Beiträge von TochterAlice

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Oh, mir hat es gut gefallen, ich fand es gar nicht so schlecht, dass der Humor ab und an in den Hintergrund trat.


    Hier also Eindruck:


    Biancas Kinder samt Anhang halten eher lockeren Kontakt zu der Mutter, die in einem Alterssitz auf Mallorca haust. Soll sie sich doch ein schönes Leben machen für die letzten paar Jahre.


    Aber zu schön darf es auch nicht sein - als Sohn Steffen und Tochter Anja herausbekommen, dass es da seit neuestem so einen flotten Typen namens Wolfgang gibt und ihre Mutter sich mit ihm eine Weltreise gönnen will - da machen sie sich schnell auf den Weg nach Spanien. Schließlich steht Biancas 75ster Geburtstag bevor und den sollte man ja nicht verpassen. Und nebenbei noch die Erbschaft in trockene Tücher bringen.


    Was besonders für Hotelbesitzer Steffen ein wichtiges Anliegen ist, läuft es mit dem Betrieb doch eher schlecht als recht. Krankenschwester Anja denkt zwar auch an das Geld, doch als Krankenschwester ist ihr das Wohlergehen der Mutter mindestens genauso wichtig. Zumal Tochter Luisa, die natürlich auch mitfliegt, einen sehr guten Draht zur Oma hat und diese öfter besucht.


    Die kleine Reisegesellschaft, zu der als Vierte im Bunde noch Steffens Frau zählt, sieht sich beim Anblick von Wolfgang, dessen Hemd die behaarte Brust freilässt und der auch sonst alles dafür tut, alternde Frauenherzen zum Schmelzen zu bringen, sofort in ihrem Verdacht bestätigt. Und es kommen noch so einige Indizien hinzu....


    Ein witziger Ferien- und Sommerroman, aber einer mit Tiefe. Einer, der zeigt, dass es auf der Ferieninsel Mallorca nicht nur oberflächlich zugeht und auch hinter die Kulissen schaut. Und das nicht zu knappt. Autorin Tessa Hennig hat einen herrlich originellen Stil. Jede der Figuren ist liebevoll ausgearbeitet und lässt das Kopfkino rotieren. Ein Roman, in dem es auch um Berufswahl, wichtige Lebensziele, Demenz und Beziehungen im Allgemeinen wie auch im Besonderen geht und der trotzdem - oder gerade deswegen als Lektüre im Liegestuhl durchaus passend ist.

    5ratten

    Die Spannkraft einer Ehe

    und zwar der von Rahel und Peter Wunderlich, steht im Zentrum des Romans. Ihretwegen kommt alles so, wie es eben so kommt. Nämlich, dass sie beide beschlossen haben, gemeinsam einige Wochen in der Einsamkeit zu verbringen, um zu sehen, was bei ihnen noch da ist. Was noch so läuft. Vielmehr will Rahel das austarieren, Rahel, die Psychologin.


    Dass ihnen ein abgebranntes Haus und die erwachsenen Kinder - mit und ohne Nachwuchs - ins Gehege kommen, damit haben sie nicht gerechnet.


    Für das Ferienhaus finden sie rasch Ersatz und fahren statt nach Bayern in die Uckermark, um ihrer mütterlichen Freundin Ruth unter die Arme zu greifen und ihren kleinen Hof zu bewirtschaften, während sie bei ihrem Mann Viktor weilt, der nach einem schweren Schlaganfall in der Reha ist.


    Dort finden sie zunächst wenig Ruhe, zumal ihre Tochter Selma mit den Enkeln, vor allem aber mit ihren eigenen Problemen einfällt.


    Doch nach und nach gibt es ein Miteinander und auch ein Zueinander, das in einer Tragödie mündet, die - wie soll man sagen - zwar mit ihnen zu tun hat, aber auf eine eher mittelbare Art und Weise. Oder auch nicht.


    Wie ich es schon von Daniela Krien kenne, lässt sie Frauenfiguren auftreten, die ihre innere Zerrissenheit zelebrieren, jede auf ihre eigene Art. In diesem Fall sind es die Frauen aus Rahels Familie: sie selbst, ihre Tochter Selma, ihre längst verstorbene Mutter Edith. Im Vergleich zu "Die Liebe im Ernstfall" gelingt es der Autorin hier aus meiner Sicht deutlich besser, die verlorenen Chancen, Träume und Ideen in witzige, spritzige oder auch tiefgründige oder tragische Zusammenhänge zu stellen.


    Auch wenn dieses Thema mir auf die Dauer etwas zu anstrengend wird, habe ich dieses Buch, in dem Daniela Krien durchaus auch Humor einsetzt, recht gerne gelesen. Ich bin allerdings immer noch weit entfernt davon, es als leichtfüßig zu bezeichnen.

    4ratten

    Mir hat das Buch auch gefallen!



    Eva - eine Frau wie wir!


    Damit meine ich: wie wir alle, die wir um die fünfzig und auch ein paar Jahre älter sind. Eine, die nicht immer sympathisch rüberkommt, was aber vor allem daran liegt, dass sie sich selbst manchmal nicht mag. Und die von denen, die sie seit Jahren kennen, umso mehr geschätzt wird. Als Mutter, als beste Freundin.... und immer noch, nach einer ewig langen Zeit, als Ehefrau?


