Beiträge von TochterAlice

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Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Lucy und Rebecca


    Lucy, die mit Freunden ein überaus erfolgreiches Start-Up für Computerspiele der besonderen Art aufgebaut und Rebecca, Physiotherapeutin in Elternzeit, sind ein Ehepaar, das einander sehr zugetan ist. Doch schnell wird klar: hier gibt Rebecca den Ton an. Lucy ist ihre erste gleichgeschlechtliche Partnerin, sie wurde und wird zudem noch von Männern umschwärmt. Ja, Rebecca ist ein Schuss, der sich den/die Partner*in aussuchen kann und entsprechend tanzt Lucy nach ihrer Pfeife, auch wenn sie sich dessen nicht unbedingt bewusst ist.


    Aber: Rebecca wollte ein Kind. Sie hat jetzt eine Tochter. Sie wollte nicht mehr in Hamburg, sondern in Rerik an der Ostsee leben, obwohl das Lucy, die in Hamburg arbeitet, Umstände macht. Beides hat sie erreicht und genießt nun ihr zurückgezogenes Leben mit Kind.


    Bis auf einmal eine Frau, die sie unter ganz besonderen Umständen kennengelernt und mit der sie sich angefreundet hat, spurlos verschwunden ist. Und bald darauf passiert noch was viel, viel Schlimmeres. Und es bringt Verbindungen mit sich, an die niemand auch nur zu denken wagte.


    Petra Johann hat hier einen sehr ungewöhnlichen Thriller geschaffen: mit sehr charismatischem Personal. Die Entwicklungen waren für mich nicht immer klar und schlüssig nachzuvollziehen, dennoch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen! Für Thrillerfreunde, die einen Sinn für Abgründe im Alltag haben, genau die richtige Lektüre!

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Ich fand das Buch eher so mittel:


    Eher ein Krimi als ein Thriller ist dieser erste Fall der Münchner Ermittlerin Katja Sand, die dabei ist, sich sowohl gegenüber ihrem Vorgesetzten als auch ihrem Assistenten zu positionieren, so mein Eindruck. Jedenfalls gerät sie an zwei Tote, von denen einer im See ertrunken, der andere im Kühlschrank erstickt ist.


    Bei beiden käme Suizid in Frage, doch Katja ist überzeugt, dass das nicht zutrifft. Die Spur führt auf ein Marineschiff und auf eine dort vergewaltigte und gefolterte junge Frau. Wie hängt das alles zusammen, kann es überhaupt passen oder gibt es doch noch ein paar Umwege?


    Insgesamt ein gefälliger Krimi, allerdings mit ein paar Längen. Trotzdem, das Team aus Katja Sand und ihrem Assistenten Rudi Dorfmüller scheint sympathisch, auch wenn es sich noch ein wenig genauer positionieren müsste.


    Wie auch die Handlung - auch wenn es nicht unspannend war, gelang es Autor Christoph Wortberg leider nicht, mich durchgehend am Ball zu halten, dass merke ich daran, dass ich bereits kurz nach Abschluss der Lektüre beginne, bestimmte Details zu vergessen....

    3ratten

    Diesmal war aus meiner Sicht - wie von Valentine erwähnt - die Umsetzung des Themas aus meiner Sicht nicht der große Wurf:


    Das Leben noch mal neu leben


    Ab einer bestimmten Stelle, einer maßgeblichen Wendung im Leben alles noch einmal ändern, neu vorgehen - was würde dann passieren? Wer hat nicht schon mal überlegt, ob er an einem bestimmten Scheideweg im Leben nicht einen Fehler gemacht hat? Ob sein Leben nicht schöner, sinnvoller, erfüllter, glücklicher gewesen wäre, wenn er zu dem Zeitpunkt eine grundlegend andere Entscheidung getroffen hätte?


    Mit eben diesem Gedanken spielt der britische Autor Matt Haig in seinem Roman "Die Mitternachtsbibliothek": Nora Seed, eine Frau Anfang Dreißig empfindet ihr Leben als verpfuscht und in einem Moment, in dem alles schief geht, entschließt sie sich, diesem ein Ende zu setzen.


    Und findet sich nicht in der Hölle, auch nicht an der Himmelspforte, sondern in einer Bibliothek. In der sie eine alte Bekannte aus vergangenen Zeiten trifft: nämlich Mrs. Elm, die Bibliothekarin ihrer früheren Schule: einer der wenigen Menschen in ihrem Leben, der uneingeschränkt gut zu ihr war, eine, die immer das Richtige gemacht hat, selbst in der dunkelsten Stunde in Noras Leben.


    Von ihr erfährt sie, die ihre Tat zu bereuen gibt, dass es für sie eine Möglichkeit zur Rückkehr ins Leben gibt: in ein anderes Leben und sie hat sogar die Wahl. Und zwar zwischen vielen, vielen Leben, je nachdem, an welchem Wendepunkt sie sich neu orientiert.


    Sie springt quasi in ein Buch und ist schwupp - an einer anderen Stelle ihres Lebens angelangt, an einer, die es in der Form nie gegeben hat. Die es aber gegeben haben könnte.


