Beiträge von Firiath

Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

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    Die Jahre des schwarzen Todes - Connie Willis


    Übrigens ein echter Forumtipp, auf die Autorin bin ich über Literaturschock aufmerksam geworden. Liest sich bisher sehr kurzweilig und spannend, ich mag den englischen Humor darin, hoffe allerdings im Augenblick gerade, daß Kivrin auch mal aus dem Krankenbett rauskommt ^^



    mondy
    Onleihe ist toll! Für mich überhaupt DER Grund sich ein ebook zuzulegen... :daumen:


    Aber ich fand es einfach unglaublich toll geschrieben, sprachlich gerade noch auf der richtigen Seite zwischen gewollt und gelungen, und ich kann mich immer noch gut an dieses Gefühl der Abgeschiedenheit erinnern, das vor allem bei den Szenen auf dieser Forschungsstation (oder was das war) im hohen Norden rüberkam.


    Ja, da kippte es bei mir doch ab und zu auf die Seite von "gewollt" , aber letztlich doch auch Jammern auf hohem Niveau, weil es ja angesichts vieler sprachlich recht "schlichter" Neuveröffentlichungen einfach sehr erfreulich ist ein Buch zu lesen in dem sich jemand bemüht die Möglichkeiten von Sprache und Forumulierung auszuloten. Ich hab mich auch an vielen Sätzen und Kopfbildern erzeugt, besonders die Schneekristalle hatten es mir angetan.
    Die Forschungsstation fand ich etwas zuwiespältig, einerseits toll, was die Landschaftsbeschreibungen und das Gefühl von Abgeschiedenheit anbelangt, wie du auch schreibst, andererseits dachte ich mir immer, das kann doch auch nicht wahr sein daß er sich da jetzt wieder verkriecht.


    Ich hatte bei dem Buch viele "einerseits, aber"-Momente. Zum Beispiel fand ich die Reise zu den verschiedenen Grace Winkler's total schön, diese kleine Roadstory in der er so viele unterschiedliche Personen in ihren verschiedenen Leben trifft, andererseits fand ich es so irreal wie er sofort zum Übernachten aufgefordert wurde und/oder eingebunden. Auch dieses unfassbare Glück das er auf der Insel hatte, an diese Familie zu geraten, die ihn mehr oder weniger über die Jahre am Leben erhalten hat, das ist natürlich irgendwie schön, andererseits auch so unwahrscheinlich, das das Ganze doch eher wie ein Märchen anmutet, was dann aber zum Rest des Buches wieder nicht so richtig passt. Ganz ähnlich erging es mir auch mit "Alles Licht.." . Auch darin wunderschöne Passagen und Abschnitte die sich festgesetzt haben im Kopf, aber insich nicht so richtig stimmig.
    Trotzdem, diese vielfältigen Betrachtungsweisen des Wassers in seinen verschiedenen Aggregatszuständen und Vorkommen waren wirklich schön zu lesen und besonders einige der Nebencharaktere mochte ich sehr bzw. werden mir in Erinnerung bleiben.

    Mich erleichtert es gerade sehr was hier geschrieben wurde, ich hatte seit ich wieder ins Forum zurückgekehrt bin, vermehrt das Gefühl es müsse immer eine komplette, ausführliche Rezension zu einem Buch sein, wenn ich was zu einem Buch schreibe. Ich hatte fast ein schlechts Gewissen wenn ich nur mal ein paar Sätze oder eine Anmerkung zu einer anderen Rezi geschrieben habe. Ich war ja früher schon mal hier, aber der "Rezi-Druck" hat auf mich gefühlt tatsächlich zugenommen nach meiner ca. drei jährigen Pause. Woran das genau liegt kann ich nicht sagen, vielleicht wirklich an den Threads in denen sich Rezi an Rezi reiht.




    Mein Fünfer zum Thema: Rezensionen findet man überall im Netz. Was der echte Nährwert des Forums ist, sind die Diskussionen.


    Das stimmt, allerdings find ich es hier schön, die Rezis teilweise besser einschätzen zu können, insbesondere wenn sie von Leuten kommen die ich schon eine Weile "kenne". Man weiß ja dann schon ob es vielleicht auch den eigenen Geschmack treffen könnte.



    MacOss
    Ich bin auch nur in diesem Bücherforum aktiv, ein kleines bisschen noch beim Klassikforum, wobei für mich die beiden Foren zusammengehören.