    Genau in diesem Punkt ist sich Eva überhaupt nicht sicher. Wird sie noch von ihrem Mann Johannes geliebt und begehrt. Denn nach einem schlimmen Unfall galt ihrer beider Zuwendung und ihre Fixierung vor allem der gemeinsamen Tochter Alisa, die seitdem im Rollstuhl sitzt.


    Vor allem Eva ist mit ihr untrennbar verbunden, sie kann sich gar nicht vorstellen, ohne sie zu sein. Und genau da überrascht Alisa die Eltern mit der Nachricht, dass sie in Berlin Kunst studieren will und nicht im heimatlichen München, wo alles so bequem wäre und sie weiter zu Hause wohnen könnte.


    Als sie weg ist, stürzt Eva in eine tiefe Krise, in der sie ihr Dasein als Ehefrau bezweifelt. Zu gerne würde die ehemalige Schauspielerin wieder in ihren Beruf zurückkehren. Da trifft sie bei einem Spaziergang im Englischen Garten den etwas jüngeren Lehrer Ben, der deutliches Interesse an ihr zeigt.


    Johannes ist in letzter Zeit ständig beruflich unterwegs und zwar zusammen mit einer neuen Kollegin, die sich auffallend oft bei ihm meldet. Und Eva überlegt - altes Leben? Neues Leben? Oder eine gelungene Kombination?


    Und dann - kurz vor Evas 50stem Geburtstag - entwickeln sich die Dinge wie von selbst....


    Autorin Eva Janek schreibt voller Empathie, scheut sich aber auch nicht vor Offenheit, da wo sie nötig ist. Auch wenn ich keine Chance habe, als Schauspielerin mit Eva mitzuhalten; als Frau glaube ich, dass ich, dass viele von uns ein bisschen was von Eva haben - von ihren Zweifeln ebenso wie von ihrer Erfahrung. Ein wunderschönes Buch voller Wärme, das Sie adäquat durch den Sommer begleitet!

    5ratten

    Eine Kämpferin

    Das war Emmy zeitlebens - und sie ist es noch in hohem Alter. In tiefer Armut auf einer Nordseeinsel aufgewachsen, hat sie das Schicksal schon früh nach Berlin verschlagen - und zwar als Dienstmädchen. Ihre jüngeren Geschwister wurden anderweitig untergebracht und sie sah sie niemals wieder - das war damals eben so.


    Emmy arrangierte sich sehr gut bei der neuen Herrschaft, zumal sie in der Köchin gleich von Beginn an eine Vertraute hatte.


    Eine eigene Familie gründete sie auch, auch das war nicht gerade leicht: sie hatte sich sozusagen hochgeheiratet, was mehr oder weniger dem Zufall geschuldet war - dennoch wurde es ihr zeitlebens vorgehalten, vor allem von der Schwiegermutter, für die das ein unglaublich beschämender Zustand war.


    Nach dem Zweiten Weltkrieg stand sie ohne Mann, aber mit drei Kindern da und so langsam relativierte sich das alles mit den Ständen und den Schichten.


    Und Emmy blieb, was sie zeitlebens gewesen war: bodenständig, eine gute Menschenkennerin - und denen, die es nötig hatte, war sie immer bereit, unter die Arme zu greifen. Aber eines kam gar nicht infrage: sich wie eine Weihnachtsgans ausnehmen zu lassen.


    Deswegen sollte ein Teil ihrer Kinder auch ganz schön ins Staunen kommen, als es um die Verteilung der Besitztümer ging.


    Ein spannender Roman, in dem es aus meiner Sicht teilweise zu verwegen zugeht. Aber oft ist das Leben ja um einiges überraschender als jeder Roman - daran musste ich immer wieder denken in diesem Roman, der die Stärke der Frau feiert.


    Nicht jeder Frau natürlich, sondern nur der, die Herz und Verstand an der richtigen Stelle hat. Das wird in vorliegendem Roman immer wieder und in jeder Generation deutlich!

    4ratten

    Mir hat es insgesamt besser gefallen, auch wenn ich Eure Einwände sehr gut nachvollziehen kann.


    A wie Alexandra


    Das ist sie: das Mädchen Alexandra, das sich Lex nennt und im Alter von fünfzehn Jahren einem unglaublichen Martyrium entfloh - einem, das nicht nur ihr, sondern auch den Girls B und C und den Boys A bis D zugefügt wurde, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Wobei die Kinder sich auch altersmäßig sehr unterschieden: hatte Lex noch einen älteren Bruder, war hingegen Boy D, der kleine Noah, erst zehn Monate alt.


    Angeketten verbrachte Lex die Tage und auch die Nächte im Zimmer gemeinsam mit ihrer Schwester Evie (Girl C).


    Jahre später stirbt die Mutter im Gefängnis und hinterlässt Lex einen Grund, zum Ort des Martyriums zurückzukehren. Von wo sie und die Geschwister nicht nur seelische, sondern auch körperliche Narben mitbrachten. Und mehr.


    Doch lesen Sie selbst - bald schon werden Sie merken, dass dies kein üblicher Krimi ist. Die Autorin spielt mit Sprache und Stilmitteln, wobei ich das meiste als positiv empfand, eines jedoch nicht: das Ausblenden und die Lücken verschiedenster Art. Davon gab es aus meiner Sicht zu viele, sie verwirrten und irritierten mich.


