Beiträge von Moreland

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Die neue Wochenfrage dreht sich um Bücherforen!


    Wie sehr wird euer Leseverhalten von Bücherforen beeinflusst? Seid ihr in mehreren Foren aktiv? Verbringt ihr regelmässig und viel Zeit in Foren? Was muss ein Forum haben, in dem ihr euch gerne aufhaltet und aktiv seid?

    Mein erstes Forum war das meines Lieblingsfußballvereins, in dem ich mich vor zehn Jahren registriert habe. Ich hatte gar keine Ahnung, was es es sonst an Foren im WWW gab/gibt, sonst wäre ich schon länger einem Literaturforum beigetreten. Vor gut drei Jahren habe ich dann einfach mal gegoogelt, bin dem ersten Treffer gefolgt und habe mich sofort angemeldet.


    Gewiss wurde und wird mein Leseverhalten vom Forenleben beeinflusst. So habe ich z. B. zwei Bücher auf meinem Nachttisch liegen, die mir von Userinnen aus besagtem Forum geschenkt wurden.

    Der Einfluss ist aber eher so, dass ich durch Literaturforen auf Bücher gekommen bin, die ich zwar nicht kannte oder auf dem Schirm hatte, die aber durchaus in mein bisheriges Leseraster passen.


    In Foren verbringe ich schon viel Zeit, eigentlich etwas zu viel Zeit, um ehrlich zu sein. Bin auch noch in einem Filmforum unterwegs, in dem aber leider nicht sehr viel los ist. Und das ist für mich auch ein wichtiger Punkt für das Gefallen an einem Forum: Ein Forum lebt von der Aktivität seiner Mitglieder, und das Gute ist, dass man selbst viel dazu beisteuern kann, ein Forum lebendig und interessant und eben am Leben zu halten. Wobei ich offen gesagt schon ein bisschen auf Widerhall hoffe, wenn ich Beiträge verfasse und schon das eine oder andere Mal ein bisschen gelitten habe, wenn dieser ausblieb. Daher versuche ich, wenn auch sicher nicht oft genug, selbst eine Art von Rückkopplung zu geben, wenn mich ein Beitrag/Thema anspricht.

    Was für mich noch wichtig ist in einem Forum, sind Gleichgesinnte, ob im literarischen Sinne oder hinsichtlich der Lebenseinstellung generell. Ich bin nicht so der kontroverse Typ. ;)

    Zum Inhalt wurde bereits einiges gesagt. Der Roman handelt von Winston Churchill und Charlie Chaplin, die sich eines Tages kennenlernen und bei allen Unterschieden eine Gemeinsamkeit entdecken: Beide leiden an Depressionen, die Churchill den "großen schwarzen Hund" nennt.

    Man schließt feierlich einen Pakt:

    Zitat


    "Wir wollen einander versprechen, dass, wenn immer einer Hilfe benötigt, der andere, wo immer auf der Welt er ist, alles liegen und stehen lässt und kommt!" (S. 54)

    Neben den großen schwarzen Hund gibt es noch einen weiteren gemeinsamen Feind, an den sich beide abarbeiten: Adolf Hitler. Chaplin zieht ihn mit seinem Film "Der große Diktator" durch den Kakao. Churchill wird gegen ihn als englischer Premierminister Krieg führen.


    Nachdem ich offen gestanden auch etwas auf den (schwarzen) Hund gekommen war, bin ich auf dieses Buch gestoßen. Was mich anfänglich total fasziniert hat, ist die Verschränkung der Ebenen Fiktion und Geschichte. Das Buch liest sich eher wie eine Biografie als ein Roman. Aber ohne dass ich die geschichtlichen Hintergründe kenne, hat man doch den Eindruck, dass der Autor auch einiges an Imagination und erdachtem Personal in das Buch hineinschmuggelt, ohne dass man - mangels Überprüfung - immer wüsste, wo die Grenzlinien zwischen Dichtung und Wahrheit verlaufen. Dieses Spiel mit Fakt und Fiktion finde ich ziemlich brillant und außerdem sehr inspirierend.


    Etwas schwierig fand ich im weiteren Verlauf allerdings, dass durch die zwei Protagonisten sehr viel Zeitgeschichtliches in das Buch Eingang gefunden hat: Politik, Hollywood, Chaplins Scheidung, Churchills Familie samt Kindern und Vorfahren, dazu der private Hintergrund des Erzählers, dessen Vater auch Berührungspunkte mit C & C aufweist. Das war mir mitunter etwas zu viel, und ich hatte das Gefühl, dass der Roman durch die Last dieser vielen disparaten Versatzstücke mitunter etwas inkohärent wirkt. Hie und da ging die Fabulierlust des Autors, auch wenn sie insgesamt sehr gefällig ist, mir auch etwas zu weit.