    Eine wirklich tolle Idee, finde ich. Eine, auf die nur Matt Haig kommen kann. Matt Haig, der so tolle Bücher wie "Wie man die Zeit anhält" geschrieben hat. Ich war voller Vorfreude und Erwartung und konnte nicht schnell genug an dieses Buch kommen.


    Das sich in der Tat ausgesprochen süffig las. Aber: sowohl beim Aufbau der Bibliothek als auch bei der Gestaltung von Noras zahlreichen möglichen Leben hat der Autor eine Menge Potential verschenkt. Meiner Meinung nach. Da hätte einiges mehr kommen, das Geschehene dichter gestaltet werden können. Auch so hatte ich meinen (Lese)Spaß. Aber nicht so wie erhofft, leider! Beim nächsten Haig-Roman dann wieder!

    3ratten

    Das habe ich auch gelesen! Mich hat es besonders interessiert, weil mein Vater Este war! Hier meine Eindrücke


    Estland im Herzen

    hat Charlotte auch, als sie schon nicht mehr dort leben darf. Ja, so entschieden muss das formuliert werden: die Deutschbalten konnten bei der "Heim ins Reich"-Aktion in vielen Fällen nicht im Baltikum bleiben, selbst wenn sie es wollten: sie hatten keine Wahl. Wie über die Letten, Esten und Litauer traf der Molotow-Ribbentrop-Pakt, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abgeschlossen, die Entscheidung über ihre Köpfe hinweg.

    Dies ist im Estland- Roman der Autorin Christine Kabus besonders klar und eindringlich dargestellt - anders als die Darstellung der Esten und ihrer Gepflogenheiten selbst. Denn in diesem Roman geht es primär um die Deutschbalten, die doch nach dem Ersten Weltkrieg eine eher kleine Rolle in den Baltischen Staaten spielten, die Esten kommen eher in Nebenrollen vor. Was ich schade finde, denn in dieser Zeit spielten sie im eigenen Land ganz klar die erste Geige.

    Aber nun zum Inhalt - 1938: Die junge Charlotte, Tochter alteingesessener adeliger Deutschbalten, verliebt sich während eines längeren Aufenthaltes bei ihrem Onkel, dem sie als Haushälterin unter die Arme greift, in Lennart, einen Esten. Ihre Eltern dürfen davon nichts erfahren, denn sie wünschen sich einen Schwiegersohn vom selben Stand. Doch das ist leichter gedacht als realisiert! Und im Erzählverlauf wird deutlich, dass es nicht nur Lennart ist, dem ihre große Liebe gilt. Nein, es ist ebenso Estland, das sie als ihr Heimatland ansieht!

    1977: Gesine lebt auf einem norddeutschen Pferdegestüt. Sie liebt Pferde und ihr Leben, das sie gerne häufiger mit Freunden genießen würde. Doch da macht ihr ihre Mutter leider einen Strich durch die Rechnung: sie soll lernen, lernen, lernen: obwohl es bis zum Abitur noch dauert. Noch schwieriger wird es, als Grigori, ein Russe, der sich während eines Auslandsaufenthaltes aus der Sowjetunion abgesetzt hat, auf dem Hof anfängt und sich zwischen ihnen eine zarte Beziehung entwickelt. Grigori erzählt ihr von seinen estnischen Wurzeln, überraschend erfährt sie, dass sie selbst auch welche hat. Wie hängt das alles zusammen?

    Ein ungewöhnlicher und mitreißender Roman, in dem vor allem der historisch länger zurückliegende, zunächst in Estland spielende Erzählstrang faszinierte. Ich habe das Buch begeistert gelesen und war zum Ende hin etwas enttäuscht, weil doch zahlreiche Erzählstränge nicht aufgelöst wurden. Dennoch empfehle ich diese Lektüre allen, die gerne mal in die Vergangenheit und da auch in unbekanntere Zusammenhänge eintauchen!

    3ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    Rule Britannia!


    Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin für die Töchter des Herzogs von York eingestellt und das sind Elisabeth, genannt Lilibet, keine andere als die jetzige Königin von England und deren jüngere Schwester Margaret, zunächst noch ein Kleinkind. Und das, wo sie eigentlich in die Slums ziehen wollte, um dort vor allem Mädchen Bildung nahezubringen.


    Doch einmal in der Herzogsfamilie angekommen, kommt sie auch nicht so leicht weg, man appelliert an ihre Treue und vor allem verfällt sie Lilibets Charme - die ist wirklich ein ganz besonderes Mädchen.


    Und bald auch nicht mehr Herzogstochter: aus ihrem schüchternen Vater Bertie wird der englische König Georg VI und aus ihrer plumpen, vorlauten Mutter die Königin. Und das bedeutet auch für sie eine große Veränderung: sie ist es, die ihren Vater auf dem Thron beerben wird.


    Wir gehen mit Marion, die von allen nur Crawfie genannt wird, und der Königsfamilie durch schwere Zeiten. Und lernen auch andere Mitglieder des Hofstaats kennen, wobei mir sehr zupass kam, dass ich ein großer Fan der Netflix-Serie "The Crown" bin - sonst wäre ich wohl das eine oder andere mal orientierungsmäßig auf der Strecke geblieben.


