steampunk-Reihe, deren Mittelpunkt die Stadt Cologne ist, deren Gesellschaft Magie verbietet und wo die Industrie auf Dampf basiert. Ich hatte diese Welt schon kennengelernt und mich auf ein Wiedersehen gefreut. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass natürlich der Wechsel der Autorinnen auch einen Wechsel in Details der Welt bedeutet. Deshalb fühlte ich mich zunächst in dieser Welt irritiert und fremd. Es ist eben ein Unterschied, ob man die Welt gar nicht kennt oder doch glaubt, sie zu kennen.
    Wer mir aber sofort gefiel, war der Protagonist des Buches, Magnus. Er ist blausüchtig und damit dem Tod geweiht, aber er hat von Beginn an die Ausstrahlung eines Abenteurers, der viel gesehen und viel gelitten hat, gleichzeitig aber auch viel Toleranz durch seine Erfahrungen erworben hat.
    Sehr interessant war von Beginn an sein Diener. Die Art, wie er zu ihm kommt, ist schon sehr ungewöhnlich und die Art von Treue und sehr effizienter Betreuung macht einfach Spaß mitzuerleben.
    Aber es gibt immer mehr interessante Mitspieler in diesem spannenden Rätselspiel.
    Wir treffen eine Ingenieurin mit Leib und Seele, eine Nonne, die mehr kann als Kranke pflegen, eine einen Boxlehrer, der Kindheitserinnerungen beim Protagonisten wach ruft, alte Freunde und alte Feinde, aber es gibt auch neue Freunde und es gibt immer wieder auch Verbindungen, die unerwartet sind, sowohl für den Leser als auch für Magnus. Es ist spannend zu sehen, wie er beginnt, seine Fäden zu spinnen, sich Verbündete organisiert, seine Feinde ausspioniert und mit seiner Krankheit umgeht. Und bei all dem wissen wir nicht, was er eigentlich bezweckt. Warum verlängert er sein Leiden, was ist es, was er noch unbedingt erledigen muss? Wer ist er und was hat er getan?
    Er trägt an einer Schuld, aber an einer sehr persönlichen.


    Fazit:
    Eine neue Sicht auf die Welt und interessante Charaktere, eine spannende Geschichte mit vielen Wendungen und viel Detailreichtum in der Darstellung der Situationen. Ein guter erster Teil, der sofort zur Fortsetzung greifen lässt.

    Niflheim – nordische Mythologie mal ganz anders
    Der Prolog ist sicher notwendig, denn obwohl die nordischen Götter uns eigentlich näher stehen als griechische oder römische Götter, aber wir haben sie jahrzehntelang vernachlässigt. Somit dürften die wenigsten Jugendlichen sich mit dieser Welt auskennen.
    Dann kommt ein Anfang, der mir sehr gefallen hat, denn ich spiele selbst Online-Spiele. Ich konnte den Frust der Spielgruppe sehr gut nachvollziehen, wenn da so ein Spieler immer wieder dazwischen funkt, nur weil er es kann und dann freut man sich, wenn es gelingt, ihn zu besiegen. Den Mädchen macht es also Spaß, in fremde Rollen zu schlüpfen und Abenteuer zu erleben. Aber wie ist das, wenn es dann ein Live-Abenteuer wird? Wie ist es, wenn man plötzlich Göttern gegenübersteht und von diesen entführt wird? Götter, die man nicht kennt und von deren Welt man nichts weiß?
    Aber es sind Götter, da wird nicht viel gefragt, da wird gehandelt. Während eines der Mädchen von dem Abenteuer begeistert ist, will die andere eigentlich lieber wieder nach Hause, aber diese Option steht nicht. Die Welt ist in Gefahr und gerade sie, die zögernde, die Heilerin, gerade sie muss mit, denn gesucht wird ein Schwert, welches sie vor vielen Jahrhunderten in einer anderen Existenz geschmiedet hat und das nur sie auch finden kann. So erleben die beiden Abenteuer mit Thor und Wal-Freya. Sie ziehen durch die Götterwelt und so ganz nebenbei werden dem Leser die Geschichten dieser Welt erzählt. Gegenspieler ist natürlich Loki. Ist Loki böse? Will er wirklich die Welt zerstören? Oder ist er ein Opfer?
    Mir hat diese Reise durch Niflheim sehr gut gefallen. Vieles war neu für mich und alte Bekannte haben sich anders verhalten, als ich sie kannte. Der Humor kommt nicht zu kurz, denn Thor ist schon ein ziemlich lustiger Kämpe, auch wenn er oft einfach mit seiner Unberechenbarkeit Ärger verursacht. Sein ständiger Hunger und seine Frotzeleien mit Freya und den Mädchen lockern die Erzählungen immer wieder auf. Spannend geht es aber auch zu, denn im nordischen Götterhimmel kann man sterben und es lauern etliche Gefahren, die mal mit Mut, mal mit Hirn und mal mit Kraft gelöst werden müssen.
    Ein Jugendbuch mit einer kurzweiligen spannenden Geschichte und viel Wissen über nordische Götter. Es animiert sicher, sich wieder intensiver mit diesen Göttern zu beschäftigen.
    Auf alle Fälle macht es Lust auf den zweiten Teil. Werden die Mädchen wieder losziehen, oder gibt es neue Protagonisten? Was kennen wir noch nicht von dieser Götterwelt? Wie tief werden wir noch hineingehen?


