Beiträge von DunklesSchaf

Literaturschock positioniert sich. Nazifreie Zone, denn wer neben Nazis marschiert, ist entweder selbst ein Nazi oder eine nützliche Marionette der Nazis. Andere Kategorien gibt es nicht.

    So, wieder gesund und mit geschriebener Rezi im Rucksack melde ich mich wieder zurück. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich anfangs ein wenig besorgt über die Seitenanzahl war - die hatte ich nämlich so gar nicht mitbekommen, als ich mich beworben habe. Aber war überhaupt nicht nötig - das Buch liest sich ganz toll.
    Nochmal vielen Dank für das Rezensionsexemplar!


    So, dann hier meine Rezensionslinks:

    Literaturschock Hauptseite (als DunklesSchaf am 11.04.2018, Titel: Grundel und Krebs: Lebenslange Ermittlungen par excellence!

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    Japan – ein Land, welches ich literarisch noch kaum bereist habe. Somit wurde es längst mal wieder Zeit, dass ich zu einem Buch von einem japanischen Autor greife. Herausgesucht habe ich mir Keigo Higashino und seinen neuesten Krimi. Über 700 Seiten hat der Krimi und ein wenig länger hat die Lektüre gedauert, als das bei den sonst für einen Krimi eher üblichen 300-400 Seiten so ist. Doch denn Seitenzahlen kann man das nicht nur zurechnen, denn der Stil des Autors ist einfach ein wenig ruhiger. Ob das nun allgemein auf japanische Autor*innen zutrifft oder nur auf Herrn Higashino – das kann ich momentan noch nicht beurteilen, allerdings kann ich sagen, dass der ruhige Schreibstil keineswegs weniger Spannung verheißt.


    Inspektor Sasagaki untersucht den Mord an dem Pfandleiher Kirihara. Dieser wurde in einem halb fertig gebauten und nie beendeten Haus von spielenden Kindern tot aufgefunden. Im Verdacht stehen nicht nur seine Frau und sein Angestellter, sondern auch Fumiyo Nishimoto, eine alleinerziehende Mutter, die öfters etwas bei Kirihara verpfändet hat. Doch letztendlich kann keinem die Tat nachgewiesen werden und der Fall erkaltet. Sasagaki lässt der Fall jedoch nicht los und tatsächlich kann er sich mit den Jahren, die vergehen, zusammen reimen, wer den Pfandleiher getötet hat. Doch den Täter zu überführen ist eine andere Sache.


    Nach dem ersten Kapitel, welches Sasagaki gewidmet ist, verschwindet dieser für mehrere Kapitel und Hunderte von Seiten. Die Geschichte wendet sich Yukiho, der Tochter von Frau Nishimoto, und Ryo, dem Sohn des Pfandleihers zu und hangelt sich entlang der Lebenswege der beiden. Niemals zusammen, immer getrennt wird ihr Lebensweg beleuchtet, denn die beiden leben in verschiedenen Welten. Doch es wird meist nicht aus ihrer Sicht erzählt, sondern aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Sehr viele Personen tauche nach und nach auf – in einem Verlauf, der über zwanzig Jahre Zeit abdeckt, nicht ungewöhnlich. An die japanischen Namen muss man sich allerdings schon ein wenig gewöhnen, auch ich wusste nicht immer gleich, wer dies oder jenes nochmal war, doch man liest sich schnell ein, wenn dann der Faden der jeweiligen Lebensabschnitte vorgeführt wird.


    Sasagaki ist ein ruhiger, nachdenklicher Charakter. Ich würde sagen, vergleichsweise kann man wohl skandinavische Ermittler heranziehen, allerdings ohne den ganzen depressiven Seelenmüll, den diese mit sich herumschleppen. Überhaupt erfährt man so gar nichts über das Privatleben des Inspektors, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Auch die beiden Kinder/Jugendlichen/Erwachsenen – Yukiho und Ryo – bleiben sehr unbestimmt, man weiß gar nicht viel über sie. Das liegt natürlich zum einen daran, dass man sie durch die Augen anderer Personen kennenlernt, aber auch in der Absicht des Autors, denn es gilt eben die Geheimnisse dieser beiden Charaktere so lange wie möglich verdeckt zu halten. Ganz nebenbei serviert der Autor übrigens immer wieder feine Einblicke in japanische bzw. Weltgeschichte, wie Finanzkrisen oder auch die Entwicklung der Computerindustrie, bzw. die Entwicklung der Software Piraterie.