    War ich zunächst absolut begeistert, trat mehr und mehr die Ernüchterung ein: mir kamen einige Entwicklungen doch mehr als abenteuerlich vor. Ein guter und ausgesprochen vielversprechender Ansatz, bei dem, wie ich finde, vieles hätte eleganter gelöst werden können!

    3ratten

    Es ist auch eine wirklich lohnenswerte Lektüre, wie ich finde. Hier mein Eindruck:


    Wir begegnen hier Sidney, die sehr jung ihre Mutter Ila verlor - inzwischen ist sie Mitte vierzig und denkt immer noch an sie. Nein, es ist mehr: sie begleitet sie auf Schritt und tritt, ebenso wie ihren Vater Howard: auch er hat Ila nie vergessen und kann nicht ohne sie sein. Niemals.


    Deswegen fällt es ihnen schwer,andere Menschen in ihr Leben zu lassen. Obwohl Sidney sogar eine Lebensgefährtin hat, nämlich Ruth - aber auch vor ihr muss sie immer wieder davonlaufen, auch wenn sie nichts mehr fürchtet, als dass Ruth sie verlässt. Auch, dass Ruth sich mit ihrem Vater so gut versteht, ist ihr nicht ganz geheuer.


    Und nun steht Sidney auf einem Dach in dem Badeort St. Ives, in dem damals ihre Mutter verstarb. Will sie springen? Will sie ihr Leben beenden.


    Jedenfalls landet sie im Krankenhaus und Ruth und Howard sozusagen in den Armen einer anderen Familie, nämlich der von Maria und Belle, die mit dem ruppigen Ehemann und Vater Jon in St.Ives leben und den zweiten, den parallelen Erzählstrang bilden.


    Auch Maria lebt mit Trauer. Irgendwann vermengen sie die Schicksale beider Familien und sie sehen einander - nicht nur die Trauer, sondern auch die Gefühle: die Sehnsüchte, Träume und Bedürfnisse dahinter.


    Ein Buch, das mich langsam erobert hat, Schritt für Schritt. Ein Buch, in dem ich immer wieder zu Vergangenem zurückkehren musste, um Neues zu begreifen. Ein Buch, mit dem ich haderte, nichts anfangen konnte und das mir später doch so nahe war wie nicht viele. Ein ganz besonderer Roman in vielerlei Hinsicht. Einer, den es schwer fällt, zu begreifen, aber ebenso schwer, zu vergessen. Kein Buch für jede Leserin und jeden Leser, aber ein besonderes Buch für besondere Rezipienten!

    4ratten

    So richtig das Wasser im Mund zusammen laufen

    lässt der Anblick der delikaten Gerichte hier im Kochbuch! Sila Sahin, die mir eher nicht bekannt war, scheint ein Multitalent zu sein! Und eine ihrer Leidenschaften, nämlich die Kochkunst, trifft genau meinen Geschmack!


    Viel Gemüse, köstliche Häppchen, fantasievolle Suppen und Salate - da sind viele Grüße aus dem Orient drin, aber eben nicht nur! Sila Sahin versteht es, Geschmacksrichtungen, die zusammenpassen, zu kombinieren und nicht zuletzt, delikate Süßspeisen aufzutischen!


    Und nichts davon scheint allzu kompliziert zum Nachkochen zu sein, die paar Dinge, die ich bisher probierte wie Tomatensuppe und Mokkacreme, sind auch mir gelungen. Und ich werde dranbleiben! Denn wenn ich weder so jung noch so attraktiv bin wie die Autorin, kann ich doch zumindest ihre Kochkunst nachahmen und damit nicht nur meinen Mann, sondern auch meine Freundinnen und nicht zuletzt mich selbst erfreuen!


    Eine tolle Idee ist das Kochbuch auch als kleineres Hochzeitsgeschenk oder als Mitbringsel zu einer Hauswarming-Party!

    5ratten

    Mir hat es auch gefallen, wenn auch längst nicht so gut wie "Liebten wir"


    Neubeginn ganz anders als gedacht


    Aus der gemeinsamen Islandreise mit ihrem Mann Henrik wird für Swea tatsächlich wie geplant ein Neustart des Lebens, allerdings ganz anders als gedacht: gerade wieder hatten sich die beiden nach einem Jahr Auszeit bedingt durch Henriks Affären wieder zusammengerauft, da wird durch einen Zufall klar, dass der Gute immer noch mehrere Eisen im Feuer hat.


    Swea lässt ihn mitten in der Natur stehen und macht mit dem gemeinsamen Mietwagen die Biege. Und landet bei einem zurückhaltenden, fließend deutsch sprechenden alten Herrn namens Einar und dessen Mieter Jón. Der ist noch mehr als zurückhaltend, fast furchtsam. Trotz allem, Einar nimmt sie ohne viel Fragen bei sich auf und ermuntert sie, so lange wie sie möchte, da zu bleiben.


