Beiträge von Firiath

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    sandhofer

    Ich bin immer ein bisschen unsicher ob ich wirklich alles bzw. auch das Ende in meine Zusammenfassungen schreiben soll, entscheide diese Frage beinahe jedesmal neu wenn ich hier einen Eintrag schreibe. Wenn ich das Gefühl habe, ich würde einem Erstleser der Geschichte zu viel nehmen wenn ich hier die Auflösung reinschreibe, versuche ich mich meist drumrum zu mogeln.


    Aeria

    Wie siehst Du das für diesen Thread? Manchmal finde ich es wirklich schwierig über die Geschichten zu schreiben, einerseits möchte ich gern meine Gedanken und Überlegungen mitteilen, oft haben die Geschichten ja mehrere Ebenen, andererseits möchte ich einem Erstleser nicht die Freude nehmen all das selbst zu entdecken.


    Ich recherchiere nach Lesen der Geschichte auch gern noch etwas hinterher und was den von Dir genannten Effekt anbelangt hab ich bei Wiki das hier entdeckt:

    Die Geschichte liest sich erstmal, zwar flott aber auch nicht super überraschend, wirkt aber durchaus noch nach.


    In dem ganzen Zusammenhang hab ich mehrmals an ein kürzlich entdecktes Video gedacht - es ist relativ lang, lohnt sich aber : Balancing



    Mein Sub hat übrigens nach längerem Suchen noch eine drittes Bradbury-Kurzgeschichten-Buch zu Tage gefördert, heißt "Schneller als das Auge" . Ich kann also noch eine ganze Weile mitmachen, wobei ich mittlerweile auch schon am überlegen bin ob ich mir eine Gesamtausgabe auf Englisch zulegen sollte, dann könnte ich teilweise Geschichten von Dir mitlesen, wenn sie mich grad anlachen.

    "Ein Donnerkrachen" (Sound of Thunder, 1952)


    Eckels, seines Zeichen passionierter Großwildjäger hat schon alles geschossen was es so zu schießen gibt und interessiert sich jetzt für das Angebot eines Zeitreise-Safari-Unternehmens. Wir befinden uns in einem Amerika kurz vor einer wichtigen politischen Wahl in der Zukunft 2055, Zeitreisen ist möglich. Allerdings mit dem Wissen das nichts, absolut gar nichts in der Vergangenheit verändert werden darf, daß selbst kleine Veränderungen Konsequenzen haben können. Hauptaufgabe dieses Safari-Unternehmens ist bereits im Vorfeld zu schießende Dinosaurier zu finden die sowieso sterben würden.

    Eine Safari wird gebucht und das Jagd-Team reist zurück in die Zeit der großen Dinosaurer, Eckels interessiert sich - wie soll's auch anders sein - für den Tyrannosaurus Rex. Er will das größte je lebende Raubtier töten.

    Es entspinnt sich bei der Einweisung des Klienten und bei der Reise ein Gespräch über Zeitreisen im Allgemeinen und die Bedingungen und Regeln. Während des ganzen Vorhabens wird ein großer Aufwand betrieben um dem Klienten das Töten zu ermöglichen, ohne irgendetwas in der Vergangenheit zu verändert und möglichst ohne selbst getötet zu werden natürlich.
    Eckels ist überwältigt als er den Tyrannosaurus sieht, verliert die Nerven, Dinge gehen schief und er verläßt den vorgegebenen Pfad. Die Situation und die Stimmung zwischen den Beteiligten eskaliert, scheint aber auf den ersten Blick nicht völlig desaströs; letztlich reisen alle zurück (oder wenn man so will, vorwärts) in ihre Zeit. Die Spannung entsteht unter anderem durch die Ungewißheit in welche Zukunft sie reisen. Ist es diejenige die sie kennen?


    "Jurrasic Park" meets "Dr. Who", ein Schuß "Die vergessene Welt" von Conan Doyle ist auch dabei. Eine Geschichte, die sich mit der Problematik von Zeitreisen und der Auswirkung von kleinsten Veränderungen befaßt.

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    ***


    Klappentext:

    Willkommen im The Cliffs, dem abgründigsten Hotel Großbritanniens

    Ariel Panek möchte eigentlich nur ein paar unbeschwerte Tage mit seiner Studentin und Geliebten Zeva verbringen, am Rande eines Informatik-Kongress in Amsterdam. Doch dort kommt er nie an und landet stattdessen im Küstenhotel The Cliffs – einem Ort ohne Verbindung zur Außenwelt. Dort ist er dem schrulligen Hotelbesitzer und seinen einzigen Gästen, einer neurotischen Familie, die die »Borgias« genannt werden, ausgeliefert.


