Autor Thema: Fjodor Dostojewski - Schuld und Sühne bzw. Verbrechen und Strafe  (Gelesen 24074 mal)

Offline Phistomefel

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Schuld und Sühne
F. Dostojewski
1866


Prostitution, bittere Armut, Alkoholismus, Krankheit, Gewalt. Hier, in den ärmlichen Gegenden von Sankt Petersburg, mitte des neunzehnten Jahrhunderts, liegt der verarmte ehemalige Student Rodion Raskolnikow in seinem sargengen Zimmer und sinnt nach. Entspinnt eine Theorie von höheren und niederen Menschen, verwirft jegliche Moral und plant rational und kaltblütig den Mord an einer alten Pfandleiherin, die für ihn nicht mehr ist, als eine Laus über die er hinübersteigt, um an ein höheres  Ziel zu kommen. Dieser Mord gelingt ihm, er kann unbemerkt verschwinden und jeden Verdacht von sich weisen. Dennoch - sein Plan ist gescheitert. Nichts bleibt von der Vernunft und der Rationalität, Raskolnikow verfällt in Wahnsinn und Fieberträume, konfrontiert mit der Tatsache, in seiner eigens geschaffenen Moralvorstellung zu versagen und über sich selbst so hart  urteilen zu müssen, wie er es zuvor bei seinen Mitmenschen getan hat. Unfähig, sich seinem Umfeld zu stellen verstößt er wohlwollende Freunde und letztendlich sogar Mutter und Schwester, innerlich zerrissen und unfähig zu handeln. Erst die gläubige Prostituierte Sonja scheint zu ihm vordringen zu können.

Dostojewski ruft unbarmherzig eine Welt der Armut ins Leben, schont den Leser nicht, indem er ihm die schrecklichen Verhältnisse und Tatsachen nicht erspart, ohne zu beschönigen und so liegt beim Lesen stets eine schwermütige, trübselige Stimmung über der Szenerie. Wir dürfen den Überlegungen Raskolnikows bis ins Detail folgen, uns mit ihm durch seine unklaren Fieberträume quälen, und seine widersprüchlichen, nebulösen Gedanken betrachten, bis wir durch diese tiefen Einsichten vielleicht sogar dem jähzornigen, unsympathischen Mörder mehr Zustimmung zuteil werden lassen, als wir es uns wünschen.

Ein Werk, das mehr als nur einen interessanten Denkanstoß geben kann und gewiss eine Bereicherung darstellt.  Abgesehen davon ist Schuld und Sühne auch eine fesselnde Kriminalgeschichte, der einzige Makel ist der stark moralisierende Schluss.

›Wo habe ich‹, dachte Raskolnikow im Weitergehen, ›wo habe ich doch gelesen, wie ein zum Tode Verurteilter eine Stunde vor seinem Tode spricht oder denkt? Dass, wenn ihm die Möglichkeit gewährt würde, irgendwo hoch oben auf einem Felsen zu leben, auf einer so schmalen Platte, dass gerade nur die beiden Füße Raum zum Stehen fänden, und ringsumher wären Abgründe, Ozean, ewige Finsternis, ewige Einsamkeit und ewiger Sturm, und wenn er so, auf dem schmalen Platze stehend, sein ganzes Leben, tausend Jahre, eine Ewigkeit zubringen könnte: dass es ihm dann besser scheinen würde, so zu leben, als gleich zu sterben! Nur leben, leben, leben! Wie, ist gleichgültig; nur leben! … Und das ist wahr! 0 Gott, wie wahr! Der Mensch ist ein Schuft!… Und ein Schuft ist, wer ihn deswegen Schuft nennt!‹ fügte er einen Augenblick darauf hinzu.