    Ansonsten empfand ich den eher zurückhaltenden, nur an ausgewählten Stellen ausführlichen Stil als angenehm und passend, sofern man das in Bezug auf so ein schmerzliches Thema sagen kann.


    Insgesamt ein lesenswerter, wenn auch befremdlicher Roman. Ich muss sagen, ich war froh, dass er mich an vielen Stellen befremdet hat - wenn es nicht so wäre, hätte ich begonnen, mir über mich selbst sorgen zu machen!

    4ratten

    Vermisst in Sankt Peter Ording

    wird Nina Brechtmann, eine Umweltaktivistin, die ihre Überzeugung sowohl privat als auch beruflich auslebt. Damit stellt sie sich gegen ihre Familie (jedenfalls aus deren Sicht), die die bauliche Erweiterung ihrer Hotelkette plant: durch nicht nur einen Riesenbau direkt am Meer. Mutter und Schwester reagieren bei Befragungen höchst merkwürdig, aber sie sind nicht die Einzigen.


    Und das Ermittlungsteam muss sich auch erst zusammenraufen, besteht es doch aus dem frisch ernannten Dienststellenleiter Hendrik Norberg und aus Anna Wagner, einer Expertin für Vermisstenfälle, die gerade erst aus Bayern an die Nordsee gezogen ist. Und beide haben privat nicht gerade kleine Päckchen zu tragen!


    Dazu kommt, dass auf der Dienststelle nicht nur einfache Charaktere tätig sind. Autorin Svea Jansen gelingen besonders die Personendarstellungen sehr gut, was bei einem Krimi, der vor allem durch seine Figuren getragen wird, ebenso wichtig wie lobenswert ist.


    Es kommt auch ordentlich Spannung auf, denn es gibt zahlreiche potentielle Täter, wie Anna und Hendrik nach und nach herausfinden. Ein schöner Krimi, dem ein paar Nebenschauplätze weniger nicht geschadet hätten - so wurde es stellenweise recht unübersichtlich.


    Insgesamt jedoch habe ich diesen ersten Fall des Teams von Schleswig Holsteins Nordseeküste sehr genossen und freue mich schon auf den nächsten Band mit Hendrik und Anna!

    4ratten

    Mir hat das Buch auch ganz gut gefallen, aber uneingeschränkt begeistert bin ich nicht


    Nicht WER, sondern WARUM


    Die Mörderin Anna Kiel ist seit Jahren auf der Flucht. Sie hat einen jungen, reichen Schnösel ermordet und zwar so richtig kaltblütig. Dass sie es war, ist unzweifelhaft. Aber warum nur hat sie diese Tat begangen?


    Vielleicht ein Auftragsmord? Denn niemand kann sich eine Verbindung zwischen ihr, einem völlig unbeschriebenen, auch unscheinbaren Blatt aus bescheidenen Verhältnissen zu ihrem Opfer Christopher Monning, Sohn eines der reichsten Männer Dänemarks und erfolgreicher Anwalt in einer der besten Kanzleien des Landes, erklären.


    Ausgerechnet diese Frau tritt per Brief in Kontakt zu Heloise Kaldan, einer jungen, durchaus erfolgreichen Investigativjournalistin, die sich allerdings nicht mit Kriminalfällen beschäftigt. Und es bleibt nicht bei einer Nachricht. Heloise, die bislang nichts mit dem Fall zu tun hatte, ist ratlos: warum gerade sie?


    Obwohl es nicht ungefährlich ist, beginnt sie zu recherchieren: und stößt nicht gerade auf offene Türen. Bei Kommissar Erik Schäfer hingegen, der von Amts wegen mit dem Fall betraut ist, findet sie offene Ohren. Denn auch er hat nach Jahren des Stillstands neue Hinweise erhalten... Und es wird allmählich immer deutlicher, dass es wichtig ist, herauszufinden, WARUM Anna Kiel den Mord begangen hat. Zumal weitere Leichen den Weg säumen, die definitiv nicht auf das Konto von Anna Kiel gehen.


    Ein packender Thriller, aus dem man mehr hätte rausholen können. Obwohl er auch so spannend ist und gerade die Hauptfiguren nicht schlecht gezeichnet sind. Sowohl Heloise als auch Erik Schäfer sind echte Typen mit Wiedererkennungswert. Es hapert an Details und Übergängen, finde ich, doch das sind eher Kleinigkeiten.


    Insgesamt hat mir dieser Thriller richtig gut gefallen, obwohl es gerade auf der emotionalen Ebene ganz schön heftig zugeht. Oder vielleicht eben deshalb. Nun, ein wenig tiefgreifender kann es durchaus noch werden, doch dies ist der erste Krimi der Autorin und damit ganz klar noch ausbaufähig.

    4ratten

    Eine, die nicht zum Zuge kommt

    Das ist Kim Jiyoung, die in Seoul, der Hauptstadt von (Süd)Korea aufwächst, Wünsche, Pläne und Ideen für die eigene Zukunft hat. Worin sie durchaus von den Eltern unterstützt wird.


