Beiträge von TochterAlice

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Ich fand es einfach toll!


    Ich wandre ja so gerne am Rennsteig durch das Land: So beginnt das "Rennsteiglied", in dem ein ganz besonderer Wanderweg besungen wird: ein Symbol gleichwohl für das geteilte wie auch für das wiedervereinigte Deutschland. Denn der Rennsteig führt durch Thüringen und Franken, so ziemlich genau an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze entlang.

    Vor dem zweiten Weltkrieg war er von Hotels gesäumt, einfachen und ziemlich eleganten. Ein besonders mondänes, in dem sich die feine Gesellschaft ein Stelldichein gab, war das "Hotel Waldeshöh" das über Jahrzehnte hinweg von Familie Dressel geführt wurde. Die Familie bewohnte das Haus auch noch, nachdem es Teil des Sperrgebiets, eines fünfhundert Meter breiten Streifens unmittelbar an der Grenze, geworden war. Ein hartes Leben, ohne eine besondere Genehmigung durfte niemand zu Besuch kommen und noch schlimmer: man selbst benötigte eine Genehmigung und musste diese ständig mit sich führen.

    Eine Familiengeschichte, die im Dunkeln liegt, bis Milla, eine Anwaltsgehilfin Anfang Dreißig, im Rahmen der Suche nach "Lost Places" auf einen Keller stößt. Einen Keller mit nix drüber. Was hat es damit auf sich? Sie findet dort neben Marmeladen und Säfte, auch hausgemachten Wein aus den 1970er Jahren auch das Tagebuch eines jungen Mädchens, einer Christine. Und in ihr erwacht der Jagdtrieb. Was wohl aus ihr geworden ist? So alt ist sie doch noch gar nicht, so Mitte fünfzig müsste sie sein!

    Milla findet nicht nur Christine, sondern so viel mehr und stößt auf ein trauriges Geheimnis. Eines, das keins sein sollte und das viel Leid gebracht hat. Dennoch ist dies längst nicht nur ein trüber und melancholischer Roman, es ist die Chronik einer Familie, möglicher Schicksale von DDR-Bürgern, die stellenweise traurig, andererseits aber auch sehr atmosphärisch und teilweise sogar idyllisch.

    Ein ausgesprochen besonderer Roman über ein ebenso unbekanntes wie leidvolles Thema. Die Autorin Kati Naumann schreibt ebenso eindringlich wie bewegend, ich habe als Leserin auf jeder Seite gespürt, dass ihr dieses Thema am Herzen liegt. Und das hat sie nicht nur auf emotionaler, sondern auch auf professioneller Ebene ausgesprochen gekonnt umgesetzt! Manchmal waren mir einige Hinweise zu vage, sie blieben quasi in der Luft hängen. Aber das Thema ist so komplex, dass man als Autor gezwungen ist, Grenzen zu setzen - bei einem Thema, in dem es ständig um Grenzen geht! Ich bin beim Lesen einfach neugierig geworden und hätte ewig so weiterlesen können!

    Eine ganz dicke Empfehlung für jeden, dem die jüngste deutsche Geschichte am Herzen liegt, der das Gefühl hat, längst nicht alles zu wissen. Ein ganz ordentlicher schwarzer Fleck kann durch die Lektüre dieses Buches definitiv mit Inhalt gefüllt werden!

    5ratten

    Ich lese ja nie Fantasy - eigentlich. Das hier schon und es hat mir gut gefallen!


    Ophelia ist ein kleiner Blaustrumpf und mit ihrem Dasein auf der Arche Anima - einem der 21 Teile, "Archen" genannt, in die die Erde vor langer Zeit auseinanderbrach - sehr zufrieden. Denn sie hat ihren Traumjob als Leiterin des lokalen Museums und kann ausserdem lesen - was ganz anders gemeint ist, als das, was wir darunter verstehen: sie kann nämlich durch Berührung die Geschichte verschiedener Gegenstände "lesen", eine Gabe, über die auch in ihrer Heimat nicht gerade viele verfügen. Auf eine Ehe hatte sie bisher keine Lust, aber nun hat sie keine Wahl: an oberster Stelle wurde beschlossen, dass sie heiraten soll und zwar einen Mann von der Arche Pol - wo es wirklich so kalt ist, wie an den Polen, die wir auf der Erde kennen. Eine politische Zweckhochzeit also.

