Autor Thema: Sam Gasson - Gone Cat. Die stumme Zeugin  (Gelesen 1049 mal)

Offline Dani79

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Kurzbeschreibung

In einer vom Mond erhellten Küche liegt eine Frau mit eingeschlagenem Schädel. Sie trägt einen gepunkteten Pyjama – genau die Art von Kleidung, die man nicht tragen sollte, wenn man wüsste, dass man bald im Mittelpunkt einer Mordermittlung steht. Ihr Haar hat die Farbe von zerdrückten Blaubeeren. An ihrem Finger fehlt der Ehering. Blut läuft aus der Kopfwunde und sammelt sich auf dem ausgetretenen Laminatboden. Ihre Leiche wird erst am Morgen gefunden werden, wenn ihr Ehemann mit einem schlimmen Kater erwacht. Natürlich werden alle sagen: "Er war es!", denn sein Temperament ist in der Nachbarschaft bekannt. Ihr Sohn, ein sensibler Junge, wird bald seinen Vater verlieren. Noch schläft er, einen Teddybär im Arm, und träumt von einem goldenen Fisch, den er am Wochenende fangen wird. Von der Blutlache, die von der zertrümmerten Stirn der Frau stammt, zieht sich eine Spur blutiger Pfotenabdrücke über den Boden. Sie führt zu einem offenen Fenster …



Am 15. April startet eine Leserunde zu diesem Buch. Wo sind die Thriller-Fans? Der Lostopf ist noch bis morgen geöffnet  :winken:
LG,
Dani

Offline Dani79

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Falls noch jemand teilnehmen mag, schnell in der Leserunde melden!  :winken:
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Dani

Offline SunshineSaar

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Zuerst war ich bei dem Buch „Gone Cat“ etwas skeptisch, denn durch den Titel hat es mich an den Roman „Gone Girl“ erinnert. Doch bei „Gone Cat“ handelt es sich um eine ganz andere Geschichte, die mit „Gone Girl“ rein gar nichts gemein hat.

Die Story von „Gone Cat“ dreht sich um den Privatdetektiv Jim, der wegen seinem Herzleiden in den vorzeitigen Ruhestand gehen muss. Sein elfjähriger Sohn Bruno jedoch ist begeisterter Fan von TV-Krimis – für ihn lauert das Verbrechen überall. Er liebt nur eins mehr als Detektiv zu spielen - und das ist seine Katze Mildred. Nur zu gern würde er die Welt einmal aus ihrer Perspektive sehen. Daher bindet er Mildred ein Kamera-Halsband um, das plötzlich von größter Wichtigkeit ist. Denn als die Nachbarin Poppy Rutter brutal ermordet wird, findet die Polizei blutige Pfotenabdrücke am Tatort. Aber wo ist Mildred mit ihrer Kamera?

Nachdem ich den Roman gelesen habe, kann ich nicht genau sagen, in welches Genre ich die Geschichte packen soll. Auf der einen Seite liest sie sich wie ein spannender Erwachsenen-Krimi, auf der anderen Seite wie eine Kinder-Detektivgeschichte. Ich würde sagen, es war eine gute Mischung aus Beidem. Aber für Kinder ist das Buch wegen einigen Stellen dann wohl doch eher nichts.

In den ersten Kapiteln geht es noch eher gediegen zu. Man lernt die Familie Glew kennen, eine Vorzeigefamilie mit einem sehr aufgeweckten Sohn, der in die Fußstapfen seines Vaters treten will und bereits mit seinen 11 Jahren ein schon recht gutes detektivisches Gespür an den Tag legt. Der Kleine ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Ein echt toller Junge, der sich aber leider auch oft in Schwierigkeiten bringt.

Richtig zur Sache geht es erst, als der Mord an Poppy Rutter passiert. Nicht nur ihr Ehemann, sondern auch einige Nachbarn kommen als Verdächtige in Frage. Und so beginnen die Ermittlungen von Jim und auch Bruno, die beide auf unterschiedliche Weise in Gefahr bringen wird.

Die Geschichte ist fesseln – von Anfang bis zum Ende. Langweilig wurde es nie, es blieb mit zahlreichen Wendungen immer spannend. Das war auch genau der Grund, warum mir das Buch so gut gefallen hat: Man hatte ständig Vermutungen, aber wurde immer wieder mit neuen Wendungen konfrontiert. Und bis zum Ende weiß man nicht, wer der Täter ist. Super!