    Sie wollen nicht, dass ihre Tochter lediglich ins System eingefügt wird, sondern ihr Leben so gestalten kann, wie sie selbst es sich vorstellt. Vor allem ihre Mutter, die selbst nicht so konnte, wie sie wollte, steht hinter ihr.


    Obendrein ist die junge Frau klug und geistig rege - also sind alle Voraussetzungen gegeben, dass aus ihr etwas wird. Etwas, das sie selbst befriedigt und erfüllt - ein Leben lang.


    Doch in Korea ist das bis heute für Frauen fast unmöglich, wie uns an Jiyoungs Beispiel exemplarisch vorgeführt wird - in ihrem überaus lakonischen Stil lässt die Autorin keinen Zweifel daran, dass es tatsächlich so ist.


    Kim Jiyoung scheitert spät, aber sie scheitert. Obwohl sie sogar einen Mann gefunden hat, der hinter ihr und ihren Vorstellungen steht - auch das alles andere als eine Selbstverständlichkeit.


    Die Autorin Cho Nam-Joo hat hier nicht nur einfach einen Roman verfasst, dieses Buch ist ein gesellschafts- und sozialpolitisches Statement, eine kraftvolle Stimme im Wunsch nach Neupositionierung, Neuregelung der gesamten Gesellschaftsstruktur Koreas. Ein sehr, sehr wichtiges Buch, das meiner Ansicht nach auch in die Kategorie Streitschrift einzuordnen ist.


    Die Autorin hat damit auf jeden Fall einen eindrucksvollen Fuß- bzw. Fingerabdruck in der Weltliteratur gesetzt - man wird sehen, welche Kreise er in anderen Bereichen ziehen wird!

    4ratten

    Ich fand es toll, aber ich mag den Stil von Theresa Prammer generell sehr gerne!


    VerLOCKend?


    Nein, verlockend ist für Toni gerade absolut gar nix im Leben. Hat ihr Traummann sie doch ausgeraubt und sich sang- und klanglos abgesetzt.


    Und dabei geht es nicht um Kleinkram, sondern um das gesamte Vermögen der Großmutter - einige Hunderttausende Euro und dazu noch Schmuck. Sie steht vor dem Nichts, dabei muss sie doch weiterkommen in ihren Schauspielstudien.


    Egal, erstmal muss das Geld wieder her und Toni hat auch schon eine Idee, wie: Mithilfe eines Detektivs. Zufällig gerät sie an Edgar Brehm, der sie allerdings ohne Geld nicht als Klientin annehmen will - irgendwie logisch, oder?


    Bei ihrem Abgang hört Toni zufällig, wie die Gattin eines, nein: des berühmten Filmemachers Alexander Steiner Brehm einen Auftrag gibt, bzw. auf dem besten Weg dazu ist: er soll ihren Gatten der Untreue überführen.


    Eines kommt zum anderen: auf jeden Fall sieht sich Toni irgendwann als Brehms Assistentin, genauer gesagt: als Lockvogel - im Gegenzug will Brehm den diebischen Galan dingfest machen.


    Auch wenn die beiden aus unterschiedlichen Welten kommen und sich als Team erstmal finden müssen, sind sie in gewisser Hinsicht einfach unschlagbar: nämlich als literarische Unterhaltung.


    Theresa Prammer beweist einmal mehr, dass sie im Genre Krimi mit Humor die Nase vorne hat - aber sowas von! Ich liebe die von ihr entworfenen Charaktere, die immer für eine Überraschung gut sind, aber auch im Hinblick auf Setting und Abläufe wird hier einiges geboten.


    Ich gebe zu, dass Fans harter Thriller hier möglicherweise nicht ganz auf ihre Kosten kommen - aber falls sie mal was ganz anderes lesen möchten, ist dies auch für sie möglicherweise ein Lesespaß! Ich empfehle ihn jedenfalls uneingeschränkt!

    5ratten

    Das Haus des Grauens

    Es ist schon sehr lange in Familienbesitz, wenn auch mit Unterbrechungen: es gehörte zunächst Familie Watts, dann deren Tochter Patty Watts, danach gab es eine kleine Unterbrechung und anschließend kaufte deren Tochter Rose Gold Watts es zurück und holte ihre Mutter Patty zu sich.


    Und zwar aus dem Knast, wo sie ihretwegen saß. Sie hatte nämlich Rose Gold von klein auf eingeredet, sie sei schwerstbehindert, könne nicht laufen, nicht lernen, sie könne nichts essen und Haare würden ihr auch nicht wachsen.


    Alles totaler Humbug, was Rose Gold aber erst nach Jahren feststellte. Und ihre Aussage brachte die Mutter Patty ins Gefängnis, für ganz fünf Jahre.


    Warum dann war Rose Gold anschließend bereit, ihr Leben - und das ihres kleinen Sohnes Adam - mit Patty zu teilen, die sich im Übrigen nie einer Schuld bewusst war.


    Zunächst weiß man gar nicht, was auf den Leser zukommt, wenn man damit beginnt, dieses überaus heftige Buch zu lesen. Es ist keine schöne Lektüre, schon gar nicht eine, bei der es dem Leser warm ums Herz wird.


    Ganz im Gegenteil, mir ist es wieder und wieder kalt den Rücken hinunter gelaufen.