    Ophelia hat keine Wahl: sie muss bereits vor der Hochzeit nach Pol umsiedeln, an ihrer Seite, quasi als Anstandsdame ihre Patentante Roseline.

    Ihr Verlobter Thorn holt sie ab und entpuppt sich als überaus schweigsamer, nicht gerade zugänglicher Zeitgenosse. Und ein bisschen beängstigend: kein Wunder, gehört er doch zum Klan der Drachen.

    Ophelia und Roseline werden zunächst bei Thorns Tante Berenilde in der Himmelsburg untergebracht, wo höchst eigenartige Dinge vor sich gehen, aber das ist längst nicht alles...

    "Die Spiegelreisende" - das ist Fantasy auf französisch und zwar im besten Sinne: intelligent und charmant, auch vieldeutig, ohne jemals anrüchig zu werden - elegant natürlich und eloquent - auch in der Übersetzung (weswegen ich annehme, dass auch das Original die Merkmale erfüllt).

    Der vorliegende Band markiert Teil 1 eines Vierteilers und ist für nicht zu junge Jugendliche geeignet, aber mindestens genauso gut für Erwachsene - ich las es mit großer Spannung und steigender Begeisterung. Das Einzige, was mich richtig enttäuschte, war das sehr abrupte Ende. Es ist halt wirklich ein "richtiger" erster Teil, einer der nichts ist ohne die nachfolgenden.

    Denn er beinhaltet wenn überhaupt, dann ein nur sehr provisorisches Ende, ich würde es eher als Abschluss bezeichnen. Einer, den ich nur mit sehr großer Ungeduld und auch nur sehr vorübergehend akzeptieren kann. Denn schon jetzt zittert alles in mir dem nächsten Band, bzw. den folgenden dreien entgegen, um endlich zu erfahren, ob "die" wirklich gestorben sind, ob Ophelia tatsächlich Besuch aus der Heimat erhält und um noch massenweise Antworten auf andere, zentralere Fragen (die ich hier gar nicht erst aufwerfe, um nicht zu viel zu verraten) zu erhalten.

    Eine neue Welt, die ich im Herzen behalten will. Auf jeden Fall!

    5ratten

    Ich war auch sehr enttäuscht - hier meine Rezension:


    Parallelen zu einem Comic

    finden sich aus meiner Sicht im vorliegenden Roman, in dem es im Prinzip um das Leben und Leiden der Madeleine Péricourt geht. Diese wird nach dem Tode ihres Vaters Marcel Alleinerbin einer großen, einflussreichen Bank. Doch widerfährt ihrer Familie am Tage von Marcels Beerdigung ein weiteres großes Unglück, das sie über längere Zeit dergestalt vereinnahmt, dass sie keinen Blick für die Geschicke der Bank hat.

    Was für eine Gelegenheit für diejenigen, die sich beim Erben übergangen wurden, zur Tat zu schreiten und die Dinge zu ihren Gunsten zu wenden! Als Madeleine wieder bereit ist, am Leben teilzunehmen, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen: ihr verschwenderischer Onkel Charles hat sich seinen Teil genommen, ihr ehemaliger Liebhaber, der bis dahin erfolglose Journalist André hat sich verabschiedet, nicht ohne dem Rädchen, das Madeleine zu seinen Gunsten gedreht hatte, noch einen kräftigen Schwung zu geben. Und der ehemalige Prokurist der Bank Gustave Joubert kann der inzwischen mittellosen Madeleine sogar ihr Elternhaus abkaufen. Dann gibt es noch den ein oder anderen mehr im weiteren Umfeld der Bediensteten und Mitarbeiter, der sich fleißig die Taschen gefüllt hat.

    Wer jedoch davon ausgegangen ist, dass Madeleine sich in ihr Schicksal fügt, der hat sich geschnitten. Sie startet einen Rachefeldzug, der zunächst so subtil beginnt, dass niemand etwas merkt. Und dann - nun, lesen Sie selbst.