    Der Stil des Buches ist ruhig und bietet keine aufregenden Effekte. Nachdem der Inspektor erst mal verschwunden ist, weiß man auch gar nicht so richtig, wie das Leben der beiden Kinder mit dem Mordfall zu tun hat, bzw. warum der Autor sich eigentlich vom Mordfall wegbewegt. Doch nach und nach mehren sich Kleinigkeiten, Begebenheiten und Geschehnisse, die einen stutzig machen, ohne je genannt zu werden. Nicht alle Mitmenschen haben Glück, wenn sie den Lebensweg der beiden kreuzen. Doch warum? Und sind dies nur Zufälle? Dem Autor gelingt es wirklich geschickt, diese Frage lange, lange offen zu halten und somit die Spannung immer leise, aber sehr kontinuierlich mitschwingen zu lassen. Und irgendwann taucht dann doch Inspektor Sasagaki wieder auf, kurz vor der Rente, angegraut und ohne jegliche Beweise. Aber mit viel Geduld und Beharrlichkeit – und immer noch auf der Suche nach dem Mörder des Pfandleihers.


    Fazit:

    Ein leiser, aber sehr feiner Krimi, dessen einziges „Manko“ wohl die für uns etwas ungewöhnlichen japanischen Namen sind, wenn man nicht ganz so oft japanische Krimis liest. Ansonsten: klare Leseempfehlung!


    5ratten

    Ich muss um eine Verlängerung für ein paar Tage bitten. Ich hab das Buch vorletzte Woche begonnen und war fast durch als mich ein grippaler Infekt niedergestreckt hat - ausgerechnet in meinem Urlaub. Juchu. ;(

    Ich bin wieder einigermaßen fit und werde das Buch dieses Wochenende auslesen, denke ich, benötige dann aber noch 3-4 Tage bis ich Zeit finde, um die Rezension zu schreiben.

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    Inhalt:

    Nachdem sie einen richtig großen Job versaut haben, bleibt drei Glasgower Auftragskillern nur die Flucht: auf die karge und schöne Hebriden-Insel Jura, getarnt als Outdoor-Touristen. Ihre Tarnung fliegt auf, doch Juras eigenbrötlerische Einwohner zeigen sich gesprächsbereit; schließlich gilt es zu verhindern, dass ein Milliardär die Insel in einen Golfclub verwandelt. Alles könnte gut sein – wären da nicht ein skrupelloser Polizeichef und jener kriminelle und korrupte Politiker, den die drei eigentlich hätten umlegen sollen. Eine abenteuerliche Jagd quer über die Insel beginnt - über mächtige Berge, die drei „Paps of Jura", über Hochmoor und Klippen bis hin zum "Corryvreckan", dem alles verschlingenden, unschiffbaren Meeresstrudel ...



    Meine Meinung:

    Glasgower Auftragskillern nur die Flucht: auf die karge und schöne Hebriden-Insel Jura, getarnt als Outdoor-Touristen. […] Eine abenteuerliche Jagd quer über die Insel beginnt…“

    Da dacht ich mir, läuft – drei Auftragskiller, Flucht, abenteuerliche Jagd und das Ganze zwischen knorkigen Einwohner auf einer kleinen Insel. Ja, so ist das mit den Erwartungen. Manchmal kommt es eben doch ganz anders. Was ein trashiges Roadmovie mit skurrilen Charakteren und vielen Kugeln hätte werden können entpuppte sich als etwas ganz anderes.


    Die Killer sind ein Team: Hynch ist derjenige, der zielt, Rick ist derjenige, der alles organisiert und Winslow ist der Fluchtwagenfahrer. Er ist auch relativ neu im Team und noch jung. Als Hynch auf Mallard einen ehrgeizigen Politiker, der seine Hände in krummen Geschäften hat, anlegt, scheint ihm die Aktion nicht passend und er bricht ab. Das Team muss fliehen und landet auf der Hebriden-Insel Jura, denn Rick hat dort Tarnidentitäten hinterlegt: Outdoor-Kleidung, einen Wagen, neue Pässe. Doch auch wenn die Insel abgelegen ist, heutzutage ist man wohl dank Smartphone und Internet niemals allein, so kommt es, dass die Drei nicht nur einigen Inselbewohnern auffallen, sondern auch andere Glasgower sich auf die Insel verirren, um nach den Dreien zu suchen.


