Beiträge von Buecherlabyrinth

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Die Geschichte über das Leben von Carl, Emilia, ihren Kindern und Enkelkindern geht weiter und als Leser war ich sofort und problemlos wieder mittendrin. Ein paar kleine Erklärungen und Erinnerungen haben dabei zusammen mit einem Stammbaum am Anfang des Buches geholfen.
    Inzwischen sind auch die Enkelkinder erwachsen. Mina verliebt sich in einen Pfarrer und Elsa schwärmt noch immer für ihren Cousin Otto. Carola bekommt über alles was in Australien passiert regelmässig Post von ihren Geschwistern und doch verspürt sie immer noch Sehnsucht nach ihrer alten Heimat. Der Kontrast zwischen Carolas Leben im Reichtum in Deutschland und dem der Schwestern in Australien ist enorm.


    Immer wieder werden Erzählungen über das Leben und den Glauben der Aborigines eingefügt. Es wird auch nicht verschwiegen, wie sie unterdrückt wurde, wie ihr kompletter Lebensraum ihnen geraubt und ihre Kinder gestohlen wurden. Sie galten damals nicht als Menschen. Die Eroberer liessen ihnen keine Rechte.


    Wie im ersten und auch zweiten Band hat mir die Ruhe gefallen, die diese Geschichte für den Leser ausstrahlt. Wer gerne Familiengeschichten liesst, dem kann ich dieses Buch und seine beiden Vorgänger wärmstens empfehlen.
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    Hat jemand von euch einen Tolino und lebt im Ausland? Der Tolino ist nur für einige Länder zugelassen. Die Verkäuferin hat gesagt, mit irgendeiner Adresse in Deutschland würde es klappen, allerdings habe ich bedenken, dass die IP-Adresse getestet wird und ich den Reader gar nicht benutzen kann.

    Zoe ist eine junge Frau mit reichen Eltern, die immer nur genau das macht, was sie möchte. Sie ist verwöhnt und verwundert, als jemand ihr erzählt, dass er seinen langweiligen Job nur macht, weil er damit Geld verdient.


    Nach und nach lernt der Leser die Freunde und Familie von Zoe kennen. Meist wird allerdings zuerst über die Personen gesprochen und der Leser muss mühsam erahnen, in welchem Verhältnis die Personen zueinander stehen. Raten muss der Leser auch, wer gerade redet und mit wem. Gedanken und Gesprächsfetzen werden bunt gemischt. Bei manchen Abschnitten ist selbst nach mehrmaligem Lesen nicht klar, wer was sagt. Andere Personen werden eingeführt und kommen danach nie wieder vor, Andeutungen, die in anderen Bücher ein paar Seiten später einen Sinn bekommen, werden einfach wieder vergessen.


    Einen roten Faden gibt es nicht. Die Geschichte besteht aus Momentaufnahmen, aus Beobachtungen von Zoe und ihren Freunden, aus vielen Gesprächen.


    Diese Gespräche sind die einzigen Lichtblicke des Buches, sie enthalten oft komplexe Gedankengänge und manche schöne oder witzige Pointen.



    »Jede von Lilys Bindungen ist rein zufällig. Wie in einem moralischen Theaterstück, nur trägt man keine Masken der Tugend und des Lasters, sondern man wahrt seine Anonymität hinter Tochter, Mutter, Vater und so weiter. Jeder könnte hinter der Maske stecken. Es würde keinen Unterschied machen. Name und Maske sagen den Leuten, wie sie zu fühlen und zu handeln haben. Außerhalb dieser Rahmenbedingungen herrscht Chaos. Es fehlt der natürliche Instinkt für –«


    »Die Liebe«, sagte Anna.


    "Denn du weißt schließlich genau, nicht wahr, dass man weiter nichts sein muss als ein Rennpferd oder ein Fußballspieler, um in die Zeitung zu kommen"


    "Was manchmal wie Undankbarkeit wirkt, ist oft ein Mangel an Selbstvertrauen, auch wenn es sehr häufig einfach Undankbarkeit ist."



    Das Buch hat mir nicht gefallen. Es ist holprig geschrieben und macht einen unfertigen Eindruck. Es ist mehr eher ein Entwurf mit manchen guten Ansätzen, als ein Buch, das bereit ist veröffentlicht zu werden.


