Autor Thema: Robert Jackson Bennett - Die Stadt der tausend Treppen (Divine Cities 1)  (Gelesen 66 mal)

Offline illy

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Originaltitel:The Divine Cities 01: City of Stairs

 :tipp:

Bulikov war Zentrum der Welt, die Stadt der Götter, doch dann gelang dem ausgebeuteten Saypur der Aufstand, ein Teil der Götter wurden getötet, der Rest verschwand und Bulikov ist selbst nur noch eine unterdrückte Kolonie. Von den verloren gegangenen Gaben der Götter abhängig, ist die die Bevölkerung verarmt, von Seuchen geplagt, die Stadt verwahrlost und selbst Redewendungen, die die Götter betreffen, werden brutal bestraft. Als ein saypurischer Gesandter ermordet wird, kommt die Agentin Shara Thivani in die Stadt, um den Mörder zu suchen und stolpert dabei über Geheimnisse aus der Vergangenheit und eine Verschwörung.

Das ist ein Buch, bei dem ich das Cover tatsächlich mal (lobend) erwähnen muss. Über dem Pappumschlag befindet sich ein durchsichtiges Plastikblatt, welches die auf dem eigentlichen Cover im Rohbau- bzw. Ruinenstadium befindlichen Gebäude vervollständigt. Das nenne ich eine gelungene graphische Umsetzung des tatsächlichen Zustands der Stadt im Buch.

Und auch sonst ist „Die Stadt der tausend Treppen“ gelungen. Das beginnt mit den Figuren, Shara ist sympathisch, stark, aber nicht übermächtig und mit einer Vergangenheit, die sie das Taktieren lehrte. Ihr Begleiter, Sigrud, ein riesiger Nordmann wird hingegen als unbesiegbar dargestellt. Gleichzeitig bricht die Autorin auch wieder mit diesem Klischee, in dem sie ganz andere Seiten von ihm zeigt. Das Buch ist der erste Band einer Trilogie und während Band drei wohl Sigrud zur zentralen Personen haben wird, wird sich Band 2 um die dritte Person in den Ermittlungen um den Mord drehen. Turyin Mulaghesh ist die Generalin der Stadt, die von ihren Aufgaben zutiefst frustrierte zwischen Pflichttreue und innerer Kündigung schwankt und trotzdem Shara größte Unterstützung bietet.

Das Ganze spielt in einer ungewöhnlichen Weltenkulisse. Da Magie von den Göttern kam, ist sie zum Einen kaum noch vorhanden, zum Anderen verboten, sie nimmt also einen eher geringen Teil ein und besteht in erster Linie aus magischen Artefakten, die übrig geblieben sind. Dazu gesellt sich aber modernes Leben in Form von Automobilen und ähnlichem, objektiv Steampunk-ähnlich, auch wenn die Lebenswelt zu fremd dafür ist. Jedenfalls ist so ein gelungener Mix entstanden, der aus dem üblichen Mittelalter- oder Urban-Einerlei positiv heraus sticht.

Dazu kommt ein Hintergrund, der nicht nur unterhalten will. Die üblichen Intrigen tragen in diesem Buch einen Unterbau aus starker Imperialismuskritik. Ist es nicht vollkommen logisch, dass sich ein unterdrücktes Volk zu wehren beginnt und kann man ihnen den Widerstand wirklich vorwerfen? Weder Eroberungskriege noch Rachefeldzüge führen zu einer positiven Entwicklung und auch wenn die „Gegenseite“ von Shara und Co. verdammenswert handelt, versteht man die Gefühle und Ziele ihrer Unterstützer.

Normalerweise mag ich keine Bücher, in denen übermächtige Götter auftauchen, aber hier mache ich gerne eine Ausnahme, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und überlege nun nur noch, ob ich auf die Übersetzung des zweiten Teils noch etwas warten kann oder auf Englisch weiter lese. Und das, obwohl die Geschichte in sich abgeschlossen ist!

4ratten:marypipeshalbeprivatmaus:


The Divine Cities
  • Die Stadt der tausend Treppen / City of Stairs
  • Die Stadt der toten Klingen / City of Blades
  • City of Miracles
« Letzte Änderung: 10. August 2017, 16:43:15 Nachmittag von illy »
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

 

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