Beiträge von Vandam

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Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Falsche ISBN oder ASIN angegeben!

    Aus irgendeinem Grund funktionieren hier weder ISBN noch ASIN. Dann machen wir's eben wie früher mit einem Link:
    https://www.amazon.de/Schatten…a-Fabry/dp/B08MSLX53J/ref



    Karla Fabry: Schattenblau. Das Funkeln der Wellen. Band 3 der Fantasy-Saga, Ostfildern 2020, Independently published, Kindle: ASIN B08F91FDMX, Dateigröße: 3585 KB, EUR 5,99. Taschenbuch: ISBN 979-8556943773, 567 Seiten, Format: 13,34 x 3,63 x 20,32 cm, EUR 13,95.


    „Ihr war mulmig zumute. Denn sie wusste nicht, was das bedeutete und was sie nun tun sollte. Sie spürte nichts, das ihr einen Hinweis gab, nichts, das sie lenkte, ihr eine Vorstellung verschaffte, was zu tun sei, und wozu sie als Fünfte der Fünften fähig war. Oft hatte sie gedacht, dass diese Ganze – das Ritual, die Kristallhalle, die Wiedergeburt – bloß billiger Hokuspokus waren. (...) Und sie selbst war nichts als eine gewöhnliche Achtzehnjährige, die noch nicht einmal eine besondere Gabe besaß.“

    (Seite 429)


    Wie beschreibe ich am besten diese Fantasy-Welt, die so komplex ist, dass selbst deren eigene Götter zeitweise den Überblick darüber verlieren, was möglich ist und welche Konsequenzen das hat? Ein wenig werde ich auf die beiden vorangegangenen Bände Bezug nehmen müssen, sonst kommt hier keiner mit.


    Ein Familiengeheimnis kommt ans Licht

    Wären die LeBons in den USA geblieben, hätten Lilli (18) und ihr Bruder Chris nie herausgefunden, dass ihre Familie mütterlicherseits genetisch aus etwas anderem besteht als aus gewöhnlichen Menschen. Es hat sie aber aus beruflichen Gründen in das andalusische Städtchen Calahonda verschlagen. Dort verliebt sich Lilli in ihren attraktiven Mitschüler Alex Valden.


    Suzanne LeBon erschrickt bis ins Mark, als sie den Freund ihrer Tochter zum ersten Mal sieht, denn Alex gehört zu einer Spezies, deren Existenz sie vor ihrer Familie mit aller Kraft geheim zu halten versucht. Er ist ein Mensch-Wasser-Amphibion, ein Thalassier. Sein Zuhause ist das Meer und er kann sich jederzeit in ein mordgieriges Ungeheuer verwandeln, ohne dies steuern zu können. Unter Umständen könnte er auch unsterblich werden. Als Mensch-Wasser-Amphibion ist er außerdem der historische Feind der Art, der Suzanne und ihre Vorfahren angehören: der Mensch-Land-Amphibien.


    Hat man die Land-Amphibien-Gene, kann man sich – absichtlich oder unabsichtlich – in eine Art mannsgroßen Salamander verwandeln, so wie Eugene O’Grady, der junge Wirt der örtlichen Tapasbar. Das wäre alles faszinierend und spannend, wenn Lilli nicht durch ihre Beziehung zu Alex in ein Gewirr von uralten Machtkämpfen und Familienfehden hineingezogen würde.


    Nur eine kann den Krieg beenden

    Rex Fothergyll und Danya Baron, zwei Auserwählte (Unsterbliche) der Thalassier wechseln auf „die dunkle Seite der Macht“.


    Nur eines kann dieses gigantische Blutvergießen noch verhindern: Die „Fünfte der fünften Tochter“ muss eingreifen. Nur sie hat die Macht, diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Und die „Fünfte der Fünften“ ist offenbar Lilli LeBon. Oder, besser gesagt, sie wird es sein, wenn sie erst einmal ihr Erweckungsritual durchlaufen hat. Das ist eine brutale Zeremonie, die ihr alles abverlangen wird. Sie muss unter Qualen sterben um als machtvolles Wesen wiedergeboren zu werden.


    Was, wenn das nur ein Mythos ist?

    Lilli hat allerdings Zweifel: Was, wenn sich die Thalassier irren? Wenn sie’s gar nicht ist? Wenn das alles nur Legenden sind? Es heißt doch, dass die Fünfte der Fünften unsterblich sei. Wenn es vor ihr schon andere gegeben hat, wo sind die jetzt? Selbst wenn das alles wahr ist: Wer kann ihr sagen, was sie nach ihrer Wiedergeburt tun muss? Sie hat ja keine Ahnung, über welche Fähigkeiten eine Fünfte der Fünften verfügt und wie man damit einen Krieg beenden kann.


    Was Lilli derzeit fast am meisten belastet:


    Nichts ist hier so wie es scheint

    Nichts ist hier so, wie es auf den ersten Blick aussieht. Suzanne LeBon hatte gute Gründe, ihr genetisches Erbe zu verschweigen! Die Bösen sind nicht unbedingt dauerhaft böse, doch auf Reue und Läuterung ist kein Verlass. Wer tot ist, muss es nicht bleiben. Selbst bei der Unsterblichkeit gibt’s Kleingedrucktes und die Auserwählten können unter bestimmten Voraussetzungen ihr ewiges Leben verlieren. Die alten Schriften sprechen in Rätseln und verwirren mehr als sie helfen. In so einer Welt sind auch Götter nicht automatisch allwissend und allmächtig.


    Unter diesen Umständen ist Lillis Skepsis angebracht. Natürlich versucht sie, sich bestmöglich auf das bevorstehende Ritual vorzubereiten. Doch die Zeit drängt. Die Gegner formieren sich bereits zur großen Schlacht, und Lillis Erweckung muss, genau wie Alex’ Diamantverwandlung – der letzte Schritt zur Unsterblichkeit –, zeitlich stark vorgezogen werden. Unzureichend präpariert und dazu noch zerstritten stellt sich das junge Paar seinen enormen Herausforderungen.


    Und dann hängt das Schicksal der ganzen Welt von einer jungen Frau ab, die mit der Situation vollkommen überfordert ist und mit dem Mut der Verzweiflung improvisieren muss ...


    Phantasievoll und doch bodenständig

    Die Reihe ist schon ein Phänomen: romantische, komplexe, enorm phantasievolle Urban Fantasy – und doch so bodenständig! Die Auserwählten müssen nach dem ersten Schock erst langsam in ihre Rolle hineinwachsen – wenn man ihnen die Zeit dazu lässt. Sie merken jedoch schnell, dass man mit Superkräften auch Superprobleme bekommt. Wenn man seine Kräfte nicht richtig anwenden kann, zum Beispiel, wenn man sich von ihnen korrumpieren lässt oder wenn man auf einmal übermächtige Feinde hat, die einen bislang noch gar nicht auf dem Schirm hatten.



    Superkräfte hin oder her – die Personen in dieser Reihe hadern mit ihrer Berufung und wehren sich dagegen. Manche wollen gar nichts Besonderes sein, sie möchten ein durchschnittliches, ruhiges Leben führen wie Lillis Mutter. Doch was sie auch veranstalten: Es gibt kein Entkommen.


    Fantasy mit Grips

    In diesem Buch gibt es nicht nonstop Action, obwohl es auch ordentlich rund geht, vor allem gegen Schluss. Es ist Fantasy mit Köpfchen: Es wird geforscht, interpretiert, hinterfragt, gezweifelt, diskutiert und überlegt. Es ist zudem eine sehr gründlich durchdachte Fantasy-Welt. Die Autorin hat für die Thalassier sogar eine Bestattungszeremonie ersonnen, die bei aller Exotik überaus berührend ist.


    Wenn man alle drei Bände gelesen hat, ist man in dieser Romanwelt so zuhause, dass man höchst ungern wieder in die schnöde Realität auftaucht. Es ist schön, dass wir mit diesem Band nun erfahren, wie die Geschichte rund um die große Schlacht ausgeht, aber es ist schade, dass die faszinierende Reihe damit zu Ende ist.


    Die Autorin

    Karla Fabry, geboren 1970, lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Stuttgart. Nach dem abgeschlossenen Studium der Indologie und Philosophie in Heidelberg widmete sie sich der Reportage- und Kunstfotografie, bevor sie zur Arbeit mit dem Wort zurückkehrte und lange als Korrektorin und Texterin im Verlagswesen tätig war. Ihre Hobbys sind Fotografieren und digitale Fotokunst, Basteln und wenn noch Zeit bleibt, Kochrezepte erfinden. http://www.karla-fabry.de


    Die komplette Reihe (Band 1 und 2 müssten auch hier im Forum zu finden sein):



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    Heike Abidi: Unglaubliche 12 (ab 11 J.), Hamburg 2020, Oetinger Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3- -84150628-3, Klappenbroschur, 205 Seiten (inkl. 25 Seiten Leseprobe für ein anderes Jugendbuch), Format 13,4 x 2,2 x 20,3 cm, Buch: EUR 10,00 [D], EUR 10,30 [A], Kindle: EUR 6,99.


    „(...) Es hat halt bloß mit meinem Hobby zu tun“, gebe ich zu, in der Hoffnung, dass Romy das Interesse daran verliert. (...) – „Meinst du Fußball, Leichtathletik, Fantasyromane oder Musikhören?“, fragt Romy zurück. Sie kennt mich eben supergut. (Seite 30/31)


    Ich habe in den vergangenen Jahren Heike Abidis komplette Teenager-Buchreihe gelesen und hätte am liebsten ihre Heldin Henriette Vogelsang adoptiert. Bei mir wäre sie so viel besser aufgehoben gewesen als bei ihren verpeilten Eltern! :-D Henriettes kleine Schwester Tessa hatte ich nur als nervige kleine Kröte in Erinnerung. Aber aus Kindern werden Leute. Henriette studiert inzwischen Publizistik in Dortmund und hat sich genau so entwickelt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Trotz ihrer Eltern.


    Von Drama-Queen zur DrummerQueen

    Auch Tessa hat sich gemacht. Die ist inzwischen 12 und wird heftig von pubertären Stimmungsschwankungen geplagt. Ihre Mutter nennt sie deshalb eine „Drama-Queen“. Das einzige, was Tessa hilft, ist die Musik, vor allem das Schlagzeugspielen. Das hat ihr Gunnar beigebracht, der neue Ehemann ihrer Großmutter. Wenigstens die Großeltern sind zu etwas zu gebrauchen!


    Henriette, die als Teenager mit einem Blog über die Pubertät bekannt geworden ist, bringt Tessa auf die Idee, ihre musikalischen Aktivitäten zu filmen und ins Internet zu stellen. Das macht sie – aber anonym. So wird aus der Drama-Queen die DrummerQueen. Aber wie das so ist mit Geheimnissen: Die halten sich nicht länger als Eiswürfel. Sobald Freundin Romy Wind von der Sache bekommt, weiß es die ganze Schule. Nur Tessas Eltern sollen nie davon erfahren.


    Romy ist es auch, die darauf besteht, dass Tessa sich als Drummerin bei der Schulband bewirbt. Doch die zögert: Sie wäre das einzige Mädchen. Die anderen Bandmitglieder sind 15 Jahre und älter, sie würden sie bestimmt nicht ernst nehmen. Wahrscheinlich ist sie gar nicht gut genug. Vor Publikum auftreten mag sie auch nicht. Ach, und überhaupt ...



    Geheimnisse vor den Eltern

    Jetzt hat sie eine ganze Reihe von Geheimnissen vor ihren Eltern: ihre online-Aktivitäten als DrummerQueen, die Tatsache, dass sie in einer Band spielt – und dass sie sich in den supersüßen Leadsänger Noel verliebt hat. Der sucht gleichfalls ihre Nähe und sonnt sich offensichtlich in dem Gefühl, von ihr angeschmachtet zu werden.



    Doch diese Frage rückt jetzt erst einmal in den Hintergrund. In wenigen Wochen wird die Band beim Schulfest auftreten. Tessa muss noch viel üben – aber wann soll sie das tun, wenn ihre Mutter sich andauernd über den „Krach“ beschwert, den sie mit ihrem Schlagzeug verursacht? Vielleicht hätte sie sogar Verständnis, wenn sie wüsste, dass Tessa für einen Auftritt probt. Aber gerade das will Tessa ihr ja nicht auf die Nase binden. Bei ihrer Mutter weiß man nämlich nie ... die ist so unentspannt und spaßbefreit, dass sie ihrer Tochter die Mitgliedschaft in der Band womöglich verbieten würde.


    Am Schulfest wird alles auffliegen!

    Und jetzt kommt das nächste Problem: Die Eltern haben es sich in den Kopf gesetzt, zum Schulfest zu kommen. Da wird dann rauskommen, was es mit der mysteriösen AG auf sich hat, die Tessa immer als Ausrede anführt, wenn sie zu den Bandproben verschwindet. Und dann gibt’s so richtig Ärger. Diese Aussicht ist für Tessa mindestens so schrecklich, wie die Vorstellung, sich auf der Bühne bis auf die Knochen zu blamieren.


    Am besten wird sein, dass sie gar nicht erst zum Schulfest geht. Kein Auftritt, keine Blamage, kein Outing, kein Ärger. Aber das kann sie Noel und den anderen Jungs nicht antun! Hilft es vielleicht, wenn sie ihre Eltern von der Veranstaltung fernhält? Aber wie soll das gehen?


    Tessa ist derart geistesabwesend und durcheinander, dass es auch ihren Lehrern auffällt. Noch etwas, das ihr Probleme bereitet. Wann eigentlich ist das Leben so schrecklich kompliziert geworden? Der einzige, der sie versteht, ist der Familienhund. Und ihre große Schwester. Das hat Tessa zumindest bisher immer gedacht ...


    Live aus der Pubertät

    Ich glaub’ schon, dass dieses Buch – sowie die ganze Teenie-Reihe –den Kindern und Jugendlichen zu verstehen hilft, was da gerade mit ihnen passiert. Und das nicht auf abstraktem Bio-Unterrichts-Niveau. Hier recherchieren und berichten ja quasi Betroffene live aus der Pubertät. Jedenfalls schafft die Autorin es, diesen Eindruck zu erwecken.


    Heldinnen wie Tessa und ihre Geschwister sind so sympathisch, weil sie ganz normal sind und auch mal Fehler machen. Und die Mädels sind zum Glück keine Glitzertussis, die nix als Makeup, Klamotten und Jungs im Kopf haben. Sie haben auch noch andere Ziele und Interessen. Und sollten sie je von einer Karriere als Influencerin träumen, dann haben sie garantiert eine andere Botschaft im Sinn als Schmink-Videos. Ach ja: Selbstverliebte „Prinzen“ können ihnen mal den Buckel runterrutschen.


    Wenn die Eltern schwierig werden

    „Pubertät ist, wenn die Eltern schwierig werden“, sagt man ja. In diesem Fall empfinde ich auch als erwachsene Leserin die Eltern als etwas problematisch. Das ging mir schon so, als Henriette 13 war. Der Vater ist ein liebenswerter Spinner, der in seiner eigenen Welt lebt und nicht so recht mitkriegt, was um ihn herum vorgeht. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er für seine Frau Eva sowas wie ein fünftes Kind ist. Die Mental Load liegt auf jeden Fall bei ihr.


    Die Großeltern mit ihrer lockeren Hippie-Attitüde machen ihr eigenes Ding und stehen im Konfliktfall meistens auf Seiten ihrer Enkel. Wahrscheinlich hat Eva Vogelsang – eine ausgebildete Pädagogin – das Gefühl, die einzige Erwachsene in diesem verrückten Haufen zu sein und ist deswegen so streng, humorlos und verkrampft. Sobald sie erscheint, krieg’ ich als Leserin Beklemmungen. In dieser Familie wollte ich auch kein Kind sein!


    Hilfe außerhalb des Elternhauses

    Zum Glück haben die vier Vogelsang-Kids weitere Ansprechpartner, an die sie sich vertrauensvoll wenden können: Großmutter, Geschwister, Freund*innen und deren Eltern. Und so wird auch Tessa ihre Pubertät unbeschadet überstehen.


    Ich weiß nicht, ob’s beabsichtigt war, aber auch das ist für mich eine Botschaft dieser Reihe: Wenn’s mit den Eltern nicht so richtig funktioniert, such’ dir andere Vorbilder und Vertrauenspersonen, die dir weiterhelfen. Was immer auch passiert: Du musst da nicht alleine durch!


