Beiträge von gagamaus

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Gestern Abend habe ich die letzten 50 Seiten gelesen. Oder besser inhaliert, weil es so dramatisch war. Beim Lesen hatte ich ja alle möglichen Befürchtungen. Dass jemand von der Stasi verhaftet wird, dass Emma nicht mehr raus kommt, dass die Tochter von Alice zurückbleiben muss, dass Markov allen noch einen Strich durch die Rechnung macht. Ich hab immer nur im Hinterkopf gedacht: Nein, so was tut Claire uns nicht an. 8o Nein, das geht einfach nicht.


    Das Ende war sehr spannend und hatte genau die richtige Dosis glückliche Momente.


    Emma und Julius haben sich wieder. Das er da mit Waffe in Wien vor der Hoteltüre stand, das war schon ein Schock für Emma. Aber endlich kann alles gesagt, alles geklärt werden. Und dann ist es nur noch ein ganz kleiner Schritt dazu, dass sie sich ihre Liebe gestehen. Nein, das war gar nicht kitschig und sehr schön. :love:


    Mein Highlight war ja Max mit seiner kleinen Tochter. Da ist mir das Herz übergegangen, wie er sie sofort um den Finger wickelt. Gut finde ich, dass offen gelassen wird, ober er und Alice doch noch zusammen kommen. Ich weiß nicht, ob ich mir das wünsche. Aber auf jeden Fall wünsche ich Max eine tolle Frau die ihn mit Haut und Haaren glücklich macht. Und bis dahin hat er ja erst mal ein kleines Mädel. Ich frage mich, ob es besser wäre, wenn Alice Berlin verlässt? Sie ist ja doch in den Stasiakten als Informantin. Oder war nur bei den Russen? Auf jeden Fall könnte ich mir denken, dass sie nicht so ganz sicher sein könnte.


    Im Nachwort erwähnst Du, wie sehr Dich das Schicksal der Wolfskinder berührt hat, liebe Claire. Könnte das ein neues Thema für Dich werden? Ich erwähne es auch noch mal, dass ich es sehr genossen habe, dass wir in einer Zeitlinie geblieben sind. Ich fand diese Geschichte war auch deshalb so intensiv, weil sie sich Schritt für Schritt entwickelt hat ohne Ausblicke in die Zukunft. ;)

    Wenn ich zu denen keinen Zugang habe, dann gefällt mir auch meist das Buch nicht so.

    Mir geht es auch so. Wobei die Figuren nicht lieb und nett sein müssen - oder so gut wie Max. Ich hatte auch schon jede Menge Antihelden die fies oder egoistisch waren und die ich trotzdem mochte. Und ich "mag" sogar die Bösewichte, solange sie nur "gut gemacht" sind. Also Markow ist schon furchterregend. :anbet:

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    Ihr Lieben,


    es ist zwar noch eine Weile hin, aber Susanne Goga und ich haben für ihr neues Buch "Das Geheimnis der Themse" eine Leserunde angedacht. Für alle Fans von "Der verbotene Fluss" sei gesagt, es ist eine Fortsetzung. :freu: Mit Charlotte und Tom. Aber sicherlich können auch Quereinsteiger das Buch gut lesen - wie alle Bücher von Susanne. Wer hätte denn Lust mitzumachen? Den Starttermin haben wir noch nicht genau festgelegt, weil wir ja noch etwas Zeit haben. Es erscheint am 8. Februar 2021.


    Aber Vorfreude ist doch auch schön, deshalb wollte ich es hier schon mal kommunizieren.

    Wir bekommen ein paar Freiexemplare gestellt. Bitte gebt an, wofür ihr euch bewerbt. TB oder ebook (mit Format). ;)


    Leserundenstart: 12.02.21


    Heimfinderin

    odenwaldcollies

    Tiara

    nicigirl85

    nirak

    Kessi69

    Sagota

    ysa




    Vielleicht hat von Euch ja jemand Interesse.


