Beiträge von Vandam

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Edi Graf, Veronika Wieland: Maultaschen in Love. Roman, Tübingen 2020, Silberburg Verlag, ISBN 978-3-8425-2274-9, Softcover, 240 Seiten, Format: 12,2 x 2,7 x 18,9 cm, Buch: EUR 12,99, Kindle: EUR 10,99.


    Es ist kompliziert. Ohne eine selbst gemachte „Wer-ist-wer-wo-und-mit-wem“-Liste hätte ich mich womöglich in der Handlung verlaufen. Es gibt nicht nur eine Heldin, sondern gleich drei, die Story wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und dies nicht immer chronologisch. Nach gut 100 Seiten und wildem Zurück- und wieder Vorblättern habe ich schließlich begriffen, dass meine Wissenslücken und Verständnisschwierigkeiten nicht meinem oberflächlichen Lesen geschuldet sind, sondern dass dies an der Erzählweise liegt und Absicht ist. Das muss man wissen – und aushalten können.


    Vom Schwarzwald nach Südafrika

    Worum geht’s also? Sabrina Brendle, Sterneköchin aus dem Schwarzwald, hat es beruflich nach Südafrika verschlagen. Dort kocht sie im Ouplaas Cape Town Boutique Hotel und ist mit dem Straußenfarmer Richie Cradock liiert. Für eine Gala hat ihr Chef sie an das Hoopengeluk Weingut der Familie van Wynsberghe „verliehen“. Dort soll sie mit schwäbisch-südafrikanischer Küche glänzen und die Veranstaltung zum Erfolg führen. Nur wenn diese Gala bei den Gästen gut ankommt und das Konzept überzeugt, steigt eine Hotelkette finanziell bei den van Wynsberghes ein.


    Wie dringend die Winzer auf eine Finanzspritze angewiesen sind, ahnt Sabrina nicht. Dass ein konkurrierendes Unternehmen auf das Weingut scharf ist und gegebenenfalls zu unlauteren Mitteln greifen wird, um es in die Finger zu bekommen, ist ihr auch nicht klar. Das ist auch gar nicht ihr Problem – bis sie durch einen dummen Zufall ein Telefongespräch mit anhört, das hätte geheim bleiben sollen: Unbekannte haben die Absicht, die Gala zu einem Desaster zu machen. Zutaten, die aus dem Schwarzwald geliefert werden, sollen dabei eine Rolle spielen.


    Wer will das Weingut ruinieren?

    Die unfreiwillige Ohrenzeugin fliegt auf und muss flüchten. Sie setzt sich nach Deutschland ab.


    Immerhin sorgt Sabrina für eine würdige Vertretung, die für sie bei der Hoopengeluk-Gala kochen soll: Ihre Freundin, die Hotelierin Isabel Conrad. Die schuldet Sabrina noch aus Zeiten Ihrer Ausbildung einen dicken Gefallen, lässt alles stehen und liegen und fliegt nach Südafrika, um sich dort als Sterneköchin auszugeben. Auch wenn Sabrinas Freund Richie eingeweiht ist und sein Möglichstes tut, damit dieser Rollentausch funktioniert, klappt das nur so mittelgut ...


    Jetzt kommt Heldin Nr. 3. ins Spiel. Das ist eine Hasardeurin! Belinda Sommer, Ende 20, hat gerade spontan ihren Job als pharmazeutisch-technische Assistentin hingeschmissen, weil sie der Inhaber der Apotheke einmal zu oft dumm angeredet hat.

    Sie ist zwar keine Köchin, aber der Spross einer Gastronomen-Familie. Kochen kann sie! Und dieses Talent führt Belinda Sommer nun schnurstracks nach Südafrika, wo sie zusammen mit Sabrina Brendle – jetzt allerdings Isabel Conrad – auf der Gala der Familie van Wynsberghe kochen soll.


    Belinda merkt: Hier stimmt was nicht!

    Auf dem Weingut angekommen, merkt Belinda recht schnell, dass hier irgendwas nicht stimmt. Was Isabel von sich erzählt, passt nicht so recht zusammen. Sie wirkt auch sehr eingeschüchtert. Und weil Isabels Handy weg ist, kann sie ihre Freunde und ihre Familie nicht erreichen. Wer kennt heute noch Telefonnummern auswendig?


    Es dauert, bis Belinda Isabels Vertrauen gewinnt und sich zusammenreimen kann, was hier los ist. Jetzt wäre es gut, wenn die Köchinnen wüssten, wer hinter den finsteren Machenschaften steckt, wie diese Leute vorgehen wollen, was Sabrina daheim im Schwarzwald herausgefunden hat – und wem sie überhaupt trauen können. Es ist zu keiner Sekunde klar, wer Freund und wer Feind ist. Immer, wenn die Heldinnen – und die Leser*innen – glauben, die Lage zu überblicken, kommt wieder eine unerwartete Wendung.


    Spannend, lustig und verwirrend

    Gegen Schluss wird klar, wozu Belinda Sommer in dieser Geschichte gebraucht wird, aber mir war das alles ein bisschen zu viel: drei spontan bis leichtsinnig agierende Frauen, drei Lebens- und Liebesgeschichten sowie diverse Intriganten, die jeweils ihr eigenes Süppchen kochen. Ich habe zeitweise den Überblick verloren und immer das Gefühl gehabt, etwas Entscheidendes überlesen zu haben. Ich fand’s ein bisschen verwirrend.


    Ein Personenverzeichnis wäre hilfreich gewesen. (Carsten? Wer ist Carsten? Wo kommt denn der auf einmal her? Blätter-blätter-blätter ... ach, das könnte dieser Innenarchitekt sein! Oder?) Zum Glück muss man sich nicht ständig Namen merken wie Maphikelela Bhekizifundiswa Mfanafuthi. Im realen Leben kann man natürlich komplexe Namen lernen, weil man seine Mitmenschen ja korrekt ansprechen will, aber für einen Unterhaltungsroman von 240 Seiten wäre das ein bisschen viel verlangt. ;-)


    Südafrika als Schauplatz ist klasse. Spannend war’s und lustig war’s auch. Eine der Damen hat ihrer „inneren Stimme“ einen Namen gegeben und führt im Geiste ulkige Dialoge mit ihr. Diese Stimme ist aber auch ein freches Stück und denkt selbst in kritischen Situationen ständig Dinge, die man auf gar keinen Fall aussprechen sollte! Herrlich! :-D


    Mit Rezepten!

    Ein paar der im Buch erwähnten Restaurants, Köche und Hoteliers im Schwarzwald gibt’s wirklich. Für nach-Corona-Zeiten kann man sich die merken. Einstweilen müssen es die Rezepte tun, die man im Anhang des Buchs findet – unter anderem die titelgebenden „Maultaschen in Love“.


    Die Autoren

    Edi Graf ist Autor, freier Redakteur und Moderator im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Außer diesem Roman hat der Afrikakenner Schwarzwald-Reiseführer, Krimis und Hörspiele verfasst und ist Herausgeber zweier Kochbücher.


    Veronika Wieland, geboren in Schwaben, lebt in Rottenburg. Sie hat Wurzeln in einer südländischen Winzerfamilie und wuchs mit traditioneller, guter Küche auf. Sie arbeitet in der Touristikbranche. Dies ist ihr erster Roman.

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    Rosanne Parry: Als der Wolf den Wald verließ (ab 9 J.), OT: A Wolf Called Wander, aus dem Englischen von Petra Knese, Münster 2020, Coppenrath Verlag, ISBN 978-3-649-63475-1, Hardcover, 208 Seiten mit zahlreichen s/w-Illustrationen von Monica Armiño, Format: 14,8 x 2,5 x 21,6 cm, Buch: EUR 14,00 (D), EUR 14,40, (A), Kindle: EUR 10,50.


    „Eine warmherzige Geschichte nach einer wahren Begebenheit, die Verständnis für alle Auswanderer weckt – nicht nur die Vierbeinigen.“ So steht es im Klappentext. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dieses Kinderbuch als Auswanderergeschichte zu lesen. In meinen Augen ist der junge Wolf „Flink“, der die Geschichte erzählt, eher ein Geflüchteter.


    Ein zahlen- und kräftemäßig überlegenes feindliches Wolfsrudel überfällt seine Familie in den Wallowa-Mountains in Oregon/USA. Beim Versuch, einen der Eindringlinge von den Welpen seines Rudels abzulenken, läuft Flink so weit von seinem alten Revier weg, dass es eigentlich nur noch eines gibt: weiterziehen – mit unbekanntem Ziel. Zurückkehren ist im Grunde keine Option. Ob sein Rudel – Eltern, Geschwister, Onkel und Tante – überhaupt noch leben, weiß er nicht. Die Chance ist eher gering. Und wenn er zurück in sein altes Revier ginge, müsste er sich dort den Eindringlingen unterwerfen, und das will er nicht. Da sucht er sich lieber was Neues.


    „Hell leuchtet der Wolfsstern über meinem Revier. Da kenne ich jeden verborgenen See und jeden Höhenzug. Aber wenn mein Rudel nicht mehr in den Bergen lebt, ist es nicht mehr mein Zuhause.“ (Seite 48)


    Ein einsamer Wolf auf der Flucht

    Im Jagen ist Flink noch nicht besonders geübt. Und alleine, ohne die Hilfe der Rudelmitglieder, klappt das auch nicht gut. Wölfe sind nun mal Rudeltiere und jagen auch im Rudel. Und so endet für Flink der Angriff auf einen Hirsch mit einer schweren Verletzung. Mit den Hufen reißt die „Beute“ ihm die Schulter auf. Wäre Flink noch in seinem Rudelverband, würden ihn die anderen jetzt bis zu seiner Genesung durchfüttern und sich um ihn kümmern. Aber ist er allein und hat als zeitweisen Reisegefährten nur einen ebenfalls lädierten Raben.



    „Flink“ wandert und lernt

    Der junge Wolf durchquert Landschaften, die ihm fremd sind, trifft auf Tiere und Pflanzen, die er noch nie zuvor gesehen hat und lernt aus Erfahrung. Ein neugeborenes Fohlen aus einer Wildpferd-Herde wäre bestimmt schmackhaft, aber es hat eine große Verwandtschaft mit Hufen. Die Begegnung mit ihnen könnte noch schlimmer für Flink ausgehen als die mit dem Hirsch.


    Flink ist einsam und hat Heimweh. Die einzige Artgenossin, der er in letzter Zeit getroffen hat, die schwarze Wölfin, verliert er schnell wieder aus den Augen. Doch das ist bald sein geringstes Problem. Ein Blitzschlag löst einen Waldbrand aus und alle Tiere sind auf der Flucht. Aber wohin soll man rennen, wenn man sich nicht auskennt und der Rauch den Geruchssinn trübt? In höchster Not fällt Flink ein Rat seines Onkels Knurre ein ...


    Die Geschichte ist spannend und auch ein bisschen düster. Sie beruht nun mal auf wahren Ereignissen, und das Leben ist nicht immer nett. Die Vorstellung, plötzlich die ganze Familie zu verlieren, sich mutterseelenallein durch die gefährlich Wildnis kämpfen und ein neues Zuhause suchen zu müssen, könnte für junge Leser*innen durchaus beängstigend sein. Zu deren Beruhigung sei gesagt: Für Flink geht es gut aus.


    Mit Sachinformationen im Anhang

    Im Anhang gibt’s noch allerhand Sachinformationen über die Wildtiere und Pflanzen, die in dem Buch eine wichtige Rolle spielen – und über den Wolf „OR-7“, der das reale Vorbild für den Romanheld Flink war. Auf einer Landkarte kann man sehen, wie er von den Wallowa-Mountains im Nordosten von Oregon 1.600 km weit durch den Osten und Süden des Landes bis nach Nord-Kalifornien gewandert ist. Das weiß man so genau, weil Forscher ihn mit einem Sendehalsband ausgestattet hatten. Da man in diesem Beitrag auch Fotos von OR-7s Nachkommen sehen kann, besteht eine gewisse Chance, dass auch Flinks Wunsch in Erfüllung geht:


    „Wie in unserem Rudel gehen alle liebevoll miteinander um. Der Vater wirft einen Blick auf seine Familie und schnaubt vor Stolz. So will ich das auch! Ich werde mich nicht mit dem nächstbesten Rudel begnügen, das mich aufnimmt. Ich will ein Wolfsvater sein. (...) Ich will ein Revier. Ich will mein eigenes Zuhause markieren, ein schönes Zuhause voller Bäume und Hirsche.“ (Seite 141)


    Die Illustratorin hat mindestens so gut recherchiert wie die Autorin – die zahlreichen Bilder sind sehr detailreich und naturgetreu.


    Abb.: Monica Armiño / Coppenrath Verlag


    Als erwachsene Leserin fand ich das Buch spannend und informativ. Ich bin mir aber, wie gesagt, nicht sicher, ob es junge Leser*innen nicht verstören könnte. Aber vermutlich sind die Kinder von heute deutlich härter im Nehmen als wir früher. (Ich fand als Kind schon Walt Disney’s BAMBI zum Heulen.) Ob ALS DER WOLF DEN WALD VERLIESS für ein bestimmtes Kind als Lektüre in Frage kommt, werden die Erwachsenen in dessen Umfeld beurteilen müssen.


    Die Autorin

    Rosanne Parry lebt mit ihrer Familie in einem alten Bauernhaus in Portland, Oregon, USA. Ihr Großvater wurde in Berlin geboren und emigrierte als Teenager nach Amerika. Rosanne Parry hat vier Kinder, manchmal auch einige Hühner und Kaninchen. Die mehrfach preisgekrönte Autorin schreibt ihre Bücher am liebsten in einem Baumhaus in ihrem verwilderten Garten.


    Die Illustratorin

    Monica Armiño ist eine spanische freiberufliche Illustratorin. Sie hat einen Abschluss in Bildender Kunst und lebt in Madrid. Sie hat mehrere Bücher bei verschiedenen Verlagen in Europa und den USA illustriert. Sie arbeitet auch für die Zeichentrickindustrie als Charakterdesignerin, Hintergrundkünstlerin sowie Farb- und Texturkünstlerin. http://monicaarmino.com


    Die Übersetzerin

    Petra Knese wurde 1967 geboren und studierte Anglistik und Nordamerikanistik an der Freien Universität Berlin. Sie ist eine freiberufliche Übersetzerin und lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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    Ella Marcs: Lieber den Spatz in der Hand als gar keinen Vogel. Roman, Finnentrop 2020, Blue Mountains Publishing, ISBN 978-3-9821934-0-3, Softcover, 351 Seiten, Format: 12,7 x 2,26 x 20,32 cm, Buch: EUR 12,83, Kindle: EUR 2,99.


    „’Tja’ ist der Sauerländer Begriff für Apokalypse, Götterdämmerung, Atomkrieg, Angriff von Außerirdischen und kein Brot mehr im Haus.“ (Seite 136)


    Dass die eigene Herkunftsfamilie ein bisschen sonderbar ist, wird einem oft erst im Erwachsenenalter bewusst. Vorher ist das, was zuhause abläuft, normal, weil man ja nichts anderes kennt. In dieser Phase der Erkenntnisgewinnung befindet sich gerade die Heldin der Geschichte, die Marketing-Expertin Kira Spatz, 27.


    Eine anspruchsvolle Familie

    Bis auf ihre ältere Schwester Luisa, die sich durch häufige berufliche Abwesenheit und zynische Bemerkungen den Familienzirkus bestmöglich vom Leib hält, stellen alle Anverwandten hohe Ansprüche – und Kiras Aufgabe ist es offenbar, diese zu erfüllen. Das hat schon was von Aschenputtel und den bösen Schwestern. Kira hat das bisher nie hinterfragt.


    Als ihre hochschwangere jüngste Schwester Jasmin kurzfristig beschließt, jetzt-gleich-sofort eine Traumhochzeit feiern zu wollen, ist es selbstverständlich, dass Kira ihre lange geplante Neuseeland-Reise absagt, dem verwöhnten Prinzesschen jeden noch so absurden Wunsch erfüllt und innerhalb von drei Wochen ein sündhaft teures Mega-Event aus dem Boden stampft. Da kann ihr ihre Freundin Sabin noch so eindringlich ins Gewissen reden: Die Familie pfeift und Kira springt.


    Robert, Kiras künftiger Schwager, ist ein ziemlicher Waschlappen. Statt seiner Holden reinen Wein einzuschenken und ihr zu offenbaren, dass er mit seiner Werbeagentur kurz vor der Insolvenz steht, lässt er sie weiterhin das Geld, das er nicht hat, mit vollen Händen ausgeben. Dem armen Mädchen kann man doch die harte Realität nicht zumuten! Jasmin selbst ist eine mittellose Dauerstudentin und kann finanziell nichts zu den Feierlichkeiten beisteuern. Die Eltern auch nicht.


    Hochzeit planen und Firma retten

    Wer soll’s jetzt wieder richten und Roberts Firma retten? Genau: Kira! Ein lokales Unternehmen braucht auf die Schnelle ein spektakuläres Konzept für eine Messe. Kira hat den Vorteil, sich mit dem Produkt und in der Branche sehr gut auszukennen, weil sie für einen direkten Mitbewerber arbeitet. Sie soll sich als Kontakterin aus Roberts Agentur ausgeben und beim Kunden das Konzept präsentieren. Wenn aber herauskommt, dass Kira dem Konkurrenten ihres Arbeitgebers ein Messekonzept verkauft, ist sie ihren Job in Düsseldorf los. Doch der Schwager setzt seinen Dackelblick auf und ehe Prinzesschens Traumhochzeit platzt, macht sie’s eben.


    Der Ex ist auch wieder da


    Jetzt hat Kira also zwei neue Probleme: Ihr spukt der Ex im Kopf herum – und sie hat neben der Planung dieser vermaledeiten Traumhochzeit, bei der rein gar nichts klappen will, auch noch die Ausarbeitung des Messekonzepts an der Backe, weil Robert und sein Graphiker das alleine nicht geregelt kriegen.


    Zwei Projekte dieser Größenordnung parallel innerhalb kürzester Zeit auf die Beine zu stellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Kira geht auf dem Zahnfleisch – und die undankbare Familie meckert und nölt in einer Tour.


    Was wird erst los sein, wenn die Familie erfährt, dass sich zwischen Kira und Marc Albrecht wieder etwas anspinnt? Die Familien Spatz und Albrecht sind sich seit Jahrzehnten spinnefeind, aber niemand rückt mit der Sprache raus, was genau der Grund dafür ist.