    Bin grad erst aus dem Urlaub zurück und möchte auch nicht in den Lostopf bitte, war ja erst letzten Monat dran :winken:
    Puh.. mal sehen ob ich noch eins meiner Leserundenbücher schaffe, hatte leider keins dabei, weil ich nur das ebook eingepackt hatte und die angemeldeten Bücher alle echte Papierbücher sind.

    "Winklers Traum vom Wasser" für meine Traumliste ist gelesen, passenderweise hab ich es am Meer gelesen :smile:
    Hier hab ich ein bisschen was dazu geschreiben, keine richtig Rezi, weil es schon viele Rezis gibt, denen ich nicht viel hinzufügen könnte.


    Bei den Temperaturen träume ich auch dauernd vom kühlen Nass. LG, dodo


    Rund um Winklers jahrzehntelanges Hadern mit seinen hellsichtigen Fähigkeiten und insbesondere mit den Folgen seines Versuches, Grace zu beschützen, und seine Bemühungen, nach 25 Jahren endlich die Wahrheit herauszufinden, spinnt Anthony Doerr eine ruhig erzählte, packende und durch ihre einprägsame Sprache bestechende Geschichte mit außergewöhnlichen Figuren, die immer wieder für Überraschungen gut sind. Er lässt Winkler immer wieder an seine Grenzen gehen, zweifeln, ringen und gibt dem Leser, der Winkler beileibe nicht immer verstehen kann, tiefe Einblicke in die Seele seines schweigsamen, merkwürdigen und doch irgendwie faszinierenden Protagonisten, in dessen Leben wenig nach Plan verläuft und nichts einfach ist.


    Schöner könnte ich es nicht ausdrücken und viel Neues kann ich zu den vorangegangenen Rezensionen nicht mehr beitragen. Auch mir hat das Buch gefallen, wenngleich ich immer mal wieder mit Winklers Art gehadert habe, außerdem mit dem Umstand das er im Grunde ziemlich viel Glück hatte, immer wieder sehr wohlmeinende Menschen getroffen hat, es aber nicht richtig oder oft erst sehr spät bemerkt hat bzw. es einfach so hingenommen hat. Einige der Nebenprotagonisten sind mir in ihrer Selbstlosigkeit ans Herz gewachsen, verstanden hab ich nicht immer warum sie so gehandelt haben. Man würde sich wünschen auch solche Menschen zu treffen wenn es einem schlecht geht.
    Die Geschichte ist schön erzählt, wie aber auch schon bei "Alles Licht das wir nicht sehen" fehlt mir etwas um es zu einem echten Lieblingsbuch werden zu lassen, ich kann es aber schlecht in Worte fassen. Vielleicht ist es ein "Zuviel" an schönen Sätzen, vielleicht ist das "Schöne" zu gewollt, hatte ich zu oft den Eindruck, der Autor wollte diesen oder jenen Satz, ein bestimmtes Bild, diese oder jene Aussage unbedingt reinbringen ...
    Wie gesagt, ich tu mich schwer diesen kleinen Störfaktor in Worte zu fassen, aber der selbe Eindruck blieb auch bei dem Vorgängerbuch bei mir zurück. Schön und durchaus flüssig zu lesen, was aber für mich längerfristig zurück bleibt wird erst die Zeit zeigen.


    Trotzdem aber 4ratten

    Zank
    .. ist nicht jedes Buch bis 99 ? letztlich... :eis:
    oje und was machen nur die armen 100-jährigen, die dürfen ja kein Buch mehr lesen :breitgrins:
    (aber klar, ich weiß was du meinst, ich bin mir selbst nicht gaaaanz sicher ob es wirklich ein reines Kinderbuch ist, aber werde dann berichten...)
    Danke fürs Genehmigen :smile:


    Mein jüngerer Sohn liest FährtenFinder gerade schon und ist sehr begeistert, er erzählte auch gestern, es wär so schön, weil es so wäre als ob man "alte Freunde" wieder trifft, in der Reihe tauchen wohl nach und nach immer mal wieder Figuren aus den Septimus-Büchern auf, es ist aber eine eigenständige neue Geschichte. Ich freu mich schon drauf

    Ah ... sehr schön, da hab ich auch jede Menge auf dem SuB :smile:


    Ich melde an


    "Tod Hunter Moon - FährtenFinder" von Angie Sage

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    Die Reihe spielt wieder Welt von Septimus Heap und ich freu mich richtig drauf, mochte ich die Septimus-Reihe genauso gern wie meine Kinder.