                       


Viele Grüße,
Phistomefel
« Letzte Änderung: 08. September 2007, 13:36:39 Nachmittag von fairy »

Offline mara84

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"Verbrechen und Strafe" (für mich als Russisch-Studentin einfach die bessere Übersetzung) ist ein wundervolles Buch. Raskolnikovs Freund - Razumichin - ist das Sprachrohr Dostojewskis...
Sonja wohl eine ungemein bedeutende Frauenfigur der russischen Literatur...
St. Petersburg - die Stadt, ohne die das Buch nicht das wäre was es ist: EIN MEISTERWERK!
Mit Büchern habe ich das meiste Gespräch Seneca

dumbler

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In diesem handlungsarmen Roman begleiten wir den Mörder Raskolnikow. Schon früh verfasste er die Theorie, „nutzlose“ Menschen dürften aus dem Weg geräumt werden, um den „gewinnbringenden“ Menschen zugute zu kommen und der moralischen Frage, ob der Tod einer Person gerechtfertigt sei, wenn dadurch hundert Weiteren das Leben gesichert sei.
Raskolnikow selber glaubt, zu der zweiten Kategorie anzugehören – die der außergewöhnlichen und wertvollen Menschen – und nimmt sich das Recht, die alte Pfandleiherin mit dem Beil zu erschlagen. Anstatt ungerührt und teilnahmslos über die Leiche hinweg zu schreiten, wie seinerzeit Napoleon, plagen ihn nach der Tat Abscheu und Panik.

Sehr anschaulich, minutiös beschreibt Dostojewski die Folgen des schlechten Gewissens. Ein psychologisches Bild der Extraklasse. Paranoia, Alpträume, Misstrauen… und ständig mit einer unterdrückten Sehnsucht nach Aufdeckung. Raskolnikow läuft kopflos durch die Straßen, entsagt sich seiner Familie, entfernt sich von der Menschheit, Fieber und Ohnmachtsanfälle lassen ihn durchdrehen.

Ein überheblicher, unsympathischer Charakter, der seine menschlichen (barmherzigen?) Züge für verachtenswert hält (wie die vielen Geldspenden) Sein einziger Halt ist die Prostituierte Sonja, mit deren Liebe er das aufgekommene Desaster besteht. Die plötzliche Ergebenheit Sonjas ist mir rätselhaft geblieben. Seine Theorie beweist ihm, dass er nicht so bedeutend ist als er dachte. Eine Laus der Menschheit, die er zusammen mit der Pfandleiherin getötet hat. Seine Theorie, an die er bis zum Schluss festhält und ihn vom Reuegefühl abhält.

4ratten

Gruß,
dumbler
« Letzte Änderung: 29. März 2007, 05:22:59 Vormittag von dumbler »

Zzzarathustra

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Nachedem ich erst mit den Dämonen eingestiegen bin habe ich gerade obiges Werk von Dostojewski zugeklappt und muß sagen das es wirklich ein Meisterwerk der Weltliteratur ist...mit Abstand zu den besten Büchern zu zählen welche ich bisher gelesen habe. Selten habe ich ein von der ersten Seite bis zur letzten Seite fesselndes, durchdachtes aufeinanderbauendes Buch mit soviel Tiefgang gelesen. Es gibt Elemente von Kriminalroman im ganzen Handlungsstrang gekoppelt an Hochphilosophische Fragen. Im Vergleich zu den Dämonen liest sich Schuld und Sühne einfach rund...ohne Flach zu sein.

Die Hauptperson ist der Student Raskolnikow ein verkappter Literat und Philosoph...er begeht einen Doppelmord um seine schlechte finanzielle Lage aufzubessern mit der Rechtfertigung das große Menschen immer gewiße Opfer bringen müssen um Ihren Weg zu beschreiten...Opfer bringen heißt in dieser Sichtweise das Opfer aus der gemeinen Masse einfach dazugehören weil das Opfer in diesem Fall einfach als ein unnütze Laus betrachtet wird welche der Allgemeinheit einfach schadet..und der Täter sogar im Guten handelt. Es gibt hier sehr interessante Ansätze welche sich durch das ganze Buch durchziehen...Raskolnikow kommt jedenfalls mit seiner Tat und obiger Sichtweise nicht zurecht, und in Form dieses Buches wird Kritik an der damaligen Mentalität gewißer Europäischer Kreise geäußert , und verstrickt sich in Selbstzweifel und lenkt auch den Verdacht der Ermittler auf sich....die Verhörszenen mit dem Untersuchungsrichter gehören mit zu den Tiefgründigsten Stellen in diesem Buch. Letztlich entdeckt dir Hauptperson in der Liebe zu einer Prostituierten einen neuen Lebenssinn und sühnt seiner Tat. Aber das ist schon das Ende des Buches, bis dahin erfolgen soviele komplexe Verstrickungen welche hier aufzuzählen unmöglich ist...jedenfalls gibt es in diesem Buch keine einzige Seite welche einen nicht zu fesseln mag...jetzt geht es erstmal mit Dostojewskis "Idiot" weiter,