    Liebe Grüße

    Claudia


    Teilnehmerliste

    gagamaus (Taschenbuch) 12.2. okay

    Valentine (Taschenbuch) 12.2. okay

    odenwaldcollies

    nirak (Format egal)

    nicigirl85 (Taschenbuch) 12.2.okay

    buchregal123 (Taschenbuch) 12.2. okay

    Das es hier um Menschen ging und diese mit dramatischen Repressalien rechnen konnten, musste ihr aber schon klar sein. Das hat sie wohl verdrängt.

    Ja, in gewisser Weise hat sie schon völlig verdrängt, was ihre Tat zur Folge haben könnte, umso bitterer ist auch später diese Erkenntnis für sie. Ich glaube übrigens, dass wahrscheinlich viele Menschen, die in der Realität als Informanten gearbeitet haben, mit Verdrängung gearbeitet haben.

    Wahrscheinlich nicht nur die sondern allgemein viele Bürger der DDR. Das ist, denke ich, ganz allgemein bei vielen Menschen ein "Überlebenstrick". Ich schließe mich da nicht aus. In schweren Zeiten habe ich die Probleme gerne mal versucht, eine Weile zu verdrängen. Geht natürlich nur eine bestimmte Zeit aber zum Luftholen manchmal nötig. Um nicht zu verzweifeln.

    Na ja eingesperrt nicht, man konnte eben nur in die Länder reisen, die der DDR gewogen waren. Sicher ist das für uns schwer nachvollziehbar, aber wir dürfen als Deutsche nicht vergessen, dass unser Pass uns alle Türen öffnet und wir Länder aller Art bereisen können. Das ist für viele Menschen anderer Nationen nicht so, daher sollten wir das als was Besonderes werten und nicht als Selbstverständlichkeit. Und reisen kann natürlich nur derjenige, der es sich leisten kann. Ich gestehe allerdings, dass ich es sehr genieße überall hin zu dürfen und es tut einem in der Seele weh, dass das wegen Corona gerade nicht geht.

    Ich habe im Laufe der letzten 30 Jahre einige DDR-Bürger kennengelernt (vor allem auf meinen weiteren Reisen) und festgestellt, dass viel richtig exzessiv gereist sind nach der Öffnung. Im Gegensatz zu mir, die ich 20 Jahre lang vor allem in Italien und Frankreich unterwegs war, haben die wirklich die "ganze" Welt bereist, so dass ich nur staunen konnte. In den Gesprächen hatte ich das Gefühl, dass die neue "Freiheit" sie hinaus in die weite Welt getrieben hat, noch mehr als die BRD-Bürger, die das ja immer gedurft haben.


    Ja, natürlich gibt es viele Menschen, die nicht überall hin dürfen. Aber das empfinde ich schon als großen Eingriff in die Freiheit des Menschen.

    Eingesperrt ist vielleicht zu hart aber ich habe es von außen immer so empfunden. Ist natürlich total subjektiv.

    Max gefällt mir von Leseabschnitt zu Leseabschnitt immer besser. Wie cool ist das bitte, dass er sich für Goldmann einsetzt und dieser somit auch gerettet ist. Es hat mir richtig gut gefallen, dass er dem Anwalt hilft und ihn wird diese Sache sicher auch im Leben weiter bringen.

    Ich finde, Max ist ein wirklich Guter. Eigentlich mein Ritter auf dem weißen Pferd für jede Lebenslage. :) Auch deshalb finde ich, der BND passt gar nicht zu ihm.

    Ich bin ganz bei dir. Ähnlichen Mist habe ich auch durch, aber irgendwie hat mich das stärker gemacht auch wenn ich sehr lange meine Wunden geleckt habe.

    Ja, ich weiß, wovon Du sprichst. Man liest so eine Geschichte ganz anders, wenn man so was auch schon durchgemacht hat. Das ist bei Leserunden interessant, wenn auch viel jüngere Leserinnen dabei sind und unterschiedliche Lebenserfahrungen in der Diskussion "positiv aufeinanderprallen". :)

    Ich weiß nur nicht so genau ob wir da heute so viel anders sind, denn heute bestimmt statt der "vermeintlich richtigen Gesinnung"das Geld ob aus einem etwas wird oder nicht.