    Also Obacht: es kann sein, dass es Ihnen nach dieser Lektüre nicht sehr gut geht. Sie erfordert viel Mut - und, wie ich meine - ein ausgeglichenes, offenes Gemüt, das sich nicht so leicht erschüttern lässt. Denn sie ist extremst verstörend und dieses ungute Gefühl, dieser Schrecken, hallt auch noch nach, lange nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat.


    Also: kein schönes Buch. Eigentlich ein grauenhaftes. Aber ein sehr gut geschriebenes. Autorin Stephanie Wrobel weiß genau, worauf sie hinauswill und was sie ihren Lesern antut. Ob sie das dazu gehörige Risiko kennt, dessen bin ich mir nicht so sicher. Denn - so sehr ich die Qualtät dieses Buches zu schätzen weiß, ich werde so schnell keinen weiteren Band aus ihrer Feder mehr in die Hand nehmen - zu bedrohlich erscheinen mir die Folgen.


    Dennoch, wenn Sie richtig heftige Psychothriller mögen, die lange nachwirken, dann ist dies mit Sicherheit die richtige Lektüre für Sie!3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Die Familie Langbein ist als Spielzeughersteller tätig - wie so viele Bewohner der Stadt Sonneberg im schönen Thüringen. Nachdem der Familienbetrieb immer erfolgreicher wird, wagt das Ehepaar Alfred und Miene Langbein den Schritt zur Gründung einer eigenen Firma. Einer Firma, die sie vor dem Ersten Weltkrieg so richtig reich macht, dann jedoch, der Weltschichte geschuldet, wieder abstürzen lässt.


    Es folgt die unruhige Zeit der Weimarer Republik, doch mit Unterstützung der Kinder gelingt es, die Firma zu halten, selbst im Nachkriegdeutschland, also in der DDR, sind Sohn Otto und dessen Frau Flora zunächst die Chefs.


    Erzählt wird auf zwei Ebenen - aus der Perspektive von Eva, der Urenkelin der Firmengründer erfolgt die Schilderung der Gegenwart, in der sie sich zusammen mit Cousin und Cousine des Familienerbes annimmt.


    Der Leser erkennt, dass diese kleine persönliche Welt alles für die Familie. Es ist ihr ureigenes kleines Imperium, mit dem sie aufsteigen und sinken, sich aber nicht unterkriegen lassen!


    Ja, die Autorin Kati Naumann hat erneut eine Familiengeschichte der besonderen Art erschaffen; eine, die mich zutiefst berührt und gleichzeitig bestens unterhalten hat - und zwar auf hohem Nivau. Zudem taucht die Autorin so richtig tief in die Geschichte der thüringischen Kleinstadt Sonneberg ein, die eng mit der Entwicklung der deutschen Spielzeugindustrie verknüpft ist. Zudem nimmt Sonneberg eine besondere Stellung in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein, da es durch seine unmittelbare Lage an der deutsch-deutschen Grenze im Sperrgebiet lag. Diese Umstände hat die Autorin einfühlsam in ihren Roman eingebaut und damit ein Gesamtwerk, nein: ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das runder nicht sein kann. Wer einen richtig, richtig schönen und stimmigen historischen Roman zur neuesten deutschen Geschichte lesen möchte, der ist hier ganz und gar an der richtigen Adresse!

    5ratten

    Lucy und Rebecca


    Lucy, die mit Freunden ein überaus erfolgreiches Start-Up für Computerspiele der besonderen Art aufgebaut und Rebecca, Physiotherapeutin in Elternzeit, sind ein Ehepaar, das einander sehr zugetan ist. Doch schnell wird klar: hier gibt Rebecca den Ton an. Lucy ist ihre erste gleichgeschlechtliche Partnerin, sie wurde und wird zudem noch von Männern umschwärmt. Ja, Rebecca ist ein Schuss, der sich den/die Partner*in aussuchen kann und entsprechend tanzt Lucy nach ihrer Pfeife, auch wenn sie sich dessen nicht unbedingt bewusst ist.


    Aber: Rebecca wollte ein Kind. Sie hat jetzt eine Tochter. Sie wollte nicht mehr in Hamburg, sondern in Rerik an der Ostsee leben, obwohl das Lucy, die in Hamburg arbeitet, Umstände macht. Beides hat sie erreicht und genießt nun ihr zurückgezogenes Leben mit Kind.


    Bis auf einmal eine Frau, die sie unter ganz besonderen Umständen kennengelernt und mit der sie sich angefreundet hat, spurlos verschwunden ist. Und bald darauf passiert noch was viel, viel Schlimmeres. Und es bringt Verbindungen mit sich, an die niemand auch nur zu denken wagte.


    Petra Johann hat hier einen sehr ungewöhnlichen Thriller geschaffen: mit sehr charismatischem Personal. Die Entwicklungen waren für mich nicht immer klar und schlüssig nachzuvollziehen, dennoch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen! Für Thrillerfreunde, die einen Sinn für Abgründe im Alltag haben, genau die richtige Lektüre!

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Ich fand das Buch eher so mittel:


    Eher ein Krimi als ein Thriller ist dieser erste Fall der Münchner Ermittlerin Katja Sand, die dabei ist, sich sowohl gegenüber ihrem Vorgesetzten als auch ihrem Assistenten zu positionieren, so mein Eindruck. Jedenfalls gerät sie an zwei Tote, von denen einer im See ertrunken, der andere im Kühlschrank erstickt ist.


