Beiträge von JanaBabsi

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Die Weihnachtstern-Saga geht weiter


    Vor knapp 2 Wochen hat Stella ihre neu gewonnene Familie in Kalifornien verlassen und ist in ihre WG nach München zurückgekehrt. Auf der einen Seite ist es Stella nicht leicht gefallen, ihre Familie wieder zu verlassen, auf der anderen Seite fehlt ihr noch der Mut, in Deutschland alles hinter sich zu lassen und ganz nach Kalifornien überzusiedeln. Als ihr ihre WG-Mitbewohner offenbaren, dass sie eine andere Wohnung gefunden haben und ausziehen werden, entschließt sich Stella dazu, wieder in ihr Elternhaus mit angrenzender Gärtnerei zu ziehen. Zurück dorthin, wo sie jahrelang alleine mit ihrer Mutter gelebt hat.


    Kurz nachdem sich Stella wieder häuslich eingerichtet hat, steht Max Licht vor der Türe – Davids Zwillingsbruder. Da auch ihm ein Teil des Hauses gehört, in dem Stella wohnt, zieht er in die Villa ein. Stella weiß nichts über ihn. Nur, dass er sich 1941 mit seiner Familie zerstritten hat und von Kalifornien nach Deutschland gegangen ist. Warum, wieso, weshalb … das verspricht Max ihr zu erzählen, wenn sie ihm in einer Sache hilft: Stella soll dafür sorgen, dass seine Familie ihm vergibt.


    Also fliegt Stella erneut nach Kalifornien um die die ganze Geschichte ihrer Familie zu erfahren.


    „Wiedersehen im Land der Weihnachtssterne“ knüpft nahtlos an den 1. Teil der Weihnachtsstern-Saga an. Tatsächlich ist der Einstieg in dieses Buch ein wenig langatmig, so dass ich mich tatsächlich schon bald fragte, ob wirklich jede Geschichte eine Fortsetzung braucht. In diesem Buch geht es jedoch nicht mehr vordergründig um die Erfolgsgeschichte des Weihnachtssterns, sondern es wird die Familiengeschichte aufgerollt.


    In diesem Buch gliedert sich die Story gleich auf 3 Zeitebenen, was mich manchmal verwirrt hat. Da gibt es die Handlungen im Jahr 2006, als Stella erneut nach Kalifornien fliegt, um ihre Familiengeschichte restlos zu erfahren. Der 2. Handlungsstrang in den 1940er Jahren erzählt von den Kindern von Feli und Philipp: Lizzy, David und Max sowie Theresa, Lizzys Freundin und im 3. Handlungsstrang folgen wir den Geschehnissen in den 1960er Jahren, die sich um Stellas Mutter Inge drehen. Findet Stella bei der Gelegenheit sogar heraus, wer ihr Vater ist?


    Stella erfährt die Hintergründe, warum ihre Großmutter eigentlich gar nicht ihre leibliche Großmutter ist und was damals passiert ist, dass Max und David sich nach der Hochzeit von David und Theresa zerstritten haben und Max kurz darauf ohne Abschied das Land verlassen hat. Die Handlungsstränge laufen am Ende des Buches alle auf eine Zeitebene zusammen, zumindest soweit das machbar ist – schafft Stella es, dass Lizzy und Max ihrem Bruder verzeihen ??


    Der Schreibstil der Autorin ist auch in diesem Buch wieder gut zu lesen. Die Charaktere haben ihre Eigenschaften behalten und machen auch in diesem Band eine entsprechende Entwicklung durch. Der Leser verfolgt diese Entwicklung über 3 Zeitebenen, was an manchen Stellen durchaus verwirrend sein kann.


    Es ist interessant zu verfolgen, wie sich alles von den 1940ern bis ins Jahr 2006 entwickelt hat, an manchen Stellen war es mir aber auch einfach zu langatmig erzählt. Die Geschichte des Weihnachtssterns steht hier nicht mehr so sehr im Vordergrund. Für mich war der 1. Teil wesentlich interessanter.


    4ratten

    Hallihallo Ihr Lieben,


    es fehlen noch die abschlienden Rezensionen von


    odenwaldcollies

    Gaby

    foenig


    PetraJohann

    Hallo Petra,

    hast Du vielleicht Lust hier ein wenig mit uns über die Entstehungsweise Deiner Bücher zu plaudern?