    Bis der Geduldsfaden reißt

    Es ist der Wahnsinn – und über weite Strecken unfassbar komisch – welche Schwierigkeiten die Autorin ihrer tapfer kämpfenden Heldin in den Weg legt! Die Verhandlungen um die Wiese für den Polterabend! Der störrische Pfarrer nebst Kaplan! Der Junggesellinnenabschied! Das Theater mit der Messebaufirma und der Hochzeits-Location! Der DJ! :-D


    Doch selbst so ein gutmütiges Arbeitstier wie Kira ist nicht unbegrenzt belastbar. Bei denkbar unpassender Gelegenheit platzt ihr der Kragen. Die quengelige Familie ist starr vor Schreck. Und jetzt? Tja ...


    Wer je mit Werbung und/oder der Organisation von Veranstaltungen zu tun hatte, sieht manche Katastrophe kommen. Man grinst schon, bevor das Chaos wirklich lostobt. Und das tut es! Wenn man nur zugucken darf und nichts davon selber ausbügeln muss, ist das ein Heidenspaß. Vor allem die Chatnachrichten zwischen Kira und ihrer Freundin Sabin, die ständig auf den neuesten Stand gebracht werden will, sind der Brüller. Sabin ist einfach klasse!


    Nicht mein Zirkus ...

    Wen ich dagegen stundenlang hätte ohrfeigen können, ist das verwöhnte Nesthäkchen Jasmin. Ich hasse solche Weiber! „Wäää, ich will dies und ich will das! Und ihr müsst jetzt sofort alles fallen lassen und dafür sorgen, dass ich es umgehend bekomme, weil ich sonst nämlich einen Nervenzusammenbruch, einen Heulkrampf oder einen hysterischen Kreischanfall kriege. Oder alles zusammen.“ Genau so ist diese „Bridezilla“ wohl auch gedacht. Glaubwürdige Personen, die man als Leser*in voller Inbrunst verabscheuen darf, muss man als Autor*in erst mal hinkriegen!


    Der Leser, der nicht in diesem Familiengefüge drinsteckt, fragt sich, warum Kira nicht schon nach den ersten Meckereien sagt: „Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Da habt ihr die To-do-Liste und jetzt macht euren Mist alleine! Ich fliege für zwei Wochen nach Gran Canaria. Und ruft mich bloß nicht an!“ Lange eingeübte Verhaltensweisen ändert man eben nicht von heute auf morgen. Das weiß jeder, der sich mal etwas an- oder abgewöhnen wollte.


    Nein sagen und Ja sagen

    Ich habe das Buch in einem Rutsch ausgelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, was noch alles passieren muss, damit der braven Kira endlich der Geduldsfaden reißt. Ihr Problem, nicht Nein sagen zu können, wenn einem jemand Arbeit aufbürdet, kenne ich nämlich nur zu gut. Dass es in dem Buch überdies ein Familiengeheimnis und eine prickelnde Liebesgeschichte gibt, war mir da gar nicht so wichtig.


    Auf jeden Fall hatte ich meinen Spaß und werde mir den Namen Ella Marcs merken.


    Die Autorin

    Mit Worten verdiente Ella Marcs als Journalistin und PR-Fachfrau jahrelang ihren Lebensunterhalt, bis sie sich dann in der Babypause ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Romanschreiben, widmete. Sie lebt mit Mann, zwei Kindern und zwei Katzen in einem kleinen Dorf im Sauerland. www.ellamarcs.com

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    Sebastien de Castell: Shadowblack – Karten des Schicksals. Band 2 (ab 12 J.), OT: Spellslinger, aus dem Englischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß, München 2020, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-76294-6, Hardcover, 365 Seiten, mit s/w-Illustrationen von Sam Hadley, Format: 15,5 x 3,5 x 21,6 cm, Buch: EUR 16,95 (D), EUR 17,50 (A), Kindle: EUR 14,99, auch als Hörbuch lieferbar.


    „Ich nickte und rappelte mich schwerfällig hoch. Sechzehn Jahre alt – und schon war in der Hälfte aller Orte, in denen ich gewesen war, ein Preis auf meinen Kopf ausgesetzt. Ich besaß weder Geld, noch irgendwelche besondere Fähigkeiten, und den einzigen Zauber, den ich einigermaßen beherrschte, durfte ich nicht anwenden, weil ich damit jedem Magier in den Grenzlanden meinen Aufenthaltsort verraten würde.“ (Seite 27)


    Ein Trickser auf der Flucht

    Kellen aus dem Hause Ke war als Magier-Abzubi ein Versager, aber er beherrscht ein paar wirkungsvolle Taschenspielertricks. Dass er im Gegensatz zu seiner hochbegabten Schwester kaum magische Fähigkeiten hat, verdankt er seiner Familie, wie er seit kurzem weiß. Sie haben ihm seine Gaben vorsätzlich genommen und ihn auch absichtlich mit der Schwarzschattenkrankheit infiziert, die ihn langsam aber sicher in ein blutrünstiges Ungeheuer verwandeln wird. Schon jetzt zeigen sich die entsprechenden Male um seine Augen und er leidet an schmerzhaften Anfällen.


    „[Der Schwarzschatten] ist die direkte Verbindung zwischen dem Opfer und dem Dämon, der von ihm Besitz ergreift. Darum leiden die Erkrankten an grässlichen Visionen und werden gewalttätig. Der Dämon treibt sie dazu. Er verlangt absoluten Gehorsam (...). Dabei sind Magier die bevorzugten Opfer, weil sie, nun ja, eben den größten Schaden anrichten können.“ (Seite 145)


    Nicht nur deshalb ist Kellen vor seinem Clan - den Jan’Tep – auf der Flucht. Deren Obermagier wollen ihm auch deshalb ans Leder, weil er hinter ein paar ihrer unlauteren Machenschaften gekommen ist.


    Ziellos und vogelfrei

    Sei vier Monaten ist er nun schon als Vogelfreier in den Grenzlanden unterwegs. Wohin, weiß er nicht. Es ist ihm auch gleichgültig. Er und sein schandmäuliges „Schutztier“, der Baumkater Reichis, sind mit der geheimnisvollen Glücksspielerin Ferius Parfax unterwegs, einer Argosi-Frau, die ihn, aus welchen Gründen auch immer, vor seinem mörderischen Clan gerettet hat. Sie folgt einem nicht näher bezeichneten „Pfad“, und Kellen geht mangels Alternativen mit.


    Baumkater Reichis, den man sich wie eine Mischung aus Katze, Flughörnchen und Chamäleon vorstellen muss, gierig und geschäftstüchtig wie ein STAR-TREK-Ferenghi, ist notgedrungen mit von der Partie. Er ist an Kellen durch ein magisches Ritual gebunden. Man kann aber nicht sagen, dass die beiden einander besonders zugetan wären.


    In einer trostlosen Wüstengegend treffen die drei auf die Argosi-Frau „Rosie“, die mit ihrem Mündel Seneira unterwegs ist, einem jungen Mädchen,


    Neue Weggefährtinnen

    „Rosie“ will das Mädchen nach Taleidos bringen und Ferius beschließt, die beiden zu begleiten. Also geht’s auch für Kellen und Reichis in die legendäre Universitätsstadt. Sie haben keine andere Wahl. In der Gruppe sind sie sicherer.


    Am Zielort sind Kellen und Reichis überwältigt von dem Wohlstand und dem Frieden, der in der Stadt herrscht. So etwas haben sie noch nie gesehen! Hier verschanzt sich niemand nach Sonnenuntergang ängstlich in seinen vier Wänden, hier sitzen Menschen aus aller Welt bis tief in die Nacht einträchtig in Straßencafés, unterhalten und amüsieren sich.


    Es ist verblüffend und unterhaltsam zu beobachten, wie schnell ausgerechnet der wilde Baumkater Reichis den Verlockungen des hiesigen Luxuslebens erliegt, und auch Kellen würde am liebsten bleiben. Doch hier gehen merkwürdige Dinge vor.


    Hier ist doch was faul!


    Wie auch immer: Hier läuft eine gigantische Schweinerei, bei der es um weit mehr gehen muss als um ein paar erkrankte Kinder. Die lokale Flüsterhexe weiß Bescheid, doch niemand scheint ihre Hinweise zu verstehen ...


    In diesem Buch muss der Autor nicht mehr so viel erklären wie in Band 1, es passiert also von Anfang an etwas. Dieses Mal richten Kellen & Co. nicht ganz so viel Flurschaden an wie im ersten Band, dafür erfahren wir ein bisschen mehr über die Argosi und die Welt, in der die Geschichte spielt.


    Eine amüsante Schicksalsgemeinschaft

    Es wird immer unwahrscheinlicher, dass Kellen je zurück nach Hause kommt, obwohl es dringend notwendig wäre, dass da mal einer gründlich ausmistet. Aber es kommen ja noch vier Bände, da kann sich noch einiges tun. Ich hoffe ja, dass Kellen auf seinem „Pfad“ so viel Wissen und Stärke erwirbt, dass er eines Tages den scheinheiligen M*stkerlen daheim die Rechnung für ihre schändlichen Intrigen präsentieren kann.


    Aber das hat durchaus keine Eile! Dazu ist die Schicksalsgemeinschaft, bestehend aus dem hilf- und planlosen Kellen, der eben so taffen wie raffinierten und mysteriösen Ferius Parfax und dem unbezähmbaren Zyniker Reichis viel zu amüsant. Auch wenn sie immer wieder in lebensbedrohliche Situationen geraten, ist es einfach zu schön, wie sie sich gegenseitig aufziehen und sich aus den schlimmsten Schlamasseln herausquatschen, -mogeln und –sprengen. Das mache ich gerne noch ein paar Bände lang mit.


    Was ich mich bei diesem Band gefragte habe: Wenn sich der Argosi-Name von Seneiras Mentorin zu „Rosie“ verkürzen lässt, müsste Ferius Parfax, wenn man nach demselben Schema vorgeht, doch „Daisy“ sein, oder? Das wäre folgerichtig aber schräg. Und „schräg“ passt zu dieser Reihe.


    Der Autor

    Der Kanadier Sebastien de Castell hatte gerade sein Archäologiestudium beendet, als er mit der ersten Ausgrabung begann. Vier Stunden später begriff er, wie sehr er Archäologie hasste und ließ sie kurzerhand hinter sich, um Musiker, Projektmanager, Kampf-Choreograf und Schauspieler zu werden. Auf die eine oder andere Weise spiegeln sich all seine beruflichen Tätigkeiten in seinem Schreiben wider. Sebastien de Castell wurde in Kanada geboren und lebt heute in den Niederlanden.


    Die Übersetzer

    Katharina Orgaß und Gerald Jung arbeiten seit Jahren als Übersetzerteam und haben u.a. Werke von Jonathan Stroud, Alan Bradley und Mary E. Pearson übersetzt.

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    Gina Mayer: Die Schwimmerin, Roman, Hamburg 2020, HarperCollins, ISBN 978-3-95967-557-4, Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen, 352 Seiten, Format: 13,3 x 3,2 x 21,1 cm, Buch: EUR 22,00, Kindle: EUR 14,99.


    „Gabriele hatte recht, sie hatte es gut, viel zu gut. Sie wusste, dass es ihr nicht zustand. Jemandem wie ihr stand nichts zu, das hatten ihr die Schwestern schließlich lange genug eingetrichtert. Dennoch hatte sie gehofft, dass sie genug bezahlt hätte. Vier Jahre voll harter Arbeit und Hunger. (...) Aber nun präsentierte Gott ihr die Rechnung und sie sah, dass sie immer noch im Soll war.“ (Seite 297)


    Essen 1962: Nachbarinnen und Bekannte beneiden die frisch verheiratete Betty (32): Mit dem attraktiven und gut verdienenden Buchhalter Martin Strissel hat sie das große Los gezogen. Sie muss nicht mehr als Verkäuferin in der Bäckerei arbeiten und hat eine moderne, schick eingerichtete Wohnung. Sogar ihre Schwiegermutter ist nett. Mit so viel Glück können die anderen nicht mithalten.


    Frau ohne Vergangenheit

    Niemandem scheint aufzufallen, dass man praktisch nichts über Bettys Vergangenheit weiß. Das merkt nicht mal ihr Mann. Sowie es um ihre Familie geht, wird Betty noch einsilbiger als sonst. Was mag sie den Leuten erzählt haben? „In Düsseldorf ausgebombt und in einem schwäbischen Dorf einquartiert worden. Nach dem Krieg beruflich in Essen gelandet. Keine Angehörigen mehr.“


    Das ist zwar nicht gelogen, aber nur die halbe Wahrheit. Sonst wäre Betty nicht so erschrocken, als ein junges verwahrlostes Mädchen sie anspricht, Geld von ihr fordert, und ihr damit droht, andernfalls Martin „alles“ zu erzählen. Dass die Kleine wirklich etwas weiß, zeigt sich schon daran, dass sie Betty mit ihrem Mädchennamen, Elisabeth Sonne, anspricht. Betty ahnt, aus welcher Quelle das Mädchen sein Wissen hat – und zahlt.


    Was hat Betty zu verbergen?

    Weilerbach 1942 – 1945: Was Betty zu verbergen hat, erfahren wir in ausführlichen Rückblenden in die Kriegs- und Nachkriegszeit. Das Unglück fängt schon früh an. Weil ihre Mutter so unselbstständig ist, findet bei Elisabeth eine Parentifizierung statt. Wenn der Vater nicht verfügbar ist, trifft nicht die Mutter die Entscheidungen, sondern die Tochter. Die ist eine Einserschülerin am Lyzeum und hat notgedrungen schon in jungen Jahren gelernt, entschlossen zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.


    Mit diesen Eigenschaften hätte Elisabeth zu anderen Zeiten Karriere machen können. Aber nun ist Krieg, der Vater ist gefallen, die Wohnung ist weg und Mutter und Tochter müssen in einer fremden Umgebung als mittellose, unwillkommene Flüchtlinge bei Null anfangen. In einem Dorf bei Schwäbisch Gmünd werden sie in einem Schulhaus einquartiert.


    Elisabeths Ersatzfamilien


    Als 1945 die Amerikaner kommen, interessiert niemanden, dass Elisabeth erst 15 ist. Sie arbeitet als Dolmetscherin und Sekretärin für den Major und führt das Leben einer Erwachsenen. Als ihre Mutter einen Kerl kennenlernt und wegzieht, bleibt Elisabeth im Schwäbischen, was nicht zuletzt mit einem Bauernburschen zu tun hat, der ihr nicht nur das Schwimmen beibringt. Dann geht auf einmal alles schief und Elisabeth gerät in die Mühlen der Fürsorge. Und das ist die Hölle auf Erden.


    Flucht nach vorn

    Essen, 1962: In ihrer Not vertraut sich Betty ihrer Nachbarin Gabriele an, die mit ihrer düsteren Vorhersage recht behält: Die Erpresserin fordert immer mehr Geld. Gabriele schlägt vor, die Flucht nach vorn anzutreten. Vielleicht kann man der Kleinen das Handwerk legen, indem man herauskriegt, wie sie an die vertraulichen Informationen gelangt ist. Legal kann das nicht vonstatten gegangen sein! Für Betty/Elisabeth wird diese Recherche zu einer schmerzlichen Reise in die Vergangenheit ...


    Auch wenn der Fürsorge-Albtraum fast ein halbes Leben zurückliegt – Bettys innere Stimmen klingen immer noch wie die der brutalen Schwestern aus dem Heim. Glück, so hat sie gelernt, hat sie nicht verdient. Jeden Moment kann jemand kommen und es zerstören. Sie würde alles dafür tun, das festzuhalten, was sie bislang erreicht hat, selbst wenn man sich als Leser*in nicht vorstellen kann, dass dieses Leben sie wirklich glücklich macht.


    Wegsehen und Kompromisse machen


    Nur beim Schwimmen vergisst Betty ihre Sorgen. Hier hat sie die Kontrolle. Sie folgt einer Routine, die durch nichts gestört wird. Sie weiß, dass sie nicht untergehen wird – es sei denn, sie selbst will untertauchen – und sie beherrscht die Kunst, in jeder Lage den Kopf über Wasser zu behalten. Wenn das im restlichen Leben nur auch so einfach wäre!


    Desillusionierte Menschen

    In die bildhafte Sprache könnte ich mich hineinsetzen! Ich hab schon bei anderen Büchern der Autorin gesagt, dass man ihre Geschichten sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken kann, auch wenn das nicht immer angenehm ist. „Die Langeweile tropfte von den dunklen Holzbalken, sie strömte unter den Feldbetten empor und füllte den gesamten Raum, füllte auch Elisabeth selbst mit grauer Leere.“ (Seite 35) DIE SCHWIMMERIN ist ja auch kein „Wohlfühlbuch“. Hier geht es um beschädigte, desillusionierte Menschen, die irgendwie weiterleben müssen. Manchmal kann man sich ein kleines böses Grinsen nicht verkneifen, wenn Gina Mayer in einem lakonischen Satz das künftige Schicksal einer der Nebenfiguren vorwegnimmt: „(...) Nach ihrer Entlassung würde sie wieder als Prostituierte arbeiten, bis einer ihrer Freier sie heiratete und nach einem Jahr Ehe im Vollrausch totschlug.“ (Seite 302)


    Die Menschen ändern sich nicht und sie lernen nur wenig aus ihren Fehlern. Mit Unangenehmem möchten sie sich nicht beschäftigen, weil Wegsehen bequemer ist. So bleibt im Wesentlichen alles so, wie’s immer war. Wer einmal ganz unten ist, kommt selten wieder hoch. Und das kleine Glück zwischendrin ist flüchtig und fragil.


    Ob Betty wirklich glücklich wird?

    Auch wenn die Weltsicht hier recht pessimistisch ist, ist es spannend und faszinierend mitzuerleben, wie Elisabeth sich durchs Leben kämpft. Dass die Dörfler zum Teil recht deftig schwäbisch schwätzen („Meedig“) und auch ein paar Damen in Düsseldorf und Essen Dialekt sprechen, hat mich nicht gestört. Ich hatte keinerlei Verständnisschwierigkeiten und empfand das als authentisch.


    Wahrscheinlich werde ich mich noch eine Weile fragen, ob Betty mit dem, was sie sich in Essen aufgebaut hat, wirklich glücklich geworden ist oder ob sie ihr Leben irgendwann einmal radikal umgekrempelt hat. Manche von Gina Mayers Romanheldinnen haben die Fähigkeit, einem noch lange Zeit im Kopf herumzuspuken. Man denkt darüber nach, was aus wohl aus Ihnen geworden ist, als wären sie reale Personen. Mir scheint, Elisabeth ist auch so eine.


