Autor Thema: Bücher über die Schoah  (Gelesen 4952 mal)

Offline Valentine

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Noch was:

Wladyslaw Szpilman: Der Pianist
I would always rather be happy than dignified.
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PRIMO

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@ valentine
"schindlers liste" habe ich mal angefangen, aber wieder aufgehört. den film habe ich natürlich auch gesehen und fand den unmöglich! (imre kertesz hat über den film geschrieben).
gute bücher über dieses thema zu finden ist sehr schwer und ich glaube, es gibt nicht viele.
anne franks tagebuch kenne ich natürlich, die anderen titel, die du aufgelistet hast sind mir leider unbekannt.
es gibt noch zwei bücher, die mich tief beeindruckt haben:

Das große Heft (Agota Kristof)
Der wiedergefundene Freund (Fred Uhlmann)

Beide Bücher sind wirklich sehr zu empfehlen.

Es gibt natürlich auch bücher, in denen der holocaust und der 2. Weltkrieg eine indirekte Rolle spielen. Sehr gut finde ich da:

Der Vorleser (Bernhard Schlink)

primo

Offline Valentine

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Zitat von: PRIMO

"schindlers liste" habe ich mal angefangen, aber wieder aufgehört. den film habe ich natürlich auch gesehen und fand den unmöglich! (imre kertesz hat über den film geschrieben).


Was fandest Du an dem Film so schlecht?

Den "Vorleser" kenne ich auch, der war gut. "Die Andere" kann ich Dir wärmstens empfehlen - es geht weniger um den Holocaust an sich als um eine deutsche Dorfgemeinschaft während des Krieges mit zahlreichen plastisch geschilderten Charakteren. Hauptperson ist eine "Zwergin", eine kleinwüchsige Frau, die alles um sich herum mit Scharfblick beobachtet.

Ich habe noch mehr Bücher über das Thema gelesen, aber leider fallen mir die Titel alle nicht mehr ein  :rollen:
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PRIMO

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@ vaelntine,
"schindlers liste" ist historisch teilweise falsch. beispielsweise redet der buchhalter Isaac Stern jiddisch, er gehört aber zu den deutschen juden und als solcher kann er kein jiddisch.
ausserdem finde ich es nicht gut, wenn ein film mit diesem thema auf die tränendrüse drückt. man sollte an solche ereignisse so rational wie möglich rangehen.
primo

Offline Kirsten

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...dann kann ich Dir "Babij Jar" von Anatoli Kusnezow empfehlen. Er hat die Geschichte der Juden von Kiew einfach wunderbar erzählt, ohne etwas zubeschönigen oder nach Effekten zu heischen....
I tried so hard and got his far. In the end, it doesn't really matter.

Offline illy

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was ich sehr heftig, aber auch sehr interessant fand:

Robert Merle - Der Tod ist mein Beruf, darin wird anhand einer fiktiven Person das Leben des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß.

Merle schafft es ziemlich gut neben all dem Grauen, was bleibt, zu zeigen, dass führende Nazis keine gesichtslosen Monster waren, sondern macht ihr Handeln anhand der Biografie, wenn auch natürlich nicht verständlich, so aber doch, nachvollziehbar.

LG
illy
Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen.  (Friedrich Nietzsche)

Offline Valentine

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Zitat von: PRIMO

"schindlers liste" ist historisch teilweise falsch. beispielsweise redet der buchhalter Isaac Stern jiddisch, er gehört aber zu den deutschen juden
und als solcher kann er kein jiddisch.


Aha, wieder was gelernt! Einen historisch wirklich akkuraten Film findet man leider sehr, sehr selten.

Zitat
ausserdem finde ich es nicht gut, wenn ein film mit diesem thema auf die tränendrüse drückt. man sollte an solche ereignisse so rational wie möglich rangehen.


Hm ... naja, das ist Ansichtssache, wo die realistische Darstellung aufhört und die Effekthascherei anfängt.