    Der Mensch tickt noch immer gleich. Das ist etwas, was wir aus der Vergangenheit erkennen müssen, dass die Entwicklungen wirklich winzig sind, die wir machen und nur allzu leicht wieder zurückfallen in alte Schemata.

    Menschen sind manipulierbar. Schutzlos ausgelieferte Menschen (wie Alice) sicher noch mehr. Ich finde schon, dass hier so großer Druck aufgebaut wird, dass ihr Verhalten angstgesteuert ist. Dass sie emotional erpresst wird - für mich die schlimmste Form von Manipulation und - Unterdrückung.

    Aber an das System Kommunismus glaubt sie schon. Ob das der Erziehung geschuldet ist, lasse ich mal dahingestellt. Aber anfangs ist es schon eine Mischung aus Überzeugung und leichtem Druck - der dann allerdings immer stärker wird, das stimmt natürlich.

    Ich dachte ihr liegt mehr an ihrere Schwester, Max und dessen Freundin, auch wenn sie in politischen Meinungen nicht übereinstimmen. Egal was Markov und Sergej von ihr verlangt haben.

    Das dachte ich auch. Ihre Hemmschwelle war da nicht besonders hoch.

    Ich stelle mir das auch ganz schrecklich vor, wenn man auf einmal niemand mehr trauen kann und ständig auf der Hut vor allem und jedem sein muss. Wobei ich mir am Furchtbarsten vorstelle, dass man nicht richtig weiß, vor wem man sich vorsehen muss. Wahrscheinlich kann man es gar nicht vermeiden, dass man dabei paranoid wird.

    Das macht psychologisch sicher ganz viel mit den Menschen. Das stelle ich mir auch furchtbar vor.

    Am Ende muss dennoch jeder für sein Handeln gerade stehen. Und das Notizbuch zu stehlen war schon eine Tat, die sie nicht hätte machen müssen.

    Ja, das stimmt absolut - und das ist für mehrere Figuren in diesem Roman, auch etwas, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen und ihnen zu schaffen macht. Wobei Alice natürlich nicht ahnt, wie brisant die Informationen in diesem Notizbuch wirklich sind ...

    Das es hier um Menschen ging und diese mit dramatischen Repressalien rechnen konnten, musste ihr aber schon klar sein. Das hat sie wohl verdrängt.

    Und immer hängt über allem der vor ihnen liegende Mauerbau, vom dem unsere Protagonisten noch nichts wissen. Ich darf gar nicht daran denken, wenn es soweit ist, das wird noch zu dramatischen Szenen führen. Dann ist es vorbei mit "Aber ich kann jederzeit nach West-Berlin fahren, wenn ich will."

    Ja, das habe ich beim Lesen auch immer im Hinterkopf gehabt. Das musste Claire gar nicht erwähnen, das war sehr präsent. Ich dachte auch, dass es sehr interessant ist darüber zu lesen, wie sich die Abkapslung langsam aber unaufhaltsam vollzog. Und wie die DDR-Bürger sich emotional immer entfernten von den BRD-Bürgern. So was ist für Psychologen sicher ein "tolles Feld zum Forschen". Ein Paradebeispiel, wie Menschen ticken, wenn man ihnen von Oben falsche Propaganda vorsetzt und sie versuchen, emotional mit Mangel und Unterdrückung umzugehen. Irgendwie "faszinierend". =O

    Mensch, ich werde schon ganz misstrauisch und unterstelle auch Alice, dass sie von Grigorjew und Sergej zum Bespitzeln angewiesen wurde

    Bei Alice frage ich mich immer, würde ich sie als Mitläuferin sehen? Wie viel steckt in ihr selber drinnen? Einfach alles nur Sergej oder Grigorjew in sie Schuhe zu schieben ist mir fast zu einfach.

    Und dann die Entführung von Haushofer, wer steckt nun tatsächlich dahinter? Hat seine Entführung etwas mit dem Preis zu tun, den er gezahlt hatte, dass er früher wieder aus Moskau zurück durfte? Evtl. sollte er in den Westen fliehen, damit er dort für die Russen spionieren kann. Aber wie passt dann seine Entführung dazu? Hat er sich nicht an die Vereinbarung gehalten?

