Autor Thema: Heimito von Doderer - Die Strudlhofstiege (Dritter Teil)  (Gelesen 2011 mal)

Offline knödelchen

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Die folgende Stelle knüpft in ihrem Bild genau an eine vorherige an, die mir auch aufgefallen war und die ich jetzt nicht mehr finde, obwohl sie jemand von Euch auch schon zitiert hat, soweit ich mich erinnere (es ging darum, dass manchmal stille Wasser.. auch einfach flach sind, denke ich.. erinnert sich jemand??) :
".. anderen Ursprungs wie etwa die Wahrhaftigkeit ihres Mannes, welche sie sehr hoch anschlug: diese hier aber war im Vergleiche dazu kein klares Wasser, auf dessen Grund man die Steine sieht, sondern ein so seichtes, dass sie daraus hervorstanden."  (dtv S. 383)

Natürlich finde ich die Zihal'sche Nomenklatur eine wirklich nette Idee :
".. ein Chemiker würde Verbindungen von solchem Salze Zihaloide, ein Botaniker derartige Gewächse Zihaloideen benennen." (dtv S. 392)

Die uterale Raison der Frauen, die verschiedentlich auftaucht, entspricht wohl der Auffassung des Zeitgeistes?! (Das weibliche Denken ist ja erst neuerdings höhergerutscht.. :rollen:)
Das später so genannte negerhafte Staunen (S. 543) ist wohl ähnlich einzuordnen..
Wie steht's mit: "Sie war längst 33, da wird man halt langsam ein Mann" (S. 435) ??  *g*

Ein wirklich nettes Bild  :smile: fand ich,
"dass man sich das Leben mit überflüssigen Problemen vollstellt wie ein Fenster mit Kaktussen" (S. 419)

Schön fand ich die Überlegungen zu den Ankunftszeiten von Zügen auf S. 446 unten.. (dass man in neueren Zeiten Schnelligkeit gegenüber der Bequemlichkeit der Kunden immer den Vorrang gibt..)


Schöne Zitate hast du hier nochmal aufgeschrieben, Alice, die meisten davon sind mir auch aufgefallen.

Warum man aber mit 33 langsam zum Mann wird, weiß ich allerdings auch nicht. Vielleicht weil die typisch weiblichen , oft ja gleich als hysterisch bezeichneten Gefühlsregungen dann langsam nachlassen und man rationaler und vernunftbetonter wird? :zwinker:
Bei Etelka stimmt diese Theorie allerdings nicht, was man an ihrer backfischartigen Reaktion auf den Brief ihrer "Lieblingsgeliebten" Imre sehen kann. Asta sagt dazu auch lieber gar nichts und nimmt die ältere Schwester nur in den Arm. Aber Etelka fehlt wohl auch Astas Hals- oder Schwimmkrause, die sie ja immer über Wasser hält.

:lesen: Guy de Maupassant - Bel Ami

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Offline Kandida

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Zum Ende des dritten Teils wird es ïrgendwie grünlastig.
Rund um Melzer herum grünt es. Im Hotelzimmer  aquarienartige grüne Luft , dann grüne Hänge, grüne Landschaft, grüner Moos.
Leider habe ich letzte Nacht gelesen und hatte nichts zum markieren dabei, aber das war schon auffällig.
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Offline Kandida

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puh, letzte Nacht habe ich den dritten Teil beendet.
Meiner Meinung nach haben sich die Charaktere der einzelnen Personen sich hier nochmals weiter herauskristallisiert.
So ist Etelka entweder ein sehr unglücklicher Mensch oder aber sehr leichtfertig. Nach einigen Andeutungen Doderers glaube ich eher ersteres.
Ich mag keine Menschen, die sprunghaft von einem Partner zum anderen wechseln, gar mehrere gleichzeitig haben und dabei keinerlei Rücksicht auf die Gefühle der Anderen nehmen. Bei Etelka - und bitte, ich bin kein Experte - würde ich fast eine Depression vermuten.
Melzer entwickelt sich zu einem vertrauensvollen Freund. Er ist einfach nur nett und hilfsbereït, spielt aber in diesem ganzen Beziehungskarussell keine große Rolle (bisher?).
Asta bleibt die nette Person, als die sie sich eigentlich schon die ganze Zeit darstellt. Aber auch sie scheint hilflos, ob des Verhaltens ihrer Schwester. Versucht zu retten, was nicht mehr zu retten ist.
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Offline Doris

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Meiner Meinung nach haben sich die Charaktere der einzelnen Personen sich hier nochmals weiter herauskristallisiert.