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    Lily ist unzufrieden mit ihrem Leben, mit ihrem Mann. Zoes Leben scheint noch schlimmer zu sein. Stephen verachtet sie, sie ist deprimiert. Es tut schon beim Lesen weh, mit welchem Hass Stephen ihr begegnet. Warum bleibt er bei ihr? Warum sie bei ihm? Gefällt es ihm, sie so zu behandeln? Oder behandelt er sie auf diese Weise, weil er sich nicht traut, sich von ihr zu scheiden? Je mehr ich über ihn gelesen habe, desto schlimmer fand ich ihn. Bei manchen seiner Hiebe musste ich dann trotzdem schmunzeln:


    "Denn du weißt schließlich genau, nicht wahr, dass man weiter nichts sein muss als ein Rennpferd oder ein Fußballspieler, um in die Zeitung zu kommen"


    Bei Gesprächen zwischen Anna und Zoe lebt Zoe auf. Anna denkt viel über andere Menschen nach, beobachtet und analysiert sie. Anna ist nachdenklich, traurig aber deprimiert scheint sie nicht zu sein. Stephen sollte sich vielleicht eher Gedanken über seine Frau als über seine Schwester machen.


    Auch Russell gegenüber spielt Zoe die glückliche und verliebte Frau ziemlich glaubwürdig. Statt zuzugeben, dass Stephen ihr nicht erlauben würde ins Ausland zu gehen, lügt sie lieber und behauptet, sie würde aus Liebe zu Hause sitzen bleiben. Zu Hause jetzt auch im wahrsten Sinne des Wortes, denn jetzt hat sie auch noch ihr Geschäft verkauft. Welche Konsequenzen das für ihren Alltag und die Langeweile hat, das hat sie wahrscheinlich nicht bedacht.


    Die ganze Zeit als Zoe mit dem Brief von Anna zu Russell gelaufen ist, hatte ich im Hinterkopf, dass sie ihr Haus nicht abgeschlossen hatte. Aber es war komplett egal, die Autorin scheint ihre Andeutungen schneller zu vergessen, als sie sie schreibt.
    Wenigstens kam zum Schluss ein klein wenig Spannung in die Geschichte, als eine kurze Zeit nicht klar war, was mit Anna los. Der Brief hat dann trotz seines Alters noch einige Veränderungen hervorgebracht.
    Richtig plausibel war die Erklärung allerdings nicht. Auf so einen brisanten Brief legt man einfach keine Weihnachtskarten und schickt dann ab, ohne es zu merken.


    Alles in allem hat das Buch mir nicht gefallen. Es gab viele schöne und gelungene Sätze, aber die Geschichte an sich war weder gut lesbar noch sehr glaubwürdig. Ich kann sehr gut verstehen, warum diese Geschichte damals nicht veröffentlicht wurde.



    "Was manchmal wie Undankbarkeit wirkt, ist oft ein Mangel an Selbstvertrauen, auch wenn es sehr häufig einfach Undankbarkeit ist."

    Dann war Russell vielleicht im Vietnamkrieg.


    Laut Wikipedia:
    Australien nahm aktiv am Vietnamkrieg teil und entsandte rund 47.000 Soldaten.

    Eine Andeutung über eine Krankheit von Zoes Mutter habe ich gelesen, ich finde es aber nicht mehr.



    Joseph ist der Liebhaber von Zoe, wieder findet man das als Leser erst heraus, nachdem Zoe über ihn geschrieben hat. Danach lässt sie ihn fallen und heiratet Stephen. Anna heiratet wird Witwe und Russell bleibt bei seiner Lilly. Anfangs dachte ich, er wäre eher in Anna verliebt, dann glaubte ich, ich hätte mich geirrt, aber Anna scheint für ihn zu schwärmen.


    Zoe hat eine sehr komische Beziehung zu ihrem Mann. Ist das Liebe oder ist das eher Interesse, weil er anders ist, sie weniger bewundert und nach ihrer Pfeife tanzt als andere Männer? Auch ihre Verwandlung ist schon fast unglaublich. Ich habe das Gefühl, dass Zoe sich selbst sehr viel einredet und alles was ihr von sich aus nicht wichtig genug erscheint, hochredet, um sich besser zu fühlen. Stephen, ihr Mann ist sehr unsympathisch, da braucht Zoe schon sehr viel guten Willen, um ihn gutzureden und eigentlich lässt sie sich ziemlich unterdrücken. Sie akzeptiert, dass er ihre Leidenschaft und ihren Beruf niedermacht.


    Wieder wird von einem John geredet, und ich habe anfangs keine Ahnung wer er ist. Der Partner in der Druckerei, dachte ich, danach tippte ich auf einen neuen Mann für Anna. Aber er ist nur ihr Chef, eine Person im Hintergrund. Wie die Freundin von Zoes Mutter, der am Anfang ein paar Seiten gewidmet wurden. Jetzt ist sie gestorben.


    Lilly ist ziemlich aggressiv, anscheinend nur ausnahmsweise aber als Leser ist das der erste Kontakt mit ihr selbst. Sonst war sie immer im Hintergrund.