    Wie kommst Du auf das Thema des Buches?

    Wie gehst Du an die Thematik ran?
    Recherchierst Du vor Ort zu Schauplätzen (z. B. die Gegebenheiten auf Rerik) oder überlässt Du das Deiner Phantasie?

    Wie kamst Du auf Rerik, hast Du einen Bezug zu diesem Ort?


    Vielleicht magst Du ja ein wenig erzählen - wenn Du Zeit und Lust hast !!

    Außerdem gab es irgendwo am Ende des Abschnitts einen seltsamen Kommentar von Edda bezüglich Sebastian.

    Ich hab jetzt mal gesucht, auf Seite 238 gibt es ein paar wenige Informationen zur Ausstattung des Büros, in dem Edda sich aufhält. Es scheint wohl vorher Sebastians Büro gewesen zu sein, oder das gemeinsame Büro von Edda und Sebastian und sie vermisst ihn. Ich habe hier ganz einfach den Schluss gezogen, dass Sebastian in Pension ist ..... oder vielleicht auch im Krankenstand.

    Übrigens habe ich noch mal nachgedacht wegen desThriller/Krimi-Labels. Wenn Krimi auf dem Buch stünde, könnte es nicht sein, dass dann Leserinnen, die einen Ermittlerkrimi erwarten, irritiert sind, wenn es mit Rebeccas Ich-Perspektive anfängt?

    Das ist eine gute Frage. MICH würde es nicht irritieren. :D


    Ich hab gerade einen Thriller gelesen und da habe ich die ganze Zeit dem Täter über die Schulter geschaut. Der Leser weiß, dass er die Prostituierte umgebracht hat, den Kater und auch den Vater seiner Frau .... er möchte an seine Frau ran und da stellt sich dann die ganze Zeit die Frage, wann und wie und wo. Irgendwie macht das für mich den Unterschied zum Krimi - beim Krimi passiert ein Mord und den Rest des Buches suchen die Ermittler nach der Lösung, beim Thriller begleitet der Leser den Täter auf seiner "Schneise der Verwüstung" bis er gefasst wird.

    Auch ich möchte mich für die Leserunde bedanken, liebe Petra. Hier kommt meine Rezension:

    Lesejury


    Was liest du?

    Das Buch hat hier nur 4,5 Sterne bekommen, obwohl ich 5 angelickt habe - leider kann ich die Sternebewertung nicht ändern. :-(

    Ich versuche es weiter.


    Lovelybooks


    Bücher sind fliegende Teppiche - Facebook


    Bücher sind fliegende Teppiche - Buchblog


    Literaturschock


    Bei Amazon kann ich leider nicht bewerten, Amazon hat mein Konto wegen "Verstoß gegen die Gemeinschaftsrichtlinien" gesperrt. Leider habe ich keine Ahnung, wieso. Aber Amazon lässt sich da auch nicht auf eine Klärung ein. Tut mir leid.

    War es Mord, Selbstmord oder einfach nur ein Unfall?


    Rebecca und Lucy, die seit 6 Jahren verheiratet sind, wohnen seit etwas mehr als 1 Jahr in ihrem Haus im Ostseebad Rerik.


    Lucy abeitet als Softwareentwicklerin und ist nur mittwochs und an den Wochenenden in Rerik, an den anderen Tagen wohnt sie in der Hamburger Wohnung, nahe ihres Arbeitsplatzes.


    Rebecca ist gelernte Physiotherapeutin, ist jedoch gerade in Elternzeit, weil ihr Wunsch nach einem eigenen Kind vor 5 Monaten endlich in Erfüllung gegangen ist. Obwohl Rebecca die Zeit mit der kleinen Greta genießt und die Ruhe dringend braucht, scheint sie irgendwie doch auch einsam zu sein. Am Strand lernt sie Julia kennen und hilft ihr aus einer peinlichen Situation. In den nächsten Tagen verbringen die beiden Frauen viel Zeit miteinander. Rebecca weiß, dass am kommenden Wochenende Lucy ihre beiden Freunde und Geschäftspartner Finn und Priska Hofmeister zum Essen eingeladen hat und so lädt sie Julia spontan ein, ebenfalls zu kommen.