Ja, wir lernen die Charaktere immer besser kennen, aber schließlich begleiten wir sie jetzt ja auch schon eine ganze Weile. Langsam wird es auch übersichtlicher.

So ist Etelka entweder ein sehr unglücklicher Mensch oder aber sehr leichtfertig. Nach einigen Andeutungen Doderers glaube ich eher ersteres.

Das ist auch meine Meinung. Mir kommt sie vor, als sei sie ständig auf der Suche nach einem bodenständigen Mann, der ihr Halt gibt. Ganz alleine kann sie nicht sein, deshalb rennt sie von einer Affäre in die nächste. Die Beziehung mit Fraunholzer ist für sie nur ein Spiel, obwohl er wirklich viel für sie empfindet. Und mit ihrer Schwester Asta, die immer so zufrieden wirkt, hat sie natürlich das Paradebeispiel vor Augen, wie es eigentlich ablaufen sollte. Depressionen sind da durchaus im Bereich des Möglichen.

Aber nicht nur bei Etelka sieht es schlecht aus. Da sind schon mehrere Ehen festgefahren und neue Verhältnisse haben sich entwickelt. Ich frage mich, ob das aus lauter Langeweile passiert oder ob sie sich gegenseitig einfach nicht genug schätzen.
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
sondern es ist viel, was wir nicht nützen.
Lucius Annaeus Seneca

Offline Kandida

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Zwar begleiten wir die Figuren schon lange, dennoch bin ich der Meinung, sie entwickeln sich auch absolut weiter.
Denn auch Doderer hat die Figuren sehr lange begleitet - und viel intensiver, würde ich behaupten.
Und sie sind erwachsen geworden, das ist zu merken.
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Offline Doris

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Etwas anderes als eine Weiterentwicklung wäre auch unglaubwürdig. Aber da wir die Menschen schon kennen, wird es übersichtlicher - mal abgesehen von den Zigarettenschmugglern, die neu in den Kreis aufgenommen werden.
Es ist nicht wenig Zeit, was wir haben,
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Lucius Annaeus Seneca

Offline Kandida

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Etwas anderes als eine Weiterentwicklung wäre auch unglaubwürdig. Aber da wir die Menschen schon kennen, wird es übersichtlicher - mal abgesehen von den Zigarettenschmugglern, die neu in den Kreis aufgenommen werden.
Das stimmt. Obwohl ich eben - im 4. Teil - ins schwimmen geriet, wer Mädi-Lea ist. Ich hatte es mir nicht notiert. Ich war mit dem Personenverzeichnis nicht sofort angefangen und so hat es Lücken. Aber im Zusammenhang wurde es klar. Hoffe ich.  :breitgrins:

Nach wie vor erschließt es sich mir nicht, warum es kein Personenverzeichnis gibt. Oder würde zuviel daraus hervor gehen?  :rollen:
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Offline Doris

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Mit den Namen geht es, aber ich habe sehr wenig zur Handlung notiert, deshalb weiß ich jetzt manche Sachen schon gar nicht mehr. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, denen ich zu wenig Aufmerksamkeit widme, und die später noch von Bedeutung sind.

Ein Personenverzeichnis kann viel verraten, aber bei einer einfachen Auflistung der Namen, bei den Frauen noch mit dem späteren Ehenamen, wäre nicht zu viel enthüllt. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Jahren vor bzw. nach dem Krieg weiß man ohnehin bald, wer mit wem liiert ist. Wahrscheinlich war solch eine Aufstellung zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch nicht üblich.
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Lucius Annaeus Seneca

Offline Kandida

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Ein Personenverzeichnis kann viel verraten, aber bei einer einfachen Auflistung der Namen, bei den Frauen noch mit dem späteren Ehenamen, wäre nicht zu viel enthüllt. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Jahren vor bzw. nach dem Krieg weiß man ohnehin bald, wer mit wem liiert ist. Wahrscheinlich war solch eine Aufstellung zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches noch nicht üblich.
Jaaa, das mag sein...., aber bei einem so komplexen Werk finde ich es tatsächlich nicht schlimm.
Oder aber ein Hinweis:"Wir empfehlen - notieren Sie sich eine Peronenliste!" :bang:
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