Beiträge von Firiath

Leserunde mit Judith & Christian Vogt ab 11.10.2019: Wasteland [Postapokalyptische Utopie]
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    ... auch ich war ja phasenweise verschwunden, hab aber natürlich dennoch gelesen und vor ein paar Tagen geschaut ob ich die Liste gefüllt bekomme. Gerade eben hab ich das letzte Buch nachgetragen, das noch reinpasst und das ich noch geschafft habe. Damit bin ich auf 29 von 31 gekommen. Mehr werden es bis morgen nicht mehr ....


    Gescheitert bin ich an: :horac:

    Nr. 1: Lies ein Buch, das in deinem Geburtsmonat erschienen ist.Nr.15: Lies ein Buch, bei dem der erste Buchstabe des Titels identisch mit dem letzten Buchstaben des Vornamen des Autors ist.

    >>>> evtl. (Diese gottverdammten Träume - Richard Russo)

    Ein Buch das in meinem Geburtsmonat erschienen ist, hab ich einfach nicht gefunden bzw. ist mir nicht untergekommen, meist steht ja kein Monat dabei. Für Nr. 15 hätt ich sogar das richtige Buch schon lang hier rumstehen gehabt, aber... ich habs nicht gelesen.


    Spaß gemacht hat mir die Liste trotzdem und Gratulation an alle die es einmal oder sogar mehrmals geschafft haben ! :anbet:

    Im Rahmen des diesjährigen SLW hab ich nun endlich "Sputnik Sweethart" aus seinem Schlummer in meinem Regal befreit.

    Der eher kurze Roman hat im Grunde alles was ich bei Murakami mag, die unaufgeregte und dennoch sehr flüssige, lebendige Erzählart, die leicht philosophische, immer etwas melancholische Nachdenklichkeit, das unvermittelte Abdriften ins Irreale; dennoch hat es mich diesmal nicht so gepackt, wie ich das von anderen Romanen des Autors kenne. Alles blieb ein bisschen entfernt und vage, die Motive der Akteure bleiben unklar oder schwer nachzuvollziehen. Jeder liebt auf die ein oder andere Art, aber wirklich als Liebesroman, wie der Klappentext oder andere werbewirksame Ankündigungen andeuten ist es für mich eher nicht.


    Ein Zitat aus dem Buch:

    "Warum müssen die Menschen so einsam sein? Wozu soll das gut sein? Stets sind wir auf der Suche nach der Nähe der anderen, und dennoch sind wir so allein. Wozu? "


    Wenn der Autor die Einsamkeit der aneinander vorbei und einander umkreisenden Protagonisten vermitteln wollte, so ist ihm dies auf jeden Fall gelungen, allerdings blieb ich diesmal auch als Leserin gewissermaßen einsam und nur aus Entfernung beobachtend, so als streifte man die Wege von Sumire, Miu und des (sehr Murakai-typischen) Erzählers nur gelegentlich. Überhaupt ist Einsamkeit, in der Art des "Alleinseins" zwischen all den Menschen, das zentrale Thema des Romans, wie auch später in einer anderen, kleineren Nebengeschichte noch einmal klar wird.

    Alles in allem hab ich den "Sputnik" ganz gern gelesen, er hat mich aber nicht so gefesselt wie manch andere Bücher des Autors.


    3ratten+:marypipeshalbeprivatmaus:

    Ich hab dieses Wochenende sowohl die drei bereits vor längerem gelesenen Geschichten nochmals und anschließend gleich noch alle anderen gelesen. Jede für sich hatte etwas ganz Eigenes, Anderes und schaffte es, trotz der Kürze, eine dichte Atmosphäre, sehr lebendige Bilder und Spannung zu entwickeln. Ich bin begeistert von den überraschenden Ideen, der frischen, direkten Sprache und besonders von den ungewöhnlichen Blickwinkeln, den Brüchen in der Realität, dem Moment wenn den Protagonisten ihre Welt, ihre bisherige Realität buchstäblich unter den Füßen weggezogen wird. Genau diesen Punkt versteht die Autorin besonders gut zu vermitteln und dies ist vielleicht die große Klammer um die Geschichten in dieser Sammlung.


    Bei "Daisy" könnte ich mir sehr gut eine Fortsetzung vorstellen, diese Geschichte hat sich für mich fast wie das erste Kapitel eines Romans gelesen. Die anderen Geschichten kann ich für mich gut so "stehen" lassen, was nicht heißt daß ich nicht gerne lesen würde wie es mit Yi-Anor weitergeht oder was Isa und Kate weiter miteinander erleben und ob die Primärintelligenz in "Erstkontakt mit Violine" nicht doch auch noch etwas lernen wird.