    Fazit:
    Diese Geschichte ist für alle, die Mythen lieben, mehr über die Götterwelt unserer Vorfahren wissen wollen und dabei spannend und lustig unterhalten werden wollen.

    Nimmerherz-Roter Schnee wird fallen
    Ein Prinz überlebt einen Mordanschlag, seine Mutter ist in Schwermut gefallen, sein Vater säuft und hurt sich durch seine Tage, in seiner kleinen Schwester sieht er seine Verantwortung und als er aufbricht, nimmt er sie mit.
    Die kleine Schwester muss schnell erwachsen werden und sie hat nur noch ihren Bruder, der sich aber immer wieder in Gefahr begeben muss.
    Eine Prinzessin kann tauchen, Bogen schießen, reiten und beschäftigt sich mit allem, was geheimnisvoll ist, einschließlich der alten Ruinen unter ihrem Schloss. Ihr Vater ist durch ein Orakel verunsichert, die Mutter ist geheimnisvoll, eine Schwester ist gut verheiratet, die andere wird heiraten und sie selbst will nicht heiraten.
    Eine Welt, eingeteilt in verschiedene Fürstentümer, nach blutigen Kriegen in einem Frieden geeint, der gemeinsam abgesprochen wurde. Es gibt ein Land im Eis, das mit den Ro’Ar kommuniziert und durch diese Verbindung ziemlich unantastbar ist, es gibt das Land der Nordmänner, die den Frieden einst durchgesetzt hatten, es gibt Quell, das Land, in dem der Reichtum so groß ist, dass dort die Treffen der verschiedenen Fürsten stattfinden, wenn es darum geht, alle wieder auf den Frieden einzuschwören.
    Dies sind die Teile der Welt, die der Leser zunächst kennenlernt, dabei geht die Handlung aber rasant vorwärts, ohne Luftholen stürzen die Protagonisten von einer Aktion in die nächste und es wird immer turbulenter.
    An den Leser stellt das Buch hohe Ansprüche, denn viele Geschehnisse erfährt er nur andeutungsweise und erst viel später wird dann klar, was eigentlich hinter einigen der Rätsel steckt.
    Es ist spannend, es ist umfangreich, es gibt immer neue Teile der Welt zu erkennen und ich hatte ab und zu Mühe, mit dem Tempo mitzukommen.
    Was mir weniger gefallen hat war, dass viele Geheimnisse nur deshalb Geheimnisse bleiben, weil die Menschen auch nicht mit denen reden, die sie kennen müssten, weil sie selbst betroffen sind. Das kommt mir dann etwas konstruiert vor. Nun kann es sein, dass es für das Verhalten vielleicht in den Folgebänden eine Erklärung gibt, aber ich kann ja nur über das schreiben, was ich gelesen habe und dieses Schweigen der verschiedenen Figuren gegenüber ihren Vertrauten störte mich etwas.