Fazit:
Ein spannender Krimi, der mich zahlreichen Wendungen und tollen Ermittlern punkten kann. Diesen Autor werde ich mir sicherlich merken!

 5ratten

Offline Krimine

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Eine abwechslungsreiche und amüsante Detektivgeschichte

Bruno Glew ist elf Jahre alt und als Sohn eines ehemaligen Detektivs mit den handwerklichen Tätigkeiten eines Ermittlers bestens vertraut. Deshalb wittert er schnell einen neuen Fall, als seine Katze Mildred plötzlich dicker wird und sich nach ihren Streifzügen in der Nachbarschaft immer merkwürdiger benimmt. Um dem Tun seines Lieblings auf die Schliche zu kommen, bindet er ihr ein Kamerahalsband seines Vaters um und wartet von nun an gespannt darauf, was auf ihm zu sehen ist. Doch kaum ist Mildred in den Gärten der Nachbarn verschwunden, geschieht im Haus gegenüber ein Mord und blutige Pfotenabdrücke zeugen davon, dass eine Katze am Tatort war. Mildred hingegen taucht nach der verhängnisvollen Nacht nicht wieder auf und so haben Bruno und sein Vater in den nächsten Tagen alle Hände voll zu tun, um sie und das Halsband zu finden und gleichzeitig einen brutalen Verbrecher zu stellen.

„Gone Cat – Die stumme Zeugin“ ist ein kurzweilig zu lesender und mit einem Augenzwinkern geschriebener Kriminalroman, der sich gefühlsmäßig zwischen zwei sehr unterschiedlichen Altersklassen bewegt. Denn während der Leser zu Beginn der Lektüre noch meint, es hier mit einem Detektivroman für Jugendliche zu tun zu haben, stellt er im Verlaufe des Geschehens fest, dass einige brutale Szenen und grobe Dialoge dem ersten Eindruck entschieden entgegenstehen. Ein ungewöhnlicher Schreibstil, mit dem Sam Gasson die Geschichte eines wagemutigen und klugen Jungen erzählt, der sich in seinem Streben ein Detektiv zu sein, etwas zu oft in Gefahr begibt. Doch nicht nur er versucht, den Mord an der Nachbarsfrau Poppy Rutter aufzuklären. Auch sein Vater Jim und ein weiblicher Inspektor von der Brightoner Polizei bemühen sich, dem Täter das Handwerk zu legen. Schon allein deshalb sind regelmäßig Konfrontationen zwischen den drei völlig unterschiedlichen Ermittlern vorprogrammiert, die dem Handlungsverlauf trotz des handfesten Kriminalfalls einen oftmals amüsanten Anstrich geben, zumal die Nachbarschaft mit merkwürdigen Gestalten und undurchsichtigen Personen überladen ist. Ein abwechslungsreiches Lesevergnügen, das seine Spannung aus dem belustigenden Zusammenspiel seiner Figuren, aus jeder Menge skurriler Ereignissen und immer wieder neu auftauchenden Verdächtigen zieht, später aber auch noch überaus dramatisch wird.

Fazit:
Ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der sich nur schwer einordnen lässt, dafür aber umso besser unterhält.

 4ratten

Offline Kandida

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Sam Gasson - Gone Cat

Jim Glew hat seinen Beruf – Privatdetektiv – aus gesundheitlichen Gründen an den Nagel gehängt. Sehr zum Leidwesen seines 11jährigen Sohnes Bruno, der sehr gerne in Jims  Fußstapfen treten würde.
Als Bruno der Meinung ist, jemand füttert seine Katze Mildred unrechtmäßig, hängt er ihr eine Kamera um -  er will seinen ersten Fall lösen.
Als dann eine Nachbarin ermordet wird, die Mutter von Brunos Freund Dean, beginnen Jim und Bruno, mehr oder weniger gemeinsam, an diesem kniffligen Fall zu arbeiten. Dabei spielen Mildred, als heimliche  dritte Detektivin, und ihre Kamera eine große, wichtige Rolle.
Mit vielen Wendungen und Verwirrungen bleibt das Buch durchgehend spannend. Mal aus Brunos, mal aus Jims, aber auch manchmal aus Mildreds Sicht erzählt, erlebt der Leser Höhen und Tiefen der Ermittlungsarbeit, bangt mit dem „kleinen“ Bruno, der angstfrei immer wieder in gefährliche Situationen gerät,  und mit seinem Vater Jim, den seine gesundheitlichen Beschwerden wieder einholen.
Bis zum Schluss kann spekuliert werden, welcher der etwas skurrilen Nachbarn wohl der Mörder sein mag.