    Besonders berührt und zum Nachdenken gebracht hat mich das wirklich wunderbare "Im Regen" und "Der Todesengel". "Hinter dem Spiegel" hat mich die Panik des Protagonisten wirklich spüren lassen und "Die lieben Nachbarn" führten zu leichtem Grusel und Schmunzeln zugleich.


    Ich hab oben gelesen daß es einen zweiten Kurzgeschichtenband geben wird - ich freu mich drauf und empfehle diese Kurzgeschichten jedem der einen Sinn für andere Welten und Phantastik hat.


    5ratten

    Die Nebelkrähe

    von Alexander Pechmann


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links



    Steidl Verlag 2019

    173 Seiten


    Klappentext:

    London im Juni 1923. Peter Vane kann nicht mehr schlafen. Eine unbekannte Stimme raunt ihm immer wieder ein einziges Wort zu: Lily. Doch der junge Kriegsveteran und Mathematikstudent kennt niemanden mit diesem Namen. Nur das Foto eines kleinen Mädchens, das ihm sein verletzter Kamerad Finley im Schützengraben zugesteckt hat, scheint auf merkwürdige Weise mit Lily in Verbindung zu stehen. Finley ist verschollen und um ihn aufzuspüren, sucht Peter trotz aller Zweifel Hilfe bei der berühmten Spiritistin Hester Dowden, die behauptet, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Doch als Peter an einer Séance teilnimmt, spürt er eine ganz andere unheimliche Präsenz: Oscar Wilde, der doch eigentlich seit 23 Jahren tot ist, diktiert ihm seine Gedanken. In der festen Hoffnung, dass alles rational erklärbar sei, versucht Peter mithilfe der exzentrischen Dolly, das Rätsel um Lilys Foto zu lösen, Mrs. Dowden als Betrügerin zu entlarven und seine eigenen Dämonen zu besiegen. Doch je tiefer er in das Geheimnis eindringt, desto deutlicher wird, dass der Schlüssel dazu in seiner eigenen Vergangenheit verborgen liegt.

    Eine detektivische Spurensuche und eine spannende Reise ins unbekannte London der 1920er Jahre, zu irischen Geistersehern, verschrobenen Büchernarren und Opium rauchenden Prinzessinnen.


    ***


    Gerne bin ich dem Mathematiker Peter Vane bei seiner Suche nach seinem Kriegskameraden Finley durch das London der 20'er Jahre gefolgt. Mich erinnerte der Roman auch vom Stil und Aufbau her an Romane dieser Zeit, die Geschichte wird ruhig, gemächlich, fast nüchtern erzählt und ausschließlich aus der Perspektive von Peter erzählt, dessen mathematisch analytischer Verstand Mühe hat seine rational nicht erklärbare Wahrnehmungen und sein Kriegstrauma mit der Wirklichkeit, seiner Vergangenheit und seiner aktuellen Situation in Einklang zu bringen.

    Es gibt viele Hinweise zu Autoren des beginnenden 20. Jahrhunderts, einzelne treten in der Geschichte auch auf, allen voran Oskar Wilde, der eine ganz eigene Rolle in diesem leicht mysteriösen Rätselroman einnimmt und über dessen Leben man ganz nebenbei einiges erfährt.

    Die Stimmung dieser Zeit wurden während des Lesens sehr lebendig, die handelnden Personen blieben mir leider etwas fern, am lebendigsten wird seltsamerweise der vermisste Finley, den man nur über die Erinnerungen von Peter kennenlernt.

    Dennoch, ein atmosphärisch dichtes, nostalgisches Lesevergnügen, vollgepackt mit akribisch recherchierten historischen Details, das einen weiten Bogen von Geisterbeschwörungen und Seancen in eleganten Londoner Salons über dunkle Opiumhöhlen und den Vergnügungen der goldenen 20er Jahre bis in die damalige britische Kolonie Burma spannt, außerdem eine Hommage an die großen Autoren dieser Zeit, wie Arthur Conan Doyle, Algernon Blackwood und viele andere.


    Im Anhang erläutert der Autor noch genauer welche Ereignisse in seinem Roman historisch belegt sind.

    Nebenbei: Ich könnte mir die Geschichte sehr gut als Kinofilm vorstellen.


    Zitat: "Vielleicht sind Geister nur die Schatten der Dinge, die wir am meisten lieben oder am meisten fürchten."