    Die Autorin

    Heike Abidi, Jahrgang 1965, studierte Sprachwissenschaften und arbeitet heute als freiberufliche Werbetexterin und Autorin. Sie lebt mit ihrem Mann und Sohn in der Nähe von Kaiserslautern.

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    Heike Wolpert: Taubertaltod. Kriminalroman, Meßkirch 2020, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-2760-2, Softcover, 280 Seiten, Format: 12,2 x 2,5 x 20 cm, Buch: EUR 12,00 (D), EUR 12,40 (A), Kindle: EUR 9,99.


    Die Exfrau nimmt die Trauung vor

    Na, das läuft ja super für die Bad Mergentheimer Standesbeamtin Anke Wardlinger (plusminus 30)! Statt einen Ausflug mit ihren Freundinnen zu unternehmen, muss sie an ihrem freien Tag für ihren spontan erkrankten Kollegen Moritz Mertens einspringen. Dadurch kommt sie in die peinliche Lage, ihren Ex-Gatten mit seiner Neuen trauen zu müssen.


    Den Gatten hat sie ein Jahr nach der Hochzeit in flagranti mit einer anderen erwischt und ihn in einer derart spektakulären Aktion zum Teufel gejagt, dass das seinerzeit sogar den Weg in die Regionalpresse gefunden hat. Kein Wunder, dass Ankes ehemalige Schwiegerfamilie nicht begeistert davon ist, ausgerechnet sie bei der Trauung anzutreffen. Anke hätte auf ein Wiedersehen mit dem untreuen Ex, der zickigen Schwiegermutter und der ewig unzufriedenen Schwägerin liebend gern verzichtet. Aber da müssen jetzt alle durch.


    Verheiratet und tot

    Es kommt noch schlimmer: Der Bräutigam ist mitnichten bei der Hochzeit angetrunken, er leidet unter Vergiftungserscheinungen. Kurz nach der Zeremonie bricht er zusammen – tot! Und wer wird verdächtigt? Natürlich Anke Wardlinger, die Ex-Ehefrau. Dafür sorgt schon ihre ehemalige Schwiegermutter Erika Perlmann.



    Sicherheitshalber geht die verdächtigte Standesbeamtin der Sache selber nach. Sie hat berechtigte Fragen: Wer hat ihren Exmann umgebracht und warum will man ihr den Mord anhängen?


    Jeder kennt jeden

    Einen entscheidenden Vorteil hat die Kommissarin: Sie ist nicht „von hier“. In Bad Mergentheim, das ja so klein gar nicht ist, scheint jeder jeden zu kennen. Zumindest in den betroffenen Stadtteilen ist das so. Gut: Sowohl Perlmanns als auch Wardlingers stammen aus Neunkirchen. Das hat knapp 800 Einwohner. Da ist es kein Wunder, dass dort die örtliche Buschtrommel hervorragend funktioniert und die Gerüchteküche brodelt.


    Jeder, der aus einem Dorf oder einer Kleinstadt stammt, kennt das: Man kann keinen Schritt tun, ohne dass ein neugieriger Verwandter, ein Nachbar oder ein ehemaliger Schulkamerad es mitkriegt und umgehend interessierte Mitbürger*innen davon in Kenntnis setzt.


    Ob Anke mit ihren Freundinnen unterwegs ist, ein Eis isst oder versucht, unauffällig die Hochzeitsgäste auszuhorchen, die überhaupt noch mit ihr reden: erst weiß es die Tante vom Schmiedinger Hansi, danach der ganze Stadtteil. Und Anke muss sich am nächsten Morgen schon vor der Arbeit beim rituellen Anruf ihrer Mutter für ihr Tun rechtfertigen.


    Wenn man nicht gerade selbst davon betroffen ist, sind solche Mechanismen unterhaltsam.



    Dramatische Ereignisse

    Abseits dieser Provinzpossen spielen sich dramatische Ereignisse ab: Es gibt zwei weitere Todesfälle nach demselben Muster wie bei Perlmann. Ein Opfer hat ihn gekannt und war nicht gut auf ihn zu sprechen, beim anderen ist außer dem Modus Operandi keinerlei Verbindung zu den Bad Mergentheimer Fällen erkennbar.


    Vielleicht würde es sich lohnen, die Aktivitäten aller Beteiligten ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen ...


    Deutlich früher als Anke wissen wir Leser*innen, dass jemand aus ihrem persönlichen Umfeld in die Morde involviert ist. Nur wer das ist, das geht aus den inneren Monologen nicht hervor. Sie würden zu mehreren Personen passen. Und so zittern wir jedes Mal um die Heldin, wenn sie mit jemandem allein unterwegs ist.


    Spät erkennt Anke die Zusammenhänge. Vielleicht sogar zu spät ...


    Ernster Fall und befreiende Komik

    Der Fall ist spannend, ernst, komplex und hat was Gruseliges. Die Vorstellung, jemanden für einen Freund zu halten, der langsam die Bodenhaftung verliert und für ein paar Morde verantwortlich ist, ist zutiefst beunruhigend. Für befreiende Komik sorgt das dörfliche Kommunikationsverhalten. „Falls Ihnen noch etwas einfällt, können Sie es ja Ankes Mutter erzählen“, (Seite 150), sagt eine Freundin der Standesbeamtin im Rahmen ihrer inoffiziellen Ermittlungen zu einem Zeugen. Nicht „rufen Sie die Polizei an“ sondern „informieren Sie die Dorftratschen“. Auf die bewährten informellen Informationskanäle ist hier einfach Verlass.


    Eine herrliche Nebenfigur ist Ankes hypochondrischer Kollege Moritz Mertens. Alles dreht sich um seine Befindlichkeiten. Jeden, der beruflich mit Medizin zu tun hat, textet er erbarmungslos mit seinen gesundheitlichen Problemen zu. Und er kriegt nicht einmal der Spur nach mit, was er mit seinen unbedachten Aktionen lostritt. Doch in seiner naiven Trampeligkeit ist er sehr amüsant.


    Nicht nur für Kenner*innen des Taubertals

    Natürlich hat man ein bisschen mehr von der Geschichte, wenn einem die Gegend vertraut ist und man und sich die Orte der Handlung spontan in Erinnerung rufen kann. Aber selbst, wenn man noch nie im Taubertal war oder die Region nur oberflächlich kennt, kann man der Handlung folgen und die Lektüre genießen. Vor allem, wenn man weiß, wie’s in kleinen Gemeinden zugeht.


    Wieder einmal habe ich verblüfft festgestellt, dass ich mich problemlos mit der Heldin identifiziert habe, die halb so alt ist wie ich – und nicht mit ihrer Mutter, die altersmäßig mehr in meiner Liga spielt. Wahrscheinlich erkennt man sich lieber in einer patenten jungen Amateurdetektivin wieder als in einer übergriffigen Klatschbase im Rentenalter. :-D


    Die Autorin

    Heike Wolpert wurde 1966 in Bad Mergentheim geboren. Inzwischen lebt und arbeitet sie in Hannover. Abwechslung von ihrem Alltag als Businessanalystin bei einer großen Landesbank findet sie im Schreiben von Krimis und Kurzgeschichten. An ihrer Reihe rund um den tierischen Schnüffler Kater Socke, erfreuen sich Katzen- und Krimifreunde gleichermaßen. 2019 wirkte sie außerdem an dem kriminellen Freizeitführer "Mörderisches aus Hannover" mit. Mit "Taubertaltod" kehrt sie schreibend in ihre Geburtsregion zurück, in der sie bis zu ihrem 19. Lebensjahr lebte.

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    Martin Jenkins (Text), Tor Freeman (Illus.): 50 tierische Supertalente. Die spektakulärsten Rekorde aus der Welt der Tiere, ab 6 J., OT: The Animal Awards, Übersetzung aus dem Englischen: Sonja Fiedler-Tresp, Münster 2020, Coppenrath-Verlag, ISBN 978-3-649-63660-1, Hardcover, Cover mit Hochprägung und Goldfolie, 77 Seiten, Format: 24,5 x 1,5 x 28,5 cm, EUR 16,00 (D), EUR 16,50 (A).


    „Herzlich willkommen zur Kürung der 50 tierischen Supertalente! Rollt den roten Teppich aus – gleich geht’s los! Wir feiern die tierischen Supertalente und rücken ihre spektakulärsten Rekorde ins Scheinwerferlicht. Unter anderen wird es Preise für die Schnellsten, Ältesten und Stärksten geben, für die Stinkigsten, Größten und Längsten. (...) Wir hoffen, dass euch unsere Auswahl gefällt und ihr auf dem tierischen Laufsteg viel Wundersames entdeckt. Und jetzt bitte einen großen Applaus! Die 50 tierischen Supertalente treffen ein ...“ (Seite 6)


    Der Auftakt klingt schon stark nach Jahrmarkt. Hereinspaziert! Kommen Sie näher, kommen Sie ran ...! Aber die unterhaltsam präsentierten Informationen sind durchaus seriös.


    Blindflieger, Häuslebauer und Stinkstiefel

    In der Reihenfolge, in der hier die preisgekrönten Tiere vorgestellt werden, kann ich kein Muster erkennen. Das scheint willkürlich gewählt zu sein oder ich verstehe ich das System nicht. Jedem Super-Talent ist eine Doppelseite gewidmet. Es gibt jeweils einen kurzen Steckbrief des Tiers (Klasse, Lebensraum, Lebenserwartung und Nahrung), ein gezeichnetes Porträt und eine Art Medaille, die uns verrät, welchen Preis es gewonnen hat. So geht der Häuslebauer-Preis an die Termite, der Düsenflieger-Preis an den Wanderfalken, der Blindflug-Preis an die Fledermaus und der Stinkstiefelpreis natürlich an den Skunk. Den nennt man ja nicht umsonst „Stinktier“.


    Ein kurzer Prosatext erklärt, womit genau das Tier sich seinen Preis verdient hat, unten gibt’s noch ein paar erstaunliche Fakten und auf der rechten Seite sieht man den Preisträger dann im Einsatz.


    Abb.: © Coppenrath-Verlag, Foto: E. Nebel


    Selbst Erwachsene erfahren Neues

    Selbst der erwachsene Leser bekommt hier Antworten auf Fragen, die er sich vermutlich noch gar nie gestellt hat. Dass Giraffen im Passgang gehen, war mir bewusst. Ich hab’ mich aber nie gefragt, warum sie das tun. Der Autor erklärt es uns: würden sie im Kreuzgang gehen wie die meisten anderen Vierbeiner (rechtes Vorderbein und linkes Hinterbein gleichzeitig vom Boden abheben und wieder aufsetzen), bestünde bei ihren langen Beinen die Gefahr, dass sie sich verheddern.


    Wir erfahren, dass die großen Pandas so viel von ihrer nährstoffarmen Nahrung fressen, dass sie bis zu 100 Mal am Tag „aufs Klo müssen“ ... dass sich bei den Zitteraalen der Papa um die Brut kümmert und dass das älteste erhaltene Spinnennetz der Welt 99 Millionen Jahre alt ist. Es ist in einem Bernstein konserviert. Außerdem entdecken wir, wieso die nordamerikanischen Gabelböcke viel schneller rennen können als es in ihrem Lebensraum nötig wäre.


    Warum dem Geier nicht übel wird

    Wir lernen, warum dem Geier nicht schlecht wird, obwohl er so unappetitliches Zeug frisst ... dass der stärkste Mistkäfer Lasten bewegen kann, die 1.000-mal so schwer sind wie er und wir sehen, was den Axolotol, einen mexikanischen Molch, für den „Ewige-Jugend-Preis“ qualifiziert.


    Es gibt hier sehr viel Interessantes zu entdecken. Ich habe eine Menge gelernt, obwohl ich mich seit Jahrzehnten hobbymäßig mit der Tierwelt befasse. Jetzt müsste mir nur noch jemand sagen, was die Riesenmuschel auf Seite 73 in ihrer Sprechblase hat. Ein Brathähnchen? Das könnte ich keinem jungen Leser sinnvoll erklären, weil ich es selber nicht verstehe. In manche Graphiken muss man sich tatsächlich erst eindenken. Und ein bisschen eigenes Interesse an und Hintergrundwissen über die Tierwelt ist sicher nützlich, weil einen die Kinder sonst mit Fragen konfrontieren, auf die man spontan keine Antwort weiß. Und wer möchte sich schon vor seinen Kindern, Enkeln, Neffen oder Nichten blamieren?


    Ein kleines Zielgruppen-Problem

    Als erwachsene Leserin fand ich das Buch recht lustig und sehr informativ. Aber ich habe ein kleines Zielgruppen-Problem: Sechsjährige, die sich von den ulkigen Illustrationen im Kinderbuch-Stil angesprochen fühlen, sind höchstwahrscheinlich von den Sachinformationen überfordert. Und ältere Leser*innen, die mit der Faktenfülle schon klarkommen und die SUPERTALENTE als Sachbuch betrachten, würden vielleicht Fotos und/oder andere realistische Darstellungen bevorzugen. Es ist wahrscheinlich albern, das von einem Tierbuch zu behaupten, aber für mich ist das Konzept weder Fisch noch Fleisch.


    Der Autor

    Martin Jenkins ist Naturschutzbiologe. Er hat den WWF und die UN gearbeitet. Seine Tier-Sachbücher für Kinder wurden mehrfach ausgezeichnet. Er lebt Cambridge, England.


    Die Illustratorin

    Tor Freeman, geboren in London, hat 1999 mit einem B A in Illustration an der Universität von Kingston abgeschlossen. Sie hat mehrere Bilder- und Kinderbücher illustriert. Wenn sie sich nicht in Südafrika oder Kalifornien aufhält, lebt Tor Freeman in London.

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    Heidemarie Brosche: Schuhhimmel mit Turbulenzen. Roman, Auenwald 2020, 26|books, ISBN 978-3-945932-64-3, Softcover, 252 Seiten, Format: 12,7 x 1,47 x 20,29 cm, Buch: EUR 10,95, Kindle: EUR 2,99.


    Mary ist schuld! ;-) Auch wenn sie als hektische Nachbarin hier nur eine Nebenrolle spielt, lösen sie und ihr Mischlingshund Tilo eine Kettenreaktion aus, die das Leben einer ganzen Reihe von Menschen gründlich durcheinanderwirbelt. Dabei hat Mary nur ihren Rasensprenger unsachgemäß eingestellt und ihr Hund kann’s nicht leiden, wenn ein Mensch ihn laut anredet.


    Elke hat viel Arbeit, Petra viele Sorgen

    Doch der Reihe nach: Elke Thoms (60+), Hauptschullehrerin, ist in ihrem Beruf sehr engagiert. Wenn’s sein muss, kümmert sie sich auch auch um die außerschulischen Probleme ihrer Schülerinnen und Schüler. Sie bildet sich fort, obwohl die Pension schon vor der Tür steht, und wenn Freunde und Bekannte Hilfe brauchen, ist sie ebenfalls Stelle, ob das jetzt Hundesitting ist oder Schuhe verkaufen im Laden ihrer Sportkameradin Petra.


    Petra Neuer (40) wurstelt sich mehr schlecht als recht mit ihrem Laden „Schuhhimmel“ durch. Wie vielen anderen Händlern macht auch ihr die Online-Konkurrenz zu schaffen. Seit ihre Mutter nicht mehr mit im Laden steht und sie ihre Aushilfe entlassen musste, hat sie zu allem Übel auch noch einen Personalengpass.


    Gut, dass es Elke Thoms gibt! Die halst sich gerne unverhältnismäßig viele Aktivitäten auf. Ihrem Mann Georg, der bereits im Ruhestand ist, passt das nicht, weil er sie kaum noch sieht.


    Elke, die ihr Image als starke Frau nicht beschädigen will, lässt sich nichts anmerken und macht einfach weiter wie bisher. Sie sorgt sich und vermisst ihren Mann, aber da er offenbar freiwillig verschwunden ist, kann sie nichts unternehmen.


    Max hat einen miesen Tag

    Auch BWL-Student Max (20+) hat einen Sch**ßtag! Sein Vater hat ihn in einen Ferienjob als Postbote reingequatscht.

    Hätte Max sich nicht mit Petra angefreundet, hätte er nie die bezaubernde Vesna Stanic (20) kennengelernt, die in einem Pflegeheim arbeitet und sich auf ihr Studium der Gerontologie freut. Nur ihre Eltern können sich überhaupt nicht für diesen Berufswunsch begeistern. Für ihre Tochter schwebt ihnen etwas mit mehr Prestige und besserem Verdienst vor.