Ist der erste Eindruck der, dass es sich, um ein Jugendbuch handelt, stellt man jedoch im Laufe des Buches fest, dass, wenn überhaupt, eher ältere Jugendliche hier angesprochen werden sollten.
Gerne mehr von diesem tollen Detektivtrio!

Von mir sehr gerne  4ratten :marypipeshalbeprivatmaus:

« Letzte Änderung: 25. April 2016, 20:33:56 Nachmittag von Kandida »
🐌

Offline Ninasan86

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Sam Gasson

mit

Gone Cat - Die stumme Zeugin


Zum Inhalt:

Jim Glew ist Privatdetekiv, doch sein Herzleiden zwang ihn in den vorzeitigen Ruhestand. Sein elfjähriger Sohn Bruno ist begeisterter Fan von TV-Krimis – für ihn lauert das Verbrechen überall. Er liebt nur eins mehr als Detektiv zu spielen, und das ist seine Katze Mildred. Nur zu gern würde er die Welt einmal aus ihrer Perspektive sehen. Daher bindet er Mildred ein Kamera-Halsband um, ein Halsband, das plötzlich von größter Wichtigkeit ist. Denn als die Nachbarin Poppy Rutter brutal ermordet wird, findet die Polizei blutige Pfotenabdrücke am Tatort. Aber wo ist Mildred mit ihrer Kamera?


Über den Autor:

Sam Gasson ist dreiunddreißig Jahre alt und lebt mit seiner Frau in Horsham, einer historischen Marktstadt in Südengland. Tagsüber unterrichtet er englische Literatur in einer Sekundarschule. Seine Abende verbringt er am Schreibtisch und ersinnt eigene Geschichten. Gone Cat ist sein Debütroman.


Und nun mein Fazit und meine Rezension:

Zunächst einmal möchte ich mich dem Erscheinungsbild des Buches widmen. Das Cover ist schlicht gehalten, verheißt aber für Kriminalfans bereits, das genau dort einiges drin stecken kann. Zu sehn ist eigentlich nicht viel, lediglich der Name des Autors und der Titel und komische schwarze Fäden. Bei genauerer Betrachtung (und auch, wenn man das Buch dann etwas kennt) erkennt man, dass es Schnurrhaare einer Katze sind. Die Seiten sind rot eingefärbt, anfangs schwer voneinander zu lösen, aber geben dem Buch insgesamt einen geheimnisvollen Touch.

In die Geschichte steigt man als Leser recht schnell ein, denn allein der Prolog von einer Seite verrät, auf was man gleich stoßen wird. Er ist kurz und knapp verfasst, enthält einige wichtige Informationen und ... schon geht's los!

Zunächst trifft man auf Jim, einen Privatdetektiv, der sein Büro am räumen ist, da das Gebäude, das sein Büro beherbergt, abgerissen werden soll. Für Jim eine willkommene Geste, denn er trägt sich schon länger mit dem Gedanken, seinen Job an den Nagel zu hängen, um endlich mehr Zeit für seine Frau und seinen Sohn Bruno zu haben. Ich habe Jim ziemlich schnell ins Herz geschlossen. Anfangs dachte ich, es handle sich um einen komischen Kauz, räumt in seinem Büro rum und führt ständig Gespräche mit jemanden, der noch nicht einmal selbst zu Wort kommt! Doch man wird schnell eines Besseren belehrt, denn der "Kumpel" mit dem Jim im Zwiegespräch ist, ist nichts weiter als ein Poster von Philip Marlowe ... allein diese Eigenart macht ihn mir äußerst sympatisch! :D *wer führt schon keine Selbstgespräche?*

Weiter geht's mit dessen Familie:

Bruno, sein junger Spross, möchte eines Tages in die Fußstapfen seines Vaters treten und die möchte er auch ordnungsgemäß ausfüllen. So wundert es also nicht, dass er ein neugieriger und aufgeschlossener junger Mann ist, der sich mit Freude und Wissbegierde und großem Arbeitseifer auf sämtliche Mysterien stürzt. Wie wir im Laufe der Geschichte erfahren müssen, ist das nicht gerade ein sehr guter Charakterzug von ihm, denn sein Spürsinn macht leider nicht vor Gefahren halt! Doch dem kleinen Kerl kann man einfach nicht böse sein! Man merkt, dass ich einen Narren an ihm gefressen habe, oder?!

