Beiträge von Emmy

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Ivy`s Geschichte führt uns nach New York, ein bunter, lebendiger und widersprüchlicher Kosmos. Unzählige Leben und Schicksale, Farben und Formen, hell und dunkel, dur und moll, formen die Melodie dieser Stadt und Ivy ist ein Teil davon.

    Sie ist jung, hat einen Job und ihr Vater ist ein erfolgreicher Schriftsteller, dennoch fühlt sie sich oft einsam und innerlich leer, denn ihre Mutter Lila ist vor 13 Jahren spurlos verschwunden. Vom Leben ihrer Mutter blieben ihr nur Fragmente, Photos, die mehr verbergen als enthüllen, Schatt-

    en, Ahnungen, veränderlich wie das Meer. Ivy sammelt Fundstücke, die irgendwann, irgendwo jemand verloren hat. Diese manchmal skurrilen Gegenstände erzählen ihr Geschichten aus der Vergangenheit und werden zu wertvollen Erinnerungen. Außerdem liebt sie Wörter aus anderen Sprachen, die besondere Dinge und Situationen beschreiben, weil auch sie auf der Suche ist nach Spuren und Erklärungen.

    Sie wird erst eine Zukunft für sich finden können, wenn sie die Vergangenheit für sich eingeordnet hat und vielleicht Worte oder Bilder für ihre Gefühle gefunden hat. Ihre Freude an diesen besonderen Worten hat auch ihren Ursprung in dieser inneren Unrast und seelischen Einsamkeit - alles was einen so schönen Namen hat, ist auch real und verdient es, gesehen zu werden.

    Ivy sucht Orte und Menschen auf, die vom Leben ihrer Mutter erzählen, eine Zeitreise der individuellen Erinnerungen. Sie sucht verzweifelt nach einem verlässlichen Kompass in diesem Labyrinth ihrer Ängste und Schuldgefühle und der vielen Fragen, die ihr dennoch keiner beantworten kann. Auch wenn es wahrscheinlich keine endgültige Wahrheit geben kann in dieser komplizierten Frage, mag es für Ivy und ihre leidende Seele heilsam und tröstlich sein, dass sie es überhaupt versucht hat. Es sind so viele verschiedene Stimmungen und atmosphärische Prägungen, die Ivy auf ihrer Suche begegnen und überall könnte auch eine Facette, ein bisher verborgener Wesenszug von Lila spürbar werden. Ivy folgt den Wegen ihrer Mutter wie einer Spur in der Zeit, eine Reise in Lila`s Vergangenheit von Maine bis Florida und lernt dabei vor allem eine ganze Menge über sich selber und ihr bisheriges Leben. Sie kann endlich loslassen in diesem Zwischenstadium von Abstreifen der alten Zwänge und dem Versuch, einen eigenen Weg in die Zukunft zu finden.

    Sie beginnt auch Lila besser zu verstehen - hell und dunkel gehören zusammen, ohne Licht gibt es keine Schatten, ohne Traurigkeit keine Glücksmomente, Dämonen und Engel sind zwei Seiten derselben Dimension, Facetten unserer Seele.

    Es wird eine sehr emotionale Reise mit Ivy auf ihrem spirituellen Weg zu ihrer Mutter .Ihre Erfahrungen sind so nahbar und wahrhaftig, getragen von den Mysterien des Menschseins in all seinen Facetten - Trauer und Glück, Hoffnung und Scheitern, seelischen Wunden und der Suche nach Heilung. Die sprachliche Ausgestaltung sowie die erzählerische Stimmung erzeugen eine weich fließende Melodie aus vielen Motiven und Farben, die Gegensätze vereint, Brüche hat und ähnlich schillernd und geheimnisvoll wie das Meer oder das geheimnisvolle Reich der Erinnerungen



    5ratten:tipp:

    Wie sollen wir nur die vielen Monate bis zum 2. Teil der Eisbaronin überstehen ?

    Ich hätte da einen Vorschlag: nochmal den ersten Teil lesen oder einen der vielen faszinierenden Romane, die Nicole bereits verfasst hat. :)

    Vielen Dank an euch alle für diese interessante Runde und ganz besonderen Dank an dich, liebe Nicole, für deine einfühlsame Begleitung und die vielen Hintergrundinformationen. <3

    Zitat von Emmy

    Dazu scheint mir auch das Gewächshaus zu passen, ein Haus nur aus Fenstern, wo sie sich so wohlgefühlt hat, geschützt und doch ganz nah an der Welt da draußen, wo Licht, Sonne, Wolken, Bäume ganz nah sind. Diese neuen Erfahrungen öffnen auch ihre Sinne, ihre Wahrnehmung für Gerüche, Farben, Geräusche, Stimmungen - es ist wie eine Wiedergeburt in einem neuen unbekannten Land, das sie mit Wärme und bunten Lebensfarben empfängt.

    Das Gewächshaus als geschützter Raum, in dem Ivy behütet wachsen kann? Der Gedanke ist mir noch gar nicht gekommen, aber ich finde ihn wunderschön.


    Zitat von Emmy

    Lila ist jetzt endlich frei, weil auch Ivy sich befreit hat und damit haben sie auf einer spirituellen Ebene zueinander gefunden.