edit fairy: Ich habe dich an das bereits bestehende Thema angehängt!
« Letzte Änderung: 08. September 2007, 13:38:59 Nachmittag von fairy »

Lideleia

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Ich kann euch allen nur zustimmen! Auch mir hat dieser Roman fabelhaft gefallen. Obwohl Raskolnikow einen Mord begeht und somit ein Verbrecher ist, versteht man seine Situation, sympathisiert mit ihm und hofft, dass er  trotz allem ein ruhiges Leben führen kann, was natürlich unmöglich ist. Interessant finde ich auch, dass Raskonikow sein schlechtes Gewissen so plagt, dass er mit dem "erbeuteten" Geld letztlich nichts anfangen kann und sich schließlich auch mehr oder weniger selbst verrät. Dennoch verspürt er noch das Bedürfnis anderen Menschen zu helfen, er ist eigentlich nicht derjenige dem man einen Mord zutrauen würde.

Auch sprachlich ist dieser Roman eine Glanzleistung und gehört eindeutig mit zu meinen Lieblingsromanen, auch wenn ich ihn nie im Orginal werde lesen können.

Offline bane77

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Fjodor M. Dostojewski - Schuld und Sühne



Meine Meinung
:

Eigentlich hatte ich gar keine große Lust auf das Buch, da noch so viele andere tolle Bücher herumsubbten - aber die Chance einen solchen Klassiker in einer Leserunde zu lesen, hat den Ausschlag gegeben. Was soll ich sagen - ich habe es nicht bereut. Schon nach ein paar Seiten war ich von der Geschichte und dem außergewöhnlichen, schwierigen und diffusen Charakter Raskolnikows gefesselt.

Dostojewski schafft wahnsinnig dichte, interessante und wirklich greifbare Charaktere: Raskolnikow, Sonja, Luschin, Rasumichin und und und. Man atmet wirklich in diesem Mikrokosmos und scheint selbst ein Teil davon zu werden. Das sieht man schon alleine daran, wie man mit Raskolnikow mitfiebert, bangt und beinahe verrrückt wird als Porfirij immer wieder Andeutungen, Anschuldigungen macht.

Toll finde ich auch wie das Leben im 19. Jahrhundert in Russland beschrieben wird - sehr plastisch, nah.

Dostojewski schreibt wirklich außergewöhnlich gut. Es ist nicht anstrengend zu lesen, aber dennoch anspruchsvoll. Ich lese in der gleichen Zeit normalerweise das Doppelte an Seiten. Aber man fühlt sich immer gut unterhalten.

Ein Hänger war für mich Teil 2. Hier geht mir die Lethargie, der Irrsinn und die Krankheit Raskolnikows wirklich auf die Nerven. Es passiert einfach gar nichts, es wird nur sein Gefangensein in dieser Situation beschrieben und das über 100 Seiten lang.

Ansonsten ein sehr sehr gutes Buch, das wohl mehr als einmal zu lesen ist.

Von daher gibts:

 4ratten

lg
bane

Offline Juggalette

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Inhalt:
Der Student Rodion Romanowitsch Raskolnikow lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen in einem kleinen Zimmer in St. Petersburg. Er beschließt und plant eine alte Wucherin umzubringen und sie zu bestehlen, denn er ist davon überzeugt,  dass er ein „großer Mensch“ ist, der anderen überlegen ist und somit sei es ihm erlaubt „lebensunwertes“ zugunsten von „lebenswertem“ Leben zu beseitigen um sich selbst zu helfen. Nach der Tat wird er krank, verfällt in ein tagelanges Delirium, bekommt Besuch seiner Familie und ungewollte Hilfe seines Freundes Rasumichin. Doch das schlechte Gewissen lässt nicht lange auf sich warten...

