Beiträge von ysa

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    Danke für die Infos!

    Wie lange hast Du eigentlich für diese Bücher recherchiert? Es ist ja sicher einige Arbeit notwendig, damit man solche Infos zeitlich richtig in einen Roman verstricken kann. Aber genau das macht diese Romane so interessant!


    Die Frage hast Du sicher schon in der letzten Leserunde beantwortet, aber ich habs leider vergessen...

    Wie viele Teile planst Du mit Martha und ihrer Familie? Es stehen ihr ja noch geschichtlich sehr turbulente Zeiten bevor!

    :winken:

    Liebe Melanie, liebe Mitleserinnen - wie schön, dass wir uns zu dieser Leserunde wieder treffen!

    Ich hab mich schon auf dieses Fortsetzung gefreut.


    Auch in dieses Buch bin ich ganz leicht reingekommen: sofort ist man Mitten in der Geschichte. Martha und Paul haben mittlerweile 3 Kinder und ihr Leben hat sich einigermaßen verändert. Wenn man bedenkt, welchen Weg Martha hinter sich gebracht hat, seit ihrer Kindheit im Gängeviertel.


    In diesem ersten Abschnitt hab ich mich schon über das Wiederlesen mit Martha gefreut, aber eigentlich finde ich all die "kleinen Nebeninfos" momentan noch viel interessanter. :verlegen:

    Und es gibt ja wirklich viele davon: dass Paul bereits ein bekennender Sozialdemokrat war - Melanie Metzenthin hast Du nicht erwähnt, dass es in diesem Buch auch um die Entwicklung der sozialdemokratischen Bewegung gehen wird? Oder hab ich das falsch in Erinnerung:confused:.


    Aber auch Marthas Stellung als ehrenamtliche Krankenschwester... weil eine verheiratete Frau ja keine Krankenschwester sein konnte. Durch diese Doppelmoral ist ja leider viel Wissen ungenutzt geblieben und mögliches Engagement ist verloren gegangen.

    Ach ja, da war ja noch die Beschreibung der Wohnung mit dem WC. Und die Diskussion, ob ein WC in der Wohnung wirklich hygienisch sein kann. Ich kann mir schon vorstellen, dass es damals angezweifelt wurde.


    Ebenso gefallen hat mir die Beschreibung von dem "Imperator". Soviel Luxus war wirklich ungewöhnlich zu dieser Zeit! Ich hab ein wenig nachgelesen - so ganz problemfrei war ja der Beginn des Imperators nicht.


    Und dann natürlich auch die Hauptthemen: das Schicksal von Frau Schwenke und ihren Kindern. Gerade in diesem Zusammenhang sind mir viele Dinge aufgefallen, die ich bis jetzt einfach als gegeben hingenommen habe und nie wirklich darüber nachgedacht habe: zum Beispiel seit wann es Kindergärten gibt oder wie ausgebreitet die Heilsarmee in Europa war (oder noch ist?) und natürlich wie die Kinderheime organisiert waren bzw wie sie finanziert wurden. Der Gedanke, dass auch Weisenkinder in einer Art Familienverband aufwachsen, war ja anscheinend schon vorhanden, aber die Ausführung war mangelhaft. Auch diesbezüglich waren die Mädchen benachteiligt.

    Melanie Metzenthin Weißt Du zufällig, warum Wichern das Haus so genannt hat? Es klingt ja eigentlich kalt und abweisend... Der Preis, den das Rauhe Haus verlangte, war schockierend hoch...
    Aber trotz aller Institutionen, gab es immer wieder Kinder, die nirgends aufgefangen wurden und damit fast sicher ins Kriminelle abrutschen mussten. Schlimm, dass die Moral der Erwachsenen zu Lasten der Kinder ging.


    Und wie war das mit der Halbweisenrente? Wer bezahlte da? Wem? Wieviel?


    Ach ja... da war ja auch noch die Geschichte um Li-Ming.