    Und hätte Petra sich nicht an Max’ Nussschokolade eine Plombe ausgebissen, hätte sie nie den attraktiven aber etwas sonderbaren Zahnarzt Jan kennengelernt. Warum nur kommt ihr der Mann so bekannt vor? Zu fragen traut sie sich nicht. Jan scheint nämlich nicht den Eindruck zu haben, Petra zu kennen.


    Ein wildes Problem-Kuddelmuddel

    Wer ist Jan und was hat er zu verbergen? Oder ist es müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, weil er ohnehin in festen Händen ist? Kann Petra ihren Schuhladen trotz aller Schwierigkeiten halten? Wohin ist Elkes Mann Georg verschwunden? Wird Vesna ihren Berufswunsch gegen den erbitterten Widerstand ihres Vaters durchsetzen können? Wie wird Max auf ein Angebot seiner Mutter reagieren? Sein Verhältnis zu ihr ist seit Jahren problematisch. Und was wird aus Mischlingshund Tilo? Der wird aufgrund ungünstiger Umstände derzeit ganz schön rumgeschubst.


    Die Beziehungen der Personen untereinander sind komplex und gar nicht leicht zu durchschauen. Da ist für manche Überraschung gesorgt. Und gelegentlich braucht jemand einen kleinen Anschub von außen, um die eigene Lage aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Das kann helfen, um akute oder chronische Beziehungsprobleme zu reflektieren und Änderungen in Angriff zu nehmen.


    Warmherziger Wohlfühlroman

    SCHUHHIMMEL MIT TURBULENZEN ist ein warmherziger Wohlfühlroman mit feinem Humor. Dabei ist er überhaupt nicht kitschig. Die Probleme der Figuren sind alle nah an der Realität, aber so dosiert, dass sie sich mit Phantasie und gutem Willen lösen lassen. Im wahren Leben gäbe es viel mehr Drama und Verzweiflung, vor allem bei Petra. Dafür, dass sie zwischen Existenzangst, einem Pflegefall und Ärger mit dem Ex hin- und her geschleudert wird, ist sie erstaunlich gelassen. Und an Elkes Stelle hätte mich eine ordentliche Wut gepackt, ehe ich – vielleicht – meinen eigenen unrühmlichen Beitrag zu der aktuellen Lage erkannt hätte. Aber in einem Unterhaltungsroman darf die Problemlösung auch gern mal zügig und reibungsarm vonstatten gehen. Und es dürfen auch Kerle drin vorkommen, die fast zu gut sind um wahr zu sein.


    Die Autorin

    Heidemarie Brosche, 1955 in Neuburg/Donau geboren, arbeitete nach Abitur und Studium zunächst als Hauptschullehrerin. Wegen der Geburt von insgesamt drei Söhnen war sie lange Zeit beurlaubt und begann in dieser Zeit mit dem Schreiben. Inzwischen ist sie Autorin zahlreicher Kinder-, Jugend- und Sachbücher und arbeitet wieder als Teilzeitlehrkraft an einer Augsburger Grund- und Hauptschule. Besonders wichtig ist ihr, mit Humor, Augenzwinkern und Selbstironie zu schreiben und auch Lesemuffel zum Lesen zu verlocken.

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    Sabine Asgodom: Queen of f*cking everything. So bekommst du das großartige Leben, das zu dir passt, München 2020, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26275-0, Klappenbroschur, 205 Seiten, Format: 13,6 x 2,5 x 21,1 cm, Buch: EUR 16,90 (D), EUR 17,40 (A), Kindle: EUR 14,99, auch als Hörbuch lieferbar.


    „Ich liebe diesen Buchtitel! (...) Vor 12 Jahren hat mir mein Mann eine Schachtel mit Notizblättern mit diesem Aufdruck geschenkt. (...) Diese Blechschachtel steht heute noch auf meinem Schreibtisch und erinnert mich immer daran, was er gemeint hat: Du lebst dein Leben wie du es möchtest. (...) Du wirst nie irgendwann im Alter sagen: ‚Ach, hätt’ ich doch; oh, wär’ ich doch ...’“ (Seite 10)


    Na, das klingt doch nach einem Plan! Leben, wie man mag, sagen, was man denkt, lieben, was man tut, zeigen, was man fühlt, scheitern und sich nicht entmutigen lassen – und nichts davon bedauern. Das ist das, was die Autorin ein „Queensize-Leben“ nennt.


    Wege zum „Queensize“-Leben

    Aber wie bekommt man sowas? Wenn’s schon eine Weile her ist, dass man ein kleines Mädchen war, ist die „Chance“ groß, dass man eher dazu erzogen wurde, brav, angepasst und unauffällig zu sein als selbstbestimmt, selbstbewusst und energisch. Und was einem anerzogen wurde, sitzt tief. Das abzustreifen ist schwierig. Doch es kann gelingen. Beispiele, Strategien, Herangehensweisen, Lösungen und Tipps finden sich in diesem Buch. „Alle praxistauglich und bewährt“, versichert die Autorin (Seite 17).


    Um zu bekommen, was man will, muss man erst einmal ganz konkret wissen, was man will. Es gibt Techniken, um sich das bewusst zu machen. Daraus ergibt sich zwangsläufig, was man in seinem Leben ändern muss. Und dann muss man’s einfach nur machen. Und bitte nicht auf dem halben Weg zur Königin stehen bleiben und den angestrebten Status tunlichst nicht mit dem einer abhängigen, verwöhnten Prinzessin im goldenen Käfig verwechseln. Das ist nicht das Ziel! Eine Queen ist unabhängig, reif, mächtig, souverän und legt die Regeln fest. Sie lässt sich nicht vom Partner, dem Chef oder den Eltern nach Lust und Laune in der Gegend herumscheuchen.


    Die persönliche Unabhängigkeitserklärung

    Sabine Asgodom lässt in ihren Seminaren die Queen-Anwärterinnen ihre persönliche Unabhängigkeitserklärung verfassen und stellt klar, dass man bei der Durchsetzung derselben mit Gegenwind und Anfeindungen rechnen und das auch aushalten muss. Ist ja klar: Wenn wir nicht mehr so funktionieren wollen, wie unser Umfeld das gewöhnt ist, regt sich natürlich Widerstand. Um das wegzustecken, braucht’s ein starkes Ich. Keine Angst: das haben wir! Es ist vielleicht ein bisschen verschüttet und verräumt, doch wir können es freilegen und nutzen. Dabei hilft ein kritischer aber liebevoller Blick in unsere Kindheit.


    Interessant fand ich in diesem Zusammenhang die persönliche Energiebilanz: Was lädt unsere Batterien auf und was frisst nur unsere Lebensenergie und kann weg?


    Das jedes Leben ein „Warum“ braucht, einen Grund, aus dem man jeden Morgen aufsteht und seinen Kram macht, leuchtet mir ein. Den diesbezüglichen Schnelltest auf Seite 70 habe ich nicht ganz verstanden. Wie ergeben sich nach dem ersten Schritt die neuen entgegengesetzten Bergriffe? Manchmal wäre eine persönliche Anleitung oder wenigstens die Möglichkeit zu einer Rückfrage nicht schlecht. Das schreibe ich bei jedem Ratgeber. Es ist immer so.


    Eine Vielzahl von Tipps und Beispielen

    Ich finde es schwierig, die einzelnen Kapitel kurz und knackig zusammenzufassen, weil sie alle eine Vielzahl von Fallbeispielen, Tipps und Informationen enthalten, die für mich schwer unter einem Überbegriff zu fassen sind. Da geht’s um Familie und Beruf, Dankbarkeit und Genuss, um Selbstakzeptanz und darum, nicht ja zu sagen, wenn man nein meint. Es geht ums Scheitern und Weitermachen und darum, Probleme und Verletzungen nicht freundlich wegzulächeln, sondern selbstsicher anzusprechen. Wir verdienen nämlich Respekt. Um Wut geht es ebenfalls. Die mag undamenhaft sein, aber sch**ß auf damenhaft! Das sollte man eh besser „Damen-Haft“ schreiben. Wenn man Wut spürt und sie in Handlungsenergie umwandelt, ist sie gut.


    „Wenn du detektivisch nach den Ursachen suchst, kannst du zukünftig verhindern, dass du wieder ausgespielt oder ver*rscht wirst. Weise Wut ist das Fundament für zukünftigen Erfolg.“ (Seite 175)


    Krieg den H i n t e r n hoch!

    Die Kernaussage in dem Buch ist meiner Meinung nach: „Finde heraus, was dich stört und krieg den H i n t e r n hoch, um das zu ändern. Hier ist das Handwerkszeug dazu.“ Der Ton ist sehr persönlich, fast wie das Gespräch mit einer sehr guten Bekannten. Schon auf den ersten Seiten bietet uns die Autorin das „Buch-Du“ an, und sie verwendet auch sehr viele Beispiele aus ihrem eigenen Leben.


    QUEEN OF F*CKING EVERYTHING beschert uns eine Fülle von Aha-Erlebnissen, aber ich bin mir nicht sicher, ob wir alle allein im stillen Kämmerlein die für uns richtigen Schlüsse zieht und tatsächlich vom Verstehen zum Handeln übergehen. Vieles ist uns Leserinnen theoretisch durchaus klar, doch um wirklich eine Veränderung herbeizuführen, braucht es oft ein reales Gegenüber, das sie richtigen Fragen stellt und die nötigen Impulse gibt.


    Hat man’s gar mehr so weit zum Queensize-Leben, kriegt man die letzten Meter sicher auch mit Hilfe dieses Ratgebers hin. Fehlt noch viel, bietet das Buch vielleicht den Anreiz sich geeignete Hilfe zu suchen.


    Kleine Randbemerkung: Wenn man das Buch intensiv liest und wirklich durcharbeitet, verschwindet allmählich der wunderschöne goldene Schriftzug vom Cover. Das ist natürlich schade. Soooo schnell sollte bei den Queens of f*cking everything der Lack nicht ab sein! ;-)


    Abb.: © dtv / Foto: E. Nebel


    Die Autorin

    Sabine Asgodom gehört zu den Top-Coaches in Deutschland und kann auf über 20 Jahre Coaching-Erfahrung zurückblicken. Sie arbeitet als Trainerin und Vortragsrednerin, ist Bestsellerautorin und zählt laut Financial Times zu den 101 wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft. Die Inhaberin der Asgodom Coach Akademie coacht Führungskräfte, Selbstständige und andere TrainerInnen und Coaches. 2010 wurde sie für ihr soziales Engagement mit dem Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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    Dean Nicholson mit Garry Jenkins: Nalas Welt. Ein Mann, eine Straßenkatze und eine Freundschaft, die alles ändert, OT: Nala's World: One man, his rescue cat and a bike ride around the globe, aus dem Englischen von Elisa Valérie Thieme, Köln 2020, Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-61711-1, Klappenbroschur, 336 Seiten mit Landkarten und Farbfotos, Format: 12,4 x 3,2 x 18,5 cm, Buch: EUR 12,00 Kindle: EUR 9,99. Auch als Hörbuch lieferbar.


    „Die letzten Monate hatten mich gelehrt, dass meine Weltreise nun mal anders ablief als die der meisten Leute. Es ging nicht einfach von A nach B oder über die klassischen Routen. Ich reiste immer durch Nalas Welt, und so lange wir zusammen waren, war alles in Ordnung. Wir passten aufeinander auf. (...) Ich sah in die Nacht hinaus und fühlte mich absolut gewiss: Es ging nicht zurück, sondern genau in die richtige Richtung.“ (Seite 253)


    Mit thedodo.com fing alles an

    Ich bin zu dieser Story gekommen wie Millionen andere Menschen auch: Ich habe auf der amerikanischen Seite www.thedodo.com, die über Tiere aus aller Welt berichtet, einen Beitrag über Dean Nicholson gesehen, der mit dem Fahrrad um die Welt reist und in Bosnien ein winziges verlassenes Kätzchen aufliest, das ihn seither auf seiner Tour begleitet. Ich wusste, dass man den beiden auf allen möglichen Kanälen online folgen kann und habe irgendwann erfreut festgestellt: Ach, das gibt’s ja auch als Buch!


    Dean Nicholson hat das Buch nicht allein geschrieben, sondern mit Hilfe von Garry Jenkins, der auch an James Bowens BOB, DER STREUNER beteiligt war. Jenkins trifft den richtigen Ton – und den Kern der Geschichte.


    Weltreise mit Fahrrad und Katze

    Der junge Schotte Dean jobbt nach einer abgebrochenen Berufsausbildung mal hier und mal da, feiert gern und lässt sich ziellos durchs Leben treiben. Aus einer Bierlaune heraus beschließt er eines Tages, zusammen mit seinem Kumpel Ricky mit dem Fahrrad die Welt zu bereisen. Europa, Asien, Australien, so stellen sie sich das vor. Aber schon in Mostar/Bosnien trennen sich ihre Wege. Nachdem Ricky Gepäck und Pass abhanden gekommen sind und auch sein Geld zur Neige geht, hat er keinen Bock mehr und fährt wieder heim.


    Für Dean erweist das im Nachhinein als Segen. Statt mit seinem Kumpel feiernd um den Globus zu reisen, ist er jetzt auf sich allein gestellt und kann seine Aufmerksamkeit Land und Leuten widmen. Und er bleibt nicht lange allein. Als Tierfreund kann er nicht achtlos vorbeiradeln, als ihm in einer gottverlassenen Gegend das kleine Katzenmädchen Nala über den Weg tapst. Er nimmt die temperamentvolle Kleine kurzerhand mit und stellt nach einer Weile erschrocken fest: O je, jetzt hat er ein Wesen an seiner Seite, das auf ihn angewiesen ist! Er, der es bisher mehr schlecht als recht geschafft hat, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen, hat nun Verantwortung für zwei. Zu seiner eigenen Überraschung meistert er das ganz wunderbar. Aus dem leichtfertigen Feierbiest wird ziemlich flott ein fürsorglicher „Katzenpapa“. Die kleine Katze wird auf der Reise erwachsen – und der große Schotte ebenso.


    Deans Leben ändert sich radikal

    Noch ahnt er nicht, wie sehr seine tierische Reisebegleiterin sein Leben noch verändern wird. Arglos stellt er Bilder und Videos von ihrer gemeinsamen Tour ins Internet und staunt nicht schlecht, als seine Followerzahlen auf einmal explodieren. So richtig Bewegung kommt in die Sache, als die amerikanische Internetseite The Dodo über ihn berichtet. Auf einmal sind die beiden weltweit berühmt und werden unterwegs erkannt. So viele Leute, die um die Welt radeln und dabei eine Katze in einer Transporttasche am Lenker mit sich führen, gibt’s ja auch nicht.


    Prominenz kann lästig sein, aber das weltumspannende Nala-Netzwerk ist auch überaus hilfreich. Gibt es ein Problem mit der Ausrüstung, der Reiseoute, einer Unterkunft oder den Papieren – irgendein Fan oder Follower hat garantiert eine Lösung.


    Vom Reisenden zum Tier-Retter


    Dass aus der geplanten Solo-Weltreise eine Tour mit Katzenbegleitung sowie eine Fundraising-Aktion für notleidende Tiere geworden ist, hat natürlich Einfluss auf Deans Reiseroute. Indien und Russland wollen mit Katze einfach nicht klappen. Asien, Australien, USA – der alles rückt in weite Ferne. Der Mann und seine Katze gurken auch nach über einem Jahr immer noch in Europa herum. Dean kommt sich langsam vor wie eine Schnecke: Er ist mit „Haus“ unterwegs und kommt nicht vom Fleck. Doch seine Follower beruhigen ihn. Es ist ihnen egal, wohin er fährt und wie lange er braucht, solange er sie per Internet an seiner Reise teilhaben lässt. Mittlerweile ist es zu seiner Lebensaufgabe geworden, Tieren zu helfen und ihnen „eine Stimme zu geben“. Zum ersten Mal in seinem Leben hat er das Gefühl, etwas Bedeutendes zu tun.


    Die Leut’ sind überall Leut’

    Dank Nala kommt Dean mit den Menschen schnell in Kontakt. Sie gehen auf ihn zu und stellen ihm Fragen – was sicher nicht der Fall gewesen wäre, wenn er statt mit ihr weiterhin mit seinem Kumpel Ricky auf Tour gewesen zwei. Zwei bärengroße Schotten würden die Leute nicht so einfach ansprechen.


