Beiträge von LizzyCurse

Bitte achtet auf euch und eure Lieben! Bleibt gesund!

Zum Thema COVID19 darf ab sofort ausschließlich in diesem Thread geschrieben werden!

    gagamaus

    Man kann ja such manches ganz subtil einbauen ohne das es die Handlung selbst offensichtlich politisch macht. Zb wenn man ohne Diskussion darüber die Figuren divers gestaltet und Mädchen mal nicht die ganze Zeit gerettet werden müssen. Und ohne das die weibliche Hauptfigur nur deshalb so toll ist, weil andre Figuren dümmlich oder unsympathisch sind. Das wäre auch mal Haltung zeigen. Mir fiel es bei Cassardim wohl auch so extrem auf, weil ich zur Zeit eher englisch sprachige Fantasy lese und die Diskussion dort viel viel weiter ist. Zb Katherine Arden Der Bär und die Nachtigall. Wasja kommt gar ganz ohne Love interest aus im ersten Band! (die weiteren Bände kenn ich. Ich nicht).

    Stimmt, das ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür. Was mir auch sofort einfällt ist "A guide for peticote and piracy" von M. Lee - total cooles, frisches Historybuch mit einem mal ganz anderem Lebensentwurf für das Zurechtkommen in der (damaligen) Welt, die eigentlich nur nach dem Prinzip "Wie verheirate ich mich möglichst Gewinnbringend" funktioniert.

    Ich finde es schon wichtig, dass Dinge angesprochen werden, die die Jugendlichen (oder die Erwachsenen) zum Nachdenken bringen. Unsere Welt besteht nun mal nicht nur aus Likes ... und ja, solche Dinge sollen manchmal auch sperrig und unbequem sein!

    Kaufen* bei

    Amazon
    Bücher.de
    Mojoreads
    Buch24.de
    LChoice (lokal)

    * Werbe/Affiliate-Links


    Das neunte Haus von Leigh Bardugo


    Galaxy Stern erwacht im Krankenhaus und bekommt ein Angebot, dass sie nicht abschlagen kann. Eine neue Chance, ein neues Leben, um ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Galaxys Welt ist nicht nur von Menschen bevölkert, sondern auch von Grauen. Den Geistern, die gewöhnliche Menschen nicht sehen können. Doch Galaxy – Alex – hat diese Gabe und ist für die Häuser an der Universität somit Gold wert. Denn ihr fällt es leicht, aufzupassen, ob die Geister keine Unruhe stiften, während die betuchten Mitglieder der verschiedenen Häuser ihre Rituale oder Vorhersagen durchführen – bis ein Mord geschieht …


    „Das Neunte Haus“ ist der erste Roman von Leigh Bardugo ganz abseits des Grishaverses – und vorweg genommen: Es ist super coole dunkle Urban Fantasy vom Feinsten. Ich ging recht skeptisch an ihr neustes Werk heran, da mich „King of Scars“ nicht wirklich packen und überzeugen konnte, obwohl ich die Charaktere wirklich mochte. Aber beim „Neunten Haus“ stimmt einfach alles – beginnend bei den Charakteren bis hin zur düsteren Collegeatmosphäre. „Das neunte Haus“ ist übrigens der Beginn einer mindestens zweibändigen Reihe. Die Ankündigung des zweiten Bandes findet ihr schon auf goodreads.com – leider noch ohne Erscheinungsdatum. Doch, dass ich mich auf mehr freuen kann, erhellt mein Bardugo-Fanherz.


    Der Anfang macht schon einmal sehr neugierig – und er macht deutlich, dass wir es hier nicht mit einer College-Romance-Story mit leichtem Phantastik-Glamour zu tun haben. Schließlich wäscht sich Alex nicht umsonst das hartnäckige Blut aus ihrem guten Wollmantel. Die Kapitel sind immer mit Jahreszeiten überschrieben. Herbst, Winter, Vorfrühling, Frühling – die Zeitangaben sind bedeutsam, folgt die Erzählung doch nicht einer strengen Linie, sondern springt des Öfteren mal in der Zeit umher – was ich sehr angenehm finde, verleiht diese Asymmetrie dem Buch noch einen Spritzer Komplexität. Ich fand mich jedenfalls sehr schnell zurecht.


