Beiträge von Bladwijzer

Achtung! Momentan ist die Registrierung deaktiviert, weil die Zukunft von Literaturschock dank politischer Entscheidungen ungewiss ist (Uploadfilter).
Literaturschock positioniert sich. Keine Toleranz für Nazis und Faschisten, denn wer neben diesen Arschlöchern marschiert, ist entweder selbst ein Nazi / Faschist oder eine nützliche Marionette derselben. Andere Kategorien gibt es nicht.

    Es scheint eine geographische Bezeichnung zu sein:

    "The young Gerenian Nestor , König von Pylos und Sohn des Neleus , nach dem Bezirk Gerenia am messenischen Meerbusen , in dem er geboren sein sollte , bei Homer der Gerenische genannt . Ovid Met . VIII , 313 : primis etiamnum Nestor ..."

    In anderen Texten heisst es, "er sei in Gerenos abwesend gewesen", was wohl heissen soll, er sei während der Schlacht in Gerenos gewesen, und deshalb nicht wie die anderen gefallen. Mit etwas Geduld findet man solche Erklärungen, wenn man in google books den Ausdruck "gerenisch" eingibt (aber meist findet sich nur das Zitat ohne Erklärung).

    Zank. Natürlich habe ich nicht gemeint und wohl auch nicht gesagt, 70% hätten die Frage nicht richtig verstanden. Ich bin mir nur ziemlich sicher, dass nicht alle Ja-Sager sie richtig verstanden haben. Denn viele werden, so vermute ich, bei ihrer Antwort doch an unheilbar kranke Menschen (in unumstrittenen Fällen) gedacht haben.

    Ob es einen "Erwartungsdruck" geben wird, wird die Zukunft zeigen. Die Betroffenen werden es vielleicht nicht so sehen und an ihren "freien Willen" glauben. Hier in Belgien, jedenfalls, sind die Zahlen derer, die den begleiteten Suizid in Anspruch nehmen, erstaunlich hoch (viel höher als in der Schweiz oder den Niederlanden).

    Und danke für den wichtigen Hinweis, wie wir den Titel verstehen sollen.

    Das Fernsehspiel nach Schirachs Buch "Gott" fand ich im grossen und ganzen sehr gut. Danach habe ich noch die Diskussion in "Hart aber fair" gesehen. Das Abstimmungsergebnis (70% befürworten, dass man das Recht auf ärztlich begleiteten Suizid hat, auch wenn man nicht schwer krank ist!) hat mich überrascht und schockiert (wie auch die Ärztin in der Diskussionsrunde). Vor der Abstimmung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es um die Frage geht, ob ein gesunder Mensch (!)einen gesetzlich geregelten Rechtsanspruch auf ein tödliches Medikament haben soll. Vor der Abstimmung wurde auch noch einmal der Fall der 31 jährigen Frau erwähnt, die zwar nicht schuldhaft den Tod eines Kindes verursacht hat, aber mit diesem Wissen nicht mehr leben wollte. Soll auch sie, auf ihren Wunsch, ein tödliches 'Medikament' erhalten dürfen? Auf diese Frage hätte ich eher das umgekehrte Ergebnis erwartet: 30% dafür, 70% dagegen. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob die 70% wirklich sich alle bewusst waren, dass es in der Fragestellung explizit um Personen ging, die nicht unheilbar krank waren oder die unerträglich psychisch oder physisch litten. Es gibt ja genug Menschen, die nicht genau lesen können und noch weniger genau zuhören können. Das Verfassungsgericht hatte ja entschieden, dass das Recht auf begleiteten Selbstmord prinzipiell für jeden gelten soll, nicht nur für Personen, die unheilbar psychisch oder physisch krank sind.

    Schockiert hat mich das Ergebnis allerdings nicht aus religiösen Gründen. Der fiktive kath. Geistliche im Film war übrigens deutlich "besser" als der Vorsitzende der kath. Bischofskonferenz in der anschliessenden Diskussion in 'Hart aber fair'. Wenn ich diesem Buch/Film etwas vorwerfen würde, dann gerade dies, dass es schon im Titel den Eindruck weckt, nur religiöse Gründe würden gegen Euthanasie sprechen. Dann kann man ja die Gegner, wie hier in Belgien üblich, in die Ecke bornierter Christen stellen, die sich - wie schon immer - gegen jeden gesellschaftlichen Fortschritt wehren. Jedenfalls finde ich den Titel "Gott" denkbar ungeeignet. Schockierend auch die Information in der Diskussionsrunde danach: die Nachfrage nach ärztlich begleitetem Suizid hat sich in Belgien in einem Zeitraum von (???) Jahren, verelffacht (in Zahlen: 11x), was erheblich über den Zahlen in vergleichbaren Ländern (NL und CH) liegt. Ich habe wenig Zweifel, dass die quasi bedingungslose Legalisierung der Euthanasie auch einen grossen "Erwartungsdruck" bei alten Menschen, die Angehörigen und den Sozialkassen ja nur noch zur Last fallen, erzeugen wird.