    Eine weitere Hauptfigur ist Gracie. Sie lebt erst seit Kurzem auf der Insel und überwacht dort die „Seeschlange“ – ein neuen Versuch, über Wasser Energie zu gewinnen. Sie wohnt in einem Cottage, welches zur Farm von Calum und Laoise gehört. Die Geschichte wird immer abwechselnd erzählt, folgt einmal dem Trio aus Glasgow, meist auch Hynchs Sicht, dann wieder aus Sicht der Inselbewohner, meistens Gracie. Der Rest der Charaktere ist dann auch reine Staffage und kaum der Rede wert.


    Hynch ist ein abgekochter Profikiller, natürlich mit Militärerfahrung, leider auch mit Interesse an Philosophie, im Speziellen an David Hume. So wird er als nachdenklicher Mensch dargestellt und immer wieder werden Sätze aus Humes Werk eingestreut, auf die sich Hynch beruft. Gracie hat ihren Freund ans Meer verloren und verschanzt sich eigentlich auf der Insel. Ihre Passagen sind gefüllt mit Erinnerungen an ihren Freund und Landschaftsbeschreibungen. Für Schottlandliebhaber ein zauberhaftes, aber natürlich schroffes Bild der kleinen Insel. Trotzdem wirkt es oft einfach fehl am Platz, gerade in Verbindung mit Hynch und der Eskalation, die später auf der Insel stattfindet.


    Natürlich treffen die Sechs bald aufeinander und so ganz kann ich die Wendung, dass die Inselbewohner die Killer so nebenbei mal engagieren um einen unbeliebten Kanadier loszuwerden, der ihre Insel vermarkten will, nicht glauben. Das erscheint mir doch sehr unrealistisch. Nichtsdestotrotz verleiht diese Wendung dem Buch endlich etwas Schwung, denn ab da zieht Hynch los und führt quasi einen Ein-Mann-Krieg, der mich in seiner Art und Weise verdächtig an John McClane aus den „Stirb Langsam“ Filmen denken ließ. Viele Kugeln, viele Tote, eine Menge Blut und auch Feuer, der Held halb tot.


    Insgesamt war das Buch für mich ein gemischtes Leseerlebnis. Mal abgesehen davon, dass ich etwas anderes erwartet hatte, waren die landschaftlichen Beschreibungen zwar hübsch zu lesen, aber auch nicht sonderlich spannend. Gleiches gilt auch für die philosophischen Ausflüge des Killers mit Gewissen. Der zweite Teil hat mir dann besser gefallen – da gab es immerhin eine Menge Aktion. Trotzdem wären ein paar mehr Inselbewohner schon irgendwie gut gewesen, denn hin und wieder hat man das Gefühl, dort leben nur 5 Menschen, wenn überhaupt.


    Fazit:

    Durchwachsen – während es am Anfang zwar landschaftlich romantisch, aber auch ein wenig langwierig ist, ist die zweite Hälfte des Buches dann eine Eskalation und Gewaltorgie, welche die anfängliche Gemütlichkeit wieder wett macht.


    3ratten

    Oh, ich seh gerade, ich hab den Empfang nicht bestätigt. Tut mir sehr leid. Mit den ebooks geht das so ratzfatz - das Buch war noch am selben Tag da und ich hab es auch schon gelesen. Ich tippsele gerade noch an der Rezension herum, aber ich denke, in den nächsten zwei, drei Tagen veröffentliche bzw. streue ich diese dann.

    Also, was will mir dieses Buch sagen? Ich habe da eine passende Stelle aus dem Buch als Antwort gefunden, als der Protagonist die Kommune fragt, was sie mit den Videos wollen und diese Stelle fand ich passend aufs ganze Buch: "'Lass (...), der will uns provozieren...' Dann sagte keiner mehr etwas. Alle sahen mit arroganten Gesichtsausdrücken aus dem Fenster. Ich hatte das Gefühl, sie wussten es selbst nicht."

    Puh - Deine Meinung macht mich zumindest ein wenig glücklicher. Ich hatte schon kurz Zweifel an mir, ob ich wohl den Sinn des Ganzen einfach nicht verstanden habe....

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    Inhalt lt. Klappentext:

    Das Internet ist seit Jahrzehnten abgeschaltet, die Statussymbole von früher sind nur noch Elektroschrott. Reiner, Mitte zwanzig, sammelt Laptops aus dieser lange vergangenen Zeit und wird zum Begründer einer Jugendbewegung, die verklärt, was es früher wohl einmal gab – die Freiheit einer Gesellschaft, die alles miteinander teilt. Mit Hilfe einer Autobatterie gelingt es, eine Verbindung zu lange stillgelegten Servern herzustellen. Die Jugendlichen sehen, was seit Jahrzehnten keiner mehr gesehen hat: das Internet. Mit einem sezierenden Blick auf unsere Gegenwart hat Josefine Rieks einen rasanten wie klugen Roman geschrieben. Ein Debüt, das man mit weit aufgerissenen Augen liest.


