Beiträge von Emmy

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    Der zweite Teil dieser Trilogie um das Gut Greifenau in Pommern erzählt die spannende Geschichte der Grafenfamilie von Auwitz-Aarhayn weiter. Die Zeiten sind schwierig, der 1. Weltkrieg hat begonnen und auch die beiden Söhne Konstantin und Nikolaus müssen an die Front. Für die jüngste Tochter Katharina steht immer noch die von den Eltern angestrebte Heirat mit Ludwig von Preußen als Drohkulisse vor ihren Zukunftsplänen mit dem Industriellensohn Julius Urban. Selbst als sich Ludwig bei einem Besuch auf dem Gutshof eine ungeheuerliche Brutalität zuschulden kommen lässt, rücken Graf Adolphis und seine Gattin Feodora nicht von ihren ambitionierten Plänen ab.

    Den Kutscher und Chauffeur Albert Sonntag belasten immer noch Rachegedanken und der Wunsch nach Wahrheit über seine Vergangenheit. Sein Schicksal im Waisenhaus ist wie eine offene Wunde in seiner Seele und er wird nie innerlich Ruhe finden und verzeihen können, wenn er diese Fragen nicht lösen kann. Hat sein Vater damals überhaupt von seiner Existenz erfahren? Wer ist seine Mutter und wie ist die Rolle von Pastor Wittekind zu bewerten? Albert hat einen hohen Anspruch auf persönliche Integrität und Loyalität - und zwar was ihn selber betrifft wie auch andere. Diese Fragen werden ihn noch lange umtreiben.

    Währenddessen geht dieser furchtbare verlustreiche Krieg weiter und wenn er überhaupt irgendetwas Positives in Gang gesetzt hat, dann war es die allmähliche Auflösung des Standesdenkens . Wenn eine Situation so katastrophal ist und viele Menschen hungern und leiden, ist es wichtig, dass man zusammenhält und sich gegenseitig hilft. Dabei spielen die Standesunterschiede keine Rolle mehr und irgendwann wird sich niemand mehr wundern, wenn Adlige, Bürger, Handwerker und Bauern gemeinsam daran arbeiten, das Überleben zu sichern und die Zukunft zu gestalten.

    Doch bis dahin wird noch ein weiter schwieriger Weg zurückzulegen sein.

    Es passiert ja ohnehin so vieles gleichzeitig und die Veränderungen und Entwicklungen geschehen so dynamisch in diesen Kriegsjahren, was hier in den vielschichtigen und facettenreichen Handlungsebenen zum Ausdruck kommt. Der Roman bildet damit in perfekter Weise das Tempo dieser Zeit ab und verdichtet alle Probleme und Gefahren gleichzeitig in den Schicksalen der Personen.

    Die fünf Kinder der Grafenfamilie spiegeln individuell in ihren Charakteren und Ambitionen die Zeit und ihre Umbrüche wider, auf die sie unterschiedlich reagieren. Während Nikolaus und Anastasia in ihrer feudalen, privilegierten Welt verharren und jede Veränderung ablehnen, die ihren Status bedrohen könnte, sind Konstantin, Alexander und Katharina bereits Kinder einer neuen und befreiten Weltsicht, in denen das Recht auf Verwirklichung der persönlichen Lebensvorstellungen über die Zwänge der Konventionen und Erwartungen der Familie gestellt wird - zumindest in Gedanken. Das macht Hoffnung auf die Zukunft und ich wünsche ihnen gutes Gelingen.

    In den letzten Kapiteln verdichten sich die Konflikte noch mehr und die unterschiedlichen Charaktere und Lebensentwürfe treten scharf konturiert hervor, wie befreit von Konventionen und gesellschaftlicher Heuchelei. Jetzt ist irgendwie keine Zeit mehr für Lügen und Verstellungen um des lieben Friedens willen. Der Krieg hat wohl allen deutlich und bewußt gemacht, dass jedes Leben endlich ist und wie schnell alles verloren sein kann, was vorher so greifbar und mühelos erreichbar erschien.