    Der Booker-Prize-Träger DBC Pierre ist zurück. Skurril wie Wes Anderson und auf der Höhe der Zeit erzählt DBC Pierre von der Liebe im digitalen Zeitalter und der verlorenen Kunst, auf das zu vertrauen, was einen unmittelbar umgibt.


    ***


    Hm, soweit der Klappentext. Hat mich spontan angesprochen, irgendwo hatte ich auch noch was von Mystery aufgeschnappt, einen Versuch wars wert. Erwartet hatte ich im Grunde sowas wie eine moderne Geistergeschichte. Sowas ähnliches wars auch, vermischt mit Quantenphilosphie, Social-Media-Gedöns und einer eigenartigen Liebesgeschichte, die mich überhaupt nicht angesprochen hat. Dazu beinahe nur durchgeknallte Charakteren in deren Zusammenleben Ariel versuchte irgendeinen Sinn zu erkennen.


    Die Atmosphäre im altertümlichen, etwas plüschigen "The Cliffs" wurde anschaulich und sehr bildhaft beschrieben. Es gab auch einige Passagen, vor allem in der ersten Hälfte, die ich ganz gern gelesen hab, die schrulligen Charaktere hatten da durchaus noch ihren Charme, ebenso der verzweifelt nach einem Handy-Empfang suchenden Ariel. Auch gab es immer wieder Einzelgespräche zwischen den Protagonisten die für sich gesehen durchaus lesenwert waren. Interessanterweise hab ich das Buch trotz all der Kritikpunkte in einem Rutsch durchgelesen, es ist also durchaus gut geschrieben und läßt sich flüssig lesen. Ab dem Zeitpunkt an dem man als Leser ahnt was los ist, wirds immer seltsamer, das Verhalten aller Protagonisten immer schwerer nachzuvollziehen.


    Ehrlich, ich weiß nicht recht was ich dazu sagen soll. Ich bin wirklich für Leseexperimente offen, die Story hätte mit diesen Zutaten interessant sein können, mal was wirklich anders, mich hat es leider in dieser Ausführung nicht überzeugt. Alles was irgendwie schwammig wurde, nicht richtig durchdacht schien wurde mehr oder weniger mit Quantenphilosophie erklärt. Unter dem Gesichtspunkt kann alles parallel sein, ist Zeit- und Raum durchlässig und alles vorstellbar - eine gute Geschichte wurde (für mich) nicht daraus.



    Mühsame

    2ratten für die Atmopshäre im "The Cliffs" und einige interessante Gedankengänge, Bilder und Grundideen. Leider hat die Geschichte im Ganzen für mich nicht funktioniert.

    Valentine

    Immer diese Übergangszeiten, das kenn ich auch :frieren:. Heizlüfter sind bei Euch nicht erlaubt? Wir haben welche fürs Büro und die Leute mit sitzender Tätigkeit um die kurze Zeit zu überbrücken bis der ganze Betrieb wieder geheizt wird. Man kann dann den Arbeitsplatz immer mal zwischenrein ein bisschen auf Temperatur bringen, das hilft sehr. Nichtsdestotrotz hab ich auch schon wieder ein zusätzliches Strickjäckchen dabei im Büro 8)


    Zank

    Gute Besserung weiterhin! Und wenns gar nicht geht, nutz die Zeit lieber und laß Wäsche Wäsche sein.

    Das große Schwarz-Weiß-Spiel (The big Black and White Game, 1945)


    In der Geschichte geht es um ein offensichtlich alljährlich stattfindendes Baseballspiel innerhalb einer Hotelanlage zwischen schwarzen Bediensteten eines Hotels und weißen Hotelgästen. Abends findet dann als weiteres jährliches Highlight für alle auch noch eine große Tanzveranstaltung statt. Diese Party wird offensichtlich von Angestellten auf ihre Art organisiert, kann aber auch von den weißen Hotelgästen besucht werden.

    Erzählt wird die ganze Geschichte und das Baseballspiel aus der Sicht von Douglas, eines weißen Jungen, der mit seiner Mutter auf der Tribüne sitzt. Der Junge kennt einen der schwarzen Spieler, "Big Poe", und mag ihn sehr gern. Der Junge beobachet alles sehr genau. Auf der Tribüne sitzen weiße Frauen und Zuschauer und schwarze Frauen und Zuschauer klar getrennt, auf verschiedenen Seiten des Feldes.