    Je weiter Dean herumkommt, desto mehr gelangt er zu der Überzeugung, dass über alle Länder-, Kultur- und Glaubensgrenzen hinweg die Menschen von ähnlichen Wünschen und Ängsten angetrieben werden. Die Leut’ sind überall Leut’. Diese Einsicht hat sich nur noch nicht flächendeckend durchgesetzt, und das macht ihm Sorgen. Wir leben alle auf demselben Planeten und gehören derselben Spezies an. Wenn wir nicht miteinander denken und arbeiten, sind wir wahrscheinlich dem Untergang geweiht.“ (Seite 316)


    Abenteuerliche Begegnungen

    Und natürlich verläuft diese Reise zeitweise absolut abenteuerlich.

    Zahlreiche Fotos zeigen die beiden Reisegefährten auf ihrer Tour, die man anhand von Karten und Routenbeschreibungen sehr gut nachverfolgen kann. Für mich wäre so ein Abenteuer nichts, aber ich lese für mein Leben gern davon. Und Nicholson und Jenkins schaffen es wirklich, uns Leser*innen das Gefühl zu geben, wir seien hautnah dabei.


    Die Autoren

    Dean Nicholson, ein 30-jährige Schotte, hatte im September 2018 die Nase voll von seinem Handwerker-Job, stieg auf sein Fahrrad und radelte los. Seitdem er mit seiner Katze Nala reist, hat sich alles verändert: Schon ihr erstes Video auf The Dodo begeisterte eine riesige Fangemeinde weltweit. Tausende Fahrradkilometer haben sie gemeinsam erlebt, Nala vorne in einem speziellen Katzenkorb. Die meisten Nächte verbringen die beiden zusammengekuschelt in einem Zelt. Mehr über sie bei @1bike1world


    Garry Jenkins ist Autor und Journalist. Im Laufe seiner über 25-jährigen Karriere hat er für verschiedene Zeitschriften und Zeitung geschrieben – von „Elle“ über „Time Out“ und „The Daily Mail“. Er schreibt regelmäßig für „The Times.“ Jenkins ist außerdem Co-Autor bei verschiedenen Bestsellern, in denen es um Tiere geht. Er lebt mit seiner Familie in London.

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    Brigitta Rudolf: Neues aus der Katzenallee, Norderstedt 2020, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75195939-1, Softcover, 480 Seiten mit mehreren Farbfotos, Format: 12,7 x 2,46 x 20,29 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 6,49.


    Den Leser*innen unserer Seite www.tiergeschichten.de muss ich Brigitta Rudolf und ihre Tiergeschichten nicht mehr vorstellen. Wir dürfen immer mal wieder welche veröffentlichen. Im vorliegenden Band NEUES AUS DER KATZENALLEE gibt es reichlich davon: 83 Geschichten über Katzen und Menschen und der eine oder andere Hund ist auch dabei.


    Geschichten über die Bedürfnisse der Tiere

    Die Geschichten sind im Schnitt etwa fünf Seiten lang. In allen geht es um die Bedürfnisse der Tiere, die sich von den unseren gar nicht so sehr unterscheiden: Sicherheit, Unversehrtheit, ein warmes Plätzchen, immer was zu essen und, wenn möglich, nette Gesellschaft. Und natürlich Freiheit. Die ist insbesondere den Katern wichtig. Manche verzichten bewusst auf ein sicheres Zuhause, weil sie sich keinem Zweibeiner anpassen wollen. Kommen und gehen zu können, wie es ihnen beliebt, ist ihnen wichtiger.


    Davon abgesehen sind die Beiträge sehr unterschiedlich. Mal werden sie aus Menschensicht erzählt, mal aus der Perspektive der Tiere, mal sind es kurze Anekdoten, mal wird auf fünf Seiten die Geschichte eines halben Lebens erzählt. Das geht tatsächlich – wenn man es kann. Es gibt realistische und phantastische, lustige, traurige, herzerwärmende und Hoffnung spendende Geschichten. Manche spielen in der näheren Umgebung, andere in fernen Ländern. Und ganz am Schluss bläst uns Menschen die Katzengöttin ordentlich den Marsch. Und das mit Recht!


    Katzen und ihre Freunde

    Herrlich ist die Story vom großen und vom kleinen Hein – dem Fischer und seinem Kater -, die sich in ihrem Männerhaushalt auch ohne viele Worte verstehen. Nur gegenüber der netten Inga aus dem Fischladen sollte der große Hein die Zähne mal auseinanderkriegen – HEINTJE (Seite 39). Katze IVY (Seite 53) verliert nach dem Tod ihres Frauchens ihr Zuhause und muss sich auf den Straßen Amsterdams durchschlagen. Kater ROLLO (Seite 71) vermisst seine Katerkumpels, die mit ihren Familien weggezogen sind. Ob die neue Nachbarin wohl eine Katze hat? Aber, o Schreck, was ist denn das?!



    Schicksale und Abenteuer

    Der junge Kater WILLIBUTZ (Seite 129) hat noch viel Unsinn im Sinn. Zum Glück hat er im Sohn des Hauses einen Verbündeten, der so manchen Unfug auf seine Kappe nimmt. Die schwarze HEXE (Seite 154) ist Hauskatze bei einem Musiklehrer, der seine Schüler zuhause unterrichtet. Kein leichter Job für ein Tier mit einem so feinen Gehör! Auf recht abenteuerliche Weise kommt Kater XENOS (Seite 199) von der griechischen Insel Santorin nach Deutschland. Kater STIEFELCHEN (Seite 209) wohnt im Zoo und ist froh, dass er nicht in einem Gehege leben muss wie die anderen Tiere.



    Allein unterwegs

    Kater SARTRE (Seite 241) hält es für eine Kateridee, dass sein Mensch ihn mit in den Urlaub nehmen will. Autofahren! In der Katzenbox eingesperrt sein! Da wäre ja die verhasste Tierpension noch besser gewesen! An einer Raststätte reißt er aus. Daran, dass er sich auf der Straße durchschlagen kann, hat er keinen Zweifel. Aber wird er auch wieder nach Hause finden? Kater JOEY (Seite 274) aus dem US-Bundestaat Virginia hat bei einer Naturkatastrophe sein Zuhause und seine Familie verloren. Viele Menschen hasten in Panik und Verzweiflung achtlos an ihm vorbei. Doch dann kommt Lee ...



    Entführt! - Ein Katzenkrimi

    NICOS (Seite 352) aus dem zypriotischen Kloster Agios Nicolaos ist der Herzenskater der Laienschwester Estefania und er staunt nicht schlecht, als diese ihr Leben wieder einmal radikal umkrempelt. Einen regelrechten Katzenkrimi erleben Kater SPUTNIK (Seite 371) und seine Freunde. Diese Geschichte ist auch länger als die anderen Beiträge. Maine-Coon-Kater Mao ist entführt worden! Die Katzen aus der Nachbarschaft, denen nie etwas entgeht, haben auch schon einen Verdächtigen und legen sich vor dessen Haus auf die Lauer. Können sie ihren Kumpel ohne menschliche Hilfe befreien? Denn die Zweibeiner kapieren wieder mal rein gar nichts!


    Drei kleine Kater bedeuten auch die dreifache Menge an Chaos, vor allem, wenn sie so verwegen sind wie die drei Musketiere von Helen und Maurice. Aramis, Arthos und Porthos wird ihre Neugier um ein Haar zum Verhängnis. Ihre HELDENHERZEN(Seite 449) rutschen ihnen jedenfalls ganz schön in die Hosen.


    Fülle und Vielfalt

    Ach, irgendwie hätte es jede Geschichte verdient gehabt, hier kurz erwähnt zu werden! Das geht natürlich nicht. Dieses Problem habe ich immer bei Kurzgeschichtensammlungen. Auf jeden Fall wird bei dieser Fülle und Vielfalt an Geschichten jeder Katzenfreund etwas nach seinem Geschmack finden. Und weil die Storys kurz und voneinander unabhängig sind, kann man sie auch wunderbar lesen, wenn man wenig Zeit hat. Man nimmt sie sich eben portionsweise vor.


    Die Autorin

    Brigitta Rudolf lebt und arbeitet mit Ihrem Mann in einer kleinen Kurstadt am Rande des Wiehengebirges. Dieses Buch ist ihre 16. Buchveröffentlichung. Viele weitere sollen noch folgen. http://www.brigittarudolf.jimdo.com

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    Melanie Metzenthin: Die Hafenschwester (2). Als wir wieder Hoffnung hatten. Roman, München 2020, Diana-Verlag, ISBN 978-3-453-29244-4, Klappenbroschur, 495 Seiten, Format: 13,6 x 4,4 x 20,6 cm, Buch: EUR 15,00 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: 11,99.


    „Paul lächelte still vor sich hin. So fühlte es sich an wenn man alles im Leben erreicht hatte. Er hatte eine Arbeit, die ihm gefiel, eine wunderbare Frau, drei gesunde Kinder und eine schöne Wohnung. Was wollte man mehr vom Leben? Mochten sich die Reichen auch luxuriöse Fahrten in der ersten Klasse eines riesigen Ozeandampfers leisten können, ihm genügte es, die Sonntage mit seinen Kindern zu genießen.“ (Seite 18)


    Zugegeben: Im ersten Band war mehr Action. Das Leben hat eben auch ruhigere Phasen und die sind in einem historischen Roman immer besonders tückisch. Die Romanhelden freuen sich ihres Lebens und der Leser weiß genau, dass ihre Welt bald in Trümmern liegen wird.


    Hamburg 1913: Martha, 34, hat sich aus ärmlichsten Verhältnissen zur OP-Schwester emporgearbeitet. Ein Beruf, den sie leider nicht mehr ausüben darf, seit sie mit dem Ingenieur Paul Studt verheiratet ist. Nur ledige Frauen und Witwen dürfen einer bezahlten Tätigkeit als Krankenschwester nachgehen.


    Ehrenamtliche Hafenschwester

    Die überzeugte Sozialdemokratin will aber nicht nur um ihren Mann und die drei Kinder herumwuseln, sie will helfen. Und so arbeitet sie ehrenamtlich als Hafenschwester. Damit tut sie etwas für die Allgemeinheit, aber ihre Fähigkeiten als OP-Schwester liegen brach. Das ist ungerecht, doch von heute auf morgen lassen sich die Gegebenheiten nicht ändern. Diese Erfahrung haben Martha und ihre politisch engagierten Freundinnen vom Frauenverein schon mehrfach machen müssen.


    Martha will sich nicht beklagen. Ihr Leben ist gut so, wie es ist. Okay, Probleme gibt’s immer. Wo bringt man zum Beispiel von jetzt auf gleich neun verwaiste Geschwister unter? Am besten noch so, dass sie nicht in alle Winde zerstreut werden? Die Möglichkeiten sind begrenzt. Auch in Marthas Familie knirscht’s. Ihr jüngerer Bruder Heinrich, ein Kapitän, hat von einer seiner Fahrten eine chinesische Ehefrau mitgebracht: Mi-Ling. Da gibt’s nicht nur aus sprachlichen Gründen Verständigungsprobleme. Kulturell scheinen Asiaten und Hanseaten nicht besonders kompatibel zu sein.



    Das Leben ist schön – besonders in New York

    Wenn Martha Studt schon einen beachtlichen Aufstieg vom armen Mädchen aus dem Gängeviertel zur geachteten Krankenschwester und Ingenieurs-Gattin hingelegt hat, dann ist ihrer Freundin aus Kindertagen, Milli, der ganz große Wurf geglückt: Sie hat es von der jugendlichen Zwangsprostituierten zur Ehefrau eines US-amerikanischen Politikers gebracht. Zur Hochzeit ihrer ältesten Tochter lädt Milli die Studts samt Kindern nach New York ein. Schon die luxuriöse Überfahrt auf dem gigantischen Passagierdampfer ist für die Hamburger Familie ein überwältigendes Ereignis. Als sie in New York eintreffen, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Welt, in die Milli eingeheiratet hat, ist an Wohlstand und Glamour kaum zu überbieten.



    Der Krieg bricht aus

    Davon abgesehen ist New York der Wahnsinn. Nie hätte Martha gedacht, dass sie das einmal zu sehen bekäme. So könnte das Leben bleiben! Tut es aber nicht. Als der Krieg ausbricht und Paul trotz seiner 41 Jahre eingezogen wird, muss Martha alleine für die Familie sorgen. Wie lange werden es sich die Krankenhäuser in Kriegszeiten leisten können, qualifizierte Krankenschwestern zu verschmähen, nur weil sie verheiratet sind?


    Selbst wenn Martha es schaffen sollte, sich und die Kinder irgendwie durchzubringen - für ihre Schwägerin und deren Sohn kann sie finanziell nicht auch noch sorgen. Mi-Ling muss sich selbst Arbeit suchen. Nur welche? Sie hat eine starke körperliche Beeinträchtigung, aber sie ist einfallsreich und zäher als man meint.


    Paul kommt zurück – schwer kriegsversehrt

    Dann kommt der Schock: Paul wurde an Front schwer verwundet: Er hat eine Gesichtsverletzung erlitten, die ihn so stark entstellt, dass er sich nicht mehr unter Menschen traut. Martha blutet das Herz, ihren geliebten Mann so zu sehen. Und Existenzängste plagen sie auch: Wenn er nie wieder in seinen Beruf zurückkehren kann, wird sie es dauerhaft schaffen, die Familie zu ernähren? Was, wenn sie nach dem Krieg als verheiratete Frau nicht mehr arbeiten darf?


    Als OP-Schwester weiß sie, dass es neue Operationsmethoden gibt, mit denen man entstellte Gesichter rekonstruieren kann. Doch die sind noch im Experimentierstadium. Wird es gelingen, Paul sein Gesicht wiederzugeben?


    In einem Roman dieses Umfangs gibt’s natürlich noch jede Menge Nebenhandlungen und Personen, mit denen man mitfiebern kann: mit Moritz, der ebenfalls schwer kriegsversehrt nach Hause kommt ... mit Marthas Kollegin Carola, deren Leben eine unerwartete Wendung nimmt und mit Heinrich, der aufgrund seiner Blockadefahrten wochen- und monatelang von der Bildfläche verschwindet, während seine Familie daheim vor Sorge vergeht. Der hat ordentlich was zu erzählen, wenn er zwischendrin mal nach Hause kommt!


    Es gibt nicht permanent Action

    Gegen Kriegsende geht’s ordentlich rund in der Geschichte. Davor ist die Handlung über weite Strecken nicht überaus temporeich. Damit habe ich selbst kein Problem: Ich schaue gern Romanfiguren aus anderen Epochen beim Leben zu und versuche mir vorzustellen, wie das damals war. Doch ich erwähne es sicherheitshalber. Heute ist der Konsument ja aus den Medien gewöhnt, dass immerfort in schnellem Takt was Dramatisches passiert. Die Geduld, sich einfach auf anderer Leute Lebensumstände einzulassen, hat nicht jeder, obwohl diese Geschichten ihren Reiz haben.


    Manchmal habe ich mich gefragt, ob die Studts nicht zu gut sind, um wahr zu sein. Irgendwie machen sie immer alles richtig. Zum Ausgleich gibt’s jedoch genügend fehlbare Nebenfiguren, mit denen man sich als Durchschnittsmensch identifizieren kann. Sie treffen auch mal zweifelhafte Entscheidungen und müssen dann – wie wir alle – mit den Konsequenzen leben.


    Und sollte man als Leser*in beim Thema „1. Weltkrieg“ nicht ganz sattelfest sein: Hier liest man eine außergewöhnliche Lebensgeschichte und lernt nebenbei noch allerhand dazu. Wenn historische Ereignisse am Beispiel konkreter Schicksale geschildert werden, ist das für mich immer greifbarer als reine Fakten und Erklärungen. Und es bleibt auch mehr hängen.


    Die Autorin

    Melanie Metzenthin lebt in Hamburg, wo sie als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Sie hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, in denen psychische Erkrankungen oft eine wichtige Rolle spielen. Beim Schreiben greift die Autorin gern auf ihre berufliche Erfahrung zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem realistischen Hintergrund zu machen. 2020 wurde sie für ihr Buch "Mehr als die Erinnerung" mit dem DELIA Literaturpreis ausgezeichnet. Unter dem Pseudonym "Antonia Fennek" schreibt sie Psychothriller.