    "Im Krug zum grünen Walfisch" von James Krüss

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    "Lippels Traum" von Paul Maar

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    "Das dunkle Herz des Waldes - (Orig.: "Uprooted")
    von Naomi Novik


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    Veröffentlicht 2015, auf deutsch 2016
    im cbj-Verlag
    576 Seiten
    Übersetzt von Marianne Schmidt



    Kurzbeschreibung:

    Agnieszka liebt das Tal, in dem sie lebt: das beschauliche Dorf und den silbern glänzenden Fluss. Doch jenseits des Flusses liegt der Dunkle Wald, ein Hort böser Macht, der seine Schatten auf das Dorf wirft. Einzig der »Drache«, ein Zauberer, kann diese Macht unter Kontrolle halten. Allerdings fordert er einen hohen Preis für seine Hilfe: Alle zehn Jahre wird ein junges Mädchen ausgewählt, das ihm bis zur nächsten Wahl dienen muss – ein Schicksal, das beinahe so schrecklich scheint wie dem bösen Wald zum Opfer zu fallen. Der Zeitpunkt der Wahl naht und alle wissen, wen der Drache aussuchen wird: Agnieszkas beste Freundin Kasia, die schön ist, anmutig, tapfer – alles, was Agnieszka nicht ist. Niemand kann ihre Freundin retten. Doch die Angst um Kasia ist unbegründet. Denn als der Drache kommt, wählt er nicht Kasia, sondern Agnieszka.


    Meine Meinung:
    Erzählt wird die Geschichte der Holzfäller-Tochter Agnieszka, die in einem kleinen Dorf in "Polnya" lebt, nahe dem gefürchteten, magischen Wald. Aus diesem kommen von Zeit zu Zeit unheimliche Gestalten die Verderben und Leid über die Bevölkerung bringen; verirrt sich jemand im Wald kommt er entweder nie mehr zurück oder wenn doch, dann verdorben, gefährlich und böse.


    Slawische Mythen und Sagen sind lose ebenso in die Handlung verwoben, wie polnische Geschichte in Andeutungen. Es ist von der "Jaga" die Rede, sicherlich eine Anlehnung an die berühmte Hexe "Baba Jaga", ebenso ist von einem König Sigismund die Rede. Die Landschaften die beschreiben werden, könnten gut in Polen, Teilen Rußlands, Tschechien oder der Slowakai liegen. Große, weite Täler, umgeben von Gebirge und riesige, unberührte, dunkle Wälder, ich hatte beim Lesen weite Karpatenlandschaft vor Augen. In der amazon-Autorenbeschreibung steht u.a. : "Naomi Novik wurde 1973 in New York geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Baba Yaga und den Büchern von J.R.R. Tolkien aufgewachsen. " . Genau dies kann man aus dem vorliegenden Buch herauslesen, Anleihen in alle diese Richtungen sind zu erkennen.


    Die Handlung war durchwegs spannend, ich konnte kaum aufhören zu lesen, ein echter Pageturner. Anfangs hatte ich noch ab und zu die leise Befürchtung, die Handlung gleite ins "Übliche" ab (desillusionierter, abweisender Magier + naives junge Mädchen) , nach und nach entwickelt sich die Geschichte aber doch anders, eigenständig und eher zu einem großen Märchenepos über alte Schuld, Machterhalt, der Sinnlosigkeit von Krieg und die Verwurzlung in einer Gegend oder einem Kulturkreis, insofern ist der englische Titel "Uprooted" sehr vieldeutig und passend.
    Teile der Handlung spielen, gegen Ende hin zunehmend, auf einer magischen, spirituellen, nicht realen Ebene, man begibt sich immer tiefer in das "Herz" des Waldes, was möglicherweise nicht jedem liegt, was aber auch einen ganz eigenen Sog entwickelt. Das eigentliche Magiesystem der Zauberer oder eher die Gegenüberstellung und Verwicklung zweier solcher Systeme fand ich sehr gelungen dargestellt und haben ebenfalls eine tiefere Ebene, die aber jeder für sich erkennen soll beim Lesen. Insgesamt stecken wirklich viele schöne Details in der Geschichte.