Allerdings ist das Thema für mich ganz einfach emotional. Wo so viele Menschen grundlos ermordet, verschleppt, misshandelt und erniedrigt wurden, kann ich nicht mehr nur mit dem Kopf rangehen. Ich habe auch bei eher sachlich gemachten Dokumentationen gelegentlich Tränen in den Augen, wenn persönliche Erfahrungen geschildert werden.
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PRIMO

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@ valentine,
das mit der emotion ist sehr problematisch. in fast allen filmen die ich kenne (ich spreche von solchen, in denen das thema holocaust direkt eine rolle spielt), werden die gefühle des zuschauers so stark bearbeitet (musik spielt da eine sehr große rolle), dass sich dem weinen kaum einer entziehen kann (ich bin da keine ausnahme).
ich sehe das so problematisch, weil menschen mit emotionen polarisieren und schwarz-weiss sehen. fast alle leute, die ich kenn, gehen an das thema holocaust mit sehr viel emotion heran und dadurch fehlt es ihnen dann an objektivität. die ist aber unbedingt nötig, wenn man das geschehene verstehen will.
deshalb finde ich Imre kertesz Buch "Roman eines Schicksallosen" so gut, weil es nicht polarisiert und völlig emotionslos ist. es suggeriert nichts.

primo

Offline Valentine

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Zitat von: PRIMO
ich sehe das so problematisch, weil menschen mit emotionen polarisieren und schwarz-weiss sehen. fast alle leute, die ich kenn, gehen an das thema holocaust mit sehr viel emotion heran und dadurch fehlt es ihnen dann an objektivität. die ist aber unbedingt nötig, wenn man das geschehene verstehen will.


Ich tue mir ein bisschen schwer damit, das Geschehene verstehen zu können, ehrlich gesagt. Sicher kann man manches auch auf seiten der Täter mit entsprechenden Hintergrundinformationen nachvollziehen (Mitläufer etc.) - aber dennoch ...

Wie verstehst Du Objektivität in diesem Fall? Sorry für die vielleicht dämliche Frage ;)
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Offline Jona77

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Zu Schindlers Liste: Der Film war noch viel zu harmlos, dass war alles viel viel schlimmer ! Kein Film kann die Wirklichkeit wiedergeben...

Gelesen habe ich zu dem Thema aber nicht all zu viel weil es mich nur sehr traurig macht:

- Das Lied ist aus von Henny Brenner
- Die Weiße Rose von Inge Scholl
- Das Tagebuch der Anne Frank

Übrigends sprechen sehr viele deutsche Juden jiddisch !!!

Offline illy

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mmh , das mit "kein jiddisch bei deutschen Juden" fand ich auch etwas fragwürdig.

Richtiger ist vielmehr, dass das heutige jiddisch nicht mit dem bis zur NS-Zeit vergleichbar ist, da bis dahin in Deutschland "westjiddisch" gesprochen wurde, was heutzutage praktisch ausgestorben ist. Das heutige jiddisch ist "ostjiddisch" welches bis zu den 40ern hauptsächlich in Polen, Russland (halt im Osten Europas) und aufgrund der höheren Auswandererquote aus diesen Ländern auch in den USA gesprochen wurde.

LG
illy *heutmal im klugscheissmodus*
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PRIMO

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@ julia, @ illy
jiddisch wird und wurde von deutschen juden nicht gesprochen. der grund: jiddisch ist ein spezielles gemisch aus mittelhochdeutsch, einigen hebräischen und aramäischen Wörten. das eigentliche jiddisch entstand, als die juden wegen gewaltiger progromwellen in den osten flohen (vor allem nach polen). dort mischte sich ihre sprache mit den slawischen und es enstand eine eigene sprache (die der deutschen sehr verwandt blieb).
westjiddisch war die sprache der juden, die nicht auswanderten, die aber aufgrund der gettobildungen die lautverschiebungen (die zu unserem heutigen deutsch geführt haben) nicht mitgemacht haben.
der sohn von maria theresia, josef, erließ eine judenbulle und gab damit den juden eine möglichkeit, aus ihren gettos "auszubrechen" und sich zu assimilieren. ab diesen zeitpunkt verschwand das "westjiddisch" ziemlich rasch und schon im neunzehnten jahrhundert war es in deutschland und österreich praktisch ausgestorben.
in "schindlers liste" spricht der deutsche jude isaac stern jiddisch. tatsächlich aber konnte er das gar nicht.
primo