    Fazit:
    Ein spannender temporeicher und aktionsgeladener erster Teil, der das Warten auf den nächsten Teil zu einer Geduldsprobe macht.

    Wenn bei Wölfen Weihnachten ist
    Was macht man, wenn sich Träume in Luft auflösen und Wunden hinterlassen? Man verkriecht sich an dem einsamsten Ort, den man kennt. Die Protagonistin dieser Geschichte hat das große Glück, sich in eine Hütte im Nationalpark Montanas zurückziehen zu können. Schon die Kulisse dieser Geschichte war traumhaft. Eine Schneelandschaft , eine Hütte, die nur die zum Überleben wichtigsten Funktionen bietet und dazu eine absolute Unerreichbarkeit für alle Probleme.
    Von dieser Stimmung war ich gleich begeistert. Ich wäre am liebsten sofort auch in so eine Hütte gefahren. Um das Märchen vollständig zu machen, gibt es in der Geschichte noch einen netten Wildhüter und einen Wolf, der Hilfe für seine Gefährtin sucht.
    Ob es gelingt, Hilfe zu bringen (denn das Märchen geht nicht so weit, dass der Wolf sprechen kann) und ob die Ruhe dieser Landschaft wirklich die Wunden heilt, wird der Leser im Laufe der Handlung erleben. Die Geschichte liest sich wirklich wie ein Märchen, ohne allerdings an irgendeiner Stelle kitschig zu werden. Die handelnden Personen sind sehr lebendig beschrieben. Bevor der Leser in der Wildnis ankommt erfährt er einige Details über das Leben der Protagonisten. Lindsay, die eine gute Journalistin ist, hat sich in einen Mann verliebt, der aus einem Bilderbuch zu kommen scheint. Zwar fällt ihr auf, dass er von ihr verlangt, ihr Leben zu verändern, seinen Vorstellungen anzupassen, aber sie meint, dies für die Liebe tun zu können. Wer ist dieser „Märchenprinz“? Sie hat Freunde aus ihrer ehemaligen WG, ein homosexuelles Paar, welches auch liebevoll vorgestellt wird. Brian, der in der Einsamkeit des Nationalparks arbeitet, ist durch den tragischen Tod seiner Freundin verwundet.
    Die kurzen Ausflüge in die Tierschutzproblematik machen aufmerksam, ohne den Lesefluss oder auch die Freude an der Geschichte zu stören.
    Diese Weihnachtsgeschichte erinnerte mich an Geschichten von Jack London aus der kanadischen Wildnis, die ich immer geliebt habe. Der Wolf wird nicht als die böse menschenfressende Bestie geschildert, allerdings wird dem Märchen entsprechend auch ein wenig am Verhalten von Wölfen geändert. Ich fand es sehr gut, dass dies im Anhang auch explizit noch einmal benannt wird.
    Durch das Buch wurde ich auch neugierig auf das Wissen der Autorin über Wölfe und ich finde, besser kann man sich gar nicht für den Schutz dieser Art einsetzen.


    Fazit:
    Ein Weihnachtsmärchen, das man auch im Sommer lesen kann.

