Chris Popp von Booknerds

Auf Literaturschock werden in regelmäßigen Abständen interessante Bücherblogs, Literaturseiten und Rezensionsportale vorgestellt. Die ursprüngliche Idee könnt ihr im Artikel Bücherblogs, Literaturseiten, Rezensionsportale ... ? nachlesen. Heute stelle ich euch Chris Popp von Booknerds vor.

Chris Popp (booknerds)Chris' Steckbrief in Kürze

Echter Name: Christian Willi Fritz Popp. Ohne Witz. Mein Nickname ist eigentlich meine Kurzform des Namens, eben Chris. So nennen mich die meisten. Auf Arbeit werde ich gern auch liebevoll Poppi genannt und in diversen Foren bin ich unter dem Nicknamen Kunstbanause bekannt.
Geburtsjahr: 1974
Geburtstort: Mannheim
Oft anzutreffen: ...einem kleinen Kuhdorf in Nordhessen (noch, hoffentlich bald nicht mehr – die Großstadt ruft nach meiner Frau und mir, der provinzielle Mief ist kaum noch zu ertragen), ansonsten im weiten Netz, irgendwo in Booknerdistan, auf dem quotenmeter.de-Forum oder auf dem Deaf Forever-Forum. Und auf Facebook, auf Twitter, auf Instagram, auf ello.
Interessen (neben der Literatur): Meine Frau (seit 2001), Musik (hörend, zu gern hoffentlich auch mal wieder selbst machend), TV-Serien, kranker Humor, Computergedöns.
Aktuelles Buch vs. spontane Buchempfehlung: Momentan (September 2015) lese ich parallel Danny Wallaces „Hamish und die Weltstopper“, einzlkinds „Billy“ und D.T. Max' „Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte“ sowie J. J. Abrams' „S“. Aktuell empfehlen kann ich spontan Bov Bjergs „Auerhaus“ sowie „Becks letzter Sommer“ von Benedict Wells.

Steckbrief von Booknerds

Webseite booknerds

Online seit: Ende 2012. Wobei ich sagen muss, dass ich für andere schreibend seit 2003 unterwegs war, sozusagen neun Jahre Schreiberfahrung vor der Gründung von Booknerds angesammelt habe.
Schwerpunkte: Literatur in Schrift und Ton, ansonsten noch audiovisuelle Medien, Musik, Liveberichte. Aber ja, primär Literatur. Die allerdings durch insgesamt 17 Redakteure in fast sämtlichen Facetten. Wir beschränken uns nicht auf Genres.
Besucher pro Monat: momentan ca. 17.000
Dein Lieblingsartikel auf deiner Seite vs. Linktipp (z.B. andere Literaturseite): Mein Lieblingsartikel ist etwas trauriger, es handelt sich um eine Art Nachruf auf Wolfgang Herrndorf - sehr emotional. Ein Linktipp wäre auf jeden Fall Sophie Weigands wunderbares Blog 'Literaturen', einfach, weil sie herrlich unverkrampft und mit unglaublichem Herzblut schreibt. Eloquent, aber nicht hochnäsig. Literaturvernarrt aber nie pathetisierend.

booknerds & Social Media Facebook Instagram Google+

Im Gespräch mit Chris

Wie und warum hast du das Thema "eigenes Blog" angepackt und welches Ziel hattest du dabei?

Ich wollte frei entscheiden, worüber, wie viel und wann ich über etwas schreiben kann. Eigentlich war Booknerds auch eine Frustreaktion, und so entschieden booknerds-Mitgründer Klaus Reckert und ich eben, etwas eigenes auf die Beine zu stellen. Eigentlich war uns eher danach, ein Magazin aus dem Boden zu stampfen – in die Bloggerszene sind wir eigentlich mehr oder minder hineingerutscht. Und so sind wir letztendlich ein Blog mit Magazinflair beziehungsweise eher ein Magazin mit Blogflair – und mit zahlreichen Schreibern, denn das sollte alles keine One- bzw. Two-Man-Show werden. Unser Ziel war und ist, uns schlichtweg zu einer ernstzunehmenden, lesernahen Informationsquelle zu entwickeln und uns zu etablieren.

Booknerds Regal

Gibt es aktuelle Literaturthemen, die dich ganz besonders beschäftigen?

Im Grunde lasse ich mich einfach treiben, gehe meinen Weg und stoße auf Dinge/Themen. Aber an sich ist es mir wichtig, dass der stationäre Buchhandel gestärkt und dem Vormarsch der Onlinehandelsriesen Einhalt geboten wird. Wenngleich ich immer pessimistischer hinsichtlich der Zukunft des Buchhandels werde. Der Mainstream ist zu gleichgültig und zu ichfixiert: Warum soll ICH erst in die Stadt, warum muss ICH erst los, warum muss ICH warten, warum soll ICH woanders bestellen, wenn ICH da alles kriege, ICH habe keine Zeit, ICH hab keinen Bock auf volle Straßenbahnen, es ist MIR doch egal, wenn der Buchhandel gepennt hat. Da fragt man sich: Resignieren oder weiterkämpfen? Denn der Kampf kostet Energie, und die hat man nicht immer.

Dein bestes und dein schlimmstes Erlebnis als Blogger?

Es gab viele tolle Erlebnisse – beispielsweise, dass meine Rezension zu Bernard Becketts „Wie Du ihr“, im Original „Jolt“, als Schulmaterial für die 10. Klasse bei Klett Sprachen aufgenommen wurde. Auch wunderbar ist es, wenn die Klickzahlen in die Höhe schießen, weil ein begeisterter Verlag oder Autor/Künstler meinen/unsere Artikel verlinkt hat. Ebenso großartig ist es, dass ich so mit einigen Autoren in Kontakt gekommen bin – meist sind es nur Gespräche via Facebook, aber die sind recht regelmäßig. Kein oberflächliches Wischiwaschi, sondern wirklich angenehme, tiefgehende Gespräche. Und hey: Ich liebe es, interviewt zu werden oder Fragebögen zugeschickt zu bekommen. Das ist für mich Laberkopp immer ein tolles Erlebnis.

Das schlimmste Erlebnis ereignete sich schon ein paarmal – nämlich, als die Seite auf einmal nicht mehr erreichbar war. Einmal war ich selbst schuld und habe versucht, ein Forum zu installieren - und aus Versehen das Forum über die bestehende Hauptseite gebügelt. Gut, dass ich in meiner Paranoia stets Backups mache. Aber wo ich das gespeichert habe, musste ich erst mal herausfinden. Einmal wurde die Seite gar gehackt. Egal wie: Ich bekomme bei so etwas immer Schweißausbrüche. Gerade dann, wenn ich den Fehler erst einmal herausfinden muss: Habe ich etwas zerschossen? Wurde der Server gekapert oder meine Seite gehackt? Oder führt der Webhoster nur Wartungsarbeiten durch? So etwas macht mich kirre – gerade dann, wenn ich nichts unternehmen kann, weil ich noch einige Stunden auf Arbeit bin... Du stehst an der Kasse, kannst nicht weg und wirst fast bekloppt. Du willst nur noch nach Hause und dein Blogbaby wieder gesund machen.

Booknerds

Hast Du Lesemacken?

Auf jeden Fall. Ich lese vieles parallel, manchmal bis zu drei, vier Bücher auf einmal. Nach einer Unterbrechung lese ich den zuletzt gelesenen Absatz meist noch mal, um den Faden sozusagen wieder aufzugreifen. Außerdem brauche ich immer etwas Süßes oder etwas zu Knabbern in Reichweite. Und ich brauche permanent etwas zum Knibbeln... sei es ein Haargummi, das Band am Hoodie, meine Nasenspitze, ein Kissenzipfel, ein Stift, ein Papierkügelchen... Und ich halte bei spannenden Passagen die Luft an. Außerdem linse ich immer, wie lang das derzeitige und das folgende Kapitel sind – denn ich muss ja wissen, ob ich das Kapitel noch schaffe, bis mich der Alltag oder die Arbeit oder das Ende der Mittagspause wieder auf den Boden der Realität zurückholt. Vielleicht schaffe ich ja noch das nächste? Und als Rechtschreibnazi bringen mich Fehler in Büchern schnell aus dem Groove. Das ist der typische Autounfalleffekt: Man kann nicht wegschauen und muss es immer wieder lesen.

Wie reagierst du, wenn dir ein Buch überhaupt nicht gefällt? Schreibst du einen Verriss oder lieber gar nicht darüber?

Wenn es ein Rezensionsexemplar ist, sehe ich eine Rezension zum Buch als Verbindlich an und schreibe selbstverständlich etwas darüber. Sowohl Verlag, Autor als auch Liebhaber des Buches müssen dann eben damit leben, auch mal einen Verriss zu kassieren. Ich versuche, genau wie bei einer positiven Rezension, stets zu begründen, warum das Buch bei mir nichts holen konnte. Und zwar so fundiert wie möglich. Denn auch Verrisse gehören zur Literaturkritik. Bislang sahen es die Verlage und Autoren sportlich. Auf die erste Klage und das erste Geheul warte ich noch.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Dass es mich auf irgendeine Weise berührt oder packt – unabhängig von Thema, Schreibstil oder was auch immer. Dass es auf seine Art besonders ist. Dass ich das Buch öffne und es mich öffnet. Dass es irgend etwas mit mir anstellt. Mich unterhält, bewegt, flasht. In 99,9% der Fälle völlig egal: Das Cover.

Was ist dir an deinem Blog ganz besonders wichtig?

Qualität, Seriosität, Unabhängigkeit, Vielfalt, Lesernähe. Alles zu gleichen Teilen.

Mit welchen Schwierigkeiten hattest du anfangs zu kämpfen und wie bist du damit umgegangen?

Eigentlich mit keinen, ganz ehrlich gesagt. Eher waren es Mühen. Einerseits die investierte Mühe, bis technisch alles funktionierte (weil ich selbst hosten wollte). Und andererseits natürlich die Mühe, die man sich machen muss, um wahrgenommen zu werden als Neuling (der ich ja eigentlich nicht bin, da ich zuvor neun Jahre für andere Magazine und Zeitschriften geschrieben habe – aber die Buchszene tickt schon etwas anders als die Musikszene...). Doch sonst? Ich kann nicht meckern.

Welche andere Literaturseite sollte in dieser Gesprächsreihe auf keinen Fall fehlen?

Da fallen mir mehrere ein (sorry). Neben eingangs genanntem Linktipp unbedingt brasch & buch, Stefan Mesch, sowie Jochen Kienbaums lustauflesen.de - allesamt starke Persönlichkeiten, die man nicht oft genug erwähnen kann.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview!

Ich danke ebenso! Es ist mir immer eine Freude, dass da draußen Menschen sind, die einen wahrnehmen. Menschen, die sich für das, was man tut, interessieren. Denn das ist ein wunderbares Indiz dafür, dass man diese Arbeit, die sie letztendlich ist, nicht umsonst und nicht nur für sich selbst ausübt.

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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