    Ganz ehrlich: irgendwie nervt Martha diesbezüglich und ich verstehe ihren Bruder durchaus, dass er sie fast zurückweist! Marthas Zweifel an Li-Mings Vergangenheit oder ihre Gefühle für Heinrich mögen ja durchaus begründet ein, aber das ist doch wirklich Heinrichs Angelegenheit. Er ist ja eigentlich kein naiver Idiot, der unüberlegt heiratet.

    Und der Vater hätte ja eigentlich selber etwas sagen können... was er dann ja eigentlich eh gemacht hat. Nur halt etwas spät, in Form eines Krachs.


    So viele Gedankenanregungen und Informationen - einfach interessant zu lesen! Ich brauch nur immer wieder Zeit zum googeln.... :daumen: Aber ich hab ja heute Nachtdienst und ich hoffe, dass ich dafür ein wenig Zeit finden werde!:breitgrins:

    Aber ich finde es generell schwer, anderen Bücher zu empfehlen, da die Geschmäcker so unterschiedlich sind.

    Damit hast Du schon recht - die Geschmäcker sind wirklich unterschiedlich. Aber ich lasse mir auch geren mal ein Buch empfehlen. Natürlich weiß ich schon, wer so ungefähr meinen Geschmack trifft und wer nicht. Aber ich hatte zwischendurch immer wieder positive Überraschungen dabei. Es zahlt sich aus, mal etwas zu riskieren und ein wenig fernab der üblichen Lesepfade zu schmöckern!


    Ich sag das ungern über meine Geschlechtsgenossen, aber: 98% aller Männer würden das falsch verstehen ...

    Warum falsch?:gruebel:

    Das verspricht ein interessantes Gespräch zu werden -

    Ich würde wahrscheinlich erst nach dem Lieblingsgenre fragen. (Bei Science Fiction kann ich überhaupt nicht mitreden.) Aber ich glaube, ich würde auch viele Tipps erhalten...


    Es gibt so viele empfehlenswerte Bücher...


    Bei Krimis würde ich wahrscheinlich die August-Emmerich-Reihe von Alex Beer empfehlen.

    Allgemein wäre Paasilinna ein Tipp oder Vea Kaisers "Rückwärtswalzer" empfehlenswert.

    Jüngeren Menschen würde ich "Wer die Nachtigall stört" ans Herz legen.

    Gestressten würde ich "Achtsam morden" mitgeben.

    Reiselustigen, die zu Hause bleiben müssen "Das Buch vom Süden" von Andre Heller

    ....


    In meiner Lieblingsbuchhandlung darf die Leserunde 1x in der Vorweihnachtszeit die Herrschaft über die Buchhandlung übernehmen - als Verkäufer... da werde ich mich heuer austoben!;)

    Ja ich denke ein Großteil wird das gemacht haben, weil sie mussten, da sie durch irgendwas erpressbar waren, so wie Alice. Ich will jetzt nicht übermäßig Verständnis haben, aber es muss auch eine Belastung sein, wenn man der Spitzel ist und Freunde verrät und denen dann vielleicht auch was passiert.

    Ich weiß nicht, ob es ein Großteil war oder nicht - aber wenn man zwangsweise Spitzel war, so wie Alice, dann muss das eine enorme Belastung gewesen sein. Das wird ja auch im Roman thematisiert: Alice bricht den Kontakt zu Emma und ihren Freunden ab, weil sie sie nicht bespitzeln will oder kann.

    Keine einfache Entscheidung. Und auch sicher kein Einzelfall...

    Wie traurig!

    Claire Winter und an alle Mitleserinnen!


    Herzlichen Dank für diese wirklich interessante Leserunde. Ich konnte nicht viel dazu beitragen - ich habe keinen Bezug zu Berlin und der Mauerbau war lange vor meiner Zeit. Ich hab Berlin als geteilte Stadt nur durch die Medien erlebt. Natürlich sah ich die überschäumende Freude am Tag des Mauerfalls...