    Ich denke, Haushofer ist wirklich geflohen, aber er weiß einfach zu viel - vor allem über die Russen.


    Ich finde es übrigens toll, dass wir hier ehemalige DDR-Bürgerinnen in der Runde haben, die aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz berichten. Das gibt dieser Runde nochmal eine ganz besondere Dimension. :)

    Ich finde es zudem wichtig, dass ein Kleinkind seine Mutter viel sieht und Kontakt hat: Die ersten drei Lebensjahre sind für ein Kind prägend; daher habe ich auch 3 Erziehungsjahre eingelegt - und hätte mir beim besten Willen gar nicht vorstellen können, nach 6 Monaten wieder zu arbeiten

    Meine jungen Kolleginnen begrüßen es, dass sie, wenn sie es möchten, schnell wieder in den Beruf einsteigen können. Zumindest in Teilzeit. Ich fand es auch toll, nach der Elternzeit - die war bei der Geburt meiner Söhne 15 Monate - wieder in Teilzeit anfangen konnte. Dank Großeltern und später Kindergarten war das problemlos möglich. Dass dies in der DDR schon früh möglich war, hatte natürlich andere Gründe aber pinzipiell finde ich es schon gut, wenn die Möglichkeiten da sind. Ob man sie in Anspruch nimmt, darf man ja selber entscheiden. Und ich denke, wichtig für die Bindung von Eltern und Kind (auch zum Vater) ist nicht unbedingt die Menge der Stunden sondern die Intensität und die Nähe, die in der verbrachten Zeit aufgebaut wird und dass die Kinder sich auf ihre Eltern immer absolut verlassen können und so das Urvertrauen bewahren. Das ist wohl auch das Problem bei Alice, dass sie im tiefsten Innern das Gefühl haben musste, von ihrer Mutter im Stich gelassen zu sein und dass im Heim keine Nähe zu anderen und kein Urvertrauen entstanden ist. Und damit hat Alice jezt zu kämpfen. Weil sie sich immer noch alleine fühlt und erkennen musste, dass auch Sergej ihr nicht in allem die Wahrheit gesagt hat und sie ihm nicht 100 % Vertrauen kann.

    Übelst, dass Alice ihre eigene Schwester ausspionieren soll, sie ist lediglich ein Werkzeug - eine einfach inhumane emotionale Erpressungsmethode Markovs, der für den KGB steht. Sergej ahnte es immer, dass sie ihre "Dankbarkeit" eines Tages zeigen muss - er kennt das System. Alice erkennt nun den Einfluss, den Sergej auf sie hatte und beginnt, einiges mit anderen Augen zu sehen, sie ist kritischer geworden! Ob sie es ernst meint, als sie zu Emma sagt, sie trüge sich mit dem Gedanken, "rüberzukommen"? So ganz eindeutig kann ich sie einfach nicht einschätzen..

    Das ist die Frage. Ist sie nur ein Werkzeug? Wer ist dann der "Schuldige". Ist Sergej auch nur ein Werkzeug? Und wer was, was Markow in seiner Jugend/Kindheit alles erleben/erfahren musste. Trifft ihn vielleicht auch keine Schuld, schließlich tut er ja vielleicht aus Vaterlandsliebe?


    Natürlich möchte ich nicht in Alice`Haut stecken und mich entscheiden müssen. Und ich hätte sicher auch fürchterliche Angst vor den Russen, aber zwischendrin hatte sie schon auch die Möglichkeitt, sich anders zu entscheiden. Und ganz frei sprechen kann ich sie nicht, von Verantwortung. Da bin ich Julius näher, der sich sogar Vorwürfe macht, weil er die Häscher vielleicht auf die Spur zu seinem Freund gebracht hat. Am Ende muss dennoch jeder für sein Handeln gerade stehen. Und das Notizbuch zu stehlen war schon eine Tat, die sie nicht hätte machen müssen.

    Ich habe mich - nicht nur während der Arbeit an diesem Buch - oft gefragt, wie man sich fühlen muss, wenn man so etwas tut und erfährt, welche Konsequenzen daraus für andere Menschen entstanden sind. Natürlich gab es auch Überzeugungstäter. Im Buch wäre Margot sicher so eine Person gewesen, aber viele haben ja als Informanten gearbeitet, weil sie selbst gezwungen und unter Druck gesetzt wurden.