    So gefesselt ich beim Lesen auch war, hab ich aber doch auch ein paar Kritikpunkte:
    Agniezka war mir über weite Strecken zu naiv dargestellt, was überhaupt nicht zu ihren sonstigen Fähigkeiten, ihren Handlungen und ihrer autarken Persönlichkeit passte. Diese doch deutliche Diskrepanz hat mich immer mal wieder ziemlich gestört. Die beiden Hauptprotagonisten schrammen teilweise haarscharf an Fantasy-Stereotypen vorbei und liesen mich mehr als einemal die Stirn runzeln, dafür gibt es aber auch einige wirklich interessante Nebenfiguren, allen voran Kasia, die Freundin von Agnieszka.
    An manchen Stellen hatte ich das Gefühl, als ob die Autorin noch eine zweite Geschichte oder noch weitere Entwicklungen im Hinterkopf hatte und sich manchmal nicht genau entscheiden konnte, in welche Richtung es nun genau gehen soll. Das kann man im besten Falle als überraschende Wendung interpretieren, manchmal aber hab ich es auch als "Bruch" empfunden, an diesen Stellen holpert die Geschichte ein bisschen. Insgesamt ist vielleicht ein bisschen zuviel hineingepackt worden in den Roman, es fehlt manchmal die Struktur, als ob die Geschichte genauso wie der Wald beginnt ausufernd zu ranken und zu wachsen. Die große Stärke des Buches liegt in der Beschreibung der dunklen Macht und des Waldes und der Atmosphäre, leider nicht so sehr in der Ausarbeitung der Charaktere.


    Ein kurzes Wort noch zur Aufmachen der deutschen Ausgabe: Ich schlich schon länger um das Buch herum, gereizt hat mich der "Wald" und die Verwebung der Geschichte mit slawischen Märchen, lange abgeschreckt hat mich aber das langweilige, kitschige Cover der deutschen Ausgabe und die dadurch genährten Bedenken, es handle sich doch bloß wieder um eine der üblichen, momentan so modernen Fantasy-Liebesgeschichten. Eine solche kommt zwar vor, spielt aber nicht die übergeordnete Rolle. Ich bin positiv vom Inhalt überrascht worden, meine Neugierde auf Legenden und Sagen aus dem slawischen Kulturkreis ist wieder einmal geweckt, die ganze Geschichte bezieht ihre Kraft daraus und ich hab das Bedürfnis mich mit diesen Mythen und vielleicht sogar ein bisschen mit der Historie Polens zu beschäftigen.


    Die Cover der englischen Ausgaben sind so viel gelungener! Schön finde ich beide, das bräunliche vom DelRey-Verlag passt aber absolut perfekt zur Geschichte, sagt auch am meisten aus über Stimmung und Inhalt.


    Noch eine Anmerkung zum Lesealter, das Buch wurde ja im cbj-Verlag veröffentlicht, ich würde es aber nicht für Kinder empfehlen, eher für erwachsene Fantasy-Leser und Jugendliche ab ca. 14, die Kriegs- und Kampfszenen, nicht zuletzt die Monster, sind durchaus detailliert beschrieben und auch insgesamt fände ich die ganze Handlung für Kinder zu unübersichtlich und finster.


    Fazit: Ein ungewöhnliches, dunkles Märchen-Epos, das zwar manchmal ein bisschen überladen wirkt, aber einen ganz eigenen Sog entwickelt.


    Von mir gibts:


    4ratten

    Dazu ist der hintere Klappentext aufschlussreich. Hier steht, dass dieses Stück für Atwood besonders verlockend war, weil Shakespeare viele Fragen offen lässt. Ein paar der Protagonisten hat sie ja ein Ende gegönnt, wenn auch ein knapp forumuliertes, aber in den meisten Fällen bleibt offen, was mit den Leuten passiert. Vielleicht hat sie sich da dem Vorbild angeschlossen.