    Allmählich kommen sich Einar und Swea näher, verbal natürlich zur und es entwickelt sich eine Art zaghaftes Vertrauensverhältnis, aus dem irgendwann gemeinsame Tangotanzabende in dem stillen Haus werden.


    In der Zeit hat sich Swea - eine Bankerin mit dem Herzen einer Künstlerin - bereits einige berufliche Standbeine geschaffen, bei denen es zunächst nur um das Finanzielle geht, bald wir daraus mehr.


    Denn Island trifft sie mit seiner ganzen Wucht tief in ihrem Herzen. Auch, wenn sie immer noch um ihre Ehe trauert und sich auch sonst von Familie und Freunden betrogen fühlt, ist sie auf eine gewisse Weise angekommen.


    Ob das so bleibt? Um das zu erfahren, ist die Lektüre dieses schönen und warmherzigen Romans unerlässlich. Obwohl ich hier lobende und positive Worte finde, muss ich zugeben - ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Denn Blazons gegenwartsliterarischer Vorgängerroman, der auch im Norden, allerdings in Finnland spielte, hatte mich tief in meinem Inneren getroffen, mit voller Wucht und hatte sich zu einem Leib- und Magenroman entwickelt, wie es nur selten ein Buch schafft. Das ist hier nicht so, dennoch empfehle ich diesen Roman, denn die Autorin schreibt mit Herz und Verstand und bringt zudem viel Spannendes über Island hinein.

    4ratten

    Schade, ich fand das Buch leider einfach nur furchtbar!


    Das Leben ist ein Fluss

    In diesem Falle ein unruhiger, zudem einer von bedingter Länge. Zumindest für Toms Eltern, seine Mutter Mona und seinen Vater Russell, der zunächst zu Monas Mörder wird, bevor er sich selbst umbringt. Übrig bleibt der neunjährige Tom - und Monas Geschwister - die gut organisierte Sonja mit dem unerfüllten Kinderwunsch, die chaotische Rose und Will, eine Art moderner Peter Pan, der nie erwachsen werden will - oder es aus Versehen einfach nicht geworden ist.

    Eigentlich werden die drei - wie ich finde, unverdientermaßen - zu den Hauptdarstellern - sie übernehmen die Verantwortung für Tom und es geht vor allem um die Gemengelage unter ihnen, um ihre Familiengeschichte, zu der ja bis vor kurzem auch Mona gehörte. Und natürlich Tom, aber der wird irgendwie zur Nebensache, obwohl es ja eigentlich um ihn geht.

    Oder zumindest gehen sollte - denn so traurig es ist, auch in der Realität wird in solchen Situationen ja das Kind, um welches es geht, zur Nebensache. Wobei das hier aber nicht oder nur am äußersten Rande problematisiert wird.

    Zudem hat die erzählte Geschichte in meiner Wahrnehmung kein Charisma, das eigentlich Bedeutsame - so empfinde ich - wird zum Randgeschehen degradiert und außerdem fehlt ihr der Pfiff. Irgendwie nicht meins. Nein, ganz und gar nicht!2ratten

    Unterhaltsam und vielseitig

    Dazu garniert mit tollen Fotos führt Uri Jeremias aka Uri Buri in die Geheimnisse der Fischküche ein - und auch, wenn diese sich in Israel um einiges von der hiesigen unterscheidet, gibt es für europäische Leser eine Menge zu erfahren, zu lernen und vor allem: nachzukochen.


    Denn nach dem mehr als ausführlichen Einführungsteil kommt die Belohnung: tolle Rezepte mit und - für mich überraschenderweise - auch ohne Fisch. Neben Fischgerichten gibt es tolle Hauptgerichte, Beilagen und sogar Nachtische zum Nachkochen. Sogar Fleischgerichte enthält das Buch, wenngleich sie eine ausgesprochen untergeordnete Rolle spielen.


    Ich habe mich von Uris Begeisterung für Fisch bereits anstecken lassen - zumal nicht nur Israel Küche darin eine Rolle spielt, sondern auch die seiner Vorfahren, von denen einige auch aus Polen stammen, also gar nicht so weit von uns entfernt und ich generell nach einem kurzen Check der Ansicht bin, dass sich da was machen lässte, nämlich gerade auch hinsichtlich der Zutaten. Ich liebe sowieso Fisch und bin sehr gespannt auf meine nach Uris Rezepten bereiteten Gerichte, wobei ich gestehen muss , dass ich mit Sicherheit nicht die Fischrezepte als erstes nachkochen werde, sondern eine Kiwisuppe zum Nachtisch! Andere Rezepte - sowohl mit als auch ohne Fisch - sind ähnliche Mischungen zwischen innovativ und vertraut und lassen mich mehr als gespannt auf weitere Versuche werden!

    5ratten

    Kluftinger, die Elfte!

    Kluftinger hat in seinem mittlerweile elften Fall seine Aufmerksamkeit einer Altlast zugewandt: vor vielen Jahren, nämlich 1985, wurde in Altusried eine junge Lehrerin, eine Zugereiste, wie man so schön sagt, ermordet. Besonders brutal: sie wurde in einem der Feuer, die am traditionellen Funkensonntag gezündet werden, verbrannt, was aber nicht die Todesursache war.