    Er ist vielleicht kein Fanatiker, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch wenn alle Religionen ausgerottet sind, diese Welt kein bisschen besser sein wird, als davor. (Womit ich natürlich nicht bestreiten will, dass auch im Namen einer Religion oft Unrecht geschehen ist). Aber worin der Nutzen dieser Art des Religionskriegs bestehen soll, ist mir nicht so deutlich. Hierzulande ist Gott ja ohnehin schon ziemlich tot, welchen Sinn hat es auf einen Gegner einzutreten, der ohnehin schon am Boden liegt? Vielleicht nerven mich auch mehr manche seiner Anhänger auf facebook als er selbst. Als die Universität Antwerpen ihm ein Ehrendoktorat verlieh, war gerade eine früher katholische Universität (von Jesuiten) mit einer staatlichen zu einer neuen verschmolzen, da der Jesuitenorden sich aus dem Universitätunterricht zurückgezogen hatte. Da war die Verleihung eines Ehrendoktorats an Dwakins halt ein ostentaiver symbolischer Akt: ihr habt nichts mehr zu sagen!

    Ich habe Dawkins einmal live gehört, als er ein Ehrendoktorat der Universität Antwerpen erhielt. Da fand er es bedauerlich, dass Bach die Evolutionstheorie nicht kannte, denn sonst hätte er statt der Mattäuspassion vielleicht diese musikalisch gestaltet. Da dachte ich, dieser Fanatiker gönnt den Gläubigen nicht einmal Bach. Ganz abgesehen davon, dass ich so manche Atheïsten kenne, die mit Begeisterung die Matthäuspassion hören oder gar mitsingen.

    In einer Antwerpener Buchhandlung fand ich heute, zu meiner grossen Überraschung die niederländische Übersetzung des neuen Romans von Pascal Mercier (Peter Bieri). Auf Deutsch wird er erst Ende Januar 2020 ausgeliefert. Aber ich freue mich jetzt schon auf "Das Gewicht der Worte". Auch den letzten Coetzee gibt es schon auf Niederländisch, während die englische Originalausgabe auch erst 2020 erscheinen wird.

    Das ist schade, dass man die Namen der Opfer und das Nachwort zur frz. Taschenbuchausgabe nicht in die deutsche Übersetzung aufgenommen hat. Es wären nur fünf Seiten mehr geworden. 1917 wurde der Autor am 27. Dezember zur jährlichen Gedenkfeier in Liévain eingeladen. Man siehst ihn hier auf einem Foto während seiner Ansprache.

    https://www.lavoixdunord.fr/28…de-la-catastrophe-de-1974

    Dahinter links und rechts auf den Gedenksteinen die Namen der Opfer.

    Ich war einmal ganz in der Nähe, denn in Lens (die Grube liegt teils unter Lens) gibt es seit einigen Jahren eine Filiale des Louvre, um mehr Besucher in diese Gegend zu locken. Wenn ich diesen Louvre 2 noch einmal besuche - 1 1/2 Autostunden von meinem Wohnort - werde ich gewiss auch die Gedenkstätte in Liévain besuchen.

    Jetzt bin ich neugierig auf andere Bücher Chalandons. Sein neuestes ist gerade erschienen.

    Sorj Chalandon: Am Tag davor (Le jour d'avant)

    Man erweist jemandem die letzte Ehre, so sagt man doch, nicht wahr, wenn man einen Toten grüsst. Eine solche Ehrbezeugung ist das Buch "Am Tag davor" des tunesisch-französischen Autors Sorj Chalandon. Das Buch ist den 42 Bergleuten gewidmet, die kurz nach Weihnachten 1974 bei einem Grubenunglück in Liévain-Lens ums Leben kamen. Am Ende des Buches liest man die 42 Namen. Unter ihnen viele polnische, auch einige flämische. Im Nachwort zur französischen Taschenbuchausgabe, ich weiss nicht ob es in der deutschen Ausgabe abgedruckt ist, berichtet der Autor von seinen Lesereisen in den Norden Frankreichs oder Lothringens, überall dahin, wo sie standen, die Fördertürme der Kohlenbergwerke. In den 80-er Jahren wurden die letzten geschlossen. Da sassen sie vor ihm, die Alten mit ihren Staublungen, deren Husten die Lesung aus dem Roman begleitete. Da sassen sie auch, noch mehr, die Witwen, die Kinder, die Enkelkinder, die ihre Männer, Väter oder Grossväter meist sehr früh verloren hatten, - oder auch noch früher, wenn sie Opfer der zahlreichen Unfälle und Unglücke in den Gruben wurden.

