Beiträge von Myosotis

Literaturschock & das Forum machen eine (Sommer)Pause! Deaktivierung der Seiten vom 01.07. bis mindestens 30.09.!

    Zoe steht kurz davor, ihre große Liebe Jamie zu heiraten.


    Dann jedoch kommt ein Anruf der ihre ganze Vergangenheit im Gepäck hat und sie flieht geradezu vor dem Traualtar, um ihrer Mutter, mit der sie jahrelang keinen Kontakt hatte, zu helfen.


    Auf einmal sieht Zoe sich mit ihrer Vergangenheit konfroniert und fühlt sich verpflichtet, ihrer Mutter beizustehen. Denn Gina ist anscheinend schwer krank und wird sich bald nicht mehr selbst um sich kümmern können.


    Während Zoe’s bisheriges Leben komplett umgekrempelt wird - ihr Fast-Ehemann geht alleine auf Flitterwochen Reise, sie kann sich nicht mehr richtig auf ihren Job konzentrieren, die Sorgen um ihre Mutter nehmen zu… - muss sie einen Weg finden, ein neues Leben aufzubauen.


    Gleich zu Anfang hat man das Gefühl, dass da noch irgendwas anderes ist, weswegen Zoe so bereitwillig den „schönsten Tag im Leben“ sausen lässt. Noch dazu, da sie selbst eine große Wut auf ihre Mutter zu haben scheint, wenn sie jahrelang schon keinen Kontakt mehr zu ihr hatte. Bis man jedoch dahinter kommt, was in der Vergangenheit alles passiert sein könnte, dauert es etwas.


    Die Geschichte ist, genau wie Katie Marsh’s vorheriger Roman, unterteilt. Einmal in Abschnitte in der Gegenwart. Hier erfährt man, wie es Zoe geht, wie sie mit ihrer Mutter umgeht, was mit ihrem Job, ihren Freunden und ihrem Fast-Ehemann passiert. Das reicht von den alltäglichen Problemen bis zu Gedanken, ob nicht doch noch eine Zukunft mit Jamie möglich sein könnte.


    Auf der anderen Seite lernen wir durch Geburtstagsbriefe, die Zoes Mutter Gina jedes Jahr für Zoe geschrieben hat, wie die Vergangenheit und die Mutter-Tochter-Beziehung so verlief. Alles schien sehr harmonisch und relativ geregelt und „normal“ zu verlaufen. Bis zu dem Tag, an dem die Kluft zwischen den beiden Frauen sich auftat…


    Manche der Entwicklungen und der Ereignisse waren relativ gut absehbar. Trotzdem war es interessant zu erfahren, wie unterschiedlich die Sichtweisen von Mutter und Tochter waren.


    In der Jetzt-Zeit hat mich besonders berührt, wie echt die Verzweiflung rüberkam. Wie man sich wohl fühlt, wenn ein geliebter Mensch an Alzheimer erkrankt. Auf der einen Seite möchte man sich um denjenigen kümmern, möchte, dass es ihm gut geht. Auf der anderen Seite ist sehr gut nachvollziehbar, was genau das für eine Belastung auch für die pflegenden Angehörigen ist und dass eben nicht jeder sich selbst um alles kümmern kann. Die Gewissenbisse, die Zerrissenheit, die Sorge um das was passiert. Das alles war gut spür- und nachvollziehbar.


    Die Geschichte drumherum kam mir an manchen Stellen etwas langatmig vor und gegen Ende des Buches hatte ich das Gefühl, dass es jetzt etwas abrupt wurde.


    Letzten Endes ist es aber der in meinen Augen gelungene Abschluss einer Geschichte, die mich, trotz einiger Längen, sehr berührt hat.


    4ratten

    Luce lebt in Neapel, im spanischen Viertel. Dort aufzuwachsen ist anscheinend eine Herausforderung. Dort aufzuwachsen und etwas aus sich zu machen, ist eher ungewohnt. Die Menschen, die hier groß werden, geraten oftmals auf die schiefe Bahn und auch die Camorra ist hier aktiv.
    Luce wiederum hat es irgendwie geschafft. Sie ist Anwältin und arbeitet bei Arminio Geronimo.
    Allerdings merkt man auch, dass Luce in ihrem Leben schon viel gesehen und erlebt hat. Da sie jedoch in Neapel aufgewachsen ist, weiß sie sich zu helfen und durchzuschlagen. Andererseits scheint sie nicht viel vom Leben zu erwarten und wirkt sehr unzufrieden. Allerdings sind da ja auch noch ihr Hund Alleria und ihr Nachbar Don Vittorio, die das Leben irgendwie erträglicher machen.
    Als Arminio Luce einen Job aufträgt, nämlich eine Frau aus ihrem Viertel zu überwachen, damit diese das Sorgerecht für ihren Sohn verliert, ahnt man schon die Hintergründe. Und richtig. Irgendwie kommt es, wie es kommen muss. Auf der anderen Seite aber auch ganz anders als erwartet….


    Anfangs hatte ich so meine Probleme, in das Buch hineinzufinden. Irgendwie hatte ich eine „leichtere Lektüre“ erwartet. Von dem Autor kannte ich bis dato noch nichts und somit wusste ich gar nicht, was mich erwarten könnte.
    Dieses Buch hier konnte ich auf keinen Fall „einfach mal so weglesen“. Es forderte Zeit ein und ging nur langsam voran. Nach den ersten hundert Seiten hatte ich das erste Mal das Gefühl, mich mit Luce angefreundet zu haben. Mit ihrer etwas spröden und sperrigen, aber doch liebenswerten Art. Geprägt durch das Umfeld und die Erlebnisse, mit denen sie aufgewachsen ist, präsentiert sich uns hier eine „Heldin“, die trotz allem das Herz auf dem rechten Fleck hat.


    Die Art des Autors zu schreiben fand ich schön, jedoch für mich eher etwas schwerer zu lesen.
    Irgendwie waren hier ziemlich viele schöne Sätze und Weisheiten sehr gut innerhalb einer Geschichte verpackt. Ich denke, dass dieses Buch noch etwas nachwirken muss, denn an manchen Stellen hat es schon zum überlegen und reflektieren des eigenen Handelns angeregt.


    Erwartet hatte ich, ehrlich gesagt, eine einfachere Geschichte und wurde überrascht mit Rückblenden aus Luces Leben und Weisheiten des Nachbarn.
    Die Handlung um Carmen, die Frau die sie überwachen soll und Kevin, deren Sohn, hatte ebenfalls nicht so viel Raum eingenommen, wie gedacht.
    Nachdem ich mich jedoch einmal darauf eingelassen hatte, hat mir die Geschichte gut gefallen und ich habe mich ein kleines bisschen dazugehörig zu dieser besonderen „Familie“ gefühlt.
    Auch das Ende der Geschichte fand ich stimmig.


    Alles in allem war es ein durchaus schlüssiger Roman, in dem viele schöne positive Eigenschaften, das Gute, die Liebe und die Hoffnung… hervorstechen, denn es handelt von besonderen Menschen und ihren Geschichten.


    4ratten