    Oder auch nicht: denn nur, wer kein Problem hat mit langatmigen Schilderungen und einer an vielen Stellen ausgesprochen konstruierten Handlung, wird diesen Roman uneingeschränkt genießen können. Dazu kommen noch stellenweise so verdrehte Schilderungen, dass sie - nimmt man Faktoren wie Zeit und Raum in Acht - gar nicht stimmen können. Außerdem sind es stellenweise wahre Räuberpistolen, die sich der Autor so ausgedacht hat. Dazu passt auch das überdrehte Personal, das zeitweise so agiert, dass ich mich an Comic-Figuren erinnert fühlte. Es scheint Leser zu geben, die das wenig stört, mir jedoch hat es diesen Roman verleidet. Wobei er durchaus eindringlich und stellenweise süffig zu lesen ist, was mir half, am Ball zu bleiben. Zudem hatte ich bis zum Schluss die Hoffnung, dass die ein oder andere Wendung die Handlung so dreht, dass auch ich sie verstehen und mich voll und ganz hinter sie stellen kann. Leider war dies nicht der Fall, auch verlief der ein oder andere Erzählstrang, auf den ich noch gesetzt hatte. Und vor allem: das Drumherum, der historische Rahmen, die Atmosphäre fehlten komplett. Auf diese spannende Zeit - die 1920er und 30er Jahre - bezog sich der Autor nur punktuell.

    Mein Fazit: Leider kein guter Start mit Pierre Lemaitre - ich werde wohl nicht mehr zu seinen Romanen greifen.

    2ratten

    Eine Pension an der Nordsee


    führt die junge Alex und ihr altes, restauriertes Gemäuer ist ein absoluter Hort der Gemütlichkeit. Kein Wunder, dass so einige Gäste gerne immer wieder kommen. Vor allem solche, denen es zunächst gar nicht gut ging. Denn Alexandra hat ein großes Herz und beherbergt im Rahmen der Tätigkeit einer Stiftungen Trauernde. Diese werden zu einem Erholungsaufenthalt in Alex' gemütliches Haus geladen und fühlen sich dort so wohl, dass viele von ihnen gerne zurückkehren, wenn es ihnen besser geht.


    Diese Warmherzigkeit hat nicht zuletzt mit Alex' Person zu tun - sie hat ein großes Herz und viel Verständnis für ihre traurigen Gäste. Dass auch sie etwas sehr Schlimmes erlebt hat, das erfahren die meisten erst später - oder auch gar nicht. Sie hat ihren Verlobten Johann, ihre große Liebe, wenige Tage vor der Hochzeit in einem Verkehrsunfall verloren. Danach war sie lange auf der Suche nach sich selbst - bis sie sich schließlich auf Norderney (wieder)fand. Ihre Pension und die Menschen um sie herum, sowohl die Gäste als auch Nachbarin Lotti, eine auf den ersten Blick schrille, auf den zweiten sehr empathische Person mit einem riesengroßen Herzen.


    Doch Alex hat auch "normale" Gäste - gerade finden sich zwei Männer, Marc und Jens ein. Jung und sportlich. Doch obwohl nicht von der Stiftung gefördert, wird sofort klar, dass auch sie ihr Päckchen zu tragen haben: zumindest Jens, denn er geht auf Krücken. Und dass auch Marc etwas in sich trägt, wird auch bald deutlich. Er und Alex fühlen sich stark voneinander angezogen.


    Ein trauriges Buch? Eigentlich nicht, denn die Autorin hat die unbeschwerte Ferienstimmung auf Norderney auf ihre unverwechselbare Art eingefangen - die Grundstimmung ist trotz allem eine lichte, zuversichtliche, auch wenn immer mal Stürme aufkommen. Durchaus auch im wörtlichen Sinne.


    Tatsächlich hat Autorin Noa C. Walker die Handlung des Romans dem Setting - also dem Nordseeklima - meiner Ansicht nach sehr stark angepasst, es ist mal sonnig und mild, dann wieder sehr stürmisch. Aber immer finden sich ein paar Wolken am Himmel - weiße oder auch graue. Im Gegensatz zum Vorgängerband "Die Farben meines Herzens" geht es hier wesentlich lebhafter zu. Und: waren es dort die Farben, die Malerei, die eine große Rolle spielte, sind es hier die Klänge, die Musik.