    Da hatte ich jetzt wieder Tränen in den Augen. Danke, Emmy! <3

    Auch für mich war es eine sehr emotionale Reise mit Ivy und Lila, schon lange hat mich eine fiktive Geschichte nicht mehr so tief berührt. Ihre Erfahrungen sind so nahbar und wahrhaftig, getragen von den Mysterien des Menschseins in all seinen Facetten - Trauer und Glück, Hoffnung und Scheitern, seelischen Wunden und der Suche nach Heilung. Vielen Dank für diese wundervolle, kluge und zutiefst wahrhaftige Geschichte, liebe Nicole. <3

    Auch ich konnte mit einem guten Gefühl von den Personen, die ich ins Herz geschlossen habe, Abschied nehmen und sehe eine hoffnungsvolle Zukunft für sie alle.

    Für Ivy war vor allem ihre Zeit bei Stan heilsam, bei ihm konnte sie ihre Angst vor Nähe überwinden und die belastende Spirale aus Schuldgefühlen und der daraus resultierenden Abwertung ihrer selbst. Endlich kann sie ohne negative Gefühle einen Zustand der Harmonie genießen mit einem Du, wo zuvor immer nur Ivy war, alleine und isoliert, gefangen in ihrer Blase aus Ängsten. Sie war selbst so eine Art "House without windows" , ein in sich geschlossenes Selbst ohne Licht und Wärme. Dazu scheint mir auch das Gewächshaus zu passen, ein Haus nur aus Fenstern, wo sie sich so wohlgefühlt hat, geschützt und doch ganz nah an der Welt da draußen, wo Licht, Sonne, Wolken, Bäume ganz nah sind. Diese neuen Erfahrungen öffnen auch ihre Sinne, ihre Wahrnehmung für Gerüche, Farben, Geräusche, Stimmungen - es ist wie eine Wiedergeburt in einem neuen unbekannten Land, das sie mit Wärme und bunten Lebensfarben empfängt.

    Jetzt ist sie auch bereit für ihr neues Leben mit Jack und sogar ihre Fundstücke und Photos konnte sie freilassen in das Leben, das schon immer in ihnen schlummerte.

    Der symbolische Abschied von Lila am Meer bedeutet ein spätes Loslassen ohne Vergessen oder Bitterkeit, eine Versöhnung ohne Schuldgefühle. Lila ist jetzt endlich frei, weil auch Ivy sich befreit hat und damit haben sie auf einer spirituellen Ebene zueinander gefunden.

    Auch für mich war es schwierig, ein Gefühl von Nähe und Vertrauen zu meiner Mutter zu entwickeln. Erst als ich älter war, konnte ich ihr Verhalten besser einordnen und als sie dann älter wurde, haben wir eine für uns ganz ungewohnte Nähe erleben dürfen, wofür ich sehr dankbar bin.

    Der Text von Rilke hat mich auch so sehr an Lila erinnert und ihre offenen Worte in dem Brief an Stan - es fühlte sich so an, als hätte er auch an Lila gedacht, als er das für Paula verfasst hat. Aber darauf kommt es letztlich auch garnicht an, Literatur ist immer für alle wertvoll und berührend, die sich darin wiederfinden und an Menschen und Augenblicke erinnert werden, für die sie vielleicht selber keine Worte haben.

    Auch für Ivy ist die Zeit mit Stan sehr besonders - sie erlebt Freiheit und Natur ganz neu, die Weite von Himmel und Meer. Sie kann endlich loslassen in diesem Zwischenstadium von Abstreifen der alten Zwänge und dem Versuch, einen eigenen Weg in die Zukunft zu finden.

    Sie beginnt auch Lila besser zu verstehen - hell und dunkel gehören zusammen, ohne Licht gibt es keine Schatten, ohne Traurigkeit keine Glücksmomente, Dämonen und Engel sind zwei Seiten derselben Dimension, Facetten unserer Seele.

    Stan konnte Lila und auch Ivy beides geben - Freiheit und Geborgenheit - weil auch er beide Seiten erlebt hat, Irrwege, Abstürze und Heilungen, und daraus gelernt hat. Er wirkt fast therapeutisch, heilsam, ohne viele Worte zu brauchen, allein durch seine Ruhe und Präsenz. Er lässt ihnen den Raum, um zu sich zu kommen. Er ist einfach da und greifbar, wenn er gebraucht wird. Er ist wie ein Wegweiser im Nebel, wenn man die Orientierung verloren hat und nicht mehr nachhause findet. Er hat keine Erwartungen, fordert nichts, dominiert nicht, er lässt die Dinge einfach geschehen und wartet ab, was sich entwickelt oder sich verändert - darin gleicht er seinem treuen Hund Buddy.

    Auch in unseren Familien gab es leider oft ähnliche Zerwürfnisse und Streitigkeiten, von einigen habe ich erst (zu) spät erfahren. Ein Cousin wurde mir komplett verschwiegen, weil er mal im Gefängnis saß. Als er dann tot war und meine Cousine mir die Hintergründe erläutert hat, tat es mir so leid, dass wir nie die Chance hatten, uns kennenzulernen.