Unterstützt wird Bruno von seiner Katze Mildred, die mit Vorliebe ihren Hobbies frönt: Fressen, Schlafen, in der Sonne fläzen, sich Putzen und vor allen Dingen: durch Nachbarsgärten schleichen. Bruno ist fasziniert von dem Verhalten seiner Mildred und erforscht jeden ihrer Schritte ganz genau. Und eben Mildred ist es, die ihn eines Tages in seinen ersten und wohl auch bedeutendsten Fall verwickelt: dem Mord an Poppy Rutter, unmittelbare Nachbarin und Mutter seines besten Freundes Dean.

Leider ist die Familie von Dean Rutter nicht gerade durch ihre Freundlichkeit bekannt: Poppy und ihr Mann Terry streiten sich nahezu pausenlos und das hört mitunter die ganze Nachbarschaft. Mehr als einmal hat Terry dabei die Geduld verloren und seiner Frau Blessuren verpasst.

Als Dean eines Tages bei Bruno zu Besuch ist und - auf Bitte von Terry - auch über Nacht bleiben soll, kommt es zum Eklat: ausgerechnet Jim findet am nächsten Morgen Poppy blutüberströmt in der Küche ihres Hauses liegen, nur wenige Schritte von ihrem leblosen Körper entfernt schläft ihr Mann auf der Couch seinen Rausch aus. Doch was ist passiert? Hat Terry tatsächlich seine Ehefrau brutal erschlagen und streitet dies nun vehement ab - immerhin kann er sich aufgrund des Alkohols an nichts erinnern. Für Jim beginnt sein letzter Fall seiner Detektivkarriere, er möchte seinem Freund Terry helfen und schaltet sich in die Ermittlungen ein, denn Poppy war kein unbeschriebenes Blatt.

Auch Bruno macht das Ganze sehr zu schaffen, denn er sieht, wie sehr sein Freund Dean leidet. Außerdem ist da noch etwas merkwürdig an der Sache: denn seit dem Mord ist seine Katze Mildred verschwunden - mitsamt der Kamera, die sie an ihrem Halsband mit sich trägt.

Für den Leser bedeutet das:

Zwei Fälle in einem Buch! Der Fall um Mildreds mysteriösem Verschwinden und der Mordfall an Poppy Rutter.

Akribisch werden Nachbarn und Freunde durchleuchtet - auf die ein oder andere Methode - und dabei bemerkt man, dass eben nicht alles so ist, wie es scheint.

Vielleicht wohnt der Mörder auch nebenan?

Was mir an dem Buch sehr gefallen hat, waren die zahlreichen Aktionen, die Bruno geplant und auch vollführt hat. Bruno ist wirklich ein aufgeweckter junger Bursche, doch eben immer noch ein Kind. Mehr als einmal treibt er seine Eltern zur Verzweiflung, da helfen auch Vater Jims Beschwichtigungen nicht. Und auch dem Leser oder aber anders gesagt: mir, als Leserin, ist mehr als einmal das Herz stehen geblieben!

Was ich auch die ganze Zeit während dem Lesen überlegt habe: welchem Genre würde man dieses Buch zuordnen? Kriminalroman - in der Tat, doch eher für Jugendliche oder doch Erwachsene? Aufgrund einiger sehr detailliert beschriebener Szenen (unter anderem dem Tatort oder auch dem Tathergang), bin ich der Meinung, dass es sich keinesfalls um ein Jugendbuch handeln kann. Es ist eher im Genre eines Erwachsenen-Kriminalromans anzusiedeln.

Alles in einem kann ich das hier mit Sicherheit sagen:

Bei dem Debütroman von Sam Gasson handelt es sich um keine leichte Kost. Man sollte starke Nerven und auch Zeit einplanen, das Buch also nicht kurz vor dem Schlafengehen zur Hand nehmen, denn eins kann ich garantieren: so schnell legt man es nicht mehr aus der Hand!


Meine Bewertung: 5 von 5 Punkten
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Offline tara01092012

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Nach anfänglichen Zweifel ob ich das Buch überhaupt lesen soll, bin ich froh, dass ich über die Ähnlichkeit zu "Gone Girl" hinweggesehen habe...
"Gone Cat" ist etwas völlig anderes und absolut nicht zu vergleichen...