    Man müsste schon die Gene eines Maulwurfes besitzen, um nicht von Beginn an zu merken, dass Alex viel durchgemacht hat. Ihre Geschichte wird im Laufe des Buches aufgerollt und erläutert – und ich konnte ihre Wut, ihre Zurückhaltung und ihre Furcht im Bezug auf Menschen nur zu gut verstehen. Und doch ist sie nicht auf den Mund gefallen, kann sich durchsetzen und ich empfand ihren Charakter nicht ein einziges Mal nervig, was ja bei mir sehr schnell mit weiblichen Protagonisten geschehen kann. Derjenige, dem der zweite Point of View gehört, ist Darlington – ein Angehöriger von Lethe – dem Neunten Haus. Er ist Alex‘ „Mentor“ – und zu Beginn nicht sehr amüsiert, dass seine Meinung bei der Auswahl des „Dante“ – Alex‘ Position – nicht berücksichtigt wurde. Armer Kerl, er kann einem leid tun ;)

    Ich mochte Darlington sehr, er weiß was er will, ist treu und klug und er bewohnt ein schickes altes Haus, das er vor dem Verfall bewahren will – und ist tief verstrickt in die Tätigkeiten der Häuser. Mein Herz gehört aber wie eigentlich fast immer den Nebencharakteren, Dawes und Detective Turner. Ich will an dieser Stelle noch nicht zu viel Preisgeben, aber mir sind sie während der Lektüre sehr ans Herz gewachsen. Mit Turner hatte ich auch das ein oder andere Mal ein bisschen Mitleid. Die Yaleschen Umtriebe können einen schon zur Verzweiflung treiben.


    Wie ist nun die Magie mit eingeflochten? Ganz einfach: Sie ist da – sie fällt nicht aus dem Rahmen, springt dich nicht an, sondern entfaltet sich von Seite zu Seite ein bisschen mehr, Zunächst nimmt man nur die Geister wahr, dann kommt immer mehr dazu und plötzlich ist man verzaubert, obwohl man sich doch eigentlich mit Alex durch den Collegealltag schlägt. Die acht Häuser mit dem neunten – Lethe – als Wächter sind klug erdacht und spezifiziert, doch ihre Beschreibung wirkt nie oberlehrerhaft. Und ich hatte immer das kitzelnde Gefühl, dass sich hinter den Häusern noch eine Schicht mehr verbergen könnte. Bardugo hat diesen Aspekt der Geschichte einfach nur großartig in Szene gesetzt.


    Das I-Tüpfelchen war für mich der Kriminalfall, der sich wie eine zweite Haut über die Handlung legt und sie von Seite zu Seite mehr bestimmt. Alex ermittelt heimlich, da sie der Mord nicht loslässt. Und Ich liebe Phantastik mit Krimielementen, die nicht zu starr in der Handlung erscheinen. Das trieb mich heute dazu, den Tag lesend und nägelkauend im Sessel zu verbringen, weil sich Puzzleteil um Puzzleteil für mich zu einem Ganzen fügte.


    Doch seid gewarnt, das Buch ist ebenso blutig wie fantastisch – Der Mensch ist ebenso monströs wie die Monster selbst. Von mir erhält das Buch fünf Sterne – Danke, Bardugo für dieses fantastische tiefgreifende Werk.


    5ratten

    3 Jahre sind vergangen, seit dem Ophelia Thron das letzte Mal gesehen hat – und ihre Freunde vom Pol. Nun ist das Geheimnis der Windrose endlich entschlüsselt und Ophelia kann ihrer Arche entkommen und sich selbst auf die Suche nach Antworten – und nach Thorn – begeben. Die Hinweise führen sie nach Babel. Auf der Arche schreibt sie sich als „Lehrling“ ein und sieht sich alsbald mit Geheimnissen, Intrigen und Verstrickungen konfrontiert. Und über allem schwebt immer noch die Gefahr der Zerstörung der Archen …


    „Das Gedächtnis von Babel“ stellt den dritten Band in der vierbändigen Reihe rund um die Spiegelreisende Ophelia dar. Der vierte Band soll Mitte Mai diesen Jahres erscheinen (und ich bin schon ziemlich gespannt darauf, so viel vornweg ;))

    Nachdem uns Band 1 und 2 auf die Arche des eisigen Pols verschlagen haben, geht die Reise in diesem Band auf die Arche Babel, voller strikter Regeln und mehr Technik, als ich im ersten Moment vermutet hatte. Die Arche erinnert ein bisschen an eine Mischung aus Steampunk-Fantasien und dem Stand der Forschung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ich fand es ziemlich erfrischend, wurde Ophelia doch im letzten Band vorzugsweise mit Illusionen der realen Welt konfrontiert.