    Ein schönes und kluges Buch, bei dem es wie immer bei Noa C. Walker um Menschlichkeit in ihren unterschiedlichen Facetten geht, vor allem ums Vertrauen, aber auch um das Wertschätzen dessen, was - und vor allem auch wen - man um sich hat. Außerdem steht diesmal die Vergebung im Mittelpunkt, das In-Sich-Hineinhorchen und verzeihen. Ein warmherziges, stimmiges Buch mit kraftvollen Elementen und wunderschönen, aber auch erschreckenden Naturerlebnissen. Aber auch mit einigen Enttäuschungen.


    Wer etwas für den Geist, für die Seele sucht, wer gerade Lust etwas besonders Stimmungsvolles ist und keine Angst davor hat, auch mal eine Träne zu verdrücken, der wird von diesem Buch, von seiner Warmherzigkeit und Kraft, sicher nicht enttäuscht sein! Ich jedenfalls empfehle es von ganzem Herzen!

    5ratten

    Ich fand das gar nicht so unwichtig, weil dieser Erzählstrang ja doch auch in Bezug auf Alex nicht ganz unwichtig war. Hätte mich auch interessiert!

    Hm, ich dachte, das wäre eigentlich klar, nachdem Marc überlegt hat, wie die Stiftung wohl diese Urlaube vergibt und ob die nicht besser prüfen sollten, wer sich da bei ihnen bewirbt ... (Sterbeurkunde etc.

    Ich stehe bei solchen Andeutungen häufig ziemlich auf dem Schlauch bzw. habe eventuell was überlesen. Tut mir Leid!

    Max tat mir aber am Schluss auch leid. Wahrscheinlich wäre er irgendwann zu einem Gespräch bereit gewesen, wenn Marianne ihn gelassen hätte.

    Den Eindruck hatte ich auch und es hätte ihm sicher auch geholfen! Aber er stand offenbar voll unter Mariannes Fuchtel!

    Wie Jenni in den Genuss der Stiftung gekommen ist, bleibt mir weiterhin rätselhaft, ist aber auch nicht wirklich wichtig. Es hätte mich aber schon interessiert, wie es mit ihr und Boris ausgegangen ist.

    Ich fand das gar nicht so unwichtig, weil dieser Erzählstrang ja doch auch in Bezug auf Alex nicht ganz unwichtig war. Hätte mich auch interessiert!

    Diese Marianne ist wirklich unversöhnlich. Ich kann sie gut verstehen, denn ich kann auch nicht jedes Mal uneingeschränkt vergeben, wenn der andere es erhofft, aber sie hatte ja Alex gegenüber den Tathergang falsch dargestellt! Oder zumindest einige Informationen vorenthalten und das fand ich extrem unfair. Max hat ja zumindest bei dem Aufeinandertreffen offener reagiert.


    Ich fand es sehr mutig, dass Alex mit Marc nochmal das Gespräch gesucht hat.


    Gut, dass Jens so offen mit Alex gesprochen hat, er ist wirklich ein wahrer Freund - und zwar sowohl für Marc als auch für Alex. Und Annette passt gut zu ihm, sie ist offenbar genau so eine Ränkeschmiedin wie er - zumindest, wenn es um das Glück lieber Menschen geht!


    Und was ist mit Lotti und Tip? Sie waren doch schon auf dem richtigen Weg in die Liebe. Aber wenn ich es recht verstehe, braucht Lotti noch etwas Zeit, um sich Tip ganz öffnen zu können, ob als Freundin oder als Liebende.


    Celina hat sozusagen ihre Berufung gefunden. Ich fand es ein bisschen schade, dass die Sache mit Simone offen blieb, denn sie hat ja doch einen ziemlich großen Teil im Roman eingenommen, da hätte eine Auflösung gut gepasst. Auch wenn es eine solche nicht immer im Leben gibt.