Ich habe es irgendwann gar nicht mehr zur Seite legen können... Dadurch, dass immer wieder neue Wendungen ins Buch und in die Geschichte kamen, war lange nicht ersichtlich wer nun eigentlich alles in den Kreis der Verdächtigen und Nichtverdächtigen fällt...
Spannend und total fesselnd beschrieben, wechselt die Geschichte zwischen den Ermittlungen von Jim und denen von Bruno! Und natürlich darf die Arbeit von Mildred nicht vergessen werden.

Durch die verschiedenen Sichtweisen der beiden "Ermittler" bekommt man in dem Fall, 2 Fälle in ein Buch verpackt präsentiert... mehr kann ich hier leider wegen Spoilergefahr nicht verraten!

Bruno war mir von Anfang an sympathisch, ein elfjähriger Junge, der in die Fußstapfen von seinem Vater treten will und sich jetzt schon mit den Aufgaben eines Privatdetektives vertraut macht, leider begibt er sich mit seiner kindlichen Naivität das ein oder andere Mal schon in eine heikle Situation.

Sehr gut gefallen hat mir an dem Buch die Aufmachung, die rot gefärbten Seiten, und die Schnurrhaare von Mildred, die mir jedoch erst nach genauer Betrachtung aufgefallen sind.
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen und der Autor hat es drauf, den Leser vollkommen in der Geschichte zu fesseln... ein ganz toller Debütroman!

 :tipp:  5ratten
Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche die Böden und kostbare Tapeten und Bilder die Wände bedecken.

Offline BlueOcean

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Klappentext:
"Jim Glew ist Privatdetekiv, doch sein Herzleiden zwang ihn in den vorzeitigen Ruhestand. Sein elfjähriger Sohn Bruno ist begeisterter Fan von TV-Krimis – für ihn lauert das Verbrechen überall. Er liebt nur eins mehr als Detektiv zu spielen, und das ist seine Katze Mildred. Nur zu gern würde er die Welt einmal aus ihrer Perspektive sehen. Daher bindet er Mildred ein Kamera-Halsband um, ein Halsband, das plötzlich von größter Wichtigkeit ist. Denn als die Nachbarin Poppy Rutter brutal ermordet wird, findet die Polizei blutige Pfotenabdrücke am Tatort. Aber wo ist Mildred mit ihrer Kamera?"

Meine Meinung:
Das Cover ist ansprechend gestaltet worden, ich finde es vor allem interessant, weil es einen sehr starken inhaltlichen Bezug zum Buch hat. Man könnte meinen, es sei einfach weiß und man hätte ein paar schwarze Striche hineingemalt. Der Hintergrund sieht für mich, nachdem ich das Buch gelesen habe, aber eher aus wie eine etwas verpixelte Aufnahme, die Striche am Rande, sind eindeutig die Schnurrbarthaare einer Katze. Der Titel setzt sich gut vom Hintergrund ab.

Anfangs habe ich wirklich gezweifelt, ob es eine gute Idee sei, dieses Buch zu lesen, vor allem da es durch den ähnlich klingenden Titel mit "Gone Girl" verglichen wurde. Ich habe es trotzdem gewagt und wieder einmal einem Autor, den ich zuvor nicht kannte, eine Chance gegeben. Wie sich im Nachhinein nun herausstellt, hat er völlig begründet diese Chance bekommen. Zunächst einmal finde ich es wirklich klasse, dass dieses Buch als Kriminalroman betitelt ist und genau das Genre meiner Meinung nach auch passend ist. In der letzten Zeit habe ich da seltsame Erfahrungen machen müssen, was die Genreauswahl anging.
Die Handlung wird aus Sicht der dritten Person erzählt, für meinen Geschmack wäre es auch spannend gewesen die Ich-Perspektive aus Sicht von einem der Protagonisten zu wählen. Aber auch so Sam Gasson schafft es nach und nach, aber konstant eine sehr spannende Grundatmosphäre zu schaffen. Er hat mich beim Lesen immer wieder rätseln lassen, nie war ich mir sicher, ob ich die richtige Person verdächtige und sehr häufige Wendungen in der Handlung erschweren es dem Leser zusätzlich, selbst den Täter zu erkennen. Das hat mir äußerst gut gefallen, ich liebe Bücher, die es einem schwermachen und nicht so schnell durchschaubar sind. Besonders hervorheben möchte ich die bildliche Schreibweise, des Autors, die auch darin besteht durch viele Adjektive Situationen, Menschen und Gefühle ungemein detailliert zu beschreiben. In dieser Form, wie bei Sam Gasson, hatte ich es bisher noch nicht erlebt. Es hat mir aber wirklich gut gefallen.
Auch die Gestaltung der Charaktere hat mir zugesagt. Wir begleiten als Leser vor allem Bruno durch sein Leben. Er ist ein sehr neugieriger, eifriger und völlig angstloser kleiner Junge, der es liebt, Dingen auf die Spur zu kommen und damit seinem Vater Jim, der einst Privatdetektiv war, nacheifert. An mancher Stelle war es mir schon ein bisschen zu arglos, wie auch seine Eltern mit Brunos erster Leidenschaft umgehen. Er schnüffelt nämlich recht viel in anderer Leute Leben herum. Er ist aber auch schwer aufzuhalten. Auch seine Eltern Jim und Helen waren mir recht sympathisch und so fiel es mir nicht schwer mich auf sie einzulassen.
Alle weiteren Charaktere sind ebenfalls sehr vielseitig und interessant gestaltet worden.
Ich gebe vier von fünf Funkelchen.