    Auf ihrer Suche nach der Wahrheit, nach Thorn und nach Gott, begibt sie sich in unbekanntes Terrain – als Lehrling, um am Konservatorium der guten Familie arbeiten zu dürfen – wir durchleben die Lehrlingszeit, die alles andere als einfach ist und ihre verzweifelte Suche nach Thorn. Denn nur als Vorbote hat sie Zugang zu Informationen aus der Vergangenheit, die unter Verschluss gehalten werden.

    Ophelia selbst empfand ich wie auch schon im letzten Band angenehm. Sie hat ihre Naivität abgelegt und kämpft gegen ihre eigene Zurückhaltung. Dabei gelingt es der Autorin richtig gut, Ophelias Entschlossenheit und Zerrissenheit zu skizzieren, ohne zu übertreiben. Auch ein Widersehen mit Thorn bleibt nicht aus ;) Ich persönlich habe mich darüber gefreut. Wir lernen neue Figuren kennen, und am Anfang waren Ophelia und ich uns alles andere als sicher, ob wir ihnen unser Vertrauen schenken sollen oder nicht – Misstrauen ist in dieser Welt vorprogrammiert. Aber ich habe mit Ophelia gezweifelt und gelitten. Die Figuren sind der Autorin exzellent gelungen, und ihre Entwicklungslinien konnte ich sehr gut nachvollziehen. Auch der Schal (mein heimlicher Liebling!) ist wieder mit von der Partie.

    Die Spannung ist zu Beginn hintergründig vorhanden und der Bogen gewinnt an Höhe, sobald man die Mitte überwunden hat. Doch ich empfand die mittelmäßige Spannung keinesfalls als Makel. Das Buch lebt von seinen Geheimnissen, die aufgedeckt werden wollen und von den eben schon erwähnten Figuren. Keine Angst, auch Actionfans kommen auf ihre Kosten – doch dies ist kein Buch, in dem es alle paar Seiten richtig zur Sache geht – nur um das vorn Weg zu nehmen. Intrigante Angriffe findet man hier jedoch des Öfteren.

    Die Liebesgeschichte zwischen Ophelia und Thorn hält sich angenehm im Hintergrund. Ständiges Aneinanderkleben und säuselige Liebesbekundungen hätten in dieses Buch, vor diesen Hintergrund in keiner Weise gepasst – und trotzdem gehören einige Dinge zwischen den beiden ausgesprochen.

    Ich habe zudem einiges über die alte Welt erfahren (ich giere förmlich nach Informationen darüber, aber da alles über den Krieg auf dem Index steht, erfährt auch der Leser nur Bruchstücke der Geschichte – Gemeinheit!).

    Ich bin begeistert von dem Buch und liebe diese fantastische Andersartigkeit, mit der die Bücher daher kommen. Ich hoffe sehr, im letzten Band einige Antworten zu erhalten und lasse diesen gerne mit voller Punktzahl zurück.


    5ratten:tipp:

    Lieber Ulf =) Ich habe die Rezi geschrieben und auf einigen Plattformen gestreut, auf Amazon ist es mir leider nicht möglich, da ein Algorhythmus auf dieser Seite meine Rezis nicht mehr annimmt. Ich habe keine Ahnung was der Grund ist, habe mijch diesbezüglich auch schon mit dem Kundendienst auseinandergesetzt, leider ohne Erfolg.

    Das ist aber seltsam. Habe ich kürzlich auch von jemand anderem mitgeteilt bekommen.

    Trotzdem, danke für den Versuch.

    Ja ... es geht leider einigen so :(

    Lieber Ulf =) Ich habe die Rezi geschrieben und auf einigen Plattformen gestreut, auf Amazon ist es mir leider nicht möglich, da ein Algorhythmus auf dieser Seite meine Rezis nicht mehr annimmt. Ich habe keine Ahnung was der Grund ist, habe mijch diesbezüglich auch schon mit dem Kundendienst auseinandergesetzt, leider ohne Erfolg.

    Mailin hat das Land über dem gefrorenen Himmel immer für ein Märchen gehalten. Doch als ihre Freundin Silja aus ihrem Dorf Falun entführt wird, muss sie sich auf die Suche nach ihr begeben und lernen, dass auch eisige Märchen und Legenden bisweilen einen wahren Kern haben können. In das Schloss des Winterkönigs kann sie nur mit Schläue und der Hilfe ihrer neuen Freundinnen Toma von Clan der Elchreiter und Birgida, selbst eine Gefangene des Winterkönigs, eindringen. Und was ist mit dem toten Jungen, den sie immer in ihren Träumen sieht?