    Die besondere Tragik: ein Unschuldiger hatte dafür gebüßt und Kluftinger hatte diesem auf dem Totenbett die Aufklärung und Bestrafung des wirklichen Schuldigen versprochen.


    Die junge Frau war offenbar ein freizügiger Typ gewesen - unter anderem auch gegenüber einigen ihrer Schüler. Ob das auflösbar ist? Kluftinger hat sich wie immer mit anstrengenden Kollegen, doch diesmal auch mit einer noch nicht einzuschätzenden neuen Kollegin herumzuschlagen und dazu steht auch die Taufe des Enkels bevor! Kluftinger sieht es als seine Pflicht, seinen Gegenpart, den japanischen Großvater in der Ferne, darüber auf dem Laufenden zu halten und ihn - sozusagen nebenher - über die Gebräuche der katholischen Kirche aufzuklären. Eine Slapstickeinlage, die aus meiner Sicht nur bedingt geglückt ist.


    Ansonsten ist aber alles beim Alten, Kluftinger so unterhaltsam wie eh und je und auch sein Lieblingsfeind Dr. Langhammer ist wieder mit von der Partie. Dazu einige Flüchtlinge, die sogar als Zeugen in den Fall mit einbezogen sind - man sieht, die Autoren gehen mit der Zeit.


    Ein weiterer sehr unterhaltsamer und zeitweise spannender Fall, den ich gerne gelesen habe!

    4ratten

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    Warum ist es am Rhein so schön?

    Den Mitgliedern des Fördervereins des Frankfurter Museums Wendevogel fällt die Antwort darauf nicht schwer: am Rhein liegt die vom Künstler KD Pratt bewohnte und als Atelier genutzte Burg, die sie besuchen möchten. Sie sind in einer wahrhaft wichtigen Mission unterwegs:


    Dieser seit Jahrzehnten bekannte Ausnahmekünstler soll mit einem eigenen Museum geehrt werden. Vor der endgültigen Entscheidung sollen Künstler und Werk einer ausgiebigen Betrachtung unterzogen werden. Doch KD Pratt, seit Jahr und Tag als öffentlichkeitscheu bekannt, macht ihnen gleich mehrere Striche durch die Rechnung.


    Wer den deutschen Förder- (von egal was) und Kunstbetrieb auch nur am Rande kennt, wird einiges wiedererkennen und sich köstlich amüsieren. Denn Autor Kristof Magnusson verfügt nicht nur über Humor, sondern bietet auch die passenden (Überraschungs)Momente an den richtigen Stellen.


    Ein paar Mal war es mir etwas zu viel des Guten, aber im Großen und Ganzen war ich begeistert. Wenn Sie einen Bücherwurm erfreuen und gleichzeitig sichergehen wollen, dass das Buchgeschenk Anspruch und Unterhaltung aufs Trefflichste vereint, greifen Sie zu diesem Roman.

    4ratten

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    Ihren Willen durchsetzen

    Das will Maria, die Anfang des 20. Jahrhunderts hochschwanger ihrem Liebsten in den Orient, nämlich nach Anatolien folgt. Und sie bleibt bei Wilhelm, dem österreichischen Ingenieur, der mit am Bau der Bagdadbahn arbeitet. Heiraten werden sie aber erst nach Jahren, dann haben sie bereits drei Kinder.


    Maria - das ist eine, die ihren Kopf durchsetzen will und zwar mit Erfolg. Dass das nicht immer klappt, das lernt sie erst Jahre später - da ist sie wieder in Wien, ihre Familie in alle Winde verstreut, teilweise auch tot. Und muss erkennen, dass es nicht immer nach ihrem Kopf geht.


    Es ist aber nicht ein Roman um Maria, nein, es ist einer um die gesamte Familie Paar (ja, sie heißt wie die Autorin, die allein weiß, warum?). Es ist eine schillernde, eine bunte Geschichte, in der aber aus meiner Sicht leider nicht immer das Wichtigste erzählt wird. Manches - wie die Ankunft Marias in Anatolien - erfährt man eher so nebenher, oft sind das die interessantesten Aspekte.


    Ein Roman um den eigenen Willen, um Individualismus und um den Lauf der Welt im allgemeinen und im besonderen. Ich habe ihn gern gelesen, auch wenn ich nicht immer dem nachspüren konnte, worauf ich am neugierigsten war - hier hatten die Autorin Tanja Paar - die übrigens eindringlich und mitreißend zu schreiben vermag - und ich unsere Prioritäten leider doch sehr unterschiedlich gesetzt.

    3ratten

    Ein Sheriff der besonderen Art

    Das ist Kalmann, der in Islands tiefster Provinz lebt - bisher bei seinem Großvater, der aber inzwischen im Heim untergebracht wurde. Nun lebt Kalmann allein und seine Mutter, die in Akureyri wohnt, einer großen Stadt - naja, jedenfalls aus Kalmanns Sicht.


    Kalmann ist Jäger. Manchmal jedenfalls. Meistens fischt er nach Haien und stellt Gammelhai nach dem unschlagbaren Rezept seines Großvaters her. Auf der Jagd findet er ein riesige Blutlache.