Offline buchregal123

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Jim Glew will der Familie zuliebe und aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter als Privatdetektiv arbeiten. Er schenkt seinem Sohn Bruno, der mindestens ebenso leidenschaftlich ermittelt wie der Vater, eine kleine Kamera, die Bruno seiner Katze Mildred am Halsband anbringt, denn er hat den Verdacht, dass jemand seine Katze mit Futter anlockt.
Als Jim seinen Freund Terry Rutter aufsuchen will, entdeckt er ihn volltrunken neben der Leiche seiner Frau Poppy. Außerdem sind dort Spuren – Katzenspuren. Hat Mildreds Kamera die Tat aufgenommen? Ist Terry der Mörder?
Der Fall lässt weder Jim noch Bruno los, sehr zum Leidwesen von Brunos Mutter. Es gibt immer wieder neue Verdächtige und doch bleibt Terry im Visier der Polizei.
Wir lernen diese Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven kennen, mal Jim, mal Bruno, aber auch aus der Sicht von Mildred.
Die Personen sind gut und ausführlich beschrieben. In der Straße scheinen sich alle möglichen skurrilen Typen zusammen gefunden zu haben. Jim ist ein großes Vorbild, nämlich Philip Marlowe, mit dem er sich gerne mal unterhält. Er will etwas für Terry tun, da dieser ihm das Leben gerettet hat, ist sich aber überhaupt nicht sicher, ob Terry unschuldig ist. Terry ist ein aufbrausender Typ, der seinen Sohn abgöttisch liebt, aber bei seiner Frau schon mal schlagkräftigere Argumente hat. Brunos Freund Dean hat es mit seinen Eltern Terry und Poppy nicht leicht und er tat mir sehr leid, denn er ist mit der Situation hoffnungslos überfordert. Der 11jährige Bruno ist pfiffig zund naiv zugleich. Er will Dean helfen und ermittelt auf eigene Faust, dabei geht er oft viel zu weit: Er schreckt vor Einbruch nicht zurück, hält Informationen zurück und bringt sich in Gefahr. Seine altkluge Art fand ich anfangs nett, doch sie ging mir mehr und mehr auf die Nerven. Auch verstand ich die Eltern nicht, die ihm alles durchgehen ließen.
Obwohl die Geschichte an sich spannend ist und viele unverhoffte Wendungen zeigt, konnte sie mich nicht überzeugen.


3ratten

Offline Vandam

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Sam Gasson: Gone Cat – Die stumme Zeugin. Kriminalroman, OT: The cat who saw it all, aus dem Englischen von Ann-Kathrin Schwarz, Augsburg 2017, Weltbild Verlag, ISBN 978-3-95973-281-9, Softcover, 383 Seiten, Format: 12,7 x 19 x 2,7 cm, EUR 9,99. Oder: Köln 2016, Lyx Verlag/ Bastei Lübbe AG, ISBN 978-3-7363-0157-3, Softcover, 352 Seiten, Format: 13,5 x 3 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99, Kindle Edition: EUR 13,99.

Jim Grew, 48, lebt mit seiner Familie in Brighton/England. Zu seinem großen Bedauern muss er aus gesundheitlichen Gründen seinen Beruf als Privatdetektiv aufgeben und sein Büro räumen. Jetzt ist seine Frau Helen, eine Lehrerin, die Alleinverdienerin und Jim der Hausmann. Damit bleibt ihm mehr Zeit als bisher, dem gemeinsamen elfjährigen Sohn Bruno Geschichten aus seinem Berufsleben zu erzählen und mit ihm zusammen Krimis im Fernsehen anzuschauen.