    Im ersten Moment ging es mir auch so, nachdem das Stück im Gefängnis gelaufen war, kam dann im Grunde nur noch das "Nachgeplänkel" , wobei mir besonders der Teil mit dem "Weiterdenken" der Häflinge sehr gut gefiel, auch der Abschied oder das Freigeben von Miranda fand ich wie oben schon gesagt wirklich sehr berührend, mit der Kreuzfahrt-Geschichte hadere ich noch etwas, das ist ein bisschen wie Ernüchterung, aber ja... wie Doris schon sagt, viele ältere Herrschaften gehen erstmal auf Kreuzfahrt und irgendwie muß ich bei dem Gedanken an Felix auf dem Kreuzfahrtschiff auch schmunzeln. Insgesamt kann man aber natürlich sagen, daß nach der Aufführung im Gefängnis die Luft ein bisschen raus war.
    Nach einigem Nachdenken kann ich aber gut damit leben, auch in den Theaterstücken ist es oft so daß nach der großen "Auflösung" noch ein bisschen Ordnen und Aufklären kommt, was meist dann schon etwas "nüchterner" ist. Ich denke Margaret Atwood hat sich bewußt, vielleicht sogar diszipliniert, ganz eng an das Stück gehalten, möglichkerweise auch als Verbeugung vor Shakespeare (ich bin mir sicher ihr wären alternative Enden eingefallen). Ich denke wie man es dann empfindet hat auch was mit der eigenen Erwartungshaltung zu tun und ich bin mir gar nicht so sicher was ich eigenlicht erwartet hatte, mir gewünscht hatte und ob es mir jetzt lieber wäre sie hätte ab irgendeinem Punkt die Geschichte in eine andrere Richtung gelenkt. Ich hatte jedenfalls sehr viel Freude mit dem Buch, intellektuell wie emotional.
    Ich muß auch noch über eine Gesamtbewertung nachdenken und schreib dann die Rezi.



    ***



    Ihr habt ja teilweise auch schon eins der anderen Bücher aus dem Shakespeare-Projekt gelesen, wie war es da, z.B. bei "Die störrische Braut" , wurde da freier interpretiert oder sich auch eher eng ans Original gehalten?


    Traumbringer

    von Lois Lowry



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    Originaltitel "Gossamer" , veröffentlich 2006
    Auf deutsch im Carlsen Verlag, 2008
    144 Seiten
    Übersetzt aus dem Englischen von Katharina Distelmeier



    Klappentext:
    In der dunkelsten Stunde der Nacht, wenn alles still ist, schleichen sie leise in die Häuser: Traumbringer. Allerkleinste ist eine von ihnen; sie ist noch ganz winzig und die ersten Menschen, denen sie Träume einhauchen darf, sind John und die alte Frau. Ganz vorsichtig, damit sie nicht aufwachen! Aber es gibt auch noch die Düsterrösser, die die Albträume bringen. Und schon bald wird es immer wichtiger, John mit schönen Träumen zu stärken.


    Meine Meinung:
    Erzählt wird einerseits die Geschichte der "Allerkleinsten", dem Traumbringer-Lehrling und ihrem Übergang von Kindheit zum Erwachsenenalter, außerdem wird darin verwoben die Geschichte von John erzählt, einem Jungen dem kein guter Start ins Leben geschenkt wurde.
    Mehr möchte ich im Grunde gar nicht über den Inhalt der Geschichte erzählen. Die Geschichte lebt davon, sich die Zusammenhänge über die Erinnerungssplitter selbst zu erschließen. Die Idee der "Traumbringer" mochte ich sehr, ich könnte mir vorstellen daß sie auch so manchem Kind gut gefallen könnte. Die Geschichte selbst ist zart und voller Wärme für die Menschen, ihr Leben, ihre Hoffnungen und Träume, hält den Blick auf die kleinen Dinge und Begebenheiten und klammert die harten Zeit im Leben, Gewalttätigkeit und schwierige Bedingungen nicht aus. Es steckt erstaunlich viel drin in diesen knappen 144 Seiten.


    Empfehlen möchte ich dieses kurze Buch für Kinder ab ca. 10,11 Jahren, aber auch für Erwachsene die sich den Sinn für die Kindheit und Phantasie erhalten haben. Bei Kindern könnte ich mir vorstellen, daß anschließender Redebedarf besteht, insbesondere über die Erfahrungen von John.



    5ratten

    So geht es mir auch. Ich habe zwar ein bisschen Sekundärliteratur zu Shakespeare, aber Atwood hat ihre ganz eigene Art, das Stück den Lesern nahezubringen. Schade nur, dass ihr eigenes Werk daneben fast ein bisschen kurz kommt. Wie dieses Buch wohl bei ihren Fans ankommt, die Shakespeare nicht kennen oder nichts mit ihm anfangen können? Ich stelle mir das vor wie bei "Ulysses": So viele Andeutungen und so wenig davon erkannt. Aber Margaret Atwood hat den Status, solche Themen aufgreifen zu können und ihre Stammleser nicht zu enttäuschen. Die bereitgestellte Inhaltsangabe des "Sturm" wäre allerdings am Anfang des Buches besser platziert. Es schauen nicht alle vor dem Lesen hinten ins Buch rein.