    Ivy folgt den Wegen ihrer Mutter wie einer Spur in der Zeit, eine Reise in Lila`s Vergangenheit bis nach Florida zu Stan. Er ist in gewisser Weise der Joker in diesem Labyrinth aus Fragmenten und einzelnen Hinweisen zu Lila`s Mysterien. Stan ist ein einfühlsamer, sensibler Kerl unter seinem ruppigen, maskulinen Äußeren. In ihrem Brief hat Lila ihm erzählt, was sie immer so einsam sein ließ, so fremd in der Welt der Menschen. Nur bei ihm konnte sie so ehrlich und offen sein, weil er es versteht - es gibt keine Gewissheiten, keine Kausalität von Ursache und Wirkung, jeder ist den Stürmen ausgeliefert, im Grunde allein und schutzlos. Lila hatte früher an eine Art von schicksalslogischer Gerechtigkeit geglaubt, die es nicht geben kann. Diese Erkenntnis war wie ein Abgrund von Angst für sie, es gab keine Rettungsringe mehr, um sich aus dem Strudel der Willkür zu ziehen, keine Hoffnung auf Erlösung. Sie konnte den Erwartungen ihrer Umwelt nicht genügen, fühlte sich zu schwach, zu verletzlich, zu porös in dieser Welt.


    Bei Lila´s Geschichte musste in an einen Text von Rilke denken, den er im Jahr 1908 verfasst hat im Gedenken an die Malerin Paula Modersohn-Becker, die 1907 im Alter von 31 Jahren verstorben war - "Requiem für Paula". Es ist ein langer Text, ich zitiere euch mal ein paar Zeilen daraus:

    .....

    dass du von deiner Ewigkeit ein Stück

    verlierst und hier hereintrittst .....

    den Aufgang der unendlichen Naturen

    nicht so ergriffst wie hier ein jedes Ding;

    dass aus dem Kreislauf, der dich schon empfing,

    die stumme Schwerkraft irgend einer Unruh

    dich niederzieht zur abgezählten Zeit......


    Ich will mir von den Gärtnern viele Blumen

    hersagen lassen, dass ich in den Scherben

    der schönen Eigennamen einen Rest

    herüberbringe von den hundert Düften.

    Und Früchte will ich kaufen, Früchte, drin

    das Land noch einmal ist, bis an den Himmel.

    Denn Das verstandest du: die vollen Früchte.

    Die legtest du auf Schalen vor dich hin

    und wogst mit Farben ihre Schwere auf.

    Und so wie Früchte sahst du auch die Fraun

    und sahst die Kinder so, von innen her

    getrieben in die Formen ihres Daseins.

    Und sahst dich selbst zuletzt wie eine Frucht,

    nahmst dich heraus aus deinen Kleidern, trugst

    dich vor den Spiegel, ließest dich hinein

    bis auf dein Schauen; das blieb groß davor

    und sagte nicht: das bin ich; nein: dies ist.

    So ohne Neugier war zuletzt dein Schaun

    und so besitzlos, von so wahrer Armut,

    dass es dich selbst nicht mehr begehrte: heilig.

    (...)


    Denn das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:

    die Freiheit eines Lieben nicht vermehren

    um alle Freiheit, die man in sich aufbringt.

    Wir haben, wo wir lieben, ja nur dies:

    einander lassen; denn dass wir uns halten,

    das fällt uns leicht und ist nicht erst zu lernen.



    Bist du noch da? In welcher Ecke bist du? -

    Du hast so viel gewusst von alledem

    und hast so viel gekonnt, da du so hingingst

    für alles offen, wie ein Tag, der anbricht.

    Die subtile Symbolik ihrer Namen Lila und Violet beschreibt auch ein wenig ihre Wesenszüge. Es sind beides Mischfarben zwischen rot und blau - oder auf einer metaphorischen Ebene zwischen Leben und Traum - und eine der Schwestern (Violet) wählte ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und die andere (Lila) den womöglich selbstzerstörerischen Traum?

    Ich habe nochmal nachgelesen, weil ich den Unterschied eigentlich nicht sehe. Violett ist er Oberbegriff für die Farben in dem Blau/rot Spektrum. Meist werden beide identisch gebraucht. Wenn man dann zu den Namen selbst geht, dann wäre Viola eher ein Veilchen und Lila eher der Flieder, also ein Baum. Das würde aber hier doch alles umdrehen, oder?

    Es ist völlig in Ordnung, wenn du andere Assoziationen hast bei den Namen, ich dachte vor allem an die Farben violett und lila. Das ist doch das Faszinierende an Literatur, dass sie so vieldeutig ist und jeder andere Details wahrnimmt. :)

    Mir war Violet von Anfang an sympathisch, weil sie so garnicht gefallen will. Sie wirkt auf ihre spröde Art ehrlich und ungekünstelt, sagt was sie denkt, lebt ihr selbstbestimmtes Leben und hält nichts von Leuten, die anders reden als handeln. Bei ihr hatte ich das Gefühl, sie ist auf dieser Ranch in den Bergen an genau dem für sie richtigen Ort mit den richtigen Leuten und dem für sie passenden Umfeld mit den Pferden, die sie auf die Art und Weise reiten und ausbilden kann, wie es ihnen entspricht. Das mochte ich an ihr ganz besonders - ihr Gefühl für die Pferde und ihre Abscheu gegenüber den brutalen Methoden der Unterwerfung. Auch für Ivy ist es eine gute Zeit bei Violet, sie erkennt Parallelen zwischen der Naturbegeisterung von Barbara Newhall- F. zu Lila`s Welt der Imagination und magischen Verbindungen zwischen Wirklichkeit und Phantasie. Alles kann einen Zauber in sich tragen, wenn wir ihn spüren und wahnehmen. Auch Ivy kennt diese Dimensionen der Wahrnehmung, hält die vielen kleinen und großen Wunder auf ihren Photos fest.