    Die Autorin

    Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf. https://ginamayer.de

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    Karen Kliewe: Letzte Spur Ostsee. Ein Fall für Journalistin Arnold, München 2020, Piper-Verlag, ISBN 978-3-492-50349-5, Softcover, 385 Seiten, Format: 12 x 2,46 x 18,7 cm, Buch: EUR 16,00 (D), EUR 16,50 (A), Kindle: EUR 4,99.


    Rerik an der Ostsee, 2016: Wegen einer Familienanzeige hat Rosemarie Hofmann (80 +) die Doppelseite einer 12 Jahre alten Regionalzeitung aufbewahrt. Enkelin Johanna „Ann“ Arnold (26), eine Journalistik-Studentin, die gerade zu Besuch ist, liest aus professioneller Neugier einen der alten Artikel. Zu ihrer Verblüffung entdeckt sie auf einem der Fotos eine junge Frau, die ihre Zwillingsschwester sein könnte. Ihr Name wird in dem Artikel nicht erwähnt. Ann ist wie elektrisiert: Ist das eine Verwandte, die man ihr, warum auch immer, bislang vorenthalten hat? Diese Frau muss sie auf jeden Fall kennenlernen!


    Keine Ahnung, warum sie nicht einfach ihre Großmutter fragt. Die hat doch sicher schon von der Doppelgängerin gehört. Die Gemeinde hat kaum zweieinhalbtausend Einwohner, da kennt jeder jeden. Unwahrscheinlich, dass die frappierende Ähnlichkeit der beiden Teenager unbemerkt geblieben ist, vor allem nach dem Foto in der Zeitung. Ich habe einmal mitgekriegt, was passiert, wenn ein argloser Mitmensch einem Phantombild in der Presse ähnelt. Da war der Teufel los! Und der Ort, an dem das stattfand, war doppelt so groß wie Rerik. Aber gut.


    Auf der Suche nach der Doppelgängerin

    Ann kontaktiert die Journalistin, die damals den Artikel geschrieben hat, doch die erinnert sich nicht an den Namen der jungen Frau auf dem Bild. Sie wirkt weder sehr kompetent noch besonders motiviert und meldet sich nie wieder bei Ann. Warum das so ist und dass sie trotzdem weiter in der Sache recherchiert, wissen nur wir Leser*innen. Ann weiß das nicht und beschließt, selbst nachzuforschen. Hilfe bekommt sie, wenn auch nur online, von ihrer Mitbewohnerin in Paderborn, Marie. Die beiden sind noch jung, ja. Aber insbesondere Ann agiert schon recht naiv und unprofessionell.


    Zu Anns Bekanntenkreis in Rerik gehören auch zwei Polizisten: Dorfsheriff Frederik „Fredde“ Steinmann und Polizeikommissar Marc Wendt, der seit einem Dienstunfall im Rollstuhl sitzt. Von ihnen erfährt sie, dass die Polizei auf einmal gut zu tun hat – mit einer vergifteten Kellnerin und einem erstochenen Lehrer. Einen unerklärlichen tödlichen Autounfall in einem Nachbarort gibt’s auch noch.


    Drei Todesfälle und ein Cold Case

    Auch wenn sein Chef es für ein Hirngespinst hält: Polizist Fredde ist davon überzeugt, dass die Todesfälle etwas mit Anns Nachforschungen zu tun haben. Wenn man genau hinschaut, gibt’s da Querverbindungen. Und plötzlich haben sie auch noch einen Cold Case an der Backe:


    Schlimmer noch: Hat Ann mit ihren Nachforschungen einen Mörder aufgescheucht? Beseitigt er nach und nach alle, die etwas über die Vermisste sagen könnten? Wenn das so ist, dann ist auch Ann in Gefahr ...


    Auf den letzten 100 Seiten zieht die Spannung mächtig an.


    Dem Täter zügig auf der Spur

    Was aus der Doppelgängerin geworden ist, hat sich ja schon im Prolog angedeutet. Wer dafür verantwortlich ist, ahnt man bereits im ersten Viertel des Buchs. Allenfalls kurz kommt man ins Zweifeln, weil die Autorin im Verlauf der Geschichte in paar falsche Fährten legt. Doch die Gedanken des Täters, die immer wieder in die Handlung eingestreut sind, passen eben am besten zu dem zuerst Verdächtigten.


    Ein paar Punkte ...

    Ein paar weitere Punkte gibt’s, mit denen ich in diesem Roman meine Schwierigkeiten hatte:

    • Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin ihre Figuren nicht leiden kann. Manche beschreibt sie geradezu verächtlich. Jedes Mal, wenn Anns destruktiv-gehässige innere Stimme ihren Auftritt hat und sie gnadenlos niedermacht, zuckt man zusammen. Ist das noch der übliche „innere Kritiker“, der uns manchmal an unseren Entscheidungen zweifeln lässt, oder ist das schon etwas Pathologisches?
    • Wenn alle Figuren ein bisschen daneben sind, fällt es einem als Leser*in schwer, sich mit ihnen zu identifizieren. Die Nebenfiguren Marie und Marc wirken ganz sympathisch, und das Schicksal der Eheleute Persson ist sehr berührend geschildert. Mit allen anderen würde ich nicht unbedingt etwas zu tun haben wollen.


    Erster Band einer Reihe?

    Wiederholt wird angedeutet, dass es bei Arnolds ein Familiengeheimnis gibt. Aufgelöst wird es nicht. Ich nehme also an, dass aus Ann Arnold eine Serienheldin werden soll und die Geschichte weitergeht. Da ist es ja ganz clever, die Leser*innen mit einem Mysterium zu ködern. Interessieren würde mich das jetzt schon, aber ich glaube, es ist für mich nicht Motivation genug, diese Reihe weiter zu verfolgen.


    Die Autorin

    Karen Kliewe wurde 1970 in Westfalen geboren, ist verheiratet und Mutter einer Tochter. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin studierte sie Visuelle Kommunikation, arbeitete als Illustratorin, Grafik-Designerin und Fotografin. Ihr Debüt "Letzte Spur Ostsee" erschien im Mai 2020 und bildet den Anfang einer Serie um die Journalistin Johanna Arnold.

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    Simone Dorra, Ingrid Zellner: Ein Lied in der Nacht. Band V der Kashmir-Saga, Hamburg 2020, Tredition, ISBN 978-3-3471-5578-7, Softcover, 496 Seiten, Format: 16,99 x 2,57 x 24,41 cm, Buch: EUR 19,99, Kindle: EUR 4,99.


    Ein Wiedersehen mit guten Freunden

    Wenn man die Kashmir-Saga von Anfang an verfolgt, ist jeder neue Band wie ein Wiedersehen mit guten Freunden. Es fängt ja auch immer sehr harmonisch und idyllisch an. Ja, denkt man, nach all den alptraumhaften Jahren, die hinter den befreundeten Ehepaaren Sandeep und Sharma liegen, haben sie es verdient, vom Leben ein bisschen verwöhnt zu werden.



    Das Waisenhaus, das Ex-Soldat Vikram Sandeep zusammen mit seiner Frau Sameera, einer Trauma-Therapeutin, in Srinagar, betreibt, hat einen guten Ruf und wird auch nicht mehr von externen Kräften bedroht. Es ist eine kleine, familiäre Einrichtung und man hat eher den Eindruck, die Sandeeps haben ein Dutzend Pflegekinder, die nun nach und nach flügge werden und Berufs- und Heiratspläne schmieden.


    Glück ist zerbrechlich

    Der Bewährungshelfer und Ex-Knacki Raja Sharma hat in Pune eine trubelige Großfamilie, die ständig noch größer wird, zumal er sie großzügig um Freunde in (der) Not erweitert.


    „Ich habe das alles, Vikram. Ich habe meine [Schwester] ... und dich (...) und meinen Raja. Und dazu meine Kinder und Enkelkinder. Mein Gott, Vikram – wie reich hat der Himmel mich gesegnet! Ich bin eine glückliche Frau.“ (Seite 123) – Wann immer eine Romanfigur so etwas sagt, weiß man als Leser*in: gleich kracht’s! Und tatsächlich: Die Familie Sharma erleidet einen schweren Schicksalsschlag, von dem sie sich dank der enormen Unterstützung von Verwandten und Freunden erstaunlich schnell zu erholen scheint.


    Wen dieses Unglück psychisch aus der Kurve trägt, ist Vikram. Das kommt überraschend. Weil er so ruhig und verschlossen ist und schon so viel Schlimmes überstanden hat, denkt man, er sei der Fels in der Brandung und nichts könnte ihn aus dem Gleichgewicht bringen. Stimmt nicht.


    Moussa erkennt seinen Peiniger wieder

    Dann geschieht etwas, das persönliche Probleme in den Hintergrund rücken lässt: Moussa, einer der Jungs aus dem Waisenhaus, erkennt auf einem Zeitungsfoto einen Kinderschänder wieder. Es ist ein hochrangiger Politiker. Den wollen Vikram und Raja auf jeden Fall aus dem Verkehr ziehen und zapfen dafür ihr weitreichendes Netzwerk an.


    Bald zahlt sich aus, dass Vikram darauf bestanden hat, seine Ehefrau in Selbstverteidigung zu unterrichten. Die Therapeutin, die ins Land gekommen ist, um zu retten und zu heilen, lernt jetzt notgedrungen zu kämpfen und zu schießen.


    Soldat und Chaot in geheimer Mission

    Als es schließlich hart auf hart kommt und eine Konfrontation in großem Stil ansteht, zeigt sich wieder mal, wie unterschiedlich die Freunde Vikram und Raja sind. Vikram, der routinierte Soldat, will, dass der Einsatz nach bestimmten Regeln abläuft. Er hat einen Plan und erwartet, dass alle Beteiligten sich daran halten. Raja hat’s aber nicht so mit Plänen. Selbst, wenn er ernsthaft in Erwägung zöge, ihnen minutiös zu folgen, würde er es wahrscheinlich nicht schaffen. Er ist ein Meister der spontanen, kreativen Problemlösungen. Das ist Segen und Fluch zugleich.


    Es ist spannend, wie die Freunde die Täter ausspionieren und versuchen, ihnen das Handwerk zu legen. Es ist überdies erstaunlich, mit welchen Themen sich die Autorinnen dafür im Vorfeld beschäftigt haben müssen. (Wo lernt man bitte die Sache mit den Schlössern?) Doch bei aller Tragik und Dramatik gibt’s immer wieder menschliche und humorvolle Einschübe, damit die Geschichte nicht allzu düster wird. Wie die zwei alten Herren dem schlampigen Computernerd Hasim auf die Sprünge helfen, das hat schon komödiantische Züge. Der Grundton jedoch ist ernst.


    Unbewältigte Vergangenheit

    Mitnichten haben Vikram und Raja ihre schlimme Vergangenheit aufgearbeitet. Sie haben sie bestenfalls verdrängt. Ein kleiner Anlass genügt und alles kocht wieder hoch.

    Kommt es jetzt zum endgültigen Bruch zwischen den zwei Freunden? Vor dieser Frage tritt die Geschichte um die Kinderschänder fast ein wenig in den Hintergrund.


    Wie Raja und Vikram mit diesen Ambivalenzen auf lange Sicht umgehen können, wird sich erst mit der Zeit weisen – im nächsten Band also. Ich setzte da meine Hoffnung in die Autorinnen, denn die Reihe lebt vom Wechselbad der Gefühle: Harmonie und Freundschaft auf der einen und Gewalt und Chaos auf der anderen Seite. Ohne die sympathischen Familiengeschichten und das ganze Drumherum mit Kochen und Feiern und dem Kleinkindergewusel wäre die Reihe „nur“ ein finsterer Thriller mit politischem Hintergrund. Allzu viel Anlass zum Optimismus gibt die Lage in Kashmir ja nicht. Raja und seine ebenso liebenswerte wie unübersichtliche Sippe werden dringend gebraucht, denn sonst fehlt zu den Intrigen, Rachephantasien und Gewaltorgien das Gegengewicht. Also, Jungs: Kriegt euch gefälligst wieder ein!


    Unterhaltung vom Feinsten

    Auf sieben Bände ist die Reihe angelegt. Das sind ja nur noch zwei! Ich weiß gar nicht, was ich machen soll, wenn die Kashmir-Saga fertig erzählt ist. Ich hab mich so sehr an die Romanhelden gewöhnt, dass es mir nicht mal mehr auffällt, dass sie fortwährend Begriffe in Hindi, Arabisch, Urdu, Farsi oder Englisch einstreuen. Ich schau nur noch in Ausnahmefällen hinten im Glossar nach, was das genau bedeutet. Wie sie’s meinen, wird ja aus dem Zusammenhang klar.


    Was ich sehr zu schätzen weiß, ist das Personenverzeichnis. Auch wenn ich es längst aufgegeben habe, Rajas Enkelschar auseinanderhalten zu wollen, komme ich manchmal mit den Namen der Nebenfiguren ins Schleudern („Was will denn der Computerspezl von der Haushälterin? Die ist doch mit dem Hausmeister verheiratet! – Ach nee, das ist eine andere.“).


    Kurz und gut: Unterhaltung vom Feinsten. Alles ist drin: Liebe und Freundschaft, Rache und Hass, Zerstörung und Heilung ... das ganze Leben eben.


    Die Autorinnen

    Simone Dorra wurde 1963 in Wuppertal geboren, machte eine Ausbildung zur Buchhändlerin und arbeitete mehrere Jahre als kirchliche Radio-Redakteurin für den Privatfunk. Sie ist verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern und Autorin von bislang drei Büchern im Silberburg-Verlag Tübingen. Als begeisterter Fan von Indien und Kashmir schrieb sie DAS HAUS DES FRIEDENS als Soloprojekt und setzte es gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Ingrid Zellner zu einer Serie in insgesamt sieben Bänden fort, die in den Jahren 2017 bis 2022 erscheinen werden. www.simonedorra.de


    Ingrid Zellner, geboren 1962 in Dachau. Studium der Theaterwissenschaft, der Neueren deutschen Literatur und der Geschichte in München. 1988 Magisterexamen. Dramaturgin 1990 bis 1994 am Stadttheater Hildesheim und 1996 bis 2008 an der Bayerischen Staatsoper München. Veröffentlichung von Romanen, Krimis, einem Kinderbuch, Kurzgeschichten, Theaterstücken, CD-Booklet-Texten und Artikeln. Freiberufliche Tätigkeit u.a. als Übersetzerin (Schwedisch) sowie als Schauspielerin, Regisseurin und Autorin. http://www.ingrid-zellner.de, www.kashmirsaga.de

    Falsche ISBN oder ASIN angegeben!

    Und wieder mal klappt das mit der ISBN nicht. Also auf die altmodische Weise, mit URL und Foto:




    https://www.amazon.de/Irrgäste-Seltene-Europa-Frédéric-Jiguet/dp/3258081972/ref


    Frédéric Jiguet, Aurélien Audevard: Irrgäste. Seltene Vögel in Europa, OT: Tous les Oiseaux rares d’Europe, Aus dem Französischen übersetzt von Anne-Sophie Rust, Bern 2020, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-08197-7, Klappenbroschur, 368 Seiten, über 2.000 Farbfotos und Karten, Format: 14,9 x 2,5 x 20,5 cm, EUR 44,00.


    Ich bin ja immer auf der Suche nach Büchern, die mich mittelschlaue Leserin ein kleines bisschen klüger machen. Und ich fürchte, mit diesem Band hier habe ich deutlich zu hoch gegriffen. Mit dem Buch ist alles in Ordnung, nur habe ich offenbar nicht das Wissen, das man braucht, um es sinnvoll nutzen zu können. Es ist ein Bestimmungsbuch für Hobby-Ornithologen, die sich wirklich gut in der Materie auskennen und mehr als nur die üblichen Gartenvögel benennen können.


    Aufgrund der kurzen Produktbeschreibung, die mir vorab zur Verfügung stand, hatte ich angenommen, ich bekäme hier etwas anderes. Über den Begriff „Irrgäste“ (gelegentlich auch „Ausnahmegäste“ genannt) bin ich erst vor ein paar Jahren gestolpert. So nennt man Vögel, die weit abseits ihrer üblichen Brutareale, Wanderrouten oder Überwinterungsgebiete angetroffen werden, entweder, weil sie unterwegs die Orientierung verloren haben oder weil sie durch widrige äußere Umstände von ihrem Kurs abgekommen sind. Manche scheinen das auch „mit Absicht“ zu machen um neue Strategien auszuprobieren.


    Viel Wissen wird vorausgesetzt

    Ich hatte nun angenommen, dass wir in diesem Buch erfahren, wie das genau vor sich geht, was es in Einzelfällen für die Tiere bedeutet – überleben sie das oder nicht? – und wie so ein Ereignis ganze Populationen beeinflussen kann. Ich mein’, wenn einzelne Vögel aus eigenem Antrieb neue Strecken testen, damit erfolgreich sind und anschließend ihren Artgenossen davon „erzählen“, können sich daraus doch ganz neue Wanderrouten ergeben, oder? Die machen das ja nicht zum Spaß. Und wenn eine relevante Anzahl einer Art künftig nicht mehr in Region A, sondern in Region B überwintert, könnte das meines Erachtens Auswirkungen auf die Flora und Fauna in beiden Regionen haben. In Region A fehlen die Vögel, in Region B stören sie das Gleichgewicht. Im Zeichen des Klimawandels kommen solche Verwerfungen ja nicht überraschend. Doch darum geht’s hier nur am Rande. Das wird als bekannt vorausgesetzt.


    Hier geht es in der Hauptsache darum, die verirrten oder anderweitig seltenen Vögel zu identifizieren, die einem bei den Beobachtungen vors Fernglas fliegen oder hüpfen.

    „Die Bestimmung einer seltenen Art setzt beim Beobachter eine gute Kenntnis der im Gebiet üblichen Arten voraus, um das vermutlich seltene Individuum mit diesen vergleichen zu können. Zum Beispiel: etwas kleiner, schlanker, weniger flink, flüchtiger, mit kürzerem S c h w a n z, aber kleinerem Kopf usw.“ (Seite 7)


    Wer ist wer? – 460 Artenporträts

    Auf über 360 Seiten werden insgesamt 460 in Europa seltene Arten mit über 2000 meist freigestellten Farbfotos vorgestellt. Wir sehen den jeweiligen Vogel in seiner juvenilen sowie adulten männlichen und weiblichen Form. Zeigelinien weisen auf die wichtigsten Merkmale hin. Wenn es Unterarten oder Hybriden gibt oder wenn Prachtgefieder, jahreszeitlich oder altersbedingte Unterschiede im Federkleid zur eindeutigen Identifizierung beitragen können, zeigt das Buch auch das. Für Laien sieht das ein bisschen aus wie das gute alte Zeitschriftenrätsel „Finden Sie fünf Fehler“ – für ambitionierte Vogelbeobachter*innen ist es eine wertvolle Hilfe.