    Meine Meinung:

    Die Idee war einfach so klasse – eine zukünftige Welt ohne Internet? Tausend Fragen sind mir durch den Kopf geschwirrt. Lässt sich das Internet überhaupt noch aus unserem Leben entfernen? Warum ist es verschwunden? Was ist mit der Welt passiert? Wie läuft das Leben jetzt ab – zurück in die Steinzeit? Oder alles gar nicht so schlimm?

    Die Antworten auf diese Fragen bleibt das Buch mir leider schuldig.


    Reiner arbeitet bei der Post, doch seine Leidenschaft sind alte Laptops. Die Relikte aus der Vergangenheit sammelt er und zockt darauf Videospiele, soweit möglich. Meyer, den er noch aus seiner Schulzeit kennt, aber nicht viel von ihm hält, führt ihn ins Wunderland, ins „Serverland“. Ein altes, verlassenes Gebäude, in dem die früheren Server von Google Inc. vor sich hin stauben. Dort hat sich eine jugendliche Gemeinde versammelt und versucht den Zeitgeist von früher wiederzubeleben.


    Die jugendliche Gemeinde ist genau so, wie man sie sich vorstellt. Viel Party, viel Alkohol, viel Rauchen. Mit einem Hauch von Hippie. Daran soll es wohl angelehnt sein. Und die jugendliche Gemeinde ist sehr international. Das heißt, dass es viele englische Gespräche gibt, die nicht ins Deutsche übersetzt sind. Mal abgesehen davon, dass es das zwar einfaches Englisch ist, finde ich es nicht gut, dass diese Passagen unübersetzt sind. Nicht jeder kann Englisch.


    Die Internationalität der jungen Menschen gibt mir Rätsel auf. Denn nicht nur das Internet ist verschwunden – auch Computer oder jegliche elektronische Datenverarbeitung scheint verschwunden, ja sogar verpönt zu sein. Wie kommen also die Amerikaner nach Holland (dort, wo die Server stehen)? Sind die vor Wochen mit einem Ozeandampfer losgefahren? Ein Flugzeug oder ein anderes, neueres Schiff kann es ja nicht gewesen sein, denn diese funktionieren ohne Computer schlicht und einfach nicht mehr.

    Das ist auch die Sache, an der es meines Erachtens im Buch krankt. Die Welt scheint unverändert, nur das Internet, bzw. die EDV scheint verschwunden. Es gibt keine Missstände in der Versorgung der Bürger, es gibt Autos (mit welcher Elektronik die wohl fahren?) und und und. Wieso gibt es keine einschneidenden Veränderungen wenn die digitale Ader aus unserer Welt gerissen wird? Das ist für mich nicht nur unverständlich, sondern auch unrealistisch. Es wird aber auch auf gar nichts davon eingegangen.


    Dann hab ich überlegt, ob mir die Autorin vielleicht etwas anderes mit dem Buch sagen möchte. Aber ehrlich gesagt, ich hab keine Ahnung was. Diese jungen Menschen sitzen beisammen, haben eine Art Plenum gegründet, aber eigentlich gibt es nur ein paar wenige, die etwas verändern wollen. Die anderen hängen einfach dort ab. Und selbst die, welche etwas verändern wollen – was genau? Die Jugendlichen ziehen YouTube Videos von den Servern, brennen diese auf DVDs und schicken diese wahllos an Menschen (DVD Player gibt es anscheinend noch) – warum? Hier reden wir nicht von bedeutenden Reden oder Momenten der Geschichte, sondern von Robbie Williams „Rock DJ“ Video oder irgendwelchen Jugendliche, die Geräusche machen. Total albernes Zeug.


    Will die Autorin mich also dadurch darauf aufmerksam machen, dass im Internet nur Unsinn kursiert? Hm, vielleicht. Aber tatsächlich hätte die Autorin so viel mehr mit dieser Grundidee erreichen können, dass mir diese offensichtliche Tatsache einfach nicht ausreicht. Das Buch war kurz – nur 179 Seiten lang – aber tatsächlich habe ich nun das Gefühl, meine Zeit hätte wesentlich besser investiert werden können.


    Fazit:

    Die Grundidee war so gut, vielleicht schon zu verdammt gut, denn die Umsetzung konnte leider überhaupt nicht überzeugen. Das Buch war für mich tatsächlich reine Zeitverschwendung. Ich hab keine Ahnung was das Buch mir sagen wollte.