    Ich lese Nina Blazon nun schon seit vielen Jahren und ihre Bücher umgibt immer eine besondere Magie, die mein Herz für die Welt der Protagonisten und ihre Charakterzüge – jeder so einzigartig wie eine Schneeflocke - schlagen lässt. Ich konnte nicht anders, als mich auch auf „Rabenherz und Eismund“ mit hohen Erwartungen zu stürzen.


    Der Beginn vereinnahmte mich gleich voll und ganz. Wir lernen Mailin, aus deren Perspektive das Buch erzählt wird, und ihre kleine Schwester Run kennen – und ihr Lebensumfeld um Dorf Falun – und ich hatte gleich so ein warmes Gefühl im Bauch. Nina hat ein Händchen dafür, Sachverhalte und Situationen so zu beschreiben, dass oftmals das Kopfkino angeworfen wird. Bei mir war das vor allem im ersten Drittel der Fall – ich liebte das Dorf, die Apotheke, das Gasthaus, die Umgebung von Falun. Die Autorin nimmt sich genügend Zeit, die Protagonisten einzuführen und Handlungsfäden so stark zu weben, sodass sie einen unwillkürlich mitreißen. Welches Geheimnis verbirgt Silja? Und wird Mailin irgendwann ihrem Herz folgen oder doch nur der Vernunft folgen?

    Mit Mailin hat Nina einen spannenden Hauptcharakter geschaffen, der selbst mich nicht zum Augenverdrehen gereizt hat. Sie steht im Leben, hat aber ihre Träume und Sehnsüchte, die sie zugunsten ihrer Familie unterdrückt. Schließlich muss sie sich um sie kümmern! – und stolpert mal eben in das größte Abenteuer ihres Lebens.


    Das Land über dem gefrorenen Himmel übte einen ganz eigenen eiskalten Zauber auf mich aus. Nina spielt wirklich gekonnt mit eiskalten Motiven aus der Schneekönigin und webt andere magische Wesen mit ein, so bekommen wir es mit spitzzahnigen Nixen zu tun, Spiegelwesen, Feen und magischen Träumen – und alles so gekonnt verwebt, dass es nicht eindimensional wirkt, sondern so, als wären die Wesen geradewegs für Ninas Welt erfunden wurden. Neue Charaktere kommen hinzu – Toma, die Clanangehörige, fand ich mitsamt ihrer Kultur und ihrer gesamten Lebensweise einfach großartig. Und Birgida, die gerade erst entdeckt, dass es soetwas wie Freiheit gibt, ebenso.

    Der Spannungsbogen wächst in diesem verwunschenen Land rasant an und da tut es gut, dass es auch ruhige Szenen gibt, in denen die Charaktere ihre Fühler ausstrecken und sich sammeln können.

    Ich hatte in der Eiswelt, die so voller wunderbarer Ideen steckt, nur das Gefühl, dass ich eher Bilder sehe und kein Kopfkino mehr – es war so actionreich, dass ich bisweilen Mühe hatte, zu orten, welcher Gefahr die Charaktere gerade entkommen.


    Doch das schmälert den Lesegenuss keinesfalls. Ich habe den Roman sehr genossen und vergebe 4,5 Sterne für eine wunderbare Welt.


    4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:

    da muss ich euch recht geben - durch die Liebesgeschichte wird dem Ende ein kleiner Hoffnungsschimmer gegeben, den ich nur begrüßen kann ... wie gagamaus schon sagt - man hat das Gefühl, dass das Leben weiter geht, trotz der schlimmen Ereignisse und trotz des Krieges, der sicher schon am Horizont herauf dämmerte =)


    ich hoffe ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen =)

    Juni 1914. Es ist die Woche, die alles entscheidet. In dieser Woche machen sich drei junge und hoffnungslose Serben auf den Weg nach Sarajewo, wo der österreich-ungarische Thronfolger einem Militärmanöver beiwohnen und sterben soll. Gavrilo Princip und seine Gefährten haben sich nun seit Monaten auf diesen Tag vorbereitet, doch dem Geheimdienst sind Gerüchte zu Ohren gekommen und Major Rudolf Markovic tut alles, um den Thronfolger zu schützen.


    Eine ungewöhnliche Zeit, eine ungewöhnliche Thematik für einen Autor, den ich bisher für seine Mittelalterromane geschätzt habe. Doch nach seinem letzten Monumentalwerk war ich ebenso bereit für ein neues Abenteuer in einer neuen Zeit wie er anscheinend.