    Zu jeder Vogelart gibt’s eine kleine Landkarte (Verbreitungskarte). Rote Flächen markieren die Verbreitung zur Brutzeit, blaue den Aufenthaltsort im Winter, Gebiete, in denen die Art ganzjährig anzutreffen ist, sind violett markiert. Der Textblock daneben gibt die Größe/Flügelspannweite der Art an, liefert eine Kurzbeschreibung des äußeren Erscheinungsbilds, ggf. des charakteristischen Rufs und des Habitats. In manchen Texten wird erwähnt, wo in Europa der Vogel als Irrgast in Erscheinung getreten ist und welcher einheimischen Art er ähnelt.



    Abb.: © Haupt Verlag / Foto: E. Nebel


    IRRGÄSTE – SELTENE VÖGEL IN EUROPA bietet eine Vielzahl von Informationen – wieder mal in winzig kleiner Schrift, was leider bei vielen Sachbüchern der Fall ist. Neben den reich bebilderten Artenporträts gibt’s jeweils ein Register der deutschen und der wissenschaftlichen Artnamen sowie ein paar Eckdaten zu den Autoren.


    Für Experten, nicht für Laien

    Bei diesem Buch habe ich mich selbst ein bisschen wie ein Irrgast gefühlt ... eine neugierige Durchschnittsbürgerin, die sich in die Sachbuchregion eines Expert*innenzirkels verlaufen hat. Wie weit ich vom Thema weg bin, zeigt allein die Tatsache, dass den im Buch häufig vorkommende Begriff „nearktisch“ erst nachschlagen musste – und dass ich mich gefragt habe, ob das Wort „gämsfarben“ überhaupt außerhalb von Kreuzworträtseln existiert. Im französischen Original dürfte da „chamois“ gestanden haben. Ja, das kenne ich! Das ist ein helles, leicht bräunliches Gelb.


    Aus Mangel an Vorwissen kann ich leider nur eine Beschreibung dessen geben, was ich vorgefunden habe: eine ungeheure, sehr systematische Fleißarbeit. Eine Bewertung des Buchs traue ich mir aus den genannten Gründen nicht zu. Ich weiß auch nur vom Hörensagen, dass es anscheinend bislang kein vergleichbares Werk auf dem deutschsprachigen Markt gegeben haben soll.


    Wer sich wirklich intensiv mit dem Thema befasst, wird vor der Kaufentscheidung sowieso erst einen Blick ins Buch werfen wollen – ein paar ausgewählte Probeseiten gibt’s auf der Internetseite des Haupt-Verlags: https://issuu.com/haupt/docs/9783258081977 – um zu sehen, ob ihm der Inhalt so, wie er aufbereitet ist, von Nutzen ist.


    Die Autoren

    Frédéric Jiguet ist Forscher, Professor am staatlichen Naturkundemuseum in Paris und Leiter des Forschungszentrums für die Biologie von Vogelpopulationen, das die wissenschaftliche Beringung von V ö g e l n in Frankreich koordiniert. Als Feld- und „Labor“-Ornithologe verfasst er im Rahmen der Vogelforschung Artikel zu den Auswirkungen von Klima, Landwirtschaft und Städtebau auf die Artenvielfalt. Darüber hinaus untersucht er die Strategien des Vogelzugs mithilfe mordernster Technik, chemischer und genetischer Analysen sowie Positions- und Helligkeitsaufzeichnungen, die eine Rekonstruktion der zurückgelegten Strecke jedes verfolgten Individuums ermöglichen. Alle diese Untersuchungen dienen der Arterhaltung, um dazu beizutragen, unsere Natur in einer sich verändernden Welt zu schützen.


    Aurélien Audevard ist Ornithologe im Vogelschutzverein der französischen Region Provence-Alpes-Cote Azur, wo er für die ornithologische Überwachung in den Salinen von Hyeres im französischen Department Var verantwortlich ist. Getrieben von seiner Leidenschaft für Vögel von frühester Kindheit an, setzt er sich seit vielen Jahren für den Schutz dieser Tiere ein. Er ist ebenfalls als Beringer für das Forschungszentrum für die Biologie von Vogelpopulationen tätig und hat 7 Jahre auf der französischen Insel Ouessant gelebt, die bei französischen Ornithologen als Hotspot für seltene Vögel bekannt ist. Als Tierfotograf und Ornithologe hat er zahlreiche Länder bereist um eine (noch unvollständige) Datenbank von Fotos europäischer, sibirischer und asiatischer Vögel aufzubauen. Er publiziert in zahlreichen ornithologischen Zeitschriften.

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    Sarah Brown: Die Katze. Geschichte, Biologie, Rassen, OT: The Cat. A Natural History, übersetzt von Jorunn Wissmann, Monika Niehaus, Coralie Wink, Bern 2020, Haupt:Verlag, ISBN 978-3-258-08164-9, Hardcover, 224 Seite, mit Farbfotos, Illustrationen, Graphiken und Karten, Format: 20,5 x 2,4 x 24,4 cm, Buch: EUR 29,90.


    Ich habe eine ganze Regalwand voller Katzenbücher. Dieses hier dürfte das „wissenschaftlichste“ sein. Die Autorin ist Doktorin der Zoologie und arbeitet seit 30 Jahren mit Katzen und deren Halter. Sie weiß also, wovon sie spricht und hat nicht irgendwas aus –zig anderen Katzenbüchern abgeschrieben (was durchaus vorkommt).


    In seiner sachlichen Nüchternheit gefällt mir das Buch. Der Inhalt wirkt vertrauenswürdig. Hier steht kompakt alles drin, was man über Katzen wissen wollen könnte – aber es ist für die Leser*innen auch recht anspruchsvoll. Mein Biologie-Unterricht ist über 40 Jahre her und ich habe das Wissen seither nur „hobbymäßig“ gebraucht. Da bin ich bei manchen Passagen ein bisschen ins Schwitzen gekommen:


    „Katzen, die heterozygot für ein Merkmal sind, besitzen die rezessive Form des Merkmals. Sie exprimieren das rezessive Merkmal zwar nicht, können es aber an die nächste Generation weitergeben. Wenn zwei Träger beide identische Allele an einen Nachkommen weitergeben, wird das rezessive Merkmal bei diesem Nachkommen exprimiert, da das dominante Merkmal fehlt.“  (Seite 67)


    Äh, ja. Ich verstehe, was da steht. Aber ein bisschen verrückt muss man als Laie wohl sein, um so etwas aus purer Neugier in seiner Freizeit zu lesen. ;-) Okay: die Genetik mit all ihren Fachbegriffen, ist ,auf wenige Buchseiten komprimiert, besonders einschüchternd. Alle anderen Themenbereiche des Buchs sind leichter zu verstehen.


    1. Evolution und Domestikation

    Am Anfang waren die Miaciden, waldbewohnende Säugetiere, die vor rund 6 Millionen Jahren in Nordamerika und Eurasien lebten. Aus ihnen sind die Carnivora (Raubtiere) hervorgegangen – nicht nur die Katzen, sondern auch die Hunde.


    Wir lernen diverse Vorfahren der Hauskatzen kennen, zum Beispiel Pseudaelurus, der schon recht „modern“ aussieht und Smilodon, den furchterregenden Säbelzahntiger. Die heutige groß- und kleinkätzische der Verwandtschaft unserer Stubentiger treffen wir auch. Nicht alle Kleinkatzen waren mir geläufig. „Felis margarita“, z.B., eine niedliche aussehende nordafrikanische Sandkatze, deren Name ein bisschen nach einem Drink klingt, hätte ich nicht identifizieren können. Man lernt hier so allerlei.


    Unsere Hauskatzen stammen von der nordafrikanischen Felis lybica lybica ab, zur Domestikation kam es dann vor rund 10.000 Jahren in der Region des „Fruchtbaren Halbmonds“ im Nahen Osten. Die Menschen waren sesshaft geworden, betrieben Landwirtschaft und hatten Getreidespeicher – und damit auch unerwünschte Nagetiere. Das lockte die wilden Katzen an, und schon hatten Mensch und Katz’ einen Deal: „Ihr haltet uns die Mäuse von der Backe und wir tun euch nichts.“


    Mit der Zeit wurden die Wildkatzen zahmer und wandelten sich vom geduldeten Mäusejäger zum tierischen Gefährten des Menschen. Durch Seefahrer, Händler und Entdecker verbreiteten sie sich in aller Welt, nicht immer zur Freude und zum Nutzen der einheimischen Fauna, die dem unbekannten Fressfeind oft nichts entgegenzusetzen hatte.


    2. Anatomie und Physiologie

    Hier erfahren wir, wie es zu den verschiedenen Farbschlägen und Fellzeichnungen kam und wie die Evolution die Katze darüber hinaus noch verändert hat. Es gibt eine Vielzahl von Informationen über den Katzenkörper und über ihre Sinne. Hier findet man auch den eingangs angesprochenen Beitrag über die Genetik.


    3. Ökologie, Sozialstruktur und Verhalten

    In diesem Kapitel geht es um das Revierverhalten verwilderter Katzen, Streunern und halbwilden Tieren, um Einzelgänger und Gruppen. Wir entdecken die sozialen Strukturen bei Hauskatzen und die verschiedenen Arten, wie die Tiere untereinander kommunizieren. Auch Partnerwerbung, Paarung, Aufzucht und Entwicklung der Jungtiere werden hier thematisiert.


    4. Katzen und Menschen

    Im alten Ägypten wurden die Katzen wie Götter verehrt, im Mittelalter hat man sie bei uns als teuflische Tiere gehasst, gefoltert und getötet. In Asien brachte man zu der Zeit den Katzen mehr Respekt entgegen, und auch in Europa kamen für sie wieder bessere Zeiten. Sie hielten Einzug in die Häuser und die Herzen der Menschen und auch in die Kunst.


    Wir lernen, wie Katzen mit uns Menschen sozialisiert werden und wie es kommt, dass manche nie etwas mit uns zu tun haben wollen. Wir erfahren, wie Katzen mit uns kommunizieren – deutlich anders als mit ihren Artgenossen -, was wir im Umgang mit ihnen besser bleiben lassen sollten und warum sie uns Menschen so gut tun.


    5. Katzen heute

    Kapitel 5 dreht sich um Freigängerkatzen, um Überpopulation und Kastration. Der Mehrkatzen-Haushalt ist ein Thema, Vergesellschaftung mit Neuankömmlingen sowie die Lebensbedingungen von Wohnungskatzen, Gesundheit und Problemverhalten. Und um Tierheime geht’s auch.


    6. Verzeichnis einiger Katzenrassen

    Nach einer kurzen Einführung ins Thema Katzenzucht geht’s an die Präsentation von 48 Katzenrassen. Von der Bengal bis zur Türkisch Van werden sie in Wort und Bild vorgestellt. Ein Foto zeigt jeweils eine*n typische*n Vertreter*in der Rasse. Es wird kurz und knackig erklärt, wie, wo und warum die Rassen entstanden ist. In einer Box gibt’s stichwortartige Informationen zu Gewicht, Genetik, Aktivität (vom Temperamentsbündel bis zur Sofakatze), Charakter, Aufwand für die Fellpflege und bekannte häufige Gesundheitsprobleme. Da wird man bei Interesse nachschlagen müssen, denn die Fachbegriffe hat man als Laie nicht unbedingt parat. Eine kleine Weltkarte zeigt jeweils, wo die Rasse entstanden ist.



    Abb.: © Haupt:Verlag / Foto: E. Nebel


    Ein Anhang mit der Erläuterung einiger medizinischer Fachbegriffe, einer Liste mit weiterführender Literatur, einem Register und Informationen zur Autorin runden den Band ab.


    Als kompakten und verlässlichen Informationslieferanten kann ich dieses Buch empfehlen. Es hat mir jetzt keine sensationell neuen Erkenntnisse beschert, aber doch einige interessante Details geliefert, die mir bislang entgangen sind.


    Schade ist, dass die Schrift so klein ist. Bei abendlicher Beleuchtung konnte ich das Buch trotz Brille nicht lesen, das ging nur bei Tageslicht oder bei brachialer LED-Beleuchtung. Für die winzigen Bildunterschriften war gelegentlich eine beleuchtete Lupe nötig. Das ist leider bei Sachbüchern häufiger der Fall. Man will eben viele Informationen auf möglichst wenigen Seiten unterbringen, weil das Buch sonst zu teuer wird. Und dann leidet ein bisschen die Benutzbarkeit.


    Die Autorin

    Sarah Brown ist promovierte Zoologin und arbeitet seit 30 Jahren mit Katzen und ihren Haltern: in der wissenschaftlichen Forschung, in der Heimtierbranche, Tierhilfe-Organisationen und als selbstständige Beraterin. Sie ist Autorin wissenschaftlicher Veröffentlichungen und Co-Autorin des Lehrbuchs "The Behaviour of the Domestic Cat" (2012). Sie lebt mit ihrem Mann, vier Töchtern, zwei Katzen, einem Hund und einer Landschildkröte in London.

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    Dr. Christine Hutterer, Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge: Depression. Das Richtige tun. Ein Ratgeber für Angehörige und Freunde, Berlin 2020, Stiftung Warentest. ISBN 978-3-7471-0337-1, 191 Seiten, mit Farbfotos von Sibylle Fendt, Format: 16,7 x 1,5 x 21,6 cm, Buch: EUR 19,90, Kindle: EUR 14,99.


    „Eine Depression verursacht großes Leid, nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch bei den Menschen in deren Umgebung. Machen Sie sich klar, dass diese Erkrankung der Seele behandelbar ist. Sie können etwas tun und sie sollten daher handeln! (Seite 9)


    Wenn ein nahestehender Mensch erkrankt, ist immer belastend. Man möchte helfen, kann aber nur in begrenztem Umfang etwas tun. Leidet der Angehörige oder Freund an einer Depression, kommt erschwerend hinzu, dass man zunächst nicht weiß, was man machen und was man besser lassen sollte.


    Manchmal dauert es, bis überhaupt klar ist, was dem Betroffenen fehlt. Er hat sich verändert, wirkt antriebslos und niedergeschlagen und/oder zeigt andere, schwer zuordenbare Symptome (siehe Seite 11 ff.) Ist das nur ein vorübergehendes Formtief, das von alleine wieder vergeht? Oder soll man die Person darauf ansprechen? Und wenn ja, wie? Man möchte ja nichts verschlimmern.


    Die Diagnose kann nur der Arzt stellen. Aber was tun, wenn der Betroffene einen Arztbesuch vehement ablehnt? Was, wenn man das Gefühl hat, ihm/ihr wäre mit einem stationären Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik am besten geholfen? Wie bewerkstelligt man das, wenn er/sie sich dagegen wehrt? Und wenn er/sie erst einmal in so einer Einrichtung ist, kommt er/sie da jemals wieder raus? Fragen wie diese werden hier in 6 Kapiteln umfassend beantwortet. Erfahrungsberichte von Betroffenen runden die Informationen ab.


    I. Etwas muss geschehen

    Im ersten Kapitel lernen wir, die Anzeichen und Symptome einer Depression zu erkennen und wir erfahren, dass die Krankheit gut zu behandeln ist. Je früher man sie erkennt, desto besser ist es. Doch „das Tückische an Depressionen ist (...), dass sie manchmal verhindern, dass betroffene Menschen sich überhaupt Hilfe suchen.“ (Seite 19) Wir erfahren, wie man seine Beobachtungen und Sorgen am besten anspricht und wie man Hilfe organisiert auch, wenn der Betroffene das nicht möchte.


    Wenn erst mal die Profis an dem Problem dran sind, kann man ein bisschen aufatmen. Dann hat man nicht mehr das Gefühl, die alleinige Verantwortung für den Angehörigen zu tragen. Wir sollten uns sowieso bewusst machen, dass wir zwar seine Therapie begleiten, ihn aber nicht selbst therapieren oder gar heilen können.


    II. Was bedeutet die Diagnose für Sie?

    In dieser zweiten Phase stellt sich die Frage, ob wir Angehörigen das alles alleine stemmen können ob wir selbst Hilfe brauchen – die es zum Glück gibt.


    Vom Verstand her wissen wir, dass wir die Krankheit als solche akzeptieren müssen, dass wir Geduld brauchen und dass wir es dem Erkrankten nicht verübeln dürfen, wenn sich gegen unsere Hilfe sträubt, ungehalten oder gar aggressiv reagiert. Andererseits sollen wir uns nicht alles gefallen lassen. Wir müssen damit klarkommen, dass er/sie antriebslos ist und wir seine/ihre bisherigen Aufgaben in der Familie zusätzlich übernehmen müssen. Aber überbehüten ist auch nicht gut.


    Wir sollen unserem Umfeld die Krankheit erklären. Wir sollen den Laden am Laufen halten und die Wünsche des Erkrankten berücksichtigen. Wir müssen zurückstecken und uns stark einsetzen. Aber wir sollten auch die Grenzen der eigenen Verantwortung und Möglichkeiten erkennen und dürfen uns nicht bis zum eigenen Zusammenbruch aufreiben.


    Es ist eine permanente Gratwanderung – und ein Job für Heilige! Daran darf man auch mal scheitern. Und es ist auf jeden Fall sinnvoll, sich sachkundige Hilfe zu holen.


    III. Einen neuen Alltag gestalten

    „Ein zentraler Punkt im Umgang mit depressiv Erkrankten ist die Kommunikation.“ (Seite 72) Doch der Redebedarf ist unterschiedlich. Zu viel Druck ist ebenso wenig hilfreich wie konsequentes „In-Ruhe-lassen“. Es gibt aber Möglichkeiten, hier eine akzeptable Balance zu finden und Kommunikationstechniken, die helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen.


    Wir lernen, was dem Betroffenen im Alltag helfen kann, wie man mit akuten Symptomen, Ablehnung und Absagen umgehen kann. Das klingt nach einer Herausforderung, und ich hoffe, dass es wirklich hilft, sich die Merksätze von Seite 99 mantraartig vorzusagen.


    Unverzüglich handeln muss man, wenn man den Verdacht hat, der Erkrankte wolle sich etwas antun. Das Kapitel zeigt uns, wie wir entsprechende Anzeichen erkennen, auch wenn die Absicht nicht klar ausgesprochen wird, und wie wir auf diese Ausnahmesituation reagieren sollten


    IV. Die Puzzleteile der Behandlung
    In diesem Kapitel geht es um verschiedene Therapieformen und darum, wie wir dem Erkrankten während seiner Behandlung eine Stütze sein können.