    Ich wäre aber noch neugieriger auf den Ausgang der Geschichte um Jenni gewesen! Sie wurde doch zunächst als Trauernde eingeführt (auch, wenn sie sich nicht so gab) und war Teil der Pension, da hätte mich ihr Schicksal (und das des Fieslings Boris) dann doch sehr interessiert.


    Insgesamt aber ein weiteres warmherziges und rundes Buch von Noa, diesmal sogar eines, das ich Nordsee- Urlaubern, die sturmfest und erdverbunden sind, empfehlen würde!

    Vielen Dank, liebe Noa, dass Du uns wieder so einfühlsam und informativ begleitest!

    Jenni hat sich in der Pension eingeschlichen. Ihre Trauer kammir ja schon seltsam vor, bzw. ich habe sie nicht gespürt.

    Ist es denn mittlerweile sicher, dass Jenni sich eingeschlichen hat? Es kann ja sein, dass beides stimmt - sie hatte einen schrecklichen Verlust und ein Fiesling ist hinter ihr her. Vielleicht hat ja der Grund irgendwie mit ihrer Familie zu tun?

    Ach ja, und Marianne und Max sind auch noch im Anflug

    Stimmt, das hatte ich ganz vergessen, da geht es ja sicher noch rund mit Marc. Ob sie ihn direkt als den Schuldigen an Johanns Tod erkennen werden? Oder sie ihn? Haben sie sich eigentlich jemals getroffen?

    Lotti hat kein Uniform-Problem, sie projiziert etwasVergangenes auf Tip und will ihn daher auf Abstand halten. Doch das wird bestimmt noch was mit denbeiden, aber Romantik kann ich mir da nicht so vorstellen.

    Nein, aber es muss ja auch nicht unbedingt Romantik sein, was ein Paar mit einander verbindet. Ich kann mir vorstellen, dass ihre Liebe ordentlich von Humor getragen sein wird!

    Ich bin nun wahnsinnig neugierig darauf, was es mit Jenny auf sich hat - offenbar ist sie in Wirklichkeit Jana aus Polen, aber wie ist sie dann auf Alex' Inselpension gekommen? Denn offenbar ist sie doch durch diese Stiftung dorthin gekommen, die Alex auch sonst die Trauernden vermittelt? Hat sie dort etwa auch gelogen? Oder sucht sie Schutz? Möglicherweise ist sie eine ehemalige Prostituierte? Oder aber ihre Eltern hatten irgendwelche Schulden bei Boris? (Ich mag diesen Namen, ich mag es gar nicht, dass so ein Bösewicht ihn trägt. Wobei: ich muss ja auch Boris Becker ertragen. Der ist zwar nicht böse, aber total nervig).


    Der kleine Enrico handelt genau richtig, als er zum Strand läuft und Hilfe holt. Sehr gut erzogen! Obwohl - beim späteren Nachdenken darüber wäre ich anstelle seiner Eltern doch ein wenig erschrocken gewesen, was alles auf dem Weg und vor allem vorher hätte passieren können! Aber ich glaube, dass sie mit einem gesunden Pragmatismus leben, um den ich sie beneide.


    Lotti und Tip scheinen sich gefunden zu haben! Oder?


    Celina ist ein tapferes Mädchen, wobei sie so vielleicht sogar mehr Glück hat als sonst. Ich glaube, die Zukunft mit einer so komplizierten Mutter wäre für sie auch nicht einfach geworden. Möglicherweise hätte sie erwartet, dass sie als Älteste immer für sie da ist (das hat meine Oma von meiner Mutter, ihrer ältesten Tochter erwartet und meine Mutter musste von ihrer Schwester, also meiner Tante und ihrem Freund, also meinem Vater, lange überredet werden, bis sie bereit war zu heiraten. Aber ich glaube, bereut hat sie es nie!)


    Oh, da hat sich Noa aber für den letzten Teil was vorgenommen! Aber ich bin sicher, dass sie damit problemlos klar kommt!

    Diese Soldatentruppe bringt Leben in die Pension und sie sind auch eine Hilfe. Allerdings hat Lotti, die wundervolle Person, die immer ein richtiges Wort für jeden hat, scheinbar ein Problem mit Soldaten. Tip kommt gar nicht gut bei ihr an. Aber er lässt sich auch nicht durch ihre Art beeindrucken.