    Die Fakten kennt wohl jeder aus dem Geschichtsunterricht. Der Thronfolger fiel 1914 einem Anschlag in Sarajevo zum Opfer, was als (Mit)auslöser für den ersten Weltkrieg galt. Nun legt Ulf Schwie mit diesem Werk einen Roman vor, der die Woche des Anschlags beschreibt – und den Lesern die Sachlage sowie die Charaktere emotional näher bringt, als es wahrscheinlich der Geschichtsunterricht getan hat. „Der Attentäter“ ist im Übrigen ein Einzelband und nach dieser turbulenten Woche abgeschlossen.


    Der Prolog fesselt ungemein, werden uns da doch Gavrilos Emotionen in Bezug auf das Attentat näher gebracht. Ich habe mich jedenfalls schon im Prolog gut auf diesen Roman vorbereitet gefühlt. Er ist unglaublich spannend und ich gebe zu, ich habe die Schultern schon ein bisschen hochgezogen, als die Kugeln flogen.


    Ulf Schiewe hat für diesen Roman das Präsens gewählt, in der er die Geschichte erzählt. Zunächst – auch das muss ich zugeben – bin ich darüber gestolpert, weil es ungewohnt für einen historischen Roman ist und ich mich erst mal damit „abfinden“ musste, dass es eben nicht in der Vergangenheitsform geschrieben ist. Doch es macht Sinn, hatte ich doch gerade durch die Präsensform das Gefühl, die Geschichte läuft eben erst ab. Man könnte das Attentat noch verhindern und alles könnte vielleicht doch noch ein gutes Ende nehmen. Dieses „gerade erst passiert“ Gefühl trägt ungemein zur Aufrechterhaltung der Spannung bei, genauso wie die Kapitelüberschriften, die immer Datum, Zeit und Ort beinhalten und somit ein Countdowngefühl beim Leser wecken. Bald ist es soweit! Bald!

    Die Spannung in diesem Buch lässt folglich nichts zu wünschen übrig. Ich habe das Level immer als sehr hoch eingeschätzt.


    Der Roman wird in drei unterschiedlichen Strängen erzählt. Die Attentäter werden unter die Lupe genommen, der Geheimdienst rund um den Major trägt zur Spannungssteigerung bei und der Erzählstrang von Franz Ferdinand und seiner Ehefrau bringt uns den Thronfolger und seine Frau näher. Ulf Schiewe selbst bezeugt, dass die meisten seiner Figuren der Wirklichkeit entsprechen, so existiert auch beispielweise Gavrilos Familie. Franz Ferdinand und seine Frau sind mir besonders nahe gekommen. Ich wusste, dass sie sterben würden, aber ein Teil von mir hat bis zuletzt gehofft. Ich empfand Franz Ferdinand mit seinem aufbrausenden öffentlichen Auftreten und seiner liebevollen Art im Kreise seiner Familie als zutiefst menschlich, nicht unbedingt sympathisch, aber menschlich. Und das hat für mich gezählt. So brachte mit Ulf Schiewe Figuren näher, die ich bisher nur flüchtig im Geschichtsunterricht gestreift hatte bzw. denen ich im Angesicht der Ereignisse mit größerer Reichweite nicht viel Beachtung geschenkt hatte.

    Schiewe hat den Versuch unternommen, uns die Attentäter von Sarajewo, ihre Lebensumstände und ihre Situation näher zu bringen – verpackt in Erzählender Handlung. Ich kann sie jetzt besser nachvollziehen, obwohl ich manchmal den Kopf geschüttelt habe über verblendete Meinungen und dergleichen.


    Alles in allem hat mich der Roman vor allen Dingen durch seinen Spannungsaufbau und seine Dramatik überzeugt. An die überraschende Präsensform musste ich mich erst einmal gewöhnen. Vier Sterne vergebe ich hierfür.

    So ist es mir auch zwischendurch immer wieder gegangen: ich musste mich mehrmals daran erinnern, wie die Geschichte damals ausgegangen ist. Beim besten Willen konnte ich nicht glauben, dass Ulf die Geschichte so radikal umschreiben würde. :D Vor allem die Szenen, in denen Markovic und Simon ihnen so knapp auf den Fersen sind, verwirrten mich. Ich dachte mehrmals, dass es einfach schrecklich knapp war und dass die Attentäter doch geschnappt hätten werden können und dass dann die Geschichte vielleicht doch ein wenig anders verlaufen wäre :wand:

    So ging es mir aber auch ... wenn ich nicht genau wüsste, wie tragisch dieses Stück Geschichte ausgegangen ist, dann könnte man meinen, dass Markovic und Simon doch noch alles zum guten wenden werden ...