Meine Meinung:
Ich finde, dass das Buch es alleine der Sprache wegen verdient hat gelesen zu werden. Schuld und Sühne ist mein zweites Buch von Dostojewski und auch diesmal hat mich sein Schreibstil beeindruckt. Es liest sich sehr flüssig und ist reichlich vollgepackt mit Details, die es einem ermöglichen vollends in die Geschichte einzutauchen und mit Raskolnikow mitzufiebern.

Zu Raskolnikow selbst habe ich eine geteilte Meinung. Von der ersten Seite an habe ich mich als seine Komplizin gefühlt – auch wenn es mir manchmal schwer fiel ihn zu verstehen und auch zu mögen. Seite für Seite habe ich mit ihm mitgelitten und manchmal hätte ich ihn am liebsten angeschrien, geschüttelt oder auch geschlagen. Seine unkontrollierten Wutausbrüche und überhebliche Art gingen mir auf den Geist. Aber diese hat er wiederum mit seiner liebevollen Weise sich um andere zu kümmern, denen es noch schlechter geht als ihm selbst, wieder wett gemacht.

Die Charaktere sind, wie ich finde, alle sehr gut ausgearbeitet und realitätsnah. Außerdem bekommt man einen guten Einblick in die ärmlichen Verhältnisse und Lebensweise der damaligen Menschen und Zeit.

Schuld und Sühne ist für mich ein Buch, dass ich bestimmt noch mehrmals lesen werde und außerdem ein absoluter  :tipp:.

5ratten
:leser:
Leo Tolstoi - Anna Karenina
Geneva Lee - Royal Passion
Frank Schätzing - Tod und Teufel
Patrick Rothfuss - The Name of the Wind
Maggie Stiefvater - The Raven Boys

Offline HoldenCaulfield

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Meine Meinung:

Ich hatte das Gefühl die Seiten flögen nur so dahin. Unerwarteter weise las sich dieser Roman sehr gut weg und ich hatte von Anfang an keine Schwierigkeiten mich in die Handlung ein zu finden. Ich hatte erwartet das der Roman eher schwere Kost werden könnte.
Rodion Raskolnikow ist für mich eine Romanfigur die ich schnell mochte, das mag verwunderlich erscheinen ist er doch ein brutaler Mörder - gut ich habe eine Schwäche für Mörder in Romanen sobald sie die Hauptrolle spielen- da man den Verlauf der Handlung jedoch weitgehend aus seinem Blickwinkel betrachtet, obwohl der Roman in der dritten Person verfasst wurde, kommt man ihm doch recht nahe.

Schuld und Sühne besitzt mehrere Ebenen. Oberflächlich betrachtet ist es die Geschichte eines Mörders der versucht seine Tat zu verbergen doch Dostojewski kritisiert die bestehenden Verhältnisse seiner Zeit aufs schärfste, lässt die damals aufkommenden politischen Gedanken lebendig werden und zeigt dann doch wieder einen Menschen der egoistisch und Geldgierig ist, der aber dennoch an seiner Tat zu zerbrechen droht. So erscheint Raskolnikow zunächst kaltblütig aber doch auch menschlich.
Die vielen Nebenfiguren musste ich erstmal auseinanderhalten, zu Beginn gab es da die ein oder andere Verwechslung^^ aber nach und nach gewöhnte ich mich dann wieder an die russischen Namen (bei Anna Karenina wars schlimmer^^) und ab da war es dann kein Problem mehr.
Was mich ganz persönlich fasziniert hat, war vor allem der Schuldaspekt. Wie geht Roskolnikow damit um das er getötet hat. Ist es ihm wirklich so gleichgültig wie er tut? Ist er sich überhaupt einer Schuld bewusst? Was geschieht mit ihm und letztendlich wird er sich stellen oder nicht?
Obwohl sehr vieles drumherum geschieht und man so eine Menge über fast jede Nebenfigur erfährt wird der Roman nicht langweilig Ich hatte nie das Gefühl die Handlung zöge sich in die Länge.