    Schattenhauch
    Die kleine Welt der Amelie – ein Dorf, in dem ohne Technik gearbeitet wird und die Gemeinschaft zusammenlebt in einer Art urgemeinschaftlicher Arbeitsteilung. Die Welt ist umzäunt und es ist verboten, nach draußen zu gehen, denn draußen lauern die Schatten und die sind gefährlich.
    Aber wie es so ist, es wird immer jemanden geben, der solche Verbote übertritt, oder andere dazu anstiftet in der Hoffnung, dass diese Ärger bekommen. Und so geht die kleine Lilly in den Wald und kommt nicht zurück.
    Derlyn, der Außenseiter unter den Jungen, geht sie suchen und Amelie begleitet ihn, zusammen mit ihrem Onkel Viktor, der mehr weiß als er sagt.
    Nunmehr erfahren die beiden Jugendlichen mehr über die Welt außerhalb des Dorfes, sie erfahren, warum da ein Zaun ist und wer die Schatten sind.
    Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Es behandelt auf spannende Weise verschiedene ethische Probleme. Es geht um die Gefahren des Einsatzes von Technik ohne Kenntnis aller Konsequenzen. Das ist ein bekanntes Thema. Es wird hier aber meiner Meinung nach nicht klischeehaft behandelt. Die Wissenschaftler, die die Verursacher gewesen sind, haben dies nicht aus Profitgier getan und auch nicht, weil sie ihre Forschungen ohne Hintergrund betrieben haben.
    Ein weiteres Problem, was hier sehr interessant behandelt wird ist die Stellung zu Fremdem, die Frage, wann man einen Kranken aufgibt, die Möglichkeiten der Natur für Regeneration und die Frage, ob man versuchen sollte, wieder gut zu machen, was nicht wieder gut zu machen ist.
    Gleichzeitig wird gezeigt, dass es verschiedene Wege gibt, mit einer Katastrophe zu leben und menschliche Ethik nicht automatisch in der Katastrophe mit untergeht. Es lohnt sich sicher für alle Fans von Science Fiction Geschichten und für solche, die es werden wollen.


    Fazit:
    Viele interessante Aspekte in einem interessanten dystopischen Setting, mit optimistischem Ausblick spannend geschrieben.

    Sekundentod –ein Thriller mit spannender Ermittlungstätigkeit


    Thrillern gegenüber bin ich zunehmend misstrauisch, denn in den letzten Jahren wurden die immer brutaler, die Verbrechen immer perverser und die Morde werden heutzutage meist in allen brutalen Details geschildert. Das muss ich nicht haben. Außerdem sind meist die Ermittler oder ihnen nahestehende Personen im Visier des Mörders.
    Nun, die Morde in diesem Buch sind nicht von Pappe, aber die Autorin schwelgt nicht darin. Es werden die Details beschrieben, die für das Verständnis der Ermittlungstätigkeit notwendig sind.
    Der Leser wird zwar auch mit dem Privatleben des Ermittlers, Falko Cornelsen, bekannt gemacht, aber in diesem Buch hat es mich weniger gestört. Außerdem wirken die Dialoge und Handlungen auch in diesem Bereich völlig glaubwürdig. Falko Cornelsen ist ein leidenschaftlicher Ermittler und seine Methode, den Tatort zu sehen und sich zu konzentrieren, ist selbst spannend.
    Ganz besonders hat mir gefallen, dass die Ermittlungsarbeit m.E. nach realistischer gezeigt wird als üblicherweise. Hier arbeiten verschiedene Ermittler mit verschiedenen Zuständigkeitsbereichen mit Respekt zusammen und an vorderster Stelle steht immer wieder, den Mörder zu finden und zu verhindern, dass er weiter mordet. Deshalb ist man als Leser voller Spannung und Sympathie dabei.
    Allerdings kommen einige Mitarbeiter des Jugendamtes nicht gut weg und es wird wieder klar, dass die Mitarbeiter dieses Amtes immer wieder daran denken sollten, ihre Regeln sind dazu da, Menschen zu helfen und die Menschen und ihre Bedürfnisse sollten immer über den Regeln stehen.


    Fazit
    Sekundentod ist ein sehr lesenswerter, spannender Thriller. Eine Empfehlung, für alle, die gute Ermittlungsarbeit lieben.