    1ratten

    Avi Avraham wurde vor Kurzem zum Leiter der Ermittlungsbehörde ernannt und bekommt nun seinen ersten Mordfall, den er unter eigener Regie lösen muss. Avi kennt die Ermordete, Lea Jäger, denn sie war vor einigen Jahren das Opfer einer Vergewaltigung. Derweil sich sein Chef und seine Kollege, der bei der Beförderung übergangen wurden, schnell auf den Sohn als Tatverdächtigen einschießen, ermittelt Avi in eine andere Richtung. Kann es sein, dass ein Polizist, der vorgibt die Vergewaltigungsopfer nochmal verhören zu wollen, der Täter ist?


    Obwohl ich erst mit dem jetzt vorliegenden, dritten Teil der Reihe eingestiegen bin, bereitet das überhaupt keine Probleme und ich konnte problemlos einsteigen. Avi Avraham ist befördert worden und leitet nun die Ermittlungen. Er vermisst seine frühere Vorgesetzte und fühlt sich auch noch nicht wohl in seiner neuen Aufgabe, trotzdem ermittelt er beharrlich in die Richtung, die ihm die Ermittlungen vorgeben. Und lässt sich weder von seinen Vorgesetzten einschüchtern, die um den guten Ruf der Polizei fürchten, noch von seinem Kollegen, der sich übergangen fühlt und nach Ermittlungsfehlern sucht. Avi ist sowieso ein ruhiger, nachdenklicher Mensch, fast melancholisch. Hier erinnert er sehr an die skandinavischen Ermittler, aber ohne Düsternis oder gar Alkoholproblem. Nichtsdestotrotz macht ihm auch sein Privatleben ein wenig zu schaffen, so ist doch mittlerweile seine Liebe, Marianka, aus Belgien bei ihm eingetroffen. Ein Versuch, denn Marianka spricht weder die Sprache, noch hat sie einen Job in Israel, aber die Liebe überwindet Grenzen. Nur ist es eben nicht immer einfach.


    Tatsächlich muss sich Avi Avraham das Buch aber mit einem zweiten Erzählstrang teilen. Hier geht es um Mali, eine junge Frau, die vor einigen Jahren in Eilat auf einem Betriebsausflug nachts vergewaltigt wurde. Der Täter ist nicht gefasst worden und die damaligen Ermittler hatten denn auch Zweifel an Malis Geschichte. Doch Mali hat heute noch Albträume von der schweren Hand des Täters, die sich auf sie legt. Dieses Ereignis hat die kleine Familie zutiefst erschüttert. Coby, ihr Mann kann keinen Job behalten und ist auf der Suche nach neuer Arbeit. Es macht ihm zu schaffen, dass er die Familie nicht versorgen kann, er zieht sich zurück und wird immer schweigsamer. Mali versucht die Familie zusammenzuhalten, hat Albträume und kann nicht mehr alleine schlafen. Nach und nach beginnt Mali zu ahnen, dass es ihrem Mann nicht nur aufs Gemüt schlägt, dass er die Familie nicht versorgen kann, sondern das weit mehr dahinter steckt.


    Wer nun einen Reiseführer über Israel erwartet hat, wird enttäuscht sein, denn der Fokus von Dror Mishani liegt nicht auf seinem Land, sondern auf dem Seelenleben der Menschen. Ganz leise, feine Charakterbilder zeichnet er, die Stimmung ist ruhig und melancholisch, mit wenig, aber kontinuierlicher Spannung versehen. Es gibt keinen großen Knall und auch schon früh ahnt man, wer der Täter ist, es ist keine große Überraschung. Trotzdem liest man weiter, erkennt und blickt tief, tief in die Seelen der beteiligten Menschen: der Vergewaltigungsopfer, der Angehörigen, der Ermittler.


    Fazit:

    Großes Kino ganz leise erzählt – nicht auf den Knalleffekt kommt es an, denn Spannung kann auch ganz leise überzeugen. So wie in Avi Avrahams erster eigener Mordermittlung. Lesenswert!


    4ratten

    Die Beschreibung hört sich ja nach einer spannenden Jagd an - und schon fast skurril. Drei Auftragskiller auf einer Insel.... :breitgrins:
    Deshalb möchte ich mich unbedingt bewerben. Meine Rezensionen erscheinen dann auf meinem Blog, hier auf Literaturschock - Hauptseite sowie Forum, auf Amazon, Goodreads und Lovelybooks.
    Ein Ebook ist sehr willkommen bei mir, als Format bitte mobi.