PRIMO

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@ valentine,
unter objektivität verstehe ich in diesem fall, seinen zorn, seine trauer oder was auch immer so weit wie möglich unter kontrolle zu halten. ich glaube, dass man nicht auf hitler oder himmler etc. seine ernergien verschwenden sollte; man sollte sich gut üerlegen, warum das dritte reich möglich war, wer es unterstützte und warum. wenn man seinem hass freien lauf lässt, hilft das nicht, zu verstehen.
primo

Offline Jona77

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Schließe mich dem "klugscheissmodus" an. Hat mich jetzt doch etwas neugierig gemacht mit dem jiddisch. Bin morgen Abend , wie jedes Jahr um diese Zeit, in der jüdischen Gemeinde und laß mir dass mal erklären bevor ich wieder was Falsches sage...

Offline Skywalkerin

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Hallo zusammen,

da ich zu diesem Thema - wenn auch hier noch nicht erwähnt - ziemlich viel gelesen habe, mich sehr viel mit Zeitzeugen unterhalten habe darüber, möchte ich auch etwas dazu sagen/schreiben.

„Schindlers Liste“ habe ich auch gelesen, viel interessanter fand ich allerdings das Buch dazu „Ich stand auf Schindlers Liste - Lebenswege der Geretteten“.
Natürlich habe ich mir den Film auch angesehen, allerdings in Ruhe alleine zu Hause. Für mich kein Film, den ich im Kino mit einem Chips mampfenden Nachbarn sehen wollte.
Grundsätzlich finde ich es ziemlich schwierig, ein solches Thema überhaupt in einem Film zu behandeln. Eher schon in Form einer reinen Dokumentation, in der auf Effekthascherei (wo fängt das an?) gänzlich verzichtet werden kann und sollte. Allerdings setzt das bei mir die gleichen Emotionen frei, wenn es um den zweiten Weltkrieg, den Holocaust geht.

Und ohne Emotionen? Bitte? Wie kann man das, wenn es um Menschen und deren Schicksal geht? Das hat für mich nichts mit Objektivität zu tun. Emotionen hindern mich doch nicht daran, mich auch sachlich mit den Hintergründen, den Drahtziehern, den gesamten Umständen von damals auseinander zu setzen.

Wie gesagt, über den Film und seine „Aufmachung“ kann man sich streiten, aber wenn er nur ein paar Zuschauer veranlasst hat, sich daraufhin etwas näher damit zu beschäftigen, dann hat er sein Ziel als „Film“ erreicht.

@primo
Was war denn noch historisch falsch bei „Schindlers Liste“ - außer dem „jiddisch“ ?
Würde mich interessieren, Frau lernt ja gerne dazu.


Bücher, die ich in dem Zusammenhang unter anderem gelesen habe (die mir gerade einfallen):

Daniel Jonah Goldhagen:
Hitlers willige Vollstrecker - Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust

Ruth Elisas:
Die Hoffnung erhielt mich am Leben - Mein Weg von Theresienstadt und Auschwitz nach Israel

Calel Perechodnik:
Bin ich ein Mörder? - Das Testament eines jüdischen Ghetto-Polizisten

Wladyslaw Szpilman: Der Pianist

Viele Grüße
Die Bildung kommt nicht vom Lesen, sondern vom Nachdenken über das Gelesene.
(Carl Hilty)

 

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