Bettina Schnerr-Laube von Bleisatz

Auf Literaturschock werden in regelmäßigen Abständen interessante Bücherblogs, Literaturseiten und Rezensionsportale vorgestellt. Die ursprüngliche Idee könnt ihr im Artikel Bücherblogs, Literaturseiten, Rezensionsportale ... ? nachlesen. Heute stelle ich euch Bettina Schnerr-Laube mit ihrem Blog "Bleisatz" vor.

Bettina Schnerr-Laube

Bettinas Steckbrief in Kürze

Echter Name vs. Nickname: Bettina & Bettina
Geburtsjahr: 1971
Oft anzutreffen: an der frischen Luft, manchmal auch mit dem Fotoapparat, oder eben auf dem Lesesofa
Interessen (neben der Literatur): Garten, Schwimmen, Fahrrad fahren, Bergwandern, meine Familie und Japanisch lernen
Aktuelles Buch vs. spontane Buchempfehlung: Aktuelle Bücher: "Kein Leben ohne Minibar“ von Will Wiles und „Mit Axt, Charme und Melone“ von Colin Cotterill.
Meine spontane Buchempfehlung: Alles von Keigo Higashino, dessen präzise Storyführung ich sehr schätze.

Steckbrief von Bleisatz

Webseite Bleisatz

Online seit: 1999
Schwerpunkte: Das sind die Rezensionen zu meinen gelesenen Büchern, das meiste davon aus der Sparte Krimi. Gerne lese ich zudem Bücher, mit denen sich meine literarische Weltreise bestücken lässt. Ein Projekt übrigens, das auf Literaturschock seinen Anfang genommen hatte. Dazu kommt das Feuilleton, mit dem ich Magazin-artig verschiedene Bücherthemen aufgreife.
Besucher pro Monat: je nach Zähler zwischen ca 1.000 Besuchern und ca. 6.000 Besuchen
Dein Lieblingsartikel auf deiner Seite vs. Linktipp (z.B. andere Literaturseite): Den Lieblingsartikel schlechthin habe ich nicht. Es fällt mir aber einer ein, dessen Entstehung für mich sehr erfreulich war: Ein Abend mit Barry Lancet. Ich hatte seit Jahren endlich wieder die Gelegenheit, eine Lesung zu besuchen und noch dazu mit einem Buch, mit dem viele Zufälle verknüpft waren.

Linktipps möchte ich gerne drei abgeben: Japanische Literatur mit einer fantastischen Spezialisierung und einem fundierten Knowhow dazu, den Coverspy auf tumblr auf tumblr mit dem Versuch, die Leser zu den jeweiligen Büchern mit kurzen Angaben zu beschreiben und Was machen die da? ein Interviewprojekt von Isabelle Bogdan und Maximilian Buddenbohm.

Bleisatz & Social Media Facebook Pinterest Google+ tumblr this.cm

Im Gespräch mit Bettina

Wie und warum hast du das Thema "eigenes Blog" angepackt und welches Ziel hattest du dabei?

Als Studentin hatte ich die Möglichkeit, Serverplatz auf den Unirechnern zu bekommen. Davon hatte ich kurzerhand Gebrauch gemacht und eine Seite gebastelt - so muss man das in den Anfangszeiten wohl wirklich nennen. Neben literarischen Themen hatte ich mich noch an einem anderen ausprobiert, mich aus Zeitgründen und Interessenverschiebungen aber nach und nach immer mehr auf die Literatur konzentriert. „Bleisatz“ hieß mein Onlineauftritt nicht von Beginn an, das ist erst seit 2008 der Fall.

Da ich im privaten Umfeld einige wenige Leser hatte, aber niemanden mit einem ähnlichen Büchergeschmack, gab ich das ins Internet, was ich selbst auch dort herausholte, im Geben und Nehmen also: Rezensionen und Lesetipps für all die, die sich im privaten Rahmen nicht recht austauschen können und die zu ihrer Lektüre in den Medien sonst kaum etwas finden. Diese Grundidee habe ich bis heute, denn ich lese nach wie vor so einiges abseits des Mainstream. Mittlerweile ist die Szene der Buchseiten so gewachsen, dass jeder Geschmack ziemlich gut vertreten ist.

Irgendwann erweiterte ich mein Angebot um das Feuilleton, weil eine Magazinrubrik für mich eine ideale Ergänzung ist. Ich schreibe schließlich gerne (das scheint ja für viele Bücherfreunde zu gelten), habe allerdings in der Non-ficiton mein Zuhause.

Gibt es aktuelle Literaturthemen, die dich ganz besonders beschäftigen?

Ich wünsche mir, dass Ebooks einfacher werden, ohne DRM, ohne in sich abgeschlossene Systeme. Auf Dauer ist es wenig sinnvoll, sich entweder auf ein System festlegen zu müssen oder mehrere Reader zur Verfügung zu haben. Für den Verbraucher sind kompatible und logische Plug-and-play-Lösungen viel gescheiter. Bei Ebooks ist das doch nicht anders als bei Musik und am Ende ist es -egal, mit welcher Darreichungsform- immer ein Buch.

BleisatzWie reagierst du, wenn dir ein Buch überhaupt nicht gefällt? Schreibst du einen Verriss oder lieber gar nicht darüber?

Wenn mir ein Buch nicht gefallen hat, schreibe ich darüber und versuche so gut wie möglich, die Gründe dafür zu nennen. Ich erwarte diese Offenheit umgekehrt auch von anderen und finde sie zudem hilfreich, vor allem bei Leuten, von denen ich die Meinung einschätzen kann. Entweder kann ich mich warnen lassen oder die Eindrücke abgleichen. Da ich für andere Leser schreibe, soll meine Website ein komplettes Lektürebild geben und nicht nur eines mit den positiv besprochenen Büchern. Ich fände es schade, den literarischen Austausch abzuwürgen, sobald ein Buch schlechter aufgenommen wurde, und die Diskussion auf positive Eindrücke und Empfehlungen beschränkt bliebe. Wer nur richtig gute Buchtipps haben möchte, kann sich zum Beispiel meinen Lesetipp des Monats anschauen.

Wie das so mit Meinungen ist: Eine schlechtere Beurteilung kann übrigens FÜR ein Buch sprechen: Auf eine Rezension bekam ich mal die Antwort „You had me at Kafka,“ weil die Leserin an diesem Vergleich merkte, dass sie selbst durchaus was mit dem von mir ungeliebten Werk anfangen könnte.

Insgesamt kommen allerdings recht wenig Bücher schlecht bei mir weg, weil ich meine Bücher (inklusive meiner Genreausflüge und Experimente) ziemlich genau auswähle. Daher schlage ich mich selten mit für mich schwierigen Titeln herum.

Mangas in TokyoDein bestes und dein schlimmstes Erlebnis als Bloggerin?

Eigentlich war bisher alles sehr positiv. Was mich seinerzeit unglaublich überrascht hat, waren die Reaktionen auf meine allerersten Anfragen nach Rezensionsexemplaren, die in mein Konzept passten. Ich hatte mit ganz vielen Absagen gerechnet und am Ende nicht eine einzige bekommen. Und ich freue mich bis heute immer noch sehr, wenn mich Menschen persönlich auf meine Website ansprechen und ich mitbekomme, wie viele Nachbarn, Freunde oder Bekannte wissen, was ich da treibe und wenn sie mir erzählen, was sie alles gelesen und abgeguckt haben. Diese Website verbindet mich mit Leuten, die um die Ecke wohnen - ist das nicht vielleicht auch Social Reading?

Hast Du Lesemacken?

Sagen wir lieber, ich beschreibe ein paar Eigenheiten oder Gewohnheiten: Ich lese hin und wieder zwei Bücher gleichzeitig und kann bei gewissen Titeln komplett unansprechbar werden. Ich registriere dann zwar Stimmen im Raum, beziehe die aber nie auf mich. Bis ein Aufschrei kommt und die Frage, warum ich in irgendeiner Angelegenheit weder auf Kind noch Mann gehört hätte: „Bettina, warum antwortest du nicht? XY fragt jetzt schon zum dritten Mal!"

Außerdem muss ich gelesene Bücher nicht behalten; ich behalte eine gute, resonante Geschichte so, wie man es mit Erinnerungen auch macht. Daher habe ich im Regal mehr ungelesene als gelesene Bücher (von allen Büchern trenne aber auch ich mich nicht).

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ich habe festgestellt, dass es zwei Kriterien bei mir gibt. Dem einen gehorchen Bücher, die mich im Sog durch die Seiten ziehen und die ich kaum weg legen kann. Das andere gilt Büchern, die mich mit Stil, Figuren oder Story beeindrucken und die oft auch lange nachwirken. Beide Kriterien können gleichzeitig auftreten, das muss aber nicht so sein.

Die literarische Welt Tokyos

Bettina lebt zur Zeit mit ihrem Mann beruflich in Tokyo und berichtet auf ihrem Blog auch über die japanische Buchwelt: Bilderbuch Jimbocho

Sie hat mir ein paar Bilder geschickt, aber ich zeige euch nur drei davon. Den Rest seht ihr euch am besten auf ihrer Seite an. Die virtuelle Reise ins literarische Tokyo lohnt sich. Das Bild unten ist in der Filiale von Book-off in Ikebukuro entstanden. Book-off ist eine Kette, die mit gebrauchten Büchern handelt. Bettina schrieb mir, dass sie zwar viel zu wenig verstehe, um tatsächlich lesen zu können, aber sie stromere trotzdem sehr gerne durch diese Läden. Speziell Ikebukuro sei eine der größten Filialen überhaupt.

Book-off in Ikebukuro

Ihre Lieblingsfiliale sei allerdings die in Azamino, weil es dort Kaffee gebe, Schreibwaren und kleine Arbeitstische. Das löse eine ganz andere Atmosphäre aus. Hier ist das folgende Foto mit den lesenden Männern entstanden. In vielen Book-offs seien die Manga-Reihen immer voll, weil die Leute dort zum Lesen hingehen.

Book-off in Azamino

Das Foto nach dem von Bettina zeigt übrigens eine original-verpackte Manga-Reihe in einem regulären Buchladen. Nur ein Bruchteil des Angebots; davon gebe es in größeren Filialen drei bis vier Gänge davon.

Was ist dir an deinem Blog ganz besonders wichtig?

Inhaltlich spiegelt der Blog meine Interessen: Das meiste sind Krimis, gespickt mit ein paar Ausflügen in andere Genres. Wegen meiner Filterbrille landen allerdings Bücher wie die Peter Grant-Serie von Ben Aaronovitch nicht unter Fantasy, sondern eben unter Krimi. Manch ein Buch, das man auf Bleisatz findet, hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Vielleicht 40 oder 50, vielleicht auch nur 10 Jahre. Bei Büchern entscheide ich nach Gusto, was ich lesen möchte und wann. Neuerscheinungen spielen manchmal über einige Wochen lang eine untergeordnete Rolle, dann aber wieder kommen drei, vier, fünf … zeitnah zum Erscheinen hintereinander.

Technisch gesehen ist es übrigens kein Blog, sondern ein (fast) kompletter Eigenbau, seit ich damit im Netz bin (mit einem souveränen IT-Support daheim). Bei meinem gerade realisierten Relaunch habe ich endlich die Möglichkeit geschaffen, die Seite auch von unterwegs mit dem Mobiltelefon anzusurfen. Mal eben in der Bibliothek oder Buchhandlung eine Rezension nachschlagen? Geht jetzt.

Zwar können Leser noch nicht auf Bleisatz selbst kommentieren (das geht nur via Social Media), aber hinter den Kulissen arbeite ich noch dran ...

Gibt es Empfehlungen, die du anderen Betreibern mit auf den Weg geben möchtest? Was sie tun (z.B. um ihre Seite bekannter zu machen) oder sein lassen sollten (Anfängerfehler, Stolpersteine)?

Wie bei allem, was man anfängt, muss man dranbleiben können und wollen. Einfach mal bloggen, weil das alle machen, funktioniert sonst genauso gut wie Yoga, weil das auch alle machen. Nämlich genau drei Tage. Wenn man ein Thema hat, für das man sich langfristig begeistern kann, ist das die halbe Miete. Und danach darf man ausprobieren, solange man aufrichtig bleibt. Ich behaupte, dass kein Blog, der schon länger läuft, noch so ist wie am Anfang. Man entwickelt sich selbst mit der Zeit, der Geschmack verändert sich, das Layout, Themen kommen und fliegen auch mal wieder raus. Blogs sind in der Regel Spiegel persönlicher Meinungen und Interessen. Je nachdem, welche Vorstellungen die Leser haben, werden sie bei dem einen oder anderen Blog dann schon fündig.

Das Thema Vernetzung kam bereits in vorigen Interviews zur Sprache: Social Media! Ich glaube, ohne die geht es nicht mehr.

Was ich persönlich sehr wichtig finde, ist eine übersichtliche Navigation und ein nicht allzu volles Layout. Das lässt selbstverständlich ausreichend Spielraum für den eigenen Stil. Man sollte nur nicht vergessen, dass man für andere schreibt, sobald man online geht. Ab diesem Zeitpunkt lesen nicht nur andere mit; wer online geht, will auch gelesen werden - das kann man den Lesern mit solchen Randbedingungen angenehm und schön machen. Ein Lesetagebuch daheim ist etwas anderes als ein Lesetagebuch im Netz.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview!

Vielen Dank für Deine Anfrage! Ich freue mich, dass Bleisatz dabei sein darf und bin neugierig auf die kommenden Mitstreiter.


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