Autor Thema: Heimito von Doderer - Die Strudlhofstiege (Erster Teil)  (Gelesen 4233 mal)

Offline Doris

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Was den Stil anbelangt, habe ich mich daran gewöhnt. Er gefällt mir. Ansonsten habe ich dieselben Probleme wie schokotimmi: Das Hin und Her zwischen den Zeiten ist verwirrend, ebenso die vielen Personen. Diese beiden Punkte beschäftigen mich sehr und verhindern, dass ich richtig in die Geschichte eintauchen kann. Aber ich mag die Anekdötchen wie z. B. mit den Hosenträgern oder das Bild Wiens, das sich langsam entfaltet. Das sind quasi kleine Appetizer, die Hunger auf den Hauptgang machen.
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
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Lucius Annaeus Seneca

Offline Kandida

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@schokotimmi
Die Idee mit dem Zettel für die Personen finde ich gar nicht dumm. Ich denke, ich werde mir ebenfalls einen anlegen.  :winken:

Beim Schreibstil kann ich sagen, dass es bei mir so ist, dass ich den Sinn letztlich erfasse erfasse, auch wenn ich nicht jeden Satz zuende denke. Manchmal ist drüberlesen genau richtig. K.A. wie das funktioniert, aber bei mir klappt es. - meist. :breitgrins:
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Offline schokotimmi

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Also ich frage mich ein wenig, worauf es hinauslaufen wird, sicher erfahren wir wie Mary K ihr Bein verliert, aber welche Rolle all die Personen spielen werden, ich weiß es nicht...

Dr. Negria scheint ja ein echter Schlawiner, ein Lebemann...

Und habt ihr auch das Gefühl, Wien ist ein Dorf, man kennt sich hier und grüßt sich da (oder eben auch nicht, ganz aus Prinzip), da eine Affäre, dort ein Skandal - ein bisschen wie yellow press der 1920er.

Grüße
schokotimmi
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Offline Alice

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Ja - ist schon eine exklusive kleine Gesellschaft, diese Gruppe von oft müßigen jungen Herren (ist ja auffällig, dass mindestens 2/3 der auftretenden Personen männlich sind??) der besseren Gesellschaft. Und die paar Damen, um die sie sich drehen..

Interessant an den beiden Zeitebenen ist, dass der Erste Weltkrieg völlig ausgeklammert wird (obwohl Majore u.Ä. eigentlich zuhauf auftreten.. ;-) ) - ein einziges Mal habe ich bis jetzt die kurze Anspielung "nach seiner Gefangenschaft" gelesen..

@Kandida, Doris: Vielen Dank für das Herausstellen der Szenen, die Euch gefallen haben. Das bringt mich zu mehr "Achtsamkeit".. ;-)

@Schokotimmi: Ja - genau wegen des Bildes der Wiener Gesellschaft zu dieser Zeit möchte ich das Buch auch lesen.

Allein schon die Nationalitäten innerhalb der Gruppe "ausgesuchter" junger Männer ist wahrscheinlich typisch: Ein Rumäne, ein Pole und ein "halber" Ungar.. (jaaa, Österreich war größer damals..), dazu die Schweizerin und all diejenigen, die ich wahrscheinlich überlesen habe.. *g* - soviel dazu, dass wir uns heute für "weltläufig" halten.. ;-)
« Letzte Änderung: 10. März 2016, 12:47:45 Nachmittag von Alice »

Offline Doris

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Also ich frage mich ein wenig, worauf es hinauslaufen wird, sicher erfahren wir wie Mary K ihr Bein verliert, aber welche Rolle all die Personen spielen werden, ich weiß es nicht...

Die vielen Figuren machen die Handlung bunt und abwechslungsreich. Da werden sich neben Melzer sicher noch einige als Hauptpersonen etablieren, aber es dauert bestimmt noch ein Weilchen, bis sich herauskristallisiert, wer eine größere Rolle spielt. Wenn man sich erst mal an die Einzelnen gewöhnt und mehr über sie erfahren hat, wird es schon übersichtlicher. Den Zettel hätte ich mir auch anlegen sollen.

Und habt ihr auch das Gefühl, Wien ist ein Dorf, man kennt sich hier und grüßt sich da (oder eben auch nicht, ganz aus Prinzip), da eine Affäre, dort ein Skandal - ein bisschen wie yellow press der 1920er.

Ja, mir kommt es auch ein bisschen wie ein Dorf oder wenigstens eine Kleinstadt vor. Die Herrschaften bewegen sich aber meist auch immer in den selben Kreisen, da kennt man sich eben. Über den gesellschaftlichen Tellerrand zu schauen war da noch nicht üblich.

Interessant an den beiden Zeitebenen ist, dass der Erste Weltkrieg völlig ausgeklammert wird (obwohl Majore u.Ä. eigentlich zuhauf auftreten.. ;-) ) - ein einziges Mal habe ich bis jetzt die kurze Anspielung "nach seiner Gefangenschaft" gelesen..

Auf diverse Anspielungen bin ich auch gestoßen. Die Handluch erscheint auf den ersten ca. 80 Seiten recht unbeschwert, da würden der drohende Krieg oder seine Nachwirkungen (je nach dem, in welcher Erzählphase wir uns gerade befinden) gar nicht ins Bild passen.