    Julia kommt jedoch nicht, meldet sich aber auch nicht, so dass Rebecca glaubt, dass ihr etwas zugestoßen sein muss. Sie sucht jeden Fleck in Rerik nach ihrer neuen Freundin ab und die Wahrheit, auf die sie bei ihrer Suche stößt, offenbart ihr, dass es diese Julia gar nicht gibt. Niemand hat die Frau gesehen. Es sieht so aus, als ob sich jemand ganz gezielt ihr Vertrauen erschlichen hat und dann wieder untergetaucht ist.


    Kurz darauf wird am Fuße der Steilküste eine Frauenleiche entdeckt.

    Es handelt sich dabei jedoch nicht um Julia ….


    Edda Timm und den Kollegen von der Kripo Rostock stellen sich beim Anblick des Fundortes drei Fragen: Ist die Tote unglücklicherweise abgestürzt, aus eigenem Antrieb über die Klippe gesprungen oder eventuell sogar gestürzt worden?


    Nach ihrer eigenen Aussage ist Edda ein Nussknacker – sie knackt jedes Rätsel; bei Computerspielen genauso wie in ihrem Job.



    „Die Frau am Strand“ ist das neueste Werk der Autorin Petra Johann. Ich habe bisher jeden ihrer Kriminalromane gelesen, alle sind in meinen Augen überdurchschnittlich gut und und deswegen waren meine Erwartungen an dieses Buch recht hoch. Die Autorin hat mich aber auch dieses Mal nicht enttäuscht.


    Das Buch beginnt mit einem Prolog, dessen Sinn sich erst am Ende des Buches erschließt. Es handelt sich um die letzten Gedanken einer sterbenden Person; der Person, die tot am Fuße der Klippen gefunden wurde.


    Dann beginnt Rebecca damit, rückwirkend die Geschichte zu erzählen. Rebecca hat die direkte Anrede gewählt – sie spricht direkt zu mir, so als wenn mir eine Freundin eine Begebenheit aus ihrem Leben erzählen würde. Sie erzählt von ihrer Frau Lucy und der kleinen Greta, wie sie Julia kennengelernt hat und sie anschließend fieberhaft sucht und so wird der Leser aus 1. Hand informiert und direkt ins Geschehen eingesogen. Die Erzählung Rebeccas endet vorerst an der Stelle, an der die Kriminalkommissarin Edda Timm in die Geschichte involviert wird – und zwar mit dem Fund der Leiche am Fuße des Steilufers. Von diesem Moment an erzählt eine außenstehende dritte Person und beleuchtet die Ermittlungen und die damit zusammenhängenden Fortschritte von Edda und ihrem Team. Ganz kurz vor der finalen Auflösung des Falles übernimmt Rebecca wieder das Wort und erzählt erneut aus ihrer Sicht und wieder direkt an den Leser gewandt, was sich wirklich zugetragen hat. Für mich war diese Erzählweise neu. In all den Büchern, die ich schon gelesen habe, wurde ich – zumindest nicht wissentlich - noch niemals direkt von einem Protagonisten angesprochen, was für mich das Leseerlebnis schon mal außergewöhnlich machte.


    Einen Punkt muss ich der Autorin zu Gute halten: Ihre Ermittlerin Edda Timm hat zwar auch ihre Macken und Nauben (Schrullen und Launen), sie trägt aber keinen Sack voller Dämonen mit sich, die im Laufe der Geschichte den Fall zu einer persönlichen Sache werden lassen. Vielen Dank dafür!!


    Die Anzahl der handelnden Personen ist überschaubar und alle Personen werden realistisch dargestellt.


    Lucy ist die Behütende, sie sorgt sich um ihre Frau Rebecca, möchte immer jedem alles recht machen und auch ihr Freund und Geschäftspartner Finn Hofmeister kann sich in jeder Lebenslage auf Lucy verlassen.


    Rebecca leidet seit einigen Monaten an Depressionen, weswegen sie mit ihrer Frau Lucy und Greta nach Rerik gezogen ist. Dort genießt sie die Stille, kann ihrer Tochter die ungeteilte Aufmerksamkeit widmen, fühlt sich aber scheinbar doch im tiefsten Inneren einsam, sonst hätte sie sich nicht so gedankenlos auf Julia eingelassen. Diese Begegnung wird sie noch bereuen, das merkt sie aber viel zu spät.