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    Gina Mayer: Internat der bösen Tiere (2) – Die Falle (ab 10 J.), Ravensburg 2020, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-40847-4, Hardcover mit Gucklochstanzung, 288 Seiten inkl. 20 Seiten Leseprobe des Folgebands, mit s/w-Illustrationen von Clara Vath, Format: 15,3 x 3 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99.


    „Noch nie war Noel so glücklich gewesen, wie in den Wochen die er im Internat der bösen Tiere  verbracht hatte. Die geheimen Inseln waren seine Heimat, sein Zuhause, dort gehörte er hin. Er war stolz auf seine Mutter, dass sie diesen Ort geschaffen hatte. Und er würde es nicht zulassen, dass Uko ihr Lebenswerk zerstörte.“ (Seite 247)


    Teenager Noel, der seine leiblichen Eltern nie kennengelernt hat, hatte bis vor kurzem keine Ahnung, dass er zu den „Auserwählten“ zählt, denen telepathische Kommunikation schon in die Wiege gelegt worden ist. Als er das erste Mal Stimmen in seinem Kopf gehört hat, hat er gedacht, er verliert den Verstand. Doch diese Stimmen haben ihn auf abenteuerlichen Wegen zu den geheimen Inseln geführt, ins „Internat der bösen Tiere“.


    Im Internat angekommen

    Hier sind seine Lehrer und Schulkameraden – bis auf wenige Ausnahmen – Wildtiere und alle Schüler *innen sollen voneinander lernen. Vor allem sollen sie artenübergreifend gut miteinander auskommen. Dass Noels Mutter Sonya die Schule gegründet hat, macht den Jungen stolz. Aber es ist auch Grund zur Besorgnis, denn sie hat in der Tierwelt auch mächtige Feinde. Was sie ihr angetan haben, weiß niemand, denn sie ist seit 15 Jahren spurlos verschwunden.


    Jetzt sind der Schwarzbär Uko und sein Netzwerk hinter Noel her und die Schulleiterin Mrs Moa – eine Würgeschlange – hat ordentlich zu tun, den Jungen vor seinen Feinden zu beschützen. Weil er aber den Ernst der Lage verkennt und auf ihre Anordnungen pfeift, klappt das nicht so, wie sie sich das vorstellt. Noel ist eben ein typischer Teenager, der lieber mit seinen Kumpels etwas unternimmt, statt sich absondern und einsperren zu lassen.


    Trotz des Verbots zum Tauchlehrgang

    Dass Noel nicht am Tauchlehrgang teilnehmen darf, der exklusiv für die menschlichen Schüler*innen veranstaltet wird, weiß er, aber es ist ihm wurscht. Er geht trotzdem hin, weil das eine der wenigen Chancen ist, seine Mitschülerin Katokwe von der Insel der Späher wiederzusehen, in die er sich verliebt hat. Auch sein Kumpel und Mitbewohner Taiyo steht auf Katokwe und der soll sich durch die Teilnahme am Tauchkurs möglichst keinen Vorteil bei ihr verschaffen können.


    Jetzt ist Noel also mit seinen menschlichen Schulkameraden, einem tierischen Lehrer und der Schiffsbesatzung der Liberty auf hoher See und hat nur die Wächterhaie zu seinem Schutz. Was, wenn der Angriff aus der Luft kommt? Trauen kann Noel niemandem, denn es gibt einen Verräter in ihren Reihen, der heimlich mit Uko zusammenarbeitet. Und das könnte jeder sein. Verhalten sich nicht ein paar der Jungs auf dem Schiff äußerst merkwürdig? Kommt Krokodil Sirk wirklich auf Anordnung der Direktorin? Und sind die mobbenden Paviane einfach nur charakterlose A***l*cher oder verfolgen sie einen Plan?



    Die Reihe ist so konzipiert, dass man auch bei Band 2 einsteigen könnte. Ich würde trotzdem empfehlen, mit Band 1 anzufangen. Dann kann man sich schon ein bisschen an dieses exotische Schulsystem gewöhnen.


    Eine unterschwellige Bedrohung

    Die Geschichte hat ruhige Momente, es steppt nicht ständig der Bär. ;-) . Doch selbst in Szenen, in denen die Schüler*innen einfach nur das Leben genießen, besteht diese unterschwellige Bedrohung: Jemand will Noel ans Leder, obwohl er gerade erst dabei ist, sich in der Welt der „Auserwählten“ zurechtzufinden. Bis vor kurzem hat er ja nicht einmal gewusst, dass es dieses Internat auf den geheimen Inseln gibt. Was immer vor seiner Geburt geschehen ist, welche Rechnung Uko auch mit Sonya offen zu haben glaubt - Noel weiß nichts davon und ist auch nicht dafür verantwortlich. Sie jagen einen Unschuldigen ...


    Andererseits haben die Menschenfeinde unter den Tieren durchaus einen Punkt: „Ihr Menschen seid böse (...) Ihr werdet die ganze Erde vernichten, wenn wir euch nicht Einhalt gebieten. (...) Mit einer so gewissenlosen Art ist keine Verständigung möglich. Und schon gar keine Versöhnung. (...) Je weniger es von euch gibt, desto besser geht es der Welt.“ (Seite 238) Aber gäbe es da nicht geeignetere Opfer als ausgerechnet den Sohn einer Frau, die sich für die artenübergreifende Verständigung, Gewaltlosigkeit und ein friedliches Zusammenleben eingesetzt hat?


    Warum ist Noel in Gefahr?

    Es hilft alles nichts: Um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt, wird entweder Sonya auftauchen und sich erklären müssen oder Uko muss aus der Deckung kommen und sich äußern. Darauf, denke ich, läuft die Geschichte hinaus. Ich würde ausgesprochen gerne wissen, was es mit Noels Mutter auf sich hat. Und einen Vater hat der Bub doch auch!


    Uferlos kann man diese Story sicher nicht strecken, sonst wird’s fad. Und jetzt wünsche ich mir einerseits noch viele wilde und phantastische Abenteuer mit den bösen Tieren, aber andererseits auch eine baldige Klärung aller offenen Fragen. Die richtige Balance wird die Autorin finden müssen.


    Ach, warum hat es solche phantasievollen Bücher nicht schon gegeben, als ich in diesem Alter war! Wenn es sie gegeben hat, müssen sie sich sehr gut vor mir versteckt haben. Vor mir war keine größere Buchstabenansammlung sicher. Aber ich lese solche Abenteuer auch heute noch gern. Irgendwie ist das INTERNAT DER BÖSEN TIERE eine Reihe für Zehnjährige jeden Alters. ;-)


    Die Autorin

    Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.


    Die Illustratorin

    Clara Vath arbeitet seit 2012 als freischaffende Illustratorin für diverse Verlage. Sie illustriert unter anderem Kinder- und Jugendbücher und schätzt daran vor allem die Vielfältigkeit und das Abtauchen in andere Welten. Ihr Illustrationsstil verbindet oft fantastische und mystische Elemente, die zum Träumen einladen und in Abenteuer entführen.

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    Gina Mayer: Internat der bösen Tiere (1) – Die Prüfung (ab 10 J.), Ravensburg 2020, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-40842-9, Hardcover mit Gucklochstanzung, 288 Seiten mit s/w-Illustrationen von Clara Vath, Format: 15,3 x 3 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99.


    „Wir unterrichten Schüler aus sämtlichen Erdteilen“, begann Mrs Moa. „Viele Tierarten sind hier vertreten. Jede Art und jedes Wesen bringt seine speziellen Fähigkeiten mit. (...) Wir lernen unsere eigenen Stärken kennen und dann teilen wir sie miteinander, das ist das Prinzip der Schule. (...) Wir legen großen Wert auf vielfältige Beziehungen. Auf Freundschaften zwischen den Arten. Du wirst das alles kennenlernen.“ (Seite 122)


    Vor vielen Jahren ist Karins wilde jüngere Schwester Sonya spurlos verschwunden. Nur einmal haben sich die beiden kurz wiedergesehen: Am Weihnachtsabend vor 13 Jahren stand sie plötzlich vor Karins Tür, hat Karin ihren neugeborenen Sohn Noel in den Arm gedrückt und ist sofort wieder abgetaucht. Niemand hat seither von ihr gehört.


    Ein Held mit Hang zu Katastrophen

    Seitdem hat Karin jeden einzelnen Tag bereut, dass sie sich das Kind hat aufnötigen lassen. Ihr Mann und sie haben den Jungen zwar adoptiert – er kann ja nichts für seine Mutter! – aber sie haben nie einen Draht zu ihm gefunden. Von klein auf hat Noel ein Talent, sich in Schwierigkeiten zu bringen und Mist zu bauen. In seiner Familie fühlt er sich fremd, und seine Adoptiveltern finden, es sei etwas Böses in ihm. Dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, haut ihm sein vermeintlicher Vater erst um die Ohren, als er seine Frau verlässt.


    Jetzt weiß Noel wenigstens Bescheid. Aber es wird eher schlimmer als besser. Er hört Stimmen, glaubt, dass eine Eule ihn stalkt und ein Schwarzbär ihm nach dem Leben trachtet. Dass Karin ihn deshalb vorzeitig aus dem Skilager abholen muss, ist schon übel genug. Doch als er den Chemiesaal seiner Schule in Brand setzt, weiß er, dass er den Bogen endgültig überspannt hat. Er kann und will nicht mehr nach Hause zurück.


    Hat ihn ein Hund zum Hafen bestellt?

    Egal, ob ihm wirklich der Wachhund vom Supermarkt um drei Uhr am Frachthafen“ zugeraunt hat oder ob er jetzt komplett durchdreht – Noel geht zum genannten Treffpunkt und lässt sich dort von einer dauerquasselnden Ratte dazu überreden, an Bord eines Frachters zu gehen und sich mit ihr zusammen in einem Container zu verstecken. Doch, doch, das habe alles seine Richtigkeit! Auf den geheimen Inseln, auch bekannt unter der Bezeichnung „Internat der bösen Tiere“ erwarte man ihn bereits.


    Auf höchst abenteuerliche und gefährliche Weise gelangt er an sein Ziel – und da geht es noch verrückter zu als den in wirrsten Fieberträumen! Die Krankenschwester, die ihn wieder gesund pflegt, ist eine Gorilladame, seine Begleitung, die ihn auf dem Schulgelände herumführt und ihm alles erklärt, ist eine Tarantel und die Schulleiterin eine Würgeschlange. Und alle kommunizieren telepathisch miteinander.


    Schafft Noel die Aufnahmeprüfung?

    Doch der hibbelige Noel scheitert bei den Vorbereitungen schon an der Grundvoraussetzung, der telepathischen Kommunikation. Da kann ihm sein Lehrer, der Marabu Ezekweseli, hundert Mal sagen, er solle an nichts denken und seinen Geist öffnen – Noel weiß einfach nicht, wie er das bewerkstelligen soll. Nur wenn andere mit Gewalt seine Barrieren durchbrechen, kann er ihre Gedanken hören.


    Noel hat viele Fragen

    Warum gehen trotzdem alle davon aus, dass er die Prüfung bestehen und ins Internat aufgenommen werden wird? Das klingt beinahe so, als habe er von Haus aus ein Anrecht darauf. Aber wieso? Weshalb wissen die Inselbewohner, die sich selbst „die Auserlesenen“ nennen, hier Dinge über ihn, von denen er selbst noch nichts wusste? Und warum ist der Bär hinter ihm her? Noel hat ihm doch nie etwas getan. Bis vor ein paar Tagen hat ja noch nicht einmal was von der Existenz der Auserlesenen geahnt! Und gegen deren Ziel, dass Lebewesen aller Arten voneinander lernen und friedlich miteinander auskommen sollen, kann ja niemand etwas haben. Oder steckt da doch etwas anderes dahinter?



    Ausgezeichneter Reihenauftakt

    Kein Wunder, dass dieser phantasievolle und furiose Serienauftakt unter anderem mit dem Zürcher Kinderbuchpreis 2020 ausgezeichnet wurde! Selbst als Erwachsener kann man kaum aufhören zu lesen und würde am liebsten sofort mit Band 2, DIE FALLE, weitermachen. Das bewährte Rezept „der Underdog ist in Wirklichkeit ein Auserwählter“ funktioniert auch hier. In Verbindung mit viel Spannung und jeder Menge Geheimnisse ist das einfach unwiderstehlich. Und wann waren je giftige, hässliche, gefährliche und „eklige“ Tiere die positiven Helden einer Geschichte? Die Internatsleitung der geheimen Inseln wäre begeistert von diesem Konzept. Und viele Leser*innen sind es auch.


    Auch wenn ich längst nicht mehr zur Zielgruppe gehöre: Diese Reihe werde ich verfolgen, bis das Rätsel um Noels Herkunft geklärt ist und ich weiß, was seine Freunde und Feinde im Schilde führen.


    Ich bin gespannt, ob der Verlag die ganze Reihe über die aufwändige Ausstattung durchhält: Drucklack und ein Cover mit Formstanze. Selbst wenn nicht: Diese Reihe ist etwas Besonders und auf optische Effekte nicht unbedingt angewiesen.



    Abb.: © Ravensburger Verlag, Foto: E. Nebel


    Die Autorin

    Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.


    Die Illustratorin

    Clara Vath arbeitet seit 2012 als freischaffende Illustratorin für diverse Verlage. Sie illustriert unter anderem Kinder- und Jugendbücher und schätzt daran vor allem die Vielfältigkeit und das Abtauchen in andere Welten. Ihr Illustrationsstil verbindet oft fantastische und mystische Elemente, die zum Träumen einladen und in Abenteuer entführen.

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    Heiko Volz: 55 Gründe, Stuttgart trotzdem zu lieben. Denkwürdige Geschichten aus dem Leben eines Eingeborenen, Tübingen 2020, Silberburg-Verlag, ISBN 978-3-8425-2332-6, Softcover, 127 Seiten, Format: 12 x 1,7 x 19 cm, Buch: EUR 9,99.


    Aufgrund des Buchtitels und weil ich den Autor unter anderem als TV-Redakteur und –Moderator eines regionalen Fernsehsenders kenne, hatte ich 55 Mini-Reportagen über das kulturelle, gesellschaftliche, geschäftliche und vielleicht auch politischen Geschehen in Stuttgart erwartet. Berichte, die uns die schwäbischen Eigenheiten mit leisem Spott vor Augen führen.


    Haarsträubende Anekdoten

    Mit derart persönlichen Anekdoten, in denen sich die Stuttgart-Themen spiegeln, hatte ich nicht gerechnet. Aber gut. Der Autor ist herumgekommen, hat vieles gesehen und erlebt. Er ist ein guter Beobachter, er erkennt den Witz in den kleinen Alltagskatastrophen – und er kann erzählen. Gut zuhören kann er auch. ;-) Die eine oder andere schräge Geschichte, die ihm Freunde und Verwandte zugetragen haben, hat ebenfalls Eingang in diese Sammlung gefunden.


    Als Kind, sagt der Autor (Jahrgang 1961), sei er schmächtig, rothaarig und sommersprossig gewesen. Und zu allem Übel auch noch Brillenträger. Zudem sei seine Familie oft umgezogen, sodass er in der Schule ständig „der Neue“ war, der sich wieder einen Freundeskreis aufbauen musste. Das wären eigentlich beste Voraussetzungen gewesen, um ein Mobbing-Opfer zu werden. Aber der kleine Heiko war schnell, schlau und sportlich und hat schon in jungen Jahren mit dem Kampfsporttraining begonnen. Damit hat er sich zügig Respekt verschafft – nicht nur unter den Schulkameraden, wie wir im Verlauf des Buchs noch erfahren werden.


    „Merken Sie sich diesen Namen!“

    „Merken Sie sich diesen Namen“, hat einmal eine seiner Lehrerinnen gesagt. „Den werden wir in Zukunft noch hören“ (Seite 7). Wie sie das gemeint hat, ist nicht überliefert. Aber sie sollte recht behalten. Heiko Volz hat sich unter anderem als Werbetexter, Reporter, Chefredakteur und Verlagsleiter einen Namen gemacht. Und er wurde Autor der legendären Fernseh-Figuren „Äffle und Pferdle“ (beim SDR, später SWR). Ein Promi, der gefühlt ständig auf Achse ist und an dem kaum ein wichtiges Ereignis in Stuttgart vorbeigeht. Er trifft schon mal Wrestling-Größen wie Hulk Hogan, begegnet der Comiczeichner-Legende Carl Barks und schützt bei einer Veranstaltung den Komiker Otto Waalkes vor allzu enthusiastischen Fans. Er interviewt Regionalprominenz und fachsimpelt mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann und dessen Frau über Linsen und Spätzle. Ist es wirklich wahr, dass Gerlinde Kretschmann keine Spätzle schaben kann? Als Schwäbin! Das ist ja geradezu skandalös! Zumindest ist es ein Missstand, dem zum Glück abgeholfen werden kann.