    Zunächst ein an der Oberfläche fröhliches Ereignis für alle Beteiligten, schiebt sich der latente, aber permanent vorhandene Rassismus an die Oberfläche, zugespitzt in Form eines weißen Spielers, Jimmie Cosner, der foult, dies aber störrisch abstreitet, sich überhaupt unmöglich verhält und auch sehr schnell deutlich rassistisch äußert. Die schwarze Mannschaft ist spielerisch überlegen, bleibt ruhig und spielt weiter, Absprachen zwischen den Spielern werden nur über Blickkontakt getroffen.

    Überhaupt machen die weißen Spieler auf dem Feld eine schlechte Figur, sind untrainiert und blasiert.

    Der weiße Schiedsrichter ist allerdings absolut unparteiisch, was Jimmie Cosner, den Foul-Spieler noch mehr anstachelt. Dies führt zum Aufheizen der untergründig von Anfang an schwierigen Situation auf dem Spielfeld zwischen den Spielern, aber auch auf den Zuschauerrängen, man spürt förmlich wie der "Dampfkochtopf" Druck gewinnt und die Geschichte auf einen Höhepunkt hinstrebt, der Bradbury auf überraschende Art und Weise mit , einem bei diesem Thema, erstaunlicher Leichtigkeit gelingt.


    Für Kenner des Spiels und dessen Regeln (wozu ich mich absolut nicht zähle), dürfte die Geschichte über die detaillierte und sehr ausführliche Beschreibung des Spielablaufs noch mehr zu bieten haben.


    Insgesamt eine diskussionswürdige, einprägsame Erzählung, die den latenten Rassismus der Zeit klar thematisiert und anprangert und dafür einen interessanten Rahmen bietet, die aber (wie eigentlich alles Geschriebene) aus der Zeit ihrer Entstehung heraus gelesen werden sollte. Früher übliche Begrifflichkeiten und Beschreibungen würden so heute nicht mehr verwendet werden.


    Da mich die Geschichte beschäftigt hat, mir auch das ein oder andere unklar war, hab ich noch ein wenig recherchiert und diese interessante Publikation dazu gefunden. Ray Bradbury hat ein ähnliches Spiel als Kind offensichtlich selbst miterlebt und in dieser Geschichte verarbeitet.

    Kritty

    Ich kenn das ja - mich trägts ja regelmäßg aus dem Forum :) - Life happens, das ist einfach so und letztlich ja auch gut so :)


    Und ja, das ist schon eine wirklich langes Projekt und, ich habs ja schon mal erwähnt, ich bin mir ziemlich sicher daß ich diese Reihe ohne Euch niemals zu Ende gelesen hätte. Aber unsere Runde hat mich dann doch immer dranbleiben lassen :blume:

    "En la noche" (1935)


    Die Geschichte ist ziemlich amüsant. Grundkonstellation ist in etwa die klassische "10 Leute schlafen in einer Hütte, einer schnarcht. Was geschieht, der Schnarcher schläft weiter, alle andern treffen sich frUher oder später außerhalb der Hütte" :breitgrins: Nur hier ist die Hütte ein Mehrfamilienhaus, hellhörig, beengt und Mrs. Navarrez jammert und schreit den ganzten Tag rum und weint nach ihrem "Joe" , der in den Krieg ziehen mußte.

    Nach und nach treffen sich jede Nacht praktisch alle Bewohner auf der Veranda oder im Gang. Nichts was sie unternehmen hilft. Alle sind völlig entnervt, bis Mr. Villanazul erwähnt, daß es schade ist daß es praktisch nur Familienväter gibt in diesem Haus, man bräuchte einen Jungesellen.

    Zitat:

    Er ließ diesen Satz wie einen kalten Stein in einen tiefen Brunnen fallen. Er ließ ihn aufklatschen, so daß die kleinen Wellen sich sanft ausbreiteten. Alle seufzten.

    Nun, da es aber keinen gibt ....; ich denke man ahnt worauf es hinausaufen könnte.


    Das alles ist so witzig, leicht überzeichnet erzählt, ich mußte wirklich lachen. Mir gefiel auch die Erzählperspektive sehr, zuerst die verzweifelten Hausbewohner im Gang, im Treppenhaus, auf der Veranda, man spürt förmlich wie totmüde sie alle sind. Später als die Lösung in Sicht ist, erfährt man auch nur was die anderne Hausbewohner mitbekommen. Man sieht sie förmlich lauschen und hoffen, daß endlich Ruhe einkehrt im Haus. Die Wohnung der klagenden Mrs. Navarrez betritt man als Leser nie.