    Alice hat sich wohl verobten genauer darüber nachzudenken, was mit ihren Informationen gemacht wird. Sie hat sich vor sich selber damit herausgeredet, dass sie ja nur die Wahrheit erzählt und im Falle de Notizbuches ja den Staatsfeind verrät also nach ihrer Regierung nur Gutes für ihr Land tut. Ich denke, sie redet sich selber heraus und schiebt die Verantwortung auf Markow und die anderen. Anfangs war sie ja mehr eine Mitläuferin und so sieht sie sich immer noch aber eigentlich ist sie jetzt schon eine Täterin.

    Nicht nur Emma kann den Inhalt des Briefes von Julius nicht glauben: Ich auch nicht!! Entweder wurde er dazu gezwungen - oder er will sie nicht belasten?


    Sein Verhalten ist für mich nicht nachvollziehbar, dahinter steckt etwas anderes - und Emma tut mir so entsetzlich leid!

    Also ich war sofort der Überzeugung, dass er sich hat anwerben lassen. Alles andere würde für mich keinen Sinn ergeben. Ja, Claire versucht uns erst mal nichts zu verraten, aber zwischen den Zeilen habe ich für mich rausgelesen, dass er Theater spielt und nicht plötzlich treuer Kommunist geworden ist. Außerdem heißt der Abschnitt Lügen. Alice lügt und Julius auch.

    Also mit den meisten Entwicklungen hätte ich so nicht gerechnet. Vor allem, dass Julius für die Spionage Emma aufgibt. Puh, das finde ich heftig. Nachdem ich selber vor nicht allzu langer Zeit ähnliches mitgemacht habe (also natürlich nicht, dass der Kerl wegen Spionage gegangen ist :S) konnte ich nur zu gut nachvollziehen, wie sie sich fühlt. Und kurz darauf hat auch noch Alice den Kontakt abgebrochen - eigentlich aus dem gleichen Grund. Wegen Spionage. Und Emma ahnt von nichts - also erst mal. Sie tut mir unendlich leid. Gut dass sie Max hat, der sie rausholt aus dem schwarzen Loch.


    Julius hmm, dass er sich zu so einem perfekten Spion entwickelt, hat mich dann doch überrascht. Ist natürlich ein Prozess gewesen, vom relativ unpolitischen Menschen zum Agenten. Aber dass er den Parteikonformen so überzeugend spielt, das ist sicherlich schwer. Sich da nie zu verplappern, das würde mir schwer fallen. Man muss ja all das Schlucken, was man eigentlich denkt. Gesund ist das doch nicht. Ob es wohl Studien gibt, was jahrelange Spionage mit einem Menschen macht. :/ Wäre ein interessantes psychologisches Thema. An Alice sieht man ja, dass es sie schleichend zermürbt und krank macht. Was hält Alice nur in der DDR. Weder hat sie einen Menschen, der ihr nahe steht (ich lasse Sergej jetzt mal außen vor) noch ist sie glücklich in diesem Regime. Und den Menschen, der ihr am nächsten steht, die Schwester, musste sie erst belügen und jetzt verstoßen. Ich erkläre mir das vor allem mit ihrer Angst vor dem KGB. Die lähmt sie und macht sie willfährig. Vor Alice hab ich richtig Angst inzwischen. Wenn sie jetzt Julius nahe kommt, dann ist früher oder später auch der in Gefahr. Sie wird ihn verraten, fürchte ich.


    Dass die DDR sich unter dem Dekmäntelchen Kommunismus wie eine Diktatur aufführt, das kommt einem ja auch aus heutiger Sicht bekannt vor. Aber dennoch war das schon etwas besonderes, dass die Menschen richtig gehend eingesperrt wurden. Mitten in einem freien Europa. Verrückte Sache im Rückblick. Dass sie Russen sich zwar Sorgen gemacht haben, weil Hunderttausende in den Westen geflüchtet sind, aber niemand auf die Idee kam zu sagen, die Menschen dürfen frei entscheiden, wo sie leben wollen. Nein, die DDR-Bürger haben gefälligst nicht abzuhauen. Menschenrechte werden mit Füßen getreten und nur, weil die Russen sie als Puffer und Stachel der westlichen Nationen brauchten, wird Jahrzehnte zugeschaut. Ich bin ja mit der DDR aufgewachsen und kannte es nicht anders. Im Rückblick ist es unvorstellbar, wie so etwas so lange so gut funktionieren konnte.