    In einem Punkt scheint sich in den vergangenen 35 Jahren leider nicht viel geändert zu haben: Es kann nach wie vor Moooooonate dauern, bis man einen ambulanten Therapieplatz bekommt. Dabei wäre es so wichtig, nach einem Klinikaufenthalt die Behandlung möglichst nahtlos fortzusetzen.


    V. Die eigenen Grenzen wahrnehmen

    Immer wieder ist in dem Buch die Rede davon, dass Angehörige starken Belastungen ausgesetzt sind und es wichtig ist, dass sie ihre Grenzen wahrnehmen, auf sich achten und sich bei Bedarf Hilfe suchen. Wie sie das machen können, beschreibt dieses Kapitel.


    VI. Gemeinsam in die Zukunft blicken

    Alle werden froh sein, wenn die depressive Episode vorbei ist und wieder Ruhe einkehrt. Möglicherweise hat sich aber durch Krankheit und Therapie die Beziehung verändert. Der Angehörige hat vielleicht seine Lebenseinstellung geändert und Prioritäten neu gesetzt. Es ist also nicht gesagt, dass alles „wie früher“ wird.


    Es besteht auch ein gewisses Risiko eines Rückfalls bzw. einer Wiedererkrankung. Dem kann man vorbeugen, wenngleich es natürlich keine hundertprozentige Garantie gibt. Sollte es je zu einer erneuten Erkrankung kommen, hat man jetzt wenigstens so eine Art Krisenplan. Man weiß jetzt, was man tun muss und was schon einmal geholfen hat und fällt nicht in ein so tiefes Loch wie beim ersten Mal.


    Wir werden nie alles richtig machen können, auch wenn uns die Ausführungen der Autorinnen theoretisch einleuchten. Wir sind ja keine Übermenschen. Aber eine „Handlungsanweisung“, die wir nur zum Teil umsetzen können, ist in jedem Fall besser als ahnungslos vor sich hinzuwursteln. Hilfreich sind auch die Adressen und Kontaktdaten im Anhang. Da findet man Rat und Unterstützung. Niemand muss das alleine durchstehen. Und das ist eine sehr beruhigende Erkenntnis.


    „Depressionen sind alles andere als selten: Jeder Fünfte erlebt mindestens einmal im Leben eine depressive Episode, weltweit sind zehnmal mehr Menschen an Depressionen erkrankt als an Krebs.“ (Seite 30)


    Die Autorinnen

    Dr. Christine Hutterer ist promovierte Biologin, Autorin und Medizinjournalistin. Seit vielen Jahren schreibt sie für Fachkreise, Betroffene und Angehörige unter anderem über psychische Erkrankungen wie Depressionen und Sucht.


    Prof. Dr. Christine Rummel-Kluge ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und arbeitet als Geschäftsführende Oberärztin und Leiterin der Psychiatrischen Institutionsambulanz am Universitätsklinikum Leipzig. Sie war 2010 bis 2017 Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

    Falsche ISBN oder ASIN angegeben!

    Aus irgendeinem Grund funktionieren hier weder ISBN noch ASIN. Dann machen wir's eben wie früher mit einem Link:
    https://www.amazon.de/Schatten…a-Fabry/dp/B08MSLX53J/ref



    Karla Fabry: Schattenblau. Das Funkeln der Wellen. Band 3 der Fantasy-Saga, Ostfildern 2020, Independently published, Kindle: ASIN B08F91FDMX, Dateigröße: 3585 KB, EUR 5,99. Taschenbuch: ISBN 979-8556943773, 567 Seiten, Format: 13,34 x 3,63 x 20,32 cm, EUR 13,95.


    „Ihr war mulmig zumute. Denn sie wusste nicht, was das bedeutete und was sie nun tun sollte. Sie spürte nichts, das ihr einen Hinweis gab, nichts, das sie lenkte, ihr eine Vorstellung verschaffte, was zu tun sei, und wozu sie als Fünfte der Fünften fähig war. Oft hatte sie gedacht, dass diese Ganze – das Ritual, die Kristallhalle, die Wiedergeburt – bloß billiger Hokuspokus waren. (...) Und sie selbst war nichts als eine gewöhnliche Achtzehnjährige, die noch nicht einmal eine besondere Gabe besaß.“

    (Seite 429)


    Wie beschreibe ich am besten diese Fantasy-Welt, die so komplex ist, dass selbst deren eigene Götter zeitweise den Überblick darüber verlieren, was möglich ist und welche Konsequenzen das hat? Ein wenig werde ich auf die beiden vorangegangenen Bände Bezug nehmen müssen, sonst kommt hier keiner mit.


    Ein Familiengeheimnis kommt ans Licht

    Wären die LeBons in den USA geblieben, hätten Lilli (18) und ihr Bruder Chris nie herausgefunden, dass ihre Familie mütterlicherseits genetisch aus etwas anderem besteht als aus gewöhnlichen Menschen. Es hat sie aber aus beruflichen Gründen in das andalusische Städtchen Calahonda verschlagen. Dort verliebt sich Lilli in ihren attraktiven Mitschüler Alex Valden.


    Suzanne LeBon erschrickt bis ins Mark, als sie den Freund ihrer Tochter zum ersten Mal sieht, denn Alex gehört zu einer Spezies, deren Existenz sie vor ihrer Familie mit aller Kraft geheim zu halten versucht. Er ist ein Mensch-Wasser-Amphibion, ein Thalassier. Sein Zuhause ist das Meer und er kann sich jederzeit in ein mordgieriges Ungeheuer verwandeln, ohne dies steuern zu können. Unter Umständen könnte er auch unsterblich werden. Als Mensch-Wasser-Amphibion ist er außerdem der historische Feind der Art, der Suzanne und ihre Vorfahren angehören: der Mensch-Land-Amphibien.


    Hat man die Land-Amphibien-Gene, kann man sich – absichtlich oder unabsichtlich – in eine Art mannsgroßen Salamander verwandeln, so wie Eugene O’Grady, der junge Wirt der örtlichen Tapasbar. Das wäre alles faszinierend und spannend, wenn Lilli nicht durch ihre Beziehung zu Alex in ein Gewirr von uralten Machtkämpfen und Familienfehden hineingezogen würde.


    Nur eine kann den Krieg beenden

    Rex Fothergyll und Danya Baron, zwei Auserwählte (Unsterbliche) der Thalassier wechseln auf „die dunkle Seite der Macht“.


    Nur eines kann dieses gigantische Blutvergießen noch verhindern: Die „Fünfte der fünften Tochter“ muss eingreifen. Nur sie hat die Macht, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Und die „Fünfte der Fünften“ ist offenbar Lilli LeBon. Oder, besser gesagt, sie wird es sein, wenn sie erst einmal ihr Erweckungsritual durchlaufen hat. Das ist eine brutale Zeremonie, die ihr alles abverlangen wird. Sie muss unter Qualen sterben um als machtvolles Wesen wiedergeboren zu werden.


    Was, wenn das nur ein Mythos ist?

    Lilli hat allerdings Zweifel: Was, wenn sich die Thalassier irren? Wenn sie’s gar nicht ist? Wenn das alles nur Legenden sind? Es heißt doch, dass die Fünfte der Fünften unsterblich sei. Wenn es vor ihr schon andere gegeben hat, wo sind die jetzt? Selbst wenn das alles wahr ist: Wer kann ihr sagen, was sie nach ihrer Wiedergeburt tun muss? Sie hat ja keine Ahnung, über welche Fähigkeiten eine Fünfte der Fünften verfügt und wie man damit einen Krieg beenden kann.


    Was Lilli derzeit fast am meisten belastet:


    Nichts ist hier so wie es scheint

    Nichts ist hier so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Suzanne LeBon hatte gute Gründe, ihr genetisches Erbe zu verschweigen! Die Bösen sind nicht unbedingt dauerhaft böse, doch auf Reue und Läuterung ist kein Verlass. Wer tot ist, muss es nicht bleiben. Selbst bei der Unsterblichkeit gibt’s Kleingedrucktes und die Auserwählten können unter bestimmten Voraussetzungen ihr ewiges Leben verlieren. Die alten Schriften sprechen in Rätseln und verwirren mehr als sie helfen. In so einer Welt sind auch Götter nicht automatisch allwissend und allmächtig.


    Unter diesen Umständen ist Lillis Skepsis angebracht. Natürlich versucht sie, sich bestmöglich auf das bevorstehende Ritual vorzubereiten. Doch die Zeit drängt. Die Gegner formieren sich bereits zur großen Schlacht, und Lillis Erweckung muss, genau wie Alex’ Diamantverwandlung – der letzte Schritt zur Unsterblichkeit –, zeitlich stark vorgezogen werden. Unzureichend präpariert und dazu noch zerstritten stellt sich das junge Paar seinen enormen Herausforderungen.


    Und dann hängt das Schicksal der ganzen Welt von einer jungen Frau ab, die mit der Situation vollkommen überfordert ist und mit dem Mut der Verzweiflung improvisieren muss ...


    Phantasievoll und doch bodenständig

    Die Reihe ist schon ein Phänomen: romantische, komplexe, enorm phantasievolle Urban Fantasy – und doch so bodenständig! Die Auserwählten müssen nach dem ersten Schock erst langsam in ihre Rolle hineinwachsen – wenn man ihnen die Zeit dazu lässt. Sie merken jedoch schnell, dass man mit Superkräften auch Superprobleme bekommt. Wenn man seine Kräfte nicht richtig anwenden kann, zum Beispiel, wenn man sich von ihnen korrumpieren lässt oder wenn man auf einmal übermächtige Feinde hat, die einen bislang noch gar nicht auf dem Schirm hatten.



    Superkräfte hin oder her – die Personen in dieser Reihe hadern mit ihrer Berufung und wehren sich dagegen. Manche wollen gar nichts Besonderes sein, sie möchten ein durchschnittliches, ruhiges Leben führen wie Lillis Mutter. Doch was sie auch veranstalten: Es gibt kein Entkommen.


    Fantasy mit Grips

    In diesem Buch gibt es nicht nonstop Action, obwohl es auch ordentlich rund geht, vor allem gegen Schluss. Es ist Fantasy mit Köpfchen: Es wird geforscht, interpretiert, hinterfragt, gezweifelt, diskutiert und überlegt. Es ist zudem eine sehr gründlich durchdachte Fantasy-Welt. Die Autorin hat für die Thalassier sogar eine Bestattungszeremonie ersonnen, die bei aller Exotik überaus berührend ist.


    Wenn man alle drei Bände gelesen hat, ist man in dieser Romanwelt so zuhause, dass man höchst ungern wieder in die schnöde Realität auftaucht. Es ist schön, dass wir mit diesem Band nun erfahren, wie die Geschichte rund um die große Schlacht ausgeht, aber es ist schade, dass die faszinierende Reihe damit zu Ende ist.


    Die Autorin

    Karla Fabry, geboren 1970, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart. Nach dem abgeschlossenen Studium der Indologie und Philosophie in Heidelberg widmete sie sich der Reportage- und Kunstfotografie, bevor sie zur Arbeit mit dem Wort zurückkehrte und lange als Korrektorin und Texterin im Verlagswesen tätig war. Ihre Hobbys sind Fotografieren und digitale Fotokunst, Basteln und wenn noch Zeit bleibt, Kochrezepte erfinden. http://www.karla-fabry.de


    Die komplette Reihe (Band 1 und 2 müssten auch hier im Forum zu finden sein):



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    Heike Abidi: Unglaubliche 12 (ab 11 J.), Hamburg 2020, Oetinger Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3- -84150628-3, Klappenbroschur, 205 Seiten (inkl. 25 Seiten Leseprobe für ein anderes Jugendbuch), Format 13,4 x 2,2 x 20,3 cm, Buch: EUR 10,00 [D], EUR 10,30 [A], Kindle: EUR 6,99.


    „(...) Es hat halt bloß mit meinem Hobby zu tun“, gebe ich zu, in der Hoffnung, dass Romy das Interesse daran verliert. (...) – „Meinst du Fußball, Leichtathletik, Fantasyromane oder Musikhören?“, fragt Romy zurück. Sie kennt mich eben supergut. (Seite 30/31)


    Ich habe in den vergangenen Jahren Heike Abidis komplette Teenager-Buchreihe gelesen und hätte am liebsten ihre Heldin Henriette Vogelsang adoptiert. Bei mir wäre sie so viel besser aufgehoben gewesen als bei ihren verpeilten Eltern! :-D Henriettes kleine Schwester Tessa hatte ich nur als nervige kleine Kröte in Erinnerung. Aber aus Kindern werden Leute. Henriette studiert inzwischen Publizistik in Dortmund und hat sich genau so entwickelt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Trotz ihrer Eltern.


    Von Drama-Queen zur DrummerQueen

    Auch Tessa hat sich gemacht. Die ist inzwischen 12 und wird heftig von pubertären Stimmungsschwankungen geplagt. Ihre Mutter nennt sie deshalb eine „Drama-Queen“. Das einzige, was Tessa hilft, ist die Musik, vor allem das Schlagzeugspielen. Das hat ihr Gunnar beigebracht, der neue Ehemann ihrer Großmutter. Wenigstens die Großeltern sind zu etwas zu gebrauchen!


    Henriette, die als Teenager mit einem Blog über die Pubertät bekannt geworden ist, bringt Tessa auf die Idee, ihre musikalischen Aktivitäten zu filmen und ins Internet zu stellen. Das macht sie – aber anonym. So wird aus der Drama-Queen die DrummerQueen. Aber wie das so ist mit Geheimnissen: Die halten sich nicht länger als Eiswürfel. Sobald Freundin Romy Wind von der Sache bekommt, weiß es die ganze Schule. Nur Tessas Eltern sollen nie davon erfahren.


    Romy ist es auch, die darauf besteht, dass Tessa sich als Drummerin bei der Schulband bewirbt. Doch die zögert: Sie wäre das einzige Mädchen. Die anderen Bandmitglieder sind 15 Jahre und älter, sie würden sie bestimmt nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich ist sie gar nicht gut genug. Vor Publikum auftreten mag sie auch nicht. Ach, und überhaupt ...



    Geheimnisse vor den Eltern

    Jetzt hat sie eine ganze Reihe von Geheimnissen vor ihren Eltern: ihre online-Aktivitäten als DrummerQueen, die Tatsache, dass sie in einer Band spielt – und dass sie sich in den supersüßen Leadsänger Noel verliebt hat. Der sucht gleichfalls ihre Nähe und sonnt sich offensichtlich in dem Gefühl, von ihr angeschmachtet zu werden.



    Doch diese Frage rückt jetzt erst einmal in den Hintergrund. In wenigen Wochen wird die Band beim Schulfest auftreten. Tessa muss noch viel üben – aber wann soll sie das tun, wenn ihre Mutter sich andauernd über den „Krach“ beschwert, den sie mit ihrem Schlagzeug verursacht? Vielleicht hätte sie sogar Verständnis, wenn sie wüsste, dass Tessa für einen Auftritt probt. Aber gerade das will Tessa ihr ja nicht auf die Nase binden. Bei ihrer Mutter weiß man nämlich nie ... die ist so unentspannt und spaßbefreit, dass sie ihrer Tochter die Mitgliedschaft in der Band womöglich verbieten würde.


    Am Schulfest wird alles auffliegen!

    Und jetzt kommt das nächste Problem: Die Eltern haben es sich in den Kopf gesetzt, zum Schulfest zu kommen. Da wird dann rauskommen, was es mit der mysteriösen AG auf sich hat, die Tessa immer als Ausrede anführt, wenn sie zu den Bandproben verschwindet. Und dann gibt’s so richtig Ärger. Diese Aussicht ist für Tessa mindestens so schrecklich, wie die Vorstellung, sich auf der Bühne bis auf die Knochen zu blamieren.


    Am besten wird sein, dass sie gar nicht erst zum Schulfest geht. Kein Auftritt, keine Blamage, kein Outing, kein Ärger. Aber das kann sie Noel und den anderen Jungs nicht antun! Hilft es vielleicht, wenn sie ihre Eltern von der Veranstaltung fernhält? Aber wie soll das gehen?


    Tessa ist derart geistesabwesend und durcheinander, dass es auch ihren Lehrern auffällt. Noch etwas, das ihr Probleme bereitet. Wann eigentlich ist das Leben so schrecklich kompliziert geworden? Der einzige, der sie versteht, ist der Familienhund. Und ihre große Schwester. Das hat Tessa zumindest bisher immer gedacht ...


    Live aus der Pubertät

    Ich glaub’ schon, dass dieses Buch – sowie die ganze Teenie-Reihe –den Kindern und Jugendlichen zu verstehen hilft, was da gerade mit ihnen passiert. Und das nicht auf abstraktem Bio-Unterrichts-Niveau. Hier recherchieren und berichten ja quasi Betroffene live aus der Pubertät. Jedenfalls schafft die Autorin es, diesen Eindruck zu erwecken.


    Heldinnen wie Tessa und ihre Geschwister sind so sympathisch, weil sie ganz normal sind und auch mal Fehler machen. Und die Mädels sind zum Glück keine Glitzertussis, die nix als Makeup, Klamotten und Jungs im Kopf haben. Sie haben auch noch andere Ziele und Interessen. Und sollten sie je von einer Karriere als Influencerin träumen, dann haben sie garantiert eine andere Botschaft im Sinn als Schmink-Videos. Ach ja: Selbstverliebte „Prinzen“ können ihnen mal den Buckel runterrutschen.


    Wenn die Eltern schwierig werden

    „Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden“, sagt man ja. In diesem Fall empfinde ich auch als erwachsene Leserin die Eltern als etwas problematisch. Das ging mir schon so, als Henriette 13 war. Der Vater ist ein liebenswerter Spinner, der in seiner eigenen Welt lebt und nicht so recht mitkriegt, was um ihn herum vorgeht. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er für seine Frau Eva sowas wie ein fünftes Kind ist. Die Mental Load liegt auf jeden Fall bei ihr.


    Die Großeltern mit ihrer lockeren Hippie-Attitüde machen ihr eigenes Ding und stehen im Konfliktfall meistens auf Seiten ihrer Enkel. Wahrscheinlich hat Eva Vogelsang – eine ausgebildete Pädagogin – das Gefühl, die einzige Erwachsene in diesem verrückten Haufen zu sein und ist deswegen so streng, humorlos und verkrampft. Sobald sie erscheint, krieg’ ich als Leserin Beklemmungen. In dieser Familie wollte ich auch kein Kind sein!


    Hilfe außerhalb des Elternhauses

    Zum Glück haben die vier Vogelsang-Kids weitere Ansprechpartner, an die sie sich vertrauensvoll wenden können: Großmutter, Geschwister, Freund*innen und deren Eltern. Und so wird auch Tessa ihre Pubertät unbeschadet überstehen.