    Fazit: Ein großartig erzählter, temporeicher historischer Roman - der zweite Band einer Trilogie, die Suchtpotenzial hat.

    :tipp:

    Auch ich möchte mich bei euch allen herzlich bedanken für diese wunderbare und interessante Runde, besonders bei Hanna für die liebe Begleitung.:*

    Ich war die letzten Tage unterwegs und bin noch nicht dazu gekommen, meine Rezi zu schreiben, aber spätetens morgen kommt sie dann auch.

    Ich hätte ihm am liebsten gekillt,echt, erst hat er keinen Arsch in der Hose und dann auf einmal macht er einen auf Retter der Witwen und Waisen.

    Ich musste so lachen, als ich das gelesen hab. Wirklich Klasse.

    Er bleibt damit aber immer interessant für uns ;) Adolphis ist ein sehr spannender fiktiver Charakter und deshalb hat er auch meine Sympathien, trotz seiner vielen Fehler und Schwächen. Nichts ist dröger als langweilige Romanfiguren, denen auch noch alles zufliegt und mühelos gelingt. Das wäre ohnehin wenig glaubhaft.

    Aber ich sehe auch viel Panik und Angst in seinem Verhalten, gerade gegen Ende des Romans. Die Geschlechtskrankheit hat die letzten Reste seiner Souveränität aufgezehrt und das macht ihn so labil und unberechenbar, vor allem bei familiären Konflikten. Jetzt kommt es für ihn mehr denn je darauf an, Stärke und Durchsetzungsfähigkeit zu zeigen, damit er vor sich und anderen nicht völlig als Schwächling dasteht. Je schneller sein körperlicher Verfall voranschreitet, desto verzweifelter klammert er sich an die Reste seiner Autorität.

    Schon interessant, dass drei der fünf Kinder deutlich mit den herrschenden Konventionen brechen wollen und wie verzweifelter Feodora und Adolphis sich dafür an ihr altes Leben klammern. Ich denke, die beiden werden noch ganz schön zu knabbern haben, an dem was ihnen bevor steht.


    Konstantins Mordanschlag habe ich so verstanden, dass es einer von den geflohenen Russen war. Aber ja, es könnte natürlich auch irgendwer anders sein.

    Das ist auch sehr wahrscheinlich, dennoch wäre es sehr hinterhältig, den Sohn der Familie zu ermorden, die den eigenen Leuten und deren Kindern ein Dach über dem Kopf anbietet und sie alle in jeder Hinsicht versorgt. Soviel Hass bestürzt mich immer, aber es ist vermutlich so gewesen. Ich hoffe, dass Rebecca ihm helfen kann und er sich wieder erholt. Ich hatte Angst, Konstantin könnte sterben, das wäre so traurig. Ich wünsche ihm , dass Rebecca ihm endlich verzeiht und sie nach dem Krieg in eine gemeinsame Zukunft starten können.

    Stimmt genau - die fünf Kinder spiegeln individuell in ihren Wesen die Zeit und ihre Umbrüche wider, in der sie leben. Während Nikolaus und Anastasia in ihrer feudalen, privilegierten Welt verharren und jede Veränderung ablehnen, die ihren Status bedrohen könnte, sind Konstantin, Alexander und Katharina bereits Kinder einer neuen und befreiten Weltsicht, in denen das Recht auf Verwirklichung der persönlichen Lebensvorstellungen über die Zwänge der Konventionen und Erwartungen der Familie gestellt wird - zumindest in Gedanken. Das macht Hoffnung auf die Zukunft und ich wünsche ihnen gutes Gelingen.:thumbup:

    In den letzten Kapiteln verdichten sich die Konflikte noch mehr und die unterschiedlichen Charaktere und Lebensentwürfe treten scharf konturiert hervor, wie befreit von Konventionen und gesellschaftlicher Heuchelei. Jetzt ist irgendwie keine Zeit mehr für Lügen und Verstellungen um des lieben Friedens willen. Der Krieg hat wohl allen deutlich und bewußt gemacht, dass jedes Leben endlich ist und wie schnell alles verloren sein kann, was vorher so greifbar und mühelos erreichbar erschien. Alexander erkennt endlich, warum er sich schon immer so anders und als Außenseiter empfunden hat. Mit César erlebt er seine erste Leidenschaft und zugleich öffnet sich endlich eine Perspektive für seine Zukunft. Ich hoffe, es wird klappen mit seinen Plänen für das Musikstudium und alles andere wird sich finden. Sehr dramatisch verläuft der Fluchtversuch von Katharina und Julius -jetzt wird es schwierig werden für die beiden,mit der Geheimhaltung ist es jetzt vorbei. Der Mordanschlag auf Konstantin kam ja völlig unerwartet -mit so einer Tat hätte ich nie gerechnet. War es einer der geflohenen Russen oder doch jemand, den er auf seiner Reise nach St.Petersburg getroffen hat? Sollte wirklich Feodora dahinter stecken, ihren eigenen Sohn ermorden lassen zu wollen, dann muss das Konsequenzen haben und Adolphis sollte sich von ihr scheiden lassen.

    Bis es soweit ist, haben die ganz andere Sorgen.

    Das denke ich allerdings auch. Ich bin auch schon auf den dritten Band gespannt. Gut das es den bald gibt.

    Ohja - ich kann es kaum erwarten, den dritten Band zu lesen.So viele Entwicklungen sind noch in der Schwebe und offene Fragen zu klären. Das hat Hanna schon sehr geschickt eingefädelt, diese Reihe hat Suchtpotenzial. :daumen: Wenn allerdings der Krieg endlich beendet sein wird und der Kaiser im Exil,wird eine Verbindung mit Ludwig sehr schnell jeden Reiz verlieren, sogar für Feodora und Adolphis. Aber wer weiß - vielleicht gelingt es Julius ja vorher, Katharina in Sicherheit zu bringen? Da seine Familie sehr vermögend ist und das Gut nach dem Krieg finanziell völlig ruiniert sein wird, wegen wertlos gewordener Anleihen - dann ist möglicherweise eine Ehe mit Julius die einzige Rettung, die ihnen noch bleibt. Jedenfalls bin ich schon sehr gespannt, was da noch alles passiert...

    Anastasia mochte ich von Anfang an nicht mit ihrer Dünkelhaftigkeit, aber ihre intrigante Bösartigkeit hat mich doch überrascht. Entweder ist ihr Leben so langweilig und eintönig, dass sie es mit ein paar inszenierten Skandalen interessanter machen will oder sie hat wirklich eine Neigung zu sadistischer Grausamkeit und Spaß daran,andere Menschen zu quälen und ins Unglück zu stürzen. Dazu ist ihr auch jedes Mittel recht- Lügen, Bestechung, Einschüchterung. Sie benutzt andere Menschen für ihre Zwecke und ihren Vorteil. Hoffentlich wird sie irgendwann auch Verluste und Demütigungen erfahren und spüren, wie es sich anfühlt, wenn man im Leben nicht immer auf der Gewinnerseite steht.

    Konstantin tut mir leid, er wollte das Richtige tun und war von seiner Mission am Ende überzeugt, aber alles hat eben zwei Seiten und es gibt nie auf der einen nur die "Guten" und auf der anderen nur "Böse". So einfach ist das Leben nicht und Menschen sind immer unberechenbar, gerade in extremen Situationen.