    Der Autor war ein wenig besorgt. Hatte er doch ein Opfer nur erfunden, ein 43. Opfer der Katastrophe von Liévain. Und ob dieses 43. Opfer überhaupt ein Opfer war, konnte man sogar bezweifeln. Nach der Lesung aber kamen die Witwen und baten den Autor den Namen ihrer Männer, die früher oder später ein Opfer des Bergbau geworden waren, mit der Hand an die Liste der 42 Opfer von Liévain hinzuzufügen. Das muss für den Autor ein ergreifender Augenblick gewesen sein, auch für den Leser heute.

    "Das Bergwerk tötet uns alle", heisst es im Roman. Michel Flavant, der viel jüngere Bruder, will eines dieser Opfer, seinen Bruder Joseph rächen. Vierzig Jahre nach der Katastrophe, die leicht vermieden hätte werden können, findet er endlich den Schuldigen. Wenig später ist er der Beschuldigte. Die letzten 100 Seiten des Romans schildern den Prozess. Der Autor war viele Jahre Prozessberichterstatter für die französische Zeitung 'Liberation'. Von seiner Erfahrung profitiert das Buch. Aber es profitiert vor allem von der - wie soll man sagen - Menschlichkeit des Autors. Darum ist es ein grosses Buch geworden.

    Dieses Buch (die frz. Ausgabe) habe ich gestern Nacht in einem Hotelzimmer angefangen zu lesen - und hab's kaum aus der Hand gelegt und viel zu wenig geschlafen. Ich habe Deine Besprechung nicht gelesen, aus Angst dass du zu viel verrätst (Das Buch soll eine überraschende Wendung enthalten). Aber ich melde mich, wenn ich es gelesen habe. Bist du wie ich durch das "Literarische Quartett" (August) auf es aufmerksam geworden?

    Ich habe diesen Steinbeck nie gelesen, nur das Buch von Geert Mak. Der Hund spielt vermutlich keine grosse Rolle bei Steinbeck. Er war halt sein Reisebegleiter. So viel ich weiss, machte Steinbeck seine Amerikatour während des Wahlkampfs Kennedy - Nixon. Seine Berichte wurden zunächst in einer Zeitung abgedruckt und er hat unterwegs versucht, die Stimmungslage in verschiedenen Gegenden und zufälligen Gesprächen einzufangen. Maks Buch ist besonders interessant weil er Steinbecks Amerika mit dem heutigen vergleicht. Auf Deutsch heisst Maks Buch einfach 'Amerika', im Niederländischen Original "Reizen zonder John", also "Reisen ohne John" (Steinbeck)

    John Steinbeck: Die Reise mit Charley

    Steinbeck fuhr 1960 mit seinem Hund Charley kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten und machte daraus ein Buch. Vor einigen Jahren hat der Niederländer Geert Mak dieselbe Reise wiederholt (ohne Hund) und seine Eindrücke mit denen Steinbecks verglichen.

    Ich hatte das Problem mit den Ebenen auch, aber habe - für mich - eine Lösung gefunden. Ich lese nämlich die Kapitel 1.0, 1.1,2.1, 3.1, 4.1, 5.1, etc, dann 1.2, 2.2, 3.2, 4.2 ...etc. 1.3, 2.3, 3.3 ….1.4, 2.4 ...Auf diese Art gelesen springt die Geschichte nicht in der Zeit hin und her, weil sie ständig zwischen den 4 möglichen Lebensläufen wechselt, sondern man liest 4 chronologische Lebensläufe nicht nebeneinander, sondern hintereinander. Ich weiss nicht, ob so ein besonderer Reiz verloren geht, aber hilfreich ist es schon. (die zweite Ziffer im Kapitel deutet ja immer die Lebnslaufvariante von 1 bis 4 an, und die erste Ziffer sind die chronologisch aufeinander folgenden Kapitel. Nur das allererste Kapitel weicht davon ab (das einzige mit einer Null als zweite Ziffer). Es ist, wenn ich mich gut erinnere, allen 4 Lebensläufen gemeinsam.

    Im Niederländischen (Flandern) gibt es verbal keinen Unterschied zwischen Kommunion und Firmung. Es gibt die 'eerste communie' (Erstkommunion) und die 'plechtige communie' (wörtlich: feierliche Kommunion = Firmung). Anders als in Deutschland folgen sie nicht kurz nacheinander. Die 'erste' mit ca 8 Jahren, die 'feierliche' zum Ende der Grundschulzeit (d.h. hier in B mit 12 Jahren).