    Jetzt - durch das Buch und durch Eure Erzählungen - hab ich einen gänzlich anderen Bezug dazu. Wir sollten ja aus der Geschichte für die Zukunft lernen...


    Die Erzählungen Euer Erlebnisse haben mich wirklich berührt - herzlichen Dank, dass ihr da so freigibig und offen erzählt habt.


    Ich werde die Rezi auf mehrere Seiten stellen - sorry, wenn ich hier die Links nicht vollständig aufzählen werde. ich bin ab morgen im Urlaub und damit schon fast im Freizeitstress!


    Nochmals: Herzlichen Dank für diese Leserunde!

    Claire - Du hast einen neuen Fan!:)


    Literaturschock

    LB

    Lieblingsbuchhandlung

    "Kinder ihrer Zeit"

    von Claire Winter



    Claire Winter erzählt von den Zwillingen Emma und Alice, die gegen Ende des zweiten Weltkrieges auf der Flucht getrennt werden. Beide überleben, wachsen aber in komplett verschiedenen Gesellschaftssystemen auf. Beide leben dann im geteilten Berlin – eine im Westen, die andere im Osten. Das Wiedersehen gestaltet sich dementsprechend kompliziert.


    Es ist eine fiktive Geschichte, aber sie wurde inspiriert durch zahlreiche Schicksale, die die Autorin im Rahmen ihrer genauen Recherche kennenlernte. Genau recherchiert wurden auch die historischen Fakten aus der Zeit von 1945 bis 1961. Politische Hintergründe, der Kalte Krieg, Berlin als Spionagehochburg werden ebenso thematisiert wie das alltägliche Leben in der geteilten Stadt, die systematischen Bespitzelungen im privaten und beruflichen Umfeld. Die Autorin schildert lebensnah, wie die Menschen damals den Alltag bewältigten.


    Vor diesem Hintergrund agieren die sehr anschaulich charakterisierten Protagonisten – manche sehr sympathisch, andere extrem unsympathisch, sehr menschlich eben - und so erleben wir Geschichten über Betrug und Erpressung, über Spionage und Bespitzelung, aber auch über Liebe und Freundschaft, Hilfsbereitschaft und vor allem über das Finden und Wiederfinden der Zwillingsschwestern.


    Die Autorin vermischt gekonnt historische Fakten mit fiktiven Geschichten. Sie ist eine Meisterin der Dramaturgie und ihr Schreibstil ist angenehm klar und schnörkellos. Resultat ist ein außergewöhnlich spannender und emotional berührender Roman, der von der ersten bis zu letzten Seite mitreißt und emotional fesselt und gleichzeitig aber auch über eine wichtige Epoche europäischer Geschichte informiert.


    Wirklich lesenswert!


    5ratten:tipp:

    Mein Highlight war ja Max mit seiner kleinen Tochter. Da ist mir das Herz übergegangen, wie er sie sofort um den Finger wickelt. Gut finde ich, dass offen gelassen wird, ober er und Alice doch noch zusammen kommen.

    Stimmt! Ich hab eigentlich nur wenig über Max geschrieben, aber er war zweifelsohne einer meiner Lieblinge dieses Buches. Weil er ein verlässlicher Freund war und sich als solcher wirklich bewährt hat, weil er ein geradliniger Mensch war, der auch bereit war für Recht und gegen Unrecht zu kämpfen.

    Dass er seine kleine Tochter sofort lieb gewinnt ist ein zusätzliches Plus - weder damals noch heute eine Selbstverständlichkeit.

    Es sollte mehr Maxes :herz: geben!

    Das fand ich auch sehr versöhnlich, das Haushofer wohl ausgetauscht wird. Da war Julius' Einsatz nicht umsonst.

    Das hat mir auch sehr gut gefallen. Gibt es eigentlich Zahlen, wie viele so wieder in den Westen ausgetauscht wurden?