    Die müsste eigentlich reichsten Mann der Gemeinde sein, der seit kurzem verschwunden ist. Kalmann setzt seinen Cowboyhut, den er von seinem Vater, einem Amerikaner geerbt hat, auf und beginnt zu ermitteln. Er liebt es, wenn man ihn erkennt und Sheriff nennt.


    Trotz dieser Kriterien kein Krimi, sondern ein warmherziger Roman, verbunden mit einer sozialkritischen Note, die nicht zu knapp ist. Dass ich mit ihm nicht so ganz warm wurde, liegt an den vielen Widersprüchen - sowohl in der Figur Kalmanns als auch im Handlungsverlauf. Hier wurden tolle Ideen geboren, die leider nicht ganz so toll ausgearbeitet wurden - meiner Meinung nach jedenfalls!

    3ratten

    Der geheimnisvolle Mr. Horowitz

    Das vorliegende Werk von Anthony Horowitz ist im Stil eines True Crime Falles geschrieben und der Clou - wenn man es denn so betrachten will - besteht darin, dass sich der Autor quasi als Watson neben den eigentlichen Ermittler Hawthorne, also Holmes, in die Handlung einbezogen hat. Und zwar durchaus als Hauptfigur, zumal die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt wird.


    Hawthorne, ein ehemaliger Polizist, der auch jetzt noch von dieser gelegentlich zur Unterstützung von Ermittlungen herangezogen wird, von zahlreichen früheren Kollegen aber auch als unliebsamer Nebenbuhler gesehen wird, ist einem Mordfall auf der Spur, bei dem als Täter eigentlich nur eine begrenzte Zahl von Personen infrage kommt. Ein berühmter und extrem erfolgreicher Rechtsanwalt wird ermordet, nachdem ihm die Gegnerin und Exfrau seines letzten Mandanten, eine recht bekannte Autorin, in einem Restaurant mit Wein übergossen und gedroht hat, ihm eine Flasche über dem Kopf zu zerdeppern. Das Eigenartige: genau so wird er umgebracht, nämlich mit einer Flasche Wein, allerdings einer extrem teuren, erschlagen. Doch diese Auflösung scheint.,so plausibel sie ist, doch etwas sehr einfach.


    Hawthorne wurde von Horowitz bereits in einem früheren Fall begleitet und möchte diesen nun erneut als Autor heranziehen, der seine Ermittlungen nunmehr zum zweiten Mal schriftlich verewigen und ihn bei diesen auf Schritt und Tritt begleiten soll. Horowitz tut dies recht widerwillig, zumal er mit eigenen Projekten mehr als genug zu tun hat und wird dabei mehr und mehr zum Ermittelnden - was Hawthorne nicht gerade mit Begeisterung aufnimmt. Im Gegenteil, eigenlich bezieht er ihn kaum ein, teilt seine Erkenntnisse kaum mit ihm und lässt ihn geradezu auflaufen.


    Die Figuren sind allesamt eindringlich beschrieben, merkwürdigerweise entpuppen sich jedoch eigentlich alle bei näherer Betrachtung als ziemliche Unsympathen, allen voran Hawthorne.


    Auch der Autor selbst wirkt nicht unbedingt durchgehend als Sympathieträger. ER so mutig, sich selbst öfter mal in die Rolle des Mißverstehenden, sich fehlverhaltenden, manchmal auch vorlauten Gefährten darzustellen. Wie auch immer, Leser, die unbedingt Sympathien für Romanfiguren empfinden wollen, sollten dieses Buch nicht lesen. Sie werden umsonst nach einem Charakter suchen, dem sie diese vorbehaltlos übertragen können.


    Dennoch, das Buch ist spannend, die Auflösung überraschend und ich konnte es irgendwann nicht mehr aus der Hand legen, zumal Horowitz' Stil ausgesprochen angenehm zu lesen ist. Obwohl doch so einige Handlungsstränge, vor allem die, bei denen es vor allem um Hawthrone ging, kein bisschen aufgelöst wurden. Ich nehme mal an, dies soll den Leser dazu verleiten, sich auf den nächsten Band zu freuen und diesen unverzüglich nach Erscheinen zu kaufen. Es ist ja das Schicksal von Serienlesern, dass vieles nicht ganz abgeschlossen wird, doch hier es mir des Guten doch ein wenig zu viel.

    4ratten

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    Die Zwillingsschwestern Desiree und Stella wachsen gemeinsam in einem kleinen Ort, Mallard, im Staate Louisiana auf, wo sie nur "Die Zwillinge" genannt werden. Denn gemeinsam: das bedeutet bei den beiden Mädchen - unzertrennlich.


    Dass fast weiß dennoch schwarz ist, das lernen sie früh, als ihr Vater in ihrem Beisein zu Tode getreten wird. Einfach nur so. Denn wenn einer nur fast weiß ist, kann man es mit ihm ja machen.