    Violet spricht auch das Thema "Mütter" und "Mutterliebe" an, ein weiteres Leitmotiv in ihrer, Lila`s und Ivy`s Geschichte. Diese nahe und verantwortungsvolle Art der Zuwendung kann sich auch auf andere Bereiche beziehen, wie auch auf Tiere und Menschen außerhalb der eigenen Familie. Vielleicht verhindert gerade die Nähe eines Familienlebens im Alltag diese Art von Liebe? Oft versteht man sich besser mit seinen Eltern und Geschwistern, wenn ein wenig Distanz entstanden ist - das ist zumindest meine Erfahrung.;)

    Sam gefällt mir sehr ! Ich mag Menschen mit Ecken und Kanten - sie können manchmal ruhig auch etwas größer sein :)

    Letztlich tragen er und Ivy ,zum Teil, die selben Wunden in sich und vielleicht können sie sich gegenseitig dabei helfen sie endlich heilen zu lassen. Es macht viel Freude zu lesen, wie die beiden sich ganz langsam annähren <3

    Mir gefällt er auch sehr gut ;) Menschen, die auch mal ihre schlechte Laune zeigen, waren mir schon immer näher und kommen mir ehrlicher vor als die ewig Gutgelaunten.

    Bei Sam hat es eine lange Vorgeschichte, dass er heute so lebt und ein wenig zum Einsiedler geworden ist. Seine Familie ist ihm entglitten und nach dem Tod von Nancy wurden ihm auch die Töchter fremd. Wahrscheinlich wollte er immer nur das Beste für sie alle, aber als er dann spürte, dass sie sich zu ganz eigenen, komplexen Persönlichkeiten entwickeln, fühlte er sich hilflos und überfordert und hat deshalb mürrisch und abweisend reagiert. Die subtile Symbolik ihrer Namen Lila und Violet beschreibt auch ein wenig ihre Wesenszüge. Es sind beides Mischfarben zwischen rot und blau - oder auf einer metaphorischen Ebene zwischen Leben und Traum - und eine der Schwestern (Violet) wählte ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und die andere (Lila) den womöglich selbstzerstörerischen Traum? Als Ivy die früheren Zimmer der Schwestern in Sam`s altem Holzhaus sieht, spürt sie noch in allen Winkeln den Atem und die Spuren der Vergangenheit. Bei Violet sind viele Sachen noch da, lebendig geblieben und präsent, während bei Lila scheint ihr damaliges Leben verlöscht zu sein, getilgt aus den Erinnerungen. Diese Häutungen bei ihr, dieses Abstreifen früherer Schichten, sind ein Hinweis auf ihre unbewußte Sehnsucht nach Rettung, ohne genau zu definieren, mit welchen Ziel, mit welcher neuen Identität und vor allem - mit welchen neuen Inhalten?

    Es sind so viele verschiedene Stimmungen und atmosphärische Prägungen, die Ivy auf ihrer Suche begegnen und überall könnte auch eine Facette, ein bisher verborgener Wesenszug von Lila spürbar werden. Ihr Besuch bei Rick und Sergio ist so eine atmosphärische Verdichtung - die beiden wirken dynamisch in ihrer kreativen Energie, dazu die sinnlich- lustvollen Gemälde von Sergio, der auch Bilder und Skizzen von Lila gemalt hat.

    Mit Richard hat sie ein langes Gespräch über die Zeiten, als es schwierig wurde zwischen ihm und Lila. Waren die Terroranschläge vom 11.9. der Auslöser für Lila`s emotionale Krise oder eine Art Bestätigung ihrer Ängste, die sie vorher verborgen hat? Jedenfalls hat es ihre Welt ins Wanken gebracht, etwas hat sich verschoben und ihr die Luft zum Atmen geraubt und sie braucht Abstand und Zeit für sich.

    Als Ivy bei Jack in der Wohnung ist, spürt sie einen Moment der Nähe und Geborgenheit, ein Glücksgefühl, von dem sie glaubt, es nicht zu verdienen. Weil sie sich selber als so wenig liebenswert empfindet, ist sie überzeugt, es nicht zu verdienen, geliebt zu werden.

    Dazu kommt die tiefe Angst zu versagen, dieser bodenlose Abgrund, in dem alles versinken muss, was schön und liebenswert ist. Es ist die Angst vor einem weiteren Verlust, an dem sie sich die Schuld gibt,

    Als sie nach Maine fährt, ist es wie eine Flucht vor sich selbst, sie hatte sich verloren in einem Strudel der Ängste, in Panik und Orientierungslosigkeit. Als sie ihren Großvater Sam trifft in seiner Imbißbude, macht er sie wütend, weil er tatsächlich ein "Grantler" zu sein scheint, aber genau dieses Verhalten rüttelt sie auf und zwingt sie zu einer Reaktion. Damit hilft er ihr im Grunde mehr, als die vielen netten, freundlichen Leute, mit denen sie gesprochen hat, weil er sie herausfordert und sie dadurch aktiv werden kann und aus ihrer passiven Haltung der Verweigerung von Nähe herausfindet. Das hoffe ich zumindest für Ivy.

    psychischen Qualen und Ängste bei ihr sein, wenn sie diese nur durch massive körperliche Schmerzen aushalten kann ?