    ***


    Aeria

    Sogar mir als schriftstellerisch völlig unbedarfen Nur-Leser fällt auf wie sehr Bradbury die Erzählperspektive, den Tonfall und den Aufbau in seinen verschiedenen Kurzgeschichten variiert. in jder Geschichte erzeugte er eine andere Stimmung, verwendet andere Stilmittel, mal heiter, mal ernst, man hat das Gefühl es hat ihm auch Spaß gemacht da herumzuexperimentiern. Auch inhaltlich hat er eine unglaubliche Bandbreite.


    Ah ! "Dune" , ja da wollen wir auch noch rein, evtl. schon nächste Woche, spätestens übernächste. Hat er die gefallen? Ich hab vor Jahren die ersten 3 Bücher gelesen, kenn auch den alten Film und bin echt gespannt auf diese Neuverfilmung.


    "Fiebertraum" klingt ja echt gruslig, da läuft mir ja beim Lesen der Beschreibung schon die Gänsehaut! "Omi" kenn ich nicht, ich les kaum Stephen King.

    Lykantrophin

    Oh da erinnerst Du mich an was, "Die 13. Fee" schlummert bei mir auch noch auf dem SuB. Schön zu hören daß es Dir gefällt, wird bestimmt helfen, daß ich es ein bisschen früher ausgrabe.

    Gute Besserung weiterhin ! :schmetterling:



    ***


    Schönes Wochenende Euch allen !


    Geh dann mal die "Donna-Andrews-Vogelkrimis" googeln...:elch:



    EDIT:

    Achso ja .. ich les momentan nebenher "Ray Bradbury-Kurzgeschichten" und "Die Dame vom See" von Sapkowski, für eine neues Hauptbuch muß ich mich gerade noch entscheiden, evtl. wirds "Die Mitternachtsbibliothek" von Matt Haig.

    Was die losen Enden anbelangt bin ich auch schon gespannt.


    Allerdings läuft alles im Grunde auf Ciri und Emhyr raus, wenn dieser Strang aufgedröselt ist, löst sich viel auf. Die Zauberinnen wollen an Ciri ran, Vilgeforz will an Ciri ran :krank::Kreuz:, Emhyr will an Ciri ran (um seine Machtansprüche zu festigen und vermutlich auch noch aus einem persönlcheren Grund), Geralt + sein Trupp und Yennefer wollen Ciri natürlich retten und schützen.

    All die anderen Fäden sind im Grunde Nebenschauplätze, sprich die diversen Machansprüche verschiedenster Parteien, territoriale Ansprüche, sogar die Problematik Elfen-Menschen samt dieser Parallelweltgeschichte (die wir wahrscheinlich so hinnehmen müssen), Djekstra mit seinem Spionagenetz inclusive spielen für die eigentliche Auflösung der Charakter-Hauptgeschichte nicht so die Rolle - Intrigen, Landgeschacher, Scharmützel, Kriege und Machtstreben, in dem Fall auch die Schwierigkeiten zwischen den magischen und menschlichen Völkern wirds immer geben, da wird sich nichts auflösen lassen. Allenfalls gewinnt Emhyr so haushoch daß er die anderen in Schach hält oder in sein Reich einverleibt (aber die Historie zeigt daß sowas ja auch eher immer von vorübergehender Dauer ist) , aber ich glaub diese weitere Entwicklung ist dann auch nicht mehr Teil dieser Geschichte.

    Auf so eine Art Abschluß oder Aussicht auf ihr künftiges Leben für die einzelnen (Haupt-)Charaktere spekuliere ich eigentlich schon. Was allerdings die Beziehung zwischen Yennefer und Geralt anbelangt, wie immer das ausgeht: Friede, Freude, Eierkuchen wirds bei denen glaub ich nie geben :hexe:

    Danke für die Rezi, klingt interessant. Das Buch ist jetzt direkt auf meinem Merkzettel gelandet und wahrscheinlich wird Nobby, wie immer er im Buch beschrieben wird, bei mir dann auch wie Norbert Blüm aussehen - so eine Bildverküpfung krieg ich wahrscheinlich nicht mehr aus dem Kopf :lachen:

    Ja, stimmt schon, das schien so ein wenig wie eine Reminiszenz auf das alte, ursprüngliche Hexerleben der ersten Bände: Monster töten, feiern, Frauen vernaschen usw. . Trotzdem, die Leichtigkeit (falls er die je hatte) des Hexers war dahin, er schien die alte Rolle mehr zu spielen. Herrje und Fringilla, mir schien ja am Ende, sie hätte sich doch wirklich wider willen in ihn verliebt (mal wieder eine), hat aber natürlich trotzdem ihre Spionagearbeit weitergeführt und sich eingeredet sie hätte über ihn triumphiert. Wie gut daß der Hexer ihr nicht völlig vertraut hat. Die beiden haben sich im Grunde gegenseitig ausgenutzt.


    Der Zauberinnenzirkel wird mir immer mehr zuwider, aber letztlich passen sie gut in diese Welt die uns Sapkowski da zusammengezimmert hat.


    Zusammenfassend zu den zwei Kapitel: Ich fands ehrlichgesagt zäh zu lesen.

    Klar gab es ein paar wichtige Hinweise in den beiden Kapiteln, aber so insgesamt war mir zuviel aufgebauscht drumrum (diese Bücher-Liebeszene z.B. die eigentlich hätte lustig sein können, aber nicht so richtig gezündet hat)


    Ganz amüsant dagegen fand ich noch die Randgeschichte mit Milva und ihrer "Eroberung" (kein Wort miteinander gesprochen, aber kaum gehts um Bögen und die Jagd ist kein Halten mehr) und daß Rittersporn ganz am Ende wieder sein früheres Selbst durchblitzen ließ: "Frauen brauchen kein Geld. Wozu auch? Sie trinken nicht, sie würfeln nicht, und Frauen, verdammt, sind sie selbst ! " :D .

    Auch wenn es schade ist, daß er die Gruppe nicht weiter begleitet, freut es mich aber für ihn, daß er einen Ort gefunden hat an dem er bleiben möchte und vorallem, wie es scheint, die Liebe gefunden hat, nach der sich ein Toubadour schon von Berufs wegen sehnt (Wieselchen ! Nunja... 8))


    Achja und ich möchte ein Buch mit Regis als Hauptperson haben. Das denk ich mir jedes Mal wenn es Szenen mit ihm gibt. Für mich der interessanteste und charakterlich in sich stimmigste Nebencharaker der gesamten Reihe.


    Milva mag ich auch noch ganz gern als Nebencharakter und es tut mir sehr leid daß sie immer noch so fürchterlich unglücklich ist. Es bleibt etwas offen ob sie den Baron nun mochte und mehr aus ihrem Milva-Prinzip ("wie steh ich mir selbst am Besten im Weg") zurückgewiesen hatte, ob sie es tat weil sie Geralt und die Gruppe nicht allein deren Schicksal überlassen wollte oder ob sie ihn wirklich nicht mochte, vermutlich weiß sei es selbst nicht so genau. Jedenfalls schien sie froh diesem Problem nun entfliehen zu können.

    "Ich sie nie sehen" (I see you never - 1953)


    Mr. Ramirez, ein in Los Angeles wohnhafter Mexikaner, muß das Land wieder verlassen, weil sein auf zwei Jahre befristetes Visum bereits vor 6 Monaten abgelaufen ist. Er muß sein Zimmer räumen, welches er bei Mrs. O'Brian gemietet hat. Er hatte außerdem Arbeit, ein Auto, ein gutes Leben in den USA. Mrs. O'Brian lebt wohl allein mit ihren Kindern, von einem Mr. O'Brian ist jedenfalls nie die Rede, vielleicht ist sie Witwe.

    Zwei Polizisten begleiten Mr. Ramirez bereits, als er sich von seiner Vermieterin verabschieden will, um ihn direkt danach zur Grenze zu bringen, seine Sachen mußte er sofort packen. Die ganze Geschichte wird auf der Türschwelle erzählt, während Mr. Ramirez vor Mrs. O' Brian steht, um ihr die Lage zu erklären. Die Polizisten stehen die ganze Zeit dabei, im Hintergrund sitzen ihre Kinder um den bereits gedeckten Tisch."


    In diesen kurzen Moment, packt Bradbury zwei Jahre Leben in Los Angeles, ausreichend Hintergrundwissen um über die Lebenswege von Ramirez und O'Brian zu spekulieren, sehr viele Emotionen, unausgesprochene Gedanken und die Ahnung von verpassten Möglichkeiten, vielleicht sogar von verpasstem Glück.