    Ja da hast du leider Recht. Psychische Erkranken galten lange als seltsam und auch heute haben die Soldaten, die aus dem Krieg heimkehren, es schwer, wenn sie an PTBS leiden. Ich habe einen jungen Mann aus den USA kennen gelernt, der nach seinem Irakeinsatz daran litt. Am Ende diagnostizierte man ihm irgendetwas anderes, was man behandelte, weil das dann anerkannt wurde. Verrückt.

    Die Kriegszitterer - bei den meisten dachte man, die simmulieren, um nicht wieder ins Feld zurück zu müssen. Und um ihren "Bluff" auffliegen zu lassen, hat man ihnen Dinge angetan, die an Folter grenzen. Als wären sich nicht schon geschlagen genug gewesen. Es gab nicht nur unglaublich viele Tode. Da ist quasi eine ganze Generation seelisch und körperlich verstümmelt worden. Ein wirklich dunkles Kapitel, das aber oft hinter den Greultaten des nächsten Krieges verschwindet. Im Roman hab ich versucht, dieses Elend zu dosieren. Sonst will man ja gar nicht weiterlesen.

    Das empfinde ich auch so -auch wenn für uns der 1.Weltkrieg lange zurückliegt und historisch überblendet wird durch die Schrecken der Nazizeit und des 2. Weltkriegs,habe ich ihn immer als das absolute Grauen empfunden, wenn ich darüber gelesen oder Filme zu diesem Thema gesehen habe. Diese vielen Toten und schwer an Körper und Seele verletzten und traumatisierten Männer, die auch nach dem Krieg kaum verstanden oder gut behandelt wurden -sie haben mir immer von Herzen leidgetan. Falls ihr die Serie "Babylon Berlin" gesehen habt oder die Romane kennt - Gereon Rath leidet auch unter dem Kriegszittern und nimmt Medizin dagegen ein, die auch nicht ganz legal zu bekommen ist - so wie die Schmerzmittel für Alexander. Das Unverständnis gegenüber psychischen Leiden war erschreckend und die sog "Therapien " noch schlimmer als die Krankheiten.

    Für Katharina und Konstantin und das Gesinde hoffe ich aber, dass Adolphis rechtzeitig aufwacht und nicht auf der Hochzeit besteht. Schließlich wird der Vorteil, den er sich erhofft, vermutlich sowieso nie eintreten.

    Das kommt drauf an, wann die Hochzeit tatsächlich ist. Nach dem Ende der Monarchie könnte sie Glück haben.

    Aber was ist Adolphis eigentlich für ein Vater?:kotz:

    Adolphis ist eben ein Produkt seiner Zeit und leider hatten Männer damals, vor allem die Adeligen, eine Art Narrenfreiheit in Bezug auf den Umgang mit Frauen. Ludwig hätte keinerlei Konsequenzen zu erwarten, falls die Vergewaltigung Hedwigs publik geworden wäre, ich bin mir sicher, sie war nicht sein erstes und einziges Opfer. Das macht das Verhalten von Adolphis gegenüber seiner Tochter nicht besser, denn im Grunde weiß er, dass sie bei Ludwig eine Ehehölle erleben würde. Es sind zuviele Konflikte und familiäre Probleme, Adolphis fühlt sich krank und überfordert und geht sie so oft, den Weg des geringsten Widerstandes. Man könnte sagen, er ist zu schwach für unangenehme Entscheidungen und fürchtet zudem die ewigen Streitereien mit Feodora.

    Für Albert würde ich mich freuen, wenn er und Ida ein Paar werden. Eine Beziehung würde ihn innerlich stabilisieren und mehr im Leben verankern, außerdem hoffe ich, dass er auch mit seiner Mutter spricht. Dann erfährt er von ihr, wie es damals wirklich gelaufen ist mit Wittekind und dem alten Grafen und dass Therese überhaupt keine Chance hatte, ihn zu behalten.

    Adolphis hat sich also doch wieder mit seiner Ex- Geliebten eingelassen , die jetzt anschaffen gehen muss und steckt sich bei ihr an.