    4ratten

    Auch in diesem ersten Mankell-Roman erkennt man, obwohl von der Struktur und dem Aufbau her völlig anders als seine späteren Romane, das enorme erzählerische Talent des Autors. Der Schwerpunkt liegt einerseits in den Erinnerungen eines individuellen Arbeiterlebens in Schweden und damit einhergehend einer Zusammenfassung der Geschichte, insbesondere mit Blick auf Gewerkschaften, Arbeitserbewegung und sozialen Veränderungen im letzten Jahrhundert. Es wird nichts beschönigt, aber auch nichts überdramatisiert, Oskar erzählt wie es sich eben zugetragen hat, seine Gefühle dazu muß man eher zwischen den Zeilen lesen.

    Meist blieb ihm auch nichts anderes übrig, er mußte die Dinge nehmen wie sie eben kamen und dann weitermachen. Aber er überdachte doch auch immer aufmerksam und bisweilen kritisch was geschah und hinterfragte seine eigene Einstellung dazu, hinterfragte immer wieder ob die Ideale von gestern auch noch seine Überzeugungen von heute sind und fragte sich was aus all den Versprechungen geworden ist denen er einmal geglaubt hat.


    Gelungen fand ich auch den Wechsel zwischen den Recherchen des "Ich"-Erzählers und den direkten Erinnerungen von Oskar, dadurch entsteht trotz der Kürze des Romans ein rundes stimmungsvolles Gesamtbild.


    Absolut empfehlenswert! (vor allem auch für Leser die sich für Skandinavien interessieren)


    4ratten

    Ich hab das Buch vor ein paar Tage zu Ende gelesen und nachdem ich TheNightingale 's Rezi gelesen habe, bleibt mir eigentlich nur mich vollinhaltlich anzuschließen. So wie mir schon die beiden vorangegangenen Bände sehr mochte, hat mich auch der 3. Teil für sich eingenommen.

    Es ist auf jeden Fall ein Buch für Leute die sich gerne in Situationen udn Lebensentwürfe hineindenken und die gern ihren gedanklichen Horizont etwas erweitern möchten und althergebrachte Rituale und Gewohnheiten gern auch mal hinterfragen. Wer dagegen Action, Raumschlachten und technische oder wissenschaftliche Exkurse sucht liegt mit dem Buch falsch, was aber nicht heißt das es auf eine ruhige Art nicht trotzdem Spannung aufbaut.



    Auch von mir 5ratten und ein :tipp:, aber ich denk mal alle die Teil 1 und Teil 2 mochten werden dieses Buch früher oder später sowieso lesen und für alle anderen würde ich doch empfehlen zuerst die vorangegangenen Bände zu lesen, auch wenn das für das Verständnis der Handlung in diesem Buch gar nicht zwingend erforderlich ist.




    TheNightingale

    Würdest Du bitte den Titel der Threads um den deutschen Buchtitel ergänzen bitte? Nachem diese Version ja inzwischen auf dem Markt ist, wär das für die Suche ganz hilfreich.

    "Caretaker" passt gut für Eyas, im deutschen haben sie es "Hüter" genannt, passte aber so wie es beschreiben wurde auch gut.


    Außerdem:

    Dann wünsch ich Dir viel Spaß! Die Bücher hab ich wirklich geliebt, zumindest die ersten 4 oder 5, die letzen wurden dann ein bisschen schwächer, waren aber immer noch gut. Irgendwann muß ich mir da mal einen Re-Read gönnen.

    Das klingt nach nicht viel und objektiv ist es auch nicht viel, was der Autor da erzählt, aber gefallen hat es mir trotzdem.

    Ja und andererseits doch auch erstaunlich und bemerkenswert wieviel Historie und Geschichten doch in dieses eigentlich eher schlanke Büchlein gepackt ist. Man bekommt einen Einblick in sehr verschiedene Zeiten, Lebensentwürfe und Lebensräume, vom einfachen Dorf bis an den "Hof" von Versailles. Die kleine Rahmenhandlung mit dem im Schnee stecken gebliebenen Ehepaar gab der Geschichte einen Anker und Bezugspunkt und öfter auch Anlaß zum Schmunzeln, gleichzeitig berreicherte sie die Geschichte nochmal mit einem extra Spannungsbogen, denn ganz so ohne ist es ja auch nicht im Hochgebirge bei Wintereinbruch eine Nacht durchhalten zu müssen.


