Postcrossing: Die Postkartenbücherwelt - ein etwas anderes Hobby

PostcrossingMüde öffne ich nach einem langen Arbeitstag unseren Briefkasten und will eigentlich nur noch unter die Dusche und ins Bett. Doch plötzlich hüpft mein Herz und die ganze Müdigkeit ist wie weggeblasen. Neben Rechnungen, Gratiszeitungen und ungewollter Werbung flattern mir ein paar kleine, dünne Rechtecke entgegen. Postkarten!

Noch während ich die ungeliebten Rechnungen aufreisse und Gratiszeitungen und Werbung in den dafür vorgesehenen Papierabfall werfe, frage ich mich, woher die Karten wohl kommen, wer sie geschrieben hat, welches Motiv die Person gewählt hat.

Endlich! Das Beste kommt immer zum Schluss!

Eine Ansichtskarte aus Moskau, Meerschweinchen im Gras, eine Frau und ein Mann in ihrer traditionellen osteuropäischen Tracht und ein Gebäude von Hundertwasser.

Du redest von Postcrossing…

… aber was ist das überhaupt? 

Wie viele andere Leute weltweit, mag es Paulo, Postkarten zu erhalten, und irgendwann hatte er die Idee zu „Postcrossing“. Wäre es nicht toll, alle Leute mit demselben Hobby auf einer Seite zu versammeln und sie Postkarten tauschen zu lassen?

PostcrossingZusammen mit Ana nahm das Projekt Form an und am 14.07.2005 ging www.postcrossing.com online. Unterdessen verzeichnet die Seite über 500‘000 Mitglieder aus 214 Ländern aller Welt, über 25‘000‘000 Postkarten wurden bereits registriert.

Irgendwer hat irgendwann die Postkarte für tot erklärt. Diese Person schien noch nichts von Postcrossing gehört zu haben. Die Postkarte ist alles andere als tot, sie ist quicklebendig und erfreut sich überaus guter Gesundheit.

… und wie funktioniert das?

Ganz einfach: Man zieht eine Adresse, wählt eine Karte für diese Person aus, schreibt Text und Karten-Code darauf und ab die Post. Sobald die Karte mit dem Code registriert wird, gelangt die eigene Adresse in den grossen Adressen-Topf und man bekommt von irgendeiner Person eine Karte zugeschickt. Je länger man dabei ist, desto mehr Karten kann man verschicken und desto mehr Karten erhält man.

Von Postkarten und Büchern

Schon bald nach meiner Anmeldung stellte ich fest, dass sich ausserordentlich viele Bücherwürmer auf Postcrossing tummeln. Sehr viele Profile wünschen sich Büchercover als Motiv und/oder Büchertipps auf der Rückseite.

Woher kommt diese Beziehung?

PostcrossingEine Verbindung zwischen diesen Elementen liegt nahe. Der Zusammenhang zwischen Schreiben und Lesen ist nicht nur bei Büchern gegeben, sondern auch bei der Postkarte. Ein Text transportiert Gefühle, Bilder und speichert Erinnerungen. Auch wenn es sich „nur“ um zwei Sätze auf einer Postkarte handelt.

Beide Medien, Buch und Postkarte, arbeiten mit Sender und Empfänger und stellen auf diese Weise Nähe her. Der Austausch mit anderen liegt dem Menschen im Blut, er ist sogar lebensnotwendig. Es ist naheliegend, dass man auch gerne über sein Hobby berichtet oder andere Leute trifft, die dieselben Interessen haben. Vor allem über Bücher lässt es sich gut diskutieren und es bietet ein dankbares Thema, wenn man nicht weiss, wie man eine Postkarte füllen kann.

PostcrossingNicht zu vergessen ist die haptische Wahrnehmung, die in unserer digitalen Welt oftmals zu kurz kommt. Eine Postkarte hält man in den Händen, ebenso das Buch. Man fühlt das Papier zwischen den Fingern oder schnuppert daran. Auch visuelle Reize werden angeregt: Wer hat nicht schon ein Buch nur nach seinem Aussehen gekauft? Eine Postkarte ist ein stark optisch ausgerichtetes Medium und regt somit die künstlerische Seite des Menschen an. Egal, ob es sich dabei um eine Ansichtskarte oder ein niedliches Hundebaby handelt.

