Autor Thema: Wolfgang A. Gogolin - Geist der Venus  (Gelesen 1283 mal)

Offline chil

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Autor: Wolfgang A. Gogolin
Titel: Geist der Venus (2010)
meine Bewertung: 4 von 5


„Never judge a book by its cover“ – dieser Satz trifft beinahe immer zu, aber im vorliegenden Fall von Gogolins „Geist der Venus“ ist es umso wichtiger, den ersten (nicht so prickelnden) Eindruck zu ignorieren, den Cover und Titel vermitteln. Das eher altmodisch geratene Cover verschleiert die Tatsache, dass in dem schmalen Bändchen moderne, heitere, amüsante, traurige, melancholische und nachdenkliche Kurzgeschichten versammelt sind.

Der Schreibstil ist locker und gespickt mit Wortspielen, die in ihrer Eleganz an Brandstetter erinnern. Die Themen reichen vom Leben übers Sterben, sinnliche Genüsse werden besonders wirkungsvoll eingesetzt und man ist wahrlich überrascht ob der Qualität der Geschichten. Als Anlesetipp sei die Geschichte „Blumen der Sünde“ erwähnt, die einem mehr als nur ein Lächeln entlockt.

Der Autor, von Berufs wegen Rechtspfleger, macht mit seinen Kurzgeschichten richtig neugierig darauf, wie es wäre, auch einmal einen Roman von ihm zu lesen. Sicher ist jedoch, dass ich bei Gelegenheit auch noch seine anderen bereits erschienenen Kurzgeschichtenbände lesen werde.
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Broschiert: 93 Seiten
Verlag: Mohland Verlag (1. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866751176
ISBN-13: 978-3866751170

4ratten

Offline Jorei

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Eine Kollegin hatte mir dieses Buch empfohlen, obwohlt sie wusste, dass ich bei vergleichsweise unbekannten Autoren und kleinen Verlagen oft skeptisch reagiere. Denn meistens gibt es Gründe dafür, dass jemand unbekannt ist und nur einen kleinen Verlag findet. In diesem Fall bin ich jedoch angenehm überrascht.

In "Geist der Venus" dienen die feinsinnigen Genüsse von Lippen, Mund und Zunge als Werkzeug, Zugang zu allzu menschlichen Neigungen, Gelüsten und damit zu heftigen Problemen aufzuzeigen. Interessanterweise gelingt es dem Autor, den Leser von Anfang an mitfiebern zu lassen - bei Kurzgechichten wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Denn allzu oft reicht der Raum nicht, um die Figuren präzise zu zeichnen und so Platz zu schaffen für Leserempfindungen. Gogolin gelingt das mit wenigen Pinselstrichen, er muss sich hinter angelsächsischen Autoren nicht verstecken.
Natürlich merkt man, dass der Schreiber eine persönliche Schwäche für kulinarische Genüsse und edle Weine, pflegt, das tropft quasi aus jeder einzelnen Zeile. Schön, wenn jemand über etwas schreibt, womit er sich tatsächlich auskennt. Gefallen hat mir auch, dass viel Abwechslung geboten wird, nichts ist vorhersehbar oder abgeschmackt.
Es handelt sich durch die Bank um sehr durchdachte, meist humorvoll durchwirkte Geschichten, die sich flüssig lesen lassen und bei denen durchscheint, dass der Autor auch und gerade seine Verlierertypen mag. Im Mittelpunkt stehen typisch menschliche Probleme um Liebe und Leidenschaft, die auch mal durch die Augen eines Tieres (Erpel) betrachtet werden und dadurch eine neue Gewichtung bekommen. Originell fand ich auch die Katzengeschichte ("Barbecue").

Nach der Lektüre frage ich mich natürlich, woran es liegt, dass Wolfgang A. Gogolin keinem breiteren Publikum bekannt ist. Entweder ist er öffentlichkeitsscheu und hält sich bewusst in kleinem Rahmen. Oder es hängt mit den alten Büchern zusammen, die er vor gut 10 Jahren geschrieben hat. In denen ging es, so weit ich gesehen habe, um satirische Kritik am Feminismus und seinen Auswüchsen ("Puppenkasper", "Eintritt frei für Männer"), was in den großen Verlagen und bei den Lektorinnen wohl nicht so gerne gesehen wird - da kann man nur spekulieren.
Ich persönlich wünsche mir jedenfalls mehr solche Kurzgeschichten deutscher Autoren.

Bewertung:    5ratten

Offline chil

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Jorei, ich kann deine Bedenken sehr gut nachvollziehen, meine sind immer ähnlich. Ich hab das Buch ja auch nur deshalb gelesen, weil ich es geschenkt bekam. Und genau wie du war auch ich sehr positiv überrascht. "Schlafen bei Licht" liegt bei mir auch noch rum, ich bin einfach noch nicht dazu gekommen, reinzusehen.

Offline Jorei

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chil, ja, das Buch habe ich auch noch vor mir. Leider habe ich mir versehentlich einen Wälzer vom Namensvetter (Peter H. Gogolin) mit dem Titel "Calvinos Hotel" schenken lassen - der ist aber echt nur etwas für Leser, die es vom Stil her behäbig und von der Stimmung her sehr trauerkloßig mögen.

 

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