Bruno findet das klasse. Für ihn ist klar: Er wird auch einmal Detektiv. Besser gesagt: Er glaubt, er sei jetzt schon einer. Durchaus sachkundig beobachtet er, was in seiner Nachbarschaft vor sich geht. Als sein Kumpel, der Nachbarsjunge Dean Rutter, ihm anvertraut, dass ihm ein Unbekannter für eine nicht näher spezifizierte Gefälligkeit ein paar Süßigkeiten angeboten habe, schrillen bei dem Jungdetektiv sämtliche Alarmglocken. Ein Kinderschänder! Ein Fall! Doch andererseits erzählt Dean gerne Lügengeschichten. Die hier klingt jedenfalls verdächtig nach einer Episode aus dem Lehrfilm, den sie neulich in der Schule gesehen haben. Also doch kein Fall?

Die Katze mit der Halsbandkamera
Die Sache gerät wieder in Vergessenheit, weil so viel anderes passiert. Deans Eltern haben einen massiven Streit und Dean übernachtet bei den Grews, bis sie sich wieder eingekriegt haben. Gut! Da kann er ja gleich bei der Auswertung der Daten der neuen Minikamera helfen, die Bruno am Halsband seiner Katze Mildred befestigt hat. Es wird sicher interessant zu sehen, was sie bei ihren Streifzügen durch die Nachbarschaft alles vor die Linse gekriegt hat.

Zunächst sind Mildreds Aufzeichnungen nicht allzu spannend. Sie stromert durch fremde Gärten und Häuser und frisst sich bei verschiedenen Familien durch. Doch dann geschieht in unmittelbarer Nähe ein Mord: Deans Mutter, Poppy Rutter, wird erschlagen in ihrem Haus aufgefunden. Hat Mildreds Kamera die Tat aufgezeichnet? Und ist das der Katze zum Verhängnis geworden? Sie ist jedenfalls seit dem Tatabend nicht mehr nach Hause zurückgekehrt, und das ist sehr untypisch für sie.

Hat Mildred den Mord aufgezeichnet?
Bruno ist untröstlich und setzt alle Hebel in Bewegung, um Mildred wiederzufinden. Wenn man wie ein Verbrecher denken muss, um einen Verbrecher zu fangen, vielleicht kann man dann ja eine verschwundene Katze finden, indem man wie eine Katze denkt. Bruno tut jedenfalls sein Bestes. Sein Vater ermittelt unterdes auf eigene Faust im Mordfall Poppy Rutter. Man hat ihren Mann verhaftet, den jähzornigen Waliser Terry, der öfter mal zu viel trinkt und dann ausfallend wird. Der bullige Sanitäter ist nicht gerade ein Sympathieträger, aber Jim Grew verdankt ihm sein Leben und will ihm helfen. Sein Instinkt und seine Berufserfahrung sagen ihm, dass Terry nicht der Täter ist. So kaltblütig, sich nach der Tat umzuziehen, die Waffe verschwinden zu lassen und sich seelenruhig neben der Toten schlafen zu legen, ist er nicht.

Weil gerade Sommerferien sind und Jim nach Aufgabe seines Büros von zuhause aus arbeitet, kriegt Bruno genau mit, welche Nachforschungen sein Vater anstellt und er betrachtet sich als dessen vollwertiger Mitarbeiter. Für sein Alter hat Bruno erschreckend viel Ahnung von Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Ermittlungs- und Verhörtechniken, aber für ihn ist das alles ein Spiel. Mit Weisheiten aus den Fernsehkrimis inszeniert er sich als abgebrühten Privatermittler, der nach seinen eigenen Regeln spielt. Er kann nur von Glück sagen, dass ihn die Erwachsenen nicht allzu ernst nehmen, wenn er seine selbstgemachten Visitenkarten verteilt, Verdächtige befragt oder sich am Telefon mit verstellter Stimme als Polizist ausgibt. Papa Jim findet das Treiben seines Sohnes putzig. Was er nicht weiß, ist, dass Bruno Beweismittel zurückhält, weil er den Täter selber überführen will. Ein brandgefährliches Spiel! Denn wenn Terry Rutter die Tat nicht begangen hat, läuft Poppys Mörder noch frei herum. Und es haben ja alle gesehen, wozu er fähig ist.

