Frank Duwald von dandelion | abseitige Literatur

Auf Literaturschock werden in regelmäßigen Abständen interessante Bücherblogs, Literaturseiten und Rezensionsportale vorgestellt. Die ursprüngliche Idee könnt ihr im Artikel Bücherblogs, Literaturseiten, Rezensionsportale ... ? nachlesen. Heute stelle ich euch Frank Duwald von dandelion | abseitige Literatur vor.

Frank DuwaldFranks Steckbrief in Kürze

Echter Name: Frank Duwald, sonst keine weiteren Namen
Geburtsjahr: 1965
Oft anzutreffen: vor meinem Laptop und in jeder Sitzgelegenheit, in der man lesen kann.
Interessen (neben der Literatur):Musik (am liebsten Steven Wilson, Porcupine Tree, Hawkwind, All About Eve, Blizzard of Ozz und viele andere)
Aktuelles Buch vs. spontane Buchempfehlung: Ich habe soeben zum ersten Mal Harry Potter und der Stein der Weisen gelesen, meine gelungene Therapie für eine vorübergehende Anspruchsvolle-Literatur-Müdigkeit. Kann ich nur empfehlen. Das Buch hat mich daran erinnert, warum ich als Kind mit dem Lesen angefangen habe, nämlich, um völlig gefesselt in eine andere Welt zu fallen und alles um mich herum zu vergessen. Das ist mir mit dem ersten Harry Potter zum ersten Mal seit langem wieder gelungen.

Buchempfehlung. Da muss ich zwei nennen:

Olivia von Dorothy Strachey (unter dem Pseudonym „Olivia“). Eine wunderbar geschriebene traurig-melancholische Liebesgeschichte, die in einem französischen Internat für höhergestellte Mädchen im 19. Jahrhundert spielt, und in der einfach alles stimmt.

Little Big von John Crowley. Eine großangelegte Geschichte über mehrere Generationen einer Familie, die an Feen glaubt. Ein weises und traumhaftes Buch, dass man sein Leben lang nicht mehr vergisst.

Beide Bücher haben leider nie die Anerkennung gefunden, die sie verdient hätten.

Steckbrief von dandelion | abseitige Literatur

Webseite dandelion | abseitige Literatur

An den beiden oben genannten Büchern erkennt man schon, dass mein Herz für Bücher schlägt, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. In dandelion | abseitige Literatur findet man daher hauptsächlich Rezensionen zu Titeln, die selten bis nie in einem Literatur-Kanon auftauchen oder einen maßgeblichen Preis gewonnen haben. Wenn man einige dieser Werke gelesen hat, wird einem aber schnell klar, dass das nicht an mangelnder Qualität liegt, sondern hauptsächlich an kommerziellen Gesichtspunkten, die außergewöhnliche, unkonventionelle Bücher oft im Abseits stehen lassen obwohl sie nicht selten ihre berühmten Mainstream-Pedants qualitativ sehr blass aussehen lassen. Auf dandelion findet man Rezensionen zu Klassikern, moderner Literatur, Romanen, Novellen, Kurzgeschichten... Alles ohne Blick auf Aktualität.

Online seit: April 2013
Schwerpunkte: Neben dem oben beschriebenen Grundkonzept ist das Ganze natürlich geprägt von meinen persönlichen Lesevorlieben, aus denen sich – wie man schon an der Größe der einzelnen Tags erkennen kann – ganz automatisch einige Schwerpunkte herausgebildet haben. So ist mir irgendwann einmal klargeworden, dass ich eigentlich fast nur Werke lese und auf dandelion rezensiere, in denen eine Liebesgeschichte vorkommt. Daneben liebe ich Geistergeschichten im Sinne der viktorianischen Klassiker. Überhaupt liebe ich Geschichten, die im Grundsatz realistisch sind, aber von einem Hauch des Phantastischen, Übersinnlichen gestreift werden. Die besten Geschichten dieser Art, die ich in letzter Zeit gelesen habe, lassen sich sowohl als realistische wie auch phantastische Literatur lesen: Oliver Onions: Die lockende Schöne, Vernon Lee: Oke von Okehurst, Sarah Waters: Der Besucher, Antje Wagner: Schattengesicht und Richard Lorenz: Amerika-Plakate, um nur ein paar zu nennen.

Erst kürzlich ist mir auch aufgefallen, dass fast alle Titel, die ich auf dandelion besprochen habe, eine weitere Gemeinsamkeit haben, denn letztendlich sind sie alle durch Sexualität motiviert. Das sexuelle Begehren in den von mir rezensierten Werken hat alle nur möglichen Ausprägungen. So finden wir z.B. obsessives Begehren (Théophile Gautier, Edgar Allan Poe, Vernon Lee, ), lesbisches Begehren (J. Sheridan Le Fanu, Dorothy Strachey, Violette Leduc, Elizabeth Bowen, Elizabeth A. Lynn, Sarah Waters, Peggy Wolf), die Rückgewinnung der sexuellen Freiheit der Frau (Vernon Lee, Bram Stoker) u.v.a. Kurz gesagt: es brodelt unter der Oberfläche der in dandelion rezensierten Texte.
Besucher pro Monat: Je nach Zähler ca. 500 – 1.000
Dein Lieblingsartikel auf deiner Seite vs. Linktipp (z.B. andere Literaturseite): Der Lieblingsbeitrag auf meiner Seite stammt nicht von mir: die exklusiv für dandelion geschriebene Weihnachtserzählung Das Treffen der traurigen Menschen in Franks Tabakladen während eines Schneesturms von Richard Lorenz, eine wunderschöne melancholische Erzählung, die von Hanna-Linn Hava illustriert wurde.

Als Linktipp einer anderen Seite fällt mir Sabine Delormes Rezension zu einem Buch von Tove Jansson aus ihrem Blog Binge Reading & More ein. Abgesehen davon, dass dies einer meiner Lieblingsblogs ist, mag ich das Persönliche in dieser Rezension sehr. Das ist für mich die Freiheit, die Blogger gegenüber den Feuilletonkritikern haben.

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Dandelion

Im Gespräch mit Frank

Wie und warum hast du das Thema "eigenes Blog" angepackt und welches Ziel hattest du dabei?

Ich schreibe insgesamt schon seit rund 30 Jahren, früher, als es noch kein Internet gab, in Printmagazinen. Als ich dann Familie hatte, habe ich rund 15 Jahre so gut wie nichts mehr geschrieben. 2013 war ich dann aber so weit, wieder einzusteigen. In den alten Print-Zeiten hatte ich immer den Wunsch, meine Rezensionen einmal gesammelt herauszugeben, Was früher praktisch ein Ding der Unmöglichkeit war, geht heute mit einem Fingerschnipp. Ich habe schon immer gern qualitativ hochwertige Titel rezensiert, die irgendwo abseits waren, von beinahe jedem übersehen bzw. sofort wieder vergessen. Mir kam dann die Idee, diese Werke kontinuierlich im Internet zu veröffentlichen und so eine Art kleine alternative Literaturhistorie zu erschaffen, mit Werken, die kaum jemand kennt. Eigentlich wäre mir eine Homepage lieber gewesen, da ich nur einen Ort brauchte, wo ich das Zeug lagern konnte, aber letztlich siegte die Bequemlichkeit, und ich begann Wordpress zu nutzen. Insofern bin ich eigentlich gar kein typischer Blogger, denn letztlich geht es mir nur um die Rezensionen und gar nicht um ein Büchererlebnis-Tagebuch. Erst später kamen dann sporadisch ergänzende Themen wie Interviews etc. dazu sowie die Reihe „Die liebsten Liebesgeschichten“, in der ich Blogger-Kollegen einlud, ihre Lieblings-Liebesgeschichten vorzustellen.

Den Wunsch, meine alten Rezensionen zu bündeln, erfülle ich mir inzwischen auch, indem ich sie auf den befreundeten Seiten Phantastikon und booknerds.de wiederveröffentliche und auf dandelion dann als Archiv-Rezensionen verlinke. So werde ich 30 Jahre Rezensionen schreiben irgendwann einmal unter einem Dach haben.

Gibt es aktuelle Literaturthemen, die dich ganz besonders beschäftigen?

Ich lese aufmerksam aktuelle Themen wie „Blogger vs. Feuilleton“ etc., aber ich beteilige mich daran nicht, da solche Diskussionen nicht selten von Eitelkeiten begleitet werden, die mich nicht interessieren. Jeder muss tun, was er meint tun zu müssen. Letztendlich entscheiden sowieso die Leser, was sie am Ende lesen wollen. Daran ändern auch solche Diskussionen nichts. Genauso wenig hänge ich mich an offenkundig kommerziell gesteuerte Themen wie beispielsweise diese ganzen Listen zum Deutschen Buchpreis. Die Bücher, die ich schätze, erfüllen die Kriterien und Ziele eines solchen Preises sowieso nicht, sonst wäre Amerika-Plakate von Richard Lorenz (von dem ich weiß, dass es eingesandt wurde) 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert gewesen.

Dein bestes und dein schlimmstes Erlebnis als Blogger?

Ein gutes Erlebnis war, von dir hier eingeladen zu werden. Tatsächlich überwiegen die schönen Erlebnisse, beispielsweise wenn jemand kommentiert, er habe sich auf Grund meiner Rezension das entsprechende Buch gekauft. Das ist der Treibstoff, der mich weitermachen lässt. Mein bestes Erlebnis der letzten Zeit war die Aufnahme von dandelion in Stefan Meschs Auswahl aus fast 1.000 Literatur-Blogs „Die besten Buchblogs und Literaturblogs: 50 Empfehlungen”. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass dandelion dabei sein könnte, denn schließlich bediene ich nur ein recht spezielles Minimalpublikum.

Das einzige schlimme Erlebnis, das ich je hatte, war der Kontakt zu einem Vampir-Forum, wo ich ein bisschen auf meine Dracula-Rezension aufmerksam machen wollte. Die haben sofort alles, was auch nur entfernt nach einem Link aussieht, gekappt und „Skandal“ geschrien. Ich bin immer noch dort registriert, da es mir nicht gelang, den Account zu löschen. Noch heute erhalte ich Mails von der Sorte „Sie haben uns schon lange nicht mehr besucht…“ Absolut verrücktes Volk.

Hast Du Lesemacken?

Dandelion RegalIch habe drei Lesemacken, die ich aber teilweise seit einiger Zeit intensiv bekämpfe. Die erste Macke ist, dass ich von Autoren, die ich mag, alle ihre Werke kaufen und lesen möchte. Ich habe auf diese Weise in der Vergangenheit viel Zeit vergeudet, da es zahlreiche Autoren gibt, die eindeutig nicht dazu geeignet sind, komplett gelesen zu werden. Diese Macke habe ich rigoros ausgeschaltet. Die zweite Macke ist, dass ich mich oft dazu verpflichtet fühle, ein angesehenes Buch, das mir gar nicht gefällt, trotzdem zu Ende zu lesen. Diese Macke bekämpfe ich seit kurzem, denn Zeit ist knapp. Angeregt durch einen Internet-Beitrag stelle ich mir bei solch einem Buch einen Teller Erbsensuppe vor, den ich auch nicht leer essen würde. Stattdessen besorge ich mir eine phantastische Pizza, sprich ich fange ein neues Buch an.

Die dritte Macke ist, dass ich am liebsten Erstausgaben und keine Nachdrucke kaufe. Wann immer es möglich ist, besorge ich mir die Hardcoverausgaben.

Wie reagierst du, wenn dir ein Buch überhaupt nicht gefällt? Schreibst du einen Verriss oder lieber gar nicht darüber?

Wie gerade beschrieben lese ich es erst gar nicht mehr zu Ende. Mir ist einfach die Zeit zu schade, daher gibt es kaum Verrisse von mir.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Die Grundlage für ein gutes Buch sind für mich frei nach J. K. Rowling “eine wasserdichte Handlung und starke Charaktere“, wobei ich die Charaktere noch wichtiger einstufe, denn es gibt auch sehr handlungsarme Bücher, die dank ihrer Charaktere großartig sind.

Ein dritte Grundlage ist für mich aber auch (natürlich) noch der Schreibstil, der darüber entscheidet, wie lesbar ein Buch ist und welchen künstlerischen Grad ein Buch hat.

Danach kommen dann noch ein paar persönliche Präferenzen: Schönheit, interessante Handlungsorte, Humor und im günstigsten Fall etwas, was man als Leser fürs Leben mitnehmen kann. Tatsächlich das einzige mir bekannte Buch, dass für mich persönlich alle diese Aspekte vereint, ist das schon erwähnte Little Big von John Crowley.

Was ist dir an deinem Blog ganz besonders wichtig?

Das begonnene Niveau zu halten und lieber weniger zu veröffentlichen, bevor die Qualität leidet und der Spaß schwindet.

Mit welchen Schwierigkeiten hattest du anfangs zu kämpfen und wie bist du damit umgegangen?

Das Schwierigste am Anfang war natürlich, sich zu etablieren, Leser zu finden, bei den Blogger-Kollegen den Respekt zu erarbeiten, im Blogroll zu landen… Das sind wahrscheinlich die Schwierigkeiten, mit denen jeder neue Blogger erst einmal klarkommen muss. Mir hat dabei geholfen, dass ich mir immer wieder selbst eingeflüstert habe, dass das ein Hobby ist und Stress nicht erlaubt ist.

Welche andere Literaturseite sollte in dieser Gesprächsreihe auf keinen Fall fehlen?

Montbron von lapismontMontbron von lapismont alias Ralf Steinberg. Ralf schreibt wunderbar entspannte und klare Rezensionen zu zum Teil schwierigen Büchern, die kaum jemand sonst bespricht, wie z.B. kürzlich Joanna Russ' feministischem Science-Fiction-Klassiker Eine Weile entfernt. Daneben zuletzt Thomas Hardy und bald Middlemarch von George Eliot, vermischt mit Fantasy und vielem anderen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview!

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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