    Ich weiß nicht, ob’s beabsichtigt war, aber auch das ist für mich eine Botschaft dieser Reihe: Wenn’s mit den Eltern nicht so richtig funktioniert, such’ dir andere Vorbilder und Vertrauenspersonen, die dir weiterhelfen. Was immer auch passiert: Du musst da nicht alleine durch!


    Die Autorin

    Heike Abidi, Jahrgang 1965, studierte Sprachwissenschaften und arbeitet heute als freiberufliche Werbetexterin und Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn in der Nähe von Kaiserslautern.

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    Heike Wolpert: Taubertaltod. Kriminalroman, Meßkirch 2020, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-2760-2, Softcover, 280 Seiten, Format: 12,2 x 2,5 x 20 cm, Buch: EUR 12,00 (D), EUR 12,40 (A), Kindle: EUR 9,99.


    Die Exfrau nimmt die Trauung vor

    Na, das läuft ja super für die Bad Mergentheimer Standesbeamtin Anke Wardlinger (plusminus 30)! Statt einen Ausflug mit ihren Freundinnen zu unternehmen, muss sie an ihrem freien Tag für ihren spontan erkrankten Kollegen Moritz Mertens einspringen. Dadurch kommt sie in die peinliche Lage, ihren Ex-Gatten mit seiner Neuen trauen zu müssen.


    Den Gatten hat sie ein Jahr nach der Hochzeit in flagranti mit einer anderen erwischt und ihn in einer derart spektakulären Aktion zum Teufel gejagt, dass das seinerzeit sogar den Weg in die Regionalpresse gefunden hat. Kein Wunder, dass Ankes ehemalige Schwiegerfamilie nicht begeistert davon ist, ausgerechnet sie bei der Trauung anzutreffen. Anke hätte auf ein Wiedersehen mit dem untreuen Ex, der zickigen Schwiegermutter und der ewig unzufriedenen Schwägerin liebend gern verzichtet. Aber da müssen jetzt alle durch.


    Verheiratet und tot

    Es kommt noch schlimmer: Der Bräutigam ist mitnichten bei der Hochzeit angetrunken, er leidet unter Vergiftungserscheinungen. Kurz nach der Zeremonie bricht er zusammen – tot! Und wer wird verdächtigt? Natürlich Anke Wardlinger, die Ex-Ehefrau. Dafür sorgt schon ihre ehemalige Schwiegermutter Erika Perlmann.



    Sicherheitshalber geht die verdächtigte Standesbeamtin der Sache selber nach. Sie hat berechtigte Fragen: Wer hat ihren Exmann umgebracht und warum will man ihr den Mord anhängen?


    Jeder kennt jeden

    Einen entscheidenden Vorteil hat die Kommissarin: Sie ist nicht „von hier“. In Bad Mergentheim, das ja so klein gar nicht ist, scheint jeder jeden zu kennen. Zumindest in den betroffenen Stadtteilen ist das so. Gut: Sowohl Perlmanns als auch Wardlingers stammen aus Neunkirchen. Das hat knapp 800 Einwohner. Da ist es kein Wunder, dass dort die örtliche Buschtrommel hervorragend funktioniert und die Gerüchteküche brodelt.


    Jeder, der aus einem Dorf oder einer Kleinstadt stammt, kennt das: Man kann keinen Schritt tun, ohne dass ein neugieriger Verwandter, ein Nachbar oder ein ehemaliger Schulkamerad es mitkriegt und umgehend interessierte Mitbürger*innen davon in Kenntnis setzt.


    Ob Anke mit ihren Freundinnen unterwegs ist, ein Eis isst oder versucht, unauffällig die Hochzeitsgäste auszuhorchen, die überhaupt noch mit ihr reden: erst weiß es die Tante vom Schmiedinger Hansi, danach der ganze Stadtteil. Und Anke muss sich am nächsten Morgen schon vor der Arbeit beim rituellen Anruf ihrer Mutter für ihr Tun rechtfertigen.


    Wenn man nicht gerade selbst davon betroffen ist, sind solche Mechanismen unterhaltsam.



    Dramatische Ereignisse

    Abseits dieser Provinzpossen spielen sich dramatische Ereignisse ab: Es gibt zwei weitere Todesfälle nach demselben Muster wie bei Perlmann. Ein Opfer hat ihn gekannt und war nicht gut auf ihn zu sprechen, beim anderen ist außer dem Modus Operandi keinerlei Verbindung zu den Bad Mergentheimer Fällen erkennbar.


    Vielleicht würde es sich lohnen, die Aktivitäten aller Beteiligten ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen ...


    Deutlich früher als Anke wissen wir Leser*innen, dass jemand aus ihrem persönlichen Umfeld in die Morde involviert ist. Nur wer das ist, das geht aus den inneren Monologen nicht hervor. Sie würden zu mehreren Personen passen. Und so zittern wir jedes Mal um die Heldin, wenn sie mit jemandem allein unterwegs ist.


    Spät erkennt Anke die Zusammenhänge. Vielleicht sogar zu spät ...


    Ernster Fall und befreiende Komik

    Der Fall ist spannend, ernst, komplex und hat was Gruseliges. Die Vorstellung, jemanden für einen Freund zu halten, der langsam die Bodenhaftung verliert und für ein paar Morde verantwortlich ist, ist zutiefst beunruhigend. Für befreiende Komik sorgt das dörfliche Kommunikationsverhalten. „Falls Ihnen noch etwas einfällt, können Sie es ja Ankes Mutter erzählen“, (Seite 150), sagt eine Freundin der Standesbeamtin im Rahmen ihrer inoffiziellen Ermittlungen zu einem Zeugen. Nicht „rufen Sie die Polizei an“ sondern „informieren Sie die Dorftratschen“. Auf die bewährten informellen Informationskanäle ist hier einfach Verlass.


    Eine herrliche Nebenfigur ist Ankes hypochondrischer Kollege Moritz Mertens. Alles dreht sich um seine Befindlichkeiten. Jeden, der beruflich mit Medizin zu tun hat, textet er erbarmungslos mit seinen gesundheitlichen Problemen zu. Und er kriegt nicht einmal der Spur nach mit, was er mit seinen unbedachten Aktionen lostritt. Doch in seiner naiven Trampeligkeit ist er sehr amüsant.


    Nicht nur für Kenner*innen des Taubertals

    Natürlich hat man ein bisschen mehr von der Geschichte, wenn einem die Gegend vertraut ist und man und sich die Orte der Handlung spontan in Erinnerung rufen kann. Aber selbst, wenn man noch nie im Taubertal war oder die Region nur oberflächlich kennt, kann man der Handlung folgen und die Lektüre genießen. Vor allem, wenn man weiß, wie’s in kleinen Gemeinden zugeht.


    Wieder einmal habe ich verblüfft festgestellt, dass ich mich problemlos mit der Heldin identifiziert habe, die halb so alt ist wie ich – und nicht mit ihrer Mutter, die altersmäßig mehr in meiner Liga spielt. Wahrscheinlich erkennt man sich lieber in einer patenten jungen Amateurdetektivin wieder als in einer übergriffigen Klatschbase im Rentenalter. :-D


    Die Autorin

    Heike Wolpert wurde 1966 in Bad Mergentheim geboren. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Hannover. Abwechslung von ihrem Alltag als Businessanalystin bei einer großen Landesbank findet sie im Schreiben von Krimis und Kurzgeschichten. An ihrer Reihe rund um den tierischen Schnüffler Kater Socke, erfreuen sich Katzen- und Krimifreunde gleichermaßen. 2019 wirkte sie außerdem an dem kriminellen Freizeitführer "Mörderisches aus Hannover" mit. Mit "Taubertaltod" kehrt sie schreibend in ihre Geburtsregion zurück, in der sie bis zu ihrem 19. Lebensjahr lebte.

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    Martin Jenkins (Text), Tor Freeman (Illus.): 50 tierische Supertalente. Die spektakulärsten Rekorde aus der Welt der Tiere, ab 6 J., OT: The Animal Awards, Übersetzung aus dem Englischen: Sonja Fiedler-Tresp, Münster 2020, Coppenrath-Verlag, ISBN 978-3-649-63660-1, Hardcover, Cover mit Hochprägung und Goldfolie, 77 Seiten, Format: 24,5 x 1,5 x 28,5 cm, EUR 16,00 (D), EUR 16,50 (A).


    „Herzlich willkommen zur Kürung der 50 tierischen Supertalente! Rollt den roten Teppich aus – gleich geht’s los! Wir feiern die tierischen Supertalente und rücken ihre spektakulärsten Rekorde ins Scheinwerferlicht. Unter anderen wird es Preise für die Schnellsten, Ältesten und Stärksten geben, für die Stinkigsten, Größten und Längsten. (...) Wir hoffen, dass euch unsere Auswahl gefällt und ihr auf dem tierischen Laufsteg viel Wundersames entdeckt. Und jetzt bitte einen großen Applaus! Die 50 tierischen Supertalente treffen ein ...“ (Seite 6)


    Der Auftakt klingt schon stark nach Jahrmarkt. Hereinspaziert! Kommen Sie näher, kommen Sie ran ...! Aber die unterhaltsam präsentierten Informationen sind durchaus seriös.


    Blindflieger, Häuslebauer und Stinkstiefel

    In der Reihenfolge, in der hier die preisgekrönten Tiere vorgestellt werden, kann ich kein Muster erkennen. Das scheint willkürlich gewählt zu sein oder ich verstehe ich das System nicht. Jedem Super-Talent ist eine Doppelseite gewidmet. Es gibt jeweils einen kurzen Steckbrief des Tiers (Klasse, Lebensraum, Lebenserwartung und Nahrung), ein gezeichnetes Porträt und eine Art Medaille, die uns verrät, welchen Preis es gewonnen hat. So geht der Häuslebauer-Preis an die Termite, der Düsenflieger-Preis an den Wanderfalken, der Blindflug-Preis an die Fledermaus und der Stinkstiefelpreis natürlich an den Skunk. Den nennt man ja nicht umsonst „Stinktier“.


    Ein kurzer Prosatext erklärt, womit genau das Tier sich seinen Preis verdient hat, unten gibt’s noch ein paar erstaunliche Fakten und auf der rechten Seite sieht man den Preisträger dann im Einsatz.


    Abb.: © Coppenrath-Verlag, Foto: E. Nebel


    Selbst Erwachsene erfahren Neues

    Selbst der erwachsene Leser bekommt hier Antworten auf Fragen, die er sich vermutlich noch gar nie gestellt hat. Dass Giraffen im Passgang gehen, war mir bewusst. Ich hab’ mich aber nie gefragt, warum sie das tun. Der Autor erklärt es uns: würden sie im Kreuzgang gehen wie die meisten anderen Vierbeiner (rechtes Vorderbein und linkes Hinterbein gleichzeitig vom Boden abheben und wieder aufsetzen), bestünde bei ihren langen Beinen die Gefahr, dass sie sich verheddern.


    Wir erfahren, dass die großen Pandas so viel von ihrer nährstoffarmen Nahrung fressen, dass sie bis zu 100 Mal am Tag „aufs Klo müssen“ ... dass sich bei den Zitteraalen der Papa um die Brut kümmert und dass das älteste erhaltene Spinnennetz der Welt 99 Millionen Jahre alt ist. Es ist in einem Bernstein konserviert. Außerdem entdecken wir, wieso die nordamerikanischen Gabelböcke viel schneller rennen können als es in ihrem Lebensraum nötig wäre.


    Warum dem Geier nicht übel wird

    Wir lernen, warum dem Geier nicht schlecht wird, obwohl er so unappetitliches Zeug frisst ... dass der stärkste Mistkäfer Lasten bewegen kann, die 1.000-mal so schwer sind wie er und wir sehen, was den Axolotol, einen mexikanischen Molch, für den „Ewige-Jugend-Preis“ qualifiziert.


    Es gibt hier sehr viel Interessantes zu entdecken. Ich habe eine Menge gelernt, obwohl ich mich seit Jahrzehnten hobbymäßig mit der Tierwelt befasse. Jetzt müsste mir nur noch jemand sagen, was die Riesenmuschel auf Seite 73 in ihrer Sprechblase hat. Ein Brathähnchen? Das könnte ich keinem jungen Leser sinnvoll erklären, weil ich es selber nicht verstehe. In manche Graphiken muss man sich tatsächlich erst eindenken. Und ein bisschen eigenes Interesse an und Hintergrundwissen über die Tierwelt ist sicher nützlich, weil einen die Kinder sonst mit Fragen konfrontieren, auf die man spontan keine Antwort weiß. Und wer möchte sich schon vor seinen Kindern, Enkeln, Neffen oder Nichten blamieren?


    Ein kleines Zielgruppen-Problem

    Als erwachsene Leserin fand ich das Buch recht lustig und sehr informativ. Aber ich habe ein kleines Zielgruppen-Problem: Sechsjährige, die sich von den ulkigen Illustrationen im Kinderbuch-Stil angesprochen fühlen, sind höchstwahrscheinlich von den Sachinformationen überfordert. Und ältere Leser*innen, die mit der Faktenfülle schon klarkommen und die SUPERTALENTE als Sachbuch betrachten, würden vielleicht Fotos und/oder andere realistische Darstellungen bevorzugen. Es ist wahrscheinlich albern, das von einem Tierbuch zu behaupten, aber für mich ist das Konzept weder Fisch noch Fleisch.


    Der Autor

    Martin Jenkins ist Naturschutzbiologe. Er hat den WWF und die UN gearbeitet. Seine Tier-Sachbücher für Kinder wurden mehrfach ausgezeichnet. Er lebt Cambridge, England.


    Die Illustratorin

    Tor Freeman, geboren in London, hat 1999 mit einem B A in Illustration an der Universität von Kingston abgeschlossen. Sie hat mehrere Bilder- und Kinderbücher illustriert. Wenn sie sich nicht in Südafrika oder Kalifornien aufhält, lebt Tor Freeman in London.

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    Heidemarie Brosche: Schuhhimmel mit Turbulenzen. Roman, Auenwald 2020, 26|books, ISBN 978-3-945932-64-3, Softcover, 252 Seiten, Format: 12,7 x 1,47 x 20,29 cm, Buch: EUR 10,95, Kindle: EUR 2,99.


    Mary ist schuld! ;-) Auch wenn sie als hektische Nachbarin hier nur eine Nebenrolle spielt, lösen sie und ihr Mischlingshund Tilo eine Kettenreaktion aus, die das Leben einer ganzen Reihe von Menschen gründlich durcheinanderwirbelt. Dabei hat Mary nur ihren Rasensprenger unsachgemäß eingestellt und ihr Hund kann’s nicht leiden, wenn ein Mensch ihn laut anredet.


    Elke hat viel Arbeit, Petra viele Sorgen

    Doch der Reihe nach: Elke Thoms (60+), Hauptschullehrerin, ist in ihrem Beruf sehr engagiert. Wenn’s sein muss, kümmert sie sich auch auch um die außerschulischen Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie bildet sich fort, obwohl die Pension schon vor der Tür steht, und wenn Freunde und Bekannte Hilfe brauchen, ist sie ebenfalls Stelle, ob das jetzt Hundesitting ist oder Schuhe verkaufen im Laden ihrer Sportkameradin Petra.


    Petra Neuer (40) wurstelt sich mehr schlecht als recht mit ihrem Laden „Schuhhimmel“ durch. Wie vielen anderen Händlern macht auch ihr die Online-Konkurrenz zu schaffen. Seit ihre Mutter nicht mehr mit im Laden steht und sie ihre Aushilfe entlassen musste, hat sie zu allem Übel auch noch einen Personalengpass.


    Gut, dass es Elke Thoms gibt! Die halst sich gerne unverhältnismäßig viele Aktivitäten auf. Ihrem Mann Georg, der bereits im Ruhestand ist, passt das nicht, weil er sie kaum noch sieht.


    Elke, die ihr Image als starke Frau nicht beschädigen will, lässt sich nichts anmerken und macht einfach weiter wie bisher. Sie sorgt sich und vermisst ihren Mann, aber da er offenbar freiwillig verschwunden ist, kann sie nichts unternehmen.


    Max hat einen miesen Tag

    Auch BWL-Student Max (20+) hat einen Sch**ßtag! Sein Vater hat ihn in einen Ferienjob als Postbote reingequatscht.

    Hätte Max sich nicht mit Petra angefreundet, hätte er nie die bezaubernde Vesna Stanic (20) kennengelernt, die in einem Pflegeheim arbeitet und sich auf ihr Studium der Gerontologie freut. Nur ihre Eltern können sich überhaupt nicht für diesen Berufswunsch begeistern. Für ihre Tochter schwebt ihnen etwas mit mehr Prestige und besserem Verdienst vor.


    Und hätte Petra sich nicht an Max’ Nussschokolade eine Plombe ausgebissen, hätte sie nie den attraktiven aber etwas sonderbaren Zahnarzt Jan kennengelernt. Warum nur kommt ihr der Mann so bekannt vor? Zu fragen traut sie sich nicht. Jan scheint nämlich nicht den Eindruck zu haben, Petra zu kennen.


    Ein wildes Problem-Kuddelmuddel

    Wer ist Jan und was hat er zu verbergen? Oder ist es müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, weil er ohnehin in festen Händen ist? Kann Petra ihren Schuhladen trotz aller Schwierigkeiten halten? Wohin ist Elkes Mann Georg verschwunden? Wird Vesna ihren Berufswunsch gegen den erbitterten Widerstand ihres Vaters durchsetzen können? Wie wird Max auf ein Angebot seiner Mutter reagieren? Sein Verhältnis zu ihr ist seit Jahren problematisch. Und was wird aus Mischlingshund Tilo? Der wird aufgrund ungünstiger Umstände derzeit ganz schön rumgeschubst.


    Die Beziehungen der Personen untereinander sind komplex und gar nicht leicht zu durchschauen. Da ist für manche Überraschung gesorgt. Und gelegentlich braucht jemand einen kleinen Anschub von außen, um die eigene Lage aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das kann helfen, um akute oder chronische Beziehungsprobleme zu reflektieren und Änderungen in Angriff zu nehmen.