Nur der Schluss... für meinen Geschmack war der Epilog überflüssig. Nach dem letzten Kapitel des 6. Teils war der Roman für mich zu Ende.
Letztendlich konnte mich Schuld und Sühne sehr begeistern und ich für meinen Teil werde von Dostojewski noch das ein oder Andere lesen!

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Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Offline Naru

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Meine Meinung:

Schuld und Sühne ist das erste Werk, dass ich von Dostojewski gelesen habe und es hat mich sofort fasziniert. Dostojewski schafft eine so in sich stimmige und tiefgründige Welt, dass es mir auf keiner Seite langweilig geworden ist. Die Gedankengänge der verschiedenen Charaktere und ihre Schicksalsschläge sind hochinteressant, da sie allesamt durch die Erzählweise des Autors fast real anmuten. Das Buch steckt voller inspirierender Theorien und philosophischer Fragestellungen. Ich hatte das Gefühl zusammen mit Raskolnikow langsam einer tieferen Erkenntnis näherzukommen. Liebe und Strafe können einem gequälten Menschen die Lust zum Leben wiedergeben, er kann erst nachdem er seine Taten gebüßt hat wiedergeboren werden.

Am besten an dem Buch hat mir die Vielfalt der Charaktere gefallen. Jeder einzelne ist glaubwürdig und besonders, keine Spur von flachen nichtssagenden Figuren. Und alle sind sie auf besondere Weise miteinander verflochten. Der Antiheld ist Raskolnikow und seine Beweggründe, Hoffnungen, Ängste etc. werden dem Leser sehr genau geschildert. Das Buch hat zwar den von der Hauptfigur begangenen Mord zum Thema, doch ist dieser nicht penetrant im Fokus und lässt dadurch auch ganz andere Handlungsstränge zu. Der Mord wird aus der Sicht des Mörders wiedergegeben, deswegen weiß der Leser nur soviel über den Ermittlungsstand der Polizei, wieviel Raskolnikow selbst in Erfahrung bringen konnte. Die höchst komplexen Gespräche auf Polizeirevier und die durchaus irreführende Strategie des den Fall ermittelnden Porfiri gehören meiner Meinung nach zu den Höhepunkten des Romans.

5ratten
:leser:

Hildegunst

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Nabend,

ich muss hier gerade mal eine sehr virulente Fragestellung aufbringen, die mir schon seit einiger Zeit auf den Nägeln brennt:

Da es ja vor nicht allzu langer Zeit eine Neuübersetzung von Dostojewskis "Schuld und Sühne" mit dem, wie man hört, wörtlicher übersetzten Titel "Verbrechen und Strafe" gegeben hat, die hochgelobt ist, wollte ich mal fragen, ob jemand womöglich mit beiden Übersetzungen Erfahrung gemacht hat bzw. an all die, welche die alte Übersetzung gelesen haben die Frage richten, ob diese Übersetzung in irgendeiner Hinsicht holprig o. ä. wirkte?

Logischerweise kann letzteres ja eigentlich kaum der Fall sein, schließlich war dieser Roman auch im deutschsprachigen Gebiet lange Zeit vor der Neuübersetzung ein absoluter Klassiker, aber ich überlege eben zurzeit - ich habe hier die HC-Ausgabe vom Albatros Verlag -, ob ich die alte, bereits auf meinem SuB befindliche Ausgabe lesen soll oder ob es tatsächlich eine derart große qualitative Diskrepanz zwischen den beiden Übersetzungen gibt, dass man sich gewissermaßen um ein nicht unbeträchtliches Maß an Lesevergnügen/-erfahrung betrügen würde, läse man die alte?

Herzlichen Dank!

Offline HoldenCaulfield

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@Hildegunst
Hm also ich persönlich kann nur von einer Übersetzung sprechen und meine Ausgabe fand ich überhaupt nicht holprig oder sperrig zu lesen. Meine ist von Margit und Rolf Bräuer.

Grüße
Seltsam im Nebel zu wandern.... H.Hesse

"[...] wir sind hier alle verrückt. Ich bin verrückt, du bist verrückt" *L.Carroll*

Hildegunst

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Ich hab die von Richard Hoffmann, hab ich glatt vergessen, anzugeben - hat die evtl. schon jemand gelesen?

Ich muss sagen, prinzipiell widerstrebt mir der Gedanke, ein Buch in derselben Sprache zweimal zu kaufen, doch ein wenig. Werde mich wohl einfach noch etwas über diese Übersetzung informieren.

Offline MacOss

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Ich hab die von Richard Hoffmann, hab ich glatt vergessen, anzugeben - hat die evtl. schon jemand gelesen?

Ich muss sagen, prinzipiell widerstrebt mir der Gedanke, ein Buch in derselben Sprache zweimal zu kaufen, doch ein wenig. Werde mich wohl einfach noch etwas über diese Übersetzung informieren.

Huhu Hildegunst, :winken:

bist Du bei Deinen Recherchen schon weitergekommen? Da ich mir als Lektüre für den kommenden Winter "Schuld und Sühne" bzw. "Verbrechen und Strafe" vorgenommen habe, stelle ich mir natürlich auch die Frage, welche Übersetzung es sein soll, zumal bei mir im Verwandtenkreis bereits unterschiedliche Ausgaben existieren, nur nicht die aktuelle Übersetzung von Swetlana Geier, die so gut sein soll. Und nun überlege ich, ob sich der Kauf dieser Übersetzung lohnt, oder ob es auch eine der älteren Versionen tut. Gibt es eigentlich irgendwo verlässliche Aussagen über die Qualität der unterschiedlichen Übersetzungen...?

Viele Grüße
M.
« Letzte Änderung: 23. April 2010, 15:01:05 Nachmittag von MacOss »
:winken:

Maus0509

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Hallo,
vor einigen Jahren habe ich "Schuld und Sühne" in der Übersetzung von Richard Hoffmann gelesen und fand, dass sie sich sehr gut liest. Ein paar Jahre später habe ich dann "Verbrechen und Strafe", also die Übersetzung von
Svetlana Geier gelesen und fand die auch sehr gut. Ob Letztere besser war, kann ich nicht genau sagen, weil es schon so lange her war, dass ich die Andere gelesen hatte. Mit hat das Buch insgesamt beim zweiten mal aber auf jeden Fall noch besser gefallen und das könnte durchaus an besserer Übersetzung liegen. Wenn man die Übersetzung von Hoffmann allerdings sowieso schon hat, denke ich, kann man ruhig bei dieser bleiben. Wie gesagt, ich hatte an ihr nichts auszusetzen.

LG
Maus

Hildegunst

  • Gast
Also, die Übersetzung von Richard Hoffmann hab ich auch und, als Teil meiner kürzlich erstandenen Dostojewski-Werkausgabe, die angeblich viel gerühmte Übersetzung von E. K. Rahsin - werde dann wohl die letztere lesen, dem Oeuvre Dostojewskis mich nähern wollte ich jedoch mit den Dämonen oder auch einem sonstigen Werk aus der Werksausgabe.

Zumindest war es interessant, womöglich glatt beruhigend, dass es auch schon vor Frau Geier mehr als brauchbare Übersetzungen gegeben zu haben scheint, bei all der Euphorie, der ihre Übersetzung begegnete, hätte man daran ja bald zweifeln mögen.

Wobei diese sich so oder so bei vielen bzw. zu einem großen Teil wohl aus der - meiner Ansicht nach vollkommen lächerlichen -  Befriedigung der fehlenden "religiösen Konnotation" des Titels spies. Gut, anscheinend heißt die russische Originalausgabe genau übersetzt wirklich Verbrechen und Strafe, die S&S-Übersetzung ist somit eben wohl kontemporär zu begründen, aber alleine durch die enormen Konflikte des Protagonisten bezüglich Moralität und Absolution sozusagen finde ich diesen alten Titel auch wirklich in Ordnung.


 

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