    Obwohl ich die Geschichte gerne gelesen habe, die Zielstrebigkeit, Geduld und Klarheit mit der Jakob und Marie ihr Ziel, gegen alle Widrigkeiten, zusammen zu kommen bewundert habe, hat mich ihre Geschichte aber trotzdem immer ein bisschen auf Distanz gehalten. Seltsamerweise wirkte auf mich das Zusammentreffen der exzentrischen Elisabeth mit Jakob lebendiger, sehr schön auch die Freundschaft zwischen Jakob und dem Sänger. Sie alle lebten ja in einer Zeit des Umbruchs und des Chaos in einer Art Paralleluniversum, einem Puppenhaus nach den Vorstellungen der Königstochter. Auch das nochmal eine eigene Geschichte in der Geschichte.


    Mir hat Alexander Capus Geschichte über die Königskinder, der Titel ist hier ja mehrdeutig, gut gefallen und ich vergebe auch


    4ratten

    Kurzbeschreibung:

    Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Fransico eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht und bald ist ihm klar, dass dies keine gewöhnliche Buchhandlung ist und hier irgendetwas nicht stimmt. Zusammen mit seinen Freunden macht er sich daran, das Geheimnis um Mr. Penumbra und seine Bücher zu lüften.


    ***


    Obwohl das Buch schon vor ein paar Jährchen veröffentlicht wurde, hab ich es völlig frei von „Vorwissen“ gelesen. Gekauft hab ich es vor längerer Zeit, weil mich ganz klassisch der Titel, Cover und Klappentext angesprochen haben. (Nebenbei, das Cover mit dem kleinen Mac zwischen den Büchern, passt sehr gut) . Von Anfang an hat mir der lakonisch leichte, aber von genauer Beobachtungsgabe und Blick für Details und Widersprüche geprägte Ton des fiktiven Erzählers Clay gut gefallen. Der Erzählstil ist anschaulich und leicht zugänglich, die Buchhandlung, spätere Schauplätze und viele der handelnden Personen hatte ich detailliert gezeichnet im Kopf. Und ganz klar, so eine Buchhandlung zu entdecken ist der Traum eines jeden Buchliebhabers. Die Story um die mysteriösen Bände in Mr. Penumbras Regalwänden ist spannend, der Auflösung gleicht einer Art Schnitzeljagd und führt Clay an überraschende Orte.


    Vieles wird in dem Buch parodiert: die "Alles ist möglich"-Mentalität im IT-Business, die Rollenspielwelt, der Fantasy-Buchmarkt, moderne Kunst und Marketingstrategien, verbissene Technologiegegner - und befürworter, verschiedenste Trends und Zeitgeist der letzten ca 30, 40 Jahre. Man überlegt ständig was die Vorbilder für diese oder jene Idee gewesen sein könnte.

    Für mich ist aber bei all dem bunten Durcheinander eine der Grundaussage des Buches: Jeder lebt in seiner Wirklichkeit, in seiner Realitätsblase, so seltsam oder schräg sie für einen anderen erscheinen mag, es hat schon seine Daseinsberechtigung, aber es ist kein Schaden über die eigene kleine Wirklichkeit hinaus auch mal in die des anderen zu schaun, könnte ja was durchaus Interessantes dabei sein.


    Ich hab mich amüsiert über die vielen direkten und indirekten Anspielungen auf Filme, Spiele, Firmen, Trends und Bücher. Es ist schon eine wilde Mischung die Robin Sloan einem da auftischt, aber bei mir hat sie funktioniert, die Grundstimmung des Buches ist fröhlich und lebensbejahend, ohne dabei unkritisch zu sein.


    Vielleicht geht Clay die eigentliche Rätsellösung doch etwas sehr leicht von der Hand, der praktischen Zufälle sind es womöglich auch zuviele und ich fragte mich doch mehr als einmal, was genau er an sich hat, das jeder in seinem Umfeld offensichtlich auf Zuruf beinahe alles tut, worum er bittet. Es ist vielleicht auch nicht ganz glaubwürdig das auf des Rätsels nicht ganz so spektakuläre Lösung, wirklich niemand in 500 Jahren gekommen sein soll (immerhin hat ein Jahrhunderte alter Geheimbund danach gesucht) , aber sei's drum, ich mochte die Geschichte.


    Bei aller Skurilität schimmert zwischen den Zeilen immer die Liebe zu Büchern und ein großenteils interessierter, oft auch liebevoller Blick auf die Verschiedenheit der Menschen und ihre Kreativität durch; jeder soll doch bitte einfach nach seiner Facon selig werden, die einen mit gedruckten Büchern, die anderen mit ebooks, wieder andere mit Computerspielen, Installationskunst oder der Eröffung eines Strickmuseums, dem Betreiben einer Ziegenfarm, andere gehen lieber klettern, spazieren oder surfen, im Meer oder im Internet, so what und vor allem muß das eine das andere nicht ausschließen oder ersetzen.


