Autor Thema: Diskussion: Sarit Yishai-Levi - Die Schönheitskönigin von Jerusalem  (Gelesen 3015 mal)

Offline Vorleser

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Ihr Verhältnis hatte sicher den Reiz des Verbotenen, Geheimen, aber ich glaube, sie hat Gidi wirklich geliebt.
Was ist wertvoller, Wissen oder Fantasie? Es ist die Fantasie, denn das Wissen hat Grenzen.  - Albert Einstein

Offline Valentine

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Ihre weiblichen Figuren bilden eine Metapher für das junge Israel - zuerst fremdbestimmt und unterdrückt, von außen angegriffen und mißverstanden, wandeln sie sich von Rosa bis zu Gabriela im eigenen Selbstwertgefühl.

Das ist ein sehr guter Vergleich!

Generell hatte ich leichte Schwierigkeiten, der Autorin das Alter ihrer Protagonisten abzukaufen. Gabriel und sein Vater werden in ihren vierzigern bereits beschrieben als wären sie Greise. Gut Gabriel war krank, aber diese Tendenz erstreckte sich auf mehrere Charaktere. Rosa wurde schwer demenzkrank, da kann sie gerade einmal Anfang Fünfzig gewesen sein und kurz darauf war sie auch schon tot. Mir passierte die allgemeine Vergreisung einfach zu früh.

Stimmt, gerade bei Gabriel ist mir das auch aufgefallen. Andererseits wirkten die Menschen früher wirklich oft älter als heute in vergleichbarem Alter. Nicht nur wegen der niedrigeren Lebenserwartung oder der härteren Lebenumstände, sondern auch, weil man viel früher als alt galt und sich entsprechend verhielt.

Rosas Alter habe ich nie nachgerechnet, aber sie ist mir aus Gabrielas Sicht auch immer wie mindestens in den Siebzigern vorgekommen.
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Offline dodo

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Ja, nach heutigen Verhältnissen ist das sicher früh, aber man darf die Lebensumstände nicht außer Acht lassen. Die waren ja extrem schwierig, sowohl körperlich als auch psychisch.

Das habe ich bedacht. Beim Beispiel Rosa: Ich verstehe, dass sie mit fünfzig alt und verbraucht war. Ihre heftig fortschreitende Demenzerkrankung will ich auch noch akzeptieren. Ihr plötzlicher Tod passt aber nicht mehr ins Bild. Im ganzen Roman wird sie als körperlich (und in Wirklichkeit auch psychisch) sehr robust beschrieben - das schnelle Wegsterben macht in ihrem Fall keinen Sinn. In den sechziger Jahren lag das Durchschnittsalter wahrscheinlich bei etwas über 60 Jahren.

Offline Vorleser

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Nun ja, das schnelle wegsterben hatte vermutlich den Sinn, dass Gabriela anschließend völlig aus dem Ruder lief, da sie keinen Anker mehr hatte.  :zwinker:
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