    Sehr gerne mag ich Abschnitte wie diesen:


    . »Jede von Lilys Bindungen ist rein zufällig. Wie in einem moralischen Theaterstück, nur trägt man keine Masken der Tugend und des Lasters, sondern man wahrt seine Anonymität hinter Tochter, Mutter, Vater und so weiter. Jeder könnte hinter der Maske stecken. Es würde keinen Unterschied machen. Name und Maske sagen den Leuten, wie sie zu fühlen und zu handeln haben. Außerhalb dieser Rahmenbedingungen herrscht Chaos. Es fehlt der natürliche Instinkt für –«
    »Die Liebe«, sagte Anna


    Das Buch liest sich allerdings nicht leicht. Nach jedem Abschnitt muss ich mich herantasten, wie lange es her ist, wer über wen spricht und wer die neuen Personen sind, über die wieder gesprochen wird, ohne dass sie dem Leser vorgestellt wurden.


    Das Buch erzählt keine spannende Geschichte, sondern ist eher eine Beschreibung des Lebens und gibt ein paar Einblicke in die Gedanken dieser Zeit.

    Zitat

    Russell --> Bei ihm vrage ich mich, was ihm wohl schlimmes passiert ist. Der 2. Weltkrieg ist doch schon zu lange (zeitlich) entfernt, oder?


    Das Buch wurde 1971 geschrieben, vielleicht spielt es ein paar Jahre früher und mit dem schlimmen Ereignis ist der 2.Weltkrieg gemeint. Deutlich wird das aber nicht, weder was Russell erlebt hat, noch wann die Geschichte stattfindet.

    Mittlerweile denke ich, das die Autorin den Leser absichtlich im Dunkeln tappen lässt und immer nur kleine Andeutungen macht, aus denen sich der Leser mehr denken soll.


    Was verstehst du gar nicht?

    Die Sicht der verschiedenen Personen gefällt mir gut und es ist realistisch, dass jemand wie Zoe die alles hat und sorglos leben kann sich gar nicht vorstellen kann was es bedeutet, nicht nur das zu tun, was Spass macht und für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Witzig fand ich, dass sie sich auch gar nicht vorstellen kann, dass jemand seine Umgebung nicht verblüffen möchte. Wunderbar, wie ihre Gedanken, Ängste und Sorgen in den verschiedenen Situationen beschrieben werden.
    Wie alt ist Anna? Sie ist acht Jahre jünger als Stephen, aber mehr habe ich nicht herausgefunden, also ist sie durchaus in einem Alter, dass Russell sich für sie interessieren könnte. Der möchte Lilly heiraten, verbringt aber den Tag mit Anna in der Natur. Ich dachte, das würde Probleme geben.


    Kein böses Wort zwischen Zoe und Russell, zwischen Geschwister! Unglaublich! Ich denke die Autorin ist Einzelkind und hatte höchstens ein Kind. Ich wäre ja schon froh, einen einzigen Tag ohne Streitereien zu erleben!


    Mrs Howard verlangt ganz schön viel von Anna. Jeden Tag die Schuld für jeden Blödsinn übernehmen, das ist sehr schwer auszuhalten. Die Tagebucheinträge sind Jahre nach dem vorherigen Kapitel, weil Anna sich an etwas erinnert, das Zoe "vor Jahren" sagte.


    Ich habe ein bisschen den Eindruck, dass es sich bei diesem Buch nur um einen Entwurf handelt, der noch nicht bereit war veröffentlicht zu werden. Manches ist holprig oder ich musste ein paar Mal lesen, um zu verstehen, wer spricht. Ob mit einer Person oder über eine Person gesprochen wird, ist nicht immer klar. Auch das Kennenlernen der Personen war etwas knifflig, nicht unangenehm zwar aber doch etwas unausgereift. Andererseits ist das Buch sehr intensiv, mit sehr viele Gedanken und Überlegungen.

    Markus Goldman ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der auf eine Idee für sein nächstes Buch wartet. Er kauft ein ruhiges Anwesen, geht unter den wachsamen Augen seines Nachbarn joggen, schwimmt im See und ruht sich aus.
    Die Geschichte für sein Buch kommt irgendwann vom selbst zu ihm, in Form eines Hundes, der dem neuen Freund seiner Exfreundin gehört. Nach und nach, wie ein Puzzle, legt Goldman die Geschichte seiner Familie aus Baltimore zusammen. Er beginnt mit seiner Kindheit, wo er jede Ferien bei diesen Verwandten verbracht hat. Er berichtet von Woody, seinem Cousin Hillel, dem reichen Onkel Saul, der schönen Tante Anita und vor allem von der Katastrophe. Die Geschichte geht bis in die Gegenwart von Markus Goldberg, wechselt ab zwischen Kindheit, Jugend und seinem aktuellen Leben.


    Ich war etwas enttäuscht von der Auflösung, die mit viel gutem Willen des Lesers glaubhaft sein kann, in meinen Augen aber dich etwas zu sehr zurecht gebogen wurde um überall zu passen.
    Insgesamt ist der Erzählstil hervorragend und das Lesevergnügen das ganze Buch über doch so gross, dass ich das Buch nur wärmstens empfehlen kann.


    4ratten