    Ja, da schließe ich mich auch an, von ihr würd ich mir noch mehr Shakespeare-Neufassungen wünschen.
    Insgesamt glaub ich schon, daß sie sich wirklich sehr bemüht hat, sich selbst und ihre eigenen Ambitionen zurückzustellen und wirklich Shakespeare gerecht zu werden.
    ich werd sehr bald ihr neues Buch "Das Herz kommt zuletzt" anpacken, hab jetzt richtig Lust drauf, weil mir mit "Hexensaat" wieder bewußt wurde, was für eine großartige Schriftstellerin sie ist. Überhaupt werd ich mich wohl nach und nach auch durch ältere Bücher lesen.




    Auch mir hats sehr viel Freude gemacht mit Euch und Euren Gedanken und Überlegungen dazu, dieses Buch zu lesen :sonne:


    Was mir gut gefiel, war ein kleines Detail bei der Schilderung von Anne-Marie, die am Ende ihrer Darstellung Glitzerkonfetti in die Luft warf. Stand nicht relativ weit am Anfang des Buches, dass Felix früher in seiner Zeit am Theater irgendwann in jeder Aufführung unbedingt Glitzerkonfetti streuen musste? Das wäre wirklich eine liebevolle Geste gewesen, gerade so wie von der Tochter für den Vater.


    Diese Detail hat mir auch sehr gefallen.


    Die Überlegungen über das weitere Leben der "Sturm"-Protagonisten fand ich auch sehr interessant, überhaupt hab ich aus dem Buch nochmal viele Interpretationen und Gedanken über Shakespeares Sturm und besonders auch Caliban bekommen.
    Der "Caliban" in Hexensaat waren vielleicht auch die Häftlingen, alle zusammen, jeder mit seiner Vergangenheit, seinem Charakter, seinen Vergehen, eingesperrt im Gefängnis so wie Caliban auf seiner Insel. Caliban läßt vielfältige Deutungen zu, so wie auch die Häftlinge alle doch sehr verschiedene Seiten gezeigt haben, kaum jemand ist nur gut oder nur böse.


    Das Ende mit der Kreuzfahrt und seiner Vortragreise zusammen mit Estelle fand ich auch erstmal etwas mau. Andererseits, Felix ist nicht mehr der Jüngste, er hat jahrelang in einer Art Ausnahmezustand gelebt und muß jetzt irgendwie zu einem "normalen" Leben, zu einem Alltag zurückfinden, möglicherweise ohne große Highlights, vielleicht nimmt er da erstmal was sich ihm anbietet und wer weiß, vielleicht ist da so eine Kreuzfahrt erstmal nicht die Schlimmste aller Möglichkeiten. Obwohl ich ihn mir da schon auch eher wie "die zwei Alten in der Muppet-Show" vorstelle. Wer weiß ... vielleicht inszeniert er dann danach ein Stück über Kreuzfahrten :breitgrins: , schön bissig und mit ein bisschen Glitzerkonfetti bei der Abendgala.


    Sehr schön fand ich wie das Loslassen seiner Tochter erzählt wurde und schön fand ich auch daß dieser Hauch von Übersinnlichkeit blieb, die leise Andeutung, daß etwas von Miranda ihn wirklich die ganze Zeit begleitet hat...


    Anne-Maries Interpretation von Mirandas Zukunft fand ich gelungen, wenngleich auch etwas schräg. Ich glaub aber dieses Hinweisen darauf, daß Miranda von den Häftlingen nur und ausschließlich als "Opfer" gesehen wurde, ohne jede Möglichkeit sich zu wehren, eine eigene Meinung zu äußern oder dagegen zu sein, war auch typisch für Atwood, hat sie doch in ihren Büchern viele feministisch inspirierte Themen behandelt. Mir hat da als Kontrakpunkt zu den Gedanken von Team Antonio gut gefallen.




    EDIT:
    Zufällig entdeckt und weil wir ja gerade etwas von der Autorin gelesen haben, Hier ein kurzes Interview mit Margaret Atwood aus der "Zeit". Ich hätte zu gern gelesen was sie für die "Future Library" geschrieben hat, aber das werd ich dann wohl nie erfahren.