    Dennoch fand ich die Lektüre sehr kurzweilig und die Idee hinter dem Buch sehr gut.

    Doris

    Bei mir wurde eigentlich auch so ein negativer Grundstein in der Schule gelegt: "Nathan der Weise" in der 9. Klasse. Gestern oder vorgestern wurden an dieser Stelle ja die gelben Reclams erwähnt. Die wurden für mich damals zum Symbol für etwas Schweres, Langweiliges.


    Die Wende kam bei mir durch den zweiten Bildungsweg und speziell einen Mitschüler, der sehr belesen und eloquent war. Was mir sehr imponiert hat. Ich wollte auch so werden wie der und fing mit dem Lesen an. Na ja, dann kam besagtes Kafka-Erlebnis hinzu, und irgendwann brachten auch die Reclams meine Augen zum Leuchten. ;)


    In dieser Woche sind die Klassiker Trumpf!

    Welche Klassiker wolltet ihr schon immer mal lesen, habt es noch nicht geschafft und weshalb nicht ?

    Oder habt ihr endlich einen Klassiker, den ihr schon lange vor euch hingeschoben habt, endlich "geknackt"?

    Die aktuelle Frage finde ich sehr schön, denn ich mag "Klassiker" (wozu ich auch die "Modernen" zähle).


    Es gibt einige Klassiker, die ich noch lesen wollte, aber noch nicht dazu gekommen bin. Einen besonderen Grund gibt es dafür nicht, es haben sich eben immer andere Bücher vorgedrängelt. ;)


    Mein erstes Erlebnis mit einem Klassiker, den ich aus freien Stücken gelesen habe, war sehr schön. Es war Franz Kafka, vor fast genau zwanzig Jahren.

    Ich hatte hie und da immer mal vernommen: "Oh Kafka, ganz schwerer Autor". Das hat mich abgeschreckt und gleichzeitig angezogen. Ich wollte wissen, was "schwieriger Autor" bedeutet. Etwas Ehrgeiz war auch mit dabei. Und falls ich mir auch die Zähne an ihm ausbeißen sollte, so wäre es nicht schlimm oder peinlich, da es vielen anderen anscheinend auch so erging.


    In der Wohltatschen Buchhandlung war eine Billigausgabe mit Werken Kafkas auf dem Grabbeltisch. Ich nahm das Buch, schlug wahllos eine Seite auf und las irgendeinen Satz. Er gefiel mir, ohne dass ich hätte genau angeben können, was der Autor damit meine.

    Ich kaufte den Band und fing zuhause an, "Das Schloss" zu lesen. Und da passierte Großartiges. Statt des erwarteten Frusterlebnisses wurde ich in die Handlung hineingesogen. Auch wenn ich mal einen Satz rätselhaft fand, konnte ich mich genau in den Protagonisten K. hineinversatzen. Die Stimmung fühlte sich vertraut an. Kafka war genau der Autor, den ich immer gesucht hatte. Ich las seine anderen Erzählungen, Biografien über ihn, dann seine Briefe und Tagebücher, alles mit einer nie nachlassenden Faszination.


    Der schöne Nebenaspekt an dieser Lese-Erfahrung mit einem "Klassiker" war, dass sie meine Schwellenangst vor anderen "Klassikern" gesenkt hat. Auch wenn ich selbstverständlich vor anderen Autoren auch mal kapitulieren oder einsehen musste, dass sie mir nicht so zusagen.

    Die Tagebücher von Sylvia Plath

    Da bin ich auf deine Meinung gespannt. Mich haben die Tagebücher damals sehr beeindruckt.

    Würde mich auch interessieren. :thumbup:

    Meine Plath-Phase liegt zwar schon Jahre zurück und ich glaube, dass sie mir (als Lyrikerin) nicht mehr so gefällt. Aber ihr leider sehr kurzes Leben übt noch Faszinationskraft aus, und die Tagebücher habe ich nicht gelesen.

    Moment mal... bezieht sich das dreistellig auf die Anzahl der Bücher oder der Regale? :entsetzt: :breitgrins:

    ;) Also, es sind 9 Billy-Regale und 2 Vitrinen. Kann sein, dass die Zahl der Bücher 4stellig ist. Wer weiß das schon so genau...

    Ahh, okay. :)


    Bei mir dürfte sich der SUB auch im hohen dreistelligen, vielleicht auch vierstelligen Bereich liegen.