    Wenn es nur die Schmerzen wären, das kann man noch erzählen, wenn auch schwer, weil die Angst besteht, dass der Gegenüber es nicht versteht, aber die Demütigung, praktisch freiwillig vergewaltigen zu lassen, wie will man das einem Freund wie Jack erklären?

    Das ist ein schlimmer Aspekt ihres Traumas, eine extreme Form der Selbstbestrafung. Sie fügt sich damit körperliche und seelische Schmerzen zu und erschwert mögliche Wege einer Heilung. Ich wünsche ihr so sehr, dass sie bei ihrer Suche nach Antworten auch für sich selber ein anderes Gefühl entwicklen kann. Der Schlüssel ihrer Heilung liegt in diesem schwierigen Gelände des Vorantastens nach Lila in all ihrer Widersprüchlichkeit. Auch wenn es wahrscheinlich keine endgültige Wahrheit geben kann in dieser komplizierten Frage, mag es für Ivy und ihre leidende Seele heilsam und tröstlich sein, dass sie es überhaupt versucht hat.

    Jack hat auf jeden Fall die einfühlsame Klugheit, bei Ivy auch Wesenszüge zu erkennen, die sie nicht so leicht offenbart. Ich dachte mir auch, die meisten Männer hätten bei ihrem manchmal abweisenden Verhalten längst das Weite gesucht, komplizierte Frauen mögen die wenigsten, das ist zumindest meine Erfahrung. ;)

    Mit Jack kann Ivy Orte besuchen, die Spuren und Zeichen der Vergangenheit bewahren, Museen, Naturkundearchive, skurrile Funde, die konserviert Zeugnis ablegen von ihrem vielschichtigen Leben. Es ist ein Arsenal der unfassbaren Formenvielfalt und der Spielarten von Natur und Evolution.Jack versteht Ivy`s Bedürfnis nach solchen Spuren intuitiv, daher tut er ihr gut. Jack berührt auch mit Ivy die dunkle Materie, die sie zu verschlingen droht, zunächst nur indirekt und auf einer Metaebene, aber er scheint auch diese Abgründe der Angst bei ihr zu ahnen. Mich hat es auch sehr erschüttert, von ihrem selbstverletzenden Verhalten zu erfahren. Wie stark müssen der seelische Druck und die psychischen Qualen und Ängste bei ihr sein, wenn sie diese nur durch massive körperliche Schmerzen aushalten kann ?

    Mir ist ein zweites zentrales Thema des Romans aufgefallen - das Schreiben an sich, die inneren Kämpfe, Zweifel, Rückschläge, der Widerspruch zwischen notwendigen Grenzüberschreitungen und materiellen Aspekten, wenn man sich entscheidet, das Schreiben zum Beruf zu machen.

    Das ist tatsächlich ein schwieriges Thema, der Autorenberuf wird oft nicht als vollwertig anerkannt, es ist immer eine Gratwanderung zwischen Anpassung an den Geschmack der Leser und den persönlichen Impulsen, warum man überhaupt schreiben muss. Kreative Arbeit wird oft am kommerziellen Erfolg gemessen, aber sagt das wirklich was über den Wert eines Kunstwerks aus, sei es nun ein Gemälde, ein Objekt, ein Musikstück oder ein Text?

    Richard, Lila und Vivien haben jeweils verschiedene Wege gewählt für ihr Talent, das können wir auch an ihren späteren Situationen erkennen, nachdem sich ihre Wege getrennt hatten.

    Richard hat sich durchgekämpft, Rückschläge durchgestanden und seinen Weg gemacht, Vivien hat sich irgendwann den Vorlieben ihrer Leser angepasst, während Lila sich schutzlos aiusgeliefert hat und daran seelisch irgendwann zerbrochen ist. Bei ihr fallen auch die Verwandlungen auf, optisch und im Verhalten. Es wirkt wie eine Auslöschung des früheren Ichs, als wäre das Leben ein Theaterstück und sie würde eine neue Rolle einstudieren. Gab es in ihr kein inneres Zentrum, das sie getragen hat, keinen Ort der Geborgenheit, keine Gewissheiten, die ihr Halt gaben? Sie wechselte ihre Farben und Formen und hat sich selbst dabei verloren.

    Hallo buchregal 123,

    Es ist schön, wieder einmal in New York zu sein und so manches kommt mir doch bekannt vor.

    Eigentlich wollte ich nach meinen "Farben der Erinnerung" nicht noch einmal einen Roman in New York spielen lassen. Aber mir ist beim besten Willen keine andere Stadt eingefallen, die für mich so gut zum Thema des Verlorengehens, Verlorenseins passt. Die ganze Atmosphäre war meinem Empfinden nach wie geschaffen für Ivys Geschichte - also wurde es mit viel Freude dann doch New York. Und ein bisschen ein Großstadtmärchen.

    New York fasziniert mich schon immer sehr, wahrscheinlich weil ich noch nie dort war, ist es in meiner Vorstellung wie ein schräges, lautes Musikstück , eine Rockoper , die Gegensätze vereint, Brüche hat,Zitate und Motive mäandern lässt und alte Hörgewohnheiten herausfordert -" Bohemian Rhapsody " von Queen trifft für mich diese Vorstellung ziemlich genau ;)

    Unzählige Leben und Schicksale, Farben und Formen, hell und dunkel, dur und moll, formen die Melodie dieser Stadt und Ivy ist ein Teil davon.

