Beiträge von Sagota

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Die beste Antwort, die Du Suse diesem Antidemokraten (oder Schlimmeres?) schreiben konntest und toll, dass die Tatsache, dass hier im Forum klar Stellung bezogen wird, nun auch auf der Hauptseite erscheint!

    Wenn ich eure Beiträge so lese, fühle ich mich hier bestens aufgehoben - und darüber hinaus auch gut, dass der Beitrag von Suse immer oben steht!

    (Wehret den Anfängen!)

    Sagota Nessers neues Buch lese ich auch gerade und am Sonntag werde ich ihn erstmals persönlich beim Krimifest treffen. :herz:

    dann grüß' ihn gerne von mir!! :zwinker: Ich wünsch Dir ein tolles Krimifest: Bist Du in Frankfurt bei der FBM - oder ist das Krimifest woanders?? Jedenfalls viel Spaß!!:winken:

    Der zweite Teil der Trilogie von Tabea Koenig - "Hurenmord - Die Rose von Whitechapel" steht seinem Vorgänger, Band 1 "Hurentochter - Die Distel von Glasgow" in nichts nach, ist jedoch anders konstruiert als der erste Band. Hier agieren die beiden HauptprotagonistInnen des Vorbands (Hurentochter) Emily (nun Countess of Suthness) und ihr Ehemann Liam nur in Nebenrollen; die Hauptrolle wird in diesem teils auf wahren Fakten um den nie gefassten Mörder "Jack the Ripper" (London, 1888) die einstige Weggefährtin Christine Gillard einnehmen, die wir hier besser kennenlernen.


    Einst in Glasgow einzige Überlebende der "Kentwood"-Affäre und Prostituierte, traf sie ihr Lebensglück in Form eines älteren Herrn, Henry, der ihr nicht nur half, das Frauenhaus "Renfield Eden" in London aufzubauen, sondern sie auch ehelichte. Wir treffen sie hier kurz nach dem Tod Henrys an und Christine trauert noch sehr um ihren Mann, den sie aufrichtig liebte, als grauenhafte Morde geschehen: Huren, die kurz oder zeitweise im Renfield Eden wohnten, werden bestialisch umgebracht und Inspektor Pike, einstmals auch in den Kentwood-Prozess verwickelt und seither befördert, da er aktiv helfen konnte, den Fall aufzuklären, trifft bei den Ermittlungen auf Christine: Auch er hat den Verlust von Frau und Familie zu verkraften und die Autorin spinnt ein dichter werdendes Liebesverhältnis um die beiden, das die Morde und deren Beschreibung etwas zu konterkarieren vermag.


    Als eine Vertraute von Christine vermisst wird und sämtliche Morde auf das Renfield Eden hinweisen, fällt ein Verdacht sogar auf Christine selbst: Was hat Rosalie, die Vertraute, gewusst und weshalb ist sie verschwunden?

    In welchen Reihen, welchem Milieu ist der stets gut gekleidete Gentleman mit Zylinder, der jedoch niemandem bekannt ist, zu suchen? Wird Inspektor Pike ihn finden?


    Unterhaltsam und sehr spannend weiß Tabea Koenig zu erzählen; ihren Figuren gibt sie stets klare Konturen und Christine wie auch Inspektor Pike sind Sympathieträger. Der in der viktorianischen Zeit angesiedelte - ich würde fast sagen historische Kriminalroman - transportiert auch neben der spannenden Handlung um die Morde des "Jack the Ripper" viele Informationen, was mir sehr gefallen hat, da der Anspruch der Autorin über die eigentliche Handlung hinausgeht, wenn sie den Leser etwa über Frauenrechte aus dieser Zeit (dürftig bis Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Aufmarsch der Sufragetten) oder über die unterschiedlichen Erbrechte in Schottland und England informiert; die Lebensverhältnisse in Armut und Elend - wie in Reichtum und Dekadenz bildhaft gegenüberzustellen weiß oder andere historisch Ereignisse wie der Bau des Eiffelturms oder der Tower Bridge und die Weltausstellung in Paris ebenfalls Erwähnung findet. Dies bettet den Roman in eine Zeit ein, die die Morde des Rippers sprichwörtlich nebelverhangen werden lassen.