Oft trifft man beides zusammen an: Die meisten Buchhandlungen bieten nicht nur eine tolle Auswahl an Abenteuern und Wissen, sondern auch ein kleines bis grösseres Sortiment an Postkarten. Auch in Papeterien findet man nicht nur
Schreibutensilien, sondern auch Falt- und Postkarten. Viele Verlage sind dazu übergegangen, ihre Buchcover als Postkartensujet zu verwenden (z.B. die Karten-Box von Diogenes). Eine schöne und kostengünstige Werbung, für die sich natürlich vor allem Kinderbücher wunderbar eignen. Auch viele Comics findet man unterdessen im Postkartenformat (Nichtlustig z.B.).

Vor allem aber öffnen Bücher und Postkarten Türen und Tore zu anderen, fernen Welten.

Bunte Postkartenbücherwelt

PostcrossingEigentlich braucht es keine Gründe, um Postkarten und Bücher zu mögen. Eigentlich muss man auch nicht nach Gemeinsamkeiten suchen. Man muss sich auch nicht rechtfertigen.

Fakt ist, dass beides Spass macht. Viele Bücherfreunde haben sich auf Postcrossing versammelt und organisiert. Im Forum kann man Gruppen beitreten, die sich nur um Bücher drehen und man sich gegenseitig Büchertipps per Postkarte zukommen lässt.

Die oben gezeigte Karte erhielt ich in so einer Runde zum Thema "Bücher und Bücherrelevantes". Sie wirbt für eine wohltätige Organisation, die es auch Kindern aus armen chinesischen Familien ermöglichen soll, die Schule zu besuchen.

Bei mir stehen die Postkarten übrigens im Bücherregal und machen sich dort hervorragend.

Es kommt immer wieder vor, dass ich mich von Postcrossing verabschieden möchte. Postkarten und Briefmarken sind teuer, oft kommen die Karten nicht an, der Empfänger bedankt sich nicht… Solche Dinge frustrieren unheimlich und ich bin jedes Mal kurz davor, meinen Account auf Eis zu legen und es sein zu lassen.

Doch dann blättere ich durch meine Sammlung, denke an all die Leute, die ich durch dieses Hobby kennen lernen durfte und dran, wie viel Spass das Schreiben und Dekorieren von Postkarten macht. Dann setze ich mich wieder hin und versende aufs neue Karten in alle Welt.

Ist es mit den Büchern nicht ähnlich? Ich nehme mir vor, keine neuen zu kaufen. Ich hab doch schon. Und trotzdem kommt dann wieder dieses eine Buch daher, das man haben, das man lesen muss. Oder ich habe mal einfach keine Lust auf Lesen. Fange ein Buch nach dem anderen an, breche ab, lasse das Buch angelesen herumliegen.

Zum Glück lassen uns diese Hobbys viel Freiraum. Das Buch ist nicht böse, wenn wir es mal einen Tag liegen lassen. Die Postkarte auch nicht. Beide harren still, bis zu dem Tag, an dem sie an die Reihe kommen. Man kann auch mal eine Pause einlegen. Es einfach mal sein lassen und man kann jederzeit wieder damit anfangen. Dann fühlt es sich ein wenig an wie nach Hause zu kommen.

Von Fans für Fans

Was man als Liebhaber alles auf sich nimmt, zeigt dieses wunderschöne Beispiel, das zu meinen Höhepunkten als Postcrosserin gehören: Post aus Ankh-Morpok! Ein Liebhaber von 1. Terry Pratchett und 2. Postcrossing gab sich wahnsinnig viel Mühe damit gegeben, die Post in Ankh-Morpok zu testen. Deshalb wurden ausgewählte Testpersonen gesucht und ich gehörte dazu. Ergebnis: Die Post ist wieder intakt!

Dieses Beispiel und das vieler Kreativer, die ihre Postkarten unterdessen selbst gestalten (z.B. auf www.redbubble.com), zeigt, welche Freude hinter diesen Hobbys steckt. Welche Leidenschaft sie auslösen und wie viel Freude sie bereiten können.

Wir freuen uns über Feedback. Hinterlasst doch gerne einen Kommentar hier oder diskutiert mit uns im Forum über das Thema.


Weiterführende Links:

Postcrossing (Offizielle Webseite)

Postcrossing-Forum

Postkartenbox mit den Covern von Tomi Ungerer

Redbubble

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