Stefanie Schulte von Steffis Bücherkiste

Auf Literaturschock werden in regelmäßigen Abständen interessante Bücherblogs, Literaturseiten und Rezensionsportale vorgestellt. Die ursprüngliche Idee könnt ihr im Artikel Bücherblogs, Literaturseiten, Rezensionsportale ... ? nachlesen. Heute stelle ich euch Stefanie Schulte von Steffis Bücherkiste vor.

Dieses Interview ist für mich etwas Besonderes, weil ich Steffi schon so lange kenne. Sie ist auch eine dieser Zeitzeuginnen, die schon eine Literaturwebseite hatten, bevor der Name "Blog" in aller Munde war. Die Bücherkiste existiert schon so lange wie Literaturschock und kann mich immer wieder darüber freuen, dass diese "Urgesteine" weiterhin Bestand haben und so vielen Menschen eine literarische Heimat bieten. Doch genug der Sentimentalitäten. Here we go:

Stefanie SchulteSteffis Steckbrief in Kürze

Echter Name: Steffi Schulte
Geburtsjahr: 1977
Oft anzutreffen: Taka Tuka Land, im Westfalenstadion, in Westeros, in Hogwarts, auf Green Gables und wo es sich sonst noch spannend leben, lieben und lachen lässt.
Interessen (neben der Literatur): Fußball im allgemeinen, BVB im speziellen (ich schreibe für das Fanzine schwatzgelb.de), World of Warcraft (Gott, ich bin wirklich ein Nerd), Filme & Serien, meine Tiere, backen und schreiben.
Aktuelles Buch vs. spontane Buchempfehlung: Ich bin in den letzten Zügen von „All about a girl“ von Caitlin Moran (rotzfrech und sehr britisch).  Richtig gut gefallen haben mir in den letzten Wochen „Auf und davon“ von David Arnold und „Jahre wie diese“ von Sadie Jones.

Steckbrief von Steffis Bücherkiste

Webseite Steffis Bücherkiste

Online seit: Anfang 2000
Schwerpunkte: Rezensionen, Kolumnen, Bibliographien und zwei angeschlossene Bücher- bzw. Leserundenforen
Besucher pro Monat:ca. 60tausend im Monat (inklusive Foren)
Dein Lieblingsartikel auf deiner Seite vs. Linktipp (z.B. andere Literaturseite): Ganz aktuell mein Beitrag zur Astrid Lindgren Bloggerparade. Als Linktipp möchte ich die momentan so wichtige Initiative „Blogger für Flüchtlinge“ ansprechen.

Steffis Bücherkiste Facebook Pinterest Instagram

Im Gespräch mit Steffi

Wir kennen uns nun schon sehr lange, haben sogar eine gemeinsame Forenvergangenheit. Wie und warum hast du das Thema "eigenes Literaturseite" angepackt und welches Ziel hattest du dabei? Erzähle doch mal ein bisschen von den Anfängen und wie sich alles entwickelt hat.

Das Internet im Jahre 1999 kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Damals gab es vielleicht 2-3 Literaturseiten (Blogs gab es damals noch gar nicht) und eine kleine handvoll Bücherforen, die vor allen Dingen beim Forenanbieter Parsimony zu Hause waren. Ich war dort im romantischen Bücherforum von Isolde Wehr aktiv (welches ich heute noch schwer vermisse) und entschied mich irgendwann dazu ein „Diana Gabaldon Bücherforum“ zu gründen. Aus irgendeinem Grund zog dieses Forum einen besonderen Menschenschlag an. Noch heute nach über 15 Jahren pflege ich mit einigen Mitgliedern Freundschaften. Wir haben Hochzeiten und Geburten gefeiert und uns in schlimmen Stunden unseres Lebens beigestanden. Mit dem Forum ist dann bei mir schnell der Wunsch entstanden eine eigene Literaturseite zu erstellen und so ging im Januar 2000 „Steffis Bücherkiste“ an den Start. In rosa übrigens! :-) 

Forum und Literaturseite haben sich dann gegenseitig befruchtet. Bei Parsimony war das Gabaldon Forum immer unter den Top10 was Besucher und Zugriffszahlen anging. Heute ist es nur noch ein Unterbereich in meinem seit Jahren selbstgehosteten Bücherforum, welches es aber ohne die Mitglieder des Ursprungsforums einfach nicht geben würde. Seit 9 Jahren gibt es zudem ein gesondertes Leserundenforum. 2010 habe ich mich dazu entschlossen die Bücherkiste technisch mit wordpress in ein Blog umzuwandeln. Für mich definitiv die richtige Entscheidung, weil ich nun viel flexibler bin. Leider warten noch immer hunderte von alten Rezensionen darauf nach einem Servercrash der alten Bücherkiste in das neue System übernommen zu werden. Mein Ziel war und ist immer noch Menschen für Literatur zu begeistern und eine unabhängige ehrliche Meinung wiederzugeben.

Steffis bücherkiste

Gibt es aktuelle Literaturthemen, die dich ganz besonders beschäftigen?

Mich bewegt sicherlich der Umbruch im Buchhandel, da ich selbst seit Jahren betroffen bin. Ich habe über 8 Jahre bei Weltbild als stellvertretende Filialleiterin gearbeitet. Im Frühjahr wurden wir an LesensArt verkauft und nun stecken wir mal wieder in der Insolvenz (wie letztes Jahr schon mit Weltbild) und unsere Dortmunder Filiale ist bereits seit Ende Juli geschlossen. Leider interessiert das in der Blogger- und Literaturwelt gefühlt niemanden. Man ist ja viel zu sehr damit beschäftigt sich an amazon abzuarbeiten.

Dein bestes und dein schlimmstes Erlebnis als Literatur-Onlinerin (ich nenne dich nun absichtlich nicht Bloggerin, weil wir unsere Seiten schon betrieben haben, bevor es überhaupt das Wort Blog gab)?

Ein besonderer Moment war sicherlich der Highlander-Abend mit Diana Gabaldon in Köln, wo sie mit unserem Forums-Shirt auf die Bühne kam und sich persönlich vor versammeltem Publikum (ca. 900 Leute im Metropol) bei mir bedankt hat. Ich bin in dem Moment fast unter meinen Sitz gerutscht, während meine Mädels um mich rum gejohlt haben. Himmel, war das peinlich, aber natürlich auch irgendwie verdammt cool! Das war 2005. Schon damals war die amerikanische Autorin ein Star, aber heute kennt sie natürlich auch aufgrund der Serienverfilmung von STARZ wirklich die ganze Welt.

Ein schlimmes Erlebnis kann ich nicht benennen. Ich weiß, es gibt Blogger, die mit Mobbing und Shitstorms zu kämpfen haben. Ich habe davon in 15 Jahren nie etwas gespürt. Auch mit Verlagen und Autoren pflege ich gute Kontakte und habe noch nie Schwierigkeiten gehabt. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Zeit und das ich etwas organisierter wäre, aber wem geht das nicht so!

Hast Du Lesemacken?

Ich glaube nichts ungewöhnliches. Ich lese meine TB so, dass ich hinterher keine Knicke im Buchrücken habe. Bei Hardcovern nehme ich den Umschlag beim Lesen ab. Und mittlerweile lese ich Trilogien erst, wenn sie ganz erschienen sind, weil ich sonst sowieso wieder von vorne anfangen muss, weil ich mich nicht mehr an die Vorgänger erinnern kann. Natürlich ein bisschen blöd, wenn einem der erste Teil dann doch nicht gefällt und man die Fortsetzungen schon gekauft hat! :-) Beim Verleihen meiner Bücher bin ich ebenfalls pingelig. 1-2 ausgewählte Freunde dürfen schon mal was mit nach Hause nehmen und meine Mutter, nachdem ich ihr mühevoll beigebracht habe, dass sie sich eine andere Tochter suchen muss, wenn sie den Umschlag nicht abmacht!

Wie reagierst du, wenn dir ein Buch überhaupt nicht gefällt? Schreibst du einen Verriss oder lieber gar nicht darüber?

Steffis BücherkisteIch schreibe einen Verriss. Das kann dann bei mir durchaus auch mal sarkastisch sein, weil ich gerade bei solchen Rezis immer versuche die Kritik mit Humor aufzupeppen. Letztlich macht ja auch der Ton die Musik. Ich weiß, es gibt Blogger, die möchten nur für Literatur begeistern und veröffentlichen deswegen keine Verrisse. Das kann ich irgendwie nicht nachvollziehen. Außerdem macht es unfassbar viel Spaß witzige Verrisse zu schreiben, auch wenn es bei mir (un)glücklicherweise eher selten vorkommt. Ich habe bei meiner Buchauswahl meist ein glückliches Händchen. Das die Verlage damit ein Problem haben, halte ich im Übrigen für ein Gerücht.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Da ich ziemlich viele Genres lese, kann ich das nicht allgemeingültig beantworten. Ich stelle an höhere Literatur andere Ansprüche, als an einen entspannenden Schmachtfetzen oder einen Krimi. Auch wenn die Übergänge natürlich manchmal fließend sind. Für mich muss ein Roman immer etwas besonderes haben bzw. mich auf irgendeine Art berühren. Sei es, dass ich heulend und leidend über dem Buch sitze, mich vor Lachen auf dem Boden kugele oder mich in einer völlig fremden Welt verliere. Allergisch reagiere ich mittlerweile auf stilistische Mängel wie Wortwiederholungen und Figuren, denen ich auf jeder Seite am liebsten einen Tritt in den Allerwertesten geben möchte.

Was ist dir an deiner Seite ganz besonders wichtig?

Mir ist es wichtig in meinen Rezensionen den richtigen Ton zwischen Professionalität und Emotion zu treffen. Das traf auch schon immer auf mein Layout zu, auch wenn es mittlerweile doch um einiges weniger verspielt daher kommt. Ansonsten sind mir meine zwei Foren sehr wichtig, auch wenn es immer schwieriger wird, in Tagen von Lovelybooks und Goodreads ein Literaturforum zu betreiben. Besonders schön ist es, wenn man dann auf einen langjährigen Stammkreis von Mitgliedern bauen kann, die vielleicht in einem kleineren Bücherforum etwas finden, was es woanders nicht mehr gibt. Ich gestehe, wenn ich bei Lovelybooks bei einer Leserunde mitmache, werde ich schon nach zwei Tagen wuschig, weil ich nicht mehr hinterher komme und irgendjemand sowieso schon längst das gepostet hat, was ich zu dem Buch sagen möchte. Vielleicht ist es so langsam doch das Alter! :-)

Mit welchen Schwierigkeiten hattest du anfangs zu kämpfen und wie bist du damit umgegangen?

Ich würde tatsächlich sagen, ich hatte gar keine. 2000 hatte nicht mal jeder Verlag eine Internetpräsenz. Rezensionsexemplare gab es anfangs auch keine, weil wir gar nicht auf die Idee gekommen sind, wegen so was bei den Verlagen anzufragen. Wir haben halt einfach gemacht und uns nicht groß Gedanken darüber gemacht, was gerade im Trend liegt oder unbedingt besprochen werden muss. Ich vermisse diese Zeit ein wenig, auch weil die Literaturszene überschaubarer war. Heute kann man die ganzen tollen Blogs gar nicht alle verfolgen, von den vielen schlechten nicht zu reden! :-) Nach 15 Jahren hat man natürlich auch viel über das Bloggen und das Schreiben von Rezensionen gelernt. Wenn ich mir heute Bewertungen von damals anschaue, wird mir ganz blümerant. Sicherlich hat mir auch geholfen, dass ich nun auch schon seit 9 Jahren für das Printmagazin „LoveLetter“ rezensiere und dort gewisse Standards gefordert sind, die ich auch in meine Blogarbeit übertragen habe. Auch wenn ich dort natürlich freier bin, eher schreibe wie mir der Schnabel gewachsen ist und ich keiner bestimmten Beitragslänge unterworfen bin.

Welche andere Literaturseite sollte in dieser Gesprächsreihe auf keinen Fall fehlen?

Vielleicht sollten wir mal die Rollen tauschen und ich interviewe Dich für Deine Seite. ;-) Viele Wegbegleiter von damals haben mittlerweile aufgegeben und haben andere Ziele im Leben. Heutzutage verfolge ich eine handvoll Blogs, von denen Du einige schon interviewt hast (Mara Giese z.B.). Vorschlagen würde ich hier primeballerina's books.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview!

Ich danke! Hat Spaß gemacht mal unsere gemeinsamen Jahre Revue passieren zu lassen. Wer hätte damals gedacht, dass der junge Fantasyautor Markus Heitz, bei uns im im Interview noch Backrezepte verteilend, heute DER Star der deutschen Fantasy-Szene ist. Wie viele Leute wir schon kannten, als sie noch gar nicht cool waren. Wobei ich gerade Markus da unrecht tue. Der war auch damals schon richtig cool! ;-)

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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