    Bei Edda Timm scheiden sich die Meinungen. Entweder man mag sie, oder man mag sie nicht. Sie behandelt ihre Kollegen von oben herab, fühlt sich als etwas besseres, ist pedantisch, übergenau und verbissen – aus meiner Sicht ist es aber genau das, was gute Polizeiarbeit braucht, um einen Fall aufzulösen. Aber auch eine Edda ist nicht unfehlbar, weswegen sie ab und zu einen Ex-Kollegen zum Gedankenaustausch hinzuzieht.


    Die Autorin schafft es, von Anfang an Spannung in den Fall zu bringen und diese auch bis zum Schluss zu halten. Als Leser ist es mir die ganze Zeit über unmöglich, den Täter zu benennen, der kristallisiert sich tatsächlich erst zum Ende des Buches heraus. Auch wenn der Kreis der handelnden Personen überschaubar ist, ist der Täter tatsächlich nicht greifbar.


    Das Buch umfasst 458 Seiten und ist in 4 Teile eingeteilt. Teil 1 und Teil 4 sind den Erzählungen von Rebecca zugeordnet, Teil 2 und Teil 3 beziehen sich auf die Ermittlungen von Edda und ihrem Team und umfassen die Wochentage Donnerstag bis Sonntag.


    Für mich war auch das wieder ein tolles Buch der Autorin Petra Johann. Ich hadere jedoch nur ein klein wenig mit der vom Verlag vorgenommenen Einteilung als „Thriller“. Für mich liegt der Schwerpunkt des Buches eindeutig auf der Ermittlungsarbeit, von daher ist es in meinen Augen eher ein Krimi als ein Thriller. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau.


    Vielen Dank an Petra Johann für unsere gemeinsame Leserunde, für das Leseexemplar danke ich neben der Autorin auch dem Verlag ruetten & loening und vielen Dank auch an Literaturschock.de, auf deren Plattform wir die Leserunde abgehalten haben.


    5ratten

    Jetzt nochmal zum Prolog:


    Rebecca hat Lucy - ungewollt - die Klippe hinuntergeschubst und ist ja dann runter zum Strand, um zu sehen ob Lucy tot ist oder nicht. Lucy hat wohl noch einen Moment gelebt, denn die Schritte, die sie gehört hat, waren sicher die von Rebecca. In dem Moment als sie sie hörte, wusste sie dann aber auch, dass sie nicht mehr so lange leben wird, bis Rebecca sie erreicht hat.

    Erst mal vielen Dank für das Kompliment, es freut mich sehr, dass Dir das Buch so gut gefallen hat und dass Edda Dir nicht zu irre war :-).

    Nein, Edda war mir tatsächlich nicht zu irre, im Gegenteil, ich empfand sie als wohltuend normal. "Süchtig" nach einem Spiel war ich auch schon, das war für mich jetzt nicht allzu schräg.


    In den Krimis/Thrillern, die man sonst in letzter Zeit in die Hand bekommt, haben die Ermittler immer irgendwie riesengroße Dämonen im Gepäck, die dann auch immer irgendwie etwas mit dem aktuellen Fall zu tun haben. Das geht mir - sorry - sowas von auf die Nerven.

    Trotzdem verstehe ich nicht, wie sie Finn bei der Beseitigung der Leiche unterstützen konnte.

    Irgendwo stand, dass Lucy für Finn öfter mal die Kohlen aus dem Feuer geholt hat. Wahrscheinlich wäre alles schon zu dem Zeitpunkt aufgeflogen, weil Finn mit der Situation überfordert gewesen wäre und er wollte doch auch zur Polizei gehen ..... dann hätten sie Greta auf jeden Fall verloren.

    Die Julia, die Rebecca kennengelernt hat, war gar nicht Julia - die war zu dem Zeitpunkt tatsächlich tot - sondern ihre Cousine, Diana Lauer. Ich gehe jetzt davon aus, dass sie ihre Augenfarbe mittels Kontaktlinsen verändert hat und nicht auch unter dieser Heterochromie litt.