    Naja, eigentlich doch nur mit Tip. Zu dem jungen Kerl ist sie durchaus freundlich.

    Die Soldaten benehmen sich wie die Elefanten im Porzellanladen. Was Lotti so vehement gegen Tip hat, verstehe ich auch nicht so ganz, vielleicht dreht sich das ja noch ins Gegenteil. Wenn ich es richtig verstanden habe, bezieht sich ihr Verhalten nur auf Tip und nicht so sehr auf die anderen Soldaten. Das spräche dann dagegen, dass sie generell ein Problem mit den Uniformierten hat.

    Ganz so sehe ich es nicht und wenn, dann sind es Elefanten mit Charme. Wenn einige Leute zusammenkommen, die sich kennen, wird es ja meist etwas lauter - und dann noch junge Männer!

    Ich bin noch nicht so ganz sicher, ob sie sich das Leben genommen hat, das ist ja noch offen, aber ich könnte es mir vorstellen. Selbstmord ist für mich sowieso eines der feigesten Dinge, die man in seinem Leben tun kann. Man entzieht sich allem durch den Tod und hinterlässt, auf ziemlich egoistische Art und Weise, ein Trümmerfeld.

    Nein, ich auch nicht. In der Regel finde ich Selbstmord auch feige, aber nicht immer, es gibt halt doch zu viele Gründe. Bei Simone allerdings stimme ich Dir zu, ihre Mädchen haben es einfach nicht verdient, dass sie sich so rauszieht!

    Hier auch meine Rezension - auch mir hat das Buch insgesamt gut gefallen.


    Jeder gegen jeden:

    So zunächst der Eindruck in diesem leider sehr zeitgemäßen Thriller. Leider, denn es geht um die Ablehnung von Asylbewerbern innerhalb der schwedischen Bevölkerung, die sich zum Hass steigert. Bis auf einmal diejenigen umgebracht werden, die als Sprachrohr dieser neuen und unerwünschten Mitbürger gelten: offene und liberale Journalisten nämlich, die in ihren Artikeln die Probleme aus ihrer Sicht ansprechen. Und diese ist eine gänzlich andere als die des Grüppchens um Carl Cederhielm, des federführenden Journalistenmörders. Sein Name ist dem Leser gleich zu Beginn der Handlung bekannt, der schwedischen Gesellschaft allerdings nicht.


    Sukzessive werden mehr und mehr Informationen ausgepackt. Und was hat August Novak, dem wir zunächst in Chile begegnen, mit der ganzen Geschichte zu tun?


    Zunächst fällt es schwer, gut und schlecht einzuordnen, falls man es überhaupt so sehen kann. Denn die rechtsextremen Killer instrumentalisieren auch andere bzw. dringen in den Alltag ihrer Feinde ein - als Experten, Kollegen, Freunde und kommen so häufig an für sie wertvolle Informationen. Aufgrund der Leichtgläubigkeit der Normalbürger - so scheint es, doch wie weit der Extremismus in den ganz normalen Alltag bereits eingedrungen ist, das kann man einfach nicht ermessen, wenn man nicht so denkt wie diese aggressiven Killer, die sich im Recht wägen. Sie führen eine Mission zur Rettung des wahren schwedischen Volkes durch.


    Auch wenn die Handlung an vielen Stellen rasant ist, empfand ich einige Passagen als etwas umständlich. Denn es kommen viele Figuren vor und man muss als Leser sehr aufmerksam sein, um allen Entwicklungen zu folgen - aus meiner Sicht hätten es gut und gerne ein paar weniger sein können, um den eigentlichen Kern der Handlung klarer auf den Punkt zu bringen.


    Aber offensichtlich waren dem Autor Pascal Engmann all diese Schritte, diese kleinen Umwege wichtig, um zu zeigen, wie schnell man ins Kreuzfeuer radikaler Kräfte gelangen kann und wie nahe sie häufig schon bei ganz alltäglichen Handlungen sind. Es gibt kaum mehr Grenzen, die sie sich setzen.