    Schade, dass Gravilo keine Gelegenheit mehr haben wird sich bei Jelena zu entschuldigen. Ich glaube, dass er sein Verhalten wirklich bereut und er die "Freundschaft" mit einer aufrichtigen Entschuldigung wieder aufnehmen könnte.

    Wenigstens zeigt er Reue ...



    Manöver können natürlich ein politisches Zeichen setzen. Sie sind aber hauptsächlich dafür da, Truppenbewegungen, taktische Operationen und Kampfeinsätze zu üben. Es soll schon realistisch zugehen, natürlich nicht mit scharfer Munition. Daher die Beobachter und Schiedsrichter.

    Ich finde es höchst spannend, davon mal zu lesen =)

    puh, jetzt hätte ich fast im falschen Abschnitt gepostet xD


    Gavrilo hat übrigens ein paar Sympathiepunkte bei mir eingebüßt ... zum Glück hat ihm das Mädchen gleich gezeigt wo der Hase lang hoppelt. Das fand I j auch sehr gut ;)

    ich finde es sehr spannend wie sich die Faden immer weiter verdichten, wie sich alles konzentriert und auch die Attentäter werden sich so langsam bewusst worauf sie sich eingelassen haben. Und es erschrin5 alles so unwirklich im strahlenden Sonnenschein mit den Passanten, die über die Straße flanieren ...



    Ich finde die letzten Sätze des Abschnittes denkwürdig .... das zeigt noch einmal Gavrilos Wut und seine Entschlossenheit ...

    es wirkt bisweilen so echt, dass ich fast bezweifle, dass es nur Fiktion ist aber allein schon, dass existierende Warnungen nicht ernst genommen wurden, schockiert heute .... das anscheinend das Prestige wichtiger war als die Sicherheit .... schon bemerkenswert ...

    Dass sich wirklich das Tempo bis fast ins unerträgliche steigert, kann ich nur bestätigen. Auf dem Eis geht es wirklich Schlag auf Schlag und mittendrin ist Eismund, der intrigiert um das zu bekommen, was er will. Und die Gefühle der einzelnen berechnet als könne man sie mit mathematischen Formeln durchschauen. Toma tut mir bei dem ganzen Spiel besonders leid, da sie sich ebenfalls in ihn verliebt hat.

    Nicht dass ich ihm seine Gefühle für Mailin absprechen möchte. Gänzlich überzeugt davon, dass er welche für sie hegt, war ich, als er eben nicht durch das Weltentor gegangen ist sondern bei Mailin geblieben ist, die sich jetzt nur noch entscheiden muss - Spannung oder Sicherheit und Versprechen ...


    Erschreckend ist, wie sehr Mailin sich in Silja getäuscht hat.

    Ich war auch irgendwie enttäuscht über Siljas Entwicklung. Vielleicht kommt da ja noch was - ich kann mir nicht vorstellen, dass alles nur gespielt war und Silja wirklich böse ist (wobei ich bei dir, liebe NinaB eh nicht gern mit Gut und böse Arbeite, dafür sind deine Charaktere zu vielschichtig).

    Interessant finde ich, dass scheinbar eigentlich jeder ahnt, dass es ein Attentat geben wird, aber nur ganz wenige sich verpflichtet fühlen dagegen etwas zu unternehmen. Ich finde, die politischen Ränkespiele kommen hier gut zur Geltung. Die Informationen werden zwar weitergegeben, aber handeln soll bitte jemand anders.

    Ja, das ist mir auch aufgefallen. Außerdem gibts da ja nen Manöver, wir haben also genug Militär in dem Gebiet um für Ordnung zu sorgen. Ich hatte auch das Gefühl, dass man Repräsentation über die eigentliche Sicherheit gestellt hat

    Und ob es einen großen Krieg auslöst, ich glaube nicht, dass sie so weit gedacht haben.

    Nein, das denke ich auch nicht. In dem Alter, im Dunstkreis verklärter Propaganda war die Veränderung wohl ihr erklärtes Ziel - wie vielen Menschen sie dadurch Schaden zufügen war ihnen nicht mal im Ansatz bewusst, jedenfalls denke ich das, wenn ich mich in die Rebellen hineindenke ...


    Und wie gagamaus sagte: Es war nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die politische Gemengelage ließ eine Deeskalation kaum noch zu ...