    Immer Ärger mit der Wohnung

    Auch wenn man mit Wichtigen und Mächtigen zu tun hat – wenn man in Stuttgart wohnt, hat man’s nicht leicht. Man hat vielleicht kein Malheur mehr mit der leidigen Kehrwoche, aber dafür mit seltsamen oder besonders spießigen Nachbarn. Oder man wird Opfer des Renovierungswahns eines sich handwerklich überschätzenden Vermieters: DER GROSSE DURCHBRUCH(Seite 42). Wenn einem plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes die Decke auf den Kopf fällt, ist das erst dann lustig, wenn man davon mit gewissem zeitlichen Abstand erzählen kann. Und wer für den heimtückischen BAMBUS-MORD (Seite 57) verantwortlich war, kommt erst ans Licht, als Volz und seine Frau längst weggezogen sind.



    Drama am Schwarzen Donnerstag

    Politisch wird’s, als der Autor eher zufällig in die S21-Demonstration hineingerät, die später als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte eingehen wird. Er landet im Krankenhaus – und danach im Medienzirkus, wo man ihn noch einmal durch die Mangel dreht: STAATSFEIND NUMMER EINS (Seite 112). Lass da mal einen reinrutschen, der kein Medienprofi ist! Der gehört der Katz’. Also, da kann man Stuttgart wirklich nur noch „trotzdem“ lieben.


    Das Beste kommt zum Schluss. Meine Lieblingsgeschichte ist die eines simplen aber unangenehmen Missverständnisses: DER MIT DEN V Ö G E L N SPRICHT (Seite 126).


    Aus Stuttgart und der ganzen Welt

    Lustig aber nicht ins Konzept passend sind meines Erachtens die Erlebnisse der südamerikanischen Verwandtschaft. In manchen der Geschichten gibt’s überhaupt keinen Stuttgart-Bezug. Ja, gut, die Angehörigen aus Übersee sind in ihrer impulsiven und quirligen Art anders drauf als die mundfaulen Schwaben. Deshalb kommen wir hier vergleichsweise pflegeleicht und weniger anstrengend rüber. Aber das ist schon arg um die Ecke gedacht. Vielleicht liegt’s aber auch am Buchtitel, der die lebensprallen Anekdoten mit Gewalt unter ein Stuttgart-Dach stopfen will, obwohl da gar nicht alle drunter passen. Die 55 Geschichten fallen für mich eher unter die Rubrik „Ich glaub’, ich spinne!“ oder „Der Irrsinn des Alltags“. Leben eben – nicht nur in Stuttgart.


    Ich habe schon verstanden, warum viele Beiträge mit dem Wörtchen„unlängst“ anfangen: Es ist eine Hommage an den Onkel mit seinen wilden Geschichten. Aber es irritiert trotzdem, weil „unlängst“ eben „vor kurzem“ bedeutet und nicht „vor 30 Jahren“. Das hätte ich versucht, dem Autor auszureden. Die Anekdoten selbst haben es in sich. Da sind ganz schöne Brüller dabei! 55 GRÜNDE ... ist eines der Bücher, die man nur dann in der Öffentlichkeit lesen sollte, wenn es einem nichts ausmacht, wegen lauten Lachens für bekloppt gehalten zu werden. Meine Nachbarn werden sich ihren Teil gedacht haben. Ich habe das Buch im Herbst auf dem Balkon sitzend gelesen.


    Durch weitere Quellen verbürgt

    Da der Autor und ich berufsbedingt gemeinsame Bekannte haben, kann ich Ihnen/Euch versichern: So irrwitzig manches Erlebnis auch klingen mag – Heiko Volz erzählt hier keinen vom Pferd! Manche Geschichten hatte ich schon aus anderen Quellen gehört, einiges ist auch durch die regionalen Medien gegangen. Ich gehe mal davon aus, dass alle Privatpersonen, die im Buch mit peinlichen Dates, vergurkten Reisen und sonstigen Pannen vertreten sind, vorab um ihre Erlaubnis zur Veröffentlichung gebeten wurden. Sonst muss man künftig verflixt aufpassen, was man diesem Mann erzählt. :-D


    Der Autor

    Heiko Volz, geboren 1961, ist freier PR- und Marketingberater, Medienmacher, Werbetexter, Hochschuldozent, Journalist, Autor, TV-Moderator und Synchronsprecher. Bekannt ist er als Autor vieler Äffle-und-Pferdle-Bücher und als Sprecher vom Äffle. Er ist bekennender Stuttgarter.

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    Mirko Reeh, Barbara Stromberg: Kräuter und Gewürze, Norderstedt 2020, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75192061-2, Softcover, 140 Seiten mit Farbfotos, Format: 18,9 x 0,79 x 24,61 cm, Buch: EUR 14,90, Kindle: EUR 9,99.


    „Wie schmeckt ein Essen ohne Gewürz? Weiß jeder: mit wenigen Ausnahmen eher fade und langweilig. Kurz: lepsch.“ (Seite 5)


    So beschreibt Mirko Reeh die Situation. Meine Kollegen in der Druckerei fanden seinerzeit für geschmackfreies Kantinenessen deutlich deftigere Worte. :-D Ich denke, in dem Punkt sind wir uns alle einig: Würzen muss der Mensch, wenn die Speisen munden sollen.


    Jetzt kann man natürlich fertig gekaufte Gewürzmischungen verwenden. Das ist besser als nichts, aber es ist nicht ideal. Wenn sämtliche Bestandteile schon pulverisiert sind, verfliegt das Aroma recht schnell. Und was in den Mischungen drin ist, weiß man auch nicht immer so genau. Das kann insbesondere für Allergiker*innen schnell unerfreulich werden.


    Frische Alternativen

    Was also sind die Alternativen? Kräuter kann man frisch auf dem Markt erwerben oder selbst anbauen. Dazu braucht man nicht mal unbedingt einen Garten, das geht auch im Blumentopf auf der Fensterbank. Wenn man sich auskennt, kann man auch Wildkräuter sammeln. Und es ist möglich, Gewürzmischungen selbst herzustellen, wobei’s für den Erhalt des Aromas von Vorteil ist, wenn man nicht alles in Pulverform vorrätig hat, sondern die Gewürze erst bei Bedarf mit Mühle oder Mörser zerkleinert.


    Im Infoteil des Buchs erfahren wir etwas über die Geschichte des Würzens, ein klein wenig über Heilkräuter, ein bisschen was über das Sammeln und Selbstanbauen – und warum die eingetopften Basilikumpflanzen, die wir im Laden kaufen, immer in Rekordzeit eingehen. Mit Mirko Reehs sieben praktischen Tipps sollte dies zu verhindern sein. Aber es klingt schon ziemlich aufwändig. Wenn das Basilikum so eine Diva ist, dann wird das wohl nichts werden mit uns beiden!


    Gewürzmischungen selber machen

    Nach einer Hitliste der teuersten Gewürze der Welt – Kardamom hätte ich dort wirklich nicht vermutet! – geht es weiter zu den Rezepten. Und da gibt’s Erstaunliches. Man kann Gin selber machen ohne dass man unter die Schwarzbrenner gehen muss? Was es nicht alles gibt! In die Verlegenheit werde ich zwar nie kommen, aber es ist bemerkenswert.


    Die Gewürzmischungen kommen für mich schon eher in Frage: Curry, Zatar, Tahina, Baharat, Ras El Hanout, Harissa, thailändische Currypasten ... dafür habe ich schon eher Verwendung.


    Exotische Gerichte ...

    Natürlich entdecken wir hier nicht nur, wie man die verschiedensten Gewürz- und Kräutermischungen herstellt, sondern auch, was man damit Tolles zubereiten kann: einen bunten Tomatensalat mit kreolischem Dressing (das Foto passt nicht so recht zur Beschreibung) ... gebackenen Paprika mit Couscous ... Pasta mit Hummer in Tomaten-Weißwein-Sauce ... Ricotta-Parmesan-Törtchen mit lila Nudelnest und Safranschaum oder orientalische Hackbällchen mit süßem Rübengemüse.


    ... und Bewährtes aus der Heimat

    Wenn Kräuter und Gewürze nicht in Mischungen auftauchen, sondern Solo-Auftritte haben, wird’s auch mal deutlich weniger exotisch: Tiroler Schüttelbrot oder Mutti Carmens dicke Bohnensuppe nach Hersfelder Art, von der der Autor zugibt, dass er sie erst als Erwachsener so richtig zu schätzen lernte. Im Buch drückt er sich noch unverblümter aus, und diese Ehrlichkeit macht ihn mir sympathisch. Ich würde seine Anmerkung berücksichtigen, wenn auch Kinder bekocht werden sollen.


    Bodenständig bleibt’s auch bei der Original Frankfurter Grüne Soße nach Mirkos Oma. Hier werden wir eindringlich ermahnt, die Zutaten keinesfalls zu verändern, weil’s sonst keine echte Frankfurter Grüne Soße mehr sei.


    Gerösteter Kurkuma-Blumenkohl auf würziger Joghurtsoße klingt auch für mich als ungeduldige und wenig begnadete Küchenfee nach einem Plan. Rote-Bete-Carpaccio, Räucherlachs und Handkäse mit süß-würzigem Kardamom-Fenchel-Zitrusdressing erscheint mir dagegen eher schräg. Das würde ich erst mal kosten wollen. So ist hier für jede(n) etwas dabei. Und Nachtisch gibt’s auch: vom Vanillepudding über Orangenkuchen bis hin zu Muskatnusseis mit süßem Pesto und Mandelplätzchen.


    Aufregende Geschmackserlebnisse

    Dankenswerterweise steht bei jedem Rezept dabei, wie viel Zeit jeweils das Vorbereiten und Kochen bzw. Backen in Anspruch nimmt. Da weiß man, worauf man sich einlässt. Sonst richte ich mich meist nach der Länge der Zutatenliste und dem Umfang der Erklärungen. Je kürzer beides ausfällt, desto eher traue ich mir das Nachkochen zu.


    Ob Fleisch, Fisch oder vegetarisch, warm oder kalt, süß oder herzhaft, regional oder international, einfach oder eher anspruchsvoll in der Zubereitung – hier gibt’s Rezepte für alle Geschmacksrichtungen, Vorlieben und Lebenslagen. Alle versprechen ein aufregendes Geschmackserlebnis und sind ganz bestimmt nicht „lepsch“. J


    Verflixt, wo kriege ich das her?

    Ich habe von Haus aus den halben Orient im Gewürzschrank, weil bei uns daheim von österreich-ungarisch über balkanisch bis nah- und fernöstlich alles Mögliche gekocht wurde. Und doch ist bei den Rezepten im Buch immer mal wieder was dabei, bei dem ich denke: „Verflixt! Was ist das und wo kriege ich das her?“ Je ländlicher man wohnt, desto schwieriger wird’s mit der Beschaffung.


    Ich habe das Gefühl, dass es bei uns in den Geschäften gemahlenen Pfeffer von 15 verschiedenen Anbietern gibt, aber keinen Schwarz- oder Kreuzkümmel. Da klemmt’s oft schon beim Rosmarin. Der gut sortierte Laden für Tee und Gewürze hat schon vor Jahrzehnten dicht gemacht, den Stand auf dem Wochenmarkt gibt’s auch nicht mehr. Deshalb wünsche ich mir immer, wenn ich einigermaßen „exotische“ Rezepte sehe, dass ein paar URLs mit seriösen Lieferanten für qualitativ hochwertige Gewürze mit dabei stünden. Denn sonst fällt manches lecker klingende und auf den Fotos verlockend aussehende Rezept gleich durch den Rost, weil man als Landei die Zutaten nicht kriegt. Das ist natürlich nicht dem Buch anzukreiden, könnte aber die Euphorie und den Tatendrang mancher würzfreudiger Hobbyköch*innen ein bisschen bremsen.


    Die Autoren

    Mirko Reeh ist Bestsellerautor, Inhaber von Kochschulen und Moderator. Barbara Stromberg ist Journalistin, Texterin und coacht Unternehmer in Sachen Expertentexte. Der eine ist Experte fürs Kochen, die andere fürs Schreiben. Zusammen sind sie ein bewährtes Autorenteam für Lese- und Reisekochbücher.

    Das Reisekochbuch Israel - Kulinarische Reise mit Mirko Reeh gewann für seine Texte über Land, Leute und Esskultur und für die authentischen Rezepte direkt aus den Küchen Israels den Gourmand World Cookbook Award als eines der besten Kochbücher über die israelische Küche im Jahr 2017.Seitdem wurde die Reihe der Reisekochbücher fortgesetzt. Dazwischen: Immer wieder Lese-Kochbücher, die unterhaltsames Lesen mit leckerem Kochen verbinden, wie zum Beispiel die Suppen - Rund um die Welt.

    http://www.mirko-reeh.com

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    Susanne Braun mit Alexander Schwarz: Die Insel der wilden Träume. Mein Leben auf Island, Berlin 2020, Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, ISBN 978-3-95910-284-1, Klappenbroschur, 268 Seiten, mit Farbfotos, Format: 13,6 x 3 x 20,9 cm, Buch: EUR 16,95, Kindle: EUR 12,99.


    „Ich habe mich auf dieser verlassenen Insel im Nordatlantik als junge Frau durchgesetzt, mache, was ich schon immer machen wollte: als selbständige Tierärztin mit Pferden arbeiten. (...). Ich bereue keine meiner Entscheidungen auch nur eine Sekunde. Was hätte mir Besseres passieren können?“ (Seite 240/241)


    Sollten je die Leute vom Fernsehen diese Geschichte in die Finger bekommen, machen sie bestimmt einen Wissenschafts-Thriller daraus: Deutsche Tierärztin entdeckt ein gefährliches Virus bei den Islandpferden und wird aus reiner Profitgier mit fiesen Methoden mundtot gemacht! Und wahrscheinlich dichten sie dem Partner der Heldin, der im Buch recht rätselhaft bleibt, auch noch eine wilde Vorgeschichte an.


    Ein ungewöhnliches Leben

    Der Stoff gäbe diese Dramen her. Doch Dr. Susanne Braun aus Hamm, die 2005 nach Island ausgewandert ist, erzählt ihre ungewöhnliche Lebensgeschichte in diesem Buch genauso sympathisch, cool und unaufgeregt wie sie es im September 2020 in der NDR-Fernsehsendung DAS! getan hat.


    Durch mündliches Erzählen ist dieses Buch auch entstanden. Frau Dr. Braun hat es nicht selbst geschrieben, sondern ihre Erlebnisse und Eindrücke dem Autor Alexander Schwarz geschildert – mal persönlich, mal in Form von Sprachaufnahmen, die während ihrer langen Autofahrten über die Insel entstanden sind. Übertriebene Dramatik liegt dem Team Braun & Schwarz fern. Und so erhält die Episode über das Pferdevirus im Buch nicht mehr Gewicht als ein bemerkenswerter Tierarzt-Einsatz. Leser*innen, die einfach gerne gucken, wie andere Menschen leben, mögen das. Wer auf atemberaubende Spannung aus ist, ist hier falsch. Es ist ein ereignisreiches Leben, aber es ist kein Krimi.


    Im Pferde- und im Islandfieber

    Doch fangen wir vorne an: Niemand in Susanne Brauns Familie hat sich je für Pferde interessiert. Doch als der Großvater die vierjährige Susi auf ein Pony setzt, will sie gar nicht wieder runter. Das Reitfieber hat sie gepackt. Zu ihrem 12. Geburtstag bekommt sie ein eigenes Islandpferd. Fortan liest sie alles, was sie über diese Tiere und deren Heimat finden kann. Jetzt ist sie auch noch mit dem Islandfieber infiziert! ;-)


    Kurz nach dem Abitur besucht sie die Insel ihrer Träume zum ersten Mal und die Sehnsucht lässt sie danach nicht mehr los. Da lässt sie sich nicht zweimal bitten, als ihr 2004 der Tierarzt Björgvin anbietet, ein halbes Jahr in seiner Praxis in Island zu arbeiten. Susanne ist inzwischen Fachtierärztin für Pferde sowie Pferde-Chiropraktikerin und kennt Björgvin noch vom Studium in Hannover. Kurzentschlossen packt sie ihre Sachen und reist zu ihrem ehemaligen Kommilitonen.