    Großstadtmelodie - Psychopatenpolka


    „Mist verflucht!“
    Was kann an einem Montagmorgen alles schief gehen, wenn es eh schon spät ist?
    Es ist der erste Krimi der Autorin, aber diese Lale war mir vom ersten Satz an sympathisch. Wo ist der Schlüssel, wo steht das Auto, wieso ist es schon wieder so spät und dann übersieht sie den Radfahrer. Nix passiert, also Visitenkarte geben und weiter in diesen Tag, der sicher nicht viel Potenzial hat, besser zu werden.
    Zwei sympathische Frauen bilden hier ein Ermittlerduo. Lale und Mandy, die an diesem Morgen von einem Mann angegriffen wird, den sie dann in Selbstverteidigung in die Elbe geschmissen hat und deshalb retten musste.
    Dieser Beginn verspricht viel und das Buch hält das auch. Die Dialoge zwischen den beiden Frauen machen wirklich Spaß. Zwischen ihnen agiert dann Lales Exmann, der sich immer mal übergriffig in das Leben seiner Exfrau einmischt, und während sich Lale dadurch genervt fühlt, wird Mandy in seiner Nähe rot.
    Lale lebt mit ihrem Sohn Pit zusammen. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist wirklich locker und von gegenseitigem Verständnis geprägt. Pit spielt in einer Band „Polka-Guerilleros“ in Ermangelung eines Proberaums proben die Jungs in Lales Wohnung. Lale ist wohl in vielen Dingen chaotisch, aber sie hat Vertrauen zu ihrem Sohn und das gefällt mir sehr.
    Außerdem gefällt mir auch die Art, wie Lale ermittelt. Sie versucht immer die Menschen zu sehen und sie zu verstehen.
    Außerdem gibt es da noch die Nachbarin, die immer auf Männerfang aus ist und die Journalistin, die man Lale aufdrückt und die sie bei ihren Ermittlungen begleiten soll, um darüber eine Reportage zu machen und natürlich ist Lale ein Teamspieler und so gibt es auch noch verschiedene Charaktere, die wir als ihre Kollegen kennenlernen.
    Jeder dieser Charaktere ist interessant und hat seine Eigenheiten und jeder steuert etwas zur Aufklärung der Fälle bei, die von der Polizei bearbeitet werden.
    Es gilt den Mann zu fangen, der Mandy angegriffen hat, denn sie war nicht die einzige Frau, die durch ihn belästigt wurde. Außerdem hat der Radfahrer doch Anzeige erstattet und ist dann aber tot, als Lale ihn befragen will. Die Eltern und der Bruder des Toten wirken aber total unbeteiligt, als sie von Lale benachrichtigt werden.
    Bei der Klärung der Fälle macht es einfach Spaß, die Personen in ihren Interaktionen zu erleben. Nicht immer ist man mit ihren Handlungen einverstanden, aber am Ende steht eine Verhaftung und auch für den Leser sind alle Fragen gelöst. Ein wenig melancholisch stimmt es schon, denn einige Probleme entstehen, weil sich die Menschen nicht umeinander kümmern. Deshalb habe ich mir den Titel „Großstadtmelodie“ von Fats Hagen ausgeborgt, ein kleiner Kontrapunkt zu der ansonsten lockeren flüssigen und humorvollen Handlung.


    Fazit:
    Ein spannender Krimi mit einem ganzen Team interessanter und skurriler Charaktere. Unbedingte Empfehlung.

    Magnus 1: Der blaue Tod


    Ein neuer Roman aus der Steampunk-Reihe, deren Mittelpunkt die Stadt Cologne ist, deren Gesellschaft Magie verbietet und wo die Industrie auf Dampf basiert. Ich hatte diese Welt schon kennengelernt und mich auf ein Wiedersehen gefreut. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass natürlich der Wechsel der Autorinnen auch einen Wechsel in Details der Welt bedeutet. Deshalb fühlte ich mich zunächst in dieser Welt irritiert und fremd. Es ist eben ein Unterschied, ob man die Welt gar nicht kennt oder doch glaubt, sie zu kennen.
    Wer mir aber sofort gefiel, war der Protagonist des Buches, Magnus. Er ist blausüchtig und damit dem Tod geweiht, aber er hat von Beginn an die Ausstrahlung eines Abenteurers, der viel gesehen und viel gelitten hat, gleichzeitig aber auch viel Toleranz durch seine Erfahrungen erworben hat.
    Sehr interessant war von Beginn an sein Diener. Die Art, wie er zu ihm kommt, ist schon sehr ungewöhnlich und die Art von Treue und sehr effizienter Betreuung macht einfach Spaß mitzuerleben.
    Aber es gibt immer mehr interessante Mitspieler in diesem spannenden Rätselspiel.
    Wir treffen eine Ingenieurin mit Leib und Seele, eine Nonne, die mehr kann als Kranke pflegen, eine einen Boxlehrer, der Kindheitserinnerungen beim Protagonisten wach ruft, alte Freunde und alte Feinde, aber es gibt auch neue Freunde und es gibt immer wieder auch Verbindungen, die unerwartet sind, sowohl für den Leser als auch für Magnus. Es ist spannend zu sehen, wie er beginnt, seine Fäden zu spinnen, sich Verbündete organisiert, seine Feinde ausspioniert und mit seiner Krankheit umgeht. Und bei all dem wissen wir nicht, was er eigentlich bezweckt. Warum verlängert er sein Leiden, was ist es, was er noch unbedingt erledigen muss? Wer ist er und was hat er getan?
    Er trägt an einer Schuld, aber an einer sehr persönlichen.


