Wie Pippi, Madita & Co Weihnachten feiern: #1 Polly hilft der Großmutter

02Nicht mehr lange, dann ist tatsächlich schon wieder Weihnachten. Und wie jedes Jahr nehme ich mir fest vor die Zeit bis dahin besinnlicher und ruhiger zu gestalten, als in den Jahren zuvor. Damit mir dies nun aber wirklich einmal gelingt, habe ich folgendes Buch aus den Tiefen meines Bücherschrankes hervor geholt:

Astrid Lindgren - Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten

An den vier Adventssonntagen möchte ich jeweils eine Geschichte daraus vorstellen, es mir mit Wolldecke und Tee oder Kaffee auf dem Sofa gemütlich machen und für kurze Zeit die Hektik vergessen. Vielleicht gelingt es mir den ein oder anderen mitzunehmen, in eine besinnliche Weihnachtsstimmung, die wir glauben aus unserer Kindheit noch zu kennen, als jeder Tag uns (endlich) näher an den Heiligen Abend brachte.

Beginnen möchte ich mit Polly hilft der Großmutter. Polly ist keine von Astrid Lindgrens bekannten Figuren, die viele verschiedene Abenteuer erleben, sondern eine einzelne Geschichte, die auch als Bilderbuch erhältlich ist:

Es muss so die Zeit um 1900/1910 sein, als der Herd noch mit Holz beheizt wurde und es Findelkinder gab. So ein Findelkind war Polly. eines Tages lag sie vor Großmutters Tür in einem Körbchen mit dem Wunsch, sie möge sich um die Kleine kümmern.


Und so wuchs Polly zu einem patenten kleinen Mädchen mit lustigen braunen Augen in einer armen Straße, in einem armen Häuschen bei der Großmutter auf. In diesem Häuschen gab es nur ein Zimmer (für Großmutter) und eine Küche mit einem Küchensofa auf dem sich Polly abends schlafen legte. Aber auch wenn es ein armes haus war, so hatte es doch einen kleinen Garten und es war so fröhlich mit Polly darin und so geschäftig, wenn Großmutter Bonbons kochte, die sie Samstags auf dem Markt verkaufte.

Als Polly so ungefähr sieben Jahre alt war, und es nur noch eine Woche bis Weihnachten war, geschah es, dass Großmutter ausrutschte und so ein schlimmes Bein hatte, dass sie sich ins Bett legen musste und zu viele Schmerzen hatte, um dieses zu verlassen. Achachach, was sollte nun nur geschehen? Wer sollte nun das Haus Weihnachtsfein machen, den Weihnachtsschinken kochen und die Geschenke besorgen?

01Großmutter wollte Polly zur Nachbarin bringen, so dass sie sich um sie kümmern könnte, aber das wollte Polly nicht. War sie nicht da, um alles für Weihnachten vorzubereiten und mit Großmutter richtig Weihnachten zu feiern?

Also, fing Polly an: Sie machte unter Großmutters Anweisungen und mit ein bisschen Hilfe von Frau Larsson das kleine Häuschen Weihnachtsfein. Schrubben und Fenster putzen übernahm Frau Larsson, aber Polly putzt Staub, steckte die sauberen Gardinen vor die sauberen Fenster, legte Flickenteppiche aus und kochte Großmutter zwischendurch noch Kaffee und machte das Essen.

So weit, so gut. Was aber sollte mit den ganzen Bonbons passieren, die Großmutter schon für den Weihnachtsmarkt gekocht hatte. Natürlich, die würde Polly verkaufen. Auch wenn sie noch nicht rechnen konnte, wusste sie doch wie ein Fünfziger aussah. Und eine Tüte Bonbons, die Großmutter im Bett abgewogen hatte, kostete genau einen Fünfziger.

Am Tag des Weihnachtsmarktes war es bitter kalt. Polly zog sich zwei dicke Jacken unter ihren Mantel an, die Mütze tief über die Ohren und den dicken Wollschal um den Hals gewunden. Dazu noch große Handschuhe und Strohschuhe über den Stiefeln (wegen des Frostes). Den Korb mit den Bonbontüten am Arm machte Polly sich noch im Dunkeln auf den Weg zum Markt, wo ihr Stand schon von Herrn Larsson aufgebaut worden war.

05Und nun begann Polly, als kleinste Marktfrau überhaupt, in der bitterkalten Luft ihre Bonbons zu verkaufen. Sie akzeptierte nur fünfziger Geldstücke, die sie in eine Zigarrenkiste aufbewahrte. Und wie Polly verkaufte! Viele, viele Kunden wollten bei dieser patenten, kleinen Marktfrau Bonbons kaufen und schon bald waren alle Bonbontüten verkauft. Fröhlich und zufrieden kam Polly zurück zu Großmutter in das kleine Häuschen und Großmutter wusste gar nicht was sie ohne ihre Polly gemacht hätte.

Nun gab es nur noch das Problem mit den Weihnachtsgeschenken. Denn Großmutter hatte erst mit dem Geld vom Weihnachtsmarkt ein Geschenk kaufen wollen. Und Polly hätte doch so gerne die süßeste und schönste Puppe aus Fräulein Söderlunds Geschäft gehabt. Nichts hatte Polly sich sehnlicher gewünscht als gerade diese Puppe, die auch noch schlafen konnte. Aber sie konnte ja wohl nicht selber in das Geschäft gehen und die Puppe kaufen!

Wie gut, dass Polly noch nicht lesen konnte. So schrieb Großmutter einen geheimen Brief und gab diesen Polly mit zu Fräulein Söderlund. Als Fräulein Söderlund den Brief lange und gründlich gelesen hatte, durfte sich Polly in dem Raum hinten im Laden ein wenig umsehen. Und dann gab Fräulein Söderlund Polly ein Paket und schickte sie damit sofort nach Hause. Aber bevor Polly dahin ging, kaufte sie selbst noch feine Fingerhandschuhe für Großmutter.

Und wer glaubte jetzt noch, dass es kein richtiges Weihnachtsfest bei Polly und ihrer Großmutter gab! Man wünschte man wäre dabei gewesen. Da war das ganze Häuschen sauber geschrubbt, es lagen Flickenteppiche auf dem ordentlichen Boden, es duftet nach Weihnachtsessen und sogar einen Baum mit Kerzen gab es, den Polly selbst auf dem Markt gekauft und dann geschmückt hatte.

04Und dann war da noch die Freude bei Polly und ihrer Großmutter. die Freude über feine Fingerhandschuhe, über eine so sehnlich gewünschte schönste Puppe, aber vor allem die Freude beieinander zu sein und richtig Weihnachten zu feiern!

Wenn ich jetzt also so an Polly und ihr Weihnachtsfest und ihre Freude über DAS eine Geschenk denke, dann wünsche ich mir diese Freude geradezu herbei. Sich wirklich Gedanken darüber zu machen, wen möchte ich überhaupt beschenken und womit kann ich dieser Person eine echte Freude machen.

Ich werde es dieses Jahr also in Angriff nehmen: Mir schon bei den Ideen der Geschenke Zeit und Ruhe zu nehmen und nicht ein 08/15 Geschenk besorgen, sondern etwas das demjenigen gerecht wird, den ich beschenken möchte. Und das vielleicht gar kein Geld kostet, sondern ich verschenke Zeit oder Hilfe. Und darauf freue ich mich, die Adventszeit in dieser Hinsicht zumindest, besinnlich zu gestalten. Danke Polly!

Bildquelle: Adventskerzen (Wikimedia, gemeinfrei)

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