    Tabea Koenig lässt im Plot statt Emily, die kurz vor ihrer Niederkunft im fernen Schottland ist, Liam nach London fahren, der als Ex-Boxer der gemeinsamen Freundin Christine zu Hilfe eilt. So fehlt es nicht an spannenden Wendungen, die sehr unterhaltsam, wenn auch fiktiv sind und durch eine List (und mit reichlich Mut) soll es Christine letztendlich gelingen, den Mörder zu überführen.


    Ein Unterhaltungsroman mit Tendenz zum Genre "historischer Kriminalroman", dem wahre historische Fakten um "Jack the Ripper" zugrunde liegen und wiederum durch die spannende und authentische Erzählweise der Autorin punkten kann. Ich empfehle ihn sehr gerne weiter und vergebe 4,5 *

    Auf den dritten Band, der Anfang Dezember 2019 erscheinen wird, bin ich natürlich schon mehr als gespannt!4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Obwohl es heute

    Ehe es am Montag wieder nach England geht:

    Du Glückliche! Have a good time in good old England (bei mir ist es haargenau ein Jahr her - und ich möchte 2020 auch wieder hin - Brexit hin oder her =O....)

    In welche Region geht's denn? (ganz neugierig frag') ;)

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    "Südlichter" von Nina George erschien (HC, gebunden) im Droemer-Knaur Verlag, 2019 und knüpft an den Weltbestseller der Autorin "Das Lavendelzimmer" an: Bereits damals ist ein Buch erschienen, an dem sich Jean Perdu orientierte, als er sein Bücherschiff ins Südfranzösische, nach "Sanary" steuerte...

    Südlichter würde ich jedem Menschen wärmstens empfehlen können, der den Bestseller las - es steht jedoch auch eigenständig für eine begnadete Autorin, die es versteht, "die Liebe selbst durch ihre Feder erzählen zu lassen" und damit etwas, was den Menschen sein ganzes Leben über beschäftigt, beflügelt, beschwingt, glücklich macht - und zuweilen auch das Gegenteil davon....


    In "Südlichter" spielt die Liebe (sowie ihre Geschwister, die Todin (schwächer als die Liebe); das Schicksal (oftmals nicht gerecht); das Begehren und die Lust - und einige weitere, die Nebenrollen besetzen, die Hauptrolle - weitere HauptprotagonistInnen sind ein Olivenbaum, ein kleines Mädchen (Marie-Jeanne), ein Ehepaar (Francis Meurienne und seine Frau Elsa) und weitere meist sehr sympathische Figuren, die noch benannt werden sollen. Weitere Hauptrollen spielen Bücher - und die Liebe zur Literatur, die jede/n Bibliophile/n begeistern und bezaubern wird, da die Worte und die Handlung, in die Nina George diese Literaturliebe gebettet hat, wirklich wundervoll beschrieben werden.....


    In "Wortmagie" und fantastischem Erzählstil folgen wir Nina George in die liebliche Provence, wo Marie-Jeanne das Licht der Welt erblickt (1958) und sich fortan an der Liebe festhält: Keinem Menschen ist es gelungen, die Liebe zu berühren, doch diesem kleinen Menschenkind, dessen Großmutter gerade starb, konnte die Liebe sich nicht entziehen (sie kommt und geht gewöhnlich, wann sie es will) - und das sollte Folgen haben, um die es in diesem poetischen Roman geht: Marie-Jeanne sieht einen "Blink", ein Leuchten an jener Körperstelle aller Menschen, denen sie begegnen soll, wo diese einst von der Liebe berührt wurden. So kann sie auch die Fäden spüren, die sich von einem Menschen zu jenem, den er oder sie lieben kann, entrollen und macht es sich zu ihrer liebevollen Aufgabe, die Fäden zueinander hinzuführen.