    Was für ein Finale!

    An Spannung und Emotionen kaum zu überbieten.


    Alice ist glückliche Mutter und damit noch erpressbarer.

    Julius forscht und spioniert weiter in Zeuthen.

    Wie schön, dass er ihr immer wieder freundschaftlich zur Seite gestanden ist. Auch in der DDR war anscheinend ein uneheliches Kind noch immer Grund für Anfeindungen.

    Julius spioniert für den CIA und ist mittlerweile Parteimitglied und "linientreu". Er möchte Sigmund helfen und hat sich deshalb dafür entschieden, für den CIA zu arbeiten. Daher auch die Trennung von Emma.

    Auf allen Seiten wurde spioniert und bespitzelt - unmenschlich. Ich kann mir den Umgang der Menschen untereinander unter diesen Umständen kaum vorstellen. Wie sieht das soziale Leben aus, wenn immer und überall Misstrauen herrscht? Und wie kann man es aushalten, faktisch immer enttarnt werden zu können? Was für ein Leben ist das?


    Alice, die selber Spitzeldienste leisten muss wird durch die Entdeckung, dass Julius ebenso spioniert total verunsichert. Ihre Krise ist deutlich spürbar - denn einerseits hält sie sein Verhalten für verabscheuenswert, andererseits ist es aber jener Julius, der ihr immer geholfen hat. Was für ein schrecklicher innerer Konflikt!

    Es spricht für ihren Charakter, dass sie ihm trotzdem hilft.

    Die Konsequenzen sind für sie aber wirklich brutal - ihre kleine Tochter wird ihr entzogen.

    Und die Stasi unternimmt alles um Julius unglaubwürdig erscheinen zu lassen.


    Im Hintergrund wurd der Mauerbau schon lange geplant. Ich versteh fast, dass so ein Plan eigentlich fast nicht ernst genommen werden konnte. Es scheint so utopisch! Und dann war der Stacheldraht plötzlich Realität. Plötzlich waren alle Grenzen geschlossen. Wie müssen sich da die Menschen gefühlt haben?
    Diese fast ausweglose Situation wird doch noch geklärt. Es ist fast ein Showdown, als Alice und Emma ihre Rollen kurz tauschen und das gründlich schief geht.

    Alice versucht noch Emma zu helfen, aber ohne Sergej wäre eine Flucht völlig unmöglich gewesen. Was wäre dann mit Emma und Alice geschehen? Gefängnis?

    Es ist Sergej, der sie rettet und sich "opfert". Dass er dabei auch mit letzter Kraft Markov tötet ist zwar - für meinen Geschmack - ein wenig dick aufgetragen, aber äußerst befriedigend. (Ich mag es, wenn die Bösen am Schluss auch mal bezahlen müssen!)


    Am Ende sind alle in Sicherheit und glücklich. Auch wenn ich nicht immer Happy Ends brauche, so finde ich es hier richtig passend: viel zu nervenaufreibend waren die Ereignisse der letzten Seiten!


    Es war eine total spannende Leserunde. Herzlichen Dank auch an alle, die hier so offen über die eigenen Erfahrungen erzählt haben. Das war großartig!

    Für mich wurden durch das Buch und durch Eure Erzählungen viele Dinge, die bis jetzt rein als Geschichtswissen irgendwo im Hinterkopf herumdümpelten, dramatisch lebendig und damit haben zahllose Opfer der Politik ein Gesicht bekommen.

    Das stimmt, das ist super beschrieben und es tut mir auch beim Lesen innerlich richtig weh.

    Und es hat sich von Abschnitt zu Abschnitt gesteigert, so dass ich tatsächlich vor dem letzten Abschnitt eine kleine Pause einlegen musste. Alles war möglich und ein paar Varianten, wie diese Geschichte ausgehen könnte, wollte ich wirklich nicht lesen!

    Kompliment!