    Wird schon gut gehen!

    Die Anreise ist abenteuerlich, aber die hilfsbereite, unkompliziert-pragmatische Art der Isländer gefällt Susanne. Was macht es da schon, das sie manchmal die Komplexität eines Vorhabens stark unterschätzen? Ach, um dies und das und jenes hätte man sich schon im Vorfeld kümmern müssen? Oh. Das ist jetzt aber blöd! – Dann zucken sie mit den Schultern und sagen: „Wird schon gut gehen!“. Und irgendwie tut’s das meistens auch.



    Kampf gegen die Tierärzte-Vereinigung

    Als Frau Dr. Braun sich mit der isländischen Tierärztevereinigung anlegt, helfen ihr weder ihre berufliche Reputation noch ihre Kontakte. Wie in einem amerikanischen Katastrophenfilm warnt sie vor den Folgen einer Viruserkrankung, die sich rasant unter den Pferden der Insel verbreitet. Sie will die Krankheit öffentlich machen und durch Quarantänemaßnahmen eindämmen. Doch die Isländer fürchten ums Geschäft und möchten die Sache lieber diskret unter den Teppich kehren. Und plötzlich hat die Deutsche alle gegen sich. Fast alle ...


    Und wie war das? Wollte sie ursprünglich nicht nur ein halbes Jahr in Island bleiben?


    Bloß keine Fernbeziehung!

    Und dann läuft ihr im Urlaub auf Juist auch noch ein Freund aus Kindertagen über den Weg und es funkt gewaltig. Ein deutscher Mann, auch das noch! Eine Fernbeziehung über zwei Länder hinweg kommt aber nicht in Frage. Wenn aus den beiden was werden soll, wird einer seine Lebensplanung ändern und seine Zelte abbrechen müssen ...


    Ich lasse mir gerne aus anderer Leute Leben berichten, vor allem, wenn dieses nicht so 0815 verläuft. Und was Susanne Braun in Island alles auf die Beine stellt, ist wirklich beachtlich! Das Buch geht aber übers Anekdotische nicht hinaus. Das mag daran liegen, dass die Geschichte über Bande gespielt wird: Susanne erzählt ihre Geschichte Alexander und der wiederum erzählt sie uns. Für ihre Erlebnisse als Tierärztin, Wettkampfrichterin, Pferdezüchterin und Mieterin ist das perfekt. Und auch für die Story vom Weihnachtsbuffet und dessen haarsträubendem Ende. ;-) Da muss man sich ja schon beim Lesen anschnallen!


    Infos und Ankedoten

    Die Liebesgeschichte bleibt allerdings ein bisschen mysteriös. Natürlich haben wir keinen Anspruch auf das Innenleben der Heldin und ich sehe auch ein, dass sie die Privatsphäre ihrer Angehörigen schützen muss. Manche Aktionen und Reaktionen sind jedoch unverständlich, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Ist Susannes Kerl jetzt schüchtern, muffelig oder auf der Flucht? Egal. Das geht uns auch nicht wirklich was an. Ich habe das Buch wegen Island und der Pferde gelesen, und über beides erfährt man auf sehr unterhaltsame Weise eine ganze Menge. Das und die tollen Farbfotos lassen deutlich werden, was Susanne Braun an dem Land so fasziniert. Als Leser*in würde man am liebsten auch gleich losziehen. Den wichtigsten isländischen Glaubenssatz kennen wir ja jetzt: Wird schon gut gehen!


    Die Autoren

    Susanne Braun, 1972 geboren, wuchs in Hamm auf. Seit ihrer Kindheit begeistert sie sich für Islandpferde und macht sich schon mit 18 Jahren zum ersten Mal auf, die Insel zu besuchen. Schließlich zieht sie 2005 als frischgebackene Fachtierärztin für Pferde auf die Nordatlantikinsel und arbeitet seitdem dort zusätzlich als Pferdechiropraktikerin und betreuende Equipe-Tierärztin des isländischen und deutschen Teams bei Weltmeisterschaften.


    Alexander Schwarz (*1964), geboren in Stuttgart, aufgewachsen in Pforzheim, Studium der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft, Mediävistik, Linguistik und Politikwissenschaften in Freiburg i. Brsg. und Utrecht, Niederlande. Arbeitete als Redakteur, gründete zusammen mit Sabine Burger, den Online-Reiseführer www.inreykjavik.is. Außerdem ist er als Literaturagent und Autor tätig und. Reist viel und gerne und lebt in Island und den Niederlanden.

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    Greg Howard: Ein Flüstern im Wind (ab 11 J.), OT: The Whispers, aus dem Englischen von Beate Schäfer, München 2020, dtv Verlagsgesellschaft, Reihe Hanser, ISBN 978-3-423-64072-5, Hardcover mit Schutzumschlag, 304 Seiten, Format: 14,1 x 2,5 x 21,6 cm, Buch: EUR 14,95 (D), EUR 15,40 (A), Kindle: EUR 12,99.


    „Wenn sie sämtliche Geheimnisse des Universums kennen, müssen sie auch wissen, wo Mama ist. Ich frage mich, ob es ein Frevel ist, meine Gebete statt an Gott an die Flüsterer zu richten. Eine Menge Leute haben wegen Mama zu Gott gebetet. (...) Aber anscheinend hat er furchtbar viel zu tun oder ist in Urlaub oder so, jedenfalls hat das Beten rein gar nichts geholfen.“ (Seite 46)


    Der elfjährige Riley James lebt in einem kleinen ländlichen Ort in South Carolina und hat mehr als nur ein Problem. Er ist Bettnässer. Er findet Jungs aufregender als Mädchen. Mit seinem Vater und seinem älteren Bruder Danny kommt er nicht klar. Und er vermisst seine Mutter Carolyn. Die ist vor vier Monaten spurlos verschwunden. Unbekannte Männer im weißen Auto haben sie am helllichten Tag entführt, und kein Mensch macht Anstalten, sie wiederzufinden!


    Frank Harvey, „der d ä m l i c h s t e Kripo-Beamte der Welt“ (Seite 17), der Riley wieder und wieder nach seinen Erinnerungen an jenen Tag befragt, ist offenbar nicht imstande, den Fall zu klären. Ihn, Riley, hat er in Verdacht! Ihren eigenen Sohn! Ist es zu fassen?


    Riley sucht seine vermisste Mutter

    Wenn Riley seine Mutter wiederfinden will, wird er sie wohl selber suchen müssen. Auf seine Familie kann er dabei nicht zählen. Sein Vater kann ihn nicht mal mehr ansehen, seit Mama verschwunden ist. Vielleicht, weil er ihr so ähnlich sieht. Sein Bruder hält ihn sowieso für b e k l o p p t, und seine Großeltern ertragen es nicht mal, wenn man den Namen ihrer Tochter erwähnt.


    Also zieht Riley mit seinem Hund Tucker alleine los. Sein Schulfreund Gary, der notgedrungen seinen kleinen Bruder Carl im Schlepptau hat, begleitet ihn. Angeblich wollen sie am Waldrand zelten. In Wahrheit wollen sie tief in den Wald hinein und die „Flüsterer“ befragen, blau schimmernde, elfengleiche Wesen, die den Menschen gegen eine angemessene Opfergabe ihre Herzenswünsche erfüllen. Das hat Carolyn, Rileys Mutter jedenfalls immer ihren Kindern erzählt.


    Eine phantasievolle Frau

    Carolyn ist offenbar eine sehr phantasievolle Frau, die tolle Geschichten erfindet, ihren Kindern selbst ausgedachte Lieder vorsingt und sich auch für kindliche Albernheiten nicht zu schade ist, wie zum Beispiel einen Maisfeld-Chor zu dirigieren:


    Schwul in bigotter Umgebung

    Und jetzt dieses tolle Frau verschwunden und drei Jungs plus Hund suchen sie nachts im Wald. Eher zufällig schließt sich ihnen der Nachbarssohn Dylan Mathews, 13 an, Rileys heimlicher Schwarm. Na ja, ganz so heimlich ist das wohl nicht mehr. Auch wenn Riley selbst seine Gefühle noch nicht so recht einordnen kann, die bigotte Dorftratschen, Schwester Grimes, hat es längst erkannt: Carolyns Jüngster ist nicht nur ein bisschen seltsam, er ist auch noch schwul! Und wenn Schwester Grimes das weiß, dann weiß es auch die gesamte Kirchengemeinde und der ganze Ort.



    Allein bei den Flüsterern

    Vor lauter Kummer merkt Riley gar nicht, wie gut es seine Kumpels mit ihm meinen. Keiner von ihnen glaubt an die Flüsterer, allen ist klar, dass er seine Mutter niemals finden wird, und dennoch begleiten sie ihn in den Wald - weil es ihm wichtig ist und weil sie ihm zur Seite stehen wollen.


    Trotzdem steht er aus verschiedenen Gründen am Schluss den Flüsterern allein gegenüber. Werden sie seine Opfergaben akzeptieren und ihn zu seiner Mama führen? Oder hat er ihnen nicht genügend zu bieten und muss, wie es in Carolyns Geschichte immer heißt, mit seiner Seele bezahlen? Das hat er eigentlich nicht vor.


    Als die Situation haarig wird, naht Hilfe von unerwarteter Seite. Und danach ist in Rileys Leben nichts mehr so, wie es war ...


    Es ist keine Märchenwelt

    Ich hatte keine Ahnung, was mich in diesem Buch erwartet. Die Inhaltsangabe klang nach Freundschaft, Abenteuer, Erwachsenwerden und einer Prise Magie und hat mich ein bisschen an den Film „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ erinnert. Es war dann ein bisschen von allem – und darüber hinaus noch die Story eines einsamen Jungen, der sich jetzt seiner sexuellen Präferenz bewusst ist. Wie seine frömmlerische Umgebung darüber denkt, weiß er allerdings auch.


    Was die Suche nach Rileys Mutter angeht: Da habe ich den Fehler gemacht, erst das ganze „Drumherum“ (Dank und Nachbemerkung) zu lesen, ehe ich mit dem eigentlichen Roman angefangen habe.


    Zum Lachen und zum Weinen

    EIN FLÜSTERN IM WIND ist ein Buch zum Lachen und zum Weinen. Und mir war wieder mal nicht bewusst, dass ich hier ein Kinderbuch lese. Es gefällt also auch Erwachsenen - vielleicht sogar besser als der angepeilten Zielgruppe. Ich glaub’, mit elf hätte mich Riley mit seinem naiven Kinderglauben an die Flüsterer maßlos aufgeregt. Wie kann er nur so einen Unsinn glauben, wo er doch andererseits so erwachsen wirkt? Dass er sich verzweifelt an diesen Glauben klammert, weil er darin die einzige Hoffnung sieht, seine Mutter wiederzufinden, hätte ich wahrscheinlich in diesem Alter noch nicht verstanden.


    Ich denke, das ist wieder eines der Bücher, die man als Erwachsener zuerst lesen sollte, ehe man es einem Kind gibt, das man gut kennt. So kann man am ehesten beurteilen, ob der/die junge Leser*in damit wohl etwas anfangen kann.


    Der Autor

    Greg Howard wuchs in Georgetown, South Carolina, in einer streng religiösen Familie auf. Er flüchtete sich in die Kunst: in die Musik, ins Schauspiel und ins Schreiben. Nachdem er sich in Nashville, Tennessee, niedergelassen hatte, konzentrierte er sich aufs Schreiben für Jugendliche und Kinder. Greg Howard lebt mit seinem Ehemann Steve in Nashville. www.greghowardauthor.com


    Die Übersetzerin

    Beate Schäfer studierte Germanistik, Geschichte und Amerikanistik. Sie arbeitete lange Zeit als Verlagslektorin. Inzwischen lebt sie als Übersetzerin, freie Lektorin und Schreibpädagogin in München.

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    Ina Brandt: Zaubereulen in Federland (1) Das Geheimnis von Athenaria (ab 8), Würzburg 2020, Arena Verlag, 978-3-401-60535-7, Hardcover mit goldfarbenem Foliendruck, 136 Seiten mit s/w-Illustrationen von Irene M o h r , Format: 14,4 x 2,3 x 21 cm, Buch: EUR 9,00 [D], EUR 9,30 [A], Kindle: EUR 6,99.


    „[Wir wissen, dass] alle Zauber, die die Ureule und die späteren Herrscherinnen geschaffen haben, eines Tages nachlassen können. Wie bei einem alten Haus, dessen Dach irgendwann undicht wird und repariert werden muss, Dafür braucht es eine starke Gruppe mit einem eigenen Reich in der Menschenwelt. Und das soll Federland heißen.“ (Seite 132)


    Als ich das Buch bekam, war mir nicht bewusst, dass das ein „Ableger“ einer bereits bestehenden, bislang 13-bändigen Buchreine namens EULENZAUBER ist. In dieses Universum muss man sich, wenn man so spät einsteigt, erst einmal einarbeiten.


    Zaubereulen und ihre Menschenfreunde

    Soweit ich verstanden habe, gibt es hier Zaubereulen, die die meiste Zeit ganz normal ihren tierischen Aktivitäten nachgehen. Doch wenn sie auf ihren menschlichen Partner, den Eulenfreund, treffen, können sie sich mit dessen Hilfe in magische Wesen verwandeln. Dann sind sie zwar immer noch Eulen, aber ihr Gefieder schimmert golden und sie sind in der Lage, sich mit Menschen zu verständigen. Und sie haben Zauberkräfte.


    Diese Zweierteams aus Eule und Mensch haben eine Aufgabe: Lebewesen zu helfen, die in Not sind. Für dieses Ehrenamt ausgewählt werden nur die, die sich vorher durch besonders mutige Taten ausgezeichnet haben. Wer das entscheidet? Die vier Herrscherinnen aus dem magischen Land Athenaria. Die habe ich zunächst für so eine Art griechische Göttinnen gehalten, bis ich begriffen habe, dass das ebenfalls Eulen sind.


    Das Zauberreich ist in Gefahr

    Jetzt ist Athenaria in Gefahr. Die dortigen Zauberkräfte schwächeln, und um sie zu reaktiveren, braucht’s ein ganzes Team von Zaubereulen und Eulenfreunden – und eine Art „Filiale“ von Athenaria, ein magisches Reich in der Menschenwelt, das Federland.


    Doch irgendwie scheinen die Herrscherinnen mit dieser Mammutaufgabe überfordert zu sein. Federland ist noch nicht ganz fertig, als sie schon wieder zurück nach Athenaria müssen. Ohne große Vorwarnung ergeht ein Auftrag an die Eulenfreundin Flora Faltin und ihre Zauber-Waldohreule Goldwing: Bis zum nächsten Vollmond – also in drei Nächten – haben sie Zeit, Federland „zum Leben zu erwecken“, was immer das bedeuten mag. Doch dazu müssen sie das magische Land erst einmal finden.



    Mal schnell die Welt retten

    Es ist ja schon dreist von den Herrscherinnen, von ein paar Kindern zu verlangen, sich Nacht für Nacht aus dem Haus zu schleichen und mal eben die Welt zu retten! Aber Flora und Jona nehmen ihren Auftrag ernst und tun wie geheißen. Wo sie mit der Suche nach Federland beginnen werden, darüber sind sie sich schnell einig: im ehemaligen Kloster außerhalb des Orts. Dort wimmelt es nur so von Eulen-Darstellungen und der Ort hat etwas Übernatürliches.


    Aber selbst, wenn sie vor den Toren Federlands stünden: Wie kämen sie hinein? Ein Passwort haben ihnen die Herrscherinnen nicht hinterlassen, ebenso wenig eine konkrete Handlungsanweisung. Wenn sie sich doch nur ungestört um die Sache kümmern könnten! Aber Flora und Jona müssen ja „nebenbei“ noch ihr ganz normales Menschenleben führen.


    Eine verhängnisvolle Idee

    Irgendwann hält der hibbelige Brillenkauz Klaro die ewige Warterei auf die Kinder nicht mehr aus. Er hat eine Idee, fliegt spontan zum Kloster und kehrt nicht mehr zurück. Alles Suchen ist vergebens. Unter den Eulen und ihren Freunden bricht Panik aus. Ohne Klaro ist die Mannschaft nicht vollständig und das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt. Wenn er nicht mehr auftaucht, sind Athenaria und seine Herrscherinnen dem Untergang geweiht.