    Bei beiden käme Suizid in Frage, doch Katja ist überzeugt, dass das nicht zutrifft. Die Spur führt auf ein Marineschiff und auf eine dort vergewaltigte und gefolterte junge Frau. Wie hängt das alles zusammen, kann es überhaupt passen oder gibt es doch noch ein paar Umwege?


    Insgesamt ein gefälliger Krimi, allerdings mit ein paar Längen. Trotzdem, das Team aus Katja Sand und ihrem Assistenten Rudi Dorfmüller scheint sympathisch, auch wenn es sich noch ein wenig genauer positionieren müsste.


    Wie auch die Handlung - auch wenn es nicht unspannend war, gelang es Autor Christoph Wortberg leider nicht, mich durchgehend am Ball zu halten, dass merke ich daran, dass ich bereits kurz nach Abschluss der Lektüre beginne, bestimmte Details zu vergessen....

    3ratten

    Diesmal war aus meiner Sicht - wie von Valentine erwähnt - die Umsetzung des Themas aus meiner Sicht nicht der große Wurf:


    Das Leben noch mal neu leben


    Ab einer bestimmten Stelle, einer maßgeblichen Wendung im Leben alles noch einmal ändern, neu vorgehen - was würde dann passieren? Wer hat nicht schon mal überlegt, ob er an einem bestimmten Scheideweg im Leben nicht einen Fehler gemacht hat? Ob sein Leben nicht schöner, sinnvoller, erfüllter, glücklicher gewesen wäre, wenn er zu dem Zeitpunkt eine grundlegend andere Entscheidung getroffen hätte?


    Mit eben diesem Gedanken spielt der britische Autor Matt Haig in seinem Roman "Die Mitternachtsbibliothek": Nora Seed, eine Frau Anfang Dreißig empfindet ihr Leben als verpfuscht und in einem Moment, in dem alles schief geht, entschließt sie sich, diesem ein Ende zu setzen.


    Und findet sich nicht in der Hölle, auch nicht an der Himmelspforte, sondern in einer Bibliothek. In der sie eine alte Bekannte aus vergangenen Zeiten trifft: nämlich Mrs. Elm, die Bibliothekarin ihrer früheren Schule: einer der wenigen Menschen in ihrem Leben, der uneingeschränkt gut zu ihr war, eine, die immer das Richtige gemacht hat, selbst in der dunkelsten Stunde in Noras Leben.


    Von ihr erfährt sie, die ihre Tat zu bereuen gibt, dass es für sie eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Leben gibt: in ein anderes Leben und sie hat sogar die Wahl. Und zwar zwischen vielen, vielen Leben, je nachdem, an welchem Wendepunkt sie sich neu orientiert.


    Sie springt quasi in ein Buch und ist schwupp - an einer anderen Stelle ihres Lebens angelangt, an einer, die es in der Form nie gegeben hat. Die es aber gegeben haben könnte.


    Eine wirklich tolle Idee, finde ich. Eine, auf die nur Matt Haig kommen kann. Matt Haig, der so tolle Bücher wie "Wie man die Zeit anhält" geschrieben hat. Ich war voller Vorfreude und Erwartung und konnte nicht schnell genug an dieses Buch kommen.


    Das sich in der Tat ausgesprochen süffig las. Aber: sowohl beim Aufbau der Bibliothek als auch bei der Gestaltung von Noras zahlreichen möglichen Leben hat der Autor eine Menge Potential verschenkt. Meiner Meinung nach. Da hätte einiges mehr kommen, das Geschehene dichter gestaltet werden können. Auch so hatte ich meinen (Lese)Spaß. Aber nicht so wie erhofft, leider! Beim nächsten Haig-Roman dann wieder!

    3ratten

    Das habe ich auch gelesen! Mich hat es besonders interessiert, weil mein Vater Este war! Hier meine Eindrücke


    Estland im Herzen

    hat Charlotte auch, als sie schon nicht mehr dort leben darf. Ja, so entschieden muss das formuliert werden: die Deutschbalten konnten bei der "Heim ins Reich"-Aktion in vielen Fällen nicht im Baltikum bleiben, selbst wenn sie es wollten: sie hatten keine Wahl. Wie über die Letten, Esten und Litauer traf der Molotow-Ribbentrop-Pakt, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen, die Entscheidung über ihre Köpfe hinweg.

    Dies ist im Estland- Roman der Autorin Christine Kabus besonders klar und eindringlich dargestellt - anders als die Darstellung der Esten und ihrer Gepflogenheiten selbst. Denn in diesem Roman geht es primär um die Deutschbalten, die doch nach dem Ersten Weltkrieg eine eher kleine Rolle in den Baltischen Staaten spielten, die Esten kommen eher in Nebenrollen vor. Was ich schade finde, denn in dieser Zeit spielten sie im eigenen Land ganz klar die erste Geige.

    Aber nun zum Inhalt - 1938: Die junge Charlotte, Tochter alteingesessener adeliger Deutschbalten, verliebt sich während eines längeren Aufenthaltes bei ihrem Onkel, dem sie als Haushälterin unter die Arme greift, in Lennart, einen Esten. Ihre Eltern dürfen davon nichts erfahren, denn sie wünschen sich einen Schwiegersohn vom selben Stand. Doch das ist leichter gedacht als realisiert! Und im Erzählverlauf wird deutlich, dass es nicht nur Lennart ist, dem ihre große Liebe gilt. Nein, es ist ebenso Estland, das sie als ihr Heimatland ansieht!