Viele Verdächtige: Vater und Sohn ermitteln
Verdächtige gibt es genügend. Poppys Ehemann Terry ist noch nicht aus dem Schneider, dazu ist sein Alibi zu wackelig. Es könnt auch ihr Geliebter gewesen sein, den sie über die Maßen enttäuscht hat. Vielleicht war es der neugierige und ziemlich schmierige Nachbar, der merkwürdigen Besuch bekommt und noch merkwürdigeren nächtlichen Aktivitäten nachgeht. Und mit dem Sohn der Ladenbesitzerin an der Ecke stimmt auch etwas nicht.

Vielleicht war es ja der Kerl, mit dem Poppy kurz vor ihrem Tod gestritten hat? Leider hat Bruno nur dessen Beine gesehen und lediglich unzusammenhängende Gesprächsfetzen mitbekommen. Der Kinderschänder, von dem Dean immer wieder erzählt, wäre auch noch ein Kandidat – falls er wirklich existiert. Oder hat Poppys Ermordung etwas mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für die Telefonseelsorge zu tun? Sie hatte noch versucht, ihrer Kollegin von einem Problem mit einem Anrufer zu erzählen, konnte das Gespräch aber nicht zu Ende führen. Und wie hängt der kiffende Punker von nebenan in der Geschichte mit drin? Der hat garantiert das eine oder andere zu verbergen!

Als Mildreds Halsbandkamera wieder auftaucht, kommt Bewegung in den Fall. Doch bleiben noch viele Fragen offen. Vielleicht müsste nur mal einer genauer hinsehen …?

Immer wenn man glaubt, jetzt kapiert zu haben, warum Poppy Rutter sterben musste, kommt wieder eine neue Information ans Tageslicht und es gibt eine neue Wendung. Das ist schon raffiniert gemacht. Trotzdem weiß ich nicht so recht, was ich hier gelesen habe: Ein Jugendbuch? Wenn der Held ein Kind oder ein Jugendlicher ist, ist das ja meist ein sicheres Indiz dafür. Aber dafür ist die Handlung zu brutal. Würde man ein junges Publikum wirklich mit Gewalt in der Ehe, Vergewaltigung, allerlei Perversionen und einem blutigen Mord konfrontieren? Genau wie der junge Held würden (und sollen!) Kinder manche der Andeutungen und Bemerkungen in dem Buch noch gar nicht verstehen. Wenn es allerdings ein Roman für Erwachsene ist, ist die Schilderung aus der Sicht eines Kindes zumindest ungewöhnlich.

Ein altkluger Held
Dass Bruno glaubt, in der Realität gehe es genauso zu wie in den Fernsehkrimis und dass er die Tragweite seines Handelns nicht ermessen kann, ist aufgrund seines Alters nachvollziehbar. Das kann man dem Jungen auch nicht übelnehmen. Aber seine Altklugheit und die Weisheiten auf Kalenderspruch-Niveau haben schon ein gewisses Nervpotential. Die Frage muss erlaubt sein: Findet im Hause Grew überhaupt eine Erziehung statt? Die Mutter kreischt hilflos herum, der Vater lässt Bruno einfach wursteln und der tut, was er will. Und ich mache hier jetzt keine Witze über Lehrerskinder.

Besonders dynamisch geht es in diesem Roman nicht zu. Die Handlung handelt so vor sich hin und ab und zu haut‘s ein paar starke Spannungsspitzen raus. Alles in allem war die Story ganz unterhaltsam, aber restlos überzeugt hat sie mich nicht. Und wieso muss man eigentlich dem Buch für den deutschen Markt einen englischen Titel geben, den es im Original nie hatte: GONE CAT? Weil es einen erfolgreichen Thriller mit dem Titel GONE GIRL gibt? Das ist ein bisschen bemüht.
   
Wenn ich es richtig sehe, ist das Buch nie auf Englisch erschienen. Das Manuskript wurde direkt an den deutschen Verlag verkauft. Wer also gern Bücher in der Originalsprache liest, braucht nicht zu suchen. Er wird hier nicht fündig werden.

Der Autor
Sam Gasson lebt mit seiner Frau in Horsham, einer historischen Marktstadt in Südengland. Tagsüber unterrichtet er Englische Literatur in einer Sekundarschule, und seine Abende verbringt er am Schreibtisch und ersinnt eigene Geschichten. Gone Cat ist sein Debütroman.

 

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