    Fazit:


    Eine neue Sicht auf die Welt und interessante Charaktere, eine spannende Geschichte mit vielen Wendungen und viel Detailreichtum in der Darstellung der Situationen. Ein guter erster Teil, der sofort zur Fortsetzung greifen lässt.

    Ein neuer Fall für eine besondere Truppe


    Eine besondere Ankündigung eines Mordes – ein offenes Grab mit dem Namen und dem Sterbedatum des späteren Mordopfers - ruft die spezielle Einsatzgruppe der Polizei auf den Plan. Eine Gruppe, die zwar von einem Polizisten, Jan Tommen, geleitet wird, deren Mitglieder aber aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft kommen. Zoe, eine sehr engagierte Gerichtsmedizinerin, die Abenteuer liebt, Chandu, ein Kenner der Unterwelt, weil Insider und Max, ein Computer Freak. Es ist ein Team, welches sich im ersten Fall zusammengefunden hat und deren Zusammenarbeit so gut lief, dass Jan darum bat, diese Truppe als sein Ermittlungsteam erhalten zu dürfen.
    Der erste Anruf, der bei der Polizei einging, wurde noch wenig ernst genommen. Er beginnt mit dem ersten Satz dieses Buches: Ich stehe vor meinem Grab. Das klingt nicht unbedingt glaubhaft. Aber am nächsten Tag ist der Anrufer tot in seinem Grab. Es war ernst und es war nicht das einzige Opfer. Das nächste Grab ist schon ausgehoben.
    Neben dem Auftrag, den Mörder zu finden, haben die Spezialisten nun auch die Aufgabe, das Opfer zu schützen.
    Einen so angekündigten Mord sollte man doch verhindern können. Das Opfer wird bewacht, das Grab wird bewacht aber der Mörder ist der Truppe immer ein paar Schritte voraus. Er spielt mit ihnen und mit seinen Opfern.
    In diesem Buch entstand die Spannung für mich wieder nicht durch die Frage nach dem Mörder, sondern es war die Frage, wie kann man diesem Mörder das Handwerk legen und auch: wie schafft es der Mörder, die Maßnahmen der Polizei zu umgehen. Außerdem ist es immer wieder spannend, etwas über die Protagonisten zu erfahren, die sich im Laufe der Ermittlungen nicht nur mit dem Mörder auseinandersetzen müssen und teilweise ganz neue Seiten offenbaren.
    Sehr gut hat mir wieder gefallen, dass die Polizei realistisch gezeigt wird und es allen in erster Linie darum geht, weitere Morde zu verhindern. Das Team um Jan Tommen arbeitet auf einer freundschaftlichen Basis zusammen und sowohl Vertrauen als auch effektive Arbeit kennzeichnet ihre Ermittlungen. Realistisch ist aber auch, dass trotzdem immer wieder Probleme auftreten, Ermittlungen ins Leere laufen, Überwachungen an nicht bedachten Dingen scheitern. Es sind eben auch Menschen und der Mörder hat den Vorteil, zu wissen was er will, wo die Ermittler immer wieder raten müssen.
    Fazit
    Wieder ein spannender Fall um Kommissar Tommen mit interessanten Details der Polizeiarbeit und neuen Informationen über die aus dem ersten Fall bekannte Ermittlertruppe.