    Klar, dass sie nicht zum Abendessen gekommen ist. Sie wäre ja dort auf Lucy und Finn gestoßen, die sie ja kannten.


    Auf Seite 375 gibt es dann auch endlich die Auflösung zum Geschlecht des Kindes, welches Julia erwartet hat - es war ein Mädchen und kein Junge und somit macht das alles dann auch Sinn.


    Auf Seite 382 beantwortet sich unsere Frage, wie schnell Rebecca nach der Fehlgeburt von Paul wieder schwanger geworden sein könnte ..... Deswegen ja auch meine Vermutung, ob es sich um eine Zwillingsschwangerschaft gehandelt hat und sie nur 1 von 2 Kindern verloren hatte. Auch wenn es biologisch möglich ist, direkt wieder schwanger zu werden, stehen da doch noch die psychischen Dinge, die eine Frau nach einer Fehlgeburt belasten. WILL man direkt wieder schwanger werden (wenn man das zwanghaft sieht, vielleicht), oder muss man nicht erst das eine Kapitel abschließen, um ein neues beginnen zu können?


    Es ging also nur teilweise um Greta - Diana wollte nicht das Kind zurückhaben, Diana wollte Geld, weil sie das Geheimnis von Greta kannte. Letztendlich hat sie das dann auch das Leben gekostet. Wahrscheinlich war Rebecca auf der Fahrt zum Treffpunkt so in ihren Gedanken verstrickt, dass sie es nicht gemerkt hat, dass der Wagen von Edda so lange an ihr dranhing. Jeder andere hätte das wahrscheinlich bemerkt.


    Clever, dass Lucy mit Julia zu den Vorsorgeuntersuchungen gegangen ist und sie von Anfang an den Namen von Rebecca benutzt haben. Das war tatsächlich die einfachste Lösung, damit die Papiere am Ende dann auch auf die richtigen Namen lauteten.


    Finn hat Julia ermordet und Lucy hat ihm geholfen, die Leiche zu entsorgen. Das erklärt ihre Albträume, die erst nach dem Einzug von Greta in ihrem Leben auftetreten sind. Vielleicht erklärt das auch ein wenig die emotionale Distanz, die uns im 1. Leseabschnitt aufgefallen ist, dass Lucy nicht sehr viel Bezug zu Greta hatte.


    Rebecca hat Lucy - versehentlich - über die Klippe geschubst. Ich glaube tatsächlich, dass Rebecca das nicht wollte und auch nicht wusste, wie nahe ihre Frau am Abgrund stand. Es zeigt aber ganz deutlich, dass Mutterschaft nicht unbedingt an eine DNA gebunden sein muss, man kann auch für ein fremdes Kind zur Löwenmutter werden. Dieses Gefühl kenne ich tatsächlich selbst auch ganz gut. Es gibt da einen jungen Mann in meinem Leben, der nicht mein eigen Fleisch und Blut ist, für den ich mich aber zerreißen würde, wenn es notwendig wäre.


    Lucy hatte ja den Plan, Julia ihr Kind zurückzugeben - ich bin mir ziemlich sicher, dass Rebecca in dem Fall auch nicht einfach so klein beigegeben hätte, alleine schon diese Situation hätte jede Menge Zündstoff beinhaltet. Aber dazu kam es ja dann nicht.


    Kurt hätte doch besser zur Pommesbude gehen sollen, dann wäre er nicht noch auf seine Schwägerin Mara gestoßen. =O


    Liebe PetraJohann,

    das war mal wieder eine Geschichte nach meinem Geschmack. Spannend bis zum Ende und dann eine Auflösung, die sich logisch erklären lässt und nachvollziehbar ist. Alle Fragen sind beantwortet. Das mag ich an Deinen Büchern. Ich hadere aber (nicht nur bei diesem Buch) immer mit der Einteilung "Thriller". Ist ein Thriller nicht eigentlich eine Story, bei der man von Anfang bis Ende durch die Augen des Täters schaut, wogen das hier für mich eher ein Krimi ist, weil der Schwerpunkt auf den Ermittlungen der Polizei liegt. Oder sehe ich das falsch ?