    Pascal Engmann schreibt, was er als Journalist selbst erfahren hat und es hat mich erschreckt, wie realistisch all die von ihm dargestellten Szenarien sind - nicht nur in Schweden. Nein, diese Bedrohung begleitet auch uns auf Schritt und Tritt, was die Wirkung dieses Thrillers umso eindringlicher werden lässt.

    4ratten


    Es hat mir auch wirklich sehr gut gefallen, dass Noa so deutlich beschrieben hat, wie gefährlich diese Umweltverschmutzung ist. Nicht nur wegen der Giftstoffe, sondern auch bei hohem Wellengang oder Stürmen.

    Es dauert oft Tage bis man den ganzen Müll dann vom Strand und aus den Dünen wieder eingesammelt hat.

    Ja, das ist wirklich toll beschrieben - ein so großes Problem kann nicht oft genug angesprochen werden und Noa tut es hier sehr eindringlich!

    Diese Szene im ersten Abschnitt, als sie Marc sein Fehlverhalten vorwirft, weil er mit Hanna und Celina surfen war....

    Da hat Simone Ihm vorgeworfen, dass SIE auch noch eine Tochter hätte verlieren können!

    Und was macht SIE jetzt? Sie lässt ihre Töchter im Stich.

    In der Tat, das macht sie auch in meinen Augen zu einer sehr egoistischen Person!

    Leider wird es dadurch nicht einfacher die Trauer zu überwinden. Im Gegenteil, irgendwann brechen die Gefühle aus ihr heraus und das kann ganz böse, eventuell sogar in einen körperlichen Zusammenbruch, enden.

    Ja, so ist es - einfach wegschieben, das rächt sich irgendwann aufs Übelste!

    Offanbar sind Johanns Eltern nicht bereit, Marc auf sich zugehen zu lassen. Das kann ich verstehen, denn sie können es sich anscheinend nicht vorstellen, ihm gegenüber zu stehen. Das erfordert ein großes Maß an Stärke und nicht jeder hat es. Abgesehen davon kann ich mir auch vorstellen, dass es Marc wichtiger ist, dass ihm vergeben wird als umgekehrt. Ideal ist es natürlich, wenn es zum Gespräch kommt, aber ob ich an Stelle der Trauernden jemals die Kraft dazu hätte, das weiß ich auch nicht.


    Irgend jemand hatte im ersten Abschnitt geschrieben, dass Simone in ihrer Trauer sehr egoistisch ist und es zeigt sich jetzt, dass das absolut richtig ist. Anscheinend ist sie ihrem Mann gefolgt, ob aktiv oder passiv: wie auch immer, sie hat ihre Töchter in Stich gelassen, dabei brauchen diese sie doch auch!


    Dieser Soldatentrupp hat einen eigenen Charme und ist offenbar Teil von Jens' Geschichte, aber wie genau er sich dort einfügt, das weiß ich nicht. Ich bin ganz neugierig darauf geworden und hoffe, dass wir bald mehr erfahren.


    Marc und Alex sind einander näher gekommen - wie wird es sein, wenn sie merken, welches Glied sie verbindet? Ich glaube, dass Alex auf ihrem Weg der Trauer schon ziemlich weit ist und nach dem ersten Schrecken gut damit fertig werden wird.


    Warum ist Lotti bloß so aggressiv Tip gegenüber? Gibt es irgendeinen Trgger in Bezug auf Soldaten bzw. Kommandanten? Vielleicht etwas, das in Israel passiert ist? Er findet sie jedenfalls toll und da er selbst auch ein toller und erfahrener Mann ist, bin ich mir sicher, dass er seinen Weg zu ihr finden wird. Wenn auch auf Umwegen.


    Und was ist mit diesem Mädchen, das dazugekommen ist, Jenni heißt sie glaube ich? Sie scheint sehr stark zu sein, aber ich bin sicher, dass es noch was anderes in ihr gibt, nämlich tiefe Trauer und sicher werden wir die noch erleben (müssen). Sie sucht die Nähe der Soldaten - was ist wohl der Grund dafür.


    Ein weiterer eindringlicher und atmosphärischer Abschnitt: schon jetzt bin ich neugierig darauf, wie es weitergeht!