Mir fiel auf, dass nach Melzers Jagdausflug der Erzähler die Leserschaft plötzlich direkt anspricht. So mitten in der Handlung ist das ungewöhnlich. Wenn dieses Stilmittel eingesetzt wird, dann doch meist schon am Anfang. In dem Zusammenhang frage ich mich, ob das Buch autobiografische Züge hat. Ist euch dahingehend etwas bekannt?
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Lucius Annaeus Seneca

Offline dodo

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Meine Lieben, ich muss mich aus dieser Leserunde verabschieden. Ich komme einfach nicht in das Buch hinein. Es liegt weder am Stil noch an der Geschichte, sondern daran, dass ich derzeit an einer Leseblockade vorbei schramme und mir deswegen leichte Kost eher zusagt. Ich wünsche euch noch viel Spaß mit der Strudelhofstiege  :winken:

Offline Kandida

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Ach, das ist schade, aber verständlich. Es gibt eben sohne und solche Zeiten....
Manchmal ist leichte Kost hilfreich. Vielleicht ein anderes mal, das Buch ist ja nicht weg.  :winken:
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Offline Alice

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Wenn dieses Stilmittel eingesetzt wird, dann doch meist schon am Anfang. In dem Zusammenhang frage ich mich, ob das Buch autobiografische Züge hat. Ist euch dahingehend etwas bekannt?

Hab dazu das hier gefunden..
Fand's auch auffällig, dass bei René öfters Szenen beschrieben werden, bei denen er allein seinen Gedanken nachhängt und frage mich, ob sich das Geschehen denn später noch mehr auf den Major Melzer fokussieren wird, um den Untertitel zu rechtfertigen..?!
« Letzte Änderung: 11. März 2016, 12:22:25 Nachmittag von Alice »

Offline Moreland

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frage mich, ob sich das Geschehen denn später noch mehr auf den Major Melzer fokussieren wird, um den Untertitel zu rechtfertigen..?!

Aus der Erinnerung an meine damalige Lektüre heraus: ja, am Ende geht es stärker um Melzer und seine "Menschwerdung".

(Sorry, dass ich so unangemeldet hereinplatze. Als ansonsten stiller Mitleser folge ich dieser Leserunde sehr gerne.)
"Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die bloß lesen, damit sie nicht denken dürfen." (Lichtenberg)

Tomke

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Hm, nach fast einer Woche bin ich auf Seite 90. Was sagt mir das denn? Ich habe im Moment zu viele andere Baustellen, die es mir schwer machen, mich auf das Buch zu konzentrieren und längere Passagen am Stück zu lesen. Ich werde wahrscheinlich bis nach der Leipziger Messe nicht wirklich viel weiter kommen und daher ziemlich hinterherhinken. Dabei sind wirklich herrliche Passagen und Perlen im Buch. Gerade sind wir auf Bärenjagd.  :zwinker: Durch die vielen Sprünge und die recht kurzen Abschnitte fällte es mir aber schwer, dranzubleiben. Das nur mal als Zwischenmeldung.  :winken:

Offline dodo

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Ach, das ist schade, aber verständlich. Es gibt eben sohne und solche Zeiten....
Manchmal ist leichte Kost hilfreich. Vielleicht ein anderes mal, das Buch ist ja nicht weg.  :winken:

Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass mir die Strudelhofstiege zu einem anderen Zeitpunkt gefallen wird. Doderes altwienerisches Deutsch hat für mich einen ganz eigenen Charme. Es ist herrlich von "Trottoir" und "Perron" zu lesen, Ausdrücke, die ich früher noch öfter gehört habe, die jetzt aber auch in Österreich immer seltener werden.

Offline Doris

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@ dodo
Dieses Buch ist wirklich nicht geeignet, einer Leseblockade entgegenzuwirken.  :winken:

@ Alice
Danke für den Link. Den Wikipedia-Eintrag werde ich mir ohnehin noch ganz durchlesen, das ist dem allgemeinen Verständnis bestimmt zuträglich.

@ Moreland
Konstruktive Beiträge sind jederzeit gerne willkommen, auch von stillen Mitlesern.

@ Tomke
Bei mir geht es auch ziemlich langsam voran, was aber auch daran liegt, dass ich noch anderes nebenbei lese und die vergangenen Tage wenig Zeit zum Lesen hatte. Zeitlich dürfte es jetzt besser werden, aber schnell zu lesen ist die Strudlhofstiege für mich nicht. Manche Sätze muss ich wenigstens zweimal lesen und gerade heute hatte ich einen Satz, den ich überhaupt nicht verstand. Aber weiterlesen werde ich auf jeden Fall, denn wie du schon schreibst, es gibt auch sehr schöne Passagen.
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Lucius Annaeus Seneca

Offline Kandida

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Danke Doris! Ich bin froh, dass auch du einige Sätze erst verdauen musst.
Und dann wieder gibt es Passagen, in denen flutscht es, wie durch Butter.  :smile:
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Tomke

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Ja, es gibt sehr schöne Passagen, auch sehr gute Gedanken. Zum Beispiel dieser Abschnitt, in dem darüber nachgedacht wird, dass man Menschen, die über Jahre hinweg eine Pose eingeübt haben, plötzlich beim Wort nimmt und wie das die Beziehung komplett verändert. Solche Absätze sind großartig.

Offline Alice

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Noch zwei Links - jeweils mit Illustration von Orten des Geschehens..
Während der Suche nach einer Abbildung der Miserowsky'schen Zwillinge löste sich nebenbei auch die Frage nach den Initialen-Namen - zumindest E.P. hat's wohl als Ernst Pentlarz tatsächlich gegeben (2. Textseite..) .. nebenbei vlt sowieso ein netter Link?!
« Letzte Änderung: 13. März 2016, 13:05:15 Nachmittag von Alice »

 

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