    Und dann sieht Emma Alice und Julius zusammen. Oh Mann, wie ätzend. Ein erneuter Tiefschlag.

    Ist das Baby von Max? Alice ist ja etwas lockerer bei so etwas wie Emma. Könnte mir vorstellen, dass es eine Nacht zwischen den beiden gab. Bernd war doch schon länger abgehakt.

    Wir haben zwei Mal Anträge auf Akteneinsicht gestellt, doch es wurde nichts gefunden. Bis wir erfahren haben, dass die Akten gleich nach der Wende, von tausendenden NVA Angehörigen in den Heizhäusern verbrannt wurden. Da wurde die Angst der Stabsoffiziere und deren Untertanen zu groß als die Bilder der Stürmung der Stasi-Zentrale durch die Medien ging.

    Vielleicht ist das am Ende ja ganz gut gewesen? Ich stelle mir das sehr seltsam vor, zu erfahren, was andere Menschen über einen zusammengetragen haben ...

    Und vor allem, WELCHE Menschen das waren. =O Vielleicht ist es auch okay, es nicht zu wissen. Man behält sich von manchen Menschen vielleicht das positive Bild und behält ein Stückchen seines Seelenfriedens. :/

    Der Abschnitt heißt Konsequenzen. Und da gibt es einige heftige.


    Claire, ich finde es besonders anschaulich, wie Du schilderst, wie Julius sich stellvertretend für sicherlich ganz viele DDR-Bürger gefühlt hat. Unter Beobachung, ständig auf der Hut, in Sorge um die Angehörigen, verzweifelt, weil das Weltbild der DDR zusammenbrach mit jeder neuen Erkenntnis, was die Stasi und die Regierung mit ihrem Bürgern machten. Und man wird traurig, wenn man weiß, dass es noch 30 Jahre dauern wird, bis dieses Lügen-Kartenhaus zusammenbricht. Dass Julius als kluger Kopf schließlich erkennt, dass er in den Westen fliehen muss, ist glaubhaft erzählt und ich habe totale Angst gehabt - wie Emma - das was schief läuft. Jetzt frage ich mich natürlich, was bei diesem Verhör/Gespräch passiert.


    Das Alice tatsächlich das Notizheft stiehlt und damit so viele Spione entlarvt ist erschreckend. Aber irgendwie finde ich es auch nicht okay, dass Spione aus dem Westen in der DDR eingesetzt werden. Dieses Spionage-Ding finde ich allgemein einen kranken Ansatzpunkt. Jeder stiehlt Infos bei jedem, jeder hackt die Computer der anderen etc. Ist ja heute auch nicht anders. Menschen sind einfach schräg. Aber am Schlimmsten ist natürlich die Konsequenz, dass die Russen jetzt mehr von Alice wollen. Da kommt sie nicht mehr so einfach raus. Das wird jetzt so richtig bedrohlich für sie.


    Max will ja hartnäckig zum BND. Ob das klappt? Kais Vater will das ja unbedingt verhindern. Andererseits - ich ändere meine Meinung ein bisserl - wäre es für den BND gut, wenn auch gute Kerle dabei sind. Nicht nur ehemalige Nazis. Ich könnte mir vorstellen, dass Max es ist, der Alice Diebstahl auf die Schliche kommt. Ich denke inzwischen nicht mehr, dass die beiden ein Paar werden. Aber sie sind auf dem Weg Freunde zu werden. Ich hoffe, Alice zerstört nicht alles Vertrauen. Sie muss sich jetzt Unterstützung holen. Sonst gerät sie so richtig in die KGB-Fänge.


    Besser hätte léCarre diesen Roman auch nicht schreiben können . ^^