Traurige Umstände machen aus einem Buch einen Bestseller: #einBuchfuerKai

Als Raja Fitzner am 19. Mai auf der Facebook-Pinnwand ihres Mannes Kai-Eric die schreckliche Botschaft verkündete und um Hilfe bat, hatte sie kaum mit einer so überwältigenden Reaktion gerechnet. Doch so unglaublich die Umstände, so traurig sind sie auch. Kai-Eric musste am 08. Mai wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus. Er erholte sich erst, doch in der Nacht vom 12. auf 13. Mai erlitt er einen schweren Schlaganfall und er musste in ein künstliches Koma versetzt werden.

Liebe Freunde und Bekannte von Kai!Mein Mann Kai wurde, wie ihr wisst, am 8. Mai, einen Tag vor seinem 45. Geburtstag,…

Posted by Kai-Eric Fitzner on Dienstag, 19. Mai 2015

Ein Schicksal, das virale Dimensionen erreicht

Es ist ein Schicksal, wie es unzähligen Familien passiert. Der Vater, der sich auf dem Weg in die Selbständigkeit befand, schwer erkrankt. Die Mutter mitten in einem Zweit-Studium, Kredite sind abzubezahlen. Manchmal nehmen wir solche Informationen wahr, doch meistens gehen sie im Rauschen der Informationsflut unter.

Kai-Eric ist ein "Onliner". Ein Networker. Ein Mann, der sich vor einiger Zeit mit Begeisterung in die Bloggerwelt warf und sogar Vortragsredner auf der re:publica war. Es wundert deshalb kaum jemanden, dass sein Schicksal unter vielen Menschen Bestürzung hervorruft.

Willkommen im MeerJohannes Korten ist ebenfalls Onliner. Und er ist mit Kai-Eric befreundet, hat ihn vor einigen Jahren auf einer Podiumsdiskussion kennen und schätzen gelernt. Kurzerhand rief er eine virale Social-Media-Aktion auf Twitter ins Leben, die nach nicht mal 24 Stunden für Furore sorgte unter dem Hashtag #einBuchfuerKai

Denn Kai hat ein Buch geschrieben. Schon vor einigen Jahren und es wurde bisher kaum beachtet.

Willkommen im Meer

›Willkommen im Meer‹ ist: Schule, Humanismus, Niedertracht, Sozialkritik, Oldenburg, PISA, Kolonialismus, Gutmenschenverschwörung, Geldadel, Lehrerzimmer, Tolkien, Portugal, Utopia, Mutter, Nachwuchs, Marihuana, Berufsverbot, Radikale, Rotwein, Strand, EMEA, Kleinkinder, Weihnachten, Freundschaft, Ranzen, Volksmund, 9/11, Kochrezepte, Globalisierung, Intelligenztests, Wetter, Schüler – alles in einem einzigen umwerfenden Roman.

Soweit die Inhaltsbeschreibung, die mich sofort angesprochen hat. Klingt sie nicht absolut wunderbar?

Johannes Korten griff die Idee von Raja Fitzner auf und erstellte eine Aktionsseite, auf der er dazu aufrief, die Familie durch Buchkäufe und/oder Spenden zu unterstützen. Den Originalartikel findet ihr auf Johannes' Blog: #einBuchfuerKai

Inzwischen steht das Buch auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste und hat die Biografie von Thomas Gottschalk auf Platz 2 verwiesen.

 

Innerhalb von wenigen Stunden verselbständigte sich die Aktion und das "soziale" in Social Media bewahrheitete sich mal wieder. Inzwischen trudelten schon über 1.000 € Spenden ein und kein Ende in Sicht.

Auch die "digitale Bücherfrau" Karla Paul meldete sich auf Twitter zu Wort:

Spenden? Oder Buch kaufen?

Das Buch erschien auf der Selfpublishing-Plattform von Amazon, weshalb sich hier natürlich auch die Geister scheiden. Unterstützen durch Buchkauf? Ja oder nein? Dann unterstützt man auch Amazon. Und das will ich doch gar nicht? Also direkt spenden? Auch kein Problem. Die genauen Informationen gibt es auch dafür auf Johannes' Blog.

Nun habe ich mich also für den Kauf des gedruckten Exemplars und des E-Books entschieden, aus einem sehr persönlichen Grund:

Ich kann Spenden nicht leiden. Besonders nicht, wenn ich Spendenempfängerin bin. Lieber biete ich anderen etwas für ihr Geld. Nur so bin ich mit ihnen noch auf Augenhöhe. Ich kann nur vermuten, dass es Raja ähnlich geht. Wer will denn schon zum Bittsteller werden? Da sie ganz konkret darum bat, sie durch Buchkäufe zu unterstützen, war das für mich die beste Lösung. Und ich habe sogar noch was davon.

Ist es reiner Voyeurismus?

Auch kritische Stimmen zu der Aktion bleiben nicht aus. Das liegt in der Natur der Sache, wenn eine Bewegung in Gang kommt. Eine Autorin gab auf Facebook zu bedenken:

Also ich finde die Sache ja prinzipiell gut, aber es macht mir auch Bauchweh, dass man als Autor am Rand des Todes stehen muss, um diese Aufmerksamkeit zu kriegen. Ist das noch Unterstützung oder schon Voyeurismus.

Vielleicht ist es das. Zumindest zum Teil. Viel eher ist es aber der Grundgedanke von Social Media, denn was steckt in dem Doppelwort? Sozial. Menschen sind trotz ihrer Marotten sehr soziale Säugetiere. Ob es sich hier um echte Anteilnahme handelt oder darum, ein Teil dessen zu sein, ein Gemeinschaftsgefühl zu haben - ich weiß es nicht. Doch muss erst eine Hungerkatastrophe geschehen, um den Blick auf die Dritte Welt zu lenken? Menschen sind so. Ich habe das Buch nicht aus Mitleid gekauft. Sondern aus Anteilnahme und auch aus sehr egoistischen Gründen, weil mich das Cover und die Beschreibung sofort angesprungen haben.

Übrigens ist auch Kai-Erics Blog Mondspiegel eine Reise wert.

Als Fazit kann ich mich nur Karla Paul anschließen, die auf ihrer Facebook-Seite Buchkolummne geschrieben hat:

 

Dieses Projekt zeigt, wie das "Social" in Social Media wirklich auch sozial bedeuten kann und es wäre toll, wenn Ihr Euch die Beschreibung des Romans einmal anseht und ihn bei Gefallen ebenfalls kauft sowie die Aktion natürlich möglichst weit verbreitet.

Das Buch ist schon auf meinem Reader. Ich bin gespannt! Und natürlich gibt es auch bald eine Rezension zu "Willkommen im Meer" für euch auf Literaturschock.

Ich wünsche der Aktion ganz viel Erfolg, aber vor allem: Gesundheit für Kai-Eric.

SuseÜber die Autorin

Susanne K. (Literaturschock.de)

Susanne Kasper ist Gründerin und Chefredakteurin von Literaturschock und Leserunden.de. Sie liebt es, andere für die Literatur zu begeistern, ist Preisträgerin des Virenschleuderpreises der Kategorie "Persönlichkeit des Jahres" 2016 und bietet unter Social-Reading.media einen Autoren- und Verlagsservice. Über schamlose Mails freut sie sich ebenso wie über vegane Keksspenden. Sie nutzt in ihren Artikeln immer mehr das Femininum, weil sie der Ansicht ist, dass damit auch Männer gemeint sind.

 

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