    Als späte Reaktion darauf verlassen die fast weißen, nun fast erwachsenen Schwestern ihr Kaff in Richtung New Orleans, wo sie eine Unterkunft finden und auch Arbeit - natürlich gemeinsam. Doch bald zeichnet sich ein unterschiedlicher Weg ab - während die kesse Desiree in der Wäscherei, in der sie beide starteten, bleibt, findet die wesentlich stillere Stella einen Job im Schreibbüro.


    Und damit trennen sich irgendwann ihre Wege - Stella nämlich gilt im Büro nicht als fast, sondern als ganz Weiße und kehrt irgendwann einfach nicht mehr zu ihrer Schwester zurück, die eine gegensätzliche Richtung einschlägt: sie heiratet den dunkelhäutigsten Mann, dem sie begegnet und bekommt eine ebenso dunkle Tochter, mit der sie eine Dekade später zur Mutter in Mallard zurückkehrt - der Mann hat sich als Schläger entpuppt.


    Ein wirklich fesselnder Roman, der gerade durch den klaren und gelegentlich distanziert erscheinenden, dann wieder emotional rüberkommenden Stil punktet. Ja, die junge Autorin Brit Bennett hat es wirklich drauf, ich muss nur bemängeln. dass einige Gewichtungen aus meiner Sicht hätten anders gesetzt sein sollen und die Zeit, in der der Roman spielt, nicht ganz klar ersichlich ist. Also rein subjektive Aspekte, die einem anderen Leser möglicherweise gerade besonders zusagen!


    Insgesamt ist dies gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehenisse in den Vereinigten Staaten ein wichtiger und eindringlicher Roman über Abgrenzung, Anpassung und Loslösung. Und über vieles mehr. Finden Sie es heraus!

    5ratten

    Ich fand es auch eher so mittel:


    Jardin sauvage - vie sauvage


    Für Landschaftsgärtner Carlo wird das Leben auf einen Schlag zum wilden Garten, ihm fehlt ganz und gar der Überblick - verlassen von Frau und Tochter, auch wenn letztere "nur" zum Studium im Ausland weilt und ihm nicht die familiäre Zugehörigkeit aufgekündigt hat.


    Und dann büxt auch noch die demente Mutter aus der Seniorenresidenz aus - wer das wie ich selbst schon mehrfach erlebt hat, weiß wie man sich dann fühlt. Wenigstens hat er eine Spur, die in ein Grandhotel führt - und dieses hat zum Erstaunen des Sohnes so einiges mit ihrer Vergangenheit zu tun.


    Den wilden Garten hält ihm sein Assistent Agon, ein sanfter Riese, der durchaus auch mal die Fassung verlieren kann, zumindest teilweise zusammen. Im direkten wie auch im übertragenen Sinne, denn er bewirtschaftet einen Schrebergarten, der einem Fußballplatz weichen soll - auch hier wieder überraschende Parallelen zu den Ereignissen im Leben der Leserin - also dem meinigen.


    Ich war also perplex - heute würde man wohl "voll geflasht" sagen und las begeistert weiter. Und dann verlor sich für mich die Spur im wilden Garten von Carlos Leben und dem der anderen - irgendwie zerfaserte alles und ich blieb äußerst enttäuscht zurück. Aus meiner Sicht führte die Kurve eines vielversprechenden Romans leider steil nach unten. Auch die Figuren kamen mir längst nicht so nahe, wie es der Klappentext verspricht.

    3ratten

    Ich bin ganz bei Euch:


    Marie ist Afroamerikanerin, Tochter einer fast weißen Mutter aus Martinique und eines sehr, sehr dunklen Vaters. Eines Vaters, der Karriere bei der Polizei gemacht hat und beste Verbindungen zum CIA hat.


    Sie ist eine von zwei Schwestern, die immer kämpfen wollten - die jüngere. Ihre ältere Schwester Helene musste bereits ihr Leben lassen. Sie war Soldatin - ist sie im Kampf gestorben? Es ranken sich so einige Fragen um ihr Schicksal.


    Durch einen Freund ihres Vaters gerät Marie in die Kreise der CIA - und verwickelt sich dort schnell in die komplexen Machenschaften - wie sehr, das wird ihr selbst zunächst gar nicht klar.


    Während eines Auftrags lernt sie Thomas Sankara kennen, den Präsidenten von Burkina Faso (den es tatsächlich gab; er regierte von 1983 bis zu seinem Tod 1987). Obwohl klar ist, dass sie sich in einer politischen Gemengelage befinden, die - gelinde gesagt - unübersichtlich ist, ist zwischen ihnen eine starke Anziehungskraft zu spüren. Und tatsächlich verschlägt es Marie beruflich nach Burkina Faso. Was dort zwischen ihr und Sankara pasisert und wie und warum sie irgendwann auf Martinique landet und ob sie dort bleiben will ... ja, das lesen Sie bitte lieber selbst.


    Auf jeden Fall kommt die Protagonistin herum und so heißt es öfter mal (und aus unterschiedlichen Perspektiven): Bye, bye, Miss American Spy.


    Sie werden es aufgrund meiner bisherigen Darlegungen eher nicht glauben, aber in der Tat ist dies ein eher ruhiger Roman, einer, in dem es um Herkunft, Familie, Wurzeln und Bindung geht - aber eben nicht nur bzw. in diesem ganz spezifischen Spionage-Setting.