    Deine Fragen und Eindrücke hatte ich auch, liebe Rhea . Da sind so viele Baustellen, so viele Fragen und Verletzungen, dass ich mich schon beim Lesen fühlte wie in einem Labyrinth, wenn die Dunkelheit sich über die Felder senkt - gleichzeitig fasziniert und angstvoll, nicht wissend, welcher Weg der "richtige" ist, wenn es denn überhaupt einen gibt, der mich an irgendein Ziel führt. Es gibt ja immer mehr als eine Wahrheit, im Grunde sind es so viele Sichtweisen wie Personen, die in der einen oder anderen Art mit Lila zu tun hatten. Jeder fügt ein kleines Mosaiksteinchen hinzu, eine weitere Facette in das Bild ein, das dennoch nie dem entsprechen wird, wer Lila war, die Komplexität einer Persönlichkeit ist nie vollständig erfassbar.

    Ivy sucht Orte und Menschen auf, die vom Leben ihrer Mutter erzählen, eine Zeitreise der individuellen Erinnerungen. Sie sucht verzweifelt nach einem verlässlichen Kompass in diesem Labyrinth ihrer Ängste und Schuldgefühle und der vielen Fragen, die ihr dennoch keiner beantworten kann. Das belastet auch die vorsichtige Annäherung an Jack - Ivy`s Ängste kapseln sie ein, sie kann kein Vertrauen aufbauen, keine emotionale Nähe ertragen. Sie braucht und sucht Wörter, Begriffe für Dinge und Gefühle von schwebender, schwer fassbarer Konsistenz , angesiedelt im Zwischenreich von Realität und Vorstellung, Greifbarkeit und Imagination - vielleicht weil sie noch keine Wörter und Begriffe für sich und ihre verwirrenden Gefühle gefunden hat, Erst wenn es ein Wort dafür gibt, wird ein Geheimnis real.

    Das Zweite sind die tollen Worte für Gefühlszustände und Situationen. So was finde ich schon immer faszinierend. Das fehlt im Deutschen doch fast völlig, oder. Fällt jemand ein Beispiel ein, dass es so was bei uns auch gibt? Nicht in einem Wort, oder?

    Ja, das begeistert mich auch. ich kenne das auch aus dem Türkischen. Im Deutschen fällt mir nichts dazu ein.

    Merkwürdig sind die Parallelen zu der Autorin Barbara Newhall Follett, deren Unterlagen Ivy durch einen seltsamen Zufall zu sehen bekommt.

    Auf deren Bedeutung bin ich auch sehr gespannt.

    Hallo simmilu :)


    es gibt solche speziellen Worte und Umschreibungen in den Dialekten - im Schwäbischen kenne ich viele Ausdrücke, die eine Situation oder Tätigkeit umschreiben, z.B. "no ned hudla" was so viel heißt wie : immer mit der Ruhe. ;) Ich wohne schon lange in Niedersachsen und vermisse diesen vertrauten Heimatdialekt immer noch.

    Einen Schriftsteller als Vater stelle ich mir eher schwierig vor - ich denke da z.B. an Thomas Mann, der für einige seiner Kinder (Golo, Monika, Michael) sehr problematisch war. Auch Richard war sicher kein immer einfacher Vater für Ivy, weil er viel mit sich selbst und seinen Werken beschäftigt war und ist. Joy scheint damit gut umgehen zu können, sie passt sich an, ohne sich dabei zu verlieren und nimmt ihn so, wie er ist, ohne ihn zu vergöttern. Das scheint mir die richtige Strategie bei solchen leicht egomanischen "Künstlertypen" zu sein.

    Für Ivy ist das nicht so einfach, weil zwischen ihr und Richard das Verschwinden von Lila steht, das bei beiden Spuren und Narben in der Seele hinterlassen hat, einen Abgrund hässlicher Bosheiten und unerfüllter Hoffnungen, die sie ratlos und einsam machten und eine innere Distanz aufbauten. Richard will und braucht einen Neuanfang mit Joy, verständlich nach so vielen Jahren. Für Ivy wird es nicht so einfach sein, sie wird erst eine Zukunft für sich finden, wenn sie die Vergangenheit für sich eingeordnet hat und vielleicht Worte oder Bilder für ihre Gefühle gefunden hat. Ihre Freude an diesen besonderen Worten hat auch ihren Ursprung in dieser inneren Unrast und seelischen Einsamkeit - alles was einen so schönen Namen hat, ist auch real und verdient es, gesehen zu werden. Daher tut ihr Jack auch so gut - er hat sie gesehen und auch einen Teil ihres Wesens erkannt, ohne dass sie ihm davon erzählt hat. Auf diese einfühlsame, behutsame Art kann er sie stabilisieren, und mit seiner Klugheit ihr sogar helfen, wenn sie es zulässt. Immerhin ist sein Name "Savant" - der Weise .;)

    Ihr Lieben und liebe Nicole :)


    So wie gagamaus habe ich sehr schnell ein Gefühl für Ivy und ihre Geschichte entwickelt - vielleicht weil sie auf ihre spezielle Art sehr intensiv die Dinge in ihrer Umgebung wahrnimmt und ihnen dabei Raum lässt, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

    So empfinde ich auch die erzählerische Stimmung wie eine Melodie aus vielen Motiven und Farben, ähnlich schillernd und geheimnisvoll wie das Mysterium der Erinnerungen.