    1977: Gesine lebt auf einem norddeutschen Pferdegestüt. Sie liebt Pferde und ihr Leben, das sie gerne häufiger mit Freunden genießen würde. Doch da macht ihr ihre Mutter leider einen Strich durch die Rechnung: sie soll lernen, lernen, lernen: obwohl es bis zum Abitur noch dauert. Noch schwieriger wird es, als Grigori, ein Russe, der sich während eines Auslandsaufenthaltes aus der Sowjetunion abgesetzt hat, auf dem Hof anfängt und sich zwischen ihnen eine zarte Beziehung entwickelt. Grigori erzählt ihr von seinen estnischen Wurzeln, überraschend erfährt sie, dass sie selbst auch welche hat. Wie hängt das alles zusammen?

    Ein ungewöhnlicher und mitreißender Roman, in dem vor allem der historisch länger zurückliegende, zunächst in Estland spielende Erzählstrang faszinierte. Ich habe das Buch begeistert gelesen und war zum Ende hin etwas enttäuscht, weil doch zahlreiche Erzählstränge nicht aufgelöst wurden. Dennoch empfehle ich diese Lektüre allen, die gerne mal in die Vergangenheit und da auch in unbekanntere Zusammenhänge eintauchen!

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Rule Britannia!


    Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin für die Töchter des Herzogs von York eingestellt und das sind Elisabeth, genannt Lilibet, keine andere als die jetzige Königin von England und deren jüngere Schwester Margaret, zunächst noch ein Kleinkind. Und das, wo sie eigentlich in die Slums ziehen wollte, um dort vor allem Mädchen Bildung nahezubringen.


    Doch einmal in der Herzogsfamilie angekommen, kommt sie auch nicht so leicht weg, man appelliert an ihre Treue und vor allem verfällt sie Lilibets Charme - die ist wirklich ein ganz besonderes Mädchen.


    Und bald auch nicht mehr Herzogstochter: aus ihrem schüchternen Vater Bertie wird der englische König Georg VI und aus ihrer plumpen, vorlauten Mutter die Königin. Und das bedeutet auch für sie eine große Veränderung: sie ist es, die ihren Vater auf dem Thron beerben wird.


    Wir gehen mit Marion, die von allen nur Crawfie genannt wird, und der Königsfamilie durch schwere Zeiten. Und lernen auch andere Mitglieder des Hofstaats kennen, wobei mir sehr zupass kam, dass ich ein großer Fan der Netflix-Serie "The Crown" bin - sonst wäre ich wohl das eine oder andere mal orientierungsmäßig auf der Strecke geblieben.


    War ich zunächst absolut begeistert, trat mehr und mehr die Ernüchterung ein: mir kamen einige Entwicklungen doch mehr als abenteuerlich vor. Ein guter und ausgesprochen vielversprechender Ansatz, bei dem, wie ich finde, vieles hätte eleganter gelöst werden können!

    3ratten

    Es ist auch eine wirklich lohnenswerte Lektüre, wie ich finde. Hier mein Eindruck:


    Wir begegnen hier Sidney, die sehr jung ihre Mutter Ila verlor - inzwischen ist sie Mitte vierzig und denkt immer noch an sie. Nein, es ist mehr: sie begleitet sie auf Schritt und tritt, ebenso wie ihren Vater Howard: auch er hat Ila nie vergessen und kann nicht ohne sie sein. Niemals.


    Deswegen fällt es ihnen schwer,andere Menschen in ihr Leben zu lassen. Obwohl Sidney sogar eine Lebensgefährtin hat, nämlich Ruth - aber auch vor ihr muss sie immer wieder davonlaufen, auch wenn sie nichts mehr fürchtet, als dass Ruth sie verlässt. Auch, dass Ruth sich mit ihrem Vater so gut versteht, ist ihr nicht ganz geheuer.


    Und nun steht Sidney auf einem Dach in dem Badeort St. Ives, in dem damals ihre Mutter verstarb. Will sie springen? Will sie ihr Leben beenden.


    Jedenfalls landet sie im Krankenhaus und Ruth und Howard sozusagen in den Armen einer anderen Familie, nämlich der von Maria und Belle, die mit dem ruppigen Ehemann und Vater Jon in St.Ives leben und den zweiten, den parallelen Erzählstrang bilden.


    Auch Maria lebt mit Trauer. Irgendwann vermengen sie die Schicksale beider Familien und sie sehen einander - nicht nur die Trauer, sondern auch die Gefühle: die Sehnsüchte, Träume und Bedürfnisse dahinter.


    Ein Buch, das mich langsam erobert hat, Schritt für Schritt. Ein Buch, in dem ich immer wieder zu Vergangenem zurückkehren musste, um Neues zu begreifen. Ein Buch, mit dem ich haderte, nichts anfangen konnte und das mir später doch so nahe war wie nicht viele. Ein ganz besonderer Roman in vielerlei Hinsicht. Einer, den es schwer fällt, zu begreifen, aber ebenso schwer, zu vergessen. Kein Buch für jede Leserin und jeden Leser, aber ein besonderes Buch für besondere Rezipienten!