    Die Szene mit der Kaiserin war spektakulär und ich hätte auch gerne direkt erfahren, wie die Reaktionen dazu ausfielen. Andererseits kann bei so vielschichtigen, facettenreichen Handlungssträngen und Personen nicht jedes Detail erzählt werden - wir haben als interessierte Leser auch die Phantasie, uns die folgenden Szenen ausmalen zu können. Es passiert ja ohnehin so vieles gleichzeitig und die Veränderungen und Entwicklungen geschehen so dynamisch in diesen Kriegsjahren - der Roman bildet damit in perfekter Weise das Tempo dieser Zeit ab und verdichtet alle Probleme und Gefahren gleichzeitig in den Schicksalen der Personen.

    Es gefällt mir gut, dass Katharina so selbstbewußt und mutig geworden ist und sich nicht mehr so leicht einschüchtern lässt, wie noch im 1. Band. Sie ist nicht nur ein paar Jahre älter geworden, sondern vor allem hat sie jetzt einen Plan für ihre Zukunft und lässt sich mehr so von ihrer Mutter dominieren. Leider ist ihr Vertrauen zu Julius und seinen Ambitionen erschüttert worden und das schleichende Gift des Zweifels vergiftet ihre Gefühle für ihn. Mein Eindruck von ihm war immer sehr positiv, er hat sie nicht belogen und seine Gefühle erscheinen mir nicht geheuchelt zu sein. Vielleicht sollte sie das Gerede seiner Mutter nicht überbewerten und ihrer Intuition vertrauen. Ich hoffe sehr für die beiden, dass sie irgendwann nach dem Krieg zusammenfinden.

    Die Sache mit Clara ist sehr tragisch, sie tut mir so leid. Damals waren Abtreibungen sehr riskant und außerdem illegal. Immerhin hat Ottilie ihr geholfen und sogar die Kosten übernommen, konnte Clara aber nicht umstimmen. Für die betroffenen Frauen war es in jedem Fall eine Katastrophe, egal ob sie sich für oder gegen das Kind entschieden haben - das sehen wir auch bei Albert und seiner Mutter.

    Die ewigen Spannungen und Streitereien mit Feodora scheinen ihn aber schon zu ärgern und auch richtig zu nerven. Er muss sich zuhause immer sehr beherrschen, um nicht aus der Haut zu fahren. Vielleicht ist seine Fremdgeherei auch eine Art Ventil für diesen Frust. Die Affäre mit diesem jungen Dienstmädchen damals war vielleicht aus seiner Sicht nicht so dramatisch, weil er ja die Folgen nicht kannte. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie sich Adolphis verhalten hätte, wenn er gewußt hätte, dass sie schwanger wurde und er einen unehelichen Sohn hat? Seine Kinder scheint er alle zu mögen und er wirkt auch viel weniger streng als Feodora.

    Ehrlich gesagt, ist das zu einfach. Wenn jeder fremd ginge, weil die Ehe nicht so läuft... Für mich ist das keine Entschuldigung. Und er hat sich über das Dienstmädchen auch sehr abschätzig geäußert. Ich denke nicht, dass e sie in irgendeiner Form unterstützt hätte, hätte er gewusst, dass sie schwanger ist.

    Nein, eine Entschuldigung ist das sicher nicht, nur eine mögliche Erklärung für sein Verhalten. Adolphis wirkt auf mich im Grunde unsicher, als würde er seine ererbte Rolle als Gutsherr nur mühsam erfüllen. Daher auch sein Ausweichen und Abwiegeln, wenn Konstantin vernünftige Vorschläge macht. Er ist auch leicht zu beeinflussen, das sehen wir in der Szene mit der Skatrunde und er muss sich anstrengen, mithalten zu können, damit die anderen Herren ihn ernstnehmen. Das ist zumindest mein Eindruck von seinem Charakter und Wesen. Ich mag ihn eigentlich ganz gerne, weil er nicht so autorität auftritt und Streit innerhalb der Familie nicht mag. Allerdings wirkt er dadurch oft schwach und angreifbar - man kann es eben nie allen rechtmachen und ich hoffe, er findet noch einen Weg für sein Leben, dem er gerecht werden kann - vielleicht wenn er erfährt, dass Albert sein Sohn ist ?