    Der Straßenkehrer Moe hat in dieser Stadt der vielen Klangfarben seinen eigenen Rhythmus

    gefunden, er und Ivy verstehen sich ohne viele Worte wie verwandte Seelen.

    Ivy sammelt Fundstücke, die irgendwann, irgendwo jemand verloren hat. Ich denke auch, dass es mit ihrer verschwundenen Mutter zu tun hat. Die Dinge erzählen eine Geschichte aus der Vergangenheit und werden zu Erinnerungen. Auch der Straßenmaler Jack schafft eine vergängliche Kunst, schenkt einen Moment der Freude, die Magie des Augenblicks, die ihn ewig machen kann.

    Dagegen wirkt ihr Vater Richard fast monolithisch - schwer zu greifen und fast wie gefangen in seiner Aura von Legenden und Erfolg. Nun will er einen Neuanfang mit Joy, verständlich nach so vielen Jahren der Ungewissheit. Sein Leben wurde seziert und an die Öffentlichkeit gezerrt mit allen schmutzigen Details nach Lila`s Verschwinden. Von dem Leben ihrer Mutter blieben Ivy nur Fragmente, Photos, die mehr verbergen als enthüllen, Schatten, Ahnungen, veränderlich wie das Meer.

    Merkwürdig sind die Parallelen zu der Autorin Barbara Newhall Follett, deren Unterlagen Ivy durch einen seltsamen Zufall zu sehen bekommt.

    Die Geschwister Grischa und Katya wachsen in Russland auf, als jüngere Kinder eines verwitweten leibeigenen Bauern, dessen Familie bereits seit Generationen für die Grundherren arbeitet. Für Grischa und Katya ist das Leben unter diesen Bedingungen wenig romantisch, sondern harte Arbeit, es bedeutet vor allem Unfreiheit und Bevormundung. Es gibt keinerlei Lohn und Anerkennung , auch nicht vom Vater und den älteren Brüdern. Das ist eine mehr als deprimierende Situation und Grischa erkennt, dass er dieser engen und bedrückenden Welt entfliehen muss, alles andere ist für den erst 13-Jährigen undenkbar.. Andererseits will er seine kleine Schwester Katya beschützen, die wie eine Dienstmagd arbeiten muss und von ihrer Familie respektlos erniedrigt und ausgenutzt wird. Er fühlt sich für sie verantwortlich und weiß nur zu genau, wie ihr weiteres Leben verlaufen wird, vor allem, wenn er nicht mehr im Haus ist. Katya flieht auf ihre Weise, sie ist phantasievoll und hat ein Gespür für die Vorgänge in der Natur und dem Wesen der Tiere. Sie fühlt das Eis wie ein lebendiges Wesen, sie kann seine Stimme hören - es ist ein instinktives Fühlen, das sich hinter den Worten verbirgt, zu gewaltig und doch zart, eine Ahnung, ein Teil ihres Wesens, ein verborgenes Wissen.

    Aus diesem inneren Impuls heraus folgt sie Grischa, als er sich eines Nachts auf den Weg macht. Die beiden streifen auf ihrer Flucht nach und nach alte Hüllen und Verhaltensmuster ab, etwas Neues, Unbekanntes beginnt, eine vage Ahnung von Freiheit und Abenteuer.


    Ihr gemeinsamer Weg in eine neue Zukunft beginnt auch sehr abenteuerlich, bis sie in Norwegen ein Zuhause auf Zeit finden. Für beide ist es eine Phase des Umbruchs und eine Neuorientierung, als sie bei der verwitweten Isländerin Silja Arbeit und Geborgenheit bekommen.

    Bereits in den Jahren, die sie dort verbringen, spürt Katya immer stärker eine Sehnsucht in sich nach etwas Unbekanntem, einem eigenen Leben, das ihrem Wesen entspricht. Als Silja ihr das Lesen beibringt, öffnet sich für sie das Tor zu einer neuen Welt, in der plötzlich alles möglich erscheint.

    Durch seine Arbeit als Seemann kommt Grischa irgendwann nach Hamburg und lernt die Brüder Thilo und Christian kennen und diese Begegnung wird sich im weiteren Verlauf der Handlung für alle Beteiligten als schicksalhaft erweisen. Sie werden sich gegenseitig inspirieren und unterstützen, allerdings auch enttäuschen und verletzen in dem aufregenden Spannungsfeld von

    jugendlicher Neugier auf das Leben, auf neue Wege und Wagnisse und dem unbewußten Konflikt zwischen Vernunft und Abenteuerlust. Diese scheinbaren Widersprüche bestimmen ihr weiteres Handeln und ihre Entscheidungen, ihre Erfolge und Niederlagen, sowohl im geschäftlichen als auch privaten Bereich.

    Dieser Roman ist eine faszinierende Reise durch unterschiedliche Landschaften und Klimazonen, durch Gefahren, Verlockungen und überwältigendem Zauber. Die Magie und die vielen Farben und Formen von Eis habe ich noch nie so facettenreich und auf sprachlich höchstem Niveau erzählt bekommen wie in dieser Geschichte von Katya, Grischa, Christian und Thilo. Vor allem, weil sich das Motiv Eis immer wieder verändert und um die Schicksale der Personen mäandert wie eine Verlockung, die mal verführerisch, aber genauso tröstend und gefährlich sein kann. So wie Katya bereits als Kind diesen Ruf, die Stimme des Eises wahrnimmt und ihr weiteres Leben wie einen kostbaren Schatz in sich trägt, bis sie vielleicht irgendwann eine Antwort gefunden hat, die sich richtig anfühlt. Sie hat sich nie von ihren Träumen und ihrem inneren Wissen abbringen lassen, der Zauber des Eises war immer stärker in ihr und hat ihr Mut gegeben.