    Eine nur 4 Seiten kurze Geschichte die viel erzählt und sehr berührt. In ihrer ganzen Komposition grandios <3 . Neben dem menschlichen Aspekt, der Überlegung wie sehr jeder in seinem Leben gefangen ist, obwohl man ja eigentlich Tür an Tür wohnt, behandelt diese Erzählung Migrations- und Intergrationsthemen.


    Diesmal hatte ich am Ende leicht feuchte Augen, "I see you never" , werde ich sicher länger in Erinnerung behalten.



    ***



    Stickerei - (Embroidery 1953)


    Eine sehr dichte und ziemlich drastische Erzählung. Drei Frauen sitzen auf der Veranda und sticken, sie scheinen auf etwas zu warten, die Atmosphäre ist drückend. Mehr passiert im Grunde nicht, die Frauen reden wenig und nur in kurzen Sätzen miteinander, konzentrieren sich hauptsächlich auf ihre Hände und aufs Sticken, auf die Blumen und die Szenen die unter ihren Händen entstehen. Dann und wann ist von einem Experiment die Rede.

    Enorm welche Spannung auf nur 4 1/2 Seiten aufgebaut werden kann. Ich vermute die Geschichte könnte in Zusammenhang mit den häufigen Atombombentests in den 50-er Jahren stehen. Sehr interessante Art das Thema anzugehen.





    ***


    Valentine

    Der Musik/Literatur-Thread ist ja toll, ich kannte den mal, hatte ihn aber vergessen. Werde bestimmt nochmal stöbern demnächst. Danke fürs Erinnern daran :blume:


    Bestimmt kein Fehler deinen SuB um ein paar Bradbury-Stories zu erweitern. Ich bin ja eigentlich nicht so der ausgesprochene Kurzgeschichtenleser, aber die bisher gelesenen von Bradbury begeistern mich wirklich sehr!



    Aeria

    Das ist ja praktisch, wenn Du gleich noch einen Sammelband zum Nachlesen da hast, falls Dich mal eine der Geschichten die hier zitiert werden besonders interessiert.

    Valentine

    Die "Waterboys" kenn ich überhaupt nicht, hab aber in dieses "Yeats"-Album ein wenig reingehört. Gefällt mir gut. Ich mag solche Literatur/Musik-Projekte sehr gern.


    Aeria

    Ich seh beim Gedanken an die "Mörder"-Geschichte immer das sonnige, warme Lächeln von Mr. Brock vor mir, das den Psychiater so irritiert. :sonne:



    ***



    Nächste Geschichte bei mir:


    Der goldene Drache, der silberne Wind (The golden kite, the silver wind , 1953)


    Diese Geschichte spielt wieder im alten China, die Menschen glauben fest an die Bedeutung von Symbolen und Zeichen. Der Mandarin einer Städtchens macht sich Sorgen, weil die Nachbarstadt eine Stadtmauer in Form eines Schweines gebaut hat, seine eigene Stadtmauer hat die Form einer Orange. Ein Schwein frisst eine Orange und die deutet der Mandarin als Zeichen, daß sein Städtchen von der anderen Stadt sozusagen geschluckt wird. Der ganze Ort ist verzweifelt und sieht sich dem Untergang geweiht.

    Heimlich, weil sie als Mädchen in der Öffentlichkeit eigentlich nicht beraten kann, gibt ihm seine Tochter einen Rat: Er solle veranlaßen die eigene Stadtmauer in die Form einer Keule zu verwandeln. Keule erschägt Schwein. Man ahnt wohin das führt.


    Das Ganze kam mir dann ein bisschen wie "Schere, Stein, Papier" in größeren Dimensionen vor. Die Moral von der Geschichte läßt dann aber natürlich auch nicht lange auf sich warten, ewig kann da ja nicht gut gehen.

    Die Lösung des Problem am Ende ist sehr motivierend und stimmt positiv.


    Zum Schmuneln hat mich gebracht, daß die Lösung dann letztlich auch von der klugen Tochter des Mandarin kommt und sie gefeiert wird wie - Zitat: "ein Junge, ein Mann, ein steinernen Pfeiler, ein Krieger und ein echter und unvergeßlicher Sohn" - Tja bei "Mandarins" im alten China war das halt noch so, das größte Lob für die Tochter war, als Sohn bzw. Mann bezeichnet zu werden.


    Insgesamt hat mich diese Geschichte von der Erzählweise an ein klassisches Märchen erinnert.