    Einerseits sind volle Bücherregale ein schöner Anblick, Reserven von feinstem Lesefutter eine schöne Sache. Andererseits macht mich die Vorstellung, dass ich viele meiner Bücher nicht mehr werde lesen können, weil realistisch betrachtet die Lebenszeit einfach nicht mehr ausreicht, ehrlich gesagt aber auch etwas traurig.

    Welche Bücher habt Ihr in der Vergangenheit heimlich gelesen- weil Ihr es nicht durftet, oder weil es Euch peinlich war?

    Als pubertierender Mensch entdeckte ich im mütterlichen Bücherregal einen Band mit erotischen Kurzgeschichten. Autor und Titel sind mir entfallen, ich glaube, es war etwas Französisches. Der Erzähler war ein Arzt oder Sexualtherapeut, der von seinen "Fällen" berichtete. Literarisch nicht besonders anspruchsvoll...


    Alice

    Warum ist der Puzo verworfen?

    Zum Thema Comics: da hatte ich als Kind auch eine große Schwäche, insbesondere die Disney-Sachen. Aber, einmal im Monat ein Lustiges Taschenbuch, alle zwei Wochen die Donald-Duck-Bände und alle 7 Tage die Mickey-Maus-Hefte: soviel Taschengeld hatte ich nicht, um das alles kaufen zu können.


    Meine Mutter hatte gegen meinen Comic-Konsum im Prinzip nichts einzuwenden (jedenfalls meiner Erinnerung nach). Nur was sie gar nicht leiden konnte, waren die WERNER-Comics mit ihrer doch recht anarchischen Orthografie, die mein älterer Bruder und ich verschlangen. Meine Mutter hatte die Sorge, dass wir uns in Deutsch dramatisch verschlechtern würden, wenn wir uns diesen norddeutschen Slang weiter hineinziehen würden und drohte mit Verbot. Doch zum Glück konnten mein Bruder und ich uns durchsetzen. Ächt goil! :breitgrins:

    Vorab, das finde ich eine schöne Idee für einen neuen Thread!

    Darf man fragen, aus welchem Forum du inspiriert wurdest, oder wäre das Schleichwerbung? :S (In dem Fall würde ich die Frage freilich zurückziehen.)

    Dienstag 15.5.2018:


    Wie stark hat das Elternhaus euer heutiges Leseverhalten beeinflusst/ gefördert? Kommt ihr aus einem Elternhaus, in dem viel gelesen wurde...oder eher nicht ?

    Bei mir ist das Lesen eindeutig von der mütterlichen Seite auf mich gekommen. Meine Mutter hat mir als Kind ganz klassisch am Bett vor dem Einschlafen vorgelesen, Sachen wie "Die kleine Raupe Nimmersatt" oder die Märchen der Gebrüder Grimm. Meine Mutter ist auch außer mir die einzige in der Familie, die regelmäßig liest. Allerdings sind unsere Geschmäcker verschieden. Ich habe auch eigentlich erst spät zum Lesen wiedergefunden, mit 18 Jahren war das.


    Was ich seitdem gelesen habe - über C. Bukowski und Krimis zur "Kanon-Literatur" - ist eher durch Mitschüler/Schule/Uni/Feuilleton denn durch das Elternhaus beeinflusst worden.

    Mal in diesem, mal in jenem Buch. Zur Zeit:


    Brigitte Reimann - Franziska Linkerhand

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    Ambrose Bierce - Aus dem Wörterbuch des Teufels

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    Erich Kästner - Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links

    Zitat

    Autos schossen aus schmalen, tiefen Straßen in die Seichtigkeit heller Plätze. Fußgängerdunkelheit bildete wolkige Schnüre. Wo kräftigere Striche der Geschwindigkeit quer durch ihre lockere Eile fuhren, verdickten sie sich, rieselten nachher rascher und hatten nach wenigen Schwingungen wieder ihren gleichmäßigen Puls. Hunderte Töne waren zu einem drahtigen Geräusch ineinander verwunden, aus dem einzelne Spitzen vorstanden, längs dessen schneidige Kanten liefen und sich wieder einebneten, von dem klare Töne absplitterten und verflogen.

    http://gutenberg.spiegel.de/bu…haften-erstes-buch-7588/2


    Metaphern sollen ja eigentlich Dinge konkreter, fasslicher, sinnlicher darstellen. Aber bei dieser Straßenszene am Anfang von Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" habe ich etwas Probleme. Also ich meine ungefähr zu verstehen, was er meint, allerdings ganz sicher bin ich mir nicht. Es gibt auch meiner Erinnerung nach eine Stelle, wo er ein Gesicht mit einem gestärkten Hemd vergleicht.