Beiträge von yanni

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

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    Mein aktuelles Buch, Das Gummistiefelgefühl, flutscht nicht so wie ich dachte. Es klingt vielleicht komisch, aber bei mir hakt es an der Schrift. Sie so kantig, dass ich echt beim Lesen dran hängen bleibe. Hattet ihr so etwas auch schon mal? Die Schrift erinnert mich ein wenig an Schreibmaschine. Hätte ich nicht gedacht, weil es so schön groß geschrieben ist. Sonst hab ich immer bei längerem Lesen Probleme mit der zu kleinen Schrift.


    Davon ab, mir gefällt das ganze Buch nicht so umwerfend. Diese Aussteiger-Bücher können manchmal ganz lustig sein. All die Probleme die Städter oft nicht in Betracht gezogen haben, wenn sie das Wagnis Stadtflucht eingegangen sind. Aber das Buch läuft unter Pseudo-Sachbuch und das ist so gar nicht meins. Halb fiktiv, halb autobiografisch.


    Die "Wölfe" hab ich auch noch im Regal stehen. :)

    Die zweite Hälfte des Romans beschäftigt sich hauptsächlich mit Elaines Kunststudium und zum Teil mit ihrem Leben bis zur zweiten Eheschließung.

    Wie aus dem Text hervorgeht, hat sie ihre Kindheitserinnerungen ausgeblendet, kann sich manchmal an gar nichts daran erinnern. Das zeigt für mich, wie traumatisch diese Zeit für sie gewesen sein muss. Sie hat Hassgefühle in sich, die sie sich aber nicht erklären kann. Das drückt sich später auch in ihren Bildern aus.

    Wann genau das Erinnern eingesetzt hat, wird mir nicht ganz klar. Es schein bruchstückhaft eingetreten zu sein, aber ob sie sich wirklich so Stück für Stück alles neu zusammengesetzt oder ob es sich nicht doch lawinenartig fortgesetzt hat, bleibt ungewiss.


    Klar ist, dass Elaine ihre Opferrolle abgelegt hat, oder es zumindest annimmt, und die Seiten gewechselt hat. In diesem Zusammenhang geht mir eine Bemerkung ihrer Mutter nicht aus den Kopf, die mich überlegen lässt, ob ich das Buch nicht ein zweites Mal lesen sollte. Nicht gleich, aber in absehbarer Zeit.


    Interessant fand ich Elaines schon fast zwanghaften Wunsch Cordelia wiederzusehen. Wie ihr Bild von Cordelia von Beginn der Erzählung bis zum Ende hin sich wandelt.


    Im nachhinein möchte ich den oben zitierten Satz, Katzenauge ist ein großer Roman über die Kindheit und über die Freundschaft zweier Frauen, mit einem großen Fragezeichen versehen.


    Das Cover meiner Ausgabe finde ich übrigens sehr passend. Da hat man sich echt was dabei gedacht. Für mich eine Schlüsselszene.


    4ratten + :marypipeshalbeprivatmaus:




    Mich hat aber gestört, dass das Ganze sehr distanziert erzählt wurde und man nie herausfindet, wie es nun zu der Konstellation kam, was die anderen wirklich über Elaine denken. Man bleibt also in der Sicht/ Rolle des Opfers. Durch die Distanz übernimmt man aber auch diese nicht ganz, daher war der Roman für mich etwas halbgar.


    Erzählt wird das Buch immer aus Sicht Elaines. Als Kind wird sie sicher nicht das Verhalten der anderen Mädchen analysiert haben, zumal sie sich in der Welt dieser Mädchen völlig fremd fühlt. Sie ist in den Wäldern zusammen mit ihrem älteren Bruder aufgewachsen. Wie sie selber immer wieder betont, ist die Jungenwelt diejenige, die sie versteht.


    Sie möchte gern dazu gehören. Daher lässt sie sich alles gefallen. Wenn sie sich wehren würde, hätte sie ihre Chance vertan. Dass sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen kann, macht das Ereignis am Bach möglich. Sie wird zur Ketzerin. Aber um damit fertig zu werden, "vergisst" sie alles und fängt neu an. Dass es aber nicht spurlos an ihr vorbei gegangen ist, sieht man an ihrem eigenen Verhalten und ihrer Kunst.

    Wann sie sich wieder ganz an alles erinnert, ist unklar. Zumindest für mich.


    Mir hat das Buch, bis auf den etwas zu langen Schluss, sehr gut gefallen. Elaine kann ja nicht wissen, was andere über sie denken, außer sie ist zufällig Zeuge einer Unterhaltung über sie. Ich glaube auch nicht, dass Mobbingopfer in jener Zeit viel Hilfe bekommen und deshalb oft geschwiegen haben. Dass es auch anderen bekannt war, ist deutlich geworden. Hinzu kommt noch, dass die ganze Familie als "anders" galt - Außenseiter waren. Deshalb konnte sie sich auch in den jungen Studenten und späteren Mitarbeiter ihres Vaters so gut einfühlen.

    Inzwischen bin ich fast durch mit dem Roman.


    Nach diesem Ereignis verändert sich Elaines Leben. Die Freundschaft mit Cordelia, Grace und Carolin löst sich auf. Der anstehende Schulwechsel reißt die 4 ebenfalls auseinander und so sucht sich Elaine andere Freundinnen, wechselt zur High School und hat lange Zeit als Berufswunsch Biologin. Ihr Bruder Stephan studiert derweil Astrophysik und die Familie beginnt auseinander zu driften.


    Die größte Veränderung geht mit Elaine vor. Sie wechselt nicht nur die Schule, sonder auch ihren Platz innerhalb der Gruppen. Weg von der Rolle des Sündenbocks. Besonders auffällig wird es, als Cordelia wieder in die selbe Schule geht.


    Eines Tages ist Elaine sich bewusst, dass sie nicht Biologin sonder Malerin werden möchte. Es wird beschrieben, welchen Weg sie dazu einschlägt, welche Leute sie kennenlernt, mit wem sie eine Beziehung eingeht und schließlich ihre erste Familiengründung. Das diese nicht halten wird, ist von Anfang an bekannt.

    Durchzogen ist die Reise in die Vergangenheit immer wieder vom aktuellen Geschehnissen.

    Elaine lernt Carol kennen, mit der sie sich befreundet. Die beiden sind gleich alt und gehen in eine Klasse. Der Schulalltag wird beschrieben und nach den Sommerferien, die die Familie wieder in den Wäldern Kanadas verbringt, steht neben Carol ein anderes Mädchen, Grace. Grace ist ein wenig älter und wird von den beiden anderen bewundert und umworben. Für Elaine immer noch eine schwierige Angelegenheit, da sie sich nur langsam in der Mädchenwelt einlebt. Als dann Cordelia auftaucht, ändert sich alles. Sie ist diejenige, die bestimmt. Ihre Familie sticht heraus, sie haben sogar eine Frau, die bei ihnen sauber macht. Ab da wird nur noch gemacht was Cordelia will. Sie manipuliert die anderen drei und Elaine ist eindeutig das schwächste Glied.


    Elaine wird "erzogen", gedemütigt, massiv unter Druck gesetzt und glaubt dennoch mit den dreien befreundet zu sein. Grace Mutter hat es sich in den Kopf gesetzt Elaine zu missionieren und fortan geht sie jeden Sonntag mit dieser Familie zur Kirche. Ihre Eltern haben es ihr freigestellt das zu tun, obwohl ihnen nicht ganz wohl bei der Sache ist. Sie sind eine eher unkonventionelle Familie, besonders das ander sein ihrer Mutter wird Elaine oft unter die Nase gerieben.


    Aber egal was man ihr antut, sie schweigt.


    Erst als es zu einem gefährlichen Zwischenfall kommt, mischt sich ihre Mutter ein. Das erfährt man aber nur am Rande. Für Elaine wird es zur Befreiung, denn sie wehrt sich oder besser ausgedrückt sie ignoriert die anderen. Endlich!

    Diese traumatische Zeit blendet sie später fast ganz aus, wie man aus ihren Rückblicken erfährt. Einmal sagt sie, dass sie sich nicht gegen die Mädchen zu wehren wusste, wären es Jungen gewesen, hätte sie sie mit ihren eigenen Waffen geschlagen.


    Ihre Erfahrungen mit Carol, Grace und vor allem Cordelia verfolgen sie ihr ganzes Leben. Sie beeinflussen sogar die Erziehung ihrer Töchter, denen sie Söhne vorgezogen hätte, weil sie sich in ihrer Welt besser ausgekannt hätte.