    Wirklich wichtig sind auch in dieser Geschichte letztlich zutiefst menschliche, universelle Eigenschaften wie Freundschaft, Toleranz und Vertrauen, fernab von jedem Zeitgeist oder Hype.


    Ich hatte zwar ab und zu beim Lesen das Gefühl den roten Faden verloren zu haben und dass der Autor nun aber wirklich übertrieben hat, aber ich glaube letzters war durchaus der Gedanke dahinter und den roten Faden hab ich dann jeweils auch wieder gefunden.



    4ratten

    Nr.13: Lies ein Buch, in dem Blut eine Rolle spielt.

    >>>> "Die Rabenringe - Fäulnis" - Siri Peterssen


    Blut spielt in dem zweiten Teil der Rabenringe eine wichtige, geradezu zentrale Rolle in mehr als nur einer Hinsicht, einerseits fließt es in Kämpfen, aber das ist bei weitem noch nicht alles.

    Als Mutter verschwand

    von Kyung-Sook Shin


    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    Klappentext:

    Sie wollte nur ihre erwachsenen Kinder in Seoul besuchen. Aber als sie mit ihrem Mann am Hauptbahnhof in die überfüllte U-Bahn steigen will, passiert es: Mutter geht in der Menschenmenge verloren. Und sie bleibt spurlos verschwunden– obwohl die Familie natürlich alles tut, um sie zu finden. Die Suche zieht sich über Wochen und Monate hin und wird immer aussichtsloser. Dabei wird sowohl ihren Kindern als auch ihrem Mann zum ersten Mal bewusst, was diese Frau für sie alle war – und vor allem, wer sie eigentlich war. Ein hinreißender, anrührender, ganz und gar ungewöhnlicher Roman über Mütter und Kinder, über die Verwerfungen zwischen den Generationen und über die alles überbrückende Kraft der Liebe.


    ***


    Erzählt wird die Geschichte anfangs hauptsächlich in Erinnerungen und Rückblenden der Kinder, aber auch des Ehemanns. Mutter war einfach immer da war, hat sich still und selbstverständlich um alles gekümmert, noch weit in das Erwachsenenleben der Kinder hinein, ohne daß es jemand wirklich registriert hätte. Im Gegenteil, im Laufe der Zeit hat man sie belächelt, hingenommen, Mutter ist eben so und keiner hat mehr genauer hingeschaut.

    Die Familie lebte auf dem Land, die Kinder leben inzwischen alle in der Stadt oder sogar im Ausland, sowohl der Vater als auch die Geschwister versuchen die im Getümmel des Großstadtgedrängens verlorengegangene alte Frau wiederzufinden und finden dabei Erinnerungen und beginnen darüber nachzudenken wer diese Frau eigentlich ist, wer sie war und was sie für jeden Einzelnen von ihnen bedeutet. Im Verlaufe des Buches verwischen die Erzählebenen, es ist nicht immer ganz klar wer erzählt und sich erinnert, später erfährt man auch das ein oder andere von unerwarteter Seite und allmählich setzt sich das Puzzle zusammen und die wirkliche Frau um dies es geht wird immer greifbarer und deutlicher.


    Mich hat dieser Roman sehr berührt, denn obwohl die Geschichte in Korea angesiedelt ist, der Unterschied zwischen Land und Stadt und vielleicht auch der Unterschied zwischen den Generationen noch größer ist als bei uns, behandelt sie das Thema auf universelle Art. Die Selbsterständlichkeit die man jenen entgegenbringt die immer um einen sind, die Dinge die man nicht sagt, fragt oder tut und es später, wenn es vielleicht zu spät ist, bedauert, manche Geste, manches Wort das man erst im Nachhinein versteht und wertschätzt, die Liebe zwischen Eltern und Kindern trotz aller Meinungsverschiedenheiten und Unterschiede, die erfülllten und unerfüllten Erwartungen, die verpassten Möglichkeiten zwischen den Generationen, zwischen Familienmitgleidern und Ehepartnern.


    Eine ruhige und nachdenkliche, sehr ehrliche, manchmal aber auch zutiefst traurige, schmerzhafte Lektüre, die das Leben einer im Kleinen sehr starken Frau mit ihrer Familie beleuchtet.


    Auf jeden Fall eine Leseempfehlung


    5ratten