    Manche Erinnerungen hinterlassen Narben auf der Seele


    München, 1956


    Die 16jährige Karin tut das, was alle Jugendliche in diesem Alter tun – sie trifft sich mit Freunden, geht am Baggersee schwimmen, entwickelt ihren eigenen Kleidungs- und Schminkstil und ist deswegen ein Dorn im Auge der tugendhaften Nachbarinnen. Jegliche Ermahnungen ihrer alleinerziehenden Mutter, sie möge die beiden Damen doch bitte nicht provozieren, prallen wirkungslos an Karin ab. Sie möchte ihren Spaß haben und ihr Leben genießen. Irgendwie findet sie immer einen Weg, die Verbote ihrer Mutter zu umgehen. Wenn sie auf ihren 11jährigen Bruder Pelle aufpassen soll, besticht sie diesen mit einem Comic-Heft oder anderem, damit er die Klappe hält und sie nicht verrät. Als ihre Mutter für 2 Tage auf einer Weiterbildung ist, lässt Karin einen Freund bei sich übernachten, weil er Angst vor den Prügeln seines Vaters hat. Die beiden Nachbarinnen haben natürlich gesehen, wie Mani am Morgen das Haus verlassen hat und erstatten Anzeige gegen Karins Mutter. Ihr wird zur Last gelegt, sie habe gegen den Paragraphen 180 des Strafgesetzbuches verstoßen und sich der Kuppelei* strafbar gemacht.


    Dann geht alles sehr schnell: Das Jugendamt wird eingeschaltet, Karins Mutter wird das Sorgerecht für ihre beiden Kinder Karin und Pelle entzogen, die Beiden werden einem vom Gericht bestimmten Vormund unterstellt und im Erziehungsheim Sankt Marien, einer kirchlichen Einrichtung, untergebracht.


    München, 2019


    Jens Remy stirbt mit knapp 69 Jahren im Krankenhaus an einem Herzinfarkt. Zufällig ist gerade seine Tochter Imke bei ihm und seine vorletzten Worte gelten seiner Frau Karin. Imke soll ihr sagen, wie sehr er sie geliebt habe und dass sie das große Glück in seinem Leben war. Seine letzten Worte sind an Imke direkt gerichtet: „Such nach Peter“, dann verstirbt er.


    Von den 3 Töchtern Geli, Imke und Anne hat Imke den besten Draht zu ihrer Mutter und da Karin seit dem Tod ihres Mannes zu verwahrlosen droht, geht Imke ihr ein wenig mehr als üblich zur Hand. Auf Peter angesprochen und den letzten Willen ihres Vaters, ihn zu suchen bzw. zu finden, reagiert Karin so, wie sie in all den Jahren zuvor reagiert hat, wenn eine ihrer Töchter sie auf ihre eigene Vergangenheit angesprochen hat: Sie verweigert standhaft die Auskunft und lebt nach dem Motto: „Keinen Blick zurück“.


    Geli, Imke und Anne fragen sich seit Jahren, warum ihre Mutter so gefühlsarm ist. Sie war noch nie in der Lage, ihre Kinder in den Arm zu nehmen und ihnen mütterliche Wärme und Geborgenheit zu vermitteln. Außerdem hat sie verschiedene Eigenarten, die ihre Kinder nicht verstehen, so kann sie z. B. keine geschlossenen Türen ertragen. Wäre Jens nicht so ein liebevoller Vater gewesen, die 3 Mädels wären in einer emotional kalten Welt aufgewachsen. Warum Jens sie über alles geliebt hat, hat Karin auch nie wirklich verstanden.


    Die Suche nach Peter ist nicht einfach, es gibt aus der damaligen Zeit keine Unterlagen mehr und wenn doch, dann könnte nur Karin die Einsichtnahme in die Akten beantragen, was sie aber vehement verweigert. Imke findet trotzdem einen Weg diese Papiere einsehen zu dürfen und während sie nach Peter sucht, findet sie eigentlich ihre Mutter.


    Neben dem, dass Imke all die schrecklichen Dinge über die Zeit im Erziehungsheim Sankt Marien ans Tageslicht bringt, droht gleichzeitig ihre Familie auseinanderzufallen, denn seit dem Tod des Vaters werden die Schwestern zu Rivalinnen.