    Mit Magie ist alles möglich

    Eine interessante magische Welt hat Ina Brandt da geschaffen, und Irene M o h r s detailreiche Illustrationen tragen zusätzlich dazu bei, sie für die Leser*innen lebendig werden zu lassen. Als Eulen-Fan gefällt mir das. Dass magisch begabte Teams Tieren und Menschen in Not helfen, ist ja auch ein schöner Gedanke. Und weil immer, wenn Zauberei im Spiel ist, alles möglich erscheint, ist die Geschichte auch nicht allzu vorhersehbar. Als Leser*in kann man nie voraussagen, welche Maßnahmen nun funktionieren und welche nicht, und so bleibt es spannend.


    Die Eulen scheinen mehr Persönlichkeit zu haben als die Menschen. Zumindest kann ich mir von Nordis und Klaro ein besseres Bild machen als von Flora und Jona. Was aber auch daran liegen mag, dass ich erst beim vierzehnten Band in die Story eingestiegen bin.


    Serie mit Suchtpotential

    Wenn man das Buch einem Kind gibt, das Tiere und magische Abenteuer liebt, muss man sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein: Wenn ihm das Buch gefällt, wird es alle vorangegangenen EULENZAUBER-Bände haben wollen. Und alle folgenden samt FEDERLAND-Ableger ebenfalls. Aber das Suchtpotential von Serien kennen wir Erwachsenen ja, nicht zuletzt vom Fernsehen. Das können wir den Kindern nicht zum Vorwurf machen und müssen im Zweifelsfall da durch. ;-)


    Die Autorin

    Ina Brandt arbeitete nach dem Germanistikstudium einige Jahre als Lektorin, bevor sie sich als Autorin selbstständig machte. Seitdem hat sie zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. Mit „Eulenzauber“ erfüllt sie sich einen lange gehegten Traum, den ihr ein kleiner Waldkauz in vielen Nächten aus dem Garten zugerufen hat. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in der Nähe von Stuttgart. http://www.eulenzauber-lesen.de


    Die Illustratorin

    Irene M o h r wurde in Hamburg geboren und hat dort an der Fachhochschule für Gestaltung Grafik-Design studiert. Seitdem arbeitet sie als Illustratorin und Grafikerin für verschiedene Kinderbuchverlage. In ihrem Atelier hat sie eine Malschule gegründet und dort viele Jahre Kurse für Kinder und Erwachsene gegeben. Wenn sie keine Bücher illustriert, ist sie am liebsten in der freien Natur – zwar ohne Eule, aber dafür gerne mit Pinsel und Staffelei.

    Falsche ISBN oder ASIN angegeben!

    Nika S. Daveron: Das Chaospferd und das bekloppte Fohlen, Band 2, (10 - 14 J.), Stuttgart 2020, Franckh-Kosmos Verlag, ISBN: 978-3-440-16914-8, Hardcover, 188 Seiten, mit 15 s/w-Illustrationen von Anna-Lena Kühler, Format: 15 x 2,2 x 21,6 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 8,99.


    „Ich fände es gar nicht so schlecht, Polizistin zu sein (...) bei der berittenen Polizei. Dann kann ich jeden Tag mit Zora zusammenarbeiten und werde fürs Reiten bezahlt. (...) Außerdem tue ich was Gutes, fange mit Zora schlechte Menschen. (Wie macht man das eigentlich von Pferd aus? Mit dem Lasso, wie im Wilden Westen?) (...) Falls Zora sich nur halb so benimmt, wie sie es bei Donnerschlag tut, dann mache ich mir überhaupt keine Gedanken darüber, dass die Verbrecher noch mal was verbrechen. Zora wird sie das Fürchten lehren.“ (Seite 67)


    Romi, die im Verlauf der Geschichte 13 wird, hat ihr erstes Tagebuch schon vollgeschrieben. Jetzt, zu Weihnachten, hat sie ein neues bekommen und wir sind wieder hautnah dabei, wenn’s um die Zickereien im Reitstall geht, um verständnislose Eltern, nervige Verwandte, gute Freunde und natürlich um Romis Stute Zora, das russische Warmblut.


    Als Herr Albrecht Zoras vierjährigen Sohn Donnerschlag vom Anreiten zurückholt, um ihn auf seinem Reiterhof weiter auszubilden, geht es dort verrückter zu denn je. Wenn man ein Chaospferd und dessen Nachwuchs auf dem Hof hat, ist das wohl nicht zu vermeiden.


    Stute Zora ist genervt von ihrem Sohn

    Donnerschlag macht seinem Namen alle Ehre. Er ist laut und ungebärdig. Zora ist mächtig genervt von ihm und tickt jedes Mal aus, wenn er aus der Rolle fällt. Ihn in eine weiter entfernte Box umzuquartieren, wo sie ihn nicht ständig hören und sehen muss, bringt ebenso wenig wie der teure Kurs bei Esoterik-Biggi. Dass sie für so einen Quatsch so viel Geld rausgeschmissen hat, bereut Romi noch nach Monaten. Wo sie doch ohnehin stets knapp bei Kasse ist, weil sie ihr Hobby zu einem guten Teil selbst finanzieren muss.


    Romis Vater wäre ja nicht so knauserig, aber ihre Mutter hört auf das ständige Gemecker von Tante Thea, die ihr permanent damit in den Ohren liegt, wie teuer und gefährlich das Reiten doch sei. Nun ja: Basispass, Springstunden, Reitstiefel und alles, was man so rund ums Pferd braucht, das geht schon ins Geld. Und dann verletzt sich Zora auch noch und es werden immer wieder Tierarztkosten fällig! Tante Thea stänkert, Mutter jammert und Romi macht sich Sorgen ... um ihr Pferd, ums Geld und darum, ob man ihr das Reiten am Ende noch verbieten wird.


    Probleme mit Menschen und Pferden

    Warum ist die Tante eigentlich so wild darauf, dass Romi nicht reiten darf? Das geht sie doch gar nichts an!



    Ein herrlich unperfektes Paar

    Wie wir schon in Band 1 gelernt haben, ist das Reiter*innenleben tatsächlich kein Ponyhof. Romi und Zora sind ein herrlich unperfektes Paar, und die Probleme, die sie haben, sind spannend, lustig und unterhaltsam erzählt.


    Die Heldin bleibt gelassen

    Romi lässt sich nichts vormachen. Mit billigen Ausreden und Scheinargumenten brauchen ihr die Erwachsenen gar nicht erst zu kommen. Das durchschaut sie sofort und hakt dann gnadenlos nach. Und provozieren lässt sie sich auch nicht, weder von dummem Geschwätz noch von den Kapriolen ihres Pferdes. Für sie ist jedes Problem zunächst mal bei seinem Verursacher angesiedelt. Mit ihr hat das nichts zu tun und deshalb trifft es sie auch nicht persönlich. Menschen? Sind halt manchmal blöd. Das Pferd? Ist eben eigensinnig.


    Für diese Gelassenheit liebe ich Romi. Ich könnte mir von ihr ohne Ende Alltagsgeschichten aus dem Stall erzählen lassen, auch wenn ich altersmäßig längst nicht mehr zur Zielgruppe gehöre.


    Auch in diesem Band hat die Schrift Handschriftencharakter, was ich nicht so rasend lesefreundlich finde. Es passt aber gut zu einem Tagebuch. Und ich habe den Eindruck, dass Band 2 noch mehr Illustrationen enthält als der erste. Einige zeigen tatsächlich das beschriebene Geschehen, mehrheitlich sind es aber Vignetten, die sich bis zu einem Dutzend Mal wiederholen.


    Die Sache mit den Zeichnungen

    Dass das Tagebuch eines Pferdemädchens mit Kritzeleien von Hufeisen, Herzchen und Pferdeköpfen verziert ist, ist nachvollziehbar. Pferdäpfel hat’s auch ... fast hundert Stück! :-D Aber dass die größeren Bildmotive wie das Pferd mit Sonnenbrille, das Mädchen mit Hut, das Klecksbild oder die Einlinienzeichung im Stil Osvaldo Cavandolis fünf- bis zehnmal auftauchen, ist doch sehr auffällig. Ich dachte spontan an Sparmaßnahmen und daran, dass man hier wohl das vorhandene Material gestreckt hat. Wenn das aber nur mich stört und die jungen Leserinnen nicht, ist das in Ordnung.


    Eine coole Freundin

    Ich kann mir noch viele weitere Romi-und-Zora-Abenteuer vorstellen. Sie könnte die jungen pferdebegeisterten Leserinnen gut beim Erwachsenwerden begleiten. Und so eine coole Freundin wie Romi kann jedes Mädchen gebrauchen.


    Die Autorin

    Nika S. Daveron entdeckte bereits als Kind die Liebe zum Schreiben und eiferte früh ihren Vorbildern nach, indem sie die Handlungen ihrer Lieblingsbücher weitererzählte. Mittlerweile veröffentlicht sie eigene Geschichten und baut darin Welten, deren Komplexität und Schönheit wiederum andere inspirieren. Geboren in Köln, lebt sie derzeit in Neuss und ist als Sales & Account Managerin tätig.


    Die Illustratorin

    Anna-Lena Kühler illustriert seit 2011 illustriere im schönen Eltville für kleine und große Menschen. Für Verlage und Agenturen bebildert sie Bücher, Magazine, Werbung, Verpackungen und diverse andere Projekte. www.annalenakuehler.de

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    Heike Abidi: Arthurs wildes Hundeleben (ab 8 Jahre), Ravensburg 2020, Hummelburg-Verlag, ISBN 978-3-7478-0020-1, Hardcover, 160 Seiten mit Illustrationen von Barbara Fisinger, Format: 14,3 x 1,8 x 21,5 cm, EUR 11,99.


    „Wie abgefahren ist das denn? Ich habe mir so sehr gewünscht, einen Hund zu bekommen – aber ganz bestimmt, nicht einer zu sein! Doch so verrückt es klingt: Genau das ist passiert.“ (Seite 58)


    Arthur Winter, zehneinhalb Jahre alt, wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Seine Eltern sind dagegen. In der Familie Winter hat keiner Ahnung von Hunden und Winters haben auch keinen Bock, sich nachher allein um das Tier kümmern zu müssen, wenn Arthur das Interesse daran verliert. Also bleibt unser Held weiterhin einer der wenigen in seinem Freundeskreis, der kein Haustier hat.


    Mischlingsrüde Lucky, vier Jahre alt und damit erwachsen, findet nichts ätzender als Menschenwelpen, also Kinder. Sie sind laut, wild und mindestens so lästig wie Flöhe.


    Arthur bekommt einen Urlaubshund

    Nun schlägt das Schicksal zu. Luckys Menschen, Manfred und Evelyn, verreisen für eine Woche und können ihn nicht mitnehmen. Eine Hundepension kommt aus guten Gründen nicht in Frage, und so landet Lucky mit Sack und Pack bei Manfreds hilfsbereitem Ex-Kollegen. Der ist niemand anderer als Arthurs Vater.


    „Juhu, ein Hund!“, denkt der Junge. „Sch**ße, ein Menschenwelpe!“, denkt der Hund. Und es kommt genau so, wie Lucky es befürchtet hat: Niemand im Hause Winter weiß, wie man mit ihm umgehen muss und der unberechenbare und ungestüme Menschenwelpe macht ihm Angst. Er mag es gut meinen, aber er ist ein Hundealbtraum auf zwei Beinen! Der einzige Lichtblick ist Arthurs Kumpel Karim. Wenigstens ein Zweibeiner mit Einfühlungsvermögen und Hundesachverstand! Schade, dass er nicht hier wohnt.


    Hund wird Kind und Kind wird Hund

    Nach einem wilden Spielnachmittag im Garten passiert es dann: Arthur und Lucky schlafen hundemüde ein – und wachen im Körper des jeweils anderen wieder auf. Das Kind ist ein Hund und der Hund ist ein Kind.



    Am liebsten würden die zwei diesen unseligen Körpertausch noch vor dem Frühstück rückgängig machen, aber weil sie nicht wissen, wie er zustande gekommen ist, haben sie auch keinen Schimmer, was sie tun müssen, um den Spuk zu beenden. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihrem neuen Körper irgendwie durchzumogeln, bis sich eine Lösung findet.


    Durchmogeln, bis eine Lösung kommt

    Auf die Idee, einen Zweibeiner einzuweihen und um Rat zu bitten, kommt Lucky nicht. Er wäre aber der einzige, der es könnte. Arthur kann nur bellen, wirklich verständlich machen kann er sich nicht. Also blamiert sich jetzt jeder, so gut er kann. Die Hunde halten Lucky für komplett durchgeknallt und die Menschen denken dasselbe von Arthur. Sie wissen ja nichts von dem Körpertausch.



    Wie macht man den Tausch rückgängig?

    So lustig das alles ist und so viel Arthur auf diese Weise über die Bedürfnisse von Hunden lernt – so kann es ja nicht bleiben! Irgendwie müssen Kind und Hund wieder in ihren eigenen Körper zurück. Denn man stelle sich vor: Am Ende der Woche kommen Manfred und Evelyn von ihrer Reise heim, holen ihren Hund ab – und Arthur und Lucky sehen sich womöglich nie wieder. Dann müssen sie für den Rest ihres Lebens in der falschen Gestalt leben! Das darf nicht passieren!



    Lachen und lernen

    Der erwachsene Leser kapiert natürlich gleich, dass Arthurs unfreiwillige „Hundwerdung“ pädagogische Gründe hat. Indem er am eigenen Leib erfährt, wie es ist, ein Hund zu sein, lernt er aus erster Pfote, wie er das Tier behandeln muss. Ob die jungen Leser*innen dieses Vorgehen als ein Unterjubeln von Wissen empfinden, kann ich nicht sagen. Selbst wenn: Es spricht nichts dagegen, sich über ulkige Missverständnisse zu amüsieren und gleichzeitig etwas Neues zu erfahren.


    Mädchen oder Junge: Wenn ich wüsste, dass ein Kind passenden Alters unbedingt einen Hund haben wollte, würde ich ihm ohne zu zögern dieses Buch in die Hand drücken.


    Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive, abwechselnd von Arthur und Lucky. Ungefähr alle fünf Seiten wechselt der Erzähler. Fehlinterpretationen und eine unterschiedliche Sicht auf die Dinge werden so schnell entlarvt. Der Junge glaubt, der Hund hat Spaß? Das Gegenteil ist der Fall! Lucky als Mensch meint, eine brenzlige Situation gut gemeistert zu haben? Chaos hat er angerichtet! Dieser ständige Perspektivwechsel führt aber nie zur Verwirrung der Leser*innen. 1. Steht jeweils oben drüber, wer gerade spricht und 2. sind Arthurs und Luckys Kapitel in verschiedenen Schriften gesetzt.


    Herrlich komische Illustrationen

    Barbara Fisingers witzige Illustrationen setzen Geschichte noch die Krone auf. Vor allem das Mienenspiel des Hundes spricht Bände! Ich gehöre zwar bei weitem nicht mehr zur Zielgruppe, aber ich habe mich tierisch amüsiert. Vor allem bei den Essens-Szenen und beim Gespräch mit dem Schulleiter.


    Die Autorin

    Heike Abidi, Jahrgang 1965, ist studierte Sprachwissenschaftlerin. Sie lebt mit Mann, Sohn und Hund in der Pfalz bei Kaiserslautern, wo sie als freiberufliche Werbetexterin und Autorin arbeitet. Heike Abidi schreibt vor allem Unterhaltungsromane, Kinder- und Jugendbücher sowie unterhaltende Sachbücher wie z.B. ICH DACHTE, ÄLTER WERDEN DAUERT LÄNGER (2018 SPIEGEL-ONLINE-Bestsellerliste). Mehr Infos über die Autorin: www.AbidiBooks.de


    Die Illustratorin

    Barbara Fisinger wurde 1980 in Slowenien geboren. Sie studierte Kunstpädagogik in Ljubljana und Zeichentrickfilm in Luxemburg. Seitdem illustriert sie Kinderbücher und arbeitet für Zeichentrickproduktionen mit. Seit 2007 lebt und arbeitet sie in Trier. Wenn sie nicht gerade malt oder mit ihrer Katze Flora spielt, erkundet sie mit ihrer Familie gern ferne Länder. Seit 2007 lebt sie in Trier.