    Ein dichter und interessanter Roman, der für mich aber auch recht verwirrend war, erstens durch den permanenten Wechsel der Zeitebenen, doch auch die Entwicklung der Handlung und der Figuren empfand ich zeitweise als irritierend. Eines aber kann ich ganz sicher sagen: er ist so weit weg vom Main Stream, wie ein Roman überhaupt nur sein kann!

    3ratten

    Mir ging es ähnlich wie Dir! Ich fand den Roman nicht schlecht, aber eben auch nicht richtig gut! Hier meine Meinung:


    Immer auf der Suche

    Rastlos und getrieben: das ist Franny. Ihren Platz auf der Welt - einer Welt, die von uns aus in einer baldigen Zukunft anzusiedeln ist, wann genau, wird nicht gesagt - hat sie noch nicht gefunden. Obwohl sie mit Niall, dem Forscher, die Liebe ihres Lebens geheiratet hat; impulsiv, wie es für sie charakteristisch ist.


    Aber er hat sie verlassen und sie befindet sich auf einem Schiff Richtung Antarktis, den Zugvögeln folgend. Ein Leben unter Fischern, das ist es, was sie dort lebt, ein hartes Leben. Doch Franny ist hart zu sich selbst, ebenso wie zu (manch) anderen.


    Was genau es mit ihr und dem gesamten Setting auf sich hat, das erschließt sich dem Leser zögerlich, erst peu à peu offenbart sich das ganze Tableau der Handlung. Das Ganze? Nun, man kann es sehen, wie man will - aus meiner Sicht gibt es enorme Lücken, die das Buch aus meiner Sicht ausgesprochen unrund hinterlassen haben.


    Ein übrigens sehr angenehm zu lesendes Buch - die Autorin (wie auch die Übersetzerin) wählt eine wunderschöne Sprache, Formulierungen, in denen man als Leser schwelgen möchte. Doch verstrickt sie sich in Widersprüche, die in mir den Eindruck entstehen ließen, dieser Roman ist nicht gründlich redigiert worden. Auch die vielen, ja zahllosen Zeitsprünge tragen nicht wenig zur Verwirrung bei.


    Wie auch immer, die Autorin hat etwas: ich habe mich geärgert, gefürchtet, gefreut und hatte Mitleid: längst nicht jeder Autor schafft es, solche Emotionen in mir hervorzurufen und allein das war die Lektüre wert!

    3ratten

    Mahler reflektiert

    Gustav Mahler sitzt an Bord eines Schiffes auf dem Weg nach New York. Er, der sein Leben lang kränkelte, weiß nun, dass er nicht mehr lange Zeit hat. Was ihn nicht beschleunigt, sondern dazu bringt, zurückzublicken. Mit dem inneren Auge eines lebenserfahrenen, wenn auch nicht immer lebensbejahenden Menschen.


    Alma, seine Frau - sie ist mit ihm unterwegs, aber eigentlich schon weit weg. Der nächste (Heirats)Kandidat in Person von Walter Gropius (wird nicht namentlich erwähnt) steht schon parat. Alma, die leichtfertig scheint, es aber keineswegs einfach hatte mit dem sehr speziellen und schon zu Lebzeiten bekannten Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Aus Mahlers Überlegungen wird deutlich, dass sie nicht dazu gemacht war, als Frau an seiner Seite zu leben - dafür hat sie viel zu viel Potential in sich.


    Momente aus dem Leben mit Alma treten hervor, der Verlust einer der beiden Töchter, der gemeinsame Besuch in Rodins Atelier in Paris, wo der Bildhauer auf Wunsch von Alma und ihrer Familie eine Büste von Mahler modelliert. Dass dies nicht Mahlers Wunsch ist, wird schnell deutlich.


    Mahler auf dem Schiff - er pickt sich Momente heraus, wie es auch Menschen tun würden, die keine Jahrhundertkomponisten sind - Autor Robert Seethaler hat hier die ganz normalen Gedanken eines zufälligerweise sehr berühmten Mannes am Ende seines Lebens herausgearbeitet. Wohlgemerkt: die möglichen Gedanken, denn Seethaler spielt hier mit der Geschichte. Er verleiht einem Bereich Worte, die sonst verborgen bleiben, denn Gedanken sind - wie es in dem bekannten Lied heißt, um im Bereich der Musik zu bleiben - frei und ziehen wie nächtliche Schatten vorbei.


    Ein kurzes Werk, ob es knackig ist, soll jeder Leser selbst bewerten. Ich zumindest habe es sehr gerne gelesen und Sprache wie auch Stil des Autors genossen. Hier schreibt Robert Seethaler, nicht sein Landsmann Thomas Bernhard: weswegen Mahler im letzten Satz seines Lebens viele mögliche letzte Sätze denkt. Aus meiner Sicht vermag es der Autor, hier ein ebenso privates wie kraftvolles Statement zu schaffen. Eines, das ich - so kurz es ist - in guter und andauernder Erinnerung behalten werde!

    4ratten