    Marc ist sicher derjenige, der den Unfall verursacht hat, bei dem Johann gestorben ist. Marianne nennt den Namen des Unglücksfahrers „Marcus Irgendwer“.

    Oh, Du hast sicher Recht, das habe ich gar nicht mehr zusammengebracht. Es wäre weit hergeholt, wenn mir nicht im wahren Leben schon öfter solche Zufälle begegnet wären. Wobei es natürlich auch sein kann, dass wir noch nicht alles wissen und Marc doch absichtlich dort ist (obwohl es definitiv nicht so zu sein scheint).

    Zu Marlene und Frederick sage ich jetzt mal nicht viel. Ist wohl besser, dass sie ausgezogen sind. Wobei ich sie ein klein wenig verstehen kann. Sie wussten ja nichts davon, wer in der gebuchten Pension ihr Zimmernachbar sein wird und nachts nicht schlafen zu können, weil im Nachbarzimmer jede Nacht jemand hörbar weint und Möbel rückt (oder Glasschiffe in der Gegend herumwirft) kann natürlich zermürbend sein. Aber sie hätten ja das Angebot annehmen können, die Etage zu wechseln.

    Ich muss ehrlich sagen, ich konnte sie auch verstehen, deswegen habe ich dazu auch nichts geschrieben. Simone scheint ja wirklich ziemlich zu wüten, wobei ich ihre Selbstvorwürfe sehr gut nachvollziehen kann. was für eine grauenvolle Situation, in der sie ist!

    Der Anfang war einfach furchtbar - Alex, damals noch Alexandra, dachte nur an ihre bevorstehende Hochzeit, bis dieser erfreuliche Gedanke ihr aufs Grausamste genommen wurde. Ich empfand die Beerdigung als sehr eindringlich geschildert: die Worte derer, die kondolierten. Es sind so viele Belanglosigkeiten dabei! Meine Mutter ist sehr früh gestorben, ich war 21, da hat ihre Patentochter zu mir gesagt "Beerdigungen sind immer so traurig" - das etwas so Unverbindliches von jemandem kam, der meiner Mutter eigentlich nahe stand, hat mich richtiggehend verletzt. Ich tue ihr sicher unrecht, denn es ist in solch einer Situation immer schwierig, die richtigen Worte zu finden, aber ich bringe das immer noch sehr stark mit ihrer Person in Verbindung, obwohl das über 30 Jahre her ist.


    Sehr gut darstellt - Elisabeth, ein richtiges Meisterstück - diese Rastlosigkeit während Alex`Reisen. Da ändert sich der Stil volkommen und passt genau zum Inhalt - genial!


    Ich finde Alex neues Leben und die Pension sehr schön, aber das wäre so gar nicht mein Ding - an einer Stelle zu trauern, wo sich alle Menschen in einem Raum versammeln, das hat etwas von Reha - da stört mich auch immer dieses Gruppengetue. Ich bin wahrscheinlich eher jemand, der durch Rückzug bzw. sich zurückhaltend entwickelnden Kontakt gestärkt wird.


    An Marcs Stelle hätte ich mich glaube ich nicht gleich mit Jens zu der Familie gesetzt, sondern einen eigenen Tisch "eröffnet", für mich muss sich so etwas viel langsamer entwickeln, gerade auch in Anwesenheit von Kindern, die ja natürlicherweise sehr kommunikativ sind. Ich finde es auch sehr verfrüht von Alex, über eine mögliche Beziehung zwischen Jens und Annette nachzudenken. Die beiden haben sich doch gerade erst getroffen.


    Aber anscheinend tut allen Anwesenden das von Alex geschaffene Umfeld mehr als gut!


    Sehr neugierig bin ich darauf, was denn Jens und Marc widerfahren ist, sie haben offenbar auch ein ganz schönes Päckchen zu tragen!


    Danke, Elisabeth, dass Du mit Alex eine Lanze für die etwas üppigeren Frauen brichst - ich hatte damit ja lange ein Problem, aber mein Mann sagt immer "du bist doch gar nicht dick, du bist genau richtig"!