    Persönliche Defizite hat er als Zweitgeborener bestimmt. Ich weiß nicht, ob man seine Ehe dafür verantwortlich machen kann. Er scheint ja schon vorher ein nicht verantwortungsbewusster Bruder Leichtfuß gewesen zu sein -- das Resultat ist zum Beispiel Albert.

    Ich vermute, er hat nur eine oberflächliche Erziehung erhalten, schließlich war er ja nicht der designierte Erbe.

    Die ewigen Spannungen und Streitereien mit Feodora scheinen ihn aber schon zu ärgern und auch richtig zu nerven. Er muss sich zuhause immer sehr beherrschen, um nicht aus der Haut zu fahren. Vielleicht ist seine Fremdgeherei auch eine Art Ventil für diesen Frust. Die Affäre mit diesem jungen Dienstmädchen damals war vielleicht aus seiner Sicht nicht so dramatisch, weil er ja die Folgen nicht kannte. Ich frage mich schon die ganze Zeit, wie sich Adolphis verhalten hätte, wenn er gewußt hätte, dass sie schwanger wurde und er einen unehelichen Sohn hat? Seine Kinder scheint er alle zu mögen und er wirkt auch viel weniger streng als Feodora.

    Übrigens, diese Szene in Bad Homberg, mit dem Typ, der Adolphis riet, Kriegsanleihen zu kaufen: da habe ich gedacht: hoffentlich tut er es nicht.


    Einer meiner Urgroßväter hat das damals gemacht (man war ja patriotisch), und natürlich alles verloren. Er war bankrott, als der Krieg vorbei war.

    Tja ... ich will ja nicht vorgreifen. ;-)

    Leider hat Adolphis die Tendenz, seine Zerstreuungen mit sehr viel Leichtsinn zu verbinden. Es ist bei ihm eine Art Flucht aus der bedrückenden Realität, wenn er um Geld spielt oder riskante Investitionen wagt. Er scheint das Schicksal auch herauszufordern in der fatalen Hoffnung, dass er sicher ist vor möglichen Rückschlägen. Er besucht Bordelle - auch nicht ganz ohne Risiko, wenn man an Geschlechtskrankheiten denkt, er verpulvert das Familienvermögen ohne für die Zukunft zu planen, die sicher nicht einfach sein wird. Konstantin ist viel klüger und vorsichtiger in diesen Dingen. Für ihn steht das Gut und eine moderne, effektivere Landwirtschaft im Zentrum seiner Pläne, falls er diesen furchtbaren Krieg überlebt. Bei Adolphis ist das zweitrangig - ich vermute, dass er gewisse persönliche Defizite unbewußt zu kompensieren versucht mit dieser angeberischen, verschwenderischen Attitüde und dieser aufgesetzten Männlichkeit. Vielleicht ist es seine unglückliche Ehe mit Feodora, die ihn innerlich fliehen lässt in oberflächliche Zerstreuungen ?

    Auch an der Front müssen sich die Grenzen doch irgendwie aufweichen, auch wenn dort teils sehr getrennt wird. Aber im Endeffekt ist am Ende des Tages auch nur jeder ein Soldat, der um sein Leben fürchtet.

    Das traf sicherlich für einige zu - Adligen wie Konstantin traue ich nicht zu, dass er seine Leute ins Trommelfeuer schickt, während er hinter den Linien auf Beobachtungsposten bleibt. Aber es gab sicherlich Unterschiede in der Verpflegung und medizinischen Betreuung und andere Privilegien für die Offiziere, die meistens aus höheren Ständen kamen.