    Karin wird seit dem Tod ihres Mannes wieder von Albträumen geplagt ….. findet sie irgendwann doch noch ihren Frieden oder zerbricht sie an der Tatsache, dass Imke die dunklen Seiten ihres Lebens nach oben kehrt?


    Ich liebe die Bücher von Ellen Sandberg. Auch in „Die Schweigende“ verarbeitet sie wieder einen Teil der dunklen deutschen Vergangenheit, perfekt verwoben in eine fiktive Geschichte.


    Die Charaktere sind so lebensecht beschrieben und die Geschichte so dicht, dass man das Gefühl hat, selbst mittendrin im Geschehen zu sein. Die Beschreibung der Vorkommnisse, die Beschreibung der Schauplätze… man hat das Gefühl alles aus einer versteckten Perspektive zu beobachten – und, was für mich das Wichtigste an einer solchen Geschichte ist - man kann es fast am eigenen Leibe mitfühlen.


    Die Geschichte wird auf 2 Zeitebenen erzählt. Auf der einen Seite ist die Geschichte der jungen Karin, die 1956 beginnt, und ihr Leben in einem kirchlichen Erziehungsheim schildert, auf der anderen Seite ist es die Geschichte der Karin, die im Jetzt und Hier des Jahres 2019 lebt, verwoben mit der Geschichte ihrer 3 Töchter Geli, Imke und Anne, die nach dem Tod ihres Vaters ihren Zusammenhalt verlieren. Abwechselnd erzählen die einzelnen Charaktere aus ihrer Sicht.


    Eigentlich mag ich von den 3 Schwestern nur Imke wirklich, denn Geli und Anne sind sehr egoistisch und was sie sich gegenseitig und ihrer Mutter antun, das ist echt nicht ohne.


    Wie so oft mag ich es lieber, über die Vergangenheit zu lesen – es ist unfassbar, welche Gräueltaten damals im Namen Gottes an Schutzbefohlenen begangen wurden. Auch wenn die Geschichte im großen und ganzen Fiktion ist, bin ich sicher, dass es damals genau so zugegangen ist – nicht nur in diesem kirchlichen Kinderheim, sondern in allen Einrichtungen, in denen Menschen, egal welchen Alters, zu anderen Menschen in einem Abhängigkeitsverhältnis standen.


    Manches im Verhalten der 4 Frauen ist vielleicht ein wenig überzogen geschildert, aber für mich macht genau das die Geschichte zu dem, was sie ist.


    Das Buch umfasst 544 Seiten, der Schreibstil der Autorin lässt mich an den Seiten kleben, so dass ich am Neujahrstag knapp die Hälfte des Buches zusammenhängend gelesen habe.


    * Anmerkung:

    Unter Kuppelei verstand man die Förderung und Tolerierung außerehelichen Geschlechtsverkehrs, was seit 1872 unter Strafe steht. Der Paragraph ist noch heute gültig, wurde jedoch angepasst.


    5ratten

    Sehr wahr, wenn ich feststecke, mache ich es gerne so, dass ich jemand anderem von meinem Problem erzähle. Der/die muss dann gar nicht verstehen, worum es geht, und auch nichts Kluges dazu sagen, durch das Aussprechen wird mir vieles auch so klar.

    Mir geht es auch oft so, daher war mir das gleich klar, warum sie mit Sebastian redet. Manchmal wird mir etwas klar, schon während ich den Satz ausspreche.

    Ach ja, die Sache mit Sebastian - dass Edda mit ihrem toten Kollegen redet, finde ich jetzt nicht ganz so schlimm, denn Trauerbewältigung findet ja oftmals auf vielfältige Weise statt. Dass sie aber tatsächlich mit ihm telefoniert, also das Telefon so benutzt, als wäre auf der anderen Seite tatsächlich jemand, der antwortet, das finde ich ein wenig schräg. Aber scheinbar bekommt sie ja gutes Feedback von ihrem toten Kollegen.....


    Manchmal ist es ja tatsächlich so, dass man betriebsblind ist und dadurch, dass man jemand außenstehendem den Sachverhalt erzählt, fällt einem dann auf, wo es klemmt oder man sieht etwas, was man vorher nicht wahrgenommen hat. Man muss dafür nicht unbedingt Rückmeldung von der anderen Person bekommen.