    Warmherziger Wohlfühlroman

    SCHUHHIMMEL MIT TURBULENZEN ist ein warmherziger Wohlfühlroman mit feinem Humor. Dabei ist er überhaupt nicht kitschig. Die Probleme der Figuren sind alle nah an der Realität, aber so dosiert, dass sie sich mit Phantasie und gutem Willen lösen lassen. Im wahren Leben gäbe es viel mehr Drama und Verzweiflung, vor allem bei Petra. Dafür, dass sie zwischen Existenzangst, einem Pflegefall und Ärger mit dem Ex hin- und her geschleudert wird, ist sie erstaunlich gelassen. Und an Elkes Stelle hätte mich eine ordentliche Wut gepackt, ehe ich – vielleicht – meinen eigenen unrühmlichen Beitrag zu der aktuellen Lage erkannt hätte. Aber in einem Unterhaltungsroman darf die Problemlösung auch gern mal zügig und reibungsarm vonstatten gehen. Und es dürfen auch Kerle drin vorkommen, die fast zu gut sind um wahr zu sein.


    Die Autorin

    Heidemarie Brosche, 1955 in Neuburg/Donau geboren, arbeitete nach Abitur und Studium zunächst als Hauptschullehrerin. Wegen der Geburt von insgesamt drei Söhnen war sie lange Zeit beurlaubt und begann in dieser Zeit mit dem Schreiben. Inzwischen ist sie Autorin zahlreicher Kinder-, Jugend- und Sachbücher und arbeitet wieder als Teilzeitlehrkraft an einer Augsburger Grund- und Hauptschule. Besonders wichtig ist ihr, mit Humor, Augenzwinkern und Selbstironie zu schreiben und auch Lesemuffel zum Lesen zu verlocken.

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    Sabine Asgodom: Queen of f*cking everything. So bekommst du das großartige Leben, das zu dir passt, München 2020, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26275-0, Klappenbroschur, 205 Seiten, Format: 13,6 x 2,5 x 21,1 cm, Buch: EUR 16,90 (D), EUR 17,40 (A), Kindle: EUR 14,99, auch als Hörbuch lieferbar.


    „Ich liebe diesen Buchtitel! (...) Vor 12 Jahren hat mir mein Mann eine Schachtel mit Notizblättern mit diesem Aufdruck geschenkt. (...) Diese Blechschachtel steht heute noch auf meinem Schreibtisch und erinnert mich immer daran, was er gemeint hat: Du lebst dein Leben wie du es möchtest. (...) Du wirst nie irgendwann im Alter sagen: ‚Ach, hätt’ ich doch; oh, wär’ ich doch ...’“ (Seite 10)


    Na, das klingt doch nach einem Plan! Leben, wie man mag, sagen, was man denkt, lieben, was man tut, zeigen, was man fühlt, scheitern und sich nicht entmutigen lassen – und nichts davon bedauern. Das ist das, was die Autorin ein „Queensize-Leben“ nennt.


    Wege zum „Queensize“-Leben

    Aber wie bekommt man sowas? Wenn’s schon eine Weile her ist, dass man ein kleines Mädchen war, ist die „Chance“ groß, dass man eher dazu erzogen wurde, brav, angepasst und unauffällig zu sein als selbstbestimmt, selbstbewusst und energisch. Und was einem anerzogen wurde, sitzt tief. Das abzustreifen ist schwierig. Doch es kann gelingen. Beispiele, Strategien, Herangehensweisen, Lösungen und Tipps finden sich in diesem Buch. „Alle praxistauglich und bewährt“, versichert die Autorin (Seite 17).


    Um zu bekommen, was man will, muss man erst einmal ganz konkret wissen, was man will. Es gibt Techniken, um sich das bewusst zu machen. Daraus ergibt sich zwangsläufig, was man in seinem Leben ändern muss. Und dann muss man’s einfach nur machen. Und bitte nicht auf dem halben Weg zur Königin stehen bleiben und den angestrebten Status tunlichst nicht mit dem einer abhängigen, verwöhnten Prinzessin im goldenen Käfig verwechseln. Das ist nicht das Ziel! Eine Queen ist unabhängig, reif, mächtig, souverän und legt die Regeln fest. Sie lässt sich nicht vom Partner, dem Chef oder den Eltern nach Lust und Laune in der Gegend herumscheuchen.


    Die persönliche Unabhängigkeitserklärung

    Sabine Asgodom lässt in ihren Seminaren die Queen-Anwärterinnen ihre persönliche Unabhängigkeitserklärung verfassen und stellt klar, dass man bei der Durchsetzung derselben mit Gegenwind und Anfeindungen rechnen und das auch aushalten muss. Ist ja klar: Wenn wir nicht mehr so funktionieren wollen, wie unser Umfeld das gewöhnt ist, regt sich natürlich Widerstand. Um das wegzustecken, braucht’s ein starkes Ich. Keine Angst: das haben wir! Es ist vielleicht ein bisschen verschüttet und verräumt, doch wir können es freilegen und nutzen. Dabei hilft ein kritischer aber liebevoller Blick in unsere Kindheit.


    Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die persönliche Energiebilanz: Was lädt unsere Batterien auf und was frisst nur unsere Lebensenergie und kann weg?


    Das jedes Leben ein „Warum“ braucht, einen Grund, aus dem man jeden Morgen aufsteht und seinen Kram macht, leuchtet mir ein. Den diesbezüglichen Schnelltest auf Seite 70 habe ich nicht ganz verstanden. Wie ergeben sich nach dem ersten Schritt die neuen entgegengesetzten Bergriffe? Manchmal wäre eine persönliche Anleitung oder wenigstens die Möglichkeit zu einer Rückfrage nicht schlecht. Das schreibe ich bei jedem Ratgeber. Es ist immer so.


    Eine Vielzahl von Tipps und Beispielen

    Ich finde es schwierig, die einzelnen Kapitel kurz und knackig zusammenzufassen, weil sie alle eine Vielzahl von Fallbeispielen, Tipps und Informationen enthalten, die für mich schwer unter einem Überbegriff zu fassen sind. Da geht’s um Familie und Beruf, Dankbarkeit und Genuss, um Selbstakzeptanz und darum, nicht ja zu sagen, wenn man nein meint. Es geht ums Scheitern und Weitermachen und darum, Probleme und Verletzungen nicht freundlich wegzulächeln, sondern selbstsicher anzusprechen. Wir verdienen nämlich Respekt. Um Wut geht es ebenfalls. Die mag undamenhaft sein, aber sch**ß auf damenhaft! Das sollte man eh besser „Damen-Haft“ schreiben. Wenn man Wut spürt und sie in Handlungsenergie umwandelt, ist sie gut.


    „Wenn du detektivisch nach den Ursachen suchst, kannst du zukünftig verhindern, dass du wieder ausgespielt oder ver*rscht wirst. Weise Wut ist das Fundament für zukünftigen Erfolg.“ (Seite 175)


    Krieg den H i n t e r n hoch!

    Die Kernaussage in dem Buch ist meiner Meinung nach: „Finde heraus, was dich stört und krieg den H i n t e r n hoch, um das zu ändern. Hier ist das Handwerkszeug dazu.“ Der Ton ist sehr persönlich, fast wie das Gespräch mit einer sehr guten Bekannten. Schon auf den ersten Seiten bietet uns die Autorin das „Buch-Du“ an, und sie verwendet auch sehr viele Beispiele aus ihrem eigenen Leben.


    QUEEN OF F*CKING EVERYTHING beschert uns eine Fülle von Aha-Erlebnissen, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir alle allein im stillen Kämmerlein die für uns richtigen Schlüsse zieht und tatsächlich vom Verstehen zum Handeln übergehen. Vieles ist uns Leserinnen theoretisch durchaus klar, doch um wirklich eine Veränderung herbeizuführen, braucht es oft ein reales Gegenüber, das sie richtigen Fragen stellt und die nötigen Impulse gibt.


    Hat man’s gar mehr so weit zum Queensize-Leben, kriegt man die letzten Meter sicher auch mit Hilfe dieses Ratgebers hin. Fehlt noch viel, bietet das Buch vielleicht den Anreiz sich geeignete Hilfe zu suchen.


    Kleine Randbemerkung: Wenn man das Buch intensiv liest und wirklich durcharbeitet, verschwindet allmählich der wunderschöne goldene Schriftzug vom Cover. Das ist natürlich schade. Soooo schnell sollte bei den Queens of f*cking everything der Lack nicht ab sein! ;-)


    Abb.: © dtv / Foto: E. Nebel


    Die Autorin

    Sabine Asgodom gehört zu den Top-Coaches in Deutschland und kann auf über 20 Jahre Coaching-Erfahrung zurückblicken. Sie arbeitet als Trainerin und Vortragsrednerin, ist Bestsellerautorin und zählt laut Financial Times zu den 101 wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Die Inhaberin der Asgodom Coach Akademie coacht Führungskräfte, Selbstständige und andere TrainerInnen und Coaches. 2010 wurde sie für ihr soziales Engagement mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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    Dean Nicholson mit Garry Jenkins: Nalas Welt. Ein Mann, eine Straßenkatze und eine Freundschaft, die alles ändert, OT: Nala's World: One man, his rescue cat and a bike ride around the globe, aus dem Englischen von Elisa Valérie Thieme, Köln 2020, Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-61711-1, Klappenbroschur, 336 Seiten mit Landkarten und Farbfotos, Format: 12,4 x 3,2 x 18,5 cm, Buch: EUR 12,00 Kindle: EUR 9,99. Auch als Hörbuch lieferbar.


    „Die letzten Monate hatten mich gelehrt, dass meine Weltreise nun mal anders ablief als die der meisten Leute. Es ging nicht einfach von A nach B oder über die klassischen Routen. Ich reiste immer durch Nalas Welt, und so lange wir zusammen waren, war alles in Ordnung. Wir passten aufeinander auf. (...) Ich sah in die Nacht hinaus und fühlte mich absolut gewiss: Es ging nicht zurück, sondern genau in die richtige Richtung.“ (Seite 253)


    Mit thedodo.com fing alles an

    Ich bin zu dieser Story gekommen wie Millionen andere Menschen auch: Ich habe auf der amerikanischen Seite www.thedodo.com, die über Tiere aus aller Welt berichtet, einen Beitrag über Dean Nicholson gesehen, der mit dem Fahrrad um die Welt reist und in Bosnien ein winziges verlassenes Kätzchen aufliest, das ihn seither auf seiner Tour begleitet. Ich wusste, dass man den beiden auf allen möglichen Kanälen online folgen kann und habe irgendwann erfreut festgestellt: Ach, das gibt’s ja auch als Buch!


    Dean Nicholson hat das Buch nicht allein geschrieben, sondern mit Hilfe von Garry Jenkins, der auch an James Bowens BOB, DER STREUNER beteiligt war. Jenkins trifft den richtigen Ton – und den Kern der Geschichte.


    Weltreise mit Fahrrad und Katze

    Der junge Schotte Dean jobbt nach einer abgebrochenen Berufsausbildung mal hier und mal da, feiert gern und lässt sich ziellos durchs Leben treiben. Aus einer Bierlaune heraus beschließt er eines Tages, zusammen mit seinem Kumpel Ricky mit dem Fahrrad die Welt zu bereisen. Europa, Asien, Australien, so stellen sie sich das vor. Aber schon in Mostar/Bosnien trennen sich ihre Wege. Nachdem Ricky Gepäck und Pass abhanden gekommen sind und auch sein Geld zur Neige geht, hat er keinen Bock mehr und fährt wieder heim.


    Für Dean erweist das im Nachhinein als Segen. Statt mit seinem Kumpel feiernd um den Globus zu reisen, ist er jetzt auf sich allein gestellt und kann seine Aufmerksamkeit Land und Leuten widmen. Und er bleibt nicht lange allein. Als Tierfreund kann er nicht achtlos vorbeiradeln, als ihm in einer gottverlassenen Gegend das kleine Katzenmädchen Nala über den Weg tapst. Er nimmt die temperamentvolle Kleine kurzerhand mit und stellt nach einer Weile erschrocken fest: O je, jetzt hat er ein Wesen an seiner Seite, das auf ihn angewiesen ist! Er, der es bisher mehr schlecht als recht geschafft hat, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen, hat nun Verantwortung für zwei. Zu seiner eigenen Überraschung meistert er das ganz wunderbar. Aus dem leichtfertigen Feierbiest wird ziemlich flott ein fürsorglicher „Katzenpapa“. Die kleine Katze wird auf der Reise erwachsen – und der große Schotte ebenso.


    Deans Leben ändert sich radikal

    Noch ahnt er nicht, wie sehr seine tierische Reisebegleiterin sein Leben noch verändern wird. Arglos stellt er Bilder und Videos von ihrer gemeinsamen Tour ins Internet und staunt nicht schlecht, als seine Followerzahlen auf einmal explodieren. So richtig Bewegung kommt in die Sache, als die amerikanische Internetseite The Dodo über ihn berichtet. Auf einmal sind die beiden weltweit berühmt und werden unterwegs erkannt. So viele Leute, die um die Welt radeln und dabei eine Katze in einer Transporttasche am Lenker mit sich führen, gibt’s ja auch nicht.


    Prominenz kann lästig sein, aber das weltumspannende Nala-Netzwerk ist auch überaus hilfreich. Gibt es ein Problem mit der Ausrüstung, der Reiseoute, einer Unterkunft oder den Papieren – irgendein Fan oder Follower hat garantiert eine Lösung.


    Vom Reisenden zum Tier-Retter


    Dass aus der geplanten Solo-Weltreise eine Tour mit Katzenbegleitung sowie eine Fundraising-Aktion für notleidende Tiere geworden ist, hat natürlich Einfluss auf Deans Reiseroute. Indien und Russland wollen mit Katze einfach nicht klappen. Asien, Australien, USA – der alles rückt in weite Ferne. Der Mann und seine Katze gurken auch nach über einem Jahr immer noch in Europa herum. Dean kommt sich langsam vor wie eine Schnecke: Er ist mit „Haus“ unterwegs und kommt nicht vom Fleck. Doch seine Follower beruhigen ihn. Es ist ihnen egal, wohin er fährt und wie lange er braucht, solange er sie per Internet an seiner Reise teilhaben lässt. Mittlerweile ist es zu seiner Lebensaufgabe geworden, Tieren zu helfen und ihnen „eine Stimme zu geben“. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, etwas Bedeutendes zu tun.


    Die Leut’ sind überall Leut’

    Dank Nala kommt Dean mit den Menschen schnell in Kontakt. Sie gehen auf ihn zu und stellen ihm Fragen – was sicher nicht der Fall gewesen wäre, wenn er statt mit ihr weiterhin mit seinem Kumpel Ricky auf Tour gewesen zwei. Zwei bärengroße Schotten würden die Leute nicht so einfach ansprechen.


    Je weiter Dean herumkommt, desto mehr gelangt er zu der Überzeugung, dass über alle Länder-, Kultur- und Glaubensgrenzen hinweg die Menschen von ähnlichen Wünschen und Ängsten angetrieben werden. Die Leut’ sind überall Leut’. Diese Einsicht hat sich nur noch nicht flächendeckend durchgesetzt, und das macht ihm Sorgen. Wir leben alle auf demselben Planeten und gehören derselben Spezies an. Wenn wir nicht miteinander denken und arbeiten, sind wir wahrscheinlich dem Untergang geweiht.“ (Seite 316)


    Abenteuerliche Begegnungen

    Und natürlich verläuft diese Reise zeitweise absolut abenteuerlich.

    Zahlreiche Fotos zeigen die beiden Reisegefährten auf ihrer Tour, die man anhand von Karten und Routenbeschreibungen sehr gut nachverfolgen kann. Für mich wäre so ein Abenteuer nichts, aber ich lese für mein Leben gern davon. Und Nicholson und Jenkins schaffen es wirklich, uns Leser*innen das Gefühl zu geben, wir seien hautnah dabei.


    Die Autoren

    Dean Nicholson, ein 30-jährige Schotte, hatte im September 2018 die Nase voll von seinem Handwerker-Job, stieg auf sein Fahrrad und radelte los. Seitdem er mit seiner Katze Nala reist, hat sich alles verändert: Schon ihr erstes Video auf The Dodo begeisterte eine riesige Fangemeinde weltweit. Tausende Fahrradkilometer haben sie gemeinsam erlebt, Nala vorne in einem speziellen Katzenkorb. Die meisten Nächte verbringen die beiden zusammengekuschelt in einem Zelt. Mehr über sie bei @1bike1world


    Garry Jenkins ist Autor und Journalist. Im Laufe seiner über 25-jährigen Karriere hat er für verschiedene Zeitschriften und Zeitung geschrieben – von „Elle“ über „Time Out“ und „The Daily Mail“. Er schreibt regelmäßig für „The Times.“ Jenkins ist außerdem Co-Autor bei verschiedenen Bestsellern, in denen es um Tiere geht. Er lebt mit seiner Familie in London.

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    Brigitta Rudolf: Neues aus der Katzenallee, Norderstedt 2020, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75195939-1, Softcover, 480 Seiten mit mehreren Farbfotos, Format: 12,7 x 2,46 x 20,29 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 6,49.


    Den Leser*innen unserer Seite www.tiergeschichten.de muss ich Brigitta Rudolf und ihre Tiergeschichten nicht mehr vorstellen. Wir dürfen immer mal wieder welche veröffentlichen. Im vorliegenden Band NEUES AUS DER KATZENALLEE gibt es reichlich davon: 83 Geschichten über Katzen und Menschen und der eine oder andere Hund ist auch dabei.


    Geschichten über die Bedürfnisse der Tiere

    Die Geschichten sind im Schnitt etwa fünf Seiten lang. In allen geht es um die Bedürfnisse der Tiere, die sich von den unseren gar nicht so sehr unterscheiden: Sicherheit, Unversehrtheit, ein warmes Plätzchen, immer was zu essen und, wenn möglich, nette Gesellschaft. Und natürlich Freiheit. Die ist insbesondere den Katern wichtig. Manche verzichten bewusst auf ein sicheres Zuhause, weil sie sich keinem Zweibeiner anpassen wollen. Kommen und gehen zu können, wie es ihnen beliebt, ist ihnen wichtiger.


    Davon abgesehen sind die Beiträge sehr unterschiedlich. Mal werden sie aus Menschensicht erzählt, mal aus der Perspektive der Tiere, mal sind es kurze Anekdoten, mal wird auf fünf Seiten die Geschichte eines halben Lebens erzählt. Das geht tatsächlich – wenn man es kann. Es gibt realistische und phantastische, lustige, traurige, herzerwärmende und Hoffnung spendende Geschichten. Manche spielen in der näheren Umgebung, andere in fernen Ländern. Und ganz am Schluss bläst uns Menschen die Katzengöttin ordentlich den Marsch. Und das mit Recht!