    4ratten

    So richtig das Wasser im Mund zusammen laufen

    lässt der Anblick der delikaten Gerichte hier im Kochbuch! Sila Sahin, die mir eher nicht bekannt war, scheint ein Multitalent zu sein! Und eine ihrer Leidenschaften, nämlich die Kochkunst, trifft genau meinen Geschmack!


    Viel Gemüse, köstliche Häppchen, fantasievolle Suppen und Salate - da sind viele Grüße aus dem Orient drin, aber eben nicht nur! Sila Sahin versteht es, Geschmacksrichtungen, die zusammenpassen, zu kombinieren und nicht zuletzt, delikate Süßspeisen aufzutischen!


    Und nichts davon scheint allzu kompliziert zum Nachkochen zu sein, die paar Dinge, die ich bisher probierte wie Tomatensuppe und Mokkacreme, sind auch mir gelungen. Und ich werde dranbleiben! Denn wenn ich weder so jung noch so attraktiv bin wie die Autorin, kann ich doch zumindest ihre Kochkunst nachahmen und damit nicht nur meinen Mann, sondern auch meine Freundinnen und nicht zuletzt mich selbst erfreuen!


    Eine tolle Idee ist das Kochbuch auch als kleineres Hochzeitsgeschenk oder als Mitbringsel zu einer Hauswarming-Party!

    5ratten

    Mir hat es auch gefallen, wenn auch längst nicht so gut wie "Liebten wir"


    Neubeginn ganz anders als gedacht


    Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem Jahr Auszeit bedingt durch Henriks Affären wieder zusammengerauft, da wird durch einen Zufall klar, dass der Gute immer noch mehrere Eisen im Feuer hat.


    Swea lässt ihn mitten in der Natur stehen und macht mit dem gemeinsamen Mietwagen die Biege. Und landet bei einem zurückhaltenden, fließend deutsch sprechenden alten Herrn namens Einar und dessen Mieter Jón. Der ist noch mehr als zurückhaltend, fast furchtsam. Trotz allem, Einar nimmt sie ohne viel Fragen bei sich auf und ermuntert sie, so lange wie sie möchte, da zu bleiben.


    Allmählich kommen sich Einar und Swea näher, verbal natürlich zur und es entwickelt sich eine Art zaghaftes Vertrauensverhältnis, aus dem irgendwann gemeinsame Tangotanzabende in dem stillen Haus werden.


    In der Zeit hat sich Swea - eine Bankerin mit dem Herzen einer Künstlerin - bereits einige berufliche Standbeine geschaffen, bei denen es zunächst nur um das Finanzielle geht, bald wir daraus mehr.


    Denn Island trifft sie mit seiner ganzen Wucht tief in ihrem Herzen. Auch, wenn sie immer noch um ihre Ehe trauert und sich auch sonst von Familie und Freunden betrogen fühlt, ist sie auf eine gewisse Weise angekommen.


    Ob das so bleibt? Um das zu erfahren, ist die Lektüre dieses schönen und warmherzigen Romans unerlässlich. Obwohl ich hier lobende und positive Worte finde, muss ich zugeben - ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Denn Blazons gegenwartsliterarischer Vorgängerroman, der auch im Norden, allerdings in Finnland spielte, hatte mich tief in meinem Inneren getroffen, mit voller Wucht und hatte sich zu einem Leib- und Magenroman entwickelt, wie es nur selten ein Buch schafft. Das ist hier nicht so, dennoch empfehle ich diesen Roman, denn die Autorin schreibt mit Herz und Verstand und bringt zudem viel Spannendes über Island hinein.

    4ratten

    Schade, ich fand das Buch leider einfach nur furchtbar!


    Das Leben ist ein Fluss

    In diesem Falle ein unruhiger, zudem einer von bedingter Länge. Zumindest für Toms Eltern, seine Mutter Mona und seinen Vater Russell, der zunächst zu Monas Mörder wird, bevor er sich selbst umbringt. Übrig bleibt der neunjährige Tom - und Monas Geschwister - die gut organisierte Sonja mit dem unerfüllten Kinderwunsch, die chaotische Rose und Will, eine Art moderner Peter Pan, der nie erwachsen werden will - oder es aus Versehen einfach nicht geworden ist.

    Eigentlich werden die drei - wie ich finde, unverdientermaßen - zu den Hauptdarstellern - sie übernehmen die Verantwortung für Tom und es geht vor allem um die Gemengelage unter ihnen, um ihre Familiengeschichte, zu der ja bis vor kurzem auch Mona gehörte. Und natürlich Tom, aber der wird irgendwie zur Nebensache, obwohl es ja eigentlich um ihn geht.

    Oder zumindest gehen sollte - denn so traurig es ist, auch in der Realität wird in solchen Situationen ja das Kind, um welches es geht, zur Nebensache. Wobei das hier aber nicht oder nur am äußersten Rande problematisiert wird.

    Zudem hat die erzählte Geschichte in meiner Wahrnehmung kein Charisma, das eigentlich Bedeutsame - so empfinde ich - wird zum Randgeschehen degradiert und außerdem fehlt ihr der Pfiff. Irgendwie nicht meins. Nein, ganz und gar nicht!2ratten