    Wir begleiten Marie-Jeanne durch ihre Kindheit und begreifen, dass dies ein ganz besonderes Mädchen ist: Trotz aller Schicksalsschläge ist es voller Liebe, für Francis, den Dingesammler und Lieferanten im Tal zwischen den Bergen, die dieses beschützen und der "Petitpa" für Marie-Jeanne ist; für Elsa, seine gelinde ausgedrückt unsentimentale Frau, die in steter Angst, ihren (doch geliebten) Francis zu verlieren, eher knotternd ihre Liebe zum Ausdruck bringt und freuen uns über den Entschluss von Francis, künftig mit Marie-Jeanne eine Überlandbibliothek zu führen, was zur Anschaffung weiterer véhicules (Kasten 2CV namens "Louis") führt und dazu, dass es Francis gelingt, die Bauern zu überzeugen, dass Bücher nicht gefährlich sind (auch wenn die Studenten, die gerade - wir schreiben das Jahr 1968 - in Paris für große Unruhen sorgen, sicher viel gelesen haben) und arbeitet mit dem Buchhändler, Herrn Mussigmann, eng zusammen. Im Verlauf dieser Fahrten lernt der Leser mit den Figuren viele Facetten der Liebe kennen (wovon einige sicher nicht unbekannt sind): Sei es Madame Colette Brillant, eine Kalligrafin und Handschriftenleserin, die kluge Sätze zur persönlichen Handschrift und der eigenen Persönlichkeit von sich gibt; sei es Madame Valérie Montesquieu, eine Dame Anfang 60, die Francis als Angestellte der Überlandbibliothek unterstützen wird und sich mit dieser Arbeit selbst befreit; sei es Madame Chatelet, bei der wir die unerfüllte, unglückliche Liebe (und die Einsamkeit) erkennen, wobei die Liebe beschämt daneben steht:


    Herrliche Dialoge auf den Akquisetouren des Monsieur Francis Meurienne: Man wünscht sich bei den Beschreibungen von Nina George zur wunderschönen südfranzösischen Landschaft, man säße ebenfalls im Kasten 2CV und würde den nächsten Hof oder sogar die Kommune des Professors aus Paris ansteuern, der ein Buch in "Louis dem Dritten" entdeckt, das er kennt, da er es vor langer Zeit gelesen hat - und das Gefühl ausspricht, dass Bücher wie ein vergessener Freund sein können - über deren Wiederauftauchen man sich ebenso freut wie über einen Menschen, den man lange nicht gesehen hat. Eine weitere Spielart der Liebe - die Freundschaft - entsteht, da sich Francis und der Professor viel zu erzählen haben.


    Die Liebe zur Literatur gipfelt schließlich (um die Liebenden zusammen zu bringen) in einem Buchclub, dem "Littéramour", der - im Hotel "La Dolce Vita" tagen soll - nachdem Valérie und Marie-Jeanne sogar noch eine Fahrt nach Sanary-sur-Mer unternehmen, um einen Koch ausfindig zu machen, der die Kalligrafin schon seit Jahren liebt...

    Natürlich lässt es sich Pierre, jener Koch aus dem Süden, nicht nehmen, ein ausgezeichnetes Mahl für alle zu kochen (die Liebe schaut ihm dabei schmunzelnd über die Schulter, denn sie ist schon immer ein großer Anhänger von gutem Essen und Lebensfreude gewesen).


    Schließlich begleiten wir alle sehr fein gezeichneten, sympathischen ProtagonistInnen (natürlich ist die Liebe dennoch immer anwesend, sie muss ja evtl. eingreifen) durch die "Nacht der Wünsche" und lassen uns mit Marie-Jeanne von all den leuchtenden Südlichtern bezaubern, die die Sehnsucht und die Liebe der Menschen, die jedem innewohnt, sichtbar werden lässt und deren Fäden in dieser Nacht zusammenfinden....


    Der Sprachstil der Autorin ist brillant, berührend und sehr poetisch; auch atmosphärisch und zuweilen sinnlich (Stichwort Kirchenglocken). Auch gefiel mir der emanzipatorische Ansatz, der typisch für Nina George ist: So geht es z.B. um die Todin, die Hexenmeisterin etc. - auch die kreativen Wortschöpfungen wie "Zungenwonnen" und "Augenschönheiten" konnten mich im Roman sehr begeistern; standen sie genau an der richtigen Stelle.


    Ein kluges, ein magisches, ein bezauberndes Buch über die Liebe, die hier in persona durch die Feder von Nina George fließt und sich prächtig und in all ihren Spielarten portraitiert: Auch eine Hymne auf die Magie der Worte und die Literatur, die dazu beitragen kann, dass der Mensch "kompletter, ganzer" wird.


    Eine absolute Leseempfehlung von mir, ein Chapeau an die Autorin - und 5* am Bücherfirmament in Südfrankreich und auch hierzulande für einen funkensprühenden Roman über (bzw. von der) Liebe, die in jedem von uns wohnt. In einem Interview hält es Frau George mit Francis, das Geheimnis der Liebe betreffend:

    "Liebe ist. Das ist das einzig sichere, was wir über sie wissen".

    (Quelle: Büchermenschen)


    5ratten:marypipeshalbeprivatmaus::marypipeshalbeprivatmaus::tipp:

    Hmm, hab da einiges, ich weiß nicht, ob es das schon gibt...


    Im Bereich der Historischen Romane mehr Geschichte von Ländern/Kulturen, von denen man sonst wenig erfährt. Südamerika, Afrika, Asien, vielleicht sogar kleine polynesische Inselstaaten. Auf jeden Fall nicht immer nur europäische Geschichte oder die alten Griechen/Römer/Ägypter... ;-)

    Da kann ich mich anschließen - vor allem auch versunkene Kulturen weltweit (Kelten, Mayas, Katharer, Wikinger etc.), gerne in historische Krimis verpackt oder spannende "Mysteries", in denen man (gut recherchiert) viele Hintergrundinfos erhält zur jeweiligen Kultur. Davon habe ich noch recht wenige entdecken können...

    an Sogota:

    habe fast alle Bücher von R. Rendell gelesen! Einige von B. Vine sogar 3 mal. Darunter "Asta´s Tagebuch" und "die im Dunkeln sieht man doch". Sehr gut ist auch " Das Haus der Stufen". Ich finde die Bücher, die sie als B. Vine geschrieben hat, intensiver und mitunter beklemmender!!! Nicht so gut fand´ ich: "Der Herr des Moores" und "das Verderben". Aber das ist auch o.k. Ich bewundere ihren Schreibstil und das sie immer in der aktuellen Zeit geblieben ist.

    Von Barbara Vine kenne ich ihre Romane noch nicht - danke für den Hinweis! (Dass dies ihr Pseudonym ist, wusste ich bereits - auch die Titel, aber gelesen habe ich glaube ich noch keines...) Die von dir genannten kommen mal gleich auf meine Merkliste :zwinker:

    Da gibt es so einige....

    Meine Lieblingsjugendbücher (Fahrten und Abenteuer der kleinen Dott von Tamara Ramsay und die Märchen aus 1001 Nacht, illustriert) erinnern mich an meinen Vater, da er sie mir beide schenkte...


    Und es gibt ein Buch, das ich mir neulich nochmal kaufte, weil es mir so gut gefiel wie einer früheren Freundin von mir, die es mir auslieh: "Jacke wie Hose" von Rita Mae Brown: Muss ich unbedingt mal wieder lesen!

    Ich danke euch nochmal für alle lieben Worte (und nein, liebe Valentine , das hört sich überhaupt nicht blöd an ;)


    Ich lese gerade sehr begeistert den neuen Roman von Nina George - der letzte hatte mir nicht allzu gut gefallen - aber hier übertrifft sie sogar sich selbst - und "Das Lavendelzimmer", eins meiner Lieblingsbücher von ihr: Ich lese es in Gedanken für meine Lieblingsschwester mit (die das Lavendelzimmer auch liebte) - und bin sicher, "Südlichter" hätte ihr auch sehr gefallen...


    Etwas bleibt von jedem Menschen, den man liebt - es geht im Buch um die Liebe in all ihren Spielarten: Schön, dass sie mit dem Tod eben NICHT stirbt: Sie lebt weiter... im Herzen derer, die sich an den geliebten Menschen erinnern. Meine Mutter hat ein sehr ähnliches Schicksal erlitten. Sie kämpfte ein Jahr lang - und obgleich ihr Tod schon 34 Jahre zurückliegt, ist sie (auch durch mein Tun, besonders wenn ich stricke) dennoch bei mir...


    Ganz ähnlich ist es jetzt bei meiner "großen" Schwester (sie war kleiner als ich ;), beim Lesen schaut sie mir über die Schulter - und schmunzelt mit...