    Katzen und ihre Freunde

    Herrlich ist die Story vom großen und vom kleinen Hein – dem Fischer und seinem Kater -, die sich in ihrem Männerhaushalt auch ohne viele Worte verstehen. Nur gegenüber der netten Inga aus dem Fischladen sollte der große Hein die Zähne mal auseinanderkriegen – HEINTJE (Seite 39). Katze IVY (Seite 53) verliert nach dem Tod ihres Frauchens ihr Zuhause und muss sich auf den Straßen Amsterdams durchschlagen. Kater ROLLO (Seite 71) vermisst seine Katerkumpels, die mit ihren Familien weggezogen sind. Ob die neue Nachbarin wohl eine Katze hat? Aber, o Schreck, was ist denn das?!



    Schicksale und Abenteuer

    Der junge Kater WILLIBUTZ (Seite 129) hat noch viel Unsinn im Sinn. Zum Glück hat er im Sohn des Hauses einen Verbündeten, der so manchen Unfug auf seine Kappe nimmt. Die schwarze HEXE (Seite 154) ist Hauskatze bei einem Musiklehrer, der seine Schüler zuhause unterrichtet. Kein leichter Job für ein Tier mit einem so feinen Gehör! Auf recht abenteuerliche Weise kommt Kater XENOS (Seite 199) von der griechischen Insel Santorin nach Deutschland. Kater STIEFELCHEN (Seite 209) wohnt im Zoo und ist froh, dass er nicht in einem Gehege leben muss wie die anderen Tiere.



    Allein unterwegs

    Kater SARTRE (Seite 241) hält es für eine Kateridee, dass sein Mensch ihn mit in den Urlaub nehmen will. Autofahren! In der Katzenbox eingesperrt sein! Da wäre ja die verhasste Tierpension noch besser gewesen! An einer Raststätte reißt er aus. Daran, dass er sich auf der Straße durchschlagen kann, hat er keinen Zweifel. Aber wird er auch wieder nach Hause finden? Kater JOEY (Seite 274) aus dem US-Bundestaat Virginia hat bei einer Naturkatastrophe sein Zuhause und seine Familie verloren. Viele Menschen hasten in Panik und Verzweiflung achtlos an ihm vorbei. Doch dann kommt Lee ...



    Entführt! - Ein Katzenkrimi

    NICOS (Seite 352) aus dem zypriotischen Kloster Agios Nicolaos ist der Herzenskater der Laienschwester Estefania und er staunt nicht schlecht, als diese ihr Leben wieder einmal radikal umkrempelt. Einen regelrechten Katzenkrimi erleben Kater SPUTNIK (Seite 371) und seine Freunde. Diese Geschichte ist auch länger als die anderen Beiträge. Maine-Coon-Kater Mao ist entführt worden! Die Katzen aus der Nachbarschaft, denen nie etwas entgeht, haben auch schon einen Verdächtigen und legen sich vor dessen Haus auf die Lauer. Können sie ihren Kumpel ohne menschliche Hilfe befreien? Denn die Zweibeiner kapieren wieder mal rein gar nichts!


    Drei kleine Kater bedeuten auch die dreifache Menge an Chaos, vor allem, wenn sie so verwegen sind wie die drei Musketiere von Helen und Maurice. Aramis, Arthos und Porthos wird ihre Neugier um ein Haar zum Verhängnis. Ihre HELDENHERZEN(Seite 449) rutschen ihnen jedenfalls ganz schön in die Hosen.


    Fülle und Vielfalt

    Ach, irgendwie hätte es jede Geschichte verdient gehabt, hier kurz erwähnt zu werden! Das geht natürlich nicht. Dieses Problem habe ich immer bei Kurzgeschichtensammlungen. Auf jeden Fall wird bei dieser Fülle und Vielfalt an Geschichten jeder Katzenfreund etwas nach seinem Geschmack finden. Und weil die Storys kurz und voneinander unabhängig sind, kann man sie auch wunderbar lesen, wenn man wenig Zeit hat. Man nimmt sie sich eben portionsweise vor.


    Die Autorin

    Brigitta Rudolf lebt und arbeitet mit Ihrem Mann in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Dieses Buch ist ihre 16. Buchveröffentlichung. Viele weitere sollen noch folgen. http://www.brigittarudolf.jimdo.com

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    Melanie Metzenthin: Die Hafenschwester (2). Als wir wieder Hoffnung hatten. Roman, München 2020, Diana-Verlag, ISBN 978-3-453-29244-4, Klappenbroschur, 495 Seiten, Format: 13,6 x 4,4 x 20,6 cm, Buch: EUR 15,00 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: 11,99.


    „Paul lächelte still vor sich hin. So fühlte es sich an wenn man alles im Leben erreicht hatte. Er hatte eine Arbeit, die ihm gefiel, eine wunderbare Frau, drei gesunde Kinder und eine schöne Wohnung. Was wollte man mehr vom Leben? Mochten sich die Reichen auch luxuriöse Fahrten in der ersten Klasse eines riesigen Ozeandampfers leisten können, ihm genügte es, die Sonntage mit seinen Kindern zu genießen.“ (Seite 18)


    Zugegeben: Im ersten Band war mehr Action. Das Leben hat eben auch ruhigere Phasen und die sind in einem historischen Roman immer besonders tückisch. Die Romanhelden freuen sich ihres Lebens und der Leser weiß genau, dass ihre Welt bald in Trümmern liegen wird.


    Hamburg 1913: Martha, 34, hat sich aus ärmlichsten Verhältnissen zur OP-Schwester emporgearbeitet. Ein Beruf, den sie leider nicht mehr ausüben darf, seit sie mit dem Ingenieur Paul Studt verheiratet ist. Nur ledige Frauen und Witwen dürfen einer bezahlten Tätigkeit als Krankenschwester nachgehen.


    Ehrenamtliche Hafenschwester

    Die überzeugte Sozialdemokratin will aber nicht nur um ihren Mann und die drei Kinder herumwuseln, sie will helfen. Und so arbeitet sie ehrenamtlich als Hafenschwester. Damit tut sie etwas für die Allgemeinheit, aber ihre Fähigkeiten als OP-Schwester liegen brach. Das ist ungerecht, doch von heute auf morgen lassen sich die Gegebenheiten nicht ändern. Diese Erfahrung haben Martha und ihre politisch engagierten Freundinnen vom Frauenverein schon mehrfach machen müssen.


    Martha will sich nicht beklagen. Ihr Leben ist gut so, wie es ist. Okay, Probleme gibt’s immer. Wo bringt man zum Beispiel von jetzt auf gleich neun verwaiste Geschwister unter? Am besten noch so, dass sie nicht in alle Winde zerstreut werden? Die Möglichkeiten sind begrenzt. Auch in Marthas Familie knirscht’s. Ihr jüngerer Bruder Heinrich, ein Kapitän, hat von einer seiner Fahrten eine chinesische Ehefrau mitgebracht: Mi-Ling. Da gibt’s nicht nur aus sprachlichen Gründen Verständigungsprobleme. Kulturell scheinen Asiaten und Hanseaten nicht besonders kompatibel zu sein.



    Das Leben ist schön – besonders in New York

    Wenn Martha Studt schon einen beachtlichen Aufstieg vom armen Mädchen aus dem Gängeviertel zur geachteten Krankenschwester und Ingenieurs-Gattin hingelegt hat, dann ist ihrer Freundin aus Kindertagen, Milli, der ganz große Wurf geglückt: Sie hat es von der jugendlichen Zwangsprostituierten zur Ehefrau eines US-amerikanischen Politikers gebracht. Zur Hochzeit ihrer ältesten Tochter lädt Milli die Studts samt Kindern nach New York ein. Schon die luxuriöse Überfahrt auf dem gigantischen Passagierdampfer ist für die Hamburger Familie ein überwältigendes Ereignis. Als sie in New York eintreffen, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Welt, in die Milli eingeheiratet hat, ist an Wohlstand und Glamour kaum zu überbieten.



    Der Krieg bricht aus

    Davon abgesehen ist New York der Wahnsinn. Nie hätte Martha gedacht, dass sie das einmal zu sehen bekäme. So könnte das Leben bleiben! Tut es aber nicht. Als der Krieg ausbricht und Paul trotz seiner 41 Jahre eingezogen wird, muss Martha alleine für die Familie sorgen. Wie lange werden es sich die Krankenhäuser in Kriegszeiten leisten können, qualifizierte Krankenschwestern zu verschmähen, nur weil sie verheiratet sind?


    Selbst wenn Martha es schaffen sollte, sich und die Kinder irgendwie durchzubringen - für ihre Schwägerin und deren Sohn kann sie finanziell nicht auch noch sorgen. Mi-Ling muss sich selbst Arbeit suchen. Nur welche? Sie hat eine starke körperliche Beeinträchtigung, aber sie ist einfallsreich und zäher als man meint.


    Paul kommt zurück – schwer kriegsversehrt

    Dann kommt der Schock: Paul wurde an Front schwer verwundet: Er hat eine Gesichtsverletzung erlitten, die ihn so stark entstellt, dass er sich nicht mehr unter Menschen traut. Martha blutet das Herz, ihren geliebten Mann so zu sehen. Und Existenzängste plagen sie auch: Wenn er nie wieder in seinen Beruf zurückkehren kann, wird sie es dauerhaft schaffen, die Familie zu ernähren? Was, wenn sie nach dem Krieg als verheiratete Frau nicht mehr arbeiten darf?


    Als OP-Schwester weiß sie, dass es neue Operationsmethoden gibt, mit denen man entstellte Gesichter rekonstruieren kann. Doch die sind noch im Experimentierstadium. Wird es gelingen, Paul sein Gesicht wiederzugeben?


    In einem Roman dieses Umfangs gibt’s natürlich noch jede Menge Nebenhandlungen und Personen, mit denen man mitfiebern kann: mit Moritz, der ebenfalls schwer kriegsversehrt nach Hause kommt ... mit Marthas Kollegin Carola, deren Leben eine unerwartete Wendung nimmt und mit Heinrich, der aufgrund seiner Blockadefahrten wochen- und monatelang von der Bildfläche verschwindet, während seine Familie daheim vor Sorge vergeht. Der hat ordentlich was zu erzählen, wenn er zwischendrin mal nach Hause kommt!


    Es gibt nicht permanent Action

    Gegen Kriegsende geht’s ordentlich rund in der Geschichte. Davor ist die Handlung über weite Strecken nicht überaus temporeich. Damit habe ich selbst kein Problem: Ich schaue gern Romanfiguren aus anderen Epochen beim Leben zu und versuche mir vorzustellen, wie das damals war. Doch ich erwähne es sicherheitshalber. Heute ist der Konsument ja aus den Medien gewöhnt, dass immerfort in schnellem Takt was Dramatisches passiert. Die Geduld, sich einfach auf anderer Leute Lebensumstände einzulassen, hat nicht jeder, obwohl diese Geschichten ihren Reiz haben.


    Manchmal habe ich mich gefragt, ob die Studts nicht zu gut sind, um wahr zu sein. Irgendwie machen sie immer alles richtig. Zum Ausgleich gibt’s jedoch genügend fehlbare Nebenfiguren, mit denen man sich als Durchschnittsmensch identifizieren kann. Sie treffen auch mal zweifelhafte Entscheidungen und müssen dann – wie wir alle – mit den Konsequenzen leben.


    Und sollte man als Leser*in beim Thema „1. Weltkrieg“ nicht ganz sattelfest sein: Hier liest man eine außergewöhnliche Lebensgeschichte und lernt nebenbei noch allerhand dazu. Wenn historische Ereignisse am Beispiel konkreter Schicksale geschildert werden, ist das für mich immer greifbarer als reine Fakten und Erklärungen. Und es bleibt auch mehr hängen.


    Die Autorin

    Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen. 2020 wurde sie für ihr Buch "Mehr als die Erinnerung" mit dem DELIA Literaturpreis ausgezeichnet. Unter dem Pseudonym "Antonia Fennek" schreibt sie Psychothriller.

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    Gina Mayer: Internat der bösen Tiere (2) – Die Falle (ab 10 J.), Ravensburg 2020, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-40847-4, Hardcover mit Gucklochstanzung, 288 Seiten inkl. 20 Seiten Leseprobe des Folgebands, mit s/w-Illustrationen von Clara Vath, Format: 15,3 x 3 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99.


    „Noch nie war Noel so glücklich gewesen, wie in den Wochen die er im Internat der bösen Tiere  verbracht hatte. Die geheimen Inseln waren seine Heimat, sein Zuhause, dort gehörte er hin. Er war stolz auf seine Mutter, dass sie diesen Ort geschaffen hatte. Und er würde es nicht zulassen, dass Uko ihr Lebenswerk zerstörte.“ (Seite 247)


    Teenager Noel, der seine leiblichen Eltern nie kennengelernt hat, hatte bis vor kurzem keine Ahnung, dass er zu den „Auserwählten“ zählt, denen telepathische Kommunikation schon in die Wiege gelegt worden ist. Als er das erste Mal Stimmen in seinem Kopf gehört hat, hat er gedacht, er verliert den Verstand. Doch diese Stimmen haben ihn auf abenteuerlichen Wegen zu den geheimen Inseln geführt, ins „Internat der bösen Tiere“.


    Im Internat angekommen

    Hier sind seine Lehrer und Schulkameraden – bis auf wenige Ausnahmen – Wildtiere und alle Schüler *innen sollen voneinander lernen. Vor allem sollen sie artenübergreifend gut miteinander auskommen. Dass Noels Mutter Sonya die Schule gegründet hat, macht den Jungen stolz. Aber es ist auch Grund zur Besorgnis, denn sie hat in der Tierwelt auch mächtige Feinde. Was sie ihr angetan haben, weiß niemand, denn sie ist seit 15 Jahren spurlos verschwunden.


    Jetzt sind der Schwarzbär Uko und sein Netzwerk hinter Noel her und die Schulleiterin Mrs Moa – eine Würgeschlange – hat ordentlich zu tun, den Jungen vor seinen Feinden zu beschützen. Weil er aber den Ernst der Lage verkennt und auf ihre Anordnungen pfeift, klappt das nicht so, wie sie sich das vorstellt. Noel ist eben ein typischer Teenager, der lieber mit seinen Kumpels etwas unternimmt, statt sich absondern und einsperren zu lassen.


    Trotz des Verbots zum Tauchlehrgang

    Dass Noel nicht am Tauchlehrgang teilnehmen darf, der exklusiv für die menschlichen Schüler*innen veranstaltet wird, weiß er, aber es ist ihm wurscht. Er geht trotzdem hin, weil das eine der wenigen Chancen ist, seine Mitschülerin Katokwe von der Insel der Späher wiederzusehen, in die er sich verliebt hat. Auch sein Kumpel und Mitbewohner Taiyo steht auf Katokwe und der soll sich durch die Teilnahme am Tauchkurs möglichst keinen Vorteil bei ihr verschaffen können.


    Jetzt ist Noel also mit seinen menschlichen Schulkameraden, einem tierischen Lehrer und der Schiffsbesatzung der Liberty auf hoher See und hat nur die Wächterhaie zu seinem Schutz. Was, wenn der Angriff aus der Luft kommt? Trauen kann Noel niemandem, denn es gibt einen Verräter in ihren Reihen, der heimlich mit Uko zusammenarbeitet. Und das könnte jeder sein. Verhalten sich nicht ein paar der Jungs auf dem Schiff äußerst merkwürdig? Kommt Krokodil Sirk wirklich auf Anordnung der Direktorin? Und sind die mobbenden Paviane einfach nur charakterlose A***l*cher oder verfolgen sie einen Plan?



    Die Reihe ist so konzipiert, dass man auch bei Band 2 einsteigen könnte. Ich würde trotzdem empfehlen, mit Band 1 anzufangen. Dann kann man sich schon ein bisschen an dieses exotische Schulsystem gewöhnen.


    Eine unterschwellige Bedrohung

    Die Geschichte hat ruhige Momente, es steppt nicht ständig der Bär. ;-) . Doch selbst in Szenen, in denen die Schüler*innen einfach nur das Leben genießen, besteht diese unterschwellige Bedrohung: Jemand will Noel ans Leder, obwohl er gerade erst dabei ist, sich in der Welt der „Auserwählten“ zurechtzufinden. Bis vor kurzem hat er ja nicht einmal gewusst, dass es dieses Internat auf den geheimen Inseln gibt. Was immer vor seiner Geburt geschehen ist, welche Rechnung Uko auch mit Sonya offen zu haben glaubt - Noel weiß nichts davon und ist auch nicht dafür verantwortlich. Sie jagen einen Unschuldigen ...


    Andererseits haben die Menschenfeinde unter den Tieren durchaus einen Punkt: „Ihr Menschen seid böse (...) Ihr werdet die ganze Erde vernichten, wenn wir euch nicht Einhalt gebieten. (...) Mit einer so gewissenlosen Art ist keine Verständigung möglich. Und schon gar keine Versöhnung. (...) Je weniger es von euch gibt, desto besser geht es der Welt.“ (Seite 238) Aber gäbe es da nicht geeignetere Opfer als ausgerechnet den Sohn einer Frau, die sich für die artenübergreifende Verständigung, Gewaltlosigkeit und ein friedliches Zusammenleben eingesetzt hat?


    Warum ist Noel in Gefahr?

    Es hilft alles nichts: Um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt, wird entweder Sonya auftauchen und sich erklären müssen oder Uko muss aus der Deckung kommen und sich äußern. Darauf, denke ich, läuft die Geschichte hinaus. Ich würde ausgesprochen gerne wissen, was es mit Noels Mutter auf sich hat. Und einen Vater hat der Bub doch auch!


    Uferlos kann man diese Story sicher nicht strecken, sonst wird’s fad. Und jetzt wünsche ich mir einerseits noch viele wilde und phantastische Abenteuer mit den bösen Tieren, aber andererseits auch eine baldige Klärung aller offenen Fragen. Die richtige Balance wird die Autorin finden müssen.


    Ach, warum hat es solche phantasievollen Bücher nicht schon gegeben, als ich in diesem Alter war! Wenn es sie gegeben hat, müssen sie sich sehr gut vor mir versteckt haben. Vor mir war keine größere Buchstabenansammlung sicher. Aber ich lese solche Abenteuer auch heute noch gern. Irgendwie ist das INTERNAT DER BÖSEN TIERE eine Reihe für Zehnjährige jeden Alters. ;-)


    Die Autorin

    Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.


    Die Illustratorin

    Clara Vath arbeitet seit 2012 als freischaffende Illustratorin für diverse Verlage. Sie illustriert unter anderem Kinder- und Jugendbücher und schätzt daran vor allem die Vielfältigkeit und das Abtauchen in andere Welten. Ihr Illustrationsstil verbindet oft fantastische und mystische Elemente, die zum Träumen einladen und in Abenteuer entführen.