    Ihre Geschichte wird weitergehen und ich freue mich darauf.


    5ratten:tipp:

    Ich hätte am liebsten noch mehr über die Farben und Gerüche Indiens gelesen. Schade auch, dass die Vier bloß ein paar Tage vor Anker liegen.

    Eines meiner Lieblingsländer :)- wenn Du mehr von Asien und Nicole möchtest und es noch nicht kennst, empfehle ich "Der englische Botaniker". Nicht Indien aber immerhin ganz schön viel China.

    Es war so anders in Madras, sinnlich, bunt, voller Lebensfreude - ich habe mich auch sehr gefreut, dass Nicole uns mit ihren magischen Vier dorthin hat reisen lassen. "Der englische Botaniker" gehört zu meinen Lieblingsromanen, kann ich euch von ganzem Herzen empfehlen. :*

    Besonders Christian wirkt wie ausgewechselt in dieser exotischen Umgebung, alles Düstere, Zweifelnde und Lähmende, das ihn in den letzten Monaten umgab, hat sich in pure Lebenslust verwandelt. Er lacht, macht Späße und verkauft gutgelaunt das kostbare Eis. Mit dieser neuen Leichtigkeit findet er auch wieder eine Verbindung zu Katya, die in diesen Stunden am Hafen einen Moment absoluten Glücks erlebt. Von ihrem Gewinn kaufen sie neue Waren für die Rückreise und alles scheint perfekt zu sein.

    Endlich erwähnt Thilo seine Heiratspläne und zum ersten Mal spürt Grischa den Schmerz eines möglichen Verlustes und ihm wird endlich bewußt, dass es mehr ist als körperliche Anziehung was ihn in Thilos Arme getrieben hat. Die beiden wollen es wagen, ihre Liebe zu leben - aber wird es diesmal gutgehen?

    Christian ist unterdessen bei Katya und erkennt, was er versäumt und verloren hat. Mit ihr bekommt das Leben Farbe, Licht und Schönheit und er wünscht sich so sehr, ein Teil davon zu sein. Er erfährt von ihrer Verlobung und beide spüren plötzlich, dass alles nicht mehr stimmt, sich falsch anfühlt. Sie entdeckt Christian ganz neu, anders, freier und selbstbewußter, seine Unsicherheiten und Selbstzweifel abgestreift wie eine alte Haut, die ihm zu eng geworden ist.

    Wie wäre es, ganz neu zu beginnen, in Indien zu bleiben, auch wenn sie zuhause Verpflichtungen haben und Menschen, die auf sie warten ?

    Schwierig - aber es bleibt der Lockruf eines möglichen Neubeginns, eines gewagten, exotischen Abenteuers.

    Es bleiben viele offene Fragen, verschiedene Wege, für die sich unsere Lieben entscheiden könnten oder eben nicht. Wir müssen uns gedulden bis nächsten Sommer, wenn die Reise weitergeht.

    Ich freue mich sehr darauf und sage schon mal ganz lieben Dank an euch alle für diese spannende Runde und besonders an dich, liebe Nicole, für deine wie immer engagierte und einfühlsame Begleitung.<3

    Sie will jetzt mit Johann die körperliche Liebe kennenlernen, als Zeichen für einen Neubeginn. Er ist die beste Wahl, die sie treffen konnte, er ist gleichzeitig Liebhaber, Freund und Seelengefährte für sie. Dieser Zustand ist so kostbar und zerbrechlich, sie und Johann in ihrer eigenen Welt, einer Insel im Nirgendwo mitten in Eis und Schnee, außerhalb von Zeit und Raum. Leider kann es keine Zukunft für sie geben, aber diese Tage und Nächte sind real und werden bleiben in der Erinnerung und der Seele.

    Das ist die Frage. Was wäre eine Zukunft mit Johann? Warum nicht 15 oder 20 Jahre mit ihm erleben, die Welt entdecken und geschätzt und geliebt werden? Ja, er wird irgendwann vor ihr sterben aber das kann mit einem jungen Mann auch passieren. Und das kann auch noch 30 oder mehr Jahre dauern. So alt ist er ja auch noch nicht.

    Eine gute Freundin von mir hat einen Mann, der 22 Jahre älter ist - seit über 25 Jahren ist sie glücklich. Das können viele junge Leute nicht von ihren Beziehungen sagen, weil sie so schnell unglücklich sind oder auseinander gehen.


    Ich finde es allerdings gut, dass Katya erst mal Abschied nimmt. Aber irgendwie ist Johan für mich der Joker im Hintergrund. ;)

     

    Johann wäre auf jeden Fall eine gute Wahl, mir würde er auch gefallen. ;)Das Problem ist auch nicht der Altersunterschied, sondern die Tatsache, dass er verheiratet ist und irgendwie für mein Gefühl von der Ehe genug hat.

    Auch für Katya ist er nach meinem Gefühl der Geliebte dieser speziellen Situation dort im norwegischen Winter. Auch bei ihr denke ich nicht, dass sie an eine Ehe mit Johann denkt.