Thomas Brasch von brasch & buch

Auf Literaturschock werden in regelmäßigen Abständen interessante Bücherblogs, Literaturseiten und Rezensionsportale vorgestellt. Die ursprüngliche Idee könnt ihr im Artikel Bücherblogs, Literaturseiten, Rezensionsportale ... ? nachlesen. Heute stelle ich euch Thomas Brasch von brasch & buch vor.

Thomas BraschThomas Steckbrief in Kürze

Echter Name: Thomas Brasch – (Nicht verwandt mit dem gleichnamigen, verstorbenen Schriftsteller, den es sich zu lesen lohnt.)
Geburtsjahr: 1961 (im selben Jahr wie Marion Brasch, der Schwester von Thomas Brasch, die es sich ebenfalls zu lesen lohnt)
Oft anzutreffen: Zuhause im Sessel (siehe Bild), vor dem Garagentor bolzend mit meinem Sohn (9), im Garten, wenn man mich dort in Ruhe lässt, flanierend in der Münchner Innenstadt und wandernd in den Bergen Oberbayerns.
Interessen (neben der Literatur): Plaudern bis tief in die Nacht mit Freunden über Zeitgeist, kulturelle und gesellschaftliche Tendenzen, Moden, Lifestyle, Gesellschaft und Kultur, Ökonomie, Marketing und Werbung. Und wenn man mich noch ab und an lässt und es nicht zu peinlich jung um mich herum ist, dann tanze ich gerne auf Funk & Soul die Nacht durch.
Aktuelles Buch vs. spontane Buchempfehlung: Ich lese fast immer drei bis vier Bücher parallel. Derzeit „Krötenliebe“ von Julya Rabinowich (kann ich schon jetzt empfehlen), Philipp Tinglers Essay „Wie frei sind wir noch?“, (sehr kluger Dandy) und gerade angefangen habe ich „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“ von Josef H. Reichholf (Beginnt gut und ich hoffe, es ist so gut wie „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari).

Daneben lese ich Kinder- und Jugendbücher meinem Sohn vor. Neben anderen nun seit ca. einem Jahr auch begeistert „Harry Potter“. Wir sind kurz vor Abschluss, noch 300 Seiten. Spontan empfehlen würde ich kein Buch, sondern einen Autor. Über ihn habe ich bislang noch keine Besprechung verfasst, obwohl ich ihn für sehr lesenswert halte: Irvin D. Yalom. Besonders lege ich jedem seine Philosophenromane ans Herz. 

Steckbrief von brasch & buch

Webseite brasch & buch

Online seit: mit dem Blog seit 2014
Schwerpunkte: literarisch ist es neuere Belletristik meist schon etablierter, deutscher und internationaler AutorInnen sowie Sach- und Fachbücher zu Kultur, Medien und Marketing. Gerne aber auch nehme ich aktuelle Debatten auf wie amazon-bashing oder Medien- und Kulturkritik.
Besucher pro Monat: ca. 4.000
Dein Lieblingsartikel auf deiner Seite vs. Linktipp (z.B. andere Literaturseite): Ganz klar: mein Beitrag über Sara Bow ist mein Lieblingsartikel, weil ich mit ihm am meisten lernen konnte. Zunächst darüber, wie die Szene im Netz tickt, wie man sie aktiviert und wo die Grenzen liegen. Und zudem wie selektiv Texte gelesen werden und wie verbreitet noch immer der Sozialutopismus ist, der vorgibt, ästhetische Bildung sei keine Frage des Milieus.

Umgekehrt empfehle ich gerne die neue Literaturseite „tell“, die von Sieglinde Geisel federführend betrieben wird. Tell ist das Ergebnis eines Projektes, das aus einer Feuilleton-Debatte bei Perlentaucher resultierte, an der ich mich auch beteiligte. Ich bin sehr beeindruckt, was Sieglinde Geisel und ihre Mitstreiter konsequent da innerhalb eines Jahres auf die Beine gestellt haben.

brasch & buch & Social Media Facebook

Im Gespräch mit Thomas

Wie und warum hast du das Thema "eigenes Blog" angepackt und welches Ziel hattest du dabei?

Mit dem Blog wollte ich meine Netzerfahrung erweitern und mich „intellektuell“ noch etwas mehr herausfordern. Zuvor hatte ich schon einige Jahre intensiv Rezensionen auf amazon verfasst. Da ich selbst amazon Rezensionen bei der Buchauswahl heranziehe, lag es nahe meinen Teil beizutragen. Zwischenzeitlich war ich denn auch mal Top 500 Rezensent. Ein Feedback, das mich motivierte und mir zurückspiegelte, dass meine Resümees über Bücher von anderen geschätzt wurden.

Anfänglich schrieb ich die Rezension eher als Akt der Selbstdisziplin. Ich wollte mich etwas intensiver mit dem Gelesenen beschäftigen, mein wenig differenziertes Urteil hinterfragen, aber auch die gefundenen und spontan geteilten Ansichten noch mal überdenken.

Mit dem Blog sollte es dann inhaltlich noch einen Schritt weitergehen. Denn mir lag es fern, klassische Rezensionen zu verfassen. Ob Literatur, Sach- und Fachbücher oder auch Artikel in Medien, sie alle bieten oftmals Denkanstöße oder regen an, über ein Thema zu recherchieren und es gedanklich zu vertiefen. Daraus resultieren dann bei mir nicht selten essayistische Beiträge, die sich weniger dem Urteil der Lektüre widmen als mit meinen mäandernden Gedanken dazu befassen.

Das findet nicht wirklich breite Resonanz, da es für viele tl;tr (Too long; to read) ist und es einige – wohl nicht ganz zu Unrecht – zu solipsistisch finden.

brasch & buch

Gibt es aktuelle Literaturthemen, die dich ganz besonders beschäftigen?

Aktuell vermisse ich gute Gesellschaftsromane. Die sind in Deutschland meines Erachtens besonders rar und wenn etwas dem nahe kommt, dann lassen die deutschen Autoren es in der Provinz spielen wie aktuell Juli Zeh.

Ein aktueller, deutscher Gesellschafts- und Großstadtroman, der provoziert und eine kulturkritische sowie gesellschaftspolitische Debatte nach sich zieht, wäre das, womit ich mich gerne beschäftigen möchte. Doch derzeit sehe ich dafür weder deutsche AutorInnen noch ernsthaft interessierte LeserInnen. Mein Eindruck ist vielmehr, dass Literaturschaffende und –interessierte weitgehend unpolitisch sind (oder seit ihrer Jugend ideologisch unveränderlich konditioniert) und bevorzugt der Innerlichkeit zugewandt sind.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten Deiner Bloggerkarriere?

Bloggen und das damit verbundene Netzwerken ist eine bereichernde Erfahrung, wie eben auch dieses Interview hier. (Danke dafür, Susanne.) In der doch noch recht kurzen Zeit habe ich schon etliche interessantere und klügere Menschen als mich kennengelernt. Mit einigen darf ich mich sogar intensiv im Netz austauschen und recht vielen bin ich auch schon im realen Leben begegnet – bei Messen und diversen Veranstaltungen. Und dabei habe ich den Eindruck von den Leuten, den ich über das Netz zuvor gewonnen habe, fast immer bestätigt bekommen. Ich hoffe, es ging den anderen mit mir genauso.

Dennoch ist Bloggen – wie alle Social Media Aktivitäten – auch mal ernüchternd und frustrierend. Interaktionen verlaufen überwiegend in einem geschlossen Zirkel. Doch noch frustrierender ist für mich, dass ich nicht über alles, was mich begeistert oder ich für eine Debatte wert halte, einen befriedigenden Beitrag verfassen kann. Manches packe ich da gar nicht erst an und nicht selten gebe ich beim Schreiben dann auf.

Hast Du Lesemacken?

Nein, es sei denn, man erachtet es als Macke, dass ich Bücher abbreche auch wenn sie lesenswert sind. Ich muss in der Stimmung für das Buch sein, selten schafft es ein Buch mich in Stimmung zu bringen. Doch wie man aus neueren Auswertungen des Leseverhaltens erfährt, ist es ja eher der Normalfall, dass Bücher abgebrochen werden.

Wie reagierst du, wenn dir ein Buch überhaupt nicht gefällt? Schreibst du einen Verriss oder lieber gar nicht darüber?

Wie oben geschrieben, lese ich Bücher, die mir missfallen sehr selten zu Ende. Nur dann aber würde ich einen Verriss oder Rant verfassen. Zuletzt war das bei Louis Begleys Roman „Zeig Dich, Mörder“ der Fall. Da habe ich mich über die Verantwortlichen geärgert, die diesen völlig misslungenen Roman zugelassen haben. Nebenbei interessant: ein ärgerliches Buch in den Papierkorb zu pfeffern und ein Foto davon zu machen, erregt die Gemüter mancher Bibliophilen. Daher kommt wohl das Wort „verwerflich“.

Was macht für dich ein gutes Buch aus?

Ein US-Richter soll auf die Forderung, Pornografie zu definieren, gesagt haben: „I know it, when I see it.“ Im Übertragenen gilt das für mich auch für gute Bücher. Es gibt keine festen Kriterien bei mir, anhand ich sagen wollte, das macht ein gutes Buch für mich aus. Ein Buch zu lesen, ist für mich der Versuch, seine Zeit in bester Gesellschaft zu verbringen. Dass dies nicht stetig gelingt, ist klar. Doch man kann lernen, selektiver zu werden, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen. Wie auch sonst hilft dabei Lebenserfahrung. Immer seltener passiert es mir, mit öden Gesprächspartnern meine Zeit zu vertrödeln. Und das gilt im ähnlichen Maße auch für Bücher.

Thomas Brasch Bücherregal

Was ist dir an deinem Blog ganz besonders wichtig?

Ich nehme mir die Freiheit, meinen Blog nicht wichtig zu nehmen.

Welchen Tipp gibst du anderen Blogger*innen?

Ich hüte mich, Tipps zu geben. Ich wünschte mir nur, Literaturblogger könnten ab und an etwas mehr kritische Distanz zu ihrer Leidenschaft einnehmen und wären etwas selbstironischer. Denn Bücher zu lesen und für andere darüber zu schreiben, die gerne lesen, was andere darüber schreiben, was sie gelesen haben, ist schon ein etwas sonderliches Verhalten für die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung. 

Was vermisst du in der deutschen Literaturbloggerszene?

Humor und Selbstironie – davon kann man auch nie genug haben.

Und was findest du gut?

Durchweg erlebe ich die Szene als eine sehr höfliche, recht homogene Gruppe von wohlerzogenen Menschen, deren Durchschnittsalter ich deutlich erhöhe und in der ich als Mann ein Exot bin. Das finde ich gut.
Welche andere Literaturseite sollte in dieser Gesprächsreihe auf keinen Fall fehlen?

Welche andere Literaturseite sollte in dieser Gesprächsreihe auf keinen Fall fehlen?

Da gäbe es noch so viele, die ich kenne, schätze und hier bislang vermisse. Ich will zwei nennen:

Zum einen Constanze Matthes mit ihrem Blog „Zeichen und Zeiten“, die mich zutiefst beeindruckt mit ihrer Auswahl, Anzahl und Analyse an Literatur. Unglaublich, wie viel sie liest und wie viel lesenswerte Besprechungen sie dazu verfasst.

Und zum zweiten Ilja Regier mit seinem Blog „Muromez“. Er ist noch jung, ein Mann, klug und gutaussehend, also eine Rarität in der Szene der Literaturblogger, und er hat sich – unter anderem – auf ein sehr spannendes Genre fokussiert